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Mittwoch, 26. Mai 2010

Metric, Paris, 26.05.10

11 Kommentare

Konzert: Metric

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 26.05.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. 70 Minuten


Als "accident de voyageur ou de personne" (Personenschaden) wird in der nüchternen Amtssprache der Pariser Verkehrsbetriebe RATP der Umstand bezeichnet, daß sich jemand vor den Zug geworfen hat. Diese menschlische Tragödie passiert leider nicht selten und heute war es wieder soweit: der Verkehr in der Metrolinie 8 sei unterbrochen, meldete eine Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage. Zu jucken schien das kaum jemanden der wartenden Passagiere. Gelangweilt schauten die Leute auf ihre Blackberries oder Iphone und warteten einfach drauf, daß es gleich weitergeht. Von Betroffenheit keine Spur. Erst als 10-15 Minuten später immer noch nicht die nächste Metro eingetrudelt kam, wurden einige unruhig und verließen das unterirdische Labyrinth. Auch ich begab mich nach draußen, denn es war inzwischen 20 Uhr 45 und ich wollte zum Konzert von Metric in die Cigale. Ich fühlte mich mies, denn Suizide in der U-Bahn lassen mich nie ganz kalt. Früher dachte ich immer, daß sich Obdachlose in ihrem Elend vor die Züge stürzen, aber in einem Bericht über das Leben der Clochards auf der Straße habe ich neulich erfahren, daß sie sich ganz selten das Leben nehmen. Begründung eines befragten Psychiaters: Obdachlose denken nur an den nächsten Tag und nicht weiter und irgendwie sorgt dies bei ihnen für weniger Zukunftsängste als bei Leuten, die an die nächsten 5 bis 10 Jahre oder noch weiter denken und dementsprechend planen.

Ich musste nun ein Taxi nehmen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Dies gelang mir auch und als ich in das stickige und übervölkerte Theater im Pigaleviertel eintrat, erklang gerade das erste Lied. Als hätte ein Schiedsrichter bei einem Wettlauf den Startschuss abgegeben, gingen hunderte Leute ab wie ein Zäpfchen. Wie auf Befehl. Alle hüpften und sangen jede einzelne Strophe mit. Ich fühlte mich wie ein nüchterner Mensch, der ins Hofbräuhaus eintritt, wo quasi jeder besoffen wie ein Schwein ist und grundlos auf den Tischen rumtanzt. Grauenvoll. Wo war ich hier gelandet? Im Club Robinson, bzw. Med? Emily Haines war die Animateurin und das Publikum die vergnügunsgeilen Clubgäste. Es war schwül warm, ich stand bedrängt auf einer Treppenstufe in der Nähe der Boxen und der Sound war dumpf, basslastig und scheppernd. Alles andere als ein Vergnügen, diese Veranstaltung! Ich ermahnte mich selbst und sagte mir innerlich: "Hey, Oliver, mach dich locker und amüsier' dich doch auch. Sei kein Spielverderber!" Emily Haines keifte derweil eine von den Beastie Boys entlehnte Songzeile: "We gonna fight for our right to party." Das machte mich fertig. Ich konnte mich einfach nicht amüsieren, weil ich schmerzlich erkennen musste, wie flach die Musik von Metric ist. Indie-Disko für den Ballermann, schoß es mir durch den Kopf. Dümmliche Refrains, die jeder Heini mitgrölen kann ("Beating like a hammer, beating like a hammer") und Gitarrenriffs, die wie auf Bestellug kamen. Dabei waren die Gitarren letztlich nur Staffage um cool zu wirken, denn seien wir ehrlich: Metric machen Pop und nichts anderes. Klar, Emily Haines sah prima aus wie immer, stylische goldene Stiefelchen, ein kurzes Glitzerkleidchen und makellos schöne Beine. Aber deshalb gleich pausenlos ausrasten? Nö! Ich jedenfalls nicht. Die (meist männlichen) Fans hingen ihr aber an den Lippen und wenn sie nach vorne an den Bühnenrand kam, grapschte jeder nach ihren Händen. Ich fand das affig. Dennoch war es ratsam, immer nur auf Emily zu glotzen, denn den Anblick des Bassisten und des Gitarristen konnte ich nicht ertragen. Zwei überaus eitle, permanent posende Schönlinge, die die abgedroschensten Rockstargesten darboten und sich dabei obercool vorkamen. Hilfe!

Am schlimmsten war aber, das jeder Song gleich klang. Ein ungenießbarer Brei aus garagigen Bässen und wummernden Synthiebeats, der eklige Assoziationen zu Placebo, den verfluchten Killers oder anderen ätzenden Bands bei mir hervorrief. Egal ob Help I'm Alive, Gimme Sympathy, Dead Disco oder den oberfeisten Abschlußsong Stadium Love, ich fand jeden dieser Hits kacke, die Gestik von Haines einstudiert, die Euphorie künstlich. Gut, daß das Trauerspiel nur eine Stunde dauerte. Zwei doofe Zugaben (Monster Hospital und das schnulzige Combat Baby) und zehn Minuten später und ich war erlöst. Das Publikum jubelte, als ob Frankreich die WM gewonnen hätte, aber ich spielte die Spaßbremse, zog eine schlechtgelaunte Fluppe und suchte das Weite. Musikalisch hatte ich trotz überbordender Energie der Frontlady eines der schlechtesten Konzertes des Jahres gesehen. Möglicherweise hat mir der eingangs geschilderte "Personenschaden" den Abend versaut (ich Sensibelchen!), ich denke aber, daß ich auch mit besserer Laune nicht den gleichen Spaß wie die meisten Zuschauer gehabt hätte. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß ich durch meine Wohnzimmersessions und die kleinen Clubkonzerte verwöhnt bin und Massenveranstaltungen wie der heutigen kaum noch etwas abgewinnen kann. Aber ich bin es auch selbst Schuld. In der Flèche d'or spielten heute Micah P Hinson und The Leisure Society, im Scopitone Gemma Ray und in der Maroquinerie The New Pornographers und Here We Go Magic. Die Auswahl an guten Indiekonzerten war also groß und der Besuch des Konzertes von Metric nicht zwingend nötig.

Pour nos lecteurs français:

Par moment je me sentais comme au Club Med ce soir à la Cigale. Emily Haines de Metric était la Go et le public surchauffé les GM. Dès le premier morceau la foule se déchaîna comme s'il fallait faire la fête de l'année. Un public conquis d' avance donc qui se foutait un peu des chansons, qui, pour moi, sonnaient toutes plus au moins pareilles. Refrains catchy ("beating like a hammer, beating like a hammer") melodies entêtantes et un beat dansant, melangé avec des riffs sanglants, voila la recette qui faisait danser de joie tout le monde. Sauf moi. Certes, Emily faisait preuve d'une énergie remarquable, se donnait à fond et justifiait complètement son statut de bête de scène, mais musicalement le tout restait étrangement plat. Les riffs venaient comme sur commande, les morceaux allaient toujours droit au but et le son était pourri, au moins dans mon coin. Pas étonnant donc que le public n'était pas composé des personnes qui vont regulièrement au petits concerts indés. Ici reignait une ambiance quasi festivaliaire, dominé par des gens qui tapaient sur le moindre rythme dans la main. J'ai trouvé cela plutot génant. Pourtant Emily etait sublime comme d'habitude. Petites bottines (des low boots plus précisement) dorées très chic, jambes impeccables et mini jube paillettée. Jolie ca! A ces côtés deux mecs qui posaient comme des clowns en faisant sans cesse des gestes des rock stars. Ridicule. Finalement j'étais content que le concert ne dure pas plus que 70 petites minutes, rappels inclus. Le public hurlait de joie comme si la France avait gagné la coupe du monde, mais moi j'étais plutôt deçu que je n'avais pas opté pour les concerts de Micah P Hinson à la Flèche d'or où de The New Pornographers à la Maro. Des concerts grand public comme ce soir à la Cigale me passionnent de moins en moins. Mais bon, c'est mon goût personnel, c'est compréhensible que la très grande majorité du public avait passé une excellente soirée avec une Emily Haines survoltée et sexy en diable.

Setlist Metric, La Cigale, Paris:

01: Twilight Galaxy
02: Satellite Mind
03: Front Row
04: Help I'm Alive
05: Empty
06: Gold Gun Girls
07: Gimme Sympathy
08: Sick Muse
09: Dead Disco
10: Stadium Love

11: Monster Hospital
12: Combat Baby

Aus unserem Archiv:

Metric, Paris, 31.08.09
Metric, Paris, 30.08.09
Metric, Köln, 05.05.09



Dienstag, 1. September 2009

Metric, Paris, 31.08.09

0 Kommentare

Konzert: Metric

Ort: Radiostudio von France Inter, Black Session: C'est Lenoir
Datum: 31.08.2009
Zuschauer: circa 250, vollbesetzte Ränge
Konzertdauer: eine Stunde



Fängt jetzt der Sommer erst richtig an? Angesichts der hohen Temperaturen und der trockenen Hitze in Paris könnte man das fast glauben. Die bereits gelb gefärbten Blätter an den Bäumen lassen aber erahnen, daß mit den lauschigen Nächten bald Schluß sein wird.

Ohnehin: die Sommerferien sind vorbei! Auch bei den Black Sessions, die in den Studios des Maison de Radio France stattfinden und das ist auch gut so, denn nun gibt es endlich wieder interessante musikalische Gäste für lau. Lediglich eine Eintragung in die Gästeliste muß man im Internet vornehmen und schon ist man gratis dabei. Theoretisch. Praktisch habe ich mich noch nie auf diese Liste setzen lassen, sondern immer darauf gehofft, daß meine in dieser Hinsicht gewissenhafteren Freunde mir ihr zweites Plätzchen spendieren. Ging auch bisher immer gut. Heute wurde es aber richtig eng, denn jeder Indiefan wollte bei Metric gerne dabei sein. Dennoch gelang es mir letztendlich, mich wieder reinzumogeln, indem ich den netten Damen am Empfang den Namen eines Freundes nannte, der sich um eine Reservierung bemüht hatte.

Sprichwörtlich in letzter Sekunde komme ich dann auch in dem Studio an, in dem Moderator Bernard Lenoir schon die musikalischen Gäste des heutigen Abends ansagt. "Ihre Ohren werden bluten ("vos oreilles aller seigner"), wenn sie die Ohrenstöpsel nicht tief in den Gehörgang bohren", warnt Bernard vor. Aber sind Metric wirklich so noisig?...

Die kanadische Band marschiert ein und von nun an glotze ich eine Stunde lang gebannt auf die attraktive Frontlady Emily Haines. Die drei Männer an Bass, Gitarre und Schlagzeug sind mir schnuppe, von mir aus hätten da auch Marionetten oder Roboter stehen können. Emily trägt ein enges schwarzes Glitzerkleid, das am Rücken unglaublich weit ausgeschnitten ist und dazu silber glitzernde Pumps. Meine Frau würde neidisch werden, hätte sie den Fummel gesehen. Misses Haines Figur ist ganz wunderbar und die Beine sind so makellos und schön, wie man sie seit Steffi Graf nicht mehr gesehen hat. Eine Augenweide! Aber ich bin ja wegen der Musik hier...

Das vierte Album Fantasies sei ein großer Wurf und ganz ausgezeichnet, hatte Bernard Lenoir noch zu Beginn erwähnt und ich frage mich, ob das wirklich stimmt. Ist es nicht einen Tick schlechter als die alten Platten? Aber in einer Hinsicht hat Lenoir auf jeden Fall recht: Metric können ganz schön laut sein, das merkt man vor allem gegen Ende des ersten Titels Twilight Galaxy, als saturierte Gitarren einem kräftig die Ohren durchpusten. Musikalisch stärker wird es mit Help I'm Alive, das mit seinem einprägsamen Refrain: "My heart keeps beating like a hammer" zum ersten Mal richtig packt. Das Konzert ist lanciert und trotz der immer etwas sterilen Radiostudio-Atmosphäre wippen ein paar Leute wild mit ihren Köpfchen im Takt. Was die Position auf der Bühne anbelangt, wechselt Emily zwischen der Mitte (wo sie nur singt) und dem rechten Bühnenrand (vom Zuschauer aus gesehen), um dort Keyboard zu spielen. Bei einem Song schnappt sie sich aber auch einmal die E-Gitarre und das sieht dann wirklich sehr sexy und stylish aus, mein lieber Scholli! Richtig gut wird es dann aber vor allem im letzten Teil, als nacheinander die alten Hits Dead Disco und Monster Hospital abgefackelt werden. An die Intensität und die Catchyness dieser beiden Stücke kommt heute wirklich nichts ran! Aufgrund dieser Knüller kann man das Konzert dann auch insgesamt als richtig gut bewerten, selbst wenn Stadium Love irgendwie an die scheußlichen Queen erinnert (wer hört hier noch Anklänge von We Will Rock You heraus?) und ich die abschließende Ballade Live It Out auch nicht unbedingt gebraucht hätte.

Und wie war es für die Band? - "It was like playing in a church, so quiet" gibt einer der männlichen Bandmitglieder am Ende zu, als er zusammen mit den anderen- also auch Emily- die heiligen Hallen der Radiostation verlässt. Emily lässt sich dann auch noch bereitwillig abknipsen (was eine Freundin von mir unglaublich glücklich macht), bevor sie in die lauschige Pariser Nacht entschwindet.

Es ist ja schließlich noch Sommer...

Setlist Metric, Black Session, France Inter:

01: Twilight Galaxy
02: Help I'm Alive
03: Satellite Mind
04: Handshakes
05: Gold Gun Girls
06: Gimme Sympathy
07: Sick Muse
08: Dead Disco
09: Monster Hospital
10: Stadium Love
11: Live It Out


Pour nos lecteurs français:

"Vos oreilles vont saigner" prédisait l'animateur Bernard Lenoir pour la première Black Session après les vacances estivales et il n'avait pas tort. Le groupe canadien Metric mené par de la jolie blonde Emily Haines (des jambes impeccables, une belle robe dos-nu) faisait en effet pas mal de bruit avec ses guitares saturées et un son parfois noisy. En revanche, je me demande si Bernard avait tout à fait raison quand il disait que l'abum actuel baptisé Fantasies est vraiment complètement réussi. Certes, on y trouve des morceaux efficaces comme Help I'm Alive ou Gimme Sympathy, mais les meilleures chansons restaient quand même les tubes ancien comme Dead Disco et Monster Hospital. À la fin, l'énergique Emily qui posséde une voix à la fois sensuelle et naive, montrait son côté doux en jouant la ballade Live it Out tout près de son guitariste.

Une très belle Black Session de rentrée!



Aus unserem Archiv:

- Metric bei Rock en Seine, Paris, 31.08.2009
- Metric am 05.05.2009 im Kölner Luxor





Montag, 31. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 30.08.09

1 Kommentare

Konzert: Festival Rock en Seine bei Paris, 3. und letzter Festivaltag

Ort: Domaine Nationale de Saint Cloud bei Paris
Datum: 30.08.2009
Zuschauer: ausverkauft



Sonntags komme ich nie gut aus den Federn. Dennoch raffe ich mich irgendwann auf, fange aber an, noch Fotos vom Vortag auszusortieren. Damit verplempere ich soviel Zeit, daß ich erst gegen 14 Uhr aufbreche. Metric sind aber bereits um 14 Uhr 30 angesetzt und die wollte ich eigentlich auf keinen Fall verpassen. In der Metro Richtung Pont de Saint Cloud treffe ich gleich mehrere Pariser Freundinnen, ein Beleg dafür, daß Paris indiemusiktechnisch eigentlich ein Dorf ist. Aber was sage ich, die Welt ist ein großes Dorf! In der U-Bahn lerne ich nämlich auch noch eine entzückende junge Deutsche kennen, die aus Würzburg stammt. Dort habe auch ich einen Teil meiner Wurzeln. Wir plaudern angeregt und plötzlich habe ich es nicht mehr soo eilig, schnell auf das Festivalgelände zu kommen. Doch irgendwann erreiche ich schließlich die Scène de La Cascade, wo Metric schon in voller Aktion sind.

Metric:

Das erste Lied, was ich halbwegs mitbekomme ist Gimme Sympathy vom neuen Album Fantasies. Ich stehe aber noch sehr ungünstig, auf der Anlage wimmelt es bereits jetzt vor Menschen und keiner will seinen Platz preisgeben, der ihm den Blick auf die hübsche Emily Haines garantiert. Ich kann mich aber doch langsam nach vorne durcharbeiten und sehe die wilde Frontlady nun über die Bühne wirbeln. Sie ist noch blonder, als ich sie mir vorgestellt hatte und ihr Kleid sitzt auf ihrem schlanken Körper tadellos. Mit Dead Disco kommt dann bald auch schon ein Lied, das ich gut kenne, denn das alte Album Old World Underground, Where Are You Know habe ich im Gegensatz zu Fantasies oft und gerne gehört. Zwar bot es mit seiner Mischung aus Post-Punk und New Wave im Stile von Blondie nichts wirklich Neues, aber die zahlreichen Hits hatten schon starken Suchtcharakter. Auch Monster Hospital, was nun folgt, ist alt und nach wie vor zugkräftig. Unzählige Hände fliegen nach oben, das Publikum amüsiert sich wie Bolle. Schade bloß, das zum Abschluß mit Stadium Love ein ziemlich platter Song das Set beendet.

Setlist Metric, Festival Rock en Seine 2009:

01: Help I'm Alive
02: Gold Gun Girls
03: Gimme Sympathy
04: Sick Muse
05: Empty
06: Dead Disco
07: Monster Hospital
08: Stadium Love

Lilly Wood And The Prick:

Mit Lilly Wood & The Prick folgt dann eine exzentrische Französin, die mir aber zu soulig rüberkommt. Ziemlich schnell verlasse ich die Scène de L'Industrie und treffe auf dem Gelände etliche Freunde und Bekannte. Ich plaudere mich irgendwann fest und verpasse bis 18 Uhr das gesamte musikalische Programm, das mich ohnehin nicht wirklich reizte (Macy Gray, Robin Mc Kelle, Hindi Zahra, zum Teil kenne ich die Künstler gar nicht). Dafür habe ich soziale Kontakte gepflegt, mir von den hübschen flanierenden Mädchen den Kopf verdrehen lassen und ein wenig Sonne getankt. Festivals besuchen heißt nicht, daß man 10 Stunden hintereinander nur starr auf die Bühne glotzt. Finde ich zumindest.

Sammy Decoster:

Der Bursche entspricht eigentlich meinem Beuteschema. Er ist Franzose und gehört zu neuen Folkszene. Zudem hat er gute Kritiken für sein letztes Album Tucumcari bekommen. Schon nach ein paar Liedern wird aber deutlich, daß die Chemie zwischen uns irgendwie nicht so 100%ig stimmt. Ich hatte ihn schon einmal 2008 im EMB Sannois gesehen und fand ihn dort auch nur mittelprickelnd. Also verschwinde ich Richtung Eagles Of Death Metal die auf der Hauptbühne spielen. Ganz nach vorne komme ich aber nicht durch, weil ich mich mit einem Freund festquatsche. Es geht um die nächste Oliver Peel Session und die Terminabsprache für den hochtalentierten französischen Folksänger Lepold Skin. Warum haben sie den eigentlich nicht zu Rock En Seine eingeladen??

Les Petits Pois:

Die Eagles Of Death Metal habe ich also nicht so richtig mitbekommen, dafür gibt es aber mit Les Petits Pois (auch unter dem Namen Them Crooked Vultures agierend) Kumpels von Jesse Hughes auf der Scène de la Cascade zu sehen. Deren Besetzung ist absolut hochkarätig: Kein Geringerer als Josh "Queens Of The Stone Age" Homme spielt Gitarre und greint seinen bluesigen Gesang, John Paul Jones (Led Zeppelin!) zupft den Bass und am Schlagzeug wütet Dave "Foo Fighters ex Nirvana" Grohl!!! Zusammen mit Alain Johannes (QOTSA) heizen sie dem Publikum mächtig ein. Als sei es nicht schon heiß genug! Josh parliert sogar ab und zu ganz passabel auf französisch und zeigt sich von dem ganzen Festival sehr angetan. Gut gelaunt und mit viel Spielfreunde ballern sie in der Folge aus allen Rohren und reißen Weicheiern, die vorher an gleicher Stelle Sliimy gesehen haben, mal so richtig den verpoppten Arsch auf. Die Heißsporne haben eine diabolische Freude dabei, die Belastbarkeitsgrenze der Fanohren zu testen. Nie nehmen sie den Fuß vom Gaspedal und kredenzen eine schwere, psychedelisch gewürzte Suppe à la Homme. Die Titel kenne ich nicht (sie werden nachgreicht, Josh hat viele Namen erwähnt), aber der letzte Song allein, war es wert, hier zu verharren. Fast 10 Minuten lang drehen jaulende Gitarren Endlosschleifen, poltern böse klingende Bässe gespenstisch über die Wiese und vermöbelt Dave Grohl seine Schießbude wie ein Besessener. Ein Knaller!

Setlist Les Petits Pois, Rock en Seine 2009 (danke an Rockerparis)

01: Elephants
02: Dead End Friends
03: Gunman
04: Mind Eraser
05: Bandoliers
06: Caligulove
07: Daffodils
08: New Fang
09: Nobody Loves Me And Neither Do I
10: Warsaw



MGMT:

Viele der unzähligen trendigen Mädels, die man heute ausmachen kann, sind offensichtlich nur wegen MGMT gekommen. Die Wiese vor der Hauptbühne ist restlos überfüllt und ein Durchkommen nach vorne nur unter schwersten Kraftanstrengungen möglich. Irgendwann sehe ich die wuscheligen Neo-Hippie Schönlinge aber doch von Nahem und auch der Sound ist hier präziser. Ihre zahlreichen Hits (Weekend Wars, Time To Pretend, Electric Feel) vom letztjährigen Debütalbum (und ein paar Neulige wie beispielsweise A Song For Dan Treacy) ziehen nach wie vor unglaublich gut und die Festivalveranstalter sind wahrscheinlich froh, daß sie das As MGMT nach der Absage von Oasis noch im Ärmel hatten. Der Abschluß traditionell mit Kids und natürlich gibt es jetzt kein Halten mehr...

Klaxons:

Bericht morgen

Patrick Wolf:

Ein Wolf im Schafspelz ist Patrick Wolf sicherlich nicht. Würde ihm auch gar nicht stehen, so ein stinkender Schafspelz. Wie man den Fummel, den er trägt, allerdings beschreiben soll, weiß ich auch nicht so recht. Am besten ihr guckt Euch in Ruhe die Fotos an und bemerkt dann mit Sicherheit auch die häufigen Kostumwechsel des extrovertierten, extrovangten und exzentrischen Briten an. Den stürmischen Burschen hatte ich zuletzt im Juli beim Melt! Festival gesehen und dort hinterließ er auf der Hautpbühne performend einen starken Eindruck. Heute in Paris wurde ihm zwar nur die kleinste Festivalbühne gegönnt, aber der Eindruck war hinterher der Gleiche: stark! Aber was macht ihn so besonders? Ist es die frivole und provokative Show, die er abzieht? Nein, das ist es nicht. Zumindest spielt das für mich nur eine untergeordnete Rolle, denn ich habe ihn vor ein paar Jahren über das Album Wind In The Wires kennen-und schätzen gelernt und da wußte ich nochgar nicht, wie er sich live gebärd. Vielmehr waren es dynamische und catchy Songs wie Tristan, die mich hellhörig werden ließen. Inzwischen sind ein paar Jahre ins Land gegangen, Tristan spielt er (zumindest heute) nicht mehr und der Sound ist elektronischer und üppiger geworden. Auch das neue Album The Bachelor liegt seit ein paar Monaten in den Regalen und davon stammten dann natürlich heute auch die meisten Titel, die Hälfte um genau zu sein. Besonders angetan war ich von dem dramatischen und majestätischen Damaris, bei dem sich auch die braungelockte Geigerin in Szene setzen konnte. Überhaupt die Band von Patrick Wolf: erlesen! Thomas White von The Electric Soft Parade an der Gitarre und auch Nick Heyward, eine New Wave Ikone der 1980er Jahre (Haircut 100) war mit von der Partie. Welch ein Line-Up! Fehlte eigentlich nur Marc Almond, bekanntermaßen ein Idol für Patrick. Von ihm ist er auch äußerlich inspiriert, aber heute mit den wasserstoffblonden Extensions im Haar, sah er eher aus wie Samson. Oder so. Aber kommen wir wieder von den Äußerlichkeiten weg und loben stattdessen lieber Abraümer wie das eingängige Accident & Emergency oder den größten Hit des neuen Albums, nämlich Hard Times. Kurz vor Ende gebracht, wirbelte dieser teilweise orientalisch angehauchte Stampfer gewaltig Staub auf und brachte das Publikum in Ekstase. Patrick ließ es sich auch nicht nehmen, Tuchfühlung mit seinen Fans aufzunehmen, in einer Szene stand er gleich vor mir! Er kostete die Zuneigung voll aus, parlierte zurück auf der Bühne ganz passabel französisch und leitetet den Abschluß noch mit einem Intro von Madonnas Like A Virgin ein. Bei The Magic Position gab es dann kein Halten mehr. Ein famoses Konzert, eines der besten von Rock en Seine 2009!

Setlist Patrick Wolf, Rock en Seine 2009:

01: Who Will
02: Bluebells
03: Accident & Emergency
04: Damaris
05: The Bachelor
06: The Libertine
07: Hard Times
intro: Like A Virgin (Madonna Cover)
08: The Magic Position

Exkurs: Setlist Patrick Wolf, Melt! Festival 2009:

01: Kriegsspiel
02: Vulture
03: Oblivion
04: Bluebells
05: Who Will?
06: Damaris
07: Tristan
08: The Libertine
09: Battle
10: Hard Times
11: The Magic Position

- Mehr Fotos von Patrick Wolf hier





Mittwoch, 6. Mai 2009

Metric, Köln, 05.05.09

20 Kommentare

Konzert: Metric
Ort: Luxor, Köln
Datum: 05.05.2009
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: 85 min


Nein, nein, ich bereue es überhaupt nicht, an einem herbstlichen Dienstagabend nach dem Arbeiten zu
Metric ins Luxor gefahren zu sein. Das Konzert der kanadischen Pop-Band war schließlich sehr unterhaltsam, und die Metric Frontfrau Emily Haines (die zu dem riesigen Broken Social Scene Umfeld gehört) zu sehr Entertainerin, um Langeweile zu erzeugen.

Aber der Reihe nach. Das Luxor war noch recht leer, als ich ankam. Da es keine Vorgruppe gab, und die Band wohl
hinterher nichts mehr vorhatte, ließen sich die Kanadier reichlich Zeit mit dem Beginn. Bis dahin war das begeisterte Anstarren des an einen Keyboard-Messestand erinnernden Bühnenaufbau allerdings eine nette Beschäftigung.

Als alles so weit fertig aussah (und jeder damit rechnete, daß es anfangen könnte), fiel den Roadies ein, daß ein paar Ventilatoren unter den diversen Keyboards fehlten. Und Mehrfachstecker. Es zog sich also noch einmal zäh weiter. Aber danach mußten ja noch die Instrumente gestimmt werden...

Metric bestehen aus vier Mitgliedern. Neben Emily (Gesang, Keyboard, Tanz und
Gitarre) sind dies Schlagzeuger Joules, Bassist (und Keyboarder) Josh und Gitarrist (und Keyboarder) James.

Die blonde Sängerin trug eine schwarze Michael-Jackson-Jacke und anfangs noch eine Frisur, die sich aber nach und nach in so etwas verwandelte, was auf Courtney Loves Kopf liegt. Der Ventilator unter ihrem Arbeitsplatz konnte ihren Bewegungsdrang nur teilweise abkühlen.

Ein Großteil der gespielten Songs stammt vom erst im Juni erscheinenden vierten Album der Band. Anders als von Emily irgendwann augenzwinkernd behauptet, ist die Platte aber in Deutschland natürlich schon legal zu erwerben (online); alle die, die
mitsangen, waren also keine illegalen Downloader., zumindest nicht zwangsläufig. Ich hatte bislang nur die Kostproben bei myspace gehört. Weil das nur 30 Sekunden Schnippsel sind, war sehr vieles für mich komplett neu.

Meine erste Assoziation waren die Sounds aus Schweden. Sicherlich spielt da auch eine Rolle, daß beide Bands eine von außen ähnlich wirkende Sängerin haben. Aber auch musikalisch hatte Metric viel mit den Schweden zu tun. Die überall genannte Genre-Einordnung "Indie-Rock" erschließt sich mir wirklich nicht, Metric sind eine Pop-Band, und Fantasies, die neue Platte, ein Popalbum, mit besseren und schlechteren Liedern*

Eines der besseren war Gold gun girls, bei dem Emily Gitarre spielte. Auch Satellite mind gefiel mir. Es gab aber auch Stücke, die mir gar nicht zusagten. Und dann zog es sich. Aber Konzerte sind ja ein Gesamterlebnis. Wenn ein Bereich gerade schwächelt, kann man sich ja auf anderes konzentrieren. Der Band zum Beispiel intensiver zusehen. Und das lohnte sich bei Metric (nicht etwa, weiß ich Emily
besonders "heiß" gefunden hätte - sie und Gitarrist legten eine ordentliche Show hin - die anderen vermutlich auch, die habe ich aber zu selten gesehen). Oder man konnte den pogenden (!) Leuten zusehen - auch etwas, was die Kanadier mit den Sounds verbindet!

Und ganz ehrlich hatte ich schon ziemlich viel Zeit, mich um die Sachen neben der Musik zu kümmern; nüchtern betrachtet war die Musik nicht weltbewegend. Darüber
konnten auch die wilden Keyboard Schrammeleien von Emily nicht hinwegtäuschen.

Mein liebstes Lied des Abends war die wundervolle akustische Version von Live it out vom gleichnamigen Vorgängeralbum, bei dem herrlich mitgesungen wurde. Von der dritten Platte stammte auch das dürftigste Stück des Show. Handshakes wird nicht in meiner Live-Lied-Jahres-Top 10 auftauchen...

Setlist Metric, Luxor, Köln:

01: Twilight galaxy
02: Help I'm alive
03: Satellite mind
04: Handshakes
05: Gold gun girls
06: Collect call
07: Gimme sympathy
08: Sick muse
09: Empty
10: Front row
11: Dead disco
12: Stadium love

13: Monster hospital (Z)
14: Live it out (Z)

Links:

- mehr Fotos vom Konzert

Konzertbesucher von Metric könnten auch mögen:

- The Sounds (in Wiesbaden und beim Highfield)
- A Camp in Paris und Köln
- die Stars (diverse Konzerte)

* das ist mein Live-Eindruck



 

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