Montag, 21. Juli 2008

dEUS, Melt! Festival, 18.07.08


Konzert: dEUS
Ort: Converse Main Stage, Melt! Festival
Datum: 18.07.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 50 Minuten


dEUS – schon der Name der belgischen Band ist wenig bescheiden. Wer ausßer Karel nennt sich schon Gott?

Ist Tom Barmann denn wirklich ein musikalischer Gott? Oder einfach nur ein charismatischer Leader einer sehr guten Band?

Zumindest für ihr Kultalbum „The Ideal Crash“aus den 90ern haben die Flamen göttliche Kritiken bekommen und sind seitdem fest in der europäischen Musiklandschaft etabliert. Allerdings wurden die CDs, die dEUS in den letzten Jahren herausgegeben haben, nicht immer so positiv bewertet. Eingefleischte Fans halten hingegen jedes neue Werk der Flamen für ein neuerliches Meisterwerk.

Spannend für mich persönlich war nun aber, wie denn die neuen Songs von „Vantage Point“ auf mich wirken würden. Haben dEUS noch Biss, sind sie noch innovativ und kreativ, oder haben sie ihre besten Jahre hinter sich?

All diesen Fragen hätte ich gerne meine volle Aufmerksamkeit geschenkt, aber das Problem war, dass meine Freunde und Begleiter aufgrund des schlechten Wetters und der zahlreichen technischen Pannen die Schnauze gestrichen voll hatten. Vor allem meine Frau wollte das feuchte Festivalgelände sofort verlassen. Die Arme hatte bei strömenden Regen über eine Stunde in der Schlange am Eingang gestanden und erlebte auch das beängstigende Gedränge am eigenen Leibe mit.

Ich war in der Zwickmühle: einerseits wollte ich unbedingt dEUS sehen, die ich zuletzt (da allerdings mindestens 3 mal) vor zwei oder drei Jahren auf einer Bühne erlebt hatte, andererseits wollte ich auch meine Freunde nicht vor den Kopf stoßen.

Was tun? Ich handelte zunächst mit einiger Mühe das Verbleiben während der ersten drei Lieder aus. Da wir Fotopässe hatten, war das die Zeit, in der wir vorne knipsen durften. Das verstand auch meine Frau.

Bei recht dunklem Licht begannen die Fotografen, wie die Weltmeister loszuballern. Dabei immer im Mittelpunkt: die charismatische Rampensau Tom Barman, der lockige Sänger mit der unfassbaren Reibeisenstimme. Schon immer fragte ich mich, wie viele Zigaretten man geraucht und wie viel Whisky man gesoffen haben muss, um so zu singen.

Tom und seine Kollegen starteten mit „Slow“, einem neuen Lied das zwar wie der Titel es schon nahe legt recht langsam, aber keinesfalls langweilig ist. Eher schon düster und mystisch und von einer schwülen Duftnote umgeben, die einen gedanklich in die Wüste schickte. Ein guter Auftakt! Noch besser wurde es dann mit dem Klassiker „Instant Street“, zu dem Tom die Akustische herausholte und wunderbar sentimental sang. Gekonnter und knarziger hätte das auch ein Richard Ashcroft nicht hinbekommen!

Was für ein unglaublicher Song, dieses „Instant Street“, so komplex, so durchdacht, voller Stimmungs- und Tempowechsel! Unbestritten ein Meisterwerk.

Auch „Fell Off The Floor, Man“ ist eine Perle, fischt aber in gänzlich anderen musikalischen Gewässern. Hier dominiert Rap, Funk und Rock, man glaubt fast, Dizzee Rascal sei mit den Red Hot Chilli Peppers, Michael Jackson und Rage Against The Machine ins Bett gestiegen.

Ein fulminanter Start also, der mir Lust auf mehr gab. Allerdings hatten die anderen, vor allem meine Frau, ihre Meinung keineswegs geändert. Sie wollten gehen und zwar sofort! Ich wollte aber bleiben!

Nach zähen Diskussionen bot Christoph an, die Mädchen ins Hotel zu bringen und mich später abzuholen. Eine unglaubliche nette Geste, die er auch in die Tat umsetzte, obwohl er von der langen Anfahrt nach Gräfenhainichen hundemüde war. Das düster-gruselige „Is A Robot“ ging wegen des unangenehmen Streits komplett an mir vorbei.

Kurze Zeit später stand ich völlig alleine auf dem unwirtlichen Festivalgelände. Ich fühlte mich unwohl und mich plagten starke Gewissensbisse. Hätte ich doch lieber mit den anderen mitfahren, mich um meine entnervte Frau kümmern sollen?

Um ihnen hinterherzulaufen, war es aber jetzt zu spät, ich würde sie bei der Dunkelheit nie finden!

Ich versuchte so gut es ging, mich auf den Rest des Konzerts zu konzentrieren. Und das bot noch eine ganze Menge! Das funkig-groovige „The Architect“ kam beim Publikum gut an, war aber nicht mein persönlicher Favorit. Viel besser fand ich da schon das „Favourite Game“, das durchaus Chancen auf den „Favourite Song“ des neuen Albums hat. Auch gut: die an Keane erinnernde Ballade „Smokers Reflect“. Keane? Ja, genau, Keane, der weichgespülze Schnulzensänger mit dem Engelsgesicht, der zwar überall verrissen wird, dessen erstes Album aber nicht nur ich sehr oft und mit Genuss gehört habe. Insofern also keine schlechte Referenz.

Dann ging es aber wieder rockiger weiter, es war um auf den Text anzuspielen jetzt „Time for a mess“. Der psychedelische Schocker „For The Roses“ mischte das Publikum noch einmal so richtig schön auf.

Highlight und Abschluss war aber der Klassiker „Suds And Soda“, der schon an der lauten Sirene zu Beginn erkannt wurde und fast 10 Minuten lang Leute in Pfützen springen liess.

Für mich das beste Konzert des Festivals! Bravo dEUS! „Das ist viel Spass“ hatte Tom währendes Auftritts mit herrlichem Akzent mal verlauten lassen und er hatte Recht behalten, obwohl er sich selbst wohl in Berlin wähnte („Aufforderung an das Publikum: „Come on Berlin“) und nicht auf dem Melt! in Gräfenhainichen bei Dessau...

Setlist dEUS, Melt! Festival:

01: Slow
02: Instant Street
03: Fell Off The Floor, Man
04: Is A Robot
05: The Architect
06: Favourite Game
07: Smokers Reflect
08: For The Roses
09: Suds & Soda

Links:

- dEUS in der KulturKirche in Köln
- Interview mit dEUS

Fotos folgen!



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