Freitag, 19. Januar 2007

The Sunshine Underground & Automatic, Paris, 18.01.07

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Konzertbericht: Inrocks Indie Club mit the Sunshine Underground & The Automatic
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 18.01.2007
Zuschauer: ausverkauft

Heute abend stand der Inrocks Indie Club #14 auf dem Programm. Vorab hatte ich mich aber bereits um 18 Uhr auf das Event eingestimmt, denn die jungen Herren aus Leeds von The Sunshine Underground gaben dort im Rahmen eines Showcases ein kleines Gratiskonzert in der Fnac Champs-Elysées. Wie immer bei solchen Veranstaltungen war das Ganze rein akkustisch. Für mich hat sich das Kommen gelohnt, denn so konnte ich aus nächster Nähe sehen, daß die Band auch ohne Verstärker, Kuhglocken und Schlagzeug Stimmung erzeugen kann. Maßgeblich verantwortlich hierfür war der etwas pummelige Sänger der Band, der eine Stimme hat, die einem durch Mark und Bein geht. Ein gemütlich wirkender Typ übrigens, der in den Pausen zwischen den Songs das eine oder andere Bierchen kippte. Vom Alk angestachelt ging Pummelnaldo aber vor allem gegen Ende ganz schön ab und legte beim abschließenden "Commercial breakdown" sein ganzes Volumen in die tolle Songzeile "So I tell my problems you never gonna get me if I'm too busy". Nach vier Titel war Schluß und die drei Burschen (der Schlagzeuger durfte blaumachen) zogen von dannen.

In der Maroquinerie hatten sie dann anschließend andere technische Bedingungen und ließen es hier so richtig krachen. Obwohl ich vorher nicht die beste Meinung von der Band aus Leeds hatte, weil ich sie als typische Mitläuferband eingestuft hatte, wurde ich doch positiv überrascht. Die Energie stimmte, die Chemie innerhalb der Band auch und zudem haben sie mit "The way it is", "Put you in your place" und "I ain't losing any sleep" Titel, die live gut ziehen und die Leute zum pogotanzen brachten. Klar erinnerte hier vieles an andere Bands, die Killers z.B. oder The Rapture oder sogar The Automatic. Wenn eine Band sich aber so ins Zeug legt, kann ich damit leben. Auch hier war wie schon zuvor "Commercial breakdown" ein Knüller. The Sunshine Underground werde ich mir als brauchbare neue Band merken und hoffe sie im Rahmen von Festivals mal wieder zu sehen.

Zu Sunshine Underground ist noch folgendes anzumerken: sie spielen amüsanterweise im Rahmen eines Wettstreits gegen The Automatic. Die Band aus Leeds wird nämlich als Teil der sogenannten New Rave Bewegung angesehen, die in England seit knapp einem Jahr Furore macht. Im Grunde genommen handelt es sich um einen Hype, der vom NME angeschoben wird, um Bands zugkräftig zu vermarkten, die sich im Grenzgebiet zwischen Indie Rock und Dance Musik bewegen. Früher nannte man sowas auch Punk-Funk, federführend war die Gang of Four. Gemeinsam ist all diesen New Rave Bands, daß sie vor allem Instrumente einsetzen, die nach Kuhglocken klingen. Der NME hat aus dieser Idee eine ganze Tournee gemacht, bei der Indie Rave Bands gegen Indie Rock Bands antreten. Auf der Indie Rave Seite treten neben The Sunshine Underground u.a. die stark gehypten Klaxons, CSS und New Young Pony Club auf, die Fraktion der Indie Rocker wird vertreten von The Automatic, The View, The Horrors und Mumm-Ra.

Spannend war also, wer heute hier als Sieger vom Platz ging, die Vertreter des Raves oder des Rocks.

The Automatic mußten sich deshalb ins Zeug legen und das taten sie auch, denn mit "Keep your eyes peeled" drückten sie gleich ordentlich aufs Gaspedal. Die vierköpfige Band hatte 2006 in England vor allem durch ihren Riesenhit "Monster" für Furore gesorgt und via MTV2 bin ich auf sie recht früh aufmerksam geworden. Das Album "Not accepted anywhere" erhielt dann aber nur gemischte Kritiken, es wurde vor allem bemängelt, daß es über die gesamte Länge etwas monoton sei. Machen wir uns nichts vor, der Mangel an Originalität und Ideenreichtum ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das spielte heute abend keine Rolle. Die Band kompensierte nämlich diese Schwächen live durch ihre unglaubliche Energie, ihren Einsatz und die unbändige Spielfreude. Insbesondere der kleine rothaarige Schreihals, der die background vocals bildete, sprang wie ein wildgewordenes Rumpelstilzchen herum und peitschte die Fans mächtig auf. Schon beim zweiten Titel "Raoul" war pogotanzen und crowdsurfing angesagt. In der Folgezeit spielten sie auch neue Sachen und Stücke, die nicht auf dem Album sind. So zum Beispiel "It ain't no disco", das wohl von den Talking Heads stammt. "Ihr seid ein tolles Publikum, so enthusiastisch, danke euch" zeigten sie sich angetan. " Zur Belohnung bekommt ihr jetzt was Besonderes (auf englisch sagten sie: "as a special treat for you"), nämlich "Monster". Jetzt ging mächtig die Post ab und alle schrien lauthals mit: "What's that , coming over the hill, is it am monster, is it a monster..."

Aber auch der Rest des Sets war nicht langweilig und am Schluß des offiziellen
Teils brachten sie noch "You shout, you shout", bevor sie erstmal schweißgebadet die Bühne verließen. Der Sänger hatte lustigerweise nur noch einen winzig kleinen trockenen Fleck auf seinem einstmals hellgrauen T-Shirt. "It' so bloody hot in here". Stimmt Jungs, der Januar hat uns noch nie so schwitzen lassen...

Nach drei Zugaben und dem finalen "Recover" war dann endgültig Schluß. The Automatic hatten ihre Sache gut gemacht und gewaltig gerockt.

Wer hat aber jetzt das Duell gewonnen zwischen Rave und Rock?

Ich würde sagen: unentschieden!


Beide Bands haben Spaß gemacht und man wird noch von ihnen hören, zumindest in 2007.

Setlist:
01: Keep your eyes peeled
02: Raoul
03: On the campaign trail
04: It ain't no disco
05: Team drama
06: Non album track
07: Monster
08: By my side
09: ?, neuer Titel
10: Seriously... I hate you guys
11: You shout, you shout, you shout

12: That's what she said (Z)
13: Gold digger (Z)
14: Recover (Z)

von Oliver


Razorlight, Köln Live Music Hall, 18.01.07

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Konzert: Razorlight
Ort: Live Music Hall Köln
Datum: 18.01.2007
ausverkauft

Da ich sturmschadenbedingt meine Teilnahme am Razorlight-Konzert nach kurzer Zeit abbrechen mußte (die Band um Johnny Borrell war bei dem wenigen, das ich gesehen habe, mitreißend - wie schon beim Konzert im Palladium, als sie als Vorgruppe für Mando Diao herhalten mußte), möchte ich diesen Bericht der Vorgruppe widmen. Eigentlich hätte ich mir (wegen der Palladium-Sache) Mando Diao gewünscht, nicht, weil ich die unbedingt zum dritten Mal sehen wollte, sondern um die Verhältnisse wieder zurechtzurücken. Es trat dann aber eine junge deutsche Band auf, von der ich immer wieder Konzertankündigungen gesehen, bisher aber nichts gehört hatte.

Karpatenhund kommen aus Köln und Hamburg, sind
ganz offensichtlich nach Folge 3 (bin ziemlich sicher, daß es Folge 3 ist) der Drei Fragezeichen benannt und machen deutschen Pop, der wirklich erstaunlich ausgereift wirkt. Erstaunlich, weil die Band, vor allem Sängerin Claire, verflucht jung wirkt. Das Publikum in der Live Music Hall bestand wieder einmal zu einem bemerkenswert hohen Teil aus Engländern, die anfangs sehr reserviert wirkten. Das wunderte mich überhaupt nicht, wenn man bedenkt, was in England an Vorgruppen auftritt. Karpatenhund (wieder vor allem Sängerin Claire) hat es aber mit einer wirklich tollen Performance und sehr charmanter Art geschafft, das zu tun, was Vorgruppen tun sollen, nämlich für Stimmung gesorgt. Ich habe Silbermond nie live gesehen (das wird sich wohl auch nicht ändern), zumindest Juli kann sich aber mehr als eine Scheibe von der Livequalität von Karpatenhund abschneiden. Vor allem die live doch sehr quäkende Juli-Sängerin wäre im Vergleich verdammt blaß geworden.

Ich denke, daß wir von Karpatenhund noch viel hören werden. Das war ein sehr schönes Konzert!

Setlist:
01: Ist es das, was du wolltest
02: Nicht wirklich glücklich
03: Zusammen verschwinden
04: Sendet Gegner
05: Neonlicht
06: Alles ist schiefgegangen
07: Ich will, dass du bleibst
08: Tag, der nicht vergeht
09: Eigentlich wollte ich mich nicht mehr verlieben
10: Gegen den Rest


Dienstag, 16. Januar 2007

Peter, Björn and John, Köln, 15.01.07


Konzertbericht Peter, Björn and John

Datum: 15.01.2007
Ort: Stadtgarten, Köln
Zuschauer: wohl nicht ganz ausverkauft

Zwei Tage nach Paris war auch mein erstes Konzert des Jahres das von Peter, Björn und John aus Schweden. Am Mittag hatte ich gesehen, daß es nicht im Gebäude 9 stattfindet, wie ich eigentlich gedacht hatte, sondern im Stadtgarten in der Venloer Straße, in dem ich bisher erst einmal war, nämlich bei Paula vor zwei Jahren.

Aber nicht nur ich war verpeilt, der Veranstalter oder die Vorgruppe auch, denn laut
Ticket sollte das Konzert um 21.30 h beginnen. Als ich kurz nach neun noch etwas in der zugehörigen Kneipe getrunken habe, hörte ich, daß im Saal (Räumchen eher) schon irgendwas losging. Irgendwas war die Vorgruppe Holiday for Strings, ein paar Schweden, die nach dieser zweiten Sorte Schweden, die man kennt, aussah, nicht nach der smarten, schmalen Sorte, sondern nach der langhaarigen, bärtigen, wilderen Art. Die Musik, die sie machten, war in Ansätzen nett, insgesamt aber sehr experimentell und mir zu wenig hörbar. Auf der Fahrt hatte ich im Radio die neue Single von Arcade Fire erstmals gehört, das hatte den Standard für solche Musik aber auch unerreichbar hoch gesetzt.

Nach den von Oliver beschriebenen sphärischen Klängen traten dann um kurz nach zehn Peter, Björn und John auf (erste Sorte Schweden). Die Setliste war wohl die gleiche wie in Paris, auch in Köln begann das Konzert mit "Let's call it off". Ganz zufrieden war Bassist Björn damit aber wohl nicht, auf der Setliste, die ich als Souvenir mitnahm, hat er das Eröffnungslied mit 4 von 5 Punkten bewertet. Hätte ich musikalisch geschultere Ohren, wäre mir vielleicht aufgefallen, daß das Schlagzeug am Anfang ab und zu leicht aus dem Takt war, das hätte dem Genuß an dem fabelhaften Konzert aber keinen Abbruch getan.

Nach einem der ersten Stücke fragte Peter, wer die Band schon vor einem Jahr gesehen habe. Sie seien schon mal in "Cologne or Koln or how you call this place" gewesen und erzählte dann von seinen Deutschkenntnissen. Er könne nur Sätze wie "Ich bin ein Dummkopf" sagen.

Nach elf Titeln (bunt gemischt von allen Alben) endete der reguläre Teil mit "Up against the wall" bzw. mit einem (gefühlt) 20 minütigen Instrumental-Dings. Als die drei Schweden wieder auf die Bühne kamen, fragte Peter als erstes, ob uns die Freejazz-Einlage gefallen habe. Nach vier Zugaben und dem Dank an ihr Team (u.a. an die beiden Busfahrer) und dem eindringlichen Aufruf von Björn, die CD der Vorgruppe zu kaufen "Buy the CD or I'll kill you, buy their CD or I'll kill you!" war dann Schluß. Das Konzert war fabelhaft, die Band macht Spaß und kommt auf meine Liste der guten Bands aus Schweden.

In der Vorhalle verkauften dann die Vorgruppen-Schweden anschließend CDs (einer der Typen hatte wunderschöne Europe-Haare und trug einen weißen Fuchsschwanz an der Jeans) und Peter, Björn und John standen mittendrin und unterhielten sich mit uns. Björn kommentierte ein paar Lieder auf meiner Setlist und Schlagzeuger John sagte, die Konzerte in Paris und Köln seien die besten gewesen. Da hatten wir also ein gutes Näschen!

Setlist:
01: Let's call it off 4/5
02: (I just wanna) See through 5/5
03: The Chills 5/5
04: Paris 2004 4/5
05: Far away, by my side
06: Start to melt
07: Big black coffin
08: Amsterdam
09: Young folks
10: Objects of my affection
11: Up against the wall

12: Teen love (Z)
13: Does ist matter now? (Z)
14: I don't know what I want us to do (Z)
15: Collect. Select. Reflect.


Sonntag, 14. Januar 2007

Peter, Björn and John, Paris, 13.01.07

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Konzert: Peter, Björn and John

Datum: 13.01.2007
Ort: La maroquinerie, Paris
Zuschauer: zum Bersten gefüllt


Viele Fans der Indiemusikszene hatten wohl über die Feiertage Entzugserscheinungen bekommen, so daß die Maroquinerie am heutigen Abend fast aus allen Nähten platzte.

Peter, Björn and John, ein Trio aus Stockholm, stand zum Saisonauftakt auf dem Programm. Von den drei Nordlichtern bekam ich aber zunächst nicht viel zu sehen, da das Gedränge viel zu groß war und zudem die Betonpfeiler mir die Sicht auf die Bühne versperrten. So lauschte ich zunächst den sphärischen Klängen, die das Intro zu dem Set bildeten. Diese gingen schließlich in die Singleauskopplung "Let's call it off" über. Sofort kam Stimmung auf.

Der zweite Song dann ein Stück von einem älteren Album. Ja, richtig gelesen, Peter, Björn and John gibt es zumindest in Schweden schon etwas länger. Sie haben vor dem aktuellen Durchbruchalbum "Writer's block" schon zwei andere Longplayer veröffentlicht. Im übrigen ein relativ harter Song, wie man überhaupt sagen muß, daß die Skandinavier live wesentlich schrammeliger und kantiger rüberkommen als auf dem ziemlich soften und gefälligen Album. Für mich war das genau richtig so. Erinnerte manchmal fast an Mando Diao. Zumindest haben die jeweiligen Sänger im Englischen einen ähnlichen Akzent.

Vor dem dritten Titel "The chills" stellten sich die jungen Herren erst einmal artig vor und zwar auf französisch: "Je m'appelle Peter et ca c'est Björn. Nous sommes suedois et très content de jouer à Paris." Danach streikte aber das Schulfranzösisch und sie mußten den Rest dann doch auf Englisch bestreiten. Für ihre Bemühungen bekamen sie aber den verdienten Applaus des amüsierten Publikums. Daß sie Paris mögen, verdeutlicht zudem die Tatsache, daß sie der Stadt der Liebe gleich ein eigenes Lied gewidmet haben, das als nächstes angestimmt wurde: "Paris 2004". Zweifelsohne ein Highlight des Konzerts und des letzten Albums. Der Funke war nun endgültig übergesprungen und in der Folge gab es einen regen Wechsel zwischen neuen und alten Liedern. Letztendlich wartete aber jeder schon klammheimlich auf den Riesenhit "Young folks", denn so gefällig die anderen Stücke auch waren, an die Qualitäten dieses Gassenhauers kam nichts ran. Nach "Amsterdam" war es dann schließlich so weit: ein Trommelwirbel, eine rhythmische Rassel und natürlich das euphorisierende Pfeifen von Peter ließen längst vermisste Sommergefühle aufkommen. Das wirkte bei der Menge besser als Prozac, jeder hatte ein gutgelauntes Grinsen im Gesicht. Leider wurden sie live nicht von einer weiblichen Stimme unterstützt wie auf der Albumversion, aber auch so verfehlte die Hymne nicht ihren Effekt. Eigentlich wäre das ja schon ein perfekter Abschlusstitel gewesen, aber die Drei versicherten danach frohgemut: "It's not over yet, let's play some more songs." Mir sollte es recht sein. Die Verlängerung lohnte sich vor allem für "Up against the wall", dessen Klasse ich bisher unterschätzt hatte, aber auch für einen alten Hit namens "Teen love". Beschlossen wurde das Set schließlich von der Ballade "Collect. Select. Reflect.", bei dem der Geist von Nick Drake durch das Kellergewölbe der Maroquinerie wehte.

Alles in allem ein gelungener Aufgalopp in die neue Saison!

Setlist
01: Let's call it off
02: ? (alter Titel)
03: The chills
04: Paris 2004
05: ? (Songzeile: Dubidu)
06: Start to melt
07: Big black coffin
08: Amsterdam
09: Young folks
10: Objects of my affection
11: Up against the wall

12: Teen love (Z)
13: ? (our very first single) (Z)
14: Collect.Select.Reflect (Z)

von Oliver


Samstag, 13. Januar 2007

Konzerte des Jahres (Oliver): Top 15

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15: The Strokes (Le Zenith, Paris)
Mein erstes Strokes Konzert hat mich zwar nicht umgehauen aber es war durchgängig kurzweilig und unterhaltsam. Vor ausverkauftem Haus gingen vor allem die Hits der ersten beiden Alben runter wie Öl.

14: Element of Crime (Haldern)
Ebenfalls ein Debüt für mich aber mein erstes Konzert mit Sven Regener und Band soll nicht mein letztes bleiben. Trotz strömenden Regens und einem Gelände, das einer Matschpiste glich, schaffte es der Autor von "Herr Lehmann" mein Herz zu erwärmen. Legendär die mehrfache Ansage langsamer Titel: "Romantik!" Bestes Lied: "Weißes Papier", drückt nach wie vor auf die Tränendrüse.

13: Arctic Monkeys (Bataclan, Paris)
Seit langem ausverkauft, an Karten zu kommen nahezu unmöglich. Unmöglich? Wozu gibt es den marché noir? Hier kostete die Karte weniger als das reguläre Ticket! Das Konzert hielt, was es versprach, trockener, straighter und ultraschneller Indierock, dargeboten von Typen, die man nach ihrem Ausweis fragen würde, wenn sie in den USA ein Bier wollten. "Mardy Bum", "When the sun goes down" und zum Abschluss "A certain romance". Was will man mehr?

12: The Zutons (Paris)
Tolle Musik machen die Zutons. Aber wen interessierte das an jenem heißen Sommertag? Alle schauten doch nur auf die gebräunten, wunderschönen Beine der sexy Saxophonistin der Zutons. In den Händen eines solchen Schnuckelchens wird das einst verbrämte Instrument plötzlich wieder unglaublich angesagt...

11: The Flaming Lips (Bataclan, Paris)
Giftgrüne Riesenluftballons, Weihnachtsmänner und Marsmännchen, dazu psychedelische Bubblegum-Musik und durchgeknallte Videos. Welch ein Spektakel! Würde Frontmann Wayne Coyne eine Sekte gründen, hätte er wohl viele Anhänger...

10: The Wrens (Haldern)
"We never gonna be fucking rockstars, but we give a hot shit about it." Die vielleicht sympatischste Ansage eines Sängers im Jahre 2006. Für mich sind sie aber Stars, die nicht mehr ganz jungen Wrens aus den USA, denn nicht nur ihr Album "Meadowlands" ist ein vielschichtiger Klassiker des US-Indierocks sondern auch ihre Bühnenshows haben es in sich. Da kommt was rüber! Und wer verteilt schon Schlagzeugstöcke an die Fans, damit sie auf der Bühne mittrommeln können?

09: Franz Ferdinand (Evreux)
FF sind immer wieder toll, auch wenn manche stänkern und behaupten, sie seinen zu perfekt und zu durchgestylt. Wer hat schon so viele tolle Lieder im Repertoire von den neuen Bands? Besonders schön: Eine schnelle Version von "Walk away". Und "Take me out" hat bisher noch jeden Tanzmuffel aus der Reserve gelockt.

08: Babyshambles (Elysée Montmartre, Paris)
Pete kam und war auch in toller Form. Jeder, der lästert, sollte mal ein Konzert von Herrn Doherty besuchen (wenn er denn das Glück hat, das es auch stattfindet). Wer sich für Britrock interessierte, merkte schnell, daß der Ex-Libertine eine der wichtigsten Figuren des modernen Britrock ist, Skandale hin oder her. Wer sich für Klatsch begeistern kann, bekam immerhin den Kurzauftritt von Kate Moss persönlich geboten. Fuck forever...

07: The Organ mit Be your own pet (La Maroquinerie, Paris)
Jemina Pearl und ihre Band "Be your own pet" heizten mit ihrem wilden Punkrock schon mal ordentlich ein, aber mein Interesse galt an jenem Abend ganz allein Katie Sketch. Was für eine verdammte Stimme diese Frau hat. Warum ist sie lesbisch, ich würde sie heiraten, damit sie mich in den Schlaf singt! Stellte sich nur die Frage, was das beste Lied war? War es Brother, oder doch Steven Smith, oder doch Love, love, love, oder, oder....

06: Cat Power (Le grand rex, Paris)
"Ich habe dem Tod in die Augen geschaut". So dramatisch schilderte Chan Marshall alias Cat Power ihre tiefe seelische Krise im Laufe des Jahres 2006. Zum Glück kam sie aber wieder ins Leben zurück und bezauberte nicht nur mich mit ihrer warmen Stimme, ihrer Sensibilität und ihrer herzlich-natürlichen Ausstrahlung. Denke ich an "Where is my love" habe ich noch heute eine Gänsehaut.

05: Kooks (La Cigale, Paris)
Von der ersten Strophe an sang das gesamte Publikum mit. Luke Pritchard und seine Jungs waren die englische Band des Herbstes 2006 schlechthin. Keine Band hatte in diesm Jahr mehr Gassenfüller zu bieten " Oh la", "Sofa song", "She moves in her own way" und und und. Wer kann die Jungspunde 2007 stoppen?

04: Dirty Pretty Things (Trabendo, Paris)
Die erste Platte war noch gar nicht auf dem Markt, da gab es bereits das erste Konzert in Paris. Carl Barât und Band spielten von Anfang an wie aus einem Guss und machten einem schmerzlich klar, wie sehr die Libertines der Musikszene fehlen. A propos Libertines: auch von denen wurden Songs gespielt, so z.B. der Klassiker "I get along". Und welche Band hat schon einen solch fabelhaften Schlagzeuger? Gary vermöbelte mit nacktem, durchtrainierten Oberkörper geradezu sein Arbeitsgerät. Muse und Mando Diao aufgepasst: so geht Rock'n Roll!

03: Kaiser Chiefs (Bataclan, Paris)
Am Vortage hatte ich sie bereits in einem Club im Rahmen eines Privatkonzertes gesehen, aber das war nur das warm-up! Heute sprang Frontmann Ricky Wilson schon beim ersten Song (war es "Na na na na na" oder "Saturday night"?) drei Meter hoch in die Luft. Hatte er sich etwa wieder mit Panterra vorher heiß gemacht? Die Meute johlte und Ricky ließ es sich mal wieder nicht nehmen bei "Oh my god" crowdsurfing zu betreiben. Die Kaiser Chiefs mögen zwar musikalisch eine schlechte Kopie von Blur sein, wie es Noel Gallagher ausdrückte, live sind sie aber eine Macht. Sie haben noch jeden Saal zum Kochen gebracht. Fortsetzung 2007.

02: Morrissey (Paris)
Morrissey habe ich 2006 fünfmal gesehen, aber nie war er so gut, wie an jenem lauen Sommerabend vor den Toren von Paris. Er sprühte nur so vor Spielfreude und sein Charisma und seine stimmlichen Qualitäten suchen eh ihresgleichen. "Paris is the city of lovers, where is my lover"? fragte er einmal etwas traurig. Stephen Patrick hör zu: deine Liebhaber finden sich in der ganzen Welt, es sind Deine unzähligen treuen Fans, die allerdings darauf warten, mal "The Boy with the thorn in his side" zu hören. Ansonsten: mach weiter so, alter Knabe und zeige den jungen Hüpfern noch weiterhin, wo es langgeht!

01: Gang of four (Cigale, Paris)
Noch so ein paar alte Säcke! Sympathie aus reiner Nostalgie? Weit gefehlt, die Viererbande aus Leeds brachte gerade große Teile des jungen Publikums zum Pogotanzen. Wer waren noch mal Franz Ferdinand? Ach so, die Typen, die 2004 mit 25 Jahren Verspätung die Kohle gemacht haben, die eigentlich der Gang of four gebühren würde. Das Musikbusiness ist gemein, aber wenn die bekloppten Vier aus Leeds noch ein paar Mal auftreten, kann man es ertragen. Selten so abgerockt, selten so aufgestachelt worden. Ein wahres Kultkonzert und ich durfte dabei sein. Danke!!

von Oliver


 

Konzerttagebuch © 2010

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