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03:11
Konzert: TravisOrt: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)Datum: 22.11.2008Zuschauer: wieder deutlich leerer; erschütternd leerDauer: 70 min
Wieso habe ich den gleichen Fehler noch einmal gemacht, nämlich Travis derart massiv zu unterschätzen. Ich mag die schottische Band seit ihrer ersten Platte, habe
auch eifrig immer alle folgenden gekauft - nur gehört habe ich Travis in den letzten Jahren selten. Und dann kam ein Konzert im vergangenen Jahr in Köln, zu dem ich vor allem wegen der fabelhaften Vorgruppe The Taste aus München gegangen bin, und Travis waren alles andere als langweilig und haben sich vollkommen in mein Herz gespielt.
Und danach habe ich sie wieder selten gehört...
Fleet Foxes und Rascals hatten mich schon überzeugt, und damit war genug auf der Pro-Schale der Rockpalast Waage, sodaß ich eigentlich von Travis nicht mehr viel erwartete. Ein Fehler wie gesagt.
Das erste Stück hatte mich noch nicht umgehauen. Ich kenne aber auch Ode to J. Smith, die aktuelle Platte, noch viel zu wenig. Aber schon dabei bekam man einen
guten Eindruck davon, daß das Spielen von Konzerten den vier Schotten offenbar unglaublich viel Freude bereitet. Sie bewegen sich viel, wandern über die Bühne, hüpfen und machen dabei grundsätzlich ein fröhliches Gesicht, es ist eine wahre Freude!
Nach Chinese blues mußte Fran erst einmal die Gitarre stimmen. Während er das tat, klagte er, daß das jetzt langweilig sei, das Konzert werde schließlich übertragen. Und das in seinem herrlichen Singsang-Schottisch, viel besser verständlich als das Grummel-Schottisch von Glasvegas.
Mein Gesicht wurde dann erstmals bei Selfish Jean, dem zweiten Stück fröhlich. Selfish Jean ist ein gutes Argument gegen die Nörgler, die sagen, Travis seien nur früher gut gewesen. Das Lied von der Platte vor Ode to J. Smith (The boy with no name) gefällt mir ganz ausgezeichnet, immer wieder!
Und Fran hüpfte und drehte sich und tanzte!
Wenn ich eben von den vier Schotten spreche, ist das zwar richtig, aber nicht ganz.
Vier Schotten waren auf der Bühne. Zusätzlich war aber auch wieder der schwedische Keyboarder Claes Björklund mit von der Partie.
Travis spielten Lieder all ihrer Platten. Dabei wurde das Set immer älter. Anfangs kam mit Writing to reach you vom zweiten Album nur ein altes Stück, mit der Zeit wurden die Lieder immer klassischer. Natürlich bildeten Songs von Ode to J. Smith absolut den größten Anteil, insgesamt kamen aber jeweils die Hälfte der Lieder von den ersten bzw. den letzten drei Platten. Besonders schön dabei war, daß Travis ihr Debüt Good
feeling nicht mißachteten. Mit Falling down, U16 girls und ihrem ersten gemeinsam gespielten Lied All I want to do is Rock 'n' Roll wurde das angemessen bedacht.
Und wieviele dieses Lieder sind schon jetzt zeitlose Klassiker? Sing, Driftwood, Turn, das wundervolle Side, Writing to reach you, Closer, bei dem nur das Publikum den Refrain sang und der Sänger kommentierte - "Closer" - "Nice" - "Closer" - "Nicer" - "Closer" - "ok."
Zwei der schönsten Lieder hatten sich Fran, Dougie, Neil, Andy & Claes für die Zugaben aufgehoben. Von letztem Jahr kannte ich schon die Flowers in the window Version, bei der alle Bandleute mit einer Gitarre Arm in Arm singen. Sie taten das vor den Mikros am Bühnenrand, also ganz akustisch. Und auch wenn ich es schon kannte - es war unglaublich schön, fast rührend, wenn das nicht so theatralisch klänge.
Danach, zu Why does it always rain on me, sollten alle hüpfen, pogen, verlangte Fran
(der Hut trug). Und wir sollten auf gar keinen Fall cool sein! "Being cool stops at eleven o'clock!"
Es ist für viele uncool, Travis toll zu finden, da bin ich ganz sicher. Aber die tun der Band unrecht (und sich selbst keinen Gefallen), denn auch als nicht-jeden-
Tag-Travishörer hat man live mit dieser unglaublich sympathischen Gruppe wahnsinnigen Spaß. Eine der besten Livebands, die ich kenne, da bin ich mir nach zwei Konzerten ziemlich sicher.
Das Rockpalast Festival war eine wirklich schöne Sache. Die Auftritte der Fleet Foxes (Tagessieger), von Travis und den Rascals waren in meinen Ohren ganz hervorragend. Ben Folds hat mir Spaß gemacht, Glasvegas leider nicht. Und unser (Vor)urteil, daß bei den Schilderungen, wie Donavon Frankenreiter sein würde, einige Male zu oft Jack Johnson als Referenz genannt wurde, bestätigte sich eindrucksvoll. Auf der Suche nach Sitzmöglichkeiten war man leider auf die Tribünen im Saal angewiesen. Und da spielte leider Donavon. Leider, weil es belanglos und seicht war. Ansonsten war der Tag und Abend wirklich sehr lohnenswert und hätte deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt!
Setlist Travis, Rockpalast Festival, Grugahalle Essen:
01: Chinese blues
02: Selfish Jean
03: Writing to reach you
04: J Smith
05: Something anything
06: Long way down
07: Re-offender
08: Love will come through
09: Side
10: Sing
11: Falling down
12: U16 girls
13: Closer
14: Driftwood
15: All I want to do is Rock 'n' Roll
16: Before you were young
17: Turn
18: Flowers in the window (Z)
19: Why does it always rain on me (Z)
Links:
- Travis im E-Werk in Köln (Oktober 2007)
- mehr Fotos von Travis in Essen
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03:08
Konzert: Ben Folds
Ort: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)
Datum: 22.11.2008
Zuschauer: recht volle Halle (den Umständen entsprechend)
Dauer: 65 min
Nachdem die Donavon (o-a-o, kein Witz!) Frankenreiter Abendess-Pause vorbei war, stand das Konzert auf dem Programm, auf das ich eigentlich am neugierigsten war.
Ich habe mich bisher mit Ben Folds nämlich viel zu wenig beschäftigt, ihn auch noch nie live gesehen.
Auffällig war erst einmal der Bühnenaufbau! Zentrales Stück (bildlich; er stand am linken Rand) bildete Bens Flügel. Wir fragten uns, ob er den mit auf Reisen nehme oder vor Ort jeweils ein Leihgerät bereitstehe. Beides erzeugt interessante Jobs. Flügelleiher oder Flügellogistiker könnte ich mir ganz gut vorstellen. Zu diesen Berufen gehört aber nicht das Reinigen des Instruments, der schöne Klavierlack sah nämlich aus wie ein Jeep nach einer Dschungeltour. Hinter Bens Flügel befand sich
auf einer Empore der Arbeitsplatz des Percussionspielers. Allerlei Glöckchen und Bimmelkram konnte man da erkennen, dazu eine fest installierte Triangel.
Keyboarder, Schlagzeuger und Bassist komplettierten die Band. Ben Folds kannte ich natürlich von Bildern. In Natura sieht er genauso nerdig aus, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mit seiner
Woody Allen Brille und dem braun-orange gestreiften Polohemd hätte er auch gut und gerne eine Software Firma gründen können.
Das neue Album Way to normal hatte ich erst einmal gehört, daher war vieles für mich relativ neu. Denn fast alles beim Auftritt des Amerikaners (der aus dem wundervollen North Carolina stammt) kam von der aktuellen Platte. Es fing an mit dem Titelsong, gefolgt von Brainwascht (ja, mit "t", vielleicht ist das Hessisch) mit dem Text "But if you had to say it all with a pop song, couldn't you at least have written me a good one?" Toll!
Ben Folds bewegte sich zwar durchaus viel während des Konzerts, aber nur hoch und runter von seinem Klavierhocker. Dafür rannte der Percussionmann kräftig über die
Bühne. Irgendwann nah er einen Stuhl, stellte ihn mit der Rückenlehne zum Publikum und "spielte" da sitzend Tambourin, nicht ohne dabei dramatische Gesten zu zeigen!
Von den ersten fünf Liedern stammte nur eines nicht von Way to normal - und war das beste (Annie waits von Rockin' the suburbs). Im Anschluß wurde es ungewöhnlich. Denn Ben spielte zunächst die falsche Dr. Yang Version (die mit anderen Liedern vor Album Veröffentlichung angeblich ins Internet geleakt wurde - mir fällt kein sinnvolles Wort dafür ein, das dieses fiese geleakt ersetzen könnte - diese Stücke sind mit wenigen Ausnahmen aber alles alternative Liedversionen; ein kleiner Gag der Band). Er kündigte es an mit "This song is called 'Dr. Yang!'". Danach kam: "This song is called 'Dr. Yang!'" und der Dr. Yang
vom Album. Daß er auch ein drittes Lied gleichen Namens direkt danach ansagte, war ein Scherz, es kam nämlich "Cologne".
Danach alte Sachen, zwei Lieder von Songs for Silberman, bevor Ben mit Free Coffee wieder zu Neuem zurückkehrte. Für dieses Stück, das mich witzigerweise an die Dresden Dolls erinnert (Ben hat das Soloalbum von Amanda Palmer produziert), mußte der Sänger das Klavier präparieren, indem er irgendwas auf die Saiten packte. Es klang dann auch wirklich wie solch ein automatischen Piano, das man aus Western oder dem Phantasialand kennt.
Dann war wieder Finde-die-Unterschiede-Zeit. "The next song is called 'The bitch went nuts'"... und "The next song is called 'The bitch went nutz'", mit s vom Album, mit z aus dem Internet. Die s-Version gefiel mir besser, sie war ganz großartig!
Von seinem ersten Soloalbum nach dem Ende der Ben Folds Five stammte dann noch das letzte Lied Zak and Sara, bevor nach gut einer Stunde Schluß war. Ich fand Ben Folds' Auftritt hochamüsant und musikalisch sehr gelungen. Aber meine Begleiter, die ihn schon häufiger gesehen hatten, waren vom Programm enttäuscht, wegen all der neuen Sachen, der beiden Fakes und fehlenden Lieblingen. Also ein gut-aber...-Auftritt.
Setlist Ben Folds, Rockpalast Festival, Grugahalle, Essen:
01: Way to normal
02: Brainwascht
03: Effington
04: You don't know me (ohne Regina Spector)
05: Annie waits
06: Dr. Yang (fake)
07: Dr. Yang (Album Version)
08: Cologne
09: You to thank
10: Landed
11: Free coffee
12: The bitch went nuts (Album Version)
13: The bitch went nutz (fake)
14: Zak and Sara
Links:
- mehr Fotos aus Essen
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03:04
Konzert: Fleet FoxesOrt: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)Datum: 22.11.2008Zuschauer: halb volle Halle (sehr optimistisch)Dauer: 55 min
Welch großartige Band! Ich mache nie Listen mit den
Platten des Jahres, wäre das anders, Fleet Foxes wäre sicher auf einem der ganz vorderen Plätze! Wie schön diese mehrstimmigen Lieder doch sind! Eines sind sie nicht: Rockmusik. Der Name der veranstaltenden Fernsehsendung machte den Washingtoner Hippies dann auch viel Freude. "Rock palace? Palace of Rock! You are Rock subjects! We tell you, when we gonna rock!"
Daß die Band, die mir schon in Haldern musikalisch viel Freude bereitet hatte, auch jenseits der Lieder Freude liefert, war mir neu. Im Spiegelzelt in Haldern hatten sie Pausen mit dem Stimmen ihrer Instrumente verbracht. Teilweise unterbrach das den Spielfluß sehr. In Essen verging kaum eine Liedpause ohne Gespräche zwischen Fleet Foxes und uns.
Auch wenn die Pausen dadurch kurzweilig waren, erzeugten natürlich die überragenden hymnischen Lieder die große Begeisterung.
Den Auftakt bildete Sun giant von der gleichnamigen EP. Vorher hatte Sänger Robin
Pecknold allerdings das Publikum sehr spektakulär begrüßt: "Hallo, schön hier zu sein. Hier in Essen, der europäischen Kulturhauptstadt 2010, siebtgrößte Stadt Deutschlands. Trotz des Industrieerbes eine grüne Stadt." "We know all about you, Essens!"
Sun giant war also der Beginn. Das Lied fängt a cappella an, nur von gelegentlichem Klopfen auf Robins Gitarre unterstützt. Es ging dann nahtlos in Sun rises über, die zweite Liedhälfte zu Red Squirrel, dem Eröffnungstitel der Platte. Ich brauchte ein wenig, das so zu erkennen.
Es folgten Drops in the river und English house von Sun giant. Dabei fiel mir erstmals auf, daß Gitarrist Skyler Skjelset (der einzige, der nicht singt, wenn ich das richtig gesehen habe), seine Gitarre mit Geigenbogen spielte. Die singenden Fleet Foxes sind
neben Robin Keyboarder Casey Westcott, der auch Ukulele spielte, Schlagzeuger Josh Tillman und Bassist Christian Wargo.
Nach oder während English house pfiff jemand im Publikum: "Stop whistling! No, just kidding. Everybody whistle!" - "There's one very aggressive bird!" ergänzte Joshua.
Mit White winter hymnal, Ragged wood und dem schönsten Lied der Welt, Your protector, hatte das Set etwa zu Halbzeit seine stärkste
Phase. Diese zehn, zwölf Minuten waren schlicht wundervoll! Also noch ein wenig wundervoller als der Rest, der war es ja auch.
Nach Your protector (schönstes Lied der Welt, nicht vergessen!) spielte Robin zunächst alleine weiter. Vorher aber wieder ein köstlicher Dialog! Eine Frau brüllte ein für mich nicht ganz nachvollziehbares Kompliment nach vorne. "You love my hand? You love my hair! Thanks!" Der Sänger erklärte dann das Schönheitsgeheimnis seines wallenden Haupthaars: "Du darfst Deine Haare anderthalb Wochen nicht waschen, dann ist es perfekt." Als das geklärkt war, ging es mit den Sololiedern los. Das erste war Crayon angels, von dem es eine Black Cab Session gibt (siehe unten). Das Lied stammt im Original von der amerikanischen Singer/Songwriterin Judee Sill.
Crayon angels ging dann in Oliver James von Fleet Foxes (der Platte) über. Die Band
nahm wieder Stellung, um einen weiteren Monsterhit (Robin) zu spielen, He doesn't know why. Ein weiterer solcher (Mykonos) bildete schon fast den Schlußpunkt. Dazu muß man nicht viel sagen, das Stück ist natürlich fabelhaft. Danach folgte die unschöne aber souverän gekonterte Stelle des Konzerts. Ein besonders schlauer Zuschauer (wir haben uns verständigt, hier nie beleidigend zu werden) meinte, daß eine Band aus Seattle gefälligst Ansagen auf Deutsch zu machen habe. Er bezeichnete Robin und Kollegen, diese netten Hippies, also schnell als "Arschlöcher," was die erst nicht verstanden. Auf Nachfrage übersetzte aber jemand. "He called us assholes?" Aber sie nahmen es gelassen und machten ihre Späße. Ob der Schreier beim nächsten Thailand Urlaub auch Thai spricht? (keine Beleidigung, schönes Land und so).
Nach dem würdigen Abschluß Blue Ridge Mountains setzte enormer Beifall ein!
Hochverdient, denn das Konzert war perfekt (abgesehen von den störenden Betrunkenen, die rhythmisches Klatschen, das nur ganz wenig neben dem eigentlichen Rhythmus lag, für eine gute Idee hielten, wobei "ganz wenig" relativ ist)! Von dem minutenlangen Applaus bekam die Band restlos alles mit, denn nach dem letzten verklungenen Ton bauten die Fleet Foxes ihre Instrumente und Effekte selbst ab, ohne von der Bühne verschwunden zu sein.
Setlist Fleet Foxes, Rockpalast Festival, Grugahalle Essen:
01: Sun giant
02: Sun rises
03: Drops in the river
04: English house
05: White winter hymnal
06: Ragged wood
07: Your protector
08: Crayon angels (Judee Sill Cover) (Robin Pecknold solo)
09: Oliver James (Robin Pecknold solo)10: He doesn't know why
11: Mykonos
12: Blue Ridge Mountains
Links:
- Fleet Foxes in Paris (12.11.08)
- und beim Haldern Festival
- sowie in Paris (02.06.08)
- mehr Fotos von den Fleet Foxes beim Rockpalast (ähh Palace of Rock)
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02:52
Konzert: Glasvegas
Ort: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)
Datum: 22.11.2008
Zuschauer: halb volle Halle (sehr optimistisch)
Dauer: 30 min
Glasvegas war die zweite Gruppe, auf die ich mich in Essen besonders gefreut hatte. Wenn man sich ein wenig mit britischer Musik beschäftigt, ist man in den letzten Monaten an der schottischen Band nicht vorbeigekommen. Meine Vorfreude, die Glasgower einmal zu sehen, stieg und stieg.
Und so wie die Rascals vorher meine Skepsis ruckzuck weggespielt hatten, machten das Glasvegas mit meiner Vorfreude. Am Anfang war ich noch ganz gefesselt, doch das verflog. Damit muß ich meinem Pariser Mitblogger Oliver vollkommen recht
geben, der beim ersten Mal Glasvegas lobte, dann aber immer weniger Gefallen am gigantischen Sound der Schotten fand. Und ja, Glasvegas sind auch für mich jenseits der Bombastgrenze.
Zunächst waren die vier Bandmitglieder in Dunkelheit und Nebel gehüllt und nur schemenhaft wahrzunehmen. Das passte schon recht gut zu den Klängen von Flowers and football tops. Dann gingen mehr Scheinwerfer auf, allerdings nicht metaphorisch.
Vielleicht könnte man Glasvegas als eine düstere Mischung der Killers mit den Fratellis bezeichnen. Düster aber popig. Dieses Dunkle spiegelte sich in der Kleidung
der Schotten wider. Sowohl Sänger James Allen, als auch sein Cousin Rab, Bassist Paul Donoghue und Schlagzeugerin Caroline McKay waren schwarz gekleidet. Die Schlagzeugerin fiel aber durch etwas anderes auf, durch ihr - nunja - dezentes Spiel. Sicher ist Trommeln auch schwer, wenn es leicht aussieht. Es sah sehr leicht aus, was sie da machte. Hände und Füße schienen immer das Gleiche zu machen. Das erinnerte mich an die Volksmusikgruppe bei Switch
Reloaded.
Eines der Lieder erinnerte mich extrem an Ultravox' Hymn. James Allen (der Fredi Bobic gleicht) klang manchmal aber auch nach Bono. Wer sich von einer ordentlichen Portion Bombast nicht abschrecken läßt - und der Bandname verspricht den ja schon - findet sicher
an Glasvegas großen Gefallen, schlecht sind sie ja schließlich nicht, wie die teils überragenden Kritiken zeigen - und die Reaktionen der vielen Briten in der Grugahalle. Aber mir war das zu dick aufgetragen. Schade, schade.
Setlist Glasvegas, Rockpalast Festival, Grugahalle Essen:
01: Flowers and football tops
02: Lonesome swan
03: It's my own cheating heart that makes me cry
04: Polmont on my mind
05: Geraldine
06: Go square go
07: Daddy's gone
Links:
- Glasvegas in Paris (19.11.08)
- und am 15.05.08
- mehr Fotos vom Rockpalast
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02:45
Konzert: The Rascals
Ort: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)
Datum: 22.11.2008
Zuschauer: wenige
Dauer: 30 min
Eigentlich hatte ich nicht vor, zum Rockpalast Festival zu fahren, weil mich eine
solche Großveranstaltung sehr abgeschreckt hatte. Leider war nur das Programm so ausgezeichnet... Trotzdem! Der November ist so voll mit hervorragenden Konzerten, auch an diesem Samstag gab es mehrere Optionen. Da bleibt eben einiges auf der Strecke!
Hauptgrund dafür, daß ich irgendwie doch gerne hingehen wollte (und das letztlich dann auch tat), waren die Rascals, diese Gruppe, die ich erst belächelt, dann gehört und seitdem in mein Herz geschlossen habe!
Belächelt, weil es den Rascals so wie dem Klimawandel ging. Irgendwann fing jeder an, darüber zu sprechen, meist voller Erfurcht, ohne allerdings nur den Hauch einer Ahnung von diesem
Thema zu haben. Bei den Rascals hatte es natürlich mit den Last Shadow Puppets zu tun, der Band von Miles Kane und Arctic Monkey Alex Turner. Im Zusammenhang mit dieser Gruppe war immer vom "Rascals-Sänger" die Rede, lange bevor irgendwer je ein Lied der Band gehört hätte. Uuiiihhh, der Klimawandel!
Das Belächeln ist mir schnell vergangen, als ich dann Rascals-Lieder gehört hatte. Dieser Miles Kane hat offenbar Talent bis unter die Fingernägel. Denn nicht nur die Last Shadow Puppets sondern auch die Hauptband strotzen vor Hits und Ideenreichtum.
Leider gab es bisher für mich keine Gelegenheit, die Rascals live zu sehen. Dann also in der Grugahalle! Leider waren die drei Engländer da ärgerlich früh angesetzt, sodaß ihr Konzert um halb sechs bei viel zu leerem Saal stattfand. Als wir eine Ecke vor Einlass vor der sagenhaft häßlichen Grugahalle ankamen, standen da erst zwei, drei Handvoll Leute - aber einige Schwarzhändler! "Habt ihr noch Karten übrig?" Nein, aber die Kasse...
Der Innenraum der Grugahalle war durch Vorhänge hinten und eine tief in den Saal gehende Bühne ziemlich
kompakt, trotzdem guckten Miles Kane, Joe Edwards und Greg Mighall vor allem auf Lücken. Aber das schien ihre Lust nicht zu trüben. Das begeisterte mich schon einmal. Der Rascals-Sänger (haha!) tritt mit seiner Zweitband in riesigen Hallen auf und geht mit unglaublicher Professionalität und Freude auch an solch einen undankbaren Job ran. Etwas Alkohol hat dabei sicher auch eine Rolle gespielt (diese Stimme kann nicht natürlich sein), vor allem aber Lust an seinem Beruf. Hinterher stand die Band bei Glasvegas und den Fleet Foxes im Publikum und sah sie sich als Fans singend und mittanzend an.
Aber genug ausgeholt... Nach dem Intro Rascalize, das von Band kam, war Out of
dreams vom Debütalbum der erste Song. Ganz eindeutig prägt Miles' Stimme die Musik der Rascals. Sie, und die melodiösen Gitarren geben den Liedern den 60er Jahre Touch, ohne sie bloß nach einer Retrogruppe zu klingen, so wie das ja zum Beispiel auch den Corals gelingt. Dazu kommt ein ordentlicher Schlag englischer Schnodderigkeit. Daß das alles auf Platte funktioniert, wußte ich. Bei den Last Shadow Puppets auch. Und nach ein paar Takten hatten mich die kleinen Strolche auch live vollkommen in ihren Bann gezogen! Unglaublich, was die drei jungen Kerle für einen satten Klang erzeugen!
Die ersten vier Lieder stammten alle von Rascalize. Neben Out of dreams mit
Freakbeat phantom eine zweite Single, sowie das herausragende Fear invicted into the perfect stranger und Stockings to suit. Danach - und das ist bei einem halbstündigen Auftritt sicher Zeichen eines gesunden Selbstvertrauens (aber eines mit solidem Fundament) kam ein neues Lied! Und danach eine B-Seite. Herrlich! Aber auch das funktionierte, denn die beiden waren hervorragend. Das neue Stück heißt Chills & fever und ist kein Tom Jones Cover, sondern wieder eine Bewerbung für den nächsten Bond-Soundtrack! Die B-Seite Better in the shadows stammt von der Suspicios wit EP und war qualitativ alles andere als ein Abfall.
I'll give you sympathy (ein Ohrwurm!) und It's too late (eine weitere B-Seite - von der Out of dreams EP) beendeten dieses wunderbare Konzert! Die letzten Minuten gehörten dabei psychedelischen Soli (klingt eklig, war es aber nicht!) bei It's too late. Das und der galoppierende Rhythmus des Stücks machten es zu einem triumphalen Abschluß! Von den Rascals werden wir noch viel hören, gar kein Zweifel!
Nur Reden ist nicht so Miles' Sache. Zwar unterhielt er sich von der Bühne kurz mit
den zahlreichen britischen Fans im Saal - herrlicher Austausch nach einem Zwischenruf aus dem Publikum: Miles: "You're from London?", dem viele andere Rufe folgten, woher die Leute waren - "Lancashire!" - "Duisburg!" - "What was that?" - seine Ansagen waren aber ansonsten eher knapp. Das "It's a new song, hope you like it!" war vermutlich der längste Satz. Aber wer braucht mehr, wenn die Musik so grandios ist.
Setlist The Rascals, Rockpalast Festival, Grugahalle, Essen:
00: Rascalize (von Band)
01: Out of dreams
02: Freakbeat phantom
03: Stockings to suit
04: Fear invicted into the perfect stranger
05: Chills & fever (neu)
06: Better in the shadows
07: I'll give you sympathy
08: It's too late
Links:
- The Rascals in Paris
- The Last Shadow Puppets in Brüssel
- und in Paris
- mehr Fotos von den Rascals in Essen