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Mittwoch, 17. Dezember 2014

The New Pornographers, Köln, 05.12.14

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Konzert: The New Pornographers
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.12.2014
Dauer: The New Pornographers 80 min, Mini Mansions gut 45 min
Zuschauer: ca. 300



Auf Autofahrten höre ich meist Musik mit meinem alten iPod. Weil nicht nur dessen Batterie sondern auch die Software oft spinnt, stürzt das Gerät immer wieder ab. Nach dem Reset dauert es ein paar Minuten, bis er wieder da ist. Musikalisch ist der Neubeginn immer gleich: I'm not talking von A.C. Newman. Vermutlich wäre das Stück mein meistgehörtes, wenn wenigstens das Weiterleiten an last.fm klappen würde.


Auch ein anderes meiner besonders häufig in diesem Jahr gehörten Stücke hat mit dem kanadischen Musiker zu tun. War on the east coast von den New Pornographers, die Newman vor einigen Jahren mitbegründet hat, ist eines der besten Lieder 2015 (auch wenn das Jahr ja lange noch nicht vorbei ist). Geschrieben hat es allerdings nicht A.C. Newman, War on the east coast stammt von Dan Bejar (Destroyer), einem der anderen zahlreichen (Indie-) (Super-) Stars bei den New Pornographers. Das neben Destroyer vermutlich berühmteste Mitglied ist Neko Case, die auf Platten und dem nordamerikanischen Kontinent regelmäßig mitsingt, Europa-Touren der New Pronographers aber meidet. An ihrer Stelle übernimmt Carl Newmans Nichte Kathryn Calder (Immaculate Machine) alle weiblichen Gesangparts. 


"Wer und wie viele?" ist also immer die typische Frage vor einem Auftritt der Kanadier. Beim ersten Konzert der New Pornos im Gebäude 9 seit 2007* standen sieben Musiker auf der Bühne. Kathryn Calder, Dan Bejar und Carl Newman, Bassist John Collins (der u.a. mehrere Tegan and Sara Platten produziert hat und bei Destroyer mitspielt), ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein weiterer (vierter? fünfter?) Gitarrist. 


Als die sieben um 21:40 Uhr begannen, hatten wir schon ein gut 45 minütiges Support-Programm der Band Mini Mansions aus Los Angeles erduldet. Mini Mansions fielen durch drei Dinge auf: 1) Kreuzfahrt-Entertainer-Outfits (der singende Schlagzeuger trug einen weißen Anzug, der Bassist einen roten - 2) eine unverschämt scheußliche Version des Blondie Evergreens Heart of glass und - 3) eine bescheidene, mannhohe Leuchtreklame mit dem Bandnamen, bei der ich mich gefragt habe, was die Fluggesellschaft wohl dafür verlangt hat, das Ding einmal um den Globus zu verschiffen. 

Musikalisch war es enorm beliebig bzw. bis auf ein Lied sogar ziemlich mies. Daß der trommelnde Sänger normalerweise der Bassist der Queens Of The Stone Age ist, änderte daran nichts. 


An Stelle der Deko setzte die Hauptgruppe dann Hits, das klügere Konzept, wie ich finde. Die Setlist des fast anderthalbstündigen Konzerts war eine souveräne Mischung einiger neuer Stücke und der Hits aller Vorgängerplatten. So macht man das eben in einer Supergroup.

Dan Bejar war höchstens bei jedem zweiten Lied auf der Bühne. Hatte er nichts zu tun, ging er nach hinten und rauchte. Es roch in jeder Destroyer-Pause nach Qualm.


Live sind die New Pornographers sehr viel rockiger als auf Platte. Erst wollte ich "lauter" schreiben, das machte aber keinen rechten Sinn. Also war auch im Gebäude 9 nichts vom "Hausfrauen-Rock" zu hören, als den mein Konzertnachbar die Musik der Band vorher bezeichnet hatte. Auch die etwas schwächeren Stücke der neuen Platte gefielen mir so deutlich besser als aus dem neurotischen iPod. 


Es war ein wirklich gutes Konzert. Beim Basket- und Football benutzen amerikanische Sportreporter gerne den Begriff Go-to-guy für einen Spieler, der immer als sichere Anspielstation des Quarterbacks oder Aufbauspielers erreichbar ist, den der also auch in großer Bedrängnis immer erreicht. Das sieht dann nicht so spektakulär aus wie ein 60 m Pass, bringt aber sicheren Erfolg. Die New Pornographers sind eine meiner Go-to-Bands. Man darf da keine Bühnenshow (oder Leuchtreklame) und kein Publikum, das nur beim neuesten heißen Scheiß erscheint, erwarten, man bekommt aber sicher ein sehr gutes Konzert geboten!

Setlist The New Pornographers, Gebäude 9, Köln:

01: Brill bruisers
02: Myriad harbour
03: Moves
04: Dancehall domine
05: War on the east coast
06: Use it
07: All the old showstoppers
08: Jackie, dressed in cobras 
09: Another drug deal of the heart
10: The laws have changed
11: Fantasy fools
12: Testament to youth in verse
13: Sweet talk, sweet talk
14: Backstairs
15: Silver Jenny Dollar
16: Champions of red wine
17: Born with a sound
18: Mass romantic

19: Ballad of a comeback kid (Z)
20: Sing me Spanish techno (Z)
21: The bleeding heart show (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10
- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07


Montag, 1. Oktober 2007

The New Pornographers, Paris, 30.09.07

2 Kommentare

Konzert: The New Pornographers

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 30.09.2007
Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung


Ich hasse Sonntage! Habe sie immer gehasst! Sie sind oft so ereignisarm, so fad, so trist. Als ich noch Schüler war, graute es mir vor der neuen Woche an der Penne, als Wehrpflichtiger wußte ich, daß am nächsten Tag wieder strammstehen angesagt war und als Student litt ich an Sonntagen unter meinem Kater (unter dem suffbedingten Phänomen, nicht dem Tier).

Was kann man an diesem Tag also schon machen? Als guter Christ könnte man in die Kirche gehen, als Musikfan vielleicht auf ein Konzert. Geht auch beides? Manchmal ja, gestern zum Beispiel, da war ich erst auf einer Taufe und am Abend in meiner geliebten Maroquinerie. Die New Pornographers hatten sich angekündigt und das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, zumal das neue Album "Challengers" wirklich gelungen ist. Leicht beschwipst von dem Gläschen Champagner, daß mir nach der Taufe gereicht wurde, machte ich mich recht pünktlich auf den Weg in die Rue Boyer, wo mein "Lieblingsmusikschuppen" liegt. Als ich eintrat, sah ich eine zierliche junge Frau, die nur bewaffnet mit einer roten Gitarre betörend schöne, aber auch sehr traurige Folk-Lieder intonierte. Ihre Schuhe hatte die Süße wohl zu Hause vergesssen, sie saß nämlich barfüßig auf ihrem Stühlchen. Vergessen hatte sie auch, sich erst einmal vorzustellen, was sie im Laufe ihres Sets dann auch tat, nachdem eine Offizielle sie darauf hingewiesen hatte. "Achso, man signaliert mir gerade, daß ich mal meinen Namen sagen soll, also ich heiße Marie-Flore." Ihr tadelloser Akzent machte deutlich, daß sie Französin war, ihre Lieder trug sie allerdings allesamt auf englisch vor, ohne daß man merkte, daß sie nicht in ihrer Muttersprache sang. Gespielt wurden alle Stücke, die man auf ihrer MySpace Seite finden kann, also "Airport", "Half Past Three" und "Empty Walls", aber auch noch ein paar andere mehr, hört Euch das mal an!

Da mich der Auftritt der Französin neugierig gemacht hatte, wollte ich ihre Set-List abgreifen. Vorne lag ein weißer Zettel, denn ich dafür hielt. Es handelte sich aber um die Setlist der ausgezeichneten Pariser Band Los Chicros, die anscheinend vorher schon gespielt hatten.

Hier ist sie:

01: Anna
02: Diskonoise
03: Without You
04: New Orleans
05: Mountains
06: What's New
07: Like The Sun
08: What I've Done

Danach dann endlich die New Pornographers, allerdings ohne Daniel Bejar (Destroyer) und auch ohne Neko Case, die vermutlich anderweitige Verpflichtungen hatten. Ober-Pornomann A.C. Newman war hingegen mit von der Partie, man kann ja schließlich nicht jeden ersetzen. Mein Hauptaugenmerk galt aber einer sehr charmanten jungen Dame an den Keyboards, die auch die Gesangesparts von Neko Case übernahm. Kathryn Calder heißt das schöne Kind mit dem zauberhaften Lächeln und den feingliedrigen Händen, sie nimmt bei den New Pornographers eine immer wichtigere Rolle ein. Wenn es stimmt, was man so bei Wikipedia liest, ist sie die Nichte des Sängers Carl Newman, aber allemal attraktiver. Herr Newman selbst ist ein stämmiger rothaariger Typ, der wenn es nach dem Äußeren geht irischen Ursprungs sein könnte. Der Bursche erinnerte mich irgendwie an Ex-Tenisstar Jim Courier und den mochte ich ja damals auch sehr. Überhaupt ein sehr netter Haufen, diese Kanadier, die heute zu sechst auftraten. Die Besetzung wurde komplettiert durch einen bärtigen Bassisten, einen recht pummeligen Keyboarder, einen weiteren Gitarristen und einen Drummer, der ziemlich witzige Grimassen schnitt und während eines Liedes eine Zigarrete rauchte, die er irgendwann ausspuckte.

Das Set war bunt gemischt und enthielt Stücke aller vier Alben, wobei das Hauptaugenmerk natürlich dem Neuling "Challengers" galt. Von diesem Werk stammte auch der vorzügliche Opener "All The Things That Go To Make Heaven And Earth", der gleich die Richtung vorgab. Erfrischender und mitreißender Power-Pop war angesagt und dies von Anfang bis Ende, Zeit zum Luftholen blieb kaum. Mit "Use It" vom Vorgängeralbum "Twin Cinema" wurde ein weiteres frühes Glanzlicht gesetzt, was insbesondere die ausgelassen tanzenden Amerikaner in der ersten Reihe verzückte. "This spot is shit" meinte A.C. Newman plötzlich und wies auf den Platz vor seinem Mikro. Er war der Meinung, daß die Akkustik an dieser Stelle des Raumes am schlechtesten sei und wollte gleich wissen, was denn "shit" auf französisch heiße. "La merde", schallte es ihm aus etlichen Kehlen entgegen und frohgelaunt über das neugelernte Wort wiederholte er noch einmal. "This spot ,c'est la merde!" Dann fiel ihm plötzlich auf, daß man diesen Satz ja auch falsch verstehen könnte und deshalb stellte er noch einmal klar, daß sich sein Kommentar nur auf diese eine bestimmte Stelle beziehe, keinesfalls auf die gesamte Location. Überhaupt waren die Kanadier guter Dinge und zu Scherzen aufgelegt. "Ich bin heute durch Paris gelaufen und sagte ständig "Excusez-moi", weil man dies ja in Frankreich so macht, die Franzosen sind halt höfliche Menschen. Wenn ich hingegen den gleichen Satz in Kanada benutze, gucken mich die Leute gleich schief an, als wollte ich ihnen was..."

Neben den köstlichen Anekdoten vergnügte ich mich aber natürlich auch an vielen tollen Titeln der Band. Besonders postiv fielen " My Rights Versus Yours" und "Unguided" auf, aber auch das Ende hatte es in sich. So bestach "Twin Cinema" durch sein markantes Gitarrenriff, "Sing Me Spanish Techno" durch seine ungestüme Lebensfreude und "The Bleeding Heart Show" durch seine zarte Melancholie.

Das fachkundige und ziemlich textsichere Publikum (viele Amerikaner) war begeistert und klatschte die Symphaten auch noch einmal für eine Zugabe heraus. Um welchen Song es sich hierbei handelte, werde ich nachreichen.

Fest steht auf jeden Fall, daß die New Pornographers den perfekten Soundtrack für einen ungeliebten Sonntag lieferten und so diesen Tag deutlich erträglicher machten.



Setlist The New Pornographers, Paris, Maroquinerie:

01: All The Things That Go To Make Heaven And Earth
02: Use It
03: The Electric Version
04: All The Old Showstoppers
05: Jackie, Dressed In Cobras
06: Challengers
07: The Laws Have Changed
08: My Rights Versus Yours
09: The Spirit Of Giving
10: Mass Romantic
11: Unguided
12: Testament To Youth In Verse
13: Mutiny, I Promise You
14: Twin Cinema
15: Spanish Techno
16: The Bleeding Heart Show

Video: The New Pornographers (mit Neko Case) live



Montag, 26. November 2007

The New Pornographers, Köln, 25.11.07

9 Kommentare

Konzert: The New Pornographers

Ort: Gebäude 9 Köln
Datum: 25.11.2007
Zuschauer: viel zu wenige, vielleicht 100


Irgendwie hatte ich mir das Gebäude 9 mal wieder voller vorgestellt, schließlich sollte mit den New Pornographers eine sehr namhafte Band in Köln auftreten. Um halb neun (in der Hoffnung, die Kanadier würden dann um neun auftreten), war zwar die Bar im Gebäude 9 schon ganz gut gefüllt, dabei blieb es dann aber auch erst einmal.

Die Hoffnung auf frühes Insbettgehen hatte sich dann erledigt, als wir erfuhren, daß eine Vorgruppe Air France auftreten sollte. Air France stellten sich dann als Er France aus Düsseldorf heraus und begannen um kurz nach neun mit einer irre langen Setlist. Bevor sie anfingen, standen auf der Bühne schon drei Keyboards, zig Gitarren und auf dem Boden lagen zwei Melodicas (rot und hellblau,
traumhaft!). Er France (ich hasse eigentlich solche Wortwitze) bestehen aus Sängerin Isabelle Frommer, die ein Kleid in Jugendherbergs-Bettwäsche Optik trug (rot-weiß kariert), Bassist Daniel Decker (der ein Hemd aus dem gleichen Stoff anhatte, solches Stoffteilen ist vermutlich CO2 freundlich), Gitarrist André Tebbe und einem Schlagzeuger, dessen Namen ich nicht kenne (laut myspace haben sie zwei, da war aber nur einer, ganz sicher).

Wie genau die Musik war, kann ich nicht sagen. Isabelles Stimme war zu leise, daher fiel es mir schwer, den Songstrukturen zu folgen. Dazu kam, daß sie nur dann sang, wenn sie nicht Keyboard spielte (und umgekehrt). Wenn sie dann also sang, hatte sie das Problem, das viele Sänger ohne Instrument haben, sie machte alberne Sachen mit ihren Armen, meist Nordic-Walking-Trockenübungen. Das hat mich so sehr abgelenkt, daß ich mich der Musik nicht richtig widmen konnte. Ob Isabelle Französin oder Deutsche ist, ist mir nicht klargeworden. Ihre Ansagen hatten anfangs einen Akzent (die Ansagen waren Geschichten der Art Kleiner Prinz light), der dann aber nach und nach wegfiel. Der war also vermutlich gefaked. Egal, Isabelle zappelte sich einen ab, die Musik klang eigentlich recht gut, Gitarrist und Bassist posten auch viel rum und so waren die gut 50 Minuten ihres Auftritts entschieden zu lang.

Setlist Er France Köln:

01: Spiel mir Deine Musik
02: Alles ist gut
03: Never hiding
04: Man in black
05: M. Canon
06: Puppeteer
07: Your faustian side
08: Fais le pari
09: The man and the wolf
10: I came to get my due
11: Ein Käfig voller Narren

Nach kleinem Umbau (zwei der Keyboards, die Gitarren und - viel wichtiger - die
Melodicas gehörten schon zu den New Pornographers) trat die Band aus Vancouver dann um kurz vor halb elf auf. Das Gebäude 9 war bis dahin besser gefüllt, es war aber überall sehr viel Platz. Da an den Wänden überall Plakate hingen, daß die Band "leider" kein Rauchen wünsche, war die Luft auch einmal wohltuend gut, obwohl natürlich trotzdem geraucht wurde.

Die New Pornographers sind ja eine der Bands, bei denen man nicht weiß, wer da so auf der Bühne stehen wird (wie Broken Social Scene z.B.). Ich hatte vorher schon gelesen, daß Sängerin Neko Case nicht dabei sein sollte. Den Part der weibliche Stimme
übernahm an ihrer Stelle Kathryn Calder. Ich habe zwar Neko Case nie live gesehen, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie besser sein könnte als ihr "Ersatz", denn Kathryn war schlicht fabelhaft!

Die Band, die in Köln auftrat, bestand (wohl) aus Sänger und Gitarrist Carl Newman, John Collins (Bass und Gitarre), Todd Fancey (Gitarre), Kurt Dahle (Schlagzeug), Blaine Thurier (Keyboard, Mundharmonica und Melodica) und eben Kathryn Calder (Gesang, Keyboard und Akkordeon).

Das absolut wundervolle Programm begann mit einem meiner Lieblinge, nämlich "
All the things that go to make heaven and earth" vom neuen Album "Challengers." Natürlich lag auch der Schwerpunkt des Konzerts auf Liedern der im August erschienenen Platte.

Mit uns redete Carl nicht furchtbar viel, er schien fast ein wenig schüchtern (obwohl er überhaupt nicht so aussieht). Die kleinen Danksagungen übernahm anfangs alle die Keyboarderin. Untereinander redeten die Musiker aus Vancouver aber viel - und sie schienen dabei außerordentlich gute Laune zu haben. Am spaßigsten wirkte dabei der sehr aufgekratzte Schlagzeuger, der auch immer wieder auffiel, weil der die hohen Background Parts sang und dabei ein herrliches Gesicht machte. Er hatte aber auch andere wichtige Aufgaben: bei "Adventures in solitude" hüpfte er plötzlich auf, ging von der Bühne - und kam mit einer Handvoll Bier wieder zurück.

Natürlich liebe ich auch "Spirit of giving" sehr, wird da schließlich St. Christopher erwähnt. Das Stück begleitete Kathryn mit einem Akkordeon. Aber auch ohne Akkordeon war der Sound der Stücke fabelhaft. Die
Stimmen der beiden Sänger passen traumhaft zu einander. Vieles war ganz einfach so, wie die Stars im Gebäude 9 hätten sein können, hätten sie die Hände von dem gelassen, was sie da verführt hatte.

"The bleeding heart show" scheint der
Standard-Abschlußsong zu sein. Kathryn jedenfalls winkte, verabschiedete sich und verließ die Bühne. Allerdings war sie damit alleine, denn Carl erklärte uns, für einen Fernseh- oder Radioauftritt in Frankreich hätten sie ein Lied einstudiert ("they forced us to play it") und legte einen Zettel mit dem Text auf den Boden. Kathryn kam lachend zurück und entschuldigte sich: "It thought it was our last song!"

Das Zusatzlied war dann vielleicht eine Probe unter Wettkampfbedingungen. Es war das ELO-Cover "Don't bring me down", Stadionmusik der Sorte, die ich nicht mag. Das Cover war ziemlich erträglich, natürlich besser als das Original - und der Abschluß des Konzerts. Zumindest der vorläufige, denn natürlich gab es Zugaben. Die Band wäre niemals ohne Zugaben durchgekommen, denn das Publikum war von Anfang an in bester Stimmung. Im Saal war ja leider reichlich Platz, das hatte aber den Vorteil, daß die 96, die bei der Vorgruppe noch ruhig rumstanden, dann auch tanzten. Isabelle von Er France stand dann auch im Publikum, vermutlich um zu sehen, was man als singende Keyboarderin so mit den Händen machen kann, wenn man kein Nordic Walking mag...

Ich hatte wirklich nicht gedacht, daß mich vom Konzert-Jahresrestprogramm noch etwas so sehr begeistern kann. Aber es hat - und wie!

Setlist The New Pornographers Köln:

01: All the things that go to make heaven and earth
02: Use it
03: Electric version
04: Jackie, dressed in Cobras
05: All the old showstoppers
06: Challengers
07: The laws have changed
08: My rights versus yours
09: Spirit of giving
10: Mass romantic
11: Adventures in solitude
12: Testament to youth in verse
13: Mutiny, I promise you
14: Sing me Spanish techno
15: The bleeding heart show
16: Don't bring me down (ELO Cover)

17: Twin Cinema (Z)
18: The slow descent into alcoholism (Z)

Links:

- The New Pornographers am 30.09.07 in Paris
- mehr Fotos



Samstag, 29. Mai 2010

The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10

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Konzert: The New Pornographers

Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 28.05.2010
Zuschauer: sehr viele für 18.15 Uhr
Dauer: 60 min


Eines der Konzerte, die alleine die Fahrt nach Barcelona gerechtfertigt hätten! Was für eine zauberhafte Band!

Ein ausführlicher Bericht folgt!

Setlist The New Pornographers, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Sing me Spanish techno
02: Up in the dark
03: Use it
04: The laws have changed
05: The crash years
06: All the old showstoppers
07: Sweet talk, sweet talk
08: Challengers
09: Testament to youth in verse
10: Your hands (together)
11: My rights versus yours
12: A bite out of my head
13: The slow descent into alcoholism
14: Moves
15: Mass romantic
16: The bleeding heart show

Links:

- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07




Sonntag, 2. Januar 2011

My year in lists: Platten und Konzerte des Jahres (Philippe Didier)

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Platten des Jahres:

01: Sufjan Stevens - The Age of Adz
02: Sufjan Stevens - All Delighted People EP
03: Woodpigeon - Die Stadt Musikanten
04: Musee Mecanique - Hold this Ghost
05: Florent Marchet - Courchevel
06: Midlake - The Courage of Others
07: Get Well Soon - Vexation
08: Beach House - Teen Dream
09: The New Pornographers - Together
10: The National - High Violet

Konzerte des Jahres:

01: Musée Mécanique - Point Ephémère, 24.09.10
02: Get Well Soon - Cigale, 16.03.10
03: Fanfarlo - Maroquinerie, 21.01.10
04: Florent Marchet - Café de la Danse, 09.11.10
05: Midlake - Bataclan, 20.04.10
06: The New Pornographers - Maroquinerie, 26.05.10
07: The National - Olympia, 23.11.10
08: Arcade Fire - Casino de Paris, 05.07.10
09: Beach House - Cigale, 04.11.10
10: Let it Be Live - Salle Pleyel, 04.07.10



Samstag, 19. Januar 2008

Immaculate Machine, Frankfurt, 18.01.07

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Konzert: Immaculate Machine
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 18.01.2007
Zuschauer: vielleicht 80, also recht voll


Auch wenn meine musikalischen Reflexe nicht so leicht vorhersehbar wären (Kanada, Sängerin, Mint Records = Lieblingsgruppe), hätte mich Immaculate Machine begeistert. Die Band aus Victoria habe ich (Asche usw.) erst über die New Pornographers kennengelernt, bei denen Sängerin Kathryn Calder als Gast auftritt (sie ist die Nichte von New Pornographer A. C. Newman). Daß so kurz nach den New Pornographers jetzt auch Kathryns Hauptgruppe in Deutschland auftritt, war ein schöner Start in dieses Konzertjahr.

Natürlich war es nicht sonderlich überraschend, daß die Kanadier in einem kleinen Club auftreten, das ist aber in Frankfurt alles andere als tragisch, weil es da einige
schöne kleine Läden gibt. Das Bett ist einer von denen, mitten in Sachsenhausen zwischen Apfelweinkneipen gelegen und äußerst pragmatisch aufgebaut: hinten seitlich ist der Eingang zum recheckigen Raum, an dessen einem Ende die Theke und am anderen die Bühne ist.

Um zwanzig nach zehn (der Saal war da mittlerweile gut gefüllt), stiegen die Musiker auf die kleine Bühne. Immaculate Machine ist keine von diesen kanadischen Kollektivbands, sie hat nur drei Mitglieder und die fest. Gitarrist Brooke Gallupe hat eine kanadische Holzfällerfrisur (im Nacken zu lang) (ich weiß, daß ich nicht klischeefrei bin), Schlagzeuger Luke Kozlowski einen Vollbart (auch sehr kanadisch) und Keyboarderin Kathryn eines der wundervollsten Lächeln in der Musikszene - aber wir waren ja hauptsächlich wegen der Musik da...

Das Set begann mit "Dear confessor" von der aktuellen Platte "Fables". Das, was mich an der Band so fasziniert, sind die übereinander gelegten Stimmen. Die meisten
Gesangsparts übernehmen Brooke und Kathryn, die beide tolle Stimmen haben, die aber eben auch vor allem ganz wunderbar zusammen klingen. Luke, der Schlagzeuger, singt aber auch viel, meist zwar Background-Elemente aber auch gut identifizierbar. Und auch sein Gesang hermoniert fabelhaft mit seinen Kollegen. Noch besser ist allerdings sein Schlagzeug-Spiel. Es war sehr lustig, ihm dabei zuzusehen, weil seine Bewegungen so aussahen, als hätte er sich den Hals verrenkt. Hatte er aber wohl nicht. Außerdem erinnerte mich Luke an Marshall aus Alias, nur eben mit Vollbart. Einen besseren Vergleich hatte aber Kathryn später.

Ein paar frühe Highlights waren "C'mon sea legs" und vor allem das folgende "Broken ship". Wäre ich bis dahin nicht schon hin und weg gewesen, wäre ich spätestens beim Sprachwechsel von Englisch zu Französisch fällig gewesen. Das Lied ist auf der EP "Les uns mais pas les autres" bereits als "Bateau brisé" erschienen, ich hatte aber nicht erhofft, daß Immaculate Machine eine (oder zumindest eine halbe)
französische Version eines ihrer Lieder spielten. Es war großartig, aber das muß ich wohl nicht betonen...

Ein weiteres Highlight für mich war "Phone no." von der ersten Mint Platte "Ones and zeros" von 2005. Auch schön das Zombies Cover "Time of the season". Irgendeines der letzten Stücke enthielt ein längeres Schlagzeugsolo, bei dem sich Luke besonders ins Zeug legte. Kathryn fragte uns danach, ob er uns nicht auch an das Tier aus der Sesamstraße erinnere. Aus dem Publikum kam dann, daß Tier aus der Muppetshow sei. Die Keyboarderin entschuldigte sich für den Fehler, worauf jemand zurückbrüllte, daß das Tier in beidem auftrete. Brooke beobachtete das und kommentierte: "That's how barfights start. I've seen this before, Barfights on Sesamestreet and Muppetshow!"

Ich bin ziemlich sicher, daß das Konzert in meiner Jahres-Top-15 aufgetaucht wäre, wenn es bloß drei Wochen früher stattgefunden hätte. Auf Platte sind Immaculate Machine grandios, keine Frage. Aber auch live haben sie mich überzeugt, eben weil
alle drei singen können. Schade war nur, daß es im Saal (ui, im Raum, meine ich) oft laut und unruhig war. Bei den lauteren Lieder störte das die Band sicher nicht, mich schon, weil ein paar Leute in meiner Nähe sich laut unterhielten. Bei "Blinding light", einem leisen Lied, das sie nach Kathryns Ansage nicht oft spielen, hat es offenbar auch die Sängerin kräftig genervt, denn sie sagte hinterher, es sei viel geredet worden, sie habe aber nur "Scheiße" verstanden.

"Jarhand" beendete nach einer knappen Stunde das Konzert. Die Band verschwand in der Art Besenkammer, die seitlich der Bühne abgeht, denn wie auch das Blue Shell in Köln bietet das Bett keine echte Chance für Musiker, vor den Zugaben zu verschwinden. In dem Kämmerchen hielten sie es auch nicht lange aus und kamen schnell zurück, um mit "So cynical" einen anderen großen Hit zu spielen. Anschließend folgte das Beach Boys Cover "Good vibrations" und zum Schluß mein derzeitiger Liebling "Old flame". Eine großartige Band! Die übrigens auch großartiges Merchandising hat. Es gab zwar kein Vinyl, dafür aber einen Edelstahl-Flachmann mit Bandlogo. Wow!

Setlist Immaculate Machine, Frankfurt:

01: Dear confessor
02: Death of a rockstar
03: On / off
04: C'mon sea legs
05: Broken ship
06: Roman statues
07: Nothing ever happens
08: Phone no.
09: Small talk
10: Time of the season (The Zombies Cover)
11: No such thing as the future
12: Blinding light
13: Invention '77
14: Jarhand

15: So cynical (Z)
16: Good vibrations (Beach Boys Cover) (Z)
17: Old flame (Z)



Sonntag, 11. September 2011

Kathryn Calder, Offenbach, 10.09.11

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Konzert: Kathryn Calder
Ort: Hafen 2, Offenbach
Datum: 10.09.2011
Zuschauer: 17 plus Band und Technik
Dauer: Kathryn Calder ca. 55 min, Himalayan Bear 30 min


Kathryn Calder spielt in zwei meiner Lieblingsbands, Immaculate Machine und The New Pornographers. Vor gut einem Jahr erschien mit Are you my mother? das erste Soloalbum der Kanadierin, mit dem sie zur Zeit durch Europa tourt (wobei der deutsche Teil von Europa mit Hannover, Leipzig und Offenbach wohl bis auf Leipzig nicht aus touristischen Gesichtspunkten ausgewählt wurde). Immerhin war mit Offenbach eine für mich erreichbare Stadt dabei. Also eine top Gelegenheit, mein Konzert-Sabbatical endlich zu beenden.

Der Abend begann mit Himalayan Bear aus Victoria. Hinter dem Namen verbirgt sich Ryan Beattie, der in Kathryn Calders Band Gitarre spielt. Das tut er auch in einer anderen kanadischen Band, Frog Eyes, in der früher Spencer Krug von Sunset Rubdown und Wolf Parade gespielt hat. Die Musikwelt in Kanada ist klein. A propos kleine Welt: für Himalayan Bear arbeitet Ryan Beattie auch mit Grayson Walker (ex Godspeed You! Black Emperor) zusammen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was für Namen fielen, übertrüge man das auf Deutschland.

Ryan spielte Gitarre und sang dazu. Seine Lieder waren enorm lang, oft länger als fünf Minuten und lebten vom Wechsel seiner Stimmhöhe. Genau das war auch mein Problem. Es klang wirklich gut, bis Ryan in ein Falsett verfiel, und das tat er leider in jedem Stück. Himalayan Bear wird zum Beispiel mit DM Stith verglichen, für mich klang Ryan wie einer der Barden mit Rasputinbart, nur trug er keinen.

Für die letzten beiden Lieder kam dann zusätzlich ein Schlagzeuger auf die Bühne, der nach einer kurzen Pause auch zu Kathryns Band gehören sollte.

Ob und in welcher Weise die Sängerin Unterstützung mitbringen würde, hatte ich vorher nicht gewusst. Ihre Platte ließ sich vermutlich solo spielen, dachte ich mir. Daß Schlagzeug und viele Mikros aufgebaut waren, gefiel mir aber ausgezeichnet, weil die Stücke des Albums oft sehr ruhig sind (und sich damit von der Musik der anderen Bands der Kanadierin unterscheidet), und ihnen etwas mehr Krach zumindest nicht schaden würde.

Gitarre, Bass, Schlagzeug und Kathryn an Keyboard (und oft an der Gitarre) war dann die Besetzung, als es vor handverlesenem Publikum losging.

Daß meine Vermutung viel hilft viel stimmte, zeigte sich spätestens bei Down the river, dem zweiten Lied des Sets. Auf Platte ist der Song schon einer der besten, in der schmissigen Bandumsetzung war er atemberaubend schön!

Auch die anderen Liedern von Are you my mother? klangen laut und mit vielen Gitarren ganz ausgezeichnet!

Zusätzlich zum "alten" Material spielte die Band drei neue Lieder (wenn ich richtig mitgezählt habe). Im Oktober erscheint eine zweite Platte, die Stücke erscheinen auf der. Wenn sie repräsentativ für das Album sind, wird das mit seinen mehrstimmigen Gesängen und den flotten Melodien an den Powerpop der New Pornographers erinnern, also sehr gut werden!

Trotz des kläglich kleinen Publikums (vor dem Hafen 2 saßen nach dem Konzert sicher 50 Leute draußen und tranken) hatte die Band viel Spaß. Ryan brachte immer wieder seine Deutschkenntnisse an ("Dankeschon").

Nach einer knappen Stunde war dieses sehr schöne Konzert leider schon beendet. An ihren ersten Frankfurter Immaculate Machine Gig kam der Abend nicht ran, dafür fehlen die Überhits ihrer alten Band. Aber Kathryn Calder ist Garant dafür, daß man grundsätzlich einen guten Musikabend verlebt. Dafür hat die Frau bei der Vergabe von Charme und Talent einfach zu oft "hier" gerufen!

Der charmanteste Moment gehörte aber ihrem Schlagzeuger, denn der bedankte sich nach dem Konzert bei allen Zuhörern per Handschlag mit "thanks for coming!"

Setlist Kathryn Calder, Hafen 2, Offenbach:

01: All it is
02: Down the river
03: Slip away
04: A day long past it's prime
05: If you only knew
06: Turn the light on (neu)
07: Follow me
08: City of sound (neu?)
09: Arrow
10: 1 2 3 (neu)
11: Castor and Pollux

12: So easily (Z)

Fotos und Links folgen! Die Zeit...




Mittwoch, 26. Mai 2010

Metric, Paris, 26.05.10

11 Kommentare

Konzert: Metric

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 26.05.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. 70 Minuten


Als "accident de voyageur ou de personne" (Personenschaden) wird in der nüchternen Amtssprache der Pariser Verkehrsbetriebe RATP der Umstand bezeichnet, daß sich jemand vor den Zug geworfen hat. Diese menschlische Tragödie passiert leider nicht selten und heute war es wieder soweit: der Verkehr in der Metrolinie 8 sei unterbrochen, meldete eine Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage. Zu jucken schien das kaum jemanden der wartenden Passagiere. Gelangweilt schauten die Leute auf ihre Blackberries oder Iphone und warteten einfach drauf, daß es gleich weitergeht. Von Betroffenheit keine Spur. Erst als 10-15 Minuten später immer noch nicht die nächste Metro eingetrudelt kam, wurden einige unruhig und verließen das unterirdische Labyrinth. Auch ich begab mich nach draußen, denn es war inzwischen 20 Uhr 45 und ich wollte zum Konzert von Metric in die Cigale. Ich fühlte mich mies, denn Suizide in der U-Bahn lassen mich nie ganz kalt. Früher dachte ich immer, daß sich Obdachlose in ihrem Elend vor die Züge stürzen, aber in einem Bericht über das Leben der Clochards auf der Straße habe ich neulich erfahren, daß sie sich ganz selten das Leben nehmen. Begründung eines befragten Psychiaters: Obdachlose denken nur an den nächsten Tag und nicht weiter und irgendwie sorgt dies bei ihnen für weniger Zukunftsängste als bei Leuten, die an die nächsten 5 bis 10 Jahre oder noch weiter denken und dementsprechend planen.

Ich musste nun ein Taxi nehmen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Dies gelang mir auch und als ich in das stickige und übervölkerte Theater im Pigaleviertel eintrat, erklang gerade das erste Lied. Als hätte ein Schiedsrichter bei einem Wettlauf den Startschuss abgegeben, gingen hunderte Leute ab wie ein Zäpfchen. Wie auf Befehl. Alle hüpften und sangen jede einzelne Strophe mit. Ich fühlte mich wie ein nüchterner Mensch, der ins Hofbräuhaus eintritt, wo quasi jeder besoffen wie ein Schwein ist und grundlos auf den Tischen rumtanzt. Grauenvoll. Wo war ich hier gelandet? Im Club Robinson, bzw. Med? Emily Haines war die Animateurin und das Publikum die vergnügunsgeilen Clubgäste. Es war schwül warm, ich stand bedrängt auf einer Treppenstufe in der Nähe der Boxen und der Sound war dumpf, basslastig und scheppernd. Alles andere als ein Vergnügen, diese Veranstaltung! Ich ermahnte mich selbst und sagte mir innerlich: "Hey, Oliver, mach dich locker und amüsier' dich doch auch. Sei kein Spielverderber!" Emily Haines keifte derweil eine von den Beastie Boys entlehnte Songzeile: "We gonna fight for our right to party." Das machte mich fertig. Ich konnte mich einfach nicht amüsieren, weil ich schmerzlich erkennen musste, wie flach die Musik von Metric ist. Indie-Disko für den Ballermann, schoß es mir durch den Kopf. Dümmliche Refrains, die jeder Heini mitgrölen kann ("Beating like a hammer, beating like a hammer") und Gitarrenriffs, die wie auf Bestellug kamen. Dabei waren die Gitarren letztlich nur Staffage um cool zu wirken, denn seien wir ehrlich: Metric machen Pop und nichts anderes. Klar, Emily Haines sah prima aus wie immer, stylische goldene Stiefelchen, ein kurzes Glitzerkleidchen und makellos schöne Beine. Aber deshalb gleich pausenlos ausrasten? Nö! Ich jedenfalls nicht. Die (meist männlichen) Fans hingen ihr aber an den Lippen und wenn sie nach vorne an den Bühnenrand kam, grapschte jeder nach ihren Händen. Ich fand das affig. Dennoch war es ratsam, immer nur auf Emily zu glotzen, denn den Anblick des Bassisten und des Gitarristen konnte ich nicht ertragen. Zwei überaus eitle, permanent posende Schönlinge, die die abgedroschensten Rockstargesten darboten und sich dabei obercool vorkamen. Hilfe!

Am schlimmsten war aber, das jeder Song gleich klang. Ein ungenießbarer Brei aus garagigen Bässen und wummernden Synthiebeats, der eklige Assoziationen zu Placebo, den verfluchten Killers oder anderen ätzenden Bands bei mir hervorrief. Egal ob Help I'm Alive, Gimme Sympathy, Dead Disco oder den oberfeisten Abschlußsong Stadium Love, ich fand jeden dieser Hits kacke, die Gestik von Haines einstudiert, die Euphorie künstlich. Gut, daß das Trauerspiel nur eine Stunde dauerte. Zwei doofe Zugaben (Monster Hospital und das schnulzige Combat Baby) und zehn Minuten später und ich war erlöst. Das Publikum jubelte, als ob Frankreich die WM gewonnen hätte, aber ich spielte die Spaßbremse, zog eine schlechtgelaunte Fluppe und suchte das Weite. Musikalisch hatte ich trotz überbordender Energie der Frontlady eines der schlechtesten Konzertes des Jahres gesehen. Möglicherweise hat mir der eingangs geschilderte "Personenschaden" den Abend versaut (ich Sensibelchen!), ich denke aber, daß ich auch mit besserer Laune nicht den gleichen Spaß wie die meisten Zuschauer gehabt hätte. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß ich durch meine Wohnzimmersessions und die kleinen Clubkonzerte verwöhnt bin und Massenveranstaltungen wie der heutigen kaum noch etwas abgewinnen kann. Aber ich bin es auch selbst Schuld. In der Flèche d'or spielten heute Micah P Hinson und The Leisure Society, im Scopitone Gemma Ray und in der Maroquinerie The New Pornographers und Here We Go Magic. Die Auswahl an guten Indiekonzerten war also groß und der Besuch des Konzertes von Metric nicht zwingend nötig.

Pour nos lecteurs français:

Par moment je me sentais comme au Club Med ce soir à la Cigale. Emily Haines de Metric était la Go et le public surchauffé les GM. Dès le premier morceau la foule se déchaîna comme s'il fallait faire la fête de l'année. Un public conquis d' avance donc qui se foutait un peu des chansons, qui, pour moi, sonnaient toutes plus au moins pareilles. Refrains catchy ("beating like a hammer, beating like a hammer") melodies entêtantes et un beat dansant, melangé avec des riffs sanglants, voila la recette qui faisait danser de joie tout le monde. Sauf moi. Certes, Emily faisait preuve d'une énergie remarquable, se donnait à fond et justifiait complètement son statut de bête de scène, mais musicalement le tout restait étrangement plat. Les riffs venaient comme sur commande, les morceaux allaient toujours droit au but et le son était pourri, au moins dans mon coin. Pas étonnant donc que le public n'était pas composé des personnes qui vont regulièrement au petits concerts indés. Ici reignait une ambiance quasi festivaliaire, dominé par des gens qui tapaient sur le moindre rythme dans la main. J'ai trouvé cela plutot génant. Pourtant Emily etait sublime comme d'habitude. Petites bottines (des low boots plus précisement) dorées très chic, jambes impeccables et mini jube paillettée. Jolie ca! A ces côtés deux mecs qui posaient comme des clowns en faisant sans cesse des gestes des rock stars. Ridicule. Finalement j'étais content que le concert ne dure pas plus que 70 petites minutes, rappels inclus. Le public hurlait de joie comme si la France avait gagné la coupe du monde, mais moi j'étais plutôt deçu que je n'avais pas opté pour les concerts de Micah P Hinson à la Flèche d'or où de The New Pornographers à la Maro. Des concerts grand public comme ce soir à la Cigale me passionnent de moins en moins. Mais bon, c'est mon goût personnel, c'est compréhensible que la très grande majorité du public avait passé une excellente soirée avec une Emily Haines survoltée et sexy en diable.

Setlist Metric, La Cigale, Paris:

01: Twilight Galaxy
02: Satellite Mind
03: Front Row
04: Help I'm Alive
05: Empty
06: Gold Gun Girls
07: Gimme Sympathy
08: Sick Muse
09: Dead Disco
10: Stadium Love

11: Monster Hospital
12: Combat Baby

Aus unserem Archiv:

Metric, Paris, 31.08.09
Metric, Paris, 30.08.09
Metric, Köln, 05.05.09



Freitag, 20. Januar 2017

Les concerts en 2017 à Paris

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Les concerts en 2017 à Paris

Le nouvel ans avance à grands pas ! Il y avait des concerts remarquables ( Françoiz Breut à La Marbrerie de Montreuil, The Divine Comedy aux Folies Bergères, José Gonzalez à La Cigale, Conor Oberst à la Maroquinerie, Blonde Redhead au Trianon...) mais maintenant ça devient encore plus fou avec Thurston Moore, Lloyd Cole, Fishbach, Laura Gibson, Warpaint, Peter Doherty, The Lemon Twigs, Frontier Ruckus, Slowdive, The Shines, Weyes Blood (photo archive par Oliver Peel©), Vashti Bunyan, The Jesus And Mary Chain, Wire, Bob Dylan, The New Pornographers, British Sea Power, Angel Olsen etc.







Mars

03: Achille et Pamelia Stickney, FGO Barbara
03: PIFPM avec Traams, The KVB, Noir Boy Georges et d'autres, Trabendo
04: PIFPM avec Gong, Fai Baba, Faire, Biche et d'autres, Trabendo
04: Ueno Park, So_Lo_Lo, Clément Nourry, Les Instants Chavirés, Montreuil
06: Paulette Wright et Laish, Les Trois Baudets 
06: The Underground Youth, Petit Bain
06: Hamilton Leithauser, Point Ephémère 
07: Sage Comme des Sauvages, Café de la Danse
07: Kid Wise, La Maroquinerie
07: Jagwar Ma, Le Trabendo
07: Rover, Philharmonie de Paris
07: Amy MacDonald et Newton Faulkner, Trianon
08: Banks, La Cigale
08: Facteurs Chevaux, Petit Bain
08: Lomelda et Virginia Sock en concert en appartement
08: Rover, Philharmonie de Paris
09: Rover, Philharmonie de Paris
09: Trash Talk, Point Ephémère 
10: francis And The Lights, Pop-up du Label
11: Thurston Moore acoustique et Le Volume Courbe, La Maroquinerie 
12: The Black Heart Procession et Sam Coomes, Petit Bain  
13: Tove Lo, La Cigale
13: Drake, Bercy
13: Grails, Glazart 
13: Adia Victoria, Pop-up du Label
13: Jenny Abrahamson, Supersonic
14: Drake, Bercy
14: Jil Caplan, Café de la Danse
14: Fishbach, La Cigale 
14: Bel Plaine, La Maroquinerie
14: Cloud Nothings, Petit Bain
14: Sally Ford, Point Ephémère
15: Julia Jean-Baptiste et Lafayette, Trois Baudets
15: Karen Lano et Pagan Poetry et Emilie Marsh, Divan du Monde
15: Lloyd Cole en solo, La Maroquinerie 
16: Narrow Terrence et Oh Tiger Mountain, Petit Bain
16: Vincent Segal, Sunset 
16: The Garden, Point Ephémère
16: The Wooden Wolf, Les Trois Baudets
16: Russian Circles et Dirge, Trabendo
16: La Féline et Louis Jean Cormier, La Maroquinerie 
16: Acid Arab, La Cigale
16: Anthrax, Elysée Montmartre
16: Eric Chenaux et Ar Ker et Lukas Koening, FGO Barbara  
17: Deaflovers, Supersonic
17: Onze Onze, Potochkine, David Shaw, Alimentation Générale
17: Apparat et Clara Moto, 10 ans d'Infiné, La Gaité Lyrique
17: The Pigeon Detectives, La Maroquinerie
17: The Wooden Wolf, Musée Eugène Delacroix 
17: Colorado et MNNQNS et Ellah A Thaun, Point Ephémère
18: Laura Gibson solo, Pop Up du Label 
18: Piers Faccini, Musée Eugène Delacroix
18: Tinariwen, La Maroquinerie
19: Tinariwen, La Maroquinerie
20: Tinariwen, La Maroquinerie
20: Emmy The Great, Pop Up du Label
20: Warpaint, Elysée Montmartre 
21: Tokio Hotel, Olympia
21: Loki Starfish, Les Trois Baudets
21: Carmen Maria Vega, Divan du Monde
21: Juniore, Boule Noire 
22: Poni Hoax, Trabendo
22: H-Burns, Café de la Danse
22: Car Seat Headrest et Traams, Divan du Monde, complet 
23: Dinosaur Pile Up, Backstage By The Mill
23: Etienne Jaumet meets Romain Rurzi, Badaboum
23: Kid Francescoli, Café de la Danse
23: François And The Atlas Mountains, La Maroquinerie
23: Vitalic et Agar Agar, Olympia, complet
23: Bumpkin Island et Botibol, Petit Bain
23: Leif Vollebek, Pop-up du Label, complet
24: Paradis, La Gaité Lyrique, complet
24: Ten Fé, Pop--up du Label
24: François and the Atlas Mointains, La Maroquinerie
24: Peter Doherty, Yoyo, Palais de Tokyo 
25: Buzzcocks, Elysée Montmartre
25: Paradis, La Gaité Lyrique, complet
27: Woods, La Maroquinerie 
27: Flotsam & Jetsam, Petit Bain
27: Erevan Tusk, les Trois Baudets
27: Hurray For The Riff Raff et Laurel, Divan du Monde 
28: Alex Beaupain, Bataclan
28: Michelle Gurevich et Emilie & Ogden, Divan du Monde
28: Alister, Les Trois Baudets
28: The Shins, Trianon 
29: Alan Corbel et Robin Foster, Café de la Danse
29: Nesles et Marianne Dissard et Yan Péchi, Manufacture Chanson 
30: Jay Jay Johanson, Centre Pompidou
30: Little Simz et Songe, La Gaité
30: The Psychotic Monks et Yeti Lane, Petit Bain
30: Sinkane, Point Ephémère
30: Wax Tailor, Le Zénith
30: Triplego, Pop-up du Label
30: Maud Lübeck, Trois Baudets
31: Frontier Ruckus et Michelle Blades, Pop In 
31: The Lemon Twigs, Elysée Montmartre
31: Milburn, Le Pop Up du Label
31: Soiréé de clôture des fsm Trabendo avec entre autres Austra
31: Birdy Nam Nam, Olympia

Avril

01: Algo et Odds & Ends, La Dame de Canton
02: Slowdive, Trabendo
03: Soulwax, Elysée Montmartre
03: Albin de la Simone, Européen
03: Ropoporose et Yachtclub et Monstromery, Petit Bain
03: Vincent Delerm, Philharmonie de Paris
03: Couteau Latex et Police Control et Helas!, Supersonic
05: Xixa, Point Ephémère
05: Alice Jemima, Pop-Up du Label
05: Mathieu Boogaerts, La Java
06: Tristesse Contemporaine, Badaboum
06: Drinks et Tim Presely + Cate Le Bon, Point Ephémère
07: Run The Jewels, Elysée Montmartre
07: Juveniles, La Maroquinerie
07: Pins, Espace B 
07: Skott, Pop-up du Label
07: Vincent Delerm, Philharmonie de Paris
08: Lescop, Trianon
10: Devendra Banhart, La Cigale
10: Weyes Blood, Point Ephémère
12: Yuksek, La Cigale,
12: Cléa Vincent, La Gaité Lyrique
13; Circa Waves, La Maroquinerie
13: Christine Owman et Bank Myna, Supersonic
13: Vashti Bunyan et Steve Gunn, Le Carreau du Temple
13: Tamikrest, Pan Piper
14: Trans Am, Point Ephémère
14: Sahara, Mains d'Oeuvres
15: Mustang et Chocolat et La Terre Tremble !!!, La Maroquinerie
19: Timber Timbre, La Cigale 
20: Bob Dylan, Zénith
21-23 MoFo Festival avec entre autres The Luyas, Aquaserge, Barbagallo, Grand Blac et plein d'autres, Mains d'Oeuvres
21: Jens Lekman, Café de la Danse
21: Frère Animal, Trianon
22: Emily Wells, Batofar
22: Cigarettes After Sex, La Maroquinerie
23: Nick Hakim, Pop-up du Label
24: Temples, Elysée Montmartre
26: Babe, Boule Noire
26: Isaac Delusion; Elysée Montmartre, complet
26: Nesles et Philippe Crab, Manufacture Chanson
26: Japandroids, La Maroquinerie
26: Thomas Dybdahl, Le Flow
27: The Jesus And Mary Chain, Elysée Montmartre
27: Blondino, Etoiles
28: PVT, Point Ephémère
29: 10 ans de Bornd Bad Records, La Machine du Moulin Rouge
29: Alpes, Le Roi Angous, Mains d'Oeuvres

Mai

01: Black Marble, Batofar
02: Deftones, Olympia 
03: Gonjasufi, Badaboum
03: Albin de la Simone, Européen
03: Mathieu Boogaerts, La Java
03: Deftones, Olympia
03: Tennis, Point Ephémère
04: K's Choice, Elysée Montmatre
04: Fisbach, La Cigale
04: The Cranberries, Olympia
05: The Cranberries, La Cigale
05: Sylvan Esso, Point Ephémère
09: Last Train, Bataclan
09: Future Islands, Elysée Montmartre
10: Jim Jones And The Righteous Mind, Petit Bain
11: Katerine, Olympia
11: Oiseaux Tempête, Le Trabendo
11: The Big Moon, Pop-up du Label
11: The Pirouettes, La Cigale
12: Wire, La Maroquinerie
13: Agnes Obel, Philharmonie de Paris
14: Thee Oh Sees, Trabendo
14: Agnes Obel, Philharmonie de Paris
15: Asgeir, Cabaret Sauvage
16: Laura Cahen, Café de la Danse
16: The Kooks, Olympia
16: Clara Luciani, Point Ephémère
16: Xiu Xiu et Le Prince Harry, Petit Bain
18: Dick Annegarn, Bataclan
18: The New Pornographers, Divan du Monde
18: Nouvelle Vague, Elysée Montmartre
18: Keren Ann, Les Etoiles
19: Keren Ann, Les Etoiles
19: Mew, Point Ephémère
19: Renaud, Zénith
20: Renaud, Zenith
23: Liior Shoov, Le 104
24: Death in Vegas, La Gaité Lyrique
27: British Sea Power, Nouveau Casino
30: Broken Social Scene, Alhambra
30: Pond, Gaité Lyrique
31: Sondre Lerche, Boule Noire
31: Klô Pelgag, Divan du Monde

Juin

06: Angel Olsen, Trianon
11: Amanda Palmer, La Cigale


Sonntag, 11. Oktober 2009

Immaculate Machine, Frankfurt, 10.10.09

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Konzert: Immaculate Machine
Ort: Ponyhof, Frankfurt (ex-Bett)
Datum: 10.10.2009
Zuschauer: maximal 24 (incl. 5 Musikern, 2 DJs, 3 Clubleuten)
Dauer: 50 min


[Wenn die große Liebe das eigene Leben verlässt, kann man damit hoch unterschiedlich umgehen. Vermutlich ist es der einfachste Weg, irgendetwas Hassenswertes zu suchen, in das man sich so sehr steigert, daß die Bewältigung des Verlustes schnell leichter fällt. Der andere, unbequeme Weg ist aber manchmal auch nicht vermeidbar. Man war schließlich einmal verliebt und die Liebe jetzt einfach umzudichten, ist unehrlich. Der Preis für diese Aufrichtigkeit ist größeres Leid, die Ursache vielleicht fehlende Cleverness. Leider bin ich der doofen Fraktion zuzurechnen. Das bitteschön solltest Du, lieber Leser hierbei im Hinterkopf behalten:]

Vor etwa drei Jahren - viel zu spät - entdeckte ich eine kanadische Band für mich, die mich aus dem Stand verzauberte. Immaculate Machine, hier wenig bekannt, hieß die
dreiköpfige Band aus dem New Pornographers Umfeld, deren wundervolle Popmelodien sie sofort zu einer neuen Lieblingsgruppe machten. Unendlich dankbar war ich dafür, sie rechtzeitig empfohlen bekommen zu haben, um eines ihrer Konzerte in erreichbarer Nähe zu erleben. Im Januar 2007 spielten die drei Kanadier im so gut wie ausverkauften Bett in Frankfurt und überzeugten mich auch da restlos mit ihren überragenden Songs, den perfekt zueinander passenden Stimmen von Gitarrist Brooke Gallupe und Keyboarderin Kathryn Calder und der ordentlichen Portion Charme, die die Band verbreitete.

Im Sommer 2007 erschien auch das dritte Album der Band, das traumhaft war und
immer noch jede Menge Glücksgefühle freisetzt. Danach wurde es eine Weile still um Immaculate Machine. Irgendwann Anfang des Jahres erfuhr ich, daß die vierte Platte der Band erscheine, bekam aber unmittelbar nach Erscheinen ein mail, daß das Album schrecklich sei und nicht mehr viel mit der Band gemein habe, die wir so liebten. So eine Art musikalische Reisewarnung also. Weil ich mich auf dieses Urteil komplett verlassen kann, und ich mir die Band nicht damit versauen wollte, ein schlechtes Album (einmal) zu hören, bin ich diesem Hinweis gerne gefolgt und hatte bis zum heutigen Konzert keinen Takt von High on Jackson Hill gehört.

Und bis gestern mittag konnte ich erfolgreich
ignorieren, daß meine Lieblinge in Frankfurt sein würden, dann überkam es mich aber doch, und ich stieg ins Auto.

Immaculate Machine würden im ehemaligen Bett spielen, der tollen Musikkneipe mitten im Apfelwein-Meer in Sachsenhausen. Nun ist das Bett aber vor ein paar Monaten in ein Gewerbegebiet
umgezogen und jetzt ganz chic und modern und das, was einmal Bett war, als Ponyhof letzte Wochen wiedereröffnet worden. "Ponyhof" passte schon einmal prima, entstammt doch der Bandname dem Song One-trick Pony von Paul Simon.

Leider hat der Ponyhof zwar schon eine myspace-Seite, da aber falsche Anfangszeiten verbreitet. "Doors 20 Uhr" stand da. Ich wollte etwa um 20.30 Uhr da sein, um nicht den Anfang zu verpassen. Das klappte aber alles nicht, da Parken rund um die Klappergasse nahezu unmöglich ist. Also kam ich abgehetzt um fünf vor neun am Club an und sah
keine Raucher vor der Tür. Und aus dem Saal kam Livemusik. Mist! Das zweite Konzerte mit verpasstem Beginn innerhalb von 25 Stunden! Der Ordner, der dann aber erschien, teilte mir mit, daß sie gleich aufmachen würden. Also war das der Soundcheck und ich bis dahin der einzige Gast.

An der Zuschauerzahl sollte sich noch etwas ändern, am Ende waren wir bis zu 14. Geändert im Vergleich zu 2007 hatte sich auch die
Größe der Band, allerdings in die andere Richtung. Immaculate Machine hatten für fünf Musiker aufgebaut. Und die kamen nun nach und nach rein, erst eine kleine Frau in schwarz-rotem Kleid. Die kannte ich nicht. Dann Brooke Gallupe, mit langer, lockiger Frisur und prächtigem Schnauzbart, wenn man so etwas prächtig findet. Dann kam ein weiterer Musiker, der mir neu war und eine zweite kleine Frau, die ich noch nie gesehen hatte. Eine Chance gab es also noch für Kathryn Calder, aufzutauchen. Aber auch mit größter Phantasie war das nicht die letzte Frau, die reinkam - die Sängerin fehlte, eine riesige Enttäuschung!

Diese außer Brooke neuen Bandmitglieder stellten sich auf ihre Plätze. Der zweite Mann war der neue Schlagzeuger Aden Collinge; dazu wirkten (vermutlich) Jordan Minkoff an der zweiten Gitarre*, Brookes Schwester Caitlin am Bass und Leslie Rewega am Keyboard mit.

Natürlich begann die Band mit neuen Stücken, zu denen ich wenig sagen kann - und will. Denn sowohl Don't build the bridge, als auch
Only love you for your car oder Thank me for it later haben nichts mehr mit dem Sound der ersten Platten und EPs zu tun. Zu sehr bluesrockig, zu wenige schöne Duett-Stellen. Und natürlich fehlte die entzückende Kathryn Calder auch sonst an jeder Ecke!

Gerade als meine Mundwinkel immer weiter sanken, ein Licht! C'mon sea legs! Und noch eins! Dear
confessor! Und noch Nothing ever happens! Im Gegensatz zu Styling-Sendungen waren diese Vorhers den Nachhers hoch überlegen! Und als ob jetzt alles gut werden würde, folgte auch noch ein neues Lied, das ich mochte. And it was war gut! Der Rest der neuen Sachen gefiel mir dagegen wieder nicht. Blues, Schlagzeug- und Gitarrensoli haben bei dem alten Immaculate Machine keine Rolle gespielt und prägen den neuen Stil leider sehr. Immerhin hellten No such thing as the future und So cynical noch einmal meine Laune auf.

Wer auch solche Lieder geschrieben hat, kann kein schlechter Mensch sein!

Also klatschte ich brav, nahm zur Kenntnis, daß der kurze Applaus von gut zehn Menschen nicht dafür ausreicht, eine Band zu Zugaben zu bewegen, stellte fest, daß die Kanadier alle schrecklich nett wirkten und kaufte eine Platte und ein wundervolles Comicalbum, weil niemand Nettes es verdient, daß seine Arbeit komplett ohne Wirkung bleibt.


Setlist Immaculate Machine, Ponyhof, Frankfurt:

01: Don't build the bridge
02: Only love you for your car
03: Thank me for it later
04: C'mon sea legs
05: Dear confessor
06: Nothing ever happens
07: And it was
08: Sound the alarms
09: No such thing as the future
10: You got us into this mess
11: He's a biter
12: So cynical
13: Neighbours don't mind

Links:

- Immaculate Machine im Bett

* nein, das war Brooke Wilken. Vielen Dank für den Hinweis!




Sonntag, 12. Oktober 2008

Marie Flore, Paris, Paris, 11.10.08

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Konzert: Marie-Flore (You and You)
Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 11.10.2008
Zuschauer: ca. 70-80
Konzertdauer: ca. 35 Minuten



Seitdem ich Marie-Flore 2007 im Vorprogramm der New Pornographers gesehen habe, versuche ich, kein Konzert dieses aufgehenden Sterns am Pariser Folkhimmel zu verpassen.

Das letzte Mal habe ich sie im Mai im Divan du Monde erlebt. In der Zwischenzeit ist schon wieder einiges bei der jungen Dame mit den wunderschönen Augen passiert. So wurde bekannt, daß im Januar 2009 endlich die erste EP mit 6 Tracks auf den Markt kommen wird und schon jetzt gibt es einen nagelneuen Videoclip zu bewundern, den der talentierte Gautier gedreht hat. Der Filmer hat die hübsche Marie-Flore dabei gekonnt in Szene gesetzt, sie wirkt in dem kurzen Streifen auf natürliche Weise sinnlich und verführerisch. Zu dumm nur, daß sie in dem in einem Wohnwagen gedrehten Clip anscheinend etwas mit einem anderen Typen hat! Da kann man glatt neidisch werden...

Noch besser als ein Video ist aber natürlich der Livegenuss der jungen Künstlerin. Es ist immer wieder charmant anzusehen, wenn sie auf niedliche Weise schüchtern das Mikro schnappt und kurz und knapp "Bonsoir" sagt, bevor sie kurzentschlossen loslegt. Auch sonst bleiben ihre Ansagen sehr knapp, selbst ihren Namen erwähnt sie immer nur beiläufig, so als wäre ihr das alles ziemlich peinlich. Dabei hat sie eigentlich gar keinen Grund schüchtern zu sein, denn sie hat wirklich eine sehr schöne, warme und sinnliche Stimme. Meist haucht sie die ihre melancholischen Lieder nur ganz sanft und wird deshalb teilweise schon mit Cat Power verglichen. Aber hängen wir den Korb nicht zu hoch und hüten uns davor, junge Talente zu verheizen! Marie-Flore's Schultern wären zu schmal, um unnötigen Druck zu ertragen. Erfreuen wir uns eher an den gelungenen Liedern, die man auf der Ep genießen werden kann. Empty Walls wird mit Sicherheit darunter sein, eine irre schöne Ballade, ein Lovesong natürlich. Auch hierzu gibt es einen wunderbaren Videoclip, den man sich unbedingt ansehen sollte. Ebenfalls gesetzt dürfte Half Past Three sein. Verträumt, sentimental, spärlich instrumentiert, ein Seelentröster par excellence...

Im Vordergrund stand heute aber vor allem Trapdoor, weil es eben hierzu den neuen Videoclip gibt. Wenn man sich den ansieht- und hört fällt einem sofort das Banjo auf und ganz dezent gibt es auch Saxofonklänge. Live kam Marie-Flore aber bisher immer nur alleine mit der Gitarre, so daß man sich das Ganze reduzierter vorstellen muss. Aber ausgerechnet den rockigsten Titel im Programm, While You Were There versemmelte die Gute leider ein wenig. Etwas verunsichert schaute sie in die Runde und fragte die Zuschauer, ob sie zum nächsten Lied übergehen, oder das Stück noch einmal wiederholen solle. Das Votum war eindeutig, der Song wurde noch einmal angestimmt und im zweiten Anlauf passte alles! Dieser kleine Patzer machte aber überhaupt nichts, denn für mich persönlich müssen Konzerte nicht immer hundert 100 % perfekt und fehlerfrei sein. Und die Routine wird kommen, da bin ich ganz sicher.

Ohne weitere Fehlerchen wurde dann der Rest des Sets bestritten. Das gespielte Lied Street findet man auch bei Youtube und das abschließende Downtown (ein künftiger Hit!) kann man sich in Ruhe auf der MySpace Seite der Künstlerin anhören. Dort ertönt dann auch wieder ein stimmungsvolles Banjo.

Schön!

Und schön war übrigens auch das, was die nachfolgende Band You and You bot. Ich kann wirklich empfehlen, in ihre hübschen Folkpop-Songs mal reinzuhören!

Setlist Marie-Flore, Glaz'art, Paris:

01: Sweet To The Taste
02: Trapdoor
03: While You Were There
04: Empty Walls
05: Street
06: Twist Me
07: Half Past Three
08: Downtown



Links:

- mehr Fotos von Marie-Flore hier
- Videoclip Trapdoor (angucken!)
- Videoclip Empty Walls
- Half Past Three live im Divan du Monde
- Empty Walls live im Divan du Monde





 

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