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Montag, 20. Juli 2009

The Dodos, Nijmegen, 19.07.09

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Konzert: The Dodos
Ort: Valkhof Nijmegen (de affaire Festival)
Datum: 19.07.2009
Zuschauer: regenbedingt wechselhaft viele
Dauer: regenbedingt auf 55 min verkürzt


Obwohl nichts darauf hingewiesen hatte, vor allem die riesige Gewitterwolke am Mittag nicht, daß es den ganzen Tag sonnig und trocken sein würde, hielt sich das Wetter in Nijmegen wacker. Bis zum Auftritt der Dodos... Kurz bevor die Amerikaner auf die Bühne gehen wollten, ging ein heftiger Schauer über dem Festivalpark runter. Da die Hauptbühne ein halbkreisförmiges Vordach hatte, flüchteten alle Zuschauer in die ersten Reihen. Allerding regnete es schräg und genau in die falsche Richtung, und plötzlich knackte es überall über die Boxen. Die Crew wurde hektischer, um die Technik vor größeren Schäden zu schützen.

Währenddessen spielte die Band, die alles beobachtete, mit Handtüchern. Sänger
Meric Long hatte seines noch als Schutz für seine Gitarreneffekte benutzt. Das von Schlagzeuger Logan Kroeber hatte ein großes Loch, das das Handtuch für ihn enorm spannend machte. Er probierte immer wieder aus, wie er sich den Lappen am besten um den Arm wickeln könnte und hatte mächtig viel Spaß damit. Irgendwann rangelten Logan und Vibraphon-Spieler Keaton Snyder mit ihren Handtüchern - großartig!

Während Keaton sich die Zeit auch damit verkürzte, spektakuläre Fingerübungen für sein Instrument zu machen, trommelte Logan auch schon mal auf den Scheinwerfern rum. Die Pause war trotz dieser lustigen kleinen Sachen ähnlich zäh wie meine Einleitung.

Nach einer Dreiviertelstunde endlich das Zeichen, daß es losgehen könnte. Und endlich Gelegenheit, die ungewöhnlichen Instrumente in Aktion zu erleben. Während Sänger Meric nur langweilig Gitarre spielt (er spielt sie schon spannend...), fallen der merkwürdige Schlagzeug Aufbau und das fabelhafte Vibraphon sofort auf.

Logans Schlagzeug kommt ohne Bassdrum aus. Dafür hatte er einige Trommelbecken um sich herum aufgebaut. Der Star war aber der große Glockspiel-Onkel in der Mitte der Bühne. Ein Vibraphon ist ein Schlaginstument, das neben seinen Metallplatten so etwas wie Orgelpfeifen an der Front hat. Und weil ein so aufwendiges und teures Instrument dann nicht einfach so wie ein Kinderglockenspiel bedient wird - das wäre ja Verschwendung - spielt man es meist mit mehr als einem Schlägel (mein Lieblingswort!) pro Hand. Keaton hatte schon seine Trockenübungen mit vier der Klöppel gemacht. Gleich zu Beginn packte der Vibraphonist aber auch noch einen Cellobogen aus und spielte damit die Metallplatten... Sagenhaft! Und als wäre das noch nicht genug, hatte er zusätzlich eine Trommel neben seinem Platz, die er parallel zum Vibraphon bediente, wenn er eine Hand frei hatte. Die Musik musste schon gar nicht mehr gut sein, um daraus ein klasse Konzert zu machen...

Aber sie war es natürlich! Die Kalifornier wurden in Europa mit ihrer Platte Visiter 2008 richtig bekannt.
Das Nachfolgealbum A time to die erscheint (physisch) im September, ist allerdings diese Woche auf der Bandseite schon einmal zu testen, was für altbackene Musikhörer, die keine vorab geleakten Sachen anhören, sehr praktisch ist. Nach ihrer letzten Single Fools kam dann auch schon das erste der neuen Stücke namens The strums. Wie alle Lieder der Dodos klingt das Stück für mich, als hätten Beach Boys und Foals eine Supergroup gegründet; also nach schrammelig interpretierter Hippie-Musik - ein Kompliment übrigens!

Die Musik braucht (wie bei wenigen anderen Bands) jedes einzelne Element bzw. Instrument. Zum einen wäre vieles ohne Merics Stimme viel uncharmanter. Auch sein Gitarrenspiel, das herrliche Untermalen des Vibraphons und die speziell klingenden Trommeln (oft auch am Rand gespielt) sind alle unverzichtbar. Auch wenn ihre Sachen gerne mit Freak oder Psych Folk bezeichnet werden, haben sie nichts Anstrengendes, obwohl es immer wieder herrlich laut wird.

Mit dem dritten Lied (Men) setzte der Regen wieder ein. Glücklicherweise blieben die
fiesen Knackgeräusche aus, die alle elektrischen Geräte in der Regenpause immer wieder gemacht hatten.

Beste Lieder im Set waren für mich Winter, das neue Fables und natürlich Jodi. Schade, schade, daß der Regen (und die Abhängigkeit der beiden Bühnen von einander) ein großes Überziehen nicht zuließ. Das letzte Stück widmeten Meric und der von ihr geblendete Logan der wiederkehrenden Sonne: The ball.

Ich hätte mir gerne mehr von dieser wundervollen Musik angehört! Aber sie kommen ja wieder - im November!

Setlist The Dodos, de affair, Nijmegen:

01: Fools
02: The strums (neu)
03: Men
04: Fables (neu)
05: Jodi
06: Winter
07: Troll Nacht (neu)
08: Paint the rust
09: The ball

Links:

- The Dodos in Paris im vergangenen November
- mehr Fotos von den Dodos in Nijmegen




Bishop Allen, Nijmegen, 19.07.09

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Konzert: Bishop Allen
Ort: Valkhofpark Nijmegen (de affaire Festival)
Datum: 19.07.2009
Zuschauer: weniger als bei den Blood Red Shoes
Dauer: 45 min


Oft ist es ja so, daß die Konzerte besonders lange im Gedächtnis bleiben, bei denen man nicht erwartet hatte, daß sie so gut werden würden. Bishop Allen allerdings hatten bei mir diesen Startvorteil nicht. Dafür mag ich meine beiden Platten der amerikanischen Indiepop-Band zu sehr und habe zu viele gute Konzerteindrücke gelesen. Meine Erwartungshaltung vor der zweiten Band des Tages war also hoch. Sie schaffte es aber dennoch, mich kalt zu erwischen. Daß es so gut werden würde, hatte ich nämlich nicht erwartet.

Bishop Allen sind ein Duo, bestehend aus Justin Rice und Christian Rudder. Live werden sie von weiteren Musikern begleitet. Heute hatten sie einen Bassisten, einen Schlagzeuger und die Multi-Instrumentalistin (für alle tollen Sachen wie Glockenspiel, Melodica...!) Darbie Nowatka dabei.

Die beiden Gitarristen und der Bassist waren in bester amerikanischer Indie-Band-Manier nebeneinander aufgebaut - und sie strahlten um die Wette! Zumindest wirkte das auf mich so, weil die drei Musiker so inbrünstig sangen. Ich fühlte mich sofort an eines der schönsten Konzerte des vergangenen Jahres erinnert, an Okkervil River in Haldern! Richtige Sonnenscheinmusik, die perfekt stimmungsaufhellend wirkte. Und die perfekt zu diesem Festival passte, zu den entspannten Leuten,
der herrlichen Atmosphäre, dem Platz unter den Bäumen und der Sonne.

Bishop Allen wollten die ihnen zugedachten 45 Minuten wohl optimal ausnutzen, sie verschwendeten nämlich keinerlei Zeit auf lange Pausen oder Ansagen. Drei Minuten
Lied und in den Applaus rein das nächste, sehr pragmatisch! Es waren aber nicht irgendwelche dahergelaufenen drei-Minuten-Indieliedchen sondern große Hits, die die Musiker von der Ostküste spielten! Besonders stachen Stücke wie Dimmer, The monitor, Cue the elephants oder The ancient commonsense of things hervor, wahre Hymnen! Ok, ich werde pathetisch. Aber was soll ich sonst über diese brillante Band und ihre Lieder schreiben?

Erstaunlicherweise spielte die aktuelle Platte der Band (mit dem großartigen Titel
Grrr...) eine untergeordnete Rolle. Nur fünf Stücke stammten vom 2009er Album, der Rest von den (anderthalb) Vorgängern und den Monats-EPs (2006 veröffentlichten Bishop Allen jeden Monat eine EP - fabelhaft!).

Lange Rede, kurzer Sinn:* eines der tollsten Konzerte des Jahres einer neuen Lieblingsband!

Setlist Bishop Allen, de affair, Nijmegen:

01: Another wasted night
02: Cue the elephants
03: Oklahoma
04: The monitor
05: Rain
06: Like castanets
07: Click, click, click, click
08: Dimmer
09: The ancient commonsense of things
10: Empire city
11: Making friends
12: Rooftop brawl
13: Quarter to three
14: Middle management
15: Flight 180

Links:

- mehr Fotos von Bishop Allen in Nijmegen


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zu unserem Bildungsauftrag gehört auch die Förderung schöner Sprichworte


Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09

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Konzert: Blood Red Shoes
Ort: Valkhofpark Nijmegen (de affaire Festival)
Datum: 19.07.2009
Dauer: 42 min


Wieso in die Ferne schweifen, wenn das Glück so nahe liegt... Gut, Nijmegen liegt strenggenommen auch nicht schrecklich nah, zu besonderen Konzerten lohnt sich ein Ausflug in die Stadt in Gelderland aber unbedingt. Ein Gratis-Festival mit drei exzellenten Bands an einem Tag erschien besonders genug, den verregneten holländischen Sommer einmal als Alternative zum heimischen auszuprobieren.

Ich hatte die Größe des Festivals allerdings ein wenig unterschätzt. Das unproblematische Suchen eines Parkplatzes stellte sich als unerfüllbarer Wunsch heraus; auf der anderen Seite des Flusses (der Waal) funktionierte es dann. Von der eindrucksvollen Brücke am Fluß bekam man dann einen ersten Eindruck des Festes. Nicht bloß im Valkhof, dem Park, in dem die Bands,
die wir sehen wollten, spielen sollten, überall in der Stadt standen Buden, wurde Musik gemacht und gefeiert. Wie eine große Kirmes, nur mit Niveau.

Im Valkhof gab es vier Bühnen und viele Büdchen und Sitzgelegenheiten. Im Park liegt die kleine, sehr schöne Barbarossa-Ruine, in die die kleinere der beiden Hauptbühnen untergebracht waren. Da beide in Steinwurfreichweite (Kategorie Mädchen beim Prellballwerfen) lagen und sich akustisch gestört hätten, spielten die Bands abwechselnd. Die drei, die wir sehen wollten, die Blood Red Shoes, Bishop Allen und die Dodos, spielten nacheinander auf der Hauptbühne.

Für 15:45 waren die Blood Red Shoes angesetzt. Dafür, daß das Duo zu unseren meistgesehen Bands gehört, hatten wir sie eine Weile nicht gesehen. Im November waren Laura-Mary und Steven zuletzt in Köln. Ein paar Tage später brachen sie in München ein Konzert ab, was Schlimmes über den Zustand der Band befürchten ließ. Daher hatte ich offengestanden ein wenig Zweifel, ob das etwas werden würde.

Der Aufbau dauerte außergewöhnlich lang. Dabei zeigte der bandeigene Roadie echte Entertainer-Qualitäten ("Check, check, one - always followed by two"). Zu seinen Aufgaben gehörte es wohl auch, Disney-Figuren auf einem der
Verstärker abzustellen, wir waren uns vollkommen unsicher, wem die wohl gehören würden.

Laura-Mary (im gewohnt blumigen Kleid) und Steven kamen dann irgendwann und begannen mit einem ihrer Hits. Beide sahen aus wie immer, Laura-Mary, die coole Rock 'n' Roll Queen, während Steven wie ein Berserker auf seine Trommel einprügelte. "Wie immer" beruhigte mich ungemein. So sieht keine Band aus, die sich morgen auflöst.

Das zweite Stück war schon neu, hieß
Count me out und war sehr gut! Nach einem alten Lied (You bring me down), schon wieder etwas Neues und noch gleich eine Stufe besser! Wheeze hieß der Song, der für mich zu den besten der Blood Red Shoes gehört! Ein echter Knüller, der mich ab sofort aufs kommende Album freuen läßt!

Dann wieder alt und wieder neu, und wieder alt und wieder neu, sie zogen diesen Rhythmus bis in die Zugabe durch. Die frischen Sachen gefielen mir ausnahmslos gut. Aber Wheeze und Fade to grey stachen heraus. Fade to grey ist irre lang (eher ungewöhnlich für die Band) und hat sehr viel Text. Nach dem vielen Gesang trudelt der Song in (wieder lange) Ah-Ahhhs aus. Gar nicht schlecht...

Auch die Zugabe hatte etwas. It's happening again ist wohl durch Twin Peaks inspiriert, sagte mir der
lustige Roadie. Wie genau, wisse er aber nicht. Macht auch nichts, mir schmeckte das Stück.

Das war ein toller Auftakt eines herrlich entspannten
Familienfestivals. Der kleine Platz im Valkhof ist wundervoll. Zwischen alten Bäumen stehen Stände, und alles macht einen perfekt organisierten Eindruck. Wir haben trotz größter Mühe keine torkelnden Idioten gesehen, etwas das ja zwangsläufig zu jedem Festival gehört. Wir sind auch nicht angerempelt worden, obwohl Landsleute da waren. Perfekt!

Setlist Blood Red Shoes, de affaire, Nijmegen:

01: It's getting boring by the sea
02: Count me out (neu)
03: You bring me down
04: Wheeze (neu)
05: Say something, say anything
06: Fade to grey (neu)
07: This is not for you
08: Don't ask (neu)
09: I wish I was someone better

10: It's happening again (neu) (z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- Interview mit den Blood Red Shoes
- mehr Fotos aus Nijmegen


 

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