Sonntag, 22. Juli 2012

Nada Surf, Rüsselsheim, 21.07.12


Konzert: Nada Surf
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim
Datum: 21.07.2012
Dauer: gut 90 min


Insgeheim hatte ich vor dem Abschlußkonzert des Phono Pop Festivals damit gerechnet, daß Nada Surf mich schnell langweilen würden und ich guten Gewissens früher nach Hause fahren könnte. Dummerweise taten mir die Amerikaner diesen Gefallen nicht und verlängerten den Abend um gut anderthalb Stunden.

Anderthalb Stunden, die ich nicht bereue.

Nada Surf hatten zehn Minuten Verspätung. Schon bei der ersten Band (Yesterday Shop) war der Zeitplan aus den Fugen geraten, im Laufe des Tages wurden die Verzögerungen wieder kleiner. Als Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliot erschienen, war der Platz vor der Bühne natürlich knallvoll. Nada Surf hatten zwei Gastmusiker mitgebracht: Martin Wenk, den ich damit in einer dritten Band live gesehen habe (mit seinen Calexico und mit Dear Reader) und
Doug Gillard, Ex-Gitarrist bei Guided By Voices.

Nada Surf existieren seit 20 Jahren und haben sicher (auf dem Papier) glanzvollere Orte als Rüsselsheim bespielt. Mit wie viel offen gezeigtem Spaß die Band aber diesen Auftritt absolvierte, hat mich restlos begeistert! Einen Beitrag dazu hat sicher der Whisky in ihrer Garderobe geleistet, den Matthew lobte, und dem er ein "we love Phono Pop Festival!" hinterherschob. Aber das war sicher der kleinste Grund für ihre Spielfreude.

Die Mischung aus hinreißenden Liedern, der ausgelassenen Laune der Band, dem kühlen aber klaren Sommerabend und den zum großen Teil herausragenden Konzerten vorher, machte den Phono Pop Abschluß noch einmal zu einem besonderen Erlebnis.

Das Konzert begann mit den beiden Eröffnungsstücken der 2012er Platte The Stars Are Indifferent To Astronomy. Mit vier weiteren Liedern stellte das aktuelle Album einen Schwerpunkt des Auftritts dar, der Rest stammte von den vier Vorgängern, das Debüt wurde ausgelassen. Mein Liebling des Konzerts war vermutlich 80 windows, sie nahmen sich aber alle nicht viel, so richtig Muße, kritisch einzelne Songs herauszupicken, hatte ich nicht, weil es eines dieser Konzerte war, das man in seiner Gesamtheit auf sich wirken lassen lässt. Daß mir das beim achten komplett gesehenen Konzert des Tages noch so ging, daß ich so viel Spaß hatte, als würde ich zum ersten Mal eine Liveband sehen, fasziniert mich sehr.

Ich will es daer auch gar nicht zerreden. Aber einiges muß trotzdem erzählt werden. Da war natürlich die Sache mit dem Geburtstagsständchen um Mitternacht. Nach Jules and Jim stimmte irgendwer ein Happy Birthday an, das Matthew aufgriff und zu
einem Liedchen über das Geburtstagskind ausbaute. "You win in a lottery, actually you didn't play. Someone with your name did..." Herrlich! Seine berauschend gute Stimmung lag wohl auch an der Präsenz von Gastgitarrist Doug. "Fucking Doug on guitar makes me sick in a good way!" Doug grinste zwar auch immer mal wieder, spielte aber überwiegend konzentriert seine Parts. Der zweite Gast hatte mit seinen vielen Instrumenten (Trompete und Keyboards vor allem) so viel zu tun, daß er nur einmal außermusikalisch auffiel. Er erzählte, daß sein Opa einen 1968er Opel Rekord gefahren habe.

Matthew und Elliot machten zwischen zwei Liedern ein kurzes Drum-Intro Ratespiel. Devo erkannte der Sänger sofort, das zweite, nicht, worüber beide sich sehr freuten.

Dann lobte Matthew wieder den Gast links von ihm. Guided By Voices seien seine zweitliebste Band. "Who's your favorite band?" - "The Goo Goo Dolls of course!"

Das aufregendste Instrument hatte Martin Wenk mitgebracht. Er spielte mehrfach auf einem Theremin (damit wurde die Star Trek Melodie gespielt), das auf einem Schwarzwälder Wetterhäuschen montiert war. Wunderschön!

Dem allen stahl aber der Bassist locker die Show, obwohl er eigentlich nicht viel machte. Daniel Lorca spielte nur
seinen Bass. Aber die Lässigkeit, mit der er mit Fluppe im Mund mitsang, war phänomenal!

Und als hätte das alles noch nicht gereicht, brachten Nada Surf das Publikum bei der ersten Zugabe Inside of love noch per Massenchoreographie zum Schunkeln über den Platz. Es sah ein wenig nach Love Boat aus, hatte aber genau den Charme, den der ganze Auftritt vorher schon vermittelt hat. Das alles am Ende eines solchen Wochenendes? Unfassbar!

Setlist Nada Surf, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Clear eye clouded mind
02: Waiting for something
03: Happy kid
04: What is your secret?
05: Teenage dreams
06: Weightless
07: Amateur
08: Whose authority
09: Jules and Jim
10: 80 windows
11: When I was young
12: Hi-speed soul
13: Looking through
14: See these bones
15: The way you wear your head

16: Inside of love (Z)
17: Always love (Z)
18: Blankest year (Z)


3 Kommentare :

gudrun.thaeter hat gesagt…

Man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu - Gehört aber zu den schönsten Erlebnissen als Konzertgänger, oder?

Anonym hat gesagt…

Lagavulin 16 jahre ;-)

Christoph hat gesagt…

Das war eine sehr gute Investition!

 

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