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Samstag, 18. Juli 2015

Phonopop Festival, Rüsselsheim, 11.07.15

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Konzert: Phonopop Festival
Ort: Rüsselsheim
Datum: 11. Juli 2015
Dauer: 8 h
Zuschauer: ca. 2000


Mein erster Ausflug zum Phonopop-Festival sollte zugleich auch mein letzter sein. Das 10-jährige Jubiläum nehmen die Veranstalter gleichzeitig zum Anlass, ihren Abschied bekannt zu geben und damit auch die Biografie des Phonopop zu beenden. Am Ende des Samstagabends bleibt mir die kleine Hoffnung, dass der Abschied vielleicht in wenigen Jahren rückgängig gemacht wird, wenn die Lust und Freude am Organisieren doch wieder groß genug und der Verlust dieses feinen Festivals zu schmerzhaft wird. 
Dieses Festival war für mich eines der wohltuend kleinen und sehr feinen im großen Chor all der Sommerfeste, die um Zuschauer buhlen. Das beginnt mit einer sehr konsequenten Künstlerauswahl, dem Verweigern gegen Mode- und Radiotrends und dem Vertrauen auf den eigenen Geschmack und damit auf Künstler, die nicht jedem bekannt sind und damit bei den Besuchern immer wieder Entdeckerlust wecken. Das geht weiter bis zur liebevoll ausgestalteten Location im alten Opel-Werk in Rüsselsheim. Da wird für Erfrischung mittels Wassersprühschlauch gesorgt, da hängen große Origami-Vögel in den Bäumen und die Fenster auf dem Weg zwischen den beiden Bühnen sind nachts von innen stimmungsvoll beleuchtet.
Die beiden Bühnen des Festivals liegen 2 Höfe auseinander und werden abwechselnd bespielt, so dass man jede Band sehen und hören kann. Das spart Zeit beim Umbau und gibt jedem die Chance, alle Konzerte mitzunehmen und den Künstlern die Möglichkeit, alle Gäste vor ihrer Bühne zu versammeln. Außerdem bleibt man zwischen den Konzerten in Bewegung und für mich mit Kamera war es perfekt, um für die Fotos immer einen Platz in bester Sichtweite zu bekommen.

Inner Tongue
Als ich das Gelände betrete, spielen Inner Tongue gerade ihre letzten Songs. Die Wiener Band blieb mir daher nicht so recht in Erinnerung.

Caroline Keating
Ihr Album „Silver Heart“ begleitet ich seit geraumer Zeit immer wieder und deshalb freute ich mich auf ihren Auftritt besonders. Caroline Keating begleitete sich selbst an ihrem E-Piano und spannte einen Bogen über bekannte und neue Songs. So sparsam der Auftritt instrumentiert war so spannungsreich wirkte doch ihre Stimme und fesselten ihre Lieder die Zuhörer knappe 45 Minuten.

Still Parade
Die ersten Takte, die ersten Songs verbreiteten Sommergefühle und passten zu den Temperaturen. Irgendwie war es, als ob der Strand gleich um die Ecke lag. Still Parade aus Berlin werden mit ihrer Musik in der Kategorie Dreampop/Dreamfolk verortet, für mich spielten sie ziemlich luftige Popsongs und sorgten so schon für ausgelassene Stimmung und Erfrischung. Auf jeden Fall werde ich diese Band und ihre Entwicklung weiter verfolgen.

John Bramwell
John Bramwell ist der Sänger von I Am Kloot und hier und heute als Solist unterwegs. Gerade so hat er es vom Flughafen nach Rüsselsheim geschafft, dabei seine Gitarre aber am Gepäckband nicht bekommen. Die Organisatoren haben ihm schnell einen Ersatz besorgt und so Stand dem Konzert nichts im Wege. I Am Kloot habe ich vor 2 Jahren im Dresdner Beatpol gesehen und höre nun die Songs der Band in einem akustischen Gewand. Heute leben sie von John Bramwells Stimme und der Art, wie er die Songs ankündigt und dann vorträgt. Lustig ist es schon, wenn er verschiedene Songs mit den selben Worten ankündigt als Lieder, die vom Trinken und Problemen handeln. Dann versenkt er sich in die Akkorde, schließt die Augen und lässt die Songs über den Hof fliegen.

Tiger Lou
facebook.com/TigerLou.official 2008 veröffentlichte die schwedische Band ihr letztes Album „A Partial Print“ und begeisterte mich damit vollkommen. 2 Konzerte ihrer anschließenden Tour habe ich besucht und dann wurde es ruhig um die Band, ihr Frontmann Rasmus Kellerman veröffentlichte noch ein recht katastrophal belangloses Soloalbum und damit hatte ich die Band aufgegeben. Um so erfreuter war ich, als ich las, dass Tiger Lou an neuem Material arbeiten und für 3 Konzerte nach Deutschland kommen, unter anderem zum Phonopop. Tiger Lou waren für mich der Anlass, die Tickets zu holen und hierher zu kommen. Und sie enttäuschten mich nicht. Tiger Lou präsentierten sich in Bestform, wie man bei Sportlern sagen würde. Die typische Bandbesetzung erweiterte diesmal Amanda für 2 Titel an der Trompete. Es gab bekannte Songs der bisherigen Alben und 2 neue als Ausblick auf eine demnächst erscheinende EP. Tiger Lou spielten sehr energiegeladen und mit einer Spielfreude als wären sie nie weg gewesen. Die neuen Songs fügten sich nahtlos in das Gesamtkonzert ein und so war ich mit der Band versöhnt und freue mich auf weitere Konzerte und Veröffentlichungen.

Okta Logue
Wir nähern uns dem Abendprogramm und damit den beim Publikum bereits mehrheitlich bekannten Künstlern. Und Okta Logue gehören als Lokalmatadoren quasi dazu. Hier haben sich Pink-Floyd-Jünger gefunden, die Riffs weitergesponnen und eigene Songs daraus entwickelt. Mittlerweile gibt es 2 Alben, Okta Logue waren schon als Vorband von Portugal.The Man unterwegs, wo ich sie zum ersten Mal wahrgenommen habe. Beim Phonopop haben Sie die Akzente - absichtlich oder nicht - so auf die Musik gelegt, der Gesang war kaum zu verstehen. Für mich ein bisschen schade, für die Fans war das offenbar kein Nachteil, die Band wurde gefeiert.

Two Gallants
Diese Band war für mich wie ein Meteoriteneinschlag. Ich hatte bisher nichts von ihnen gehört und ließ mich an dem Abend einfach überraschen. Und dann begannen Adam Stephens und Tyson Vogel ihr Set mit Gitarre und Schlagzeug und spielten nach dem Motto, hier werden keine Gefangenen gemacht. Es gab von Anfang ordentlich auf die Ohren und mächtig Druck aus den Boxen. Dabei spielen die beiden schon auch die feinen Saiten und streicheln die Becken. Dennoch schien es mir immer wieder, als arbeiten sich Two Gallants an einer inneren Zerrissenheit ab und finden Zuflucht nur im Aufbau von Klangkaskaden und -gewittern. Kurz gab es Erholung für das Publikum, als Adam Stephens sich ans Piano setzte. So gewaltig sich der Auftritt in die Ohren und Augen prägte, so wenig berührte mich die Band innerlich.

TripAdLib
Nicht nur beim Kosmonautfestival gibt es geheime Headliner. Auch beim Phonopop war ein Überraschungsgast angekündigt. Aus Mainz kommt TripAdLib und spielt einen Clubsound den ich nur aus Konserven kenne. Anfangs war ich überrascht, neben 2 Computern auch Schlagzeug und Bass auf der Bühne zu sehen, mit zunehmender Dauer ist diese Art Musik für mich leider zu langweilig.


Inzwischen war es spät in der Nacht und meine Energie auf The Temples zu warten erschöpft. So gibt es von mir leider keinen Bericht zum Finale und der allerletzten Band des Phonopop. Bleibt der Gesamteindruck, dass ich dieses Festival leider viel zu spät entdeckt habe und es bleibt die schwache Hoffnung, dass das Phonopop vielleicht doch irgendwann wieder ersteht.

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Mittwoch, 15. Juli 2015

Phono Pop Festival X, Rüsselsheim, 10. & 11. Juli 2015

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Konzert: Phono Pop Festival X
Ort: Altes Opelwerk, Rüsselsheim
Datum: 10. & 11. Juli 2015
Zuschauer: ein paar hundert, es hätten ruhig noch ein paar mehr sein können


Man könnte schon ein bisschen wehmütig werden, wenn man am späten Freitagnachmittag vom Opel-Bahnhof an den Bahngleisen entlang im angenehmen Sonnenschein zum Klinkerbau des alten Opelwerks in Rüsselsheim läuft, die Statue des Firmengründers vor dem Eingang wie einen alten Bekannten begrüßt und kurz darüber nachdenkt, dass dies aller Voraussicht nach das letzte Phono Pop Festival sein wird. Tatsächlich gilt es aber natürlich zuerst noch einmal dieses traumschöne und liebevoll organisierte Festival in vollen Zügen zu genießen und damit dies ungetrübt der Fall sein kann, wartet die diesjährige Ausgabe mit Kaiserwetter und einer extrem gelungenen Bandauswahl auf. 


Mit den fünf Jungs von Yesterday Shop geht’s gleich mal schön poprockig los, phasenweise sogar mit doppeltem Schlagwerk. Die nachzulesenden Coldplay-Einflüsse der mittlerweile aus dem Raum Reutlingen nach Berlin übergesiedelten Band sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Live haben die Songs allerdings erheblich mehr Druck und Energie als die Studioaufnahmen. Ein bisschen fehlt vielleicht noch der eine, wirklich hängen bleibende Megasong, aber die Chancen hierfür stehen bestimmt nicht schlecht. Ein sehr schöner Auftakt.  


Sehr haarig schließen sich auf der etwas größeren zweiten Bühne im nächsten Hof einmal um die Ecke die aus Oklahoma stammenden Other Lives an. Ganz gelingt es mir um diese Tageszeit noch nicht mich auf die träumerisch mehrschichtigen durchaus sehr spannenden Klänge der Amerikaner einzulassen. Zusätzlicher Trompeteneinsatz, Orgelklänge, Violinen, ein bisschen Glockenspiel und die etwas klagend klingende Tonlage von Sänger Jesse Tabish haben auf jeden Fall großes Potenzial, einen in ganz andere Welten zu entführen und ich hoffe auch, dass ihnen das bei unserer nächsten Begegnung gelingen wird. 


Erlend Øye sieht ein bisschen aus wie ein zu groß geratenes Bandenmitglied der Kleinen Strolche, auch wenn er dieses Jahr noch 40 wird. Und seine Fröhlichkeit ist unglaublich ansteckend. Er war mir mit seinen musikalischen Projekten stets irgendwie präsent. Die Kings Of Convenience liefern einen nahezu immer geeigneten Soundtrack für einen gemütlichen Abend mit Freunden und The Whitest Boy Alive habe ich leider zweimal live knapp verpasst. Um so schöner, dass es jetzt endlich klappen sollte und das neue leicht reggaeangehauchte Album Legao ist wie geschaffen für diesen angenehm lauen Sommerabend auf dem Fabrikgelände. 
Eine nette Auffrischung des kürzlichen Islandaufenthalts gab’s auch noch. Kaum war mir zu Ohren gekommen, dass der groß gewachsene Mulitinstrumentalist hinterm Keyboard ja übrigens Isländer sei, durfte Siggi auch schon die gesamte Bühne übernehmen und ein Lied in seiner lustig klingenden Muttersprache zum Besten geben. Und weil der Norweger Erlend überwiegend im viel sonnigeren Italien lebt und zwei Bandmitglieder seiner Rainbows Italiener sind, gibt’s auch noch ein bisschen gesungenen Italienischunterricht. Vielen Dank liebe Phono Pop Macher für diesen perfekten Headliner des ersten Abends. 


Meine jährliche Dosis Hip-Hop hatte ich gewissermaßen schon die Woche zuvor auf dem ATP Iceland mit einem packenden Auftritt der Altrapper Public Enemy gedeckt. Was Käptn Peng & die Tentakel von Delphi in Sachen deutschem Hip-Hop gekonnt zusammenreimen, macht ebenfalls Spaß und fehlender Einsatz von Audiosamples, also sozusagen handgemachter Live-Rap, kriegt mich dann auch durchaus ein zweites Mal. Um den Wortwitz nachzuvollziehen, muss ich dennoch bei Gelegenheit, vermutlich unter Zuhilfenahme von Google & Co, noch ordentlich nachlesen & -hören. Das sehr leckere Festival-Sponsoren-Bier zeigte auch schon Wirkung. 


Pünktlich und wieder nüchtern geht’s am nächsten Tag für uns weiter. 


Caroline Keating erzählt uns erstmal wie besonders stolz sie auf ihre tolle orangefarbene Hose heute sei, als sie sich am frühen Mittag an ihr E-Piano setzt. Die Hose schmeichelt ihrem sommersprossigen Teint tatsächlich ausgesprochen und die Kanadierin versteht es außerdem hervorragend ihren entzückenden Charme mit ihrer zarten Musik zu verbinden. Singer/Songwriterin am Klavier klingt ja mal zunächst nicht sonderlich aufregend. Ist es aber. Es war absolut zauberhaft und mir fehlten auch keine Begleitmusiker. Nach eigenem Bekunden arbeitet sie derzeit fleißig an neuem Material auf das man sich bereits freuen kann.


Am Samstag parkt ein Eistruck auf dem Weg zwischen den beiden Bühnen und eigentlich kommt man da nicht ohne ein Eis zu kaufen dran vorbei. Im Adamshof spielt sich John Bramwell , wahrscheinlich etwas besser bekannt als Sänger von I Am Kloot, ganz alleine warm. Der Hof war leer. Ein spannender Anblick beim Eisschlecken. 
Als es dann wirklich losgehen soll, ist der Gitarre zunächst kein verstärkter Ton zu entlocken. Der gute Herr Bramwell war nämlich ohne seine Gitarre in Rüsselsheim gelandet und tat sich mit dem fremden Ding etwas schwer. Und auch seine Setlist und sein Handy waren wohl abhanden gekommen wie er im Lauf des Auftritts erzählt. Weil er daher nicht selbst in der Lage ist ein Erinnerungsselfie zu machen, wurde kurzerhand der am Bühnenrand stehende Fotograf nach oben gezerrt, um einen winkenden Engländer und ein jubelndes Publikum von hinten zu fotografieren.


Nach einem weiteren Lied – die Gitarre funktionierte inzwischen - hüpft er von der Bühne und nimmt einem rauchenden Mädchen die Kippe aus der Hand, um mal kurz einen Zug zu nehmen. Er rauche ja schon länger nicht mehr, aber bei so einem Konzert …! Einmal sei er mit dem neu aufgenommenen Demotape im Autoradio durch die Gegend gefahren und wäre so entzückt von seinem eigenen neuen Song gewesen, dass er vor Rührung kurz habe anhalten müssen. Er lacht. „The sad thing about it, it’s a true story.” 


Ein bisschen selbstverliebt, herrlich britisch, leicht verschroben, einen Zahnarzt könnte er vielleicht auch bei Gelegenheit mal wieder aufsuchen. Aber er ist auch grundsympathisch und ich persönlich mag solche Geschichtenerzähler ausgesprochen gern, vor allem dann, wenn sie auch musikalisch noch zu überzeugen wissen und das tut John Bramwell mit seinem Können an der Leihgitarre und seiner ganz leicht knarzigen, sehr angenehmen Stimme zwischen Blues und Singer/Songwriter-Rock. 



In jedem guten Festival-Lineup sollte eigentlich eine schwedische Band enthalten sein. Am Samstag wird dieser Slot mit der Rückkehr von Rasmus Kellermans Bandprojekt Tiger Lou gefüllt, das mal wieder alles hat, was schwedische Musik häufig ausmacht: poppig, tanzbar, ein bisschen folkig und trotzdem melancholisch, sehnsuchtsvoll und traurig.

 
Schnipo Schranke muss man vermutlich lieben oder hassen. Mir ist das Soundkonstrukt etwas zu eintönig und die Texte treffen ganz und gar nicht meinen Wohlfühlbereich. Zu viel Kopfkino für mich, aber ich kann auch verstehen, dass viele Zuhörer von den rotzigen Ansagen und schamgrenzwertigen Zeilen fasziniert sind. Es ist auf jeden Fall anders und alles andere als gewöhnlich.


Die vier Herren von Okta Logue sind badeseetauglich gekleidet als sie kurz vor 8 die große Bühne betreten. Vielleicht kommen sie ja direkt da her. Sie haben es schließlich nicht weit nach Rüsselsheim, obwohl sie so ganz und gar undeutsch und auch ein bisschen aus der Zeit gefallen klingen mit ihren breiten psychedelischen Soundwänden mit viel Orgeleinsatz. Großartig und schön zu beobachten. Einzige kleine Einschränkung: Im dunklen Club mit einem Hauch Alkohol im Spiel gefallen sie mir noch ein ganz kleines bisschen besser. Da würde ich mich dann auch nicht so sehr an den Äußerlichkeiten aufhalten.


Nach den vielen wunderschönen ruhigen Momenten freuen wir uns nach der Okta Logue Einstimmung sehr auf eine Runde laut und krachig. Eigentlich dürfte ich das als Stuttgarterin ja noch nicht mal laut sagen, aber ich hatte es bis dahin tatsächlich nicht geschafft, die spätestens seit Anfang des letzten Jahres schwer gehypten Die Nerven live zu sehen. Man nimmt ja immer an, dass sich die Gelegenheit in der Heimatstadt einer Band dauernd und immer wieder ergeben wird.


 
Auch war ich noch etwas skeptisch, nachdem ein Freund gemeint hatte, dass er tatsächlich drei Anläufe benötigt hätte, um die drei Jungs richtig gut zu finden. Die wird es für mich tatsächlich nicht brauchen, auch weil die Band zwischenzeitlich vermutlich genug Erfahrung gesammelt hat, um sich nochmal zu verbessern und live schon mit dem ersten Song zu überzeugen. Ich hatte irgendwie mehr Schrammel- Drei-Akkord-Punk erwartet, weil reingehört hatte ich auch noch nicht in der gebotenen Ausführlichkeit. Das allerdings sehr bewusst, denn Die Nerven machen Musik, die mich primär erstmal live kriegen muss.


Bassist Julian Knoth und Gitarrist Max Rieger wechseln sich beim Gesang ab oder singen auch schon mal gemeinsam und das so gut und harmonisch, dass man den dunklen, häufig zornigen Texten durchaus folgen kann. Tausendsassa Kevin Kuhn am Schlagzeug trommelt wie irre und hat eine Mimik, die The Animal aus der Muppet Show alt aussehen lassen. Der Punk klingt durch, aber es ist viel mehr. Schön postrockig düster, laut und tanzbar. 


Leider hatten es Two Gallants nach dem packenden Nerven-Erlebnis ziemlich schwer bei mir. Obwohl die beiden Amerikaner durchaus in der Lage sind, wie eine mindestens 6-köpfige Band zu klingen. Sänger/Gitarrist/Keyboarder Adam Stephens verfügt über eine wahnsinnige Rockröhre und Tyson Vogel versteht sein Handwerk an den Drums ebenfalls bestens . Nach den ersten zwei Liedern kommt die vor bald drei Jahren schon mal erlebte Energie der beiden schließlich doch noch an und auch wenn die neuen Lieder nicht ganz an das ältere Material heranreichen, bleiben die Kalifornier für mich die vielleicht beste Rock-Blues-Folk-Umsetzung im minimalistischen Zweierteam.


Vor den Temples verabschieden sich die drei Macher des Phono Pops tatsächlich unter auffordernd gemeinten Pfiffen und traurigen Buh-Rufen von ihrem letzten Publikum. Es war grandios. Wie erwartet und auch wenn ich nach 8 Stunden Musik und fast so viel Sonne langsam etwas erschöpft bin, sind die Temples mit ihrer retropsychedelischen Musik, deren moderne Anleihen an 60er-Jahre Beatles und Co von den jungen Engländern hervorragend umgesetzt werden, ein gelungener Ausklang dieses ganz und gar gelungenen Festivals.


Weitere Bilder:


Montag, 20. April 2009

Tiger Lou, Koblenz, 20.04.09

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Konzert: Tiger Lou
Ort: Circus Maximus, Koblenz
Datum: 20.04.2009
Zuschauer: vielleicht 200
Dauer: Tiger Lou 75 min, Muxika77 knapp 30 min


Zweimal Tiger Lou (mit gleichem Programm) innerhalb von zwei Tagen. Kann das gut gehen? Es konnte - und wie! Ich hatte sogar noch etwas mehr Spaß als gestern in Köln. Die schwedische Band war musikalisch mindestens genauso gut, das Publikum lustiger (die Tröte!). Und der Circus Maximus ist der erste Club, in dem es bei Wärme draußen eher zu kühl als fies warm ist.

Aber genau erzähle ich das in Kürze!

Setlist Tiger Lou, Koblenz, Circus Maximus:

01: Sam as in Samantha
02: Sell out
03: Functions
04: Trails of spit
05: Coalitions
06: Albino apparel
07: An atlas of those our own
08: The more you give
09: The less you have to carry
10: Oh Horacio
11: Warmth
12: The loyal
13: Nixon
14: Like my very own blood

15: Until I was there (Z)
16: Crushed by a crowd (Z)
17: All I have (Z)

Links:

- Tiger Lou gestern in Köln (5 cm weiter unten)

- Tiger Lou am 06.12.08 in der Werkstatt in Köln

Tiger Lou, Köln, 19.04.09

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Konzert: Tiger Lou
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.04.2009
Zuschauer: ca. 350
Dauer: Tiger Lou ca. 80 min, Muxika77 35 min


Als Tiger Lou zuletzt in Köln waren, sagten sie zur Überraschung vieler Besucher gleich zu Beginn, daß sie ihr Album A partial print spielen wollten. Da die meisten die neue Platte da noch nicht kannten, war so mancher hinterher ein wenig sauer. Mir gefiel das Album und der Abend, nur waren so entsetzlich viele Leute da, daß trotz der guten Musik das Konzert schwer zu ertragen war.

Im Gebäude 9 war es voll - aber nicht überfüllt. Vielleicht hatte der Mottoabend im Dezember abgeschreckt. Man konnte jedenfalls angenehm stehen.

Wie üblich begann die Vorgruppe gegen neun. Um zwei nach neun stellte ich aber fest, daß das nichts für mich war. Muxika77 kommen aus Småland in Schweden und spielen so eine Art schwedischer Version von Americana-Country-Folk. Allerdings sprach Sänger-Zottel Johan Krantz dauernd von ihren Punk-Songs. Für mich hörte es sich nach 35 Minuten Variationen über Blue Hotel von Chris Isaak an, schwere Kost also!

Bei Tiger Lou wußte ich ja, was mich erwartete - und sie enttäuschten ganz und gar nicht.

Es begann mit einer Überraschung. Auftakt war nämlich Sam as in Samantha von der 2003er EP Trouble and desire. Und danach folgte - als hätten sie die Reaktionen auf die Werkstatt mitbekommen - eine ausgewogene Mischung von Songs der drei Alben. So ausgewogen sogar, daß mehr Stücke von The loyal, der zweiten Platte, gespielt wurden.

Tiger Lou ist eine dieser Bands, deren Songstrukturen ordentlich komplex sind. Rhythmus, Tempo und Melodie wechseln immer wieder. Und meist kommen die
Lieder an eine Stelle, an der alle Musiker richtig Krach machen. Dann wird es bei Tiger Lou Konzerten besonders sehenswert, denn die vier Begleiter des Sängers (die ja eigentlich nur Tourmusiker sind) wackeln und zappeln bei diesen Instrumental-Schrammel-Parts herrlich über die Bühne. Mein Liebling war der glatzköpfige Bassist, der kaum einen Moment still stehen konnte, grundsätzlich wippte und hüpfte - großartig!

Auch der Bandleader hüpfte dauernd, kein Wunder also, daß sein schwarzes (und sehr enges) Hemd schnell klatschnass war. Nicht nur seine Kleidung zeigte Spuren; schon nach dem zweiten Stück war Karl Rasmus Kellerman vollkommen außer Atem. Hier wurde richtig hart körperlich gearbeitet, um uns einen gelungenen Konzertabend zu bieten...

Die erste Stunde des Konzerts war wirklich ganz ausgezeichnet, musikalisch wertvoll und sehr unterhaltsam. Der netteste Moment folgte dann aber nach dem regulären Programm. Der Sänger kam nämlich nach einigem Applaus zuerst alleine zurück und bat uns um einen Gefallen. Seine Schwester Jenny habe zwei Tage vorher in Durban geheiratet. Die ganze Familie sei aus Schweden nach Südafrika gereist. Nur er habe
wegen der Tour mit seiner anderen Familie in Europa bleiben müssen. Rasmus bat uns, Jenny zu gratulieren. Mit anderen Videoaufnahmen sollte daraus eine Grußbotschaft gemacht werden. Und dann spielte der Sänger Jennys Lieblingslied, das ich nicht kannte, das aber auch seine Band noch nicht gehört hatte. Schade, denn Jennys Lied war sehr sehr schön! Wie viele Kellermans spielt übrigens auch Jenny in einer Band - sie ist Sängerin von Pretty In Panic.

Drei weitere Zugaben später war Schluß. Tiger Lou hatten 80 Minuten gespielt - und das ohne einen Funken von Enttäuschung! Ein großartiger Konzertabend mit einer fantastischen Band!

Setlist Tiger Lou, Köln, Gebäude 9:

01: Sam as in Samantha
02: Sell out
03: Functions
04: Trails of spit
05: Coalitions
06: Albino apparel
07: An atlas of those our own
08: The more you give
09: The less you have to carry
10: Oh Horacio
11: Warmth
12: The loyal
13: Nixon
14: Like my very own blood

15: ? (Karl Rasmus Kellermann solo) (Z)
16: Until I was there (Z)
17: Crushed by a crowd (Z)
18: All I have (Z)

Links:

- Tiger Lou am 06.12.08 in der Werkstatt in Köln
- mehr Fotos aus dem Gebäude 9




Sonntag, 7. Dezember 2008

Tiger Lou, Köln, 06.12.08

2 Kommentare

Konzert:Tiger Lou
Ort: Werkstatt, Köln
Datum: 06.12.2008
Zuschauer: gut 400 (ausverkauft)
Dauer: ca. 75 min


Eine Premiere für mich, in der Wekstatt, dem jüngsten Konzertort für solche Bands, die wir hier mögen, in Köln, war ich bisher noch nicht. Und ich war sehr angenehm überrascht, denn die Halle in einem Gewerbegebiet in Flaschenwurfreichweite von Underground und Live Music Hall, gefiel mir sehr gut. Sie wirkt luftig, hat eine sehr schöne Bühne und das mit Abstand tollste Konzertlicht in Köln!

Weil die Nachfrage nach Tiger Lou erstaunlicherweise wahnsinnig hoch war, hatte man sogar im anderen Saal der Werkstatt ein Public Viewing für Tiger Lou eingerichtet. Mich hatte extrem überrascht, daß die Schweden so gut ankommen, ich hatte sie ja auch noch nicht gesehen. Das aktuelle Album der Band (A partial print) ist eine meiner Lieblingsplatten des Jahres - aber ein ausverkauftes Konzert...?

Vor Tiger Lou spielten Atlantic/Pacific, eine Band bestehend aus Garrett Klahn (Texas Is The Reason, Solea), Sergie Loobkoff (Solea, Samiam) und John Herguth (House & Parish), die mit drei Gitarren akustisch ein paar neue Lieder und einige Hits ihrer alten Bands spielten. Da ich die Musik ihrer "lauten" Bands bislang nicht kenne, waren auch die akustischen Versionen neu. Es waren ruhige Gitarrensongs, die teilweise von üblem Boxenknacken begleitet wurden.

Schlimmer waren aber unsere Plätze. Weil wir am Rand standen, hatte wir zumindest an einer Seite Ruhe. An der anderen wurde es immer enger, so daß man sich schließlich gar nicht mehr rühren konnte, selbst Klatschen ging irgendwann nicht mehr. Dazu hatten die Lüftungsrohre eher dekorativen Wert, es war unerträglich stickig.

Ich dachte schon, daß mir das das Konzert von Tiger Lou vollkommen verderben würde. Nach 45 Minuten Atlantic/Pacific und Umbaupause - und den ersten Minuten Tiger Lou - war das aber irgendwo auszublenden, denn ein gutes Stück der widrigen Umstände spülte die Brillanz der Band locker weg. Hätte das ganze in einer angenehmeren Umgebung stattgefunden, stünde der Abend herausragenden Konzerten von The National, Interpol oder den Editors in nichts nach.

Nach Trust falls bestätigte Sänger Karl Rasmus Kellerman, daß sie heute ihre aktuelle Platte von Anfang bis Ende spielten. Das muß nicht immer eine gute Idee sein, wenn eine CD Längen hat. A partial print hat aber keine. Also perfekt, daß sie das alles spielen wollten!

Tiger Lou bestehen im Studio ausschließlich aus Karl Rasmus. Live hatte er Unterstüzung dabei (es wäre ja auch ein wenig unpraktikabel, alle Instrumente auf der Bühne selbst zu spielen). Die Unterstützung bestand aus Schlagzeuger, zwei Gitarristen (einer spielte aber meist Keyboard - aus Gründen des Satzbaus nenne ich ihn Gitarristen) und einem Bassisten (auch mit Keyboard). Karl Rasmus stand nicht etwa in der Mitte, er hatte sich links aufgebaut.

Dadurch, daß das Album gespielt wurde, hatte man schöne Vergleichmöglichkeiten. Mir gefiel vor allem, daß eine ordentliche Portion Härte live dazukam. Die drei Gitarren hörten sich meist enorm kräftig an. Den hochmelodiösen Stücken gab das den letzten Kick. Vielen Lieder, nicht nur das abschließende A partial print, endeten in wildem Gitarrengeschrammel.

Nachdem das Album durchgespielt war erschienen Tiger Lou zu vier Zugaben von den beiden ersten Platten. Dabei waren The war between us, zu dem Karls Frau Andrea (Firefox AK) die zweite Stimme sang (mit einer anderen Frau hatte sie vorher schon einmal background gesungen) und The loyal besonders toll!

Ein wahnsinnig gutes Konzert! Die Band kommt im Frühling wieder nach Deutschland, eine Pflichtveranstaltung, komme was wolle!

Wahnsinng gute Konzerte verdienen ausführlichere Berichte. Das funktioniert bei mir aber gerade nicht (vielleicht kann man hier Montag nachlesen, warum). Aber mehr folgt sicherlich noch im Laufe der Woche! Die Botschaft ist aber wohl rübergekommen. Ansonsten:

Tiger Lou -> großartig -> live noch besser -> bald wieder auf Tour -> hingehen!

Setlist Tiger Lou, Werkstatt, Köln:

(01: The more you give)

02: The less you have to carry
03: So demure
04: Trust falls
05: An atlas of those our own
06: Odessa
07: Trails of spit
08: Coalitions
09: Crushed by a crowd
10: A partial print

11: The war between us (Z)
12: Nixon (Z)
13: The wake / Hooray hooray (Z)
14: The loyal (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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