Freitag, 5. September 2008

Mud Flow und Friendly Fires, Paris, 04.09.08

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Konzert: Mud Flow und Friendly Fires (Junesex)

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.09.2008
Konzertdauer: Mud Flow ca. 30 Minuten, Friendly Fires mindestens 40 Minuten



Ein Konzertjunkie wie ich kriegt nie den Rachen voll genug. Deshalb musste ich auch nach dem kurzen Auftritt von Metronomy noch unbedingt in die Flèche d'or. Dort auf dem Programm: Die Belgier Mud Flow und die gehypten jungen Engländer Friendly Fires, die ich schon auf dem Melt! Festival begutachtet hatte.


Bei dunkelstem Licht spielten zunächst die Belgier auf. Ihr melodisch-melancholischer Gitarrenpop gefiel mir auf Anhieb. Last Fm schreibt, dass ihr Stil irgendwo zwischen Sonic Youth, Radiohead, Interpol, Echo And The Bunnymen, Deus und Pink Floyd angesiedelt ist. Damit liegt das Internetradio gar nicht mal so falsch, denn in der Tat ist der Sound düster und sentimental und der leicht rauchige Gesang des Sängers Vincent Liben weist Parallelen zu Tom "Deus" Barman auf. Schade, dass der Auftritt so kurz war, ich hätte von der Band, die bereits vier Alben auf der Habenseite zu verbuchen hat, gerne mehr gehört.

Setlist Mud Flow, La Flèche d'or, Paris:

01: My Fair Lady Audrey
02: Monkey Doll
03: Trampoline
04: Oh Yeah
05: In Time
06: Five Against Six
07: Chemicals
08: Today

Danach kam die französische Band Junesex auf die Bühne und der zweite Teil ihres Namens war Programm. Leider war die stark auf Elektro-Disko fixierte Musik nicht so toll wie die langen Beine der beiden unverschämt sexy aussehenden Sängerinnen...

Dann wurde erst einmal ewig lange umgebaut, eine Unsitte, die neuerdings in der Flèche d'or grassiert. Mindestens einen halbe Stunde stand man sich die Füße platt und glotzte Löcher in die Luft.

Doch irgendwann ging endlich der rote Vorhang auf und die "freundlichen Feuer" (kann man das so übersetzen?) stürmten die Bühne.

Von Anfang an im Mittelpunkt: Ed Macfarlane, der hyperaktive Sänger, der auch ab und zu Bass spielt und auf Kuhglocken eindrischt. Ein fescher Bursche, dieser Ed, mit blonden Engelslöckchen, stahlblauen Augen und einem kindlichen Unschuldsgesicht. Sein Bühnenoutfit scheint immer gleich zu sein, er trug den gleichen engen (und recht häßlichen) Pullover, wie beim Melt!, eine sehr körperbetonte graue Anzugshose, in der man gut seinen straffen Po erkennen konnte und dazu feine, schwarze Schuhe. Ein Hansdampf in allen Gassen ist dieser Kerl, wer glaubt, Tom Smith von den Editors sei ein Zappelphilipp, der hat Ed noch nicht gesehen!

Die anderen drei Musiker wirken gegen den Leader unscheinbar, ihr Aussehen hatte ich hinterher schnell wieder vergessen. Ist aber auch nicht weiter erstaunlich wenn sich der Sänger so in den Vorgergrund spielt. Ed hüpfte von links nach rechts über die Bühne, stattete auch dem Publikum einen Besuch ab und kletterte oft auf die Box in der Mitte, um zu posen.

Seine Stimme (um endlich auch einmal etwas zur Musik zu sagen) klang, ... nach Bono! Zumindest manchmal. In anderen Momenten hatte er auch ein astreines Falsett drauf. Kein Wunder, laut Wikipedia soll Prince ein Vorbild für die Friendly Fires sein!
Das merkt man auch an dem unglaublichen funkigen Sound, der schnell dafür sorgte, dass alle tanzten.

Einer der der ersten Kracher im Programm war das Punk-Funk Stück I Need Your Love (I can't let go), das einen unglaublichen Groove hatte und an Bands wie The Rapture, oder auch die Gang Of Four erinnerte (aber natürlich nicht so gut).

Die nächste richtige Zugnummer war dann Jump In The Pool, ein Lied, das manchmal etwas von den Klaxons hatte, während On Board danach eine Kreuzung aus Another One Bites The Dust von Queen und Stücken von Hot Chip war.
Der Song ist der bisher zweiterfolgreichste der jungen Band, wurde auch schon in der Werbung eingesetzt und wird eigentlich nur noch von Paris getoppt.

"One day we gonna live in Paris", wo wenn nicht hier passte die Textzeile aus der Hitsingle besser? Die Flèche d'or tobte, es war heiss, wild und laut. Die Engländer hatten es ohne Zweifel geschafft,
ein Feuer in der französischen Metropole zu entfachen.

Fragt sich nur noch, ob die jungen Hüpfer nur ein Strohfeuer sind, oder auch noch in ein paar Jahren in der modernen Popmusik eine Rolle spielen. An der Energie wird es jedenfalls nicht liegen, falls es mit der langen Karriere nichts werden sollte.


Setlist Friendly Fires, La Flèche d'or, Paris:

01: Photobooth
02. Your Love
03: Skeleton Boy
04: White Diamonds
05: In The Hospital
06: Jump In The Pool
07: On Board
08: Strobe
09: Paris
10: Ex Lover


Links:

- mehr Fotos (Paris) von den Friendly Fires hier
- Fotos von den Friendly Fires vom Melt! Festival

- Originalvideoclip Paris
- Videoclip On Board





Metronomy, Paris, 04.09.08

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Konzert: Metronomy

Ort: Le Truskel, Paris
Datum: 04.09.2008, 19 Uhr
Zuschauer: vielleicht 70



An eitlen Börsianern vorbei, die gerade Feierabend machen , eile ich zum kleinen Irish Pub namens Truskel, das im zweiten Pariser Arrondissement liegt und im Juni für Schlagzeilen gesorgt hatte, als dort um 4 Uhr morgens Pete Doherty ein kultiges Konzert gab.


Ein Foto, das ich von diesem unvergesslichen Auftritt geschossen habe, hängt immer noch an der Eingangstür, versehen mit meinem Namen. Ich mag das Truskel!

Heute spielt zwar nicht Pete Doherty (dafür wäre es um 19 Uhr auch wirklich viel zu früh!), dafür aber ein anderer Engländer, der sich schon als Remixer einen Namen gemacht hat. Bürgerlich heißt der junge Lockenkopf Joseph Mount, als Künstler Metronomy. Die Liste der Lieder, die er schon alle remixt hat, ist so lang, dass sie dieen Blog sprengen würde, sie reicht von Do You Want To von Franz Ferdinand über Morden von den Good Shoes bis hin zu Foundations von Kate Nash.

Heute geht es aber nicht um seine Remixe, sondern die Promotion für sein zweites, soeben erschienenes Album Nights Out, das das französische Musikmagazin Magic kürzlich zum Album des Monats auserkoren und mit 6 von 6 möglichen Punkten versehen hat. Folgerichtig sind auch ein paar der reizenden Redakteurinnen (menno, ich würde auch gerne bei Magic arbeiten!), darunter Faustine Kopjewski (die Schlagzeugerin von Koko von Napoo) und Estelle Chardac anwesend, um über diesen kurzen Auftritt zu berichten. Überhaupt: es wimmelt nur so von hübschen Mädchen. Ich mag das Truskel! Sagte ich doch schon!

Mitgebracht hat die Equipe von Magic auch ein Kamerateam, das das Konzert aufzeichnet und irgendwann auf seinem Blog zeigen wird.

Zu sehen sein werden drei junge Männer, die sich theatralisch zu angesagter Elekto-Punk-Pop Musik auf der Bühne gebärden und den Saal so halbwegs zum Tanzen brachten.

Drei Männer, sagte ich nicht vorhin, dass Metronomy ein Soloprojekt von Josep Mount ist? Ja, eigentlich schon, aber live gibt es auch noch einen Bassisten (Gabriel Stebbing) und einen jungen Herrn (Oscar Cash, cooler Name, oder?), der Keyboard, Melodica und Saxophon spielt.

Diese drei Lausbuben in Sportklamotten sind also eine der neuen Sensationen aus England, die den schönen Magic-Redakteurinnen Tränen der Rührung in die Augen treiben. Ich persönlich blieb da gelassener, denn der Sound war nicht wirklich nagelneu. Bei Bands wie den Klaxons, den Junior Boys, den Teenagers, Late Of The Pier und wie sie alle heißen, klingt das Ganze so ähnlich und auch die hohen Falsettgesänge sind nicht unbedingt meine Sache.

Falls es von Interesse sein sollte: Die Hits und Singles von Metronomy heißen Holiday, Heartbreaker und Radio Ladio, die anderen beiden gespielten Stücke sind bisher nicht ausgekoppelt worden.

Ob für den ein oder anderen Leser unseres Konzerttagebuches Nights Out von Metrononmy auch das Album des Monats (oder des Jahres?) sein wird? Bitte melden...

Setlist Metronomy, Le Truskel, Paris

01: Holiday

02: A Thing For me
03: Balk On The Motorway
04: Heartbreaker
05: Radio Ladio



Friska Viljor, Köln, 04.09.08

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Konzert: Friska Viljor
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 04.09.2008
Zuschauer: ca. 300
Dauer: 60 min


Für kühle Herbsttage und daruas resultierender schlechter Laune kennt die Nichtradio-Musikszene ein gutes Heilmittel: schwedischen Indie-Pop. Meine Gute-Laune-Dosis sollte an diesem Donnerstag Friska Viljor sein, diese fröhliche Band, die so herrliche Mitgröhl-Lalala-Lieder macht. Um hier keinen ironischen Unterton reindeutbar zu machen: ich mag diese Art von Musik, Kirmesmusik (bei uns kein Schimpfwort) und halte Friska Viljor für eine sehr sehens- und hörenswerte Band. Natürlich sind die Texte und Liedstrukturen für die intellektuelleren Indie-Hörer indiskutabel, überhaupt sollte ja Musik keinen Spaß machen, wenn man reif und cool ist... Sicherlich ein Ansatz, über den man nachdenken kann. Ich
stattdessen zog es vor, mir die lustigen Schweden anzusehen und jede Menge Spaß zu haben.

Die Vorgruppe Stompin' Souls hatte sicher auch irgendwo einen ironischen Unterton - und zwei Friska Viljors an Keyboard und Gitarre. Gut war die halbe Stunde allerdings in meinen Ohren überhaupt nicht. Ein riesiges Plakat mit Bandnamen bzw. Logo hinter der Bühne vermittelte den Eindruck, daß die schwedische Gruppe größer als eine durchschnittliche lokale Vorgruppe ist. Besser waren sie nicht. Der Sänger, der immer mehr Kleidung ablegte, fühlte sich zwar ganz offenkundig wie ein Rockstar, es blieb allerdings beim Versuch. Die Musik der fünf klang wie Mando Diao ohne die beiden ersten Platten und ohne die Melodien.

Mit einem "thank you boys and girls, you are animals" (aus dem Lexikon "Wie werde
ich Rockstar", Kapitel "Ansagen für weit Fortgeschrittene"), entließen uns Stompin' Dings nach sehr fairen 30 Minuten.

Irgendwo ist das aber auch immer wieder beruhigend, mal
eine schlechte Band aus Schweden oder Kanada zu erleben...

Wahnwitzig spät, kurz vor halb elf, begannen dann die Schweden, deretwegen wir da waren. "Wir" heißt in dem Fall etwa 300 Besucher - gar nicht schlecht. In Berlin allerdings war ein Konzert vor einigen Wochen ausverkauft, vermutlich trauten sich die ganz hippen Kölner nicht, ihren Kumpels zu erzählen, sie wären bei einer Spaßband gewesen.

Meine Bedenken waren andere. Ich kenne das zweite Album noch nicht, nicht einen Song. Daher hatte ich keine Ahnung, ob mich Friska Viljor ähnlich begeistern würden, wie an einem Sommertag beim Haldern-Festival. Es dauerte dann auch eine Weile, bis ich das überprüfen konnten, die ersten drei Lieder stammten alle vom
Debüt Bravo! Dabei gefiel mir Puppet cabaret erstaunlich gut, das tut es auf der Platte im Vergleich zu den anderen Liedern nicht so sehr. Die Version des Songs war aber auch herausragend. Mir kam es viel elektronischer, mit heftigem Beat - aber nicht billig - vor. Quasi der MGMT-Remix des Lieds. Was man aus einer Besetzung Schlagzeug, Mandoline, Gitarre, Bass und Keyboard alles rauszaubern kann!

Es lag aber sicher nicht am Tanzbeat, daß die Stimmung im Gebäude 9 so glänzend war. Um mich rum sang jeder mit, die Leute waren nicht zufällig da, sondern kannten die Schweden offenbar sehr gut. Auch On and on vom neuen Album war den Besuchern (außer mir) so vertraut, daß kein Bruch entstand, kein Wunder, denn dieser neue Titel ist genauso fröhlich-gut, wie das alte Material.

Der Kracher I gave my life, dieser wundervoll-melancholische, sich steigernde Lied
war ein erster richtiger Stimmungshöhepunkt. Das Lied könnte auch von einer Balkan-Pop Band stammen und ist für mich einer der besonderen Glücksgriffe auf Bravo!

Early morning im Anschluß hatten Friska vorher erst viermal gespielt. Ich kann die neuen Lieder nach einem Mal noch nicht gut auseinander halten - insgesamt hielt ich sie für leicht schwächer als die großen Knüller des Debüts, ändere die Meinung aber vermutlich nach einigem Hören.

Sehr gut und vertraut waren dann aber zwei der nächsten Lieder,
Four points und Oh oh, und jeder gröhlte und hüpfte mit und hatte ganz augenscheinlich Spaß! Unterbrochen wurden die Stücke durch das neue The cure, das mir als Knüller im Gedächtnis geblieben ist. Und nach Oh oh war Schluß. Ziemlich unverhofft - und nach vielleicht 40 Minuten.

Aber auch nur ganz kurz, denn ohne Shotgun sister würden Daniel und Joakim nicht in Kölner Kneipen umziehen. Erste Zugabe war aber etwas für mich Neues: Arpeggio. Beim
Friskashuffle danach waren wir Teil eines Wettbewerbs, bei dem es darum ging, lauter zu singen als die anderen Tourstädte. Bei zweiten Versuch waren wir dann auch lauter als München - was wohl gut war...

Es folgten Shotgun sister und Tell me. Jeder, der das erste Album kennt, kann sich vorstellen, wie großartig die Stimmung da war. Auch Stompin' Souls Sänger Thomas Carlsson (die Band bezeichnet sich als "Sweden's next rock sensation", das ist doch auch von Mando Diao geklaut?) tanzte in vorderster Reihe mit, er hat also doch guten Musikgeschmack.

Vorbei war es nach den Krachern noch nicht. Vermutlich wollten mich Friska Lügen strafen, weil ich prophezeit hatte, daß sie keine Stunde spielen würden. Mit Old man von der neuen Platte überschritten sie die Marke. Ich bin aber sehr sicher, daß alle gerne noch deutlich mehr mitgegröhlt und getanzt und gehüpft hätten. Ein großer Spaß!

Setlist Friska Viljor, Gebäude 9, Köln:

01: Gold
02: Puppet cabaret
03: Monday
04: On and on
05: I gave my life
06: Early morning
07: Four points
08: The cure
09: Oh oh

10: Arpeggio (Z)
11: Friskashuffle (Z)
12: Shotgun sister (Z)
13: Tell me (Z)
14: Old man (Z)

Links:

- Friska Viljor auf dem Haldern-Festival
- ein paar Fotos



Donnerstag, 4. September 2008

H-Burns, Paris, 03.09.08

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Konzert: H-Burns (My Girlfriend Is Better Than Yours)
Ort: Sunset Jazz Bar, Paris
Datum:03.09.2008
Zuschauer: hmm, vielleicht 100-130




Zum ersten Male den Namen H-Burns hatte ich gehört, als ich mich mit Dorothée, der Sängerin der Band Hopper und ihres eigenen Projekts The Rodeo, unterhielt.

"Da gibt's so nen Typen aus Valence (Frankreich), der singt und spielt, als käme er aus Nashville, Tennessee! schwärmte sie mir vor und legte mir ans Herz, mich doch einmal mit H-Burns zu beschäftigen.

Kurze Zeit später bekam ich die Gelgenheit, den robust gebauten Sänger, der mit bürgerlichem Namen Renaud Brustlein heißt, live kennenzulernen. Er spielte vor meinen Augen im Café de la Danse, im Vorprogramm von Syd Matters. Schon damals fiel mir seine famose Country-Stimme auf, die so klingt, als würde er morgens mit Whiskey gurgeln.

Ich besorgte mir sein zweites Album How Strange It Is To Be Anything At All und war schon nach wenigen Hördurchgängen völlig begeistert. Wie wunderbar erdig und warm das alles klang! Und dann auch noch diese harmonischen Arrangements mit Mandoline und so. Hach, einfach toll! Mir war schnell klar: H-Burns müsste ich schnell wiedersehen!

Und siehe da, kurz nach Ende der Festivalsaison ergab sich die Gelegenheit und zwar im Jazzkeller Sunset, wo ich zuletzt die sirenenhafte Mariee Sioux gesehen hatte.

Oben vor der Tür war schon so einiges los, Olivier Marguerit von My Girlfriend Is Better Than Yours (und Syd Matters) stand noch draussen rum, daneben sein lockenköpfiger Partner Rémie Alexandre (Gitarrist bei Syd Matters) und auch Renaud Brustlein aka H-Burns selbst.

Besonders freute ich mich aber meine Bekannten June et Jim wiederzutreffen, die ich bei Alina Simone kennengelernt hatte. Das reizende französisch, spanische Pärchen spielt selbst sehr hübsch gemachte Folkmusik und guckt sich auch gern Konzerte von Folk-Größen an, zuletzt sah ich sie bei Bill Callahan (Smog).

H-Burns kannten die beiden noch nicht, aber ich versprach ihnen, dass das ganz nach ihrem Geschmack sein würde.

Man trat ein und ich sah zu meiner Freude, dass auch Jonathan Morali, der sympathische Sänger von Syd Matters da war. Er sollte später aktiv ins Geschehen eingreifen.

Dann ging es mit der mir bestens bekannten Vorgruppe My Girlfriend Is Better Than Yours los. Olivier schnappte sich seine Gitarre und Lola (Name von der Redaktion geändert, da ich nicht weiß, ob sie ihren richtigen Namen nennen will) stellte sich hinter ihr Keyboard.

Olivier und Lola aka Dirty Holy und Bud Low startetem mit dem verträumten Stück From My Sofa, das man auch auf ihrer MySpace Seite anhören kann. Herrlicher French Pop mit psychedelischem Einschlag ist das, süß sauer angerichtet sozusagen!

Auch Girl From South danach war unterhaltsam, Lola spielte zu diesem indianischen Folksong die Squaw und imitierte witzigerweise auch die passenden Angriffsgeräusche (wie kleine Kinder, die Cowboy und Indianer spielen). Köstlich!

Schade, dass man das folgende Sahnestück Like A Rebirth nicht bei MySpace anhören kann, das schwungvolle Lied hat nämlich auf jeden Fall Hitqualitäten, genau wie die von mir bereits in anderen Reviews beschriebene Country-Ballade Winterfarmlands.

Und den Erlkönig kann man im Internet zwar nicht in der Version von My Girlfriend Is Better Than Yours anhören, dafür aber in seiner gut sortierten Bibliothek finden.

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind"; Na wer weiss, wie das Gedicht weitergeht? Und von wem stammt es? Antwort a) Rilke b) Goethe c) Skorpion...

Gelehrte Mitmenschen schlagen bitte mal in einem Lexikon nach, wenn sie es nicht wissen, oder kaufen sich das Büchlein am besten.

Wie schon gesagt, ein höchst unterhaltsames Duo, das von Jonathan Morali von Syd Matters höchstpersönlich am Piano begleitet wurde und mit dem psychedelischen My Dictionary das tolle Konzert beschloss.

Setlist My Girlfriend Is Better Than Yours, Sunset, Paris:

01: From My Sofa
02: Girl From South
03: Like A Rebirth
04: Winterfarmland
05: Der Erlkönig (nach Goethe)
06: My Dictionary

Danach waren H-Burns und seine Band an der Reihe. Es wurde u.a. eine Pedalsteel-Gitarre, eine Mandoline und sogar eine sängende Säge aufgeboten, um die knisternden Songs, zum Großteil dem Album How Strange It Is To Be Anything At All entstammend, perfekt dazubieten.

Renaud aka H-Burns fing zunächst aber ganz alleine an und zwar mit einem Stück, das man auf seiner MySpace Seite finden kann. Nach dem mir unbekannten Invitation stieß dann Jonathan Morali aka Syd Matters bei Blame It On The Distance mit hinzu. Er spielte im Verlaufe des wundervollen Konzertes Piano, Gitarre und die singende Säge (!).

Blame It On The Distance ist eines der Sahnestücke des zweiten Albums von H-Burns, es ist im Gegensatz zu den anderen, teilweise recht stark reduzierten Stücken, ziemlich stark instrumentiert und begeisterte vor allem in der schwungvollen Liveversion. Auch Contrary Winds war gelungen, kam aber nicht an gegen das was danach kam. Horses With No Medals ist nämlich ein unverschämter Ohrwurm und heisser Kandidat für den besten Countrysong des Jahres! Olivier Marguerit kam zu diesem melodieseligen Schunkler mit hinzu und spielte Gitarre, während im Hintergrund die Pedalsteel auf das Schönste jaulte. Wir befanden uns in der besten Phase des ohnehin an Höhepunkten nicht armen Sets. Bei dem melancholischen Big City Blues spielte Jonathan die bereits erwähnte singende Säge, bevor gegen Ende mehere neue, noch unveröffentlichte Stücke erfolgreich getestet wurden. Innerhalb der Albumsongs ragte auch noch Daylight Vs You heraus, ein Lied mit einer himmlischen Melodie und einer entzückenden Mandoline. Ich liebe es, so wie ich ohnehin so einiges an H-Burns liebe. Seine rauchige Stimme, seine natürlich-bescheidenen Art, seine Poesie, sein Songwriting...

Sollte etwa ausgerechnet ein Franzose das Erbe Bob Dylans antreten? Warum nicht, die Nordamerikaner scheinen den Frenchie schon in ihr Herz geschlossen zu haben, im Sommer 2008 spielte er etliche Konzerte in Quebec (Kanada) und sogar in New York. Stark! Genau wie das Konzert heute.

Bis bald, Cowboy aus Valence!

01: So Long Dying Cities
02: Invitation
03: Blame It On The Distance
04: Contrary Winds
05: Horses With No Medals
06: Big City Blues
07: Two Headed Boy
08: Hogtown
09: Daylight vs You
10: Easter Everyday (neu)
11: Are You Scared Of The Dawn? (neu)

12: Lonely Nights On Queen St (Z)
13: I Can Haunt You (Z)


Links:

- Horses With No Medals live in einer Kellergruft!

- Daylight Vs Yours in einer dieser tollen Lecargo Sessions.





Bowerbirds, My Girlfriend Is Better Than Yours, Paris, 02.09.08

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Konzert: Bowerbirds u. My Girlfriend Is Better Than Yours (Domingo)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 02.09.2008
Zuschauer: so ein paar

Konzertdauer: jeweils circa 35 Minuten



Schon am 29.Mai 2007 schwärmte der bayrische Ausnahmeblogger Eike (hier!) vom stets bestens informierten Klienicum von den Bowerbirds aus Raleigh (North Carolina). Der Ort ließ ihn an den Namen seines vernachlässigten englischen Rennrades denken, aber auch zu der Musik des amerikanischen Trios hatte er schon ein hübsches Sätzlein parat: "Akustische Musik, die warm und offenherzig wie das weite Land daherkommt".

Irgendwann stieß auch der Pariser Dokumentarfilmer Vincent Moon (er hat kürzlich mit The National und R.E.M. gearbeitet), einer der Mitbegründer der Blogothèque, ebenfalls auf die Bowerbirds und drehte mit ihnen ein paar seiner legendären Sessions (hier musizieren die Bowerbirds in einem Feinkostladen in New York!) und zu guter Letzt, das heisst im Sommer 2008, hatte auch die lahme Musikzeitschrift Musikexpress davon Wind bekommen, dass die Bowerbirds toll sind.

Im August 2008 schließlich haben die Veranstalter des wunderbar besetzten Musikfestivals La Route Du Rock, das Kunsttstück fertiggebracht, die Amerikaner für ihr Line-Up zu gewinnen.

Und nun schreiben wir den 2. September 2008 und endlich lässt sich das aufstrebende Folk-Trio auch auf Pariser Bühnen blicken!

Zunächst einmal spielten aber Franzosen. Jeweils Duos und jeweils ein gemischtes Pärchen. Aber noch viel wichtiger: in beiden Fällen gut und hörenswert!

Den Auftakt machten Domingo, die ich bereits einmal im Divan Du Monde gesehen hatte. In der Zwischenzeit ist ihr Debütalbum erschienen und was soll ich sagen: es ist hübsch geworden! Warmer, intimer Folk, ohne große Schnörkel, versehen mit wundervollen Melodien und einer sanften melancholischen Note.

Bei dem Duo spielt sie die akustische - er die elektrische Gitarre. Die Dame singt und zwar sehr schön! Alles ist eher reduziert gehalten und der Gesang ist sanft und verträumt, genau richtig um abzutauchen und sich fallenzulassen.

Domingo sind keine Band der großen Sprüche oder Gesten und vielleicht fanden es deshalb auch ein paar Leute hinterher etwas zäh, ich hingegen war von dem dezenten Auftreten der jungen Musiker angetan. Ihr Set erinnerte mich angenehm an andere Nachwuchs-Folkbands, die ich dieses Jahr schon genossen hatte, unter anderem This Is The Kit oder Pollyanna.

Also unbedingt mal in die Stücke bei MySpace reinhören (dort vertreten u.a. das Lied The Grace welches auch heute gespielt wurde), oder am besten gleich das selbstbetitelte Album bestellen, es lohnt sich!

Danach waren meine Bekannten von My Girlfriend Is Better Than Yours an der Reihe. Ich kenne das Pärchen nun schon eine ganze Weile, vor allem ihn, Olivier Marguerit, der sich bei dem hier beschriebenen Projekt den Namen Dirty Holy gibt. Olivier kann man eigentlich gar nicht verpassen, wenn man sich in Pariser Konzertkreisen bewegt. Er spielt aktiv mit bei Syd Matters, (Los) Chicros, Fugu, Tahity Boy And The Palmtree Family und wird auch oft als Gastmusiker gebucht. Olivier, die Allzweckwaffe! Kein Wunder, er spielt nicht nur Gitarre, sondern auch Querflöte, Piano, Schlagzeug und was weiß ich noch alles!

Den weiblichen Part bei My Girlfriend Is Better Than Yours bestreitet ein reizendes, äusserst charmantes Mädchen, das innerhalb der Band den Kunstnamen Bud Low trägt. Sie hat ausser My Girlfriend kein anderes Projekt und konzentriert sich ausschließlich auf diese lustige Geschichte.

Humor ist Trumpf bei MGIBTY, das verrät ja bereits der Name! Man muss sich nur einmal auf der MySpace Seite umschauen, um über den Humor der beiden zu stolpern. Beispiel Influences: God, Dreams, Sumos, Trucks (ja, nicht Drugs!), Sex and Rock'n Roll.

Gut was? Aber auch musikalisch bietet das Duo so einiges. Ihren Stil würde ich als folkigen Dream Pop mit psychedelischer Note beschreiben. Und an eine spezielle Band dachte ich bei ihnen sofort: Stereolab, da auch bei den kultigen Engländern eine Französin singt und es auch sonst gewisse Ähnlichkeiten gibt. Interessanterweise kennen MGIBTY Stereolab aber gar nicht richtig, musikalische Parallelen sind also rein zufälliger Art!

Kommen wir zu den Liedern der Spaßmacher: Da gibt es zum einen den herrlichen Popsong Before My Memory, mit dem heute ins Programm gestartet wurde. Er beginnt eigentlich ganz klassisch, bevor plötzlich ein Sampler mit der Stimme eines französischen Forschers einsetzt, der von der "Migration des styrènes" plappert. Macht eigentlich keinen Sinn, ist aber ein witziger Effekt, genauso wie das Ende des Liedes bei dem rückwärts (!) gesungen wird.

Desweiteren spielen sie auch regelmässig Girl From South,Winterfarmland und From My Sofa, Songs die man allesamt auf ihrer MySpace Seite anhören kann. Besonders hübsch davon ist Winterfarmland, eine süß saure Country-Ballade, die mit schönen Chorgesängen aufwartet.

Nicht auf MySpace findet man allerdings das Stück My Girlfriend Is Better Than Yours, das demnächst als Single veröffentlicht werden soll. Es entspricht nicht dem üblichen Folkstil der Pariser, sondern ist ein lupenreiner Disco-Song mit Ohrwurmqualitäten!

Der originellste Titel im Programm war aber ein Lied. das Bud Low auf deutsch sang! "Wer reitet so spät durch Nacht durch Wind", na das ist doch... der Erlkönig! Deutsches Kulturgut auf Pariser Bühnen, na wenn das nicht abgefahren ist! Aber wer hat's geschrieben? Antworten bitte im Kommentarteil hinterlassen! Aber nicht schummeln, nachschlagen bei Wikipedia oder anderen Quellen ist nicht erlaubt!


Ein deutsches Lied hatten schließlich die Bowerbirds nicht im Programm, dafür aber ihre wunderbaren Seelentröster vom famosen Album Hymns For A Dark Horse.

Zu dritt, also in Vollbesetzung, sind sie angetreten heute in Paris, nachdem sie in Saint Malo bei der Route Du Rock noch auf ihren Geiger (der manchmal auch Trommler ist) Mark Paulson verzichten mussten. Gerade der Blondschopf sorgte aber bei einem Lied wie dem wundervollen Dark Horse für die gefühlvollen Streicherparts, die ich nicht missen wollte.

Aber vielleicht muss ich die Bowerbirs doch noch einmal kurz vorstellen. Sänger und Gitarrist ist der bärtige Phil Moore, der äusserst einfühlsam seine Texte intonierte und manchmal so in die himmlischen Lieder versunken war, dass er geniesserischen Blicks die Augen schloss und seinen Kopf sanft von links nach rechts wiegte. Dann gibt es die bildhübsche Beth Tacular, die zwischen Trommel und Akkordeon abwechselte und auch für die Background-Vocals verantwortlich zeichnete. Und schließlich den bereits erwähnten Mark Paulson, der optisch am wenigsten auffiel, aber musikalisch wichtige Akzente setzte.

Diese drei Sympathen sorgten für eine knisternde Atmosphäre, die nicht nur vor dem winterlichen Kaminfeuer, sondern auch an einem Septembertag wohlige Gefühle auslöste.

Und Songmaterial, um zu begeistern hat das Trio aus North Carolina bereits reichlich, schwer zu sagen, was besser war, Bur Oak oder My Oldest Memory, oder oder...

Die heftigsten Reaktionen beim Publikum erzeugte allerdings das schwungvolle In Our Talons ("dididididi"), bei dem die hübsche Beth auf himmlische Weise ihr schweres Schifferklavier spielte und mit ihren sexy weißen Stiefeln auf den Boden tippte. Ein Mitschunkler erster Güte, der das Potential zum Lied des Jahres hat!

Aber die Amis verließen sich nicht nur auf (Insidern) bekannte Songs. Sie boten auch drei neue Stücke, von denen aber lediglich House of Diamonds einen definitven Titel hat. Teeth und Bleed hingegen heißen eventuell später dann anders, im Moment tragen sie nur Arbeitstitel. Die drei Neulinge fügten sich harmonisch in die älteren Sachen ein und geben jetzt schon Lust auf das zweite Album. Dabei ist das erste in Deutschland gerade erst erschienen.

Eike kannte es allerdings schon wieder ein Jahr früher. Er hatte wieder einmal den richtigen Riecher...



Zur Setlist der Bowerbirds gehörten neben den Hits vom Album Hymns For A Dark Horse folgende neue Lieder, die zum Teil erst Arbeitstitel tragen: House of Diamonds, Teeth, Bleed


Mehr Fotos von den Bowerbirds hier




 

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