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Samstag, 18. Juli 2015

Phonopop Festival, Rüsselsheim, 11.07.15

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Konzert: Phonopop Festival
Ort: Rüsselsheim
Datum: 11. Juli 2015
Dauer: 8 h
Zuschauer: ca. 2000


Mein erster Ausflug zum Phonopop-Festival sollte zugleich auch mein letzter sein. Das 10-jährige Jubiläum nehmen die Veranstalter gleichzeitig zum Anlass, ihren Abschied bekannt zu geben und damit auch die Biografie des Phonopop zu beenden. Am Ende des Samstagabends bleibt mir die kleine Hoffnung, dass der Abschied vielleicht in wenigen Jahren rückgängig gemacht wird, wenn die Lust und Freude am Organisieren doch wieder groß genug und der Verlust dieses feinen Festivals zu schmerzhaft wird. 
Dieses Festival war für mich eines der wohltuend kleinen und sehr feinen im großen Chor all der Sommerfeste, die um Zuschauer buhlen. Das beginnt mit einer sehr konsequenten Künstlerauswahl, dem Verweigern gegen Mode- und Radiotrends und dem Vertrauen auf den eigenen Geschmack und damit auf Künstler, die nicht jedem bekannt sind und damit bei den Besuchern immer wieder Entdeckerlust wecken. Das geht weiter bis zur liebevoll ausgestalteten Location im alten Opel-Werk in Rüsselsheim. Da wird für Erfrischung mittels Wassersprühschlauch gesorgt, da hängen große Origami-Vögel in den Bäumen und die Fenster auf dem Weg zwischen den beiden Bühnen sind nachts von innen stimmungsvoll beleuchtet.
Die beiden Bühnen des Festivals liegen 2 Höfe auseinander und werden abwechselnd bespielt, so dass man jede Band sehen und hören kann. Das spart Zeit beim Umbau und gibt jedem die Chance, alle Konzerte mitzunehmen und den Künstlern die Möglichkeit, alle Gäste vor ihrer Bühne zu versammeln. Außerdem bleibt man zwischen den Konzerten in Bewegung und für mich mit Kamera war es perfekt, um für die Fotos immer einen Platz in bester Sichtweite zu bekommen.

Inner Tongue
Als ich das Gelände betrete, spielen Inner Tongue gerade ihre letzten Songs. Die Wiener Band blieb mir daher nicht so recht in Erinnerung.

Caroline Keating
Ihr Album „Silver Heart“ begleitet ich seit geraumer Zeit immer wieder und deshalb freute ich mich auf ihren Auftritt besonders. Caroline Keating begleitete sich selbst an ihrem E-Piano und spannte einen Bogen über bekannte und neue Songs. So sparsam der Auftritt instrumentiert war so spannungsreich wirkte doch ihre Stimme und fesselten ihre Lieder die Zuhörer knappe 45 Minuten.

Still Parade
Die ersten Takte, die ersten Songs verbreiteten Sommergefühle und passten zu den Temperaturen. Irgendwie war es, als ob der Strand gleich um die Ecke lag. Still Parade aus Berlin werden mit ihrer Musik in der Kategorie Dreampop/Dreamfolk verortet, für mich spielten sie ziemlich luftige Popsongs und sorgten so schon für ausgelassene Stimmung und Erfrischung. Auf jeden Fall werde ich diese Band und ihre Entwicklung weiter verfolgen.

John Bramwell
John Bramwell ist der Sänger von I Am Kloot und hier und heute als Solist unterwegs. Gerade so hat er es vom Flughafen nach Rüsselsheim geschafft, dabei seine Gitarre aber am Gepäckband nicht bekommen. Die Organisatoren haben ihm schnell einen Ersatz besorgt und so Stand dem Konzert nichts im Wege. I Am Kloot habe ich vor 2 Jahren im Dresdner Beatpol gesehen und höre nun die Songs der Band in einem akustischen Gewand. Heute leben sie von John Bramwells Stimme und der Art, wie er die Songs ankündigt und dann vorträgt. Lustig ist es schon, wenn er verschiedene Songs mit den selben Worten ankündigt als Lieder, die vom Trinken und Problemen handeln. Dann versenkt er sich in die Akkorde, schließt die Augen und lässt die Songs über den Hof fliegen.

Tiger Lou
facebook.com/TigerLou.official 2008 veröffentlichte die schwedische Band ihr letztes Album „A Partial Print“ und begeisterte mich damit vollkommen. 2 Konzerte ihrer anschließenden Tour habe ich besucht und dann wurde es ruhig um die Band, ihr Frontmann Rasmus Kellerman veröffentlichte noch ein recht katastrophal belangloses Soloalbum und damit hatte ich die Band aufgegeben. Um so erfreuter war ich, als ich las, dass Tiger Lou an neuem Material arbeiten und für 3 Konzerte nach Deutschland kommen, unter anderem zum Phonopop. Tiger Lou waren für mich der Anlass, die Tickets zu holen und hierher zu kommen. Und sie enttäuschten mich nicht. Tiger Lou präsentierten sich in Bestform, wie man bei Sportlern sagen würde. Die typische Bandbesetzung erweiterte diesmal Amanda für 2 Titel an der Trompete. Es gab bekannte Songs der bisherigen Alben und 2 neue als Ausblick auf eine demnächst erscheinende EP. Tiger Lou spielten sehr energiegeladen und mit einer Spielfreude als wären sie nie weg gewesen. Die neuen Songs fügten sich nahtlos in das Gesamtkonzert ein und so war ich mit der Band versöhnt und freue mich auf weitere Konzerte und Veröffentlichungen.

Okta Logue
Wir nähern uns dem Abendprogramm und damit den beim Publikum bereits mehrheitlich bekannten Künstlern. Und Okta Logue gehören als Lokalmatadoren quasi dazu. Hier haben sich Pink-Floyd-Jünger gefunden, die Riffs weitergesponnen und eigene Songs daraus entwickelt. Mittlerweile gibt es 2 Alben, Okta Logue waren schon als Vorband von Portugal.The Man unterwegs, wo ich sie zum ersten Mal wahrgenommen habe. Beim Phonopop haben Sie die Akzente - absichtlich oder nicht - so auf die Musik gelegt, der Gesang war kaum zu verstehen. Für mich ein bisschen schade, für die Fans war das offenbar kein Nachteil, die Band wurde gefeiert.

Two Gallants
Diese Band war für mich wie ein Meteoriteneinschlag. Ich hatte bisher nichts von ihnen gehört und ließ mich an dem Abend einfach überraschen. Und dann begannen Adam Stephens und Tyson Vogel ihr Set mit Gitarre und Schlagzeug und spielten nach dem Motto, hier werden keine Gefangenen gemacht. Es gab von Anfang ordentlich auf die Ohren und mächtig Druck aus den Boxen. Dabei spielen die beiden schon auch die feinen Saiten und streicheln die Becken. Dennoch schien es mir immer wieder, als arbeiten sich Two Gallants an einer inneren Zerrissenheit ab und finden Zuflucht nur im Aufbau von Klangkaskaden und -gewittern. Kurz gab es Erholung für das Publikum, als Adam Stephens sich ans Piano setzte. So gewaltig sich der Auftritt in die Ohren und Augen prägte, so wenig berührte mich die Band innerlich.

TripAdLib
Nicht nur beim Kosmonautfestival gibt es geheime Headliner. Auch beim Phonopop war ein Überraschungsgast angekündigt. Aus Mainz kommt TripAdLib und spielt einen Clubsound den ich nur aus Konserven kenne. Anfangs war ich überrascht, neben 2 Computern auch Schlagzeug und Bass auf der Bühne zu sehen, mit zunehmender Dauer ist diese Art Musik für mich leider zu langweilig.


Inzwischen war es spät in der Nacht und meine Energie auf The Temples zu warten erschöpft. So gibt es von mir leider keinen Bericht zum Finale und der allerletzten Band des Phonopop. Bleibt der Gesamteindruck, dass ich dieses Festival leider viel zu spät entdeckt habe und es bleibt die schwache Hoffnung, dass das Phonopop vielleicht doch irgendwann wieder ersteht.

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Freitag, 26. September 2014

Cold Specks, Swann, Anna Aaron, Paris, 23.09.14

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Konzert: Cold Specks, Swann, Anna Aaron
Ort: La Flèche d'or Paris
Datum: 23.09.14
Zuschauer: etwa 80
Konzertdauer: Swann: 28 Minuten, Anna Aaron etwa 35 Minuten, Cold Specks ungefähr 50 Minuten


Mit Soul Musik kann man mich in der Regel jagen. Dieser langgezogene, tiefe Gesang, scheußlich. Schlimmer ist eigentlich nur Hip Hop und Emo.

Dies vorausgeschickt, hätte ich dem Auftritt der Kanadierin Al Spx alias Cold Specks eigentlich nichts abgewinnen dürfen, denn die Dame hat eine klassische Soul Stimme vorzuweisen. Dass ich aber hinterher begeistert war ist ein weiterer Beleg dafür, daß es sich immer auszahlt offen zu bleiben und sich live ein Bild zu verschaffen.

Der Auftritt von Cold Specks und ihrer Band war jedenfalls großartig und lohnte unbedingt meine Anwesenheit. Wenn ich richtig informiert bin war es der erste Auftritt der Dame aus Montreal in Paris überhaupt und dies obwohl sie schon 2012 mit ihrem Erstling I Predict A Graceful Expulsion ein Album auf den Markt gebracht hatte, daß sehr wohlwollende Kritiken einheimsen konnte. Aber gut, manchmal dauert es eben etwas länger bis Acts aus Nordamerika durch Europa touren. Und so richtig lohnenswert war der Gig aus finanzieller Hinsicht wohl auch nicht, denn die Flèche d'or war nur recht spärlich besucht. "Les absents ont toujours tort", sagt der Franzose in einer solchen Situation: "Die Abwesenden haben immer Unrecht." Stimmte auch heute wieder. Den Gig von Cold Specks hätte man sich nicht entgehen lassen sollen, er war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Da gab es vor allem die ungewohnte Verschmelzung von souligem Gesang mit postpunkigen und noisigen Gitarren, die Heirat schwarzer mit weißer Musik sozusagen. Eine Liebesheirat mit ungemein harmonischer Note. Und dann auch noch ein erstaunlicherweise ungemein gut passendes Saxofon, welches dem Sound noch eine zusätzliche Variante hinzufügte. Schließlich wartete Cold Specks auch hin und wieder mit an Gospel erinnerde a cappella Passagen auf und unterstrich hierbei eindrucksvoll ihre stimmmlichen Qualitäten.

Hervorhebenswert auch das Charisma der farbigen Sängerin. Ohne große Rumhampeleien schaffte sie es, Persönlichkeit auszustrahlen, zu wirken. Wie sie das machte, weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht war es das gelegentliche Fixieren der Zuschauer, die gewisse Thetralik in der Gestik und Mimik die dafür sorgten. Auf jeden Fall hatte sie Talent für die Bühne, das war unbestreitbar.

Bezüglich der Songs wurde den Zuschauern ein Mix aus dem 2012 Album und dem druckfrischen Neuling Neuroplasticity geboten, der wesentlich poprockiger und imposanter als der soulig-folkige Vorgänger ausgefallen ist. Eine veritable Perle des Neulings hieß Bodies At Bay, ein Stück, welches gitarrentechnisch an Bloc Party oder Interpol erinnerte, gesanglich an Eartha Kitt aber auch an Anna Calvi.


Ähnlich gelungen auch Absisto, ein düsteres, mysteriöses Stück, das mich fast ein wenig an den Trip Hop von Portishead denken ließ, aber auch an die längst in Vergessenheit geratene Band The Noisettes.


Bester Track des ersten Albums war Hector, der mit seinem Uptempo Beat schon die musikalische Weiterentwicklung hin zu mehr Rock und weniger Folk erkennen ließ.

Unter dem Strich ein beeindruckend gutes Konzert, das auch mit einem gelungenen Nick Cave Cover von We No Who U R aufwarten konnte.


Vorher hatte auch schon die junge Französin Chloé Lénique alias Swann ihre Qualitäten unter Beweise gestellt. Die hübsche Blondine, die normalerweise mit einer Band auftritt, bestritt den Gig solo, konnte aber auch ganz alleine Glanzlichter setzen. Ihre wunderbar tiefe Stimme, ihr gefühlvolles Gitarrenspiel und ihre zeitlos guten Songs reichten, um eine feine Stimmung zu erzeugen. Sie spielte Material ihres ersten Albums Neverending, aber auch das Stück Emmanuelle, das man auf ihrem neuen Cover Album The Wonderful World of Swann auf Vinyl (Auflage: 500 bunte Exemplare) finden kann. Das hatte was von Gainsbourg und ohnehin wirkt Swann optisch ein wenig wie die junge Jane Birkin (stimmlich allerdings überhaupt nicht). Ihr Musik ist eine wunderbare Mischung französischer Melancholie und New Yorker Coolness im der Tradition von The Velvet Underground. Man wird von ihr noch viel hören, sie hat ungemein viel Talent und auch eine verblüffende Ausstrahlung für ihr junges Alter !

Ausstrahlung hatte die vorher spielende Schweizerin Anna Aaron auch. Leider aber strotzte ihr Set voller Rock Plattitüden, da erklangen schlimmste Schweineriffs im Stile von I Love Rock'n Roll (Totemheart), aber auch Versatzstücke von Personal Jesus von Depeche Mode konnte man (beim Stück Heathen) ausmachen. Ohnehin wirkte es, als habe Aaron die Gestik von Dave Gahan adoptiert, das schrammte zeitweise knapp an der Lächerlichkeitsgrenze vorbei. Letztlich wurde den Zuhörer feister Mainstream geboten, den Anna und ihre Band aber als subversive Kunst präsentierten wollten. Teilweise war fast Fremdschämen angesagt. Brr, es war wirklich ziemlich scheußlich was da kredenzt wurde! Reden wir lieber nicht mehr drüber.

Die ganz zu Beginn spielenden Still Parade hatte ich kaum mitbekommen. Zwei Lieder reichten mir aber um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Der lautete: schön, aber recht seicht, belanglos und ohne Ecken und Kanten. Kein Kracher.

Fotos morgen !

 



 

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