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Montag, 25. April 2011

Best Coast, Paris, 23.04.11

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Konzert: Best Coast

Ort: La Maroquinerie
Datum: 23.04.2011

Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: etwa 75 Minuten



Was mich gestört hat beim Konzert von Best Coast: Dieses weite Auseinanderstehen der drei Bandmitglieder. Die mangelnde nonverbale Kommunikation, der fehlende Augenkontakt, das nicht vorhandene Teamplay. Und dann performte Bandleaderin Bethany Cosentino auch noch an der Seite, statt in der Mitte. Das bringt mich ja regelmäßig auf die Palme, wenn ich so etwas sehe. Der Sänger/die Sängerin gehört in die verfluchte Mitte! Wer als Vorsteher einer Gruppe nicht gerne im Mittelpunkt steht, sollte am besten gar keine Bühne betreten. Ging mir ja schon neulich bei Lower Dens und Deerhunter tierisch auf den Geist. Auch da agierten Jana Hunter und Bradford Cox seitlich und dies schadete der Performance merklich. Aber wahrscheinlich sind diese ganzen Slacker einfach zu cool, um sich an tausendfach erprobte Gesetzmäßigkeiten zu halten. Ist schon erstaunlich, daß in der amerikanischen Indie, Noise- Garagenrockszene eine nichte existente Bühnenperformance als das Non plus ultra angesehen wird. Man kennt es ja von J Mascis von Dinosaur Jr. Der Typ steht mit seinen weißen langen Zottelhaaren auch nur rum, murmelt sich in den Bart und sagt dann hinterher immer nur ganz knapp und cool "thanks". Doug Martsch von Built To Spill (Foto) genauso. Spult wie manisch sein Programm ab, sucht nie den Augenkontakt zum Publikum und bekommt überhaupt nicht mit, was eine Bandkollegen machen.* "Ça degage rien sur scène", sagte mir einmal Konzertfotografenzar Robert Gil zu diesem Thema und auch speziell zu Built To Spill. Ça degage rien", das heißt, da kommt nichts rüber.

Passte auch irgendwie als Beschreibung zu Best Coast. Immer die gleiche Körperhaltung, dicht hinter dem Mikro auf der Gitarre schrammelnd, kaum Bewegung in den Beinen, null Mimik. Meine Fotos sahen alle gleich aus. Am meisten Abwechslung kam rein, wenn sich Bethany zwischen den stets sehr kurzen Songs mit dem Handtuch den Schweiß abwischte, der bei der Hitze in der Maroquinerie reichlich floß. Dann kam sie nach hinten gelatscht, hob den Arm und ich konnte endlich ihr schönes Tatoo am Arm sehen (eine feine Dame mit Hut) und abknipsen. Ihre Bandkollegen waren ähnlich trantütig und langweilig zu beobachten. Die füllige Drummerin guckte beim trommeln nach unten oder zur Seite, spielte pommadig und glotzte meistens ausdruckslos wie ein Fisch. Technisch sah das für mich nicht überzeugend aus., allein schon wie sie ihre Sticks hielt.

Ähnlich unspektakulär der Basser (Bobb Bruno) mit den schwarzen langen Haaren, der drei Meter Abstand zur Chefin hielt. Ihm kann man zumindest zu Gute halten, etwas versucht zu haben. Oft schaute er zu Beth drüber,
aber nie blickte sie zurück, bekam gar nicht mit, daß da noch jemand mit ihr auf der Bühne steht.

Manno Meter, da lob ich mir doch Performer wie Troy von Balthazar oder Anna Calvi! Da gibt es Mimik und Pose zuhauf, ist jedes Foto spannend, macht es Spaß hinzugucken.

Nun gut. Aber wenn schon die Bühnenpräsenz bei Best Coast zu bemängeln war, wie stand es dann um die Musik? Riss die einen vom Hocker? Na ja, halbwegs. Der Sound war schon cool, die naiv-luftigen Songs hatten Biss und Catchiness, aber innovativ geht anders. Zur Zeit klingen unzählige Bands (Dum Dum Girls, Vivian Girls, La Sera, Tennis) so ähnlich. Live war das Ganze allerdings deutlich noisiger, weniger melodisch und poppig als auf dem Album Crazy For You, von dem natürlich die allermeisten Stücke stammten. Zwei Neulinge wurden außerdem zusätzlich ins Programm aufgenommen, einen stilistischen Unterschied konnte man aber nur schwerlich ausmachen.

Letztlich wurde das rübergebracht, was vermutlich von Anfang an bezweckt wurde, als man dieses Projekt startete: Unbeschwerte Lebensfreude, Bock auf süßlich-naiven Retrosound. Das schnelle Abspulen unprätentiöser, kurzweiliger Songs mit hohem 60ies Faktor machte deutlich, daß Best Coast nie die Absicht hatten, die Musikwelt zu revolutionieren, sondern einfach nur ein bißchen Fun haben wollten. Und das macht sie wiederum sehr sympathisch. Mann kann sie gerne haben, diese drei Westküstler, braucht ja nicht jeden Tag eine neue essentielle Band.

Performance eher scheiße, Lieder absolut ok= gefälliges Konzert, Note 6/10.

* ändert natürlich rein gar nichts an der Großartigkeit von Built To Spill.

Setlist Best Coast, La Maroquinerie, Paris

01: ?
02: Bratty B
03: Summer Mood
04: Goodbye
05: Crazy for you
06: Boyfriend
07: Gone again (neu)
08: When The Sun Doesn't Shine
09: I Want to
10: Make You Mine
11: Sun Was High (So was I)
12: Far Away
13: When you Wake Up
14: Boy
15: When I'm With You
16: Something In The Way
17: Each And Every Day





Freitag, 24. September 2010

Brisa Roché, 23.09.10

1 Kommentare

Konzert: Brisa Roché

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 23.09.10
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: etwa 70 Minuten


Beau concert de la californienne Brisa Roché au Divan Du Monde. Chronique en français plus detaillée à venir!


Ausländische Musiker, die in Paris eine Zeit lang oder für immer eine Heimat gefunden haben, gibt es so einige. Die bekanntesten Namen sind sicherlich Jim Morrison, Jarvis Cocker, Beirut, Peter Doherty, Feist, Coco Rosie, Ken Stringfellow (The Posies), Aaron Dessner (The National) und ähem, Kylie Minogue.

Aber auch etwas weniger bekannte Künstler leben in der Stadt der Liebe. Der Liebe wegen konsequenterweise. Oft liegt die Sache darin begründet, daß der Partner Franzose ist und man zu ihm nach Paris zieht. Ob die Kalifornierin Brisa Roché mit einem Frenchie zusammen ist, weiß ich nicht, aber sie muß zumindest vor ein paar Monaten Liebe gemacht haben ("faire l'amour" auf französisch), sonst wäre sie jetzt nicht schwanger. Logisch. Wenn ich mich recht erinnere, ist sie die dritte werdende Mutter, die ich musizierend auf einer Bühne sehe, nachdem sich mir schon Laura Veirs und Inga Lileström mit Bäuchlein gezeigt haben. Bewunderswert, diese Energie! Aber wenn ein neues Album promotet werden muss, dann bleibt halt eben keine Zeit, däumchendrehend zu Hause auf die Niederkunft zu warten.

Brisa Roché tritt also tapfer an, denn es gilt den neuen Output All Right Now dem Publikum schmackhaft zu machen. In rotem Kleid steht die gothisch angehauchte Lady auf der Bühne des Divan Du Monde und wird bei ihrem Auftritt von einer weiteren Frau, der Keyboarderin Lena Deluxe (Roken is Dodelijk) und drei männlichen Musikern begleitet. Der schöne, etwa 500 Leute fassende Raum ist dicht bevölkert , aber nicht ganz ausverkauft. Die Temperaturen sind erträglich, ganz im Gegensatz zu der Bullenhitze, die gestern in der Fléche d'Or herrschte. Gute Rahmenbedingungen also, wenn nicht einige Leute so ungeniert laut plappern würden. Man muss wissen, daß der Divan Du Monde die Lautstärke regelmäßig recht stark drosselt und Unterhaltungen deshalb als sehr störend empfunden werden. Schon erstaunlich, daß einige Leute so wenig Respekt vor der Kunst haben! Denn Kunst ist es in der Tat, was die kesse Brisa da vorne abliefert. Ihre Musik ist eine charmante Mischung aus 60 ies Pop, Jazz, New Wave und Chanson. Zu gefällig und nett meckern die einen, großartig sagen die anderen, vor allem die angesehenen Musikgazetten Les Inrocks und Magic. Ich selbst konnte mit ihrem zweiten Album Takes (2007) jahrelang nicht viel anfangen, obwohl ich es mir aus Neugierde gleich nach Erscheinen gekauft hatte. Erst kürzlich ist der Knoten bei mir geplatzt und seitdem höre ich es immer mal wieder recht gerne. Roché hat einfach einen gewissen Schmelz in der Stimme, der mir gefällt und außerdem schadet es mir gar nicht, mal etwas fröhlichere Musik als sonst zu hören. Ihre Musik klingt in der Tat wie eine Mischung aus amerikanischem Sunshinepop (The Beach Boys, The Supremes) und französischem Chanson à la Jane Birkin oder Françoise Hardy. Auf dem neuen Album (das ich noch nicht habe) scheint sie rockiger und waviger zu werden, zumindest wirkt das live so. Und die alten Sachen von Takes hat sie heute komplett umarrangiert und ganz anders als auf CD klingen lassen. "Habt ihr den Song gerade erkannt?", fragt sie deshalb in einer Szene lächelnd und mit einer perfekten französischen Aussprache. Charismatisch ist sie, diese kalifornische Adoptivfranzösin und auch sehr gesprächig und offen. Das Publikum mag sie. Ein ganz kurioser Fan ist so aus dem Häusche, daß er mit seinem falschen Leoparden-Pelzmantel wie ein Irrer umhertanzt und die Arme in die Höhe reißt, als hätte gerade eine gute Fee zu ihm gesprochen. Ansonsten bleiben die Leute doch ein wenig reserviert und an den falschen Stellen leise. Das Konzert vergeht dennoch wie im Fluge, nach einer Stunde ist das Set, daß auschließlich aus Liedern vom zweiten Album und dem Neuling besteht, regulär zu Ende.

Als Zugabe gibt es dann noch The Tide Is High von Blondie (die ich irgendwie nie so richtig mochte, ganz im Gegensatz zu meinem Mitblogger Christoph) und mit Open Your Lock ein feines Stück, das sie ganz alleine auf der Akustikgitarre vorträgt. Da merkt man daß sie stimmlich was auf dem Kasten hat und ich frage mich ein wenig, ob es nicht eigentlich besser gewesen wäre, wenn sie noch mehr reduzierte Stücke dieser Art vorgetragen hätte.

Aber das sind nur Marginalien, unter den Strich bleibt ein schönes Konzert im Gedächtnis haften.

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:



Links:

- Plattentests.de zum Album Takes von Brisa Roché, klick!
- Der Spiegel.de mit einem interessanten Porträt zu Brisa Roché. Titel: "Sex-Rebellin mit Hippie-Herz
", klick!

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:

01: It's Alright
02: Penetrate
03: Past Contemplative
04: Sweat King
05: Whistle
06: Do What You Can Do
07: Green Light
08: Hard As Love
09: Heavy Dreaming
10: Bloom
11: Stone Trade
12: Open Your Lock
13: Get Down
14: You're Wrong
15: Miles Ride

16: The Tide Is High (Blondie Cover)
17: Open Your Lock (solo)



Mittwoch, 26. Mai 2010

Metric, Paris, 26.05.10

11 Kommentare

Konzert: Metric

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 26.05.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. 70 Minuten


Als "accident de voyageur ou de personne" (Personenschaden) wird in der nüchternen Amtssprache der Pariser Verkehrsbetriebe RATP der Umstand bezeichnet, daß sich jemand vor den Zug geworfen hat. Diese menschlische Tragödie passiert leider nicht selten und heute war es wieder soweit: der Verkehr in der Metrolinie 8 sei unterbrochen, meldete eine Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage. Zu jucken schien das kaum jemanden der wartenden Passagiere. Gelangweilt schauten die Leute auf ihre Blackberries oder Iphone und warteten einfach drauf, daß es gleich weitergeht. Von Betroffenheit keine Spur. Erst als 10-15 Minuten später immer noch nicht die nächste Metro eingetrudelt kam, wurden einige unruhig und verließen das unterirdische Labyrinth. Auch ich begab mich nach draußen, denn es war inzwischen 20 Uhr 45 und ich wollte zum Konzert von Metric in die Cigale. Ich fühlte mich mies, denn Suizide in der U-Bahn lassen mich nie ganz kalt. Früher dachte ich immer, daß sich Obdachlose in ihrem Elend vor die Züge stürzen, aber in einem Bericht über das Leben der Clochards auf der Straße habe ich neulich erfahren, daß sie sich ganz selten das Leben nehmen. Begründung eines befragten Psychiaters: Obdachlose denken nur an den nächsten Tag und nicht weiter und irgendwie sorgt dies bei ihnen für weniger Zukunftsängste als bei Leuten, die an die nächsten 5 bis 10 Jahre oder noch weiter denken und dementsprechend planen.

Ich musste nun ein Taxi nehmen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Dies gelang mir auch und als ich in das stickige und übervölkerte Theater im Pigaleviertel eintrat, erklang gerade das erste Lied. Als hätte ein Schiedsrichter bei einem Wettlauf den Startschuss abgegeben, gingen hunderte Leute ab wie ein Zäpfchen. Wie auf Befehl. Alle hüpften und sangen jede einzelne Strophe mit. Ich fühlte mich wie ein nüchterner Mensch, der ins Hofbräuhaus eintritt, wo quasi jeder besoffen wie ein Schwein ist und grundlos auf den Tischen rumtanzt. Grauenvoll. Wo war ich hier gelandet? Im Club Robinson, bzw. Med? Emily Haines war die Animateurin und das Publikum die vergnügunsgeilen Clubgäste. Es war schwül warm, ich stand bedrängt auf einer Treppenstufe in der Nähe der Boxen und der Sound war dumpf, basslastig und scheppernd. Alles andere als ein Vergnügen, diese Veranstaltung! Ich ermahnte mich selbst und sagte mir innerlich: "Hey, Oliver, mach dich locker und amüsier' dich doch auch. Sei kein Spielverderber!" Emily Haines keifte derweil eine von den Beastie Boys entlehnte Songzeile: "We gonna fight for our right to party." Das machte mich fertig. Ich konnte mich einfach nicht amüsieren, weil ich schmerzlich erkennen musste, wie flach die Musik von Metric ist. Indie-Disko für den Ballermann, schoß es mir durch den Kopf. Dümmliche Refrains, die jeder Heini mitgrölen kann ("Beating like a hammer, beating like a hammer") und Gitarrenriffs, die wie auf Bestellug kamen. Dabei waren die Gitarren letztlich nur Staffage um cool zu wirken, denn seien wir ehrlich: Metric machen Pop und nichts anderes. Klar, Emily Haines sah prima aus wie immer, stylische goldene Stiefelchen, ein kurzes Glitzerkleidchen und makellos schöne Beine. Aber deshalb gleich pausenlos ausrasten? Nö! Ich jedenfalls nicht. Die (meist männlichen) Fans hingen ihr aber an den Lippen und wenn sie nach vorne an den Bühnenrand kam, grapschte jeder nach ihren Händen. Ich fand das affig. Dennoch war es ratsam, immer nur auf Emily zu glotzen, denn den Anblick des Bassisten und des Gitarristen konnte ich nicht ertragen. Zwei überaus eitle, permanent posende Schönlinge, die die abgedroschensten Rockstargesten darboten und sich dabei obercool vorkamen. Hilfe!

Am schlimmsten war aber, das jeder Song gleich klang. Ein ungenießbarer Brei aus garagigen Bässen und wummernden Synthiebeats, der eklige Assoziationen zu Placebo, den verfluchten Killers oder anderen ätzenden Bands bei mir hervorrief. Egal ob Help I'm Alive, Gimme Sympathy, Dead Disco oder den oberfeisten Abschlußsong Stadium Love, ich fand jeden dieser Hits kacke, die Gestik von Haines einstudiert, die Euphorie künstlich. Gut, daß das Trauerspiel nur eine Stunde dauerte. Zwei doofe Zugaben (Monster Hospital und das schnulzige Combat Baby) und zehn Minuten später und ich war erlöst. Das Publikum jubelte, als ob Frankreich die WM gewonnen hätte, aber ich spielte die Spaßbremse, zog eine schlechtgelaunte Fluppe und suchte das Weite. Musikalisch hatte ich trotz überbordender Energie der Frontlady eines der schlechtesten Konzertes des Jahres gesehen. Möglicherweise hat mir der eingangs geschilderte "Personenschaden" den Abend versaut (ich Sensibelchen!), ich denke aber, daß ich auch mit besserer Laune nicht den gleichen Spaß wie die meisten Zuschauer gehabt hätte. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß ich durch meine Wohnzimmersessions und die kleinen Clubkonzerte verwöhnt bin und Massenveranstaltungen wie der heutigen kaum noch etwas abgewinnen kann. Aber ich bin es auch selbst Schuld. In der Flèche d'or spielten heute Micah P Hinson und The Leisure Society, im Scopitone Gemma Ray und in der Maroquinerie The New Pornographers und Here We Go Magic. Die Auswahl an guten Indiekonzerten war also groß und der Besuch des Konzertes von Metric nicht zwingend nötig.

Pour nos lecteurs français:

Par moment je me sentais comme au Club Med ce soir à la Cigale. Emily Haines de Metric était la Go et le public surchauffé les GM. Dès le premier morceau la foule se déchaîna comme s'il fallait faire la fête de l'année. Un public conquis d' avance donc qui se foutait un peu des chansons, qui, pour moi, sonnaient toutes plus au moins pareilles. Refrains catchy ("beating like a hammer, beating like a hammer") melodies entêtantes et un beat dansant, melangé avec des riffs sanglants, voila la recette qui faisait danser de joie tout le monde. Sauf moi. Certes, Emily faisait preuve d'une énergie remarquable, se donnait à fond et justifiait complètement son statut de bête de scène, mais musicalement le tout restait étrangement plat. Les riffs venaient comme sur commande, les morceaux allaient toujours droit au but et le son était pourri, au moins dans mon coin. Pas étonnant donc que le public n'était pas composé des personnes qui vont regulièrement au petits concerts indés. Ici reignait une ambiance quasi festivaliaire, dominé par des gens qui tapaient sur le moindre rythme dans la main. J'ai trouvé cela plutot génant. Pourtant Emily etait sublime comme d'habitude. Petites bottines (des low boots plus précisement) dorées très chic, jambes impeccables et mini jube paillettée. Jolie ca! A ces côtés deux mecs qui posaient comme des clowns en faisant sans cesse des gestes des rock stars. Ridicule. Finalement j'étais content que le concert ne dure pas plus que 70 petites minutes, rappels inclus. Le public hurlait de joie comme si la France avait gagné la coupe du monde, mais moi j'étais plutôt deçu que je n'avais pas opté pour les concerts de Micah P Hinson à la Flèche d'or où de The New Pornographers à la Maro. Des concerts grand public comme ce soir à la Cigale me passionnent de moins en moins. Mais bon, c'est mon goût personnel, c'est compréhensible que la très grande majorité du public avait passé une excellente soirée avec une Emily Haines survoltée et sexy en diable.

Setlist Metric, La Cigale, Paris:

01: Twilight Galaxy
02: Satellite Mind
03: Front Row
04: Help I'm Alive
05: Empty
06: Gold Gun Girls
07: Gimme Sympathy
08: Sick Muse
09: Dead Disco
10: Stadium Love

11: Monster Hospital
12: Combat Baby

Aus unserem Archiv:

Metric, Paris, 31.08.09
Metric, Paris, 30.08.09
Metric, Köln, 05.05.09



Freitag, 23. April 2010

Ellie Goulding, Paris, 22.04.10

5 Kommentare

Konzert Ellie Goulding (Everything Everything, Tubelord)

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 22.04.2010

Zuschauer: nicht ausverkauft

Konzertdauer: eine knappe Stunde



In England wachsen käsige Musikerinnen anscheinend wie Schimmelpilze in einem schlecht gelüfteten Badezimmer! Es spottet jeglicher Beschreibung, was uns die Angelsachsen in den letzten Jahren in dieser Hinschicht zugemutet haben. Eigentlich dachte ich, daß man das Niveau von Kate Nash, Florence & The Machine, Little Boots oder Pixie Lott nicht mehr unterbieten könne. Aber weit gefehlt, schlimmer geht immer! In diesem Jahr hetzten sie uns bereits Marina & The Diamonds auf den Hals und Pariser Freunde mit gutem Geschmack, die sie bereits gesehen haben, äußerten sich in der überwiegenden Mehrzahl abfällig. Aber nun wird nachgelegt. Mit der blonden Ellie Goulding wird endgültig der Vogel abgeschossen. Was war das denn für ein schauderhaftes Konzert, bitte schön? Ich fragte mich immer wieder verwundert, ob ich wirklich auf einem der eigentlich sonst immer sehr guten und geschmackssicheren Inrocks Indie Club Abende gelandet war. Hatte ich mich in der Tür geirrt? Fand hier heute ein Casting für eine Superstars Sendung statt? Eine junge Sängerin, die Grimassen zieht und übelst kitschige Plastik Songs mit Inbrunst in ihr Mikro jault, so etwas kennt man ja sonst nur von den sogenannten Talentshows. Ich war peinlich berührt, schaute mich immer wieder um, um zu sehen, wie die anderen Leute im Publikum auf das Grauen reagierten. Ein paar tussige junge Engländerinnen im Publikum tanzten ausgelassen, der Rest der Audienz schien ebenso irritiert wie ich, spendete aber nach jeder vorgetragenen Scheußlichkeit brav Applaus. Ich musste hier raus! Hoch in die Bar, etwas trinken! Dann performte Ellie Goulding (begleitet von einem posenden Schönling am Bass, einem gutgelaunten Drummer und einem bubihaften Keyboarder, der früher in der Band Good Books gespielt hatte) plötzlich Roscoe von meinen Lieblingen Midlake. Neugierig geworden, wartete ich mit dem Abhauen kurz ab, musste aber zerknirscht feststellen, das aus dem feinfühligen, reduzierten Folksong, ein stampfendes Elektro Pop Monster geamcht wurde. Schlimm! Ich glaube, das fand keiner richtig gut, denn der Ordner sagte hinterher fast mitleidig zu dem aufreizend gekleideten Tattoo Girl am Merch schauend: "Kauft doch mal was, die Arme hat heute null Umsatz gemacht! Keiner zückte sein Portemonnaie, warum auch? Ob es Ellie Goulding im Kölner Gebäude 9, wo sie zwei Tage vorher aufgetreten war, besser ergangen ist?

Vorher spielten übrigens in meiner Abwesenheit Everything Everything aus Manchester auf. Die vier Jungs werden beim Haldern Festival 2010 auftreten. Gerne hätte ich deshalb für Haldern Festivalbesucher schon einmal Eindrücke vermittelt, aber so muss ich mich auf Aussagen von meinen anwesenden Freunden verlassen. Deren Urteilte reichten von "nicht so toll", bis "nicht schlecht". Hellauf begeistert äußerte sich niemand.

Setlist Everything Everything, La Maroquinerie, Paris:
01: Tin (The Manhole)
02: Suffragette
Suffragette
03: Qwery
04: Engine Room
05: Schoolin'
06: My Keys, Your Boyfriend
07: Nasa Is On Your Side
08: Photoshop Handsome
09: Weights

Setlist Ellie Goulding, La Maroquinerie, Paris (eigentlich war es wohl die vom Lido, Berlin):

01: Lights
02: Every Time You Go
03: This Love (Will Be Your Downfall)
04: Guns & Horses
05: The Writer
06: Salt & Skin
07: Under The Sheets
08: Wish I Stayed
09: Roscoe (Midlake Cover)
10: Starry Eyed

Hach, ich hätte heute wahrscheinlich zu den Vampire Weekend/Tinariwen- Klonen Fool's Gold gehen sollen. Die traten nebenan in der Bellevilloise auf und viele Zuschauer berichteten hinterher von einem super Konzert, zu dem man prima tanzen konnnte. Bei den Kaliforniern kann man von einem richtigen kleinen Hype sprechen. Sie waren in Paris bereits bei einer Black Session in Erscheinung getreten und schafften es auf Anhieb, ihr erstes Konzert als Headliner restlos auszuverkaufen. Und dies, obwohl die Ticktepreise mit 25 Euro für einen Club wie La Bellevilloise ziemlich happig waren.



Donnerstag, 2. Juli 2009

Regina Spektor, Paris, 01.07.09

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Konzert: Regina Spektor

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 01.07.2009

Zuschauer: vermutlich ausverkauft

Temperatur: gefühlte 57 ° Celsius


"Machen sie einmal eine typische Handbewegung", hieß es in Robert Lembkes Ratesendung "Was bin ich?" immer und dann demonstrierte der Gast, dessen Beruf gesucht werden mußte, welchen Handgriff er am häufigsten in seinem Job ausübte.

Die typische Handbewegung des heutigen Konzertabends war ein heftiges Fecheln von links nach rechts und von rechts nach links, um die aufgehitzte Luft im Bataclan umzuwühlen und so scheinbar für Abkühlung zu sorgen. Der zu erratende Beruf war "Besucher bei einem Regina Spektor Konzert am 1. Julli." Die ganze Fechelei half aber nicht viel, denn es blieb unerträglich heiß. Und dies obwohl einige Zuschauer gut vorbereitet waren und Fächer mitgebracht hatten, während weniger gut präparierte Zeitgenossen die vor der Tür verteilten Flyer zur Hand nahmen.

Vorne auf der Bühne versuchte die dralle Regina Spektor gute Miene zum bösen Spiel zu machen, was ihr auch sehr gut gelang. Sie spielte nämlich begleitet von Streichern ein scheußliches Lied nach dem anderen und lächelte trotzdem wie ein Honigkuchenpferd - Nein, Spaß beiseite ganz so übel war ihre Klimperei auch nicht und wenn man eine romatische Ader hat, konnten man ihren Songs durchaus Berührendes abgewinnen. Auf mich wirkte das aber alles einen Tick zu kitschig (ein älteres Album heißt bezeichnenderweise ja auch schon Soviet Kitsch), bombastisch und gekünstelt und in schlimmen Momenten erinnerte sie mich gar an Kate Nash, was eine wahrlich unschöne Assoziation ist. Das Publikum um mich rum, zum Großteil bestehend aus braven 16-23 jährigen Mädchen aus gutem Hause, deren andere Lieblingskünstler mit großer Wahrscheinlichkeit Feist, Tori Amos, Björk und Bat For Lashes heißen, schien hingegen entzückt. Es fraß dem Lockenköpfchen am Klavier förmlich aus der Hand und fand jede kleine Ansage der New Yorkerin mit russischen Wurzeln charmant und hochgradig witzig. Mein persönlicher Geduldsfaden platzte, nachdem sich die Spektor eine mintgrüne Gitarre vor die üppige Oberweite geschnallt hatte (Machospruch, ich weiß, aber dieses Foto von einem Flickr Kollegen wurde über 15.000 mal angesehen, warum wohl?) und darauf zwei ziemlich beknackte Nummern vorgetragen hatte. In einem Lied (Bobbing For Apples) hieß es textlich: "Someone's next door's fucking to one of my songs." Das provozierte ein Jauchzen der Entzückung bei den jungen braven Girlies im Publikum, die sich wohl herzlich danach sehnen, auch einmal in ihrem Leben ein wenig frech, vulgär und provokant zu sein, ich hingegen reagierte eher genervt, weil ich es eigentlich schon immer überflüssig fand, den Liebesakt mit einer bestimmten Musik zu untermalen.

Fazit: Nicht mein Wetter! Weder die Musik noch die Hitze im Bataclan! Nach Après Moi hatte ich genug von dieser Veranstaltung und eilte zu meinem Freund Thos Henley ins nahe gelegene Pop In.

Warum ich überhaupt zu der Spektor gegangen bin? Neugierde glaube ich...

Setlist Regina Spektor, Le Bataclan, Paris (Merci beaucoup à Michael!):

01: The Calculation
02: Eet
03: Time is all around
04: One More Time With Feeling
05: Machine
06: Blue lips
07: Laughing With
08: On The Radio
09: Bobbing For Apples
10: That Time
11: Après Moi
12: Poor Litlle Rich Boy
13: Human Of The Year
14: Lacrimosa
15: Ne Me Quitte Pas
16: Man Of A Thousand Faces
17: The Flowers
18: Samson
19: Dance Anthem Of The 80s
20: Ghost Of A Corporate Future
21: Us
22: Fidelity

Anmerkung:

Die Fotos stammen von Michael C. Merci encore à Michael. Bien fait!



Freitag, 31. Oktober 2008

Gonzales, Paris,30.10.08

3 Kommentare

Konzert: Gonzales (Housse De Racket Album Release Party)
Ort: Regine's (Le Regine), Paris
Datum: Nacht vom 29.10. auf den 30.10.2008 (Gonzales begann erst um 1 in der Früh, also eigentlich 30.10.)
Zuschauer: etwa 250-300
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Eigentlich war ich für einen Gästelistenplatz zum Konzert von Housse de Racket in der Pariser Boule Noire vorgemerkt, aber daraus wurde letztlich nichts. Ich landete schließlich im Nouveau Casino, wo unter anderem Koko von Napoo spielten. Und die netten Mädels von Koko (auf den ersten beiden Fotos sind Drummerin Faust und zwei sympathische Freundinnen von ihr zu sehen) wiederum waren für ein DJ Set in der Disco Regine's eingeplant, wo eine Aftershow anläßlich des Erscheinen des Albums Fourty Love von Housse de Racket stattfand.

Beginnen sollte die Party bei Regine's um 23 Uhr 30 und neben DJs, zu denen unter anderem Jean Benoit Dunckel von Air und die vor allem in England sehr erfolgreiche Pariser Band The Teenagers gehörten, war der Kandier Gonzales der Stargast des Abends.

Erst einmal musste ich aber vom Nouveau Casino zu Le Regine kommen. Der Laden sagte mir nichts, ich hatte lediglich den Namen kürzlich einmal aufgeschnappt. Rue de Ponthieu im vornehmen 8. Arrondissement, die Lage ließ auf einen Schicki-Micki-Club schließen. Nicht meine Welt! Aber neugierig bin ich halt eben auch...

Ich nahm die Metro bis Opera, um Kosten zu sparen und schnappte mir dann ein Taxi, damit ich nicht nachts durch Paris rumirre wie so ein Landei. Der farbige Taxifahrer weiß sofort Bescheid, als ich ihm den Namen durchgebe. "Regine's, klar weiß ich wie es da hin geht! Das ist ein ganz bekannter Schuppen, geleitet von einer Frau (Regine eben,logisch!), man nennt sie die Reine de la nuit (die Königin der Nacht)!" Der Chauffeur wird ganz ehrfürchtig, als er das erwähnt. Die Königin der Nacht?, "na das kann ja heiter werden!", denke ich insgeheim völlig unbeeindruckt, heuchle aber Interesse. Mein Fahrer kommt so richtig in Schwung: "Die ist weltbekannt, die hat Diskotheken in der ganzen Welt, in New York, Miami, Tokyo usw. und sofort, wussten sie das denn nicht?" Als ich verneine, hält er mich glaube ich für einen schlechtinformierten Provinzler. Mir ist dieser blöde Schuppen so etwas von wurscht, aber erstens will ich ein paar mir bekannte Pariser Musiker treffen und zweitens will ich da jetzt auch mal rein. Dann kann ich demnächst den Coolen raushängen lassen. "Regine's? Kenn ich, ist aber doof!", solche Sprüche kann ich dann bringen, falls ich mal irgendwann jemanden treffen sollte, der da mal hin will, oder sich damit brüsten will, daß er den In-Laden kennt (beides eher unwahrscheinlich).

Kurz bevor wir ankommen, gibt mein Taxifahrer aber noch zu Bedenken, daß diese Regine verdammt alt geworden sei, bestimmt 80 und inzwischen recht müde und der Feierei überdrüssig. Ich nehme das zur Kenntnis, bedanke mich für die Infos und reihe mich in die Schlange der Wartenden ein. Man hatte mir gesagt, daß es kein Problem sei reinzukommen, wenn man früh genug da ist. Anscheinend bin ich aber schon zu spät! Verdammt junge Mädchen mit verdammt hohen Absätzen, stehen mit ihren kurzen Röckchen Zigarette rauchend vor dem Einlasser und bibbern, weil es inzwischen ziemlich kalt in Paris geworden ist. Die frühreifen Dinger kommen aber problemlos rein, weil hübsche Mädchen in Discos weltweit gern gesehen sind. Schwieriger wird es, wenn man männlich ist und kein Aas kennt, das einem Einlass in den Freudentempel verschaffen kann. Ich habe also ein Problem. Obwohl, eigentlich auch wieder nicht, denn mir ist es letztlich piepegal, ob ich da reinkomme. Wenn nicht, komme ich halt eben früher ins Bett! Der bullige Türsteher zu dem ich inzwischen vorgedrungen bin, ignoriert mich, als sei ich Luft. Er steht gleich vor mir, würdigt mich aber keines Blicks, sondern macht nur die Kette auf, um Mädchen rauszulassen, die vor der Tür rauchen wollen. So ist das halt eben seit dem Nichtrauchergesetz, gequalmt wird draußen! Ich gucke Richtung Türe und sehe den eigentlichen Einlasser, der eine wichtige Liste in der Hand hält. Ich bin nicht drauf, soviel steht fest! Der Kerl ist vollbärtig und trägt ein Hütchen und Pferdeschwanz, er erinnert mich an Rasputin. Eigentlich ist er ganz nett,... wenn man ihn kennt! Die anderen werden ignoriert. So wie ich...

Nach circa. 20 Minuten wird es mir zu bunt. Ich schere aus und sehe dem Treiben aus Distanz zu. Man kann hier herrlich Sozialstudien machen, über jugendliches Balzverhalten und Imponiergehabe in einer auf Äußerlichkeiten fixierten Gesellschaft. Ich selbst sehe heute besonders gammlig aus, mit meinen schmutzigen Stiefeln und dem alten Bundeswehr-Parka. Der hält warm, passt aber nicht zum eleganten Look, der hier gepflegt wird. Egal!

Als ich schon innerlich beschlossen habe, die Fliege zu machen, tippt mir Laurie, der weibliche Part der Pariser Band My Girlfriend Is Better Than Yours auf die Schulter. Ich freue mich sie zu sehen, sie macht nicht nur gute Musik, sondern ist auch sehr nett. Kurze Zeit später stößt auch Olivier, der männliche Part von My Girlfriend Is Better Than Yours hinzu. Ich frage die beiden, ob sie mir helfen können, die Schwelle in den Schuppen endlich zu überschreiten und an dem Türsteher vorbeizukommen. Sie können! Kurze Zeit später bin ich drin und torkle die Treppenstufen nach unten. Überall gibt es hier Spiegel, das war in den 70er und 80er Jahren enorm angesagt. Der Club verströmt den seltsamen Charme jener unglaublich neureichen Epoche, als Champagner in Strömen floß und viel davon träumten, mal eine echte Rolex (igitt!) zu besitzen. Auch hier und heute ist von einer Finanzkrise nichts zu merken. Die Kreditkarte von Papi sitzt bei den jungen Leuten nach wie vor sehr locker und hey!, man lebt doch schließlich nur einmal!

Mit meinem Parka komme ich mir zwischen den gestylten Leuten wie ein stinkender Fischer vor, aber irgendwie ist das ja auch schon wieder cool. Circa. eine halbe Stunde später kündigt ein rundlicher, glatzköpfiger Kerl (Teki Latex, ein Popmusiker) Gonzales an. Das hat etwas von diesen merkwürdigen Boxkampfansagen bei RTL. Und auch der Star des Abends, läuft so ähnlich ein, wie einst Henry Maske, denn er trägt einen eleganten schwarzen Morgenmantel und kämmt sich erst einmal sein Haar, in dem reichlich Pommade steckt. In seinem Schlepptau kommen zwei Musiker von Housse de Racket mit auf die Bühne. Das sind nette Kerle, ich mag sie. Die Musik von Gonzales ist aber nichts für mich, obwohl er schon Scheiben von Feist produziert hat und auch für die Produktion des Debüts von Housse de Racket verantwortlich zeichnet. Schmalzlocke Gonzales spielt an seinem Flügel alte Gassenhauer, die mir eigentlich nicht gefehlt haben. Eye Of The Tiger, z.B., aber auch Stayin' Alive und Beat It von Michael Jackson (das beste Lied in dieser Liste). Das Publikum hatte er zuvor mehrfach als "Fucker" bezeichnet. Zur Beschwichtigung hatte er erklärt, dass ein "Fucker" jemand sei, der "es" tue und das sei doch positiv. Aha, wieder etwas gelernt!

Die beiden Jungs von Housse de Racket, deren Musik witzig und unterhaltsam ist, spielen hierzu ein wenig Schlagzeug und Gitarre, ich kann sie aber in dem Gedränge kaum erkennen.

Nach gut 45 Minuten ist Gonzales fertig und ich weiß nicht genau, ob der Kerl, der auch schon einmal in Berlin gelebt hat, eigentlich ziemlich cool und ein toller Entertainer ist, oder doch eher schmalzig.

Wer sich selbst in Deutschland davon ein Bild machen will, hat demnächst schon Gelgenheit dazu.

Am 24. November spielt Gonzales im Ampere in München und am 25. November im Mousonturm in Frankfurt.




Mehr Fotos von Gonzales und der Fete hier




Freitag, 17. Oktober 2008

Islands, Paris, 16.10.08

3 Kommentare

Konzert: Islands (Alphabeat)

Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 16.10.2008
Zuschauer: bei weitem nicht ausverkauft
Konzertdauer: Alphabeat: 43 Minuten, Islands: 80 Minuten



Wenn eine Band einen eingängigen Hit landet, macht immer schnell der Spruch von dem sogenannten Ohrwurm die Runde. Dabei ist es mit diesem Ohrwurm ja so eine Sache. Meistens will man den oft unsäglich beschissenen Käse schnell wieder aus dem Gehörgang raus haben. Aber leider geht das gar nicht so leicht wie man möchte. Wer hat nicht total beknackte Songs wie Macarena, den Ketchup Song, oder Mambo No.5 unfreiwillig in seinem Gedächtnis gespeichert? (hier gibt es übrigens eine Liste mit den 100 nervigsten Sommerhits)...

Und ausgerechnet die Pariser Maroquinerie, die eigentlich für eine äußerst geschmackvolle Programmauswahl bekannt ist, lädt sich mit den Dänen Alphabeat eine Band ein, die einen solchen Ohrwurm geschrieben hat. Fascination heißt der Schmarrn und seitdem ich in den Sommerferien in Deutschland diesen Song bei einer unsäglichen Sendung namens Ballermann Hits gehört habe, klebt mir das häßliche Teil in den Ohren.

Die von Marcel Reich Ranicki völlig zu Recht geäußerte Kritik am deutschen Fernsehen kann man insofern perfekt auf die Ballermann Hits - Sendung (allein schon der Name!) anwenden. Und die Vokabeln mit denen der Literaturkritiker die Sendungen titulierte, passen auch genau auf die Musik von Alphabeat.

"Der beste skandinavische Pop-Import aus Skandinavien seit Abba", ist in Zeitschriften zu lesen. Hmm, was soll ich dazu sagen, außer daß ich Abba schon als kleiner Junge schauderhaft fand?...

Setlist Alphabeat, La Maroquinerie, Paris (für Hartgesottene):

01: Intro
02: Fantstic 6
03: Go Go
04: When You Come Around
05: What Is Happening
06: 10.000 Nights
07: Boyfriend
08: Touching Me, Touching You

09: Precination (Z)
10: Fascination (Z)


Aber ich hatte die Karte ja für die Islands gekauft und konnte nicht ahnen, daß ausgerechnet bei dem von mir hochgeschätzten Inrocks Indie Club ein solcher Totalausfall wie Alphabeat mithinzugebucht wurde.

Nun denn, es konnte nur besser werden! Die vielköpfige Band Islands aus Montréal hatte ich noch von einem Konzert im Pariser Point FMR, aber auch von einem Auftritt beim Haldern Pop Festival 2006 in guter Erinnerung. Insofern sollte eigentlich einem gelungenen Restprogramm heute abend nichts mehr im Wege stehen.

Aber was war das? Die ersten Lieder, allesamt entnommen vom neuen Album Arm's Way, gefielen mir nicht. Alles klang irgendwie recht süßlich und kitschig und das hohe Falsett des Sängers ging mir auch recht schnell auf die Nerven. Kids Don't Know Shit? (so der Titel eines Liedes) - Oh doch, davon hatten wir doch bei Alphabeat reichlich bekommen und die Islands waren irritierenderweise auch nicht viel besser! Komischerweise brachte dann ausgerechnet die Hip Hop Einlage (zwei Rapper stürmten hierzu die Bühne) bei Whalebone die Wende zum Besseren. Wer mich kennt, weiß, daß ich mit Rap nichts anfangen kann, aber die zwei neuhinzugekommenen Burschen brachten endlich einmal mehr Schwung und Stimmung in die bisher recht mäßig euphorisierende Veranstaltung. Bis auf ein paar Dauertänzer in den vorderen Reihen, war die Stimmung nämlich eher mittelmäßig zu nennen. Aber es wurde in der weiteren Folge besser. Don't Call Me Whitney, Bobby (auf der Setlist nicht markiert) brachte endlich mal das, wofür ich die Islands einst als sehr vielversprechend kennengelernt hatte. Verspielten, leicht schrägen und kauzigen Indie-Pop nämlich. Aber danach kamen immer wieder neue Songs, die fast allesamt an mir vorbeigingen. Vielleicht sollte ich das aktuelle Werk wirklich mal in Ruhe anhören, aber live schien mir das nicht mehr die charmante Seite des tollen Vorgängers Return To The Sea zu haben.

Konsequenterweise taute ich dann also immer bei alten Sachen auf. Swans z.B. war vorzüglich und bildete den gelungenen Abschluss des insgesamt trotzdem nur mittelmäßigen ersten Teils.

Die Zugaben waren aber noch einmal versöhnlich, Humans ist ein starker Laune machender Song, das Sebastien Tellier Cover Divine (genau, der Grand Prix Teilnehmer für Frankreich!) ein wirklich guter Popsong und auch in der Version von den Islands klasse und Rough Gem war schon immer eines der besten Stücke der Kanadier.

Mit Sicherheit nicht der beste Inrocks Indie Club, aber zum Glück auch nicht wirklich verschwendete Lebenszeit...

Setlist Islands, La Maroquinerie, Paris (wie sie von der Band notiert wurde, es gibt aber Fehlerchen, ich werde das alles überprüfen):

01: Vertigo (If It's A Crime)
02: The Arm
03: Creeper
04: Kids Don't Know Shit
05: Where There Is A Will There's A Whalebone
06: Pieces Of You
07: We Swim
08: Whit
09: J'aime Vous Voire Quitter
10: Abominable Snow
11: Swans

12: Humans
13: Divine
14: Rough Gem



 

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