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Sonntag, 6. März 2016

Phillip Boa and the Voodooclub, Koblenz, 04.03.16

1 Kommentare

Konzert: Phillip Boa and the Voodooclub
Ort: Café Hahn, Koblenz
Datum: 04.03.2016
Dauer: Phillip Boa gut 110 min, Emily's Giant 30 min
Zuschauer: 450 (ausverkauft)

 

Ich höre auch heute noch erschreckend viele Bands, die ich mit 18 schon mochte. Es kommen zwar mit den Jahren immer wieder neue Künstler dazu, die irgendwann meine Lieblinge werden, ganz viele der Guppen, die ich Ende der 80er kennengelernt habe, sind aber auch heute noch da. Bei manchen dieser Bands weiß ich nicht mehr, wo ich sie aufgeschnappt habe. Woher kannte ich Lush, bevor wir Kabelfernsehen hatten? Ich weiß es nicht mehr. Beim Großteil meiner damaligen (=heutigen) Lieblinge weiß ich das aber noch sehr genau, die lernte ich in einer düsteren Koblenzer Indiedisco kennen. Das Logo und dessen DJs in dem Kasten hinten rechts hinter der Tanzfläche haben mir die Violent Femmes, New Model Army, Lene Lovich, Wall Of Voodoo, den Gun Club, die Dead Kennedys, Cassandra Complex, die Primitives und all die anderen vorgestellt. Und jeden Abend lief Kill your ideals von Phillip Boa.


Phillip Boa und seinen Voodooclub habe ich damals ein paar Mal gesehen. Eines der Konzerte beim Bizarre Festival auf der Loreley wird mir immer in Erinnerung bleiben. Boa, der damals irre arrogant war, brüllte ununterbrochen "Phillip Boa ist ein Arschloch" und trat mit seinen Springerstiefeln volle Hansa-Pils-Dosen ins Publikum. Den Satz mit dem Arschloch nahmen wir ihm alle ab.


Auf dem Weg ins Café Hahn überlegten wir, wie viele der 18 Studioalben wir kennen. Ich bin nicht sicher, ob ich God (1994) noch hatte oder bei Boaphenia ausgestiegen war. Das 2014er Album Bleach house hatte ich wieder gekauft, die mindestens acht dazwischen nicht.

2011 hatte ich Phillip Boa schon einmal im Café Hahn gesehen. Damals standen Boas Alben Helios und Boaphenia auf dem Programm. Daß bei dieser Tour schwerpunktmäßig Songs von Aristocracie (1986) gespielt werden sollten, habe ich erst nach dem Konzert erfahren. Ich hätte es auch nicht bemerkt, es gab zwar eine Phase mit vier Liedern des Albums nacheinander, das Konzert war aber ein Best-of-Abend - oder journalistisch korrekter eine Werkschau. 

Natürlich sind in meinen Ohren die alten Lieblinge die großen Hits des Sängers, der die gleiche Frisur wie Ende der 80er Jahre trägt (und auch sonst erstaunlich gut gealtert ist). Aber auch von den Lieblingen hatte ich einige wieder vergessen. Boa hat unendlich viele Hits. Trotz meiner musikalischen Ewig-Gestrigkeit war die Erkenntnis des Abends, daß aber eben auch die jüngeren Boa-Stücke sehr gut sind und mir mit den fehlenden acht Alben scheinbar eine ganze Menge guter Musik entgangen ist.

Die weibliche Stimme in Boas Band ist seit einiger Zeit Pris. 2011 war noch Pia Lund dabei, bei meinem letzten Konzert 2014 bereits Pris. Pris' Stimme passt sehr gut und erfordert keine Umgewöhnung. Beim ruhigen Anfang von Container love hörte sich die Stimme ein wenig piepsig an, sobald es lauter wurde, war alles wieder perfekt. Es war sicher nicht leicht, einen Ersatz für Langzeit-Sängerin Pia zu finden, Pris ist eine gute Wahl. Auch ihre blonde 80er-Jahre Kurzhaar-Frisur passt gut zur Musik dieser Zeit. Der Rest der Band sind ein Gitarrist und ein Bassist, ein Schlagzeuger und die schillerndste Person auf der Bühne, der sonnenbebrillte Keyboarder und Percussionist Detlef Götte (der - Indietrivia - Komponist der Hymne von Borussia Dortmund ist). Götte trommelte unter anderem auf einem Bierfass, das in sein Schlagzeug integriert war! 


Besonders viel sprach Phillip Boa nicht bei diesem Tourauftakt. Ich meine, daß auch mein Konzert 2011 das erste einer Tour war. Koblenz scheint ohnehin eine Rolle im Leben des Dortmunders zu spielen. Auch sein Merch-Vertrieb sitzt dort, erfuhr ich, als ich nach dem Konzert ein paar Plattenlücken im Online-Shop geschlossen habe.

Wenn Boa Dinge ansagte, verstand ich nicht immer alles, weil wir in einer Ecke schon fast backstage standen. Die Aristocracy Stücke sagte der Sänger an. Als er nach Atlantic Claire, das nur Pris singt, wieder auf die Bühne kam, quittierte er den Applaus mit einem "Danke", lachte dann, als im einfiel, daß er ja bei dem Lied Pause hatte, und schob "ey, ist meine Band" hinterher! Am komischsten war Phillip aber, als er bei And then she kissed her erst spät wieder auf die Bühne kam, einen Schluck aus einer neuen Weinflasche nahm und etwas angeekelt oder wenigstens verwundert aufs Etikett guckte. Koblenz bedeutet eben auch Mosel.

Auch wenn ich Bands mit zwei Schlagzeugen mag, waren die langen Blue-Man-Group-Soli das eine Haar in der Suppe. Bei Boy scout war das schrecklich lang...

Besonders gut dagegen gefiel mir die alternative Deep in velvet Version. Auf Platte sei eine, die er nicht möge. Die abgespeckte auf dieser Tour war sehr schön! 


Die Zugaben (zweimal drei) eröffnete Boa mit der Ankündigung, es folge "etwas Verstörendes, danach kommt die Erlösung!" Das waren Ernest 2 und die Erlösungen Container love, Diana, This is Michael und Kill your ideals.

Vermutlich hätte ich Anfang der 90er Jahre nicht gedacht, 25 Jahre später auch noch zu Phillip Boa Konzerten zu gehen. Aber wenn es doch so gut ist, wäre ich ja doof, das zu lassen.

Setlist Phillip Boa and the Voodooclub, Café Hahn, Koblenz:

01: Kill the future
02: Annie flies the lovebomber
03: Get terminated
04: Fine art in silver
05: Til the day we are both forgotten
06: Love on sale
07: The one who howls at the moon
08: For what bastards
09: Don't pull my whole life away
10: Boy scout
11: I dedicate my soul to you
12: Deep in velvet
13: Sunny when it rains
14: Atlantic Claire
15: Albert is a headbanger
16: Loyalty
17: Bells of sweetness
18: And then she kissed her

19: Ernest 2 (Z)
20: Container love (Z)
21: Diana (Z)

22: Standing blinded on the rooftops (Z)
23: This is Michael (Z)
24: Kill your ideals (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Phillip Boa And The Voodooclub, Mainz, 06.11.14
- Phillip Boa And The Voodooclub, Koblenz, 10.03.11



Freitag, 17. April 2015

Lene Lovich, Koblenz, 16.04.15

3 Kommentare

Konzert: Lene Lovich
Ort: Circus Maximus, Koblenz
Datum: 16.04.2015
Dauer: Lene Lovich gut 80 min, Kirsten Morrison 30 min
Zuschauer: 35 bis 40



"Du bist doch viel zu jung, um die zu kennen," war die Standard-Antwort meines Plattenverkäufers, als ich mit 17, 18 immer wieder nach gebrauchten Lene Lovich Singles gefragt habe. "Ich die habe Ende der 70er Jahre im Wartesaal gesehen."

Daß ich die Punk-Sängerin selbst einmal sehen würde, hatte ich schon lange aufgegeben. Ihre Comeback-Platte Shadows and dust, die 2005 erschien (16 Jahre nach dem Vorgänger March), hatte ich nicht mitbekommen, daß die Künstlerin überhaupt nach 1989 wieder aktiv geworden war, auch nicht. Vor ein paar Monaten habe ich Lene Lovich ergoogelt und gleich Konzerttermine in Deutschland entdeckt. Verrückt!

Daß einer der Konzertorte in Deutschland ausgerechnet in Koblenz stattfand, war vermutlich kein echter Zufall. Ende der 80er, Anfang der 90er liefen ein paar ihrer Lieder regelmäßig in der Koblenzer Indiedisco Logo. Ob die damalige Strahlkraft von Hits wie Bird song oder Lucky number ausreichen würden, 25 Jahre später den Circus Maximus zu füllen, konnte ich nicht einschätzen. In dem kleinen Club in der Innenstadt finden immerhin ab und zu Disco-Logo-Nostalgieparties statt. Als um halb neun das Vorprogramm begann, waren gut 30 Zuschauer da. Eine Stunde später, als Lene Lovich auftrat, waren es eine Handvoll mehr. Der Großteil des Publikums war aber viel zu jung, um Lene Lovich von früher zu kennen. Also so wie ich damals im Kölner Plattenladen.


Supportet wurde Lene Lovich von ihrer Keyboarderin Kirsten Morrison, die schon einmal so extravagant aussah, wie ich mir ihre Chefin auch vorgestellt hatte. Sie trug ein goldenes Krönchen.

Kirstens Begleitmusik kam von Band, dazu spielte sie Zither und Geige und sang mit offenbar ausgebildeter operesquer Stimme. Die Texte ihrer Stücke schienen alle Gedichten großer Poeten entliehen zu sein. Je flotter die Lieder, desto besser. Marie Antoinette gefiel mir am besten. Kirsten Morrison bescherte uns ein kurzweiliges Vorprogramm und mir die ersten von vielen Dresden Dolls Assoziationen.

Setlist Kirsten Morrison, Circus Maximus, Koblenz:

01: She walks in beauty
02: Still do you leave me
03: Marie Antoinette
04: Alchemy of love
05: Kubla Khan
06: Siren song
07: Bal des pendus



Neben Kirsten, die sich hinters Keyboard stellte, kamen kurz nach halb zehn ein glatzköpfiger Schlagzeuger (Morgan King), eine in einem kupferfarbenen Skioverall aus den 80ern gesteckte Bassistin (namens Valkyrie) und ein blondierter Gitarrist (Jude Rawlins) mit auf die Bühne. Lene Lovich erschien etwas später. Ihr Gesicht war erst noch weitestgehend von einer Art Spitzenturban verhüllt. Erst nach dem ersten Lied fiel der. Die Haare waren danach aber kaum weniger ungewöhnlich, weit jenseits meiner Fähigkeit, das zu beschreiben.



Ich hatte keine Ahnung, was mich musikalisch erwarten würde. Ich war aber auf Schlimmstes gefasst. Das erste Stück What will I do without you war bevor Lenes Stimme einsetzte nicht schlimm, es war aber lahmer und weniger zackig als auf Platte. Zumindest sagte mir das meine Erinnerung. Danach setzte die Stimme ein, die verblüffend eindruckvoll war und die die leichten Bedenken wegen des lahmeren Tempos wegpustete! 


Vierzig Minuten später hatten Lene und ihre Band Hit für Hit gespielt. Viele hatte ich seit Jahr(zehnt)en nicht mehr gehört. Aber alle waren wundervoll! Lenes Stimme überzeugte vollkommen. Sie bekam all die kleinen Zwischentöne perfekt hin. Ob sie 1979 so gut geklungen hat, weiß ich nicht. Aber besser kann die Stimme eigentlich gewesen sein. Lediglich der Anfang des Bird songs, dieses besonders hohe Zeugs, klang anders als auf den Aufnahmen. Aber ich gehe davon aus, daß sie das auch früher nur im Studio so hinbekam.

Erst die letzten Titel kannte ich nicht (bei Maria dachte ich das auch, das stammt aber noch aus einer Phase, die ich verfolgt habe). The wicked witch und Light stammen von 2005er Album. The wicked witch gefiel mir recht gut, Light blieb nicht hängen.

Auch wenn da natürlich eine ganze Menge Nostalgie im Spiel war, überzeugte mich das Konzert musikalisch vollkommen. Es war eben nicht nur nicht die erwartete Katastrophe, es war sehr gut. Ob Lenes Songs heute zeitgemäß klingen oder nicht, ist mir da vollkommen egal. 


Neben der Musik beeindruckte mich, wie professionell die Sängerin mit dem überschaubaren Publikum umging. Am Anfang bei It's you, only you zeigte sie beim ersten "mein Schmerz" in den Zuschauersaal. Aber das war vermutlich eine Überinterpretation, das auf den miesen Besuch zu beziehen. Denn ansonsten schien die 1949 geborene Sängerin ausgezeichnet gelaunt zu sein. Sie tanzte über die Bühne, bewegte sich cabaretartig, sang mal den und mal den an. Man durfte sich aber nicht von der auffälligen Sängerin ablenken lassen, die größte Unterhaltung fand rechts von ihr statt. Bassistin Valkyrie hat nicht nur den besten Künstlernamen und das beste Bühnenoutfit, sie hüpfte auch immer wieder lustig in die Luft. Und sah dazu dann aus wie die russischen Agentinnen in Spione wie wir - großartig!



Nach einstündigem Konzert kam die Band für drei Zugaben zurück. Das erste Stück ("das einzige romantische Lied") machte erst Probleme. Das Keyboard klappte nicht. "Can you please imagine the keyboard?!" - und schwupps, es funktionierte wieder. "It's magic!" Too tender too touch hatte ich auch vergessen, es war aber sagenhaft schön (war es auch früher). Details kannte ich auch nicht mehr, es war damals die B-Seite von Blue Hotel. Beendet wurde der Auftritt von Home, einem der vielen Knüllersongs.

Wow, wie toll! Im Moment habe ich wirklich Glück mit alten Helden die ich jahrzehntespäter erstmals live sehe (The Darling Buds...). Wird langsam Zeit für Elastica und die Primitives.

Setlist Lene Lovich, Circus Maximus, Koblenz:

01: What will I do without you?
02: Blue Hotel
03: It's you, only you (Mein Schmerz) 
04: Maria
05: You can't kill me
06: The freeze
07: Bird song
08: New toy
09: Lucky number
10: Say when
11: Rocky road
12: The wicked witch
13: Light

14: Too tender too touch (Z)
15: Details (Z)
16: Home (Z)




Donnerstag, 23. August 2012

Bloc Party, Koblenz, 23.08.12

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Konzert: Bloc Party
Ort: Circus Maximus, Koblenz
Datum: 23.08.2012
Zuschauer: 250 (ausverkauft)
Dauer: 70 min



Bloc Party haben wieder Spaß an ihrem Job. Sänger Kele Okereke strahlte den ganzen Abend und schien das kleine, von einem Radiosender organisierte Konzert im Koblenzer Circus Maximus sehr zu genießen. Als es um zehn nach neun eigentlich losgehen sollte, wollte Schlagzeuger Matt Tong noch Korrekturen an den Snares vornehmen. "Come on! It's a rock show!" gab Kele zurück.

Die Band, die 2005 mit Silent Alarm eines der wichtigsten Alben der letzten 20 Jahre veröffentlicht hat, hatte sich spätestens mit ihrer dritten Platte Intimacy (2008) auseinander gelebt. Dem Frontmann konnte damals nichts elektronisch und experimentell genug sein, der Rest der Band sah einen anderen Weg. Man einigte sich auf eine Auszeit, betrieb eigene Projekte. Ich war vor zwei Jahren sehr sicher, daß die einstigen Lieblinge sich irgendwann ganz diskret auflösen würden, empfand das auch nicht mehr als schrecklich schlimm, weil Intimacy auch für mich ein - um es sehr vorsichtig auszudrücken - schwieriges Album ist. Freunde rieten mir zwar, mich von den beiden ersten Liedern Ares und Mercury nicht abschrecken zu lassen, danach werde es hörbarer, wirklich oft hielt ich dies aber nicht durch. Ich bin musikalisch einfach gestrickt und wechselte dann lieber zu bewährten alten Freunden wie Banquet.


Bloc Party fanden aber wieder zusammen und schrieben eine neue Platte, die nachher erscheinen wird. Four ist vor allem mit Gitarren instrumentiert und verläßt die elektronischen Wege, die ich ungerne weiter mitgegangen wäre. Wie praktisch, daß genau im richtigen Moment die Möglichkeit bestand, die neuen Stücke live kennenzulernen, das Album kenne ich nämlich nur teilweise.

Ein Radiosender hatte die Band zum "kleinsten Konzert der Welt" nach Koblenz eingeladen. Ich höre nur den Indie-Deutschlandfunk oder Plan B bei Einslive, kenne das Programm von Big.fm daher nicht. In der normalen Radiolandschaft scheinen Konzerte jedenfalls nur diese Dinger Rihanna aufwärts zu sein, etwas ganz anderes also als die Auftritte, die ich oft sehe (vor einer Handvoll Leute). Aber es war ganz sicher die kleinstmögliche Chance die Briten zu erleben, die ich zuletzt vor 5.000 Zuschauern im Kölner Palladium gesehen hatte. 250 Leute waren in dem kleinen Kellerclub, den wir eine Ecke größer in Erinnerung hatten. 250 Leute bei Bloc Party! Die Tickets für dieses Konzert hatte man nur gewinnen können, umso erstaunlicher, daß wenige zufällige Besucher und viele Fans da waren, ein ganz anderes Publikum also, als zu erwarten gewesen wäre.

Drinnen bemerkte man die Enge des Raums fast überall. Der riesige Truck vor dem Club war wohl randvoll gewesen, an allen Wänden standen Gitarren, Kisten, Geräte. Wir stellten uns links auf, weil ich Bassist Gordon bei unserem Interview am Nachmittag eine der von ihm gestalteten Becks Flaschen versprochen hatte (die Brauerei hatte es nicht geschafft, ihm ein paar Belegexemplare zukommen zu lassen). Natürlich habe ich mich nicht getraut, sie am Wellenbrecher vorbei auf der Bühne abzustellen, die nette Roadie-Frau übernahm das dann aber, nachdem sie die Flasche bewundert hatte. Wir wurden später Konzertnachbarn, sie stand nämlich immer wieder direkt neben mir und stimmte Gordons Bässe während des Konzerts. Ich stand an einer auf den Boden geklebten Linie und sie auf der anderen Seite im aufgemalten Backstage Bereich!

So he begins to lie vom neuen Album eröffnete das Konzert. [Damit fange ich an der Stelle an, an der es ein guter Abend wurde. Vorher hatte eine Animateurin namens Jenny, die ihr Handwerk auf einer der dämlichen Mittelmeerinseln mit schönem Hinterland gelernt hat, die Stimmung zum Überkochen gebracht, indem sie uns ausflippen ließ und immer wieder betonte, wie geil doch "Bloc Pahhdy" (in diesem Rap-Hanseatisch) seien. Sie erklärte noch, warum Bloc Pahhdy keine Zugaben spielen würden und wie nett doch ihr Interview mit Gordon gewesen sei (wir hatten seine Laune mit einem kleinen Geschenk verbessert, sie bekam die dann ab) und daß der Bassist ihr seine zehn Lieblingslieder genannt habe, die sie auf Big.fm spielen werde. "Das sind alles wilde Sachen, die wir sonst nicht im Programm haben. Nirvana und so." Hui!]. So he begins to lie also... Es fällt mir noch schwer, richtig viel zu den neuen Liedern zu sagen, weil ich bisher nur Schnippsel auf der Band-Homepage gehört habe. So he begins to lie hat noch einen langsamen Grundton aber schon die krachenden Gitarrenwände, die typisch für Four zu sein scheinen. Einfache Faustregel heute: wenn ich ein Lied nicht kannte, und es viele Gitarren hatte, war es neu. Unbekannt und keine Gitarrenwände bedeutete drittes Album.

Die vorab ausgekoppelte Single Octopus folgte und punktete. Beim ersten Hören hatte mich das Stück noch gelangweilt, es gewinnt aber immer mehr an Fahrt und hat mich heute überzeugt! Und es war ein schöner Einstieg in eine grandiose Phase des Konzerts. Hunting for witches, das alles überragende Positive tension, dann die kurze Metal-Einlage Kettling (so jedenfalls stelle ich mir Metal vor), bevor mit Song for Clay und Banquet ein Doppellied folgte, also beide Stücke ohne Pause nacheinander mit einem phänomenal guten Übergang!

Gegen diese erste Konzerthälfte kam der Rest nicht richtig an. Das war allerdings auch nicht mehr nötig, weil alle Claims abgesteckt waren. Der Saal war mittlerweile trotz Klimaanlage mollig warm, der immer noch breit grinsende Sänger kaum auf seinem Platz zu halten und das Publikum verzückt. Nach Song for Clay / Banquet (sensationell: Gordons Zweitstimme bei Song for Clay!) konnte eben keine musikalische Steigerung mehr kommen, das Konzert ging damit aber souverän und stilvoll um und verflachte nicht etwa.

Die zweite Hälfte enthielt aber auch mit Flux und One more chance die beiden schwächsten Lieder des Abends, dafür aber den Knüller This modern love und die beiden Neulinge Day4 und Team A, zu denen ich noch nicht viel sagen kann. Musikalisch waren die größten Knüller schon gespielt, also war es Zeit für Ausflüge. Kele hatte irgendwann gesehen, daß an der Rückwand ein Transparent des veranstaltenden Radiosenders hing. Er mochte das nicht, riss es ab, nahm es und ging zur Überraschung seiner hektisch werdenden Roadies und Soundleute auf Tour durch den winzigen Club. Bisher hatten seine Wanderungen am Wellenbrecher geendet, jetzt lockte die Bar. Dort zeigte er auf seinen Wunschschnaps, ließ sich den reichen und nahm eine ordentliche Portion - und grinste noch mehr.

Spätestens als die Band nach Flux (und damit vor Helicopter) die Bühne verließ, war klar, daß Pahdy-Jenny schlecht informiert war, es würde selbstverständlich Zugaben geben. Truth von Four ist wieder eines der ruhigeren Lieder, das wollten die Engländer aber so nicht stehen lassen und drehten die Lautstärke noch einmal kräftig auf. So laut, daß ich trotz meiner Ohrstöpsel ein Rauschen als Erinnerung mitgenommen habe - und leider auch so laut, daß Helicopter stark übersteuert war. Aber auch dieses leicht verpatzte Ende konnte nichts daran ändern, daß wir nicht nur ein sehr exklusives sondern auch ein sehr sehr gutes Konzert gesehen hatten.

Bloc Party waren 2005 eine der Bands, die mir wieder Spaß an Musik gebracht haben. Sie haben einen großen Anteil an der Konzertleidenschaft (um auch das zurückhaltend auszudrücken), die zu dieser Seite führte. Daher erschreckte mich in den letzten Tagen die Erkenntnis, daß sie mir in den letzten ein, zwei Jahren egal geworden waren, etwas das ihre Zeitgenossen Franz Ferdinand mir ebenso beschert hatten. Aber wie vor ein paar Monaten die Schotten haben auch Bloc Party 'tschuldigung Paahdy sich mit einem Konzert wieder zurückgespielt. Die Band hatte riesigen Spaß, wir hatten riesigen Spaß und auf die Platte nachher freue ich mich!

Ein wirklich toller Konzertabend, dabei hätte so vieles ihn versauen können. Schön, daß ihr wieder da seid, Bloc Party!

Setlist Bloc Party, Circus Maximus, Koblenz:

01: So he begins to lie
02: Octopus
03: Hunting for witches
04: Positive tension
05: Kettling
06: Song for Clay
07: Banquet
08: Day 4
09: Team A
10: One more chance
11: This modern love
12: Ares
13: Flux

14: Truth (Z)
15: Helicopter (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Bloc Party, Paris, 28.08.09
- Bloc Party, Highfield, 15.08.08
- Bloc Party, Köln, 08.05.07
- Bloc Party, Paris, 27.04.07

Interview mit Gordon in den nächsten Tagen!



Donnerstag, 15. September 2011

The Subways, Koblenz, 15.09.11

4 Kommentare

Konzert: The Subways (Telekom Street Gigs)
Ort: Fort Asterstein, Koblenz
Datum: 15.09.2011
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: 65 min


Mit den Subways fing hier alles an: unseren ersten Bericht schrieben wir vor knapp fünf Jahren über einen Auftritt der Engländer in einem absurden Club in Duisburg. Seitdem sehen wir (bzw. ich) uns die drei Briten immer wieder an, weil ihre Shows wild und punkig sind und enorm viel Spaß machen.

Vor ein paar Wochen sah ich eine Fernsehwerbung, die einen Telekom Street Gig mit den Subways in einem Fort Asterstein in Koblenz ankündigte. Obwohl ich mich in Koblenz etwas auskenne, hatte ich von diesem Teil der preußischen Befestigungsanlage der Garnisonsstadt noch nie gehört. Das Fort - glaubt man der hübschen aber wenig ausführlichen Homepage seines Fördervereins - war auch viele Jahre aus dem Koblenzer Bewußtsein quasi verschwunden. Welcher Glücksfall jetzt schuld daran war, daß ein aufmerksamer Eventscout das Fort für diesen Abend entdeckte, weiß ich nicht, jedenfalls bescherte der uns einen der schönsten Konzertorte, in dem ich seit langem war.

Fort Asterstein ist eine Baustelle, Schilder am Eingang wiesen darauf hin, daß der Eintritt auf eigenes Risiko erfolge. Der runde Bau erinnert vage an ein römisches Amphitheater oder eine Stierkampfarena.

Solche von einem Unternehmen organisierten Veranstaltungen sind in der Regel ja eines nicht: dezent. Das Fort und alles Drumherum war hier allerdings zurückhaltend vom Sponsoren dekoriert. Die magentafarbene Beleuchtung der Rundbögen und Fenster zum Innenraum und einige wenige Werbeschilder störten wirklich nicht, der Veranstalter hatte viel Geld in die Hand genommen (u.a. für die Zeltkonstruktion Modell Sony-Center, die Regenschutz bieten sollte), dieses aber sehr stilvoll eingesetzt. So kann man das durchaus machen!

Auch mit der Auswahl der Band konnte man nichts falsch machen. Vor fünf Jahren, als ihr erstes Album erschien, haben sich Billy, Charlotte und Josh durch intensives Touren in Deutschland eine feste Fanbasis erspielt, die bis heute existiert.Während andere Bands dieser Generation sich die kleiner werdenden Säle schönreden müssen, werden die Spielstätten bei den Engländern größer. Im Oktober spielen sie zum Beispiel im Capitol in Offenbach (da war Morrissey) oder im Kölner E-Werk. Irgendetwas scheinen die drei also richtig zu machen. Dabei scheinen die Bedingungen auch für sie nicht leichter geworden zu sein, denn offenbar fehlte für die Produktion des neuen Albums Geld. Die Subways nutzen dafür Pledgemusic, einen fabelhaften Service, der es Bands ermöglicht, Geld für Projekte bei Fans einzusammeln. Die Finanzierer zahlen den Preis für die Platte vorab (bzw. an dem Zeitpunkt, an dem genug Geld zusammen ist). Im Gegenzug erhalten sie die Platte vorab, können aber auch gegen Aufpreis Besonderheiten kaufen, die Instrumente der Band, Privatkonzerte beispielsweise. Die Subways informierten mit Videos und mails regelmäßig über den Stand der Produktion, so erzeugt man echte Fannähe!

Da ich das Album so mitpro... äh finanziert habe, bekam ich gestern den Download-Link zur Platte. Vor dem Konzert hatte ich aber nicht mehr Gelegenheit, es komplett zu hören.

Nach zwei Vorgruppen (Vierkanttretlager bekam ich nur noch am Ende mit, The Toyotas aus Wuppertal spielten trockenen 77er Punk) begannen die Subways um acht Uhr - und es war gleich wieder, wie bei meinen letzten Konzerten mit ihnen vor zweieinhalb Jahren (das ging so weit in Detail, daß Charlotte sogar das gleiche Glitzerkleid anhatte). Wenn Bassistin Charlotte und Gitarrist Billy nicht singen, hüpfen sie von rechts nach links über die Bühne, klettern auf Joshs Schlagzeug, springen runter - und legen dabei vermutlich mehr Kilometer zurück als mancher Fußballer während eines Spiels.

Der Start bestand aus Stücken aus den beiden ersten Alben. Nach Mary (Billys Mutter, der er das Lied widmete, sie sehe dem Livestream zu) spielten die Subways
das erste Lied vom neuen Album. We don't need money to have a good time könnte auch von der zweiten Platte All or nothing stammen, es ist kein Überlied wie die Gassenhauer vom Debüt, aber wirklich nicht verkehrt. Das zweite, kurz später, Money dagegen war nicht schrecklich spannend. Vermutlich befürchtete das die Band auch, denn anschließend folgten mit I want to hear what you have got to say und Rock & roll queen zwei ihrer größten Hits, die auch nach fünf Jahren immer noch grandiose Livelieder sind!

Das nächste neue Stück Celebrity gefiel mir wieder deutlich besser als Money, es hielt das Tempo des Konzerts wieder hoch - das sollte sich bis zum Ende nicht mehr ändern. Naja, fast nicht. Denn bei Turaround stoppte die Band plötzlich. "Charlotte spielt erst weiter, wenn ihr einen großen Circle Pit bildet. Charlotte steht auf Circle Pits." Also entstand auf Fort Asterstein kurzzeitig etwas Metal-Flair, und die Mitte des Platzes lief im Kreis.

Nach einer knappen Stunden verschwand die Band in den Gemäuern, um für zwei
Zugaben zurückzukommen. Und da er es bis dahin nicht getan hatte, zog Billy beim abschließenden It's a party das Shirt aus und sprang in die Menge. Glücklicherweise war das Publikum sehr subwayserprobt und wußte, was kommt.

Auch wenn die Subways auf Platte bei mir kaum noch stattfinden, war auch dieses Konzert wieder ein großer Spaß. Mit Abstand das beste war allerdings die grandiose Location. Sollten in Fort Asterstein zukünftig keine Konzerte mehr stattfinden, wäre das eine große Verschwendung!


Setlist The Subways, Fort Asterstein, Koblenz:

01: Oh yeah
02: Young for eternity
03: Obsession
04: Alright
05: Mary
06: We don't need money to have a good time (neu)
07: Shake! Shake!
08: I won't let you down
09: Money (neu)
10: I want to hear what you have got to say
11: Rock & roll queen
12: Celebrity (neu)
13: Girls & boys
14: Turnaround
15: With you

16: At 1 am (Z)
17: It's a party (neu) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Interview mit den Subways 2008
- The Subways, Wiesbaden, 08.02.09
- The Subways, Frankfurt, 05.11.08
- The Subways, Köln, 29.02.08
- The Subways, Duisburg, 23.09.06



Freitag, 11. März 2011

Phillip Boa And The Voodooclub, Koblenz, 10.03.11

2 Kommentare

Konzert: Phillip Boa And The Voodooclub
Ort: Café Hahn, Koblenz
Datum: 10.03.2011
Zuschauer: ein paar hundert (ausverkauft)
Dauer: 105 min


Als ich zuletzt Phillip Boa live gesehen habe, hieß Raider noch Raider und Ostdeutschland DDR, es ist also ein wenig her. Diese Boa-Pause hätte durchaus noch länger dauern können, wäre ich nicht auf gut Glück doch noch zum ausverkauften Café Hahn nach Koblenz gefahren und hätte es versucht. Erst gestern wurde ich wieder an das Konzert erinnert, das ich eigentlich fest eingeplant hatte.

Meine letzte, blasse Live-Erinnerung an Phillip Boa in der Raider-Ära war eher wild. Der Sänger trug Springerstiefel, brüllte ununterbrochen "Phillip Boa ist ein Arschloch" und kickte eine Palette voller Hansa-Pils Dosen ins Loreley Publikum.

Wir trauten uns trotzdem nach ganz vorne, wo erstaunlich viel Platz für ausverkauftes Haus war.

Phillip Boa And The Voodooclub gehört zu den prägenden Bands in der Phase meiner Jugend, in der ich bei meiner heutigen Musik hängenblieb. Das lag natürlich nicht an Boas Bad Boy Image, sondern an dieser herrlich anderen Pop-Musik, an den Duetten mit Pia Lund, an den kaputten Melodien. Wenn man damals die Pixies liebte, liebte man auch Phillip Boa. Und umgekehrt.

Als die beiden Alben erschienen, die auf der heute beginnenden Tour komplett gespielt wurden, war meine große Phillip Boa Phase bereits wieder vorbei. Die früheren Platten waren immer präsenter, dennoch sind Helios und Boaphenia großartig und ein Livevortrag natürlich sinnvoll.

In den letzten Jahren ist es hip geworden, wichtige Alben an Konzertabenden komplett zu spielen. Das hat meist viel Charme, birgt aber auch Risiken. Wenn die Band wirklich streng chronologisch vorgeht, müssen auch die nicht so prickelnden Stücke gespielt werden; die Reihenfolge orientiert sich nicht an den Standardregeln der Konzertdramaturgie, unter Umständen werden die Hits gleich am Anfang verbraten, wenn dies eben auf Platte so ist. Ich habe bisher die Lemonheads, die Pixies, die Charlatans, The Wedding Present und Locas In Love mit solchen Programmen gesehen, bis auf die Charlatans hatten die Bands ihre Hitplatten 1:1 umgesetzt. Heute war das anders, es begann nicht mit dem Hit And then she kissed me sondern mit Utopia von Boaphenia, bevor die Lieder von Helios (von 1991) gespielt wurden.

Der Anfang war schleppend und schlecht, weil die Stimmen von Phillip Boa und vor allem Pia Lund leise und schwach klangen, es fehlte jeder Druck. Beim zweiten Lied besserte sich das aber, danach hatte ich am Klang des Konzert nichts zu bemängeln.

Live bestehen Phillip Boa And The Voodooclub zur Zeit aus sechs Musikern. Neben den beiden Sängern gehörten ein Bassist, ein Gitarrist, ein Schlagzeuger und ein Keyboarder, der an einem zweiten Schlagzeug saß und wechselnde Aufgaben hatte.

Was mir damals an Phillip Boa gefallen hat, überzeugte auch heute sofort wieder. In den Pressetexten, die für die Lob-Aufkleber auf den CDs verwendet werden, wird die SZ damit zitiert, die Platten seien "verblüffend zeitgemäß." Keine Frage, das sind sie. Und trotz der großen Komplexität und der manchmal irren Songstrukturen sind sie aber eben auch viel zugänglicher als der meiste gewollt kunstvoll klingende Kram, der
Kritiker zu Begeisterungen bringt, allerdings zu der Sorte Begeisterung mit angestrengtem Lächeln. Und der nach einem Hören auf Nimmerwiedersehen im Schrank verschwindet.

Herrlich - und vermutlich vollkommen ehrlich - waren die Kommentare des Sängers, die ab und zu dann bei den doch besonders schwierigen Titeln kamen: "noch ein Lied, das ich damals nicht verstanden habe - und heute auch nicht." Ich wüsste für mein Leben gerne, was Berufskritiker damals in diese Stücke reininterpretiert haben...

Mit
The undersea world of Jacques Cousteau endete die Helios-Phase des Abends. Der Übergang zu Boaphenia war durch eine Instrumentalüberleitung elegant gelöst. Pünktlich zu Boaphenia wurde auch das Licht besser. Vorher waren die Musiker meist schummrig beleuchtet, plötzlich erkannte man auch einmal Gesichter. Langsam taute auch das anfangs arg passive Publikum etwas mehr auf. Richtige Konzertstimmung entstand aber erst ganz am Ende. Sicher trägt das Konzept der Tour dazu bei, daß nicht dauereuphorisches Rumgehüpfe stattfindet, es lag aber sicher auch zum Teil an den Zuschauern, daß so wenig zurückkam. Phillip Boa muß sich nicht vorwerfen lassen, arrogant oder unnahbar gewesen zu sein. Er beschimpfte weder sich noch uns, kommentierte einige Lieder und sagte den Rest an. "Dieses Lied habe ich geschrieben, als ich größenwahnsinnig war" oder "schönes Lied, oder?" oder "hat euch das gefallen?"

Geblieben im Vergleich zu damals sind die Tanz- bzw. tanzartigen Bewegungen. Wenn Pia nichts zu tun hatte, ging sie von der Bühne oder trat einen Schritt nach
hinten. Phillip Boa macht bei seinen Pausen lustige Handbewegungen vor dem Mikro.

Richtig Stimmung kam wie gesagt erst spät auf. Passenderweise wurde es ab Euphoria etwas lauter.
Richtig euphorisch nahm der Saal aber erst Love on sale auf. Vor dem Hintergrund des Konzepts, der Tatsache, daß Koblenz keine große Stadt für Livemusik ist und der Begebenheiten des Café Hahn mit seinen Bänken und Stühlen am Rand war das allerdings vollkommen akzeptabel und nicht überraschend. Das Konzert war trotzdem gut - wohl auch für den Künstler, wie er nachher in einem Interview bestätigte.

Mir war vollkommen egal, ob Kill your ideals gespielt würde, damit stand ich aber offenbar alleine da, denn nach erneutem Erscheinen zu einer Zugabe kündigte der Sänger an, daß der große Hit nicht gespielt würde, er stamme schließlich von einer anderen Platte. Um aber trotzdem noch etwas spielen zu können, mußte ein Cover herhalten, das herrliche Molly's Lips von den wundervollen Vaselines, die 2010 20 Jahre nach ihrem Debüt ihr zweites Album veröffentlicht haben. Bei Boas Version fehlte zwar die Autohupe, die die Vaselines live benutzen, das Lied hatte aber trotzdem viel Charme und war ein hervorragender Abschluß.

Und auch meine Biergeschichte fand eine moderne Analogie. Diesmal wurden aber keine Bierdosen ins Publikum getreten, Boa 2011 ist gesitteter: Pia Lund reichte einem Fan in der ersten Reihe eine Bierflasche. Also trotzdem irgendwie doch alles wie früher.
Setlist Phillip Boa And The Voodooclub, Café Hahn, Koblenz:

01: Utopia
02: Life after being a zombie
03: Wonderless
04: Pretty Bay
05: 30 men on a dead man's grave
06: Puppets on a strang
07: Pfirsicheisen
08: The laughing moon
09: Sirens from hell
10: Galerie der Fälschungen
11: The undersea world of Jacques Cousteau
12: Hyperactive cracker
13: Bohemian life
14: Fiesta
15: Master of demona
16: Euphoria
17: Beat me up!
18: Johnny the liar

19: Mary Rose (Z)
20: Love on sale (Z)
21: Get terminated (Z)

22: And then she kissed her (Z)

23: Molly's lips (The Vaselines Cover) (Z)



Sonntag, 11. April 2010

The Slapstickers, Koblenz, 10.04.10

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Konzert: The Slapstickers
Ort: Café Hahn, Koblenz
Datum: 10.04.2010
Zuschauer: 100 bis 120 (nicht ausverkauft)
Dauer: 90 min


Skakonzerte haben wir nicht oft hier; einmal Madness, soweit ich mich erinnere. Die bekanntesten Vertreter dieses jamaikanisch-englischen Musikstils haben auch das bisher einzige Ska-Konzert gespielt, das ich bisher gesehen habe; vor ein paar Jahren in Bonn. Tiefer als zu den Specials und Madness bin ich selbst nie in den in Jamaika entstandenen Stil eingestiegen, ich bin also allenfalls gelegentlicher Mainstream-Ska-Hörer.

Im Café Hahn war ich bisher nicht. Und ich hatte mir etwas ganz anderes darunter vorgestellt. Statt in einem Bistro mit kleiner Bühne standen wir plötzlich in einem wundervollen großen Konzertsaal mit hoher Decke, rotem Vorhang und tollem Licht, einer Koblenzer Version des Kölner Gloria.

Obwohl die Bühne recht groß ist, wurde es eng... Eine anständige Ska-Band muß schließlich eine Menge Musiker unterbringen. Bei den Slapstickers aus Köln waren das neun. Neben Schlagzeug, Gesang, Bass und Gitarre standen links die vier Bläser (Trompete, Posaune, Tenor- und Altsaxophon) und ein Keyboarder bzw. Organist (sein Korg-Keyboard klang nämlich wie eine Kirmesorgel - großartig!).

Der Saal des Café Hahn ist riesengroß, er fasst sicher deutlich über 500 Zuschauer.* Bevor das Konzert begann, verliefen sich die 120 bis 150 Besucher* im Saal - es sah schrecklich leer aus. Als es dann aber losging, sammelte sich entgegen normaler Gewohnheiten doch alles im vorderen Drittel des Raums, und es sah auch für die Band vermutlich sehr zufriedenstellend aus.

Ich kannte vorher nichts von der Band, wußte nicht, wie viele Platten sie bisher veröffentlicht haben, wie genau ihr Stil ist. Mit Ska ist das bei mir nämlich so eine Sache. Sobald es zu reggaehaft wird, schwindet meine Begeisterung sehr schnell. Reggae ist - amateurhaft erklärt - als langsame Form aus dem Ska entstanden. Und gerade dieses Langsame, Lässige an dieser jamaikanischen Musik finde ich ziemlich schauderhaft. Die Slapstickers waren zwar lässig aber nicht langsam. Und nicht leise. Vor allem die vier Blasinstrumente machten ordentlichen Krach.

Richtig viel kann ich zu den einzelnen Stücken nicht sagen; das ist beim ersten Hören nicht einfach. Aber sie machten tolle Stimmung und waren trotz der ähnlichen Rhythmen keine Minute langweilig. Da war es auch dann ganz gut, daß es nicht schrecklich voll war, denn vorne tanzte jeder.

Ein einziges Lied gefiel mir nicht richtig, weil es zu lahm war und zu sehr Gentleman-Reggae war, den Namen habe ich mir nicht gemerkt. Aus den vielen mitreißenden Liedern ragten ein paar hervor: ich mochte Trip to Barcelona, Never grow up und vor allem I.D.I.O.T. ganz besonders.

Als ich Madness 2006 auf der Bonner Museumsmeile gesehen habe, liefen da fast nur Menschen in schwarzen Polohemden mit Hosenträgern, zu kurzen Jeans und für die Jahreszeit zu warmen Stiefeln rum. Solches Klischee-Ska-Publikum gab es heute überhaupt nicht. Das war natürlich etwas schade, weil es dadurch weniger zu sehen gab. Trotzdem hatte ich heute mehr Spaß als bei Madness. Also hat die ehemalige Madness-Vorgruppe offensichtlich alles richtig gemacht!

Setlist The Slapstickers, Café Hahn, Koblenz:

01: She's an alien
02: Groove attack
03: The boys are back
04: Shine on
05: Turn it on
06: Forget it
07: Never grow up
08: Mr. D-Minor
09: Vision
10: Not anyone else
11: Take a ride
12: Here we go
13: Desperado II
14: Underwater love
15: I.D.I.O.T.
16: Do anything
17: Trip to Barcelona
18: Mountains
19: Counting memories
20: Rudeboy's symphony

21: Nine cowboys (Z)
22: Palermo nocture (Z)

23: 2-tone army (Z)
24: Ska Konzert (Z)

Fotos folgen!

* ich kann so etwas nicht schätzen



Montag, 20. April 2009

Tiger Lou, Koblenz, 20.04.09

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Konzert: Tiger Lou
Ort: Circus Maximus, Koblenz
Datum: 20.04.2009
Zuschauer: vielleicht 200
Dauer: Tiger Lou 75 min, Muxika77 knapp 30 min


Zweimal Tiger Lou (mit gleichem Programm) innerhalb von zwei Tagen. Kann das gut gehen? Es konnte - und wie! Ich hatte sogar noch etwas mehr Spaß als gestern in Köln. Die schwedische Band war musikalisch mindestens genauso gut, das Publikum lustiger (die Tröte!). Und der Circus Maximus ist der erste Club, in dem es bei Wärme draußen eher zu kühl als fies warm ist.

Aber genau erzähle ich das in Kürze!

Setlist Tiger Lou, Koblenz, Circus Maximus:

01: Sam as in Samantha
02: Sell out
03: Functions
04: Trails of spit
05: Coalitions
06: Albino apparel
07: An atlas of those our own
08: The more you give
09: The less you have to carry
10: Oh Horacio
11: Warmth
12: The loyal
13: Nixon
14: Like my very own blood

15: Until I was there (Z)
16: Crushed by a crowd (Z)
17: All I have (Z)

Links:

- Tiger Lou gestern in Köln (5 cm weiter unten)

- Tiger Lou am 06.12.08 in der Werkstatt in Köln

Montag, 18. Dezember 2006

Madsen, Koblenz, 18.12.06

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Konzert: Madsen

Datum: 18.12.2006
Ort: Suppkultur Koblenz
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft


So richtig viel habe ich nicht von Madsen erwartet, als ich kurzentschlossen mit zum Konzert in die Suppkultur in Koblenz mitging, ich wußte auch nicht, ob es noch Karten gab. Tickets gab es noch, also fand meine Premiere in dem Kellerclub mitten in einem Gewerbegebiet statt. Die Suppkultur ist eine Art Gebäude 9 light. Nett ist, daß am Rand lange Reihen an der Wand sind, auf denen man sitzen oder stehen kann, mit schönem Blick auf Bühne und Platz vor der Bühne. Irgendwo im Internet hatte ich heute gelesen, daß "Leo can dive" aus Duisburg, die ich als Vorgruppe von den Subways gesehen hatte, eröffnen sollte. Die hatten mir gefallen. Als dann aber ein furchtbares Geschrei anfing (und 35 Minuten andauern sollte), war mir dann doch klar, daß das nicht die Band aus Duisburg war. Die sehr jungen Musiker, die wohl morgen früh wieder in die Schule müssen, hießen "Prison Mind" und kommen aus Montabaur.

Kurz vor neun traten dann Madsen aus dem Wendland auf. Erwartet habe ich nicht
furchtbar viel. Die erste Platte habe ich einige wenige Male gehört, die neue kannte ich gar nicht. Aber die drei Brüder Madsen (plus Keyboarder und Fies-Frisur-Bassist*) haben von Anfang an mit prima gespielten und gut gemachten Liedern begeistert. Neben den Hits des ersten Albums (Panik, Die Perfektion, Unsichtbar z.B.) kam einiges (Ruhigeres) von der aktuellen Platte. Alles sehr schöne Lieder, die live auch richtig gut dargeboten wurden. Entsprechend gut war auch die Stimmung des sehr jungen Publikums.

Besonders schön waren viele kleine eingebaute Cover. Es fing zwar schrecklich an (ein "I was made for loving you"-Gitarren-Solo), wurde aber stetig besser. "Let it snow", "Last christmas", eine Rammstein-Einlage und nach der Ansage, daß jetzt etwas für den vor zwei Jahren verstorbenen Großvater Madsen komme, Howies "Hello again". Das war richtig gutes Entertainment und ein wirklich kurzweiliger Abend. Um es mit Alfons Schuhbeck zu sagen: Ganz schlecht war's nicht.



* Oliver, wußtest Du eigentlich, daß bei der Obduktion von Bob Marley 20 verschiedene Käferarten in seinen Haaren entdeckt wurden?



 

Konzerttagebuch © 2010

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