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Freitag, 13. September 2019

The Cure u.a., Rock en Seine, 1. Festivaltag, 23.09.19

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Konzert: The Cure (u.a.), Festival Rock en Seine
Ort: Domaine de Saint Cloud bei Paris
Datum: 23.09.2019
Fotos von Cedric Oberlin*




The Cure bei Rock en Seine! Da hatten sich die Veranstalter des Pariser Festivals wahrlich einen dicken Fisch an Land gezogen! Nach einem Zuschauerrückgang im letzten Jahr musste den Fans auch etwas geboten werden, um sie wieder zu versöhnen. Im letzten Jahr hatten viele bemängelt, es gäbe inzwischen immer weniger Rock, aber immer mehr Hip Hop bei Rock en Seine und die Nörgler hatten recht, in der Tat war das Line up ungewöhnlich wenig gitarrenlastig. Aber dies ist ja nun ein allgemeiner Trend an dem Rock en Seine nicht vorbeikommt, man sehe sich nur das Line Up beim Coachella Festival oder beim diesjährigen Pitchfork Paris Festival an. R'nB, Rap, Hip Hop, Soul, dies sind die Genres die wachsen, Rock und Pop sind hingegen ziemlich out.



Rock en Seine hat sich 2019 für einen Kompromiss entschieden. R'n B und Hip Hop haben sie mehrheitlich auf den Samstag gelegt, die anderen beiden Tage waren dann mehr oder weniger Rock.



Ich selbst war Freitag da, aber leider nicht in bester Verfassung. Gegen 15 Uhr war ich eigentlich startklar, rannte zur Haustür hinaus und Richtung Metro, als ich entsetzt feststellte, dass ich mein Ticket zu Hause vergessen hatte. Ich hetzte zurück, holte es und hatte bei dieser Aktion schon etwa 30 Minuten verloren. Nun aber hatte ich plötzlichen riesigen Hunger und musste erst einmal etwas essen. Und danach war mir so schwindelig, dass ich zurück in meine Wohnung gehen musste, um mich etwas auszuruhen.


Foto Johnny Marr: Sylvie T. Mai ©


Erst gegen 20 Uhr traf ich schliesslich auf dem Festivalgekände vor den Toren bei Paris ein und kam damit ziemlich genau zum Beginn des Sets von Johnny Marr, der zeitgleich zu Eels spielte. Eels hatte ich lange nicht mehr gesehen, so dass ich mich entschloss, mir das Konzert des sich hinter dem Pseudonym versteckenden Mark Everett anzusehen. Nach 3 Liedern reichte mir das aber schon wieder, weil es mir zu bluesrockig war. Ich lief nun wieder zu Johnny Marr und der spielte allen Ernstes Bigmouth ! Ein erstes Aufhorchen! Mit Liedern von The Smiths hätte ich eigentlich gar nicht gerechnet. Aber in der Folge kamen sogar noch mehr, 3 weitere Hits der Bands aus Manchester folgten und Johnny Marr mimte so gekonnt die Stimmte von Morrissey, dass man glaubte den Mozzer himself zu hören! Fantastisch, wie er selbst die hohen Passagen bei How Soon is Now hinbekam! Sein Gitarrenspiel war ohnehin extrem gut, sehr melodiös, sehr präzise und einfach unverkennbar.



Er verwöhnte das Publikum dann auch mit zwei Songs von Electronic, die Band, in der er neben Barney Sumner von New Order und Neil Tennant von den Pet Shop Boys spielte. Zum einen mit dem allseits bekannten Hit Getting Away With It und dann auch noch mit Get The Message.



Die Besucher staunten nicht schlecht, als er gegen Ende sogar noch I Feel You von Depeche Mode zum Besten gab. Leute die in den 80ern und 90ern musiksozialisiert wurden, bekamen ein winziges Stück von allen Kultbands dieser Zeit: The Smiths, New Order, Pet Shop Boys und Depeche Mode. Wahnsinn! Und alles wirklich extrem gut gespielt, nie wurde dieses Set lachhaft oder karaokehaft.



Zum krönenden Abschluss gab es noch There Is A light That Never Goes Out und das war so exzellent, dass ich mir das noch bis zum Ende anhören wollte. Andere Festivalbesucher waren unterdessen schon auf dem Weg Richtung Hauptbühne, um dort einen guten Platz weit vorne für The Cure zu ergattern. Meinen Rückstand gegenüber diesen Frühstartern konnte ich schließlich nicht mehr aufholen und musste mich mit einem Platz fernab der Bühne begnügen.






Ich sah mir das Konzert folglich auf dem Bildschirm an, das war nicht wirklich nach dem Motto "Mittendrin statt nur dabei", eher das genaue Gegenteil. Der Sound, der ab 21 Uhr aus den Boxen drang, war allerdings durchweg gut, zumindest dort wo ich stand. The Cure begannen wie so oft mit dem langsamen und atmosphärischen Plainsong und von dort an wussten Fans, die schon die Setlisten der vergangen Konzerte der Band studiert hatten, wie es in der Folge weitergehen würde. The Cure haben 2019 nämlich 2 verschiedene Setlisten entwickelt. Eine, die mit dem Plainsong beginnt und eine andere, die mit Shake Dog Shake beginnt. Ich hatte extra vorher keine Setlisten studiert, wollte mich einfach treiben lassen und genussvoll der Musik lauschen. Was mir allerdings enorm schwer fiel, weil mir meine gesundheitlichen Beschwerden wieder einen Strich durch die Rechnung machten. Ich hatte massive Schulterschmerzen, die mich über das gesamte Set treu begleiteten. Aber reden wir am besten gar nicht drüber und konzentrieren uns auf das Konzert. Denn das war wirklich in vielerlei Hinsicht hervorragend. Robert Smith war extrem gut bei Stimme, die Band spielte die Stücke mit viel Schmiss und Hingabe und in leicht veränderten Versionen, so dass man nie das Gefühl hatte lediglich die Alben laut zu hören. Ein Album wurde ganz besonders privilegiert, ..., na klar!... Disintegration! Ein Longplayer den viele Fans als ihren Favoriten bezeichnen und von dem im Laufe des Abends 7 Stücke stammen sollten. Ich selbst bevorzugte immer noch die ganz alten Scheiben, wie den Zweitling Seventeen Seconds von dem aber nur Play For Today und A Forest stammten. Bei Play For Today stimmte auch das Publikum mit ein und plötzlich war die Atmosphäre eher festlich-heiter als düster und depressiv. Und auch Robert Smith selbst schien gut gelaunt, lächelte häufig und machte sich auch über seine nur sehr mässigen Französischkentnisse lustig.






So ging es etwa 1h45 Minuten lang, bevor mit Disintegration (dem Titelsong des Albums) vorläufig abgeschlossen wurde, die Band bestehend aus Simon Gallup (Bass), Reeves Gables (Gitarre), Jason Cooper (Schlagzeug) und Roger O'Donnell, verliess die Bühne. 




Keine 5 Minuten später kamen die Helden dann aber wieder zurück und nun gab es ein "Best Of" ihrer kommerziellsten und bekanntesten Hits. Lullaby, Friday I'm In Love, Close To Me, Why Cant' I Be You, alles eigentlich fast totgenudelte Stücke, aber in frischen Versionen zelebriert trotzdem toll.  Dazwischen gab es mit The Caterpillar und The Walk auch zwei nicht ganz so bekannte Sachen (alles relativ, The Walk ("i kissed you in the water") ist mit seiner prägnanten Keyboardmelodie eigentlich auch ein Klassiker.






Nach 2 Stunden 15 war die gothische Messe gelesen. Eigentlich hatte man von Veranstalterseite aus 2h30 versprochen und die 15 Minuten fehlten, um zum Beispiel A Strange Day oder One Hundred Years zu spielen. Aber letztendlich waren dies Marginalien, denn das Konzert war auch so hervorragend, Robert Smith bekundete dass er "fucking fun" hatte und dies der perfekte Abschluss ihrer Europatournee gewesen sei.




Setlist The Cure

Plainsong
Pictures of You
High
A Night Like This
Just One Kiss
Lovesong
Last Dance
Burn
Fascination Street
Never Enough
Push
In Between Days
Just Like Heaven
From the Edge of the Deep Green Sea
Play for Today
A Forest
Primary
Shake Dog Shake
39
Disintegration


Lullaby
The Caterpillar
The Walk
Friday I'm in Love
Close to Me
Why Can't I Be You?
Boys Don't Cry



Setlist Johnny Marr:



The Tracers

Bigmouth Strikes Again (The Smiths)
Armatopia
Hi Hello
How Soon Is Now? (The Smiths)
Getting Away With It (Electronic)
Get The Message (Electronic)
Walk Into The Sea
I Feel You (Depeche Mode Cover)
This Charming Man (The Smiths)
Easy Money 
There is a light that never goes out (The Smiths)

*Hier kann man das Konzert noch mal komplett sehen.



Dienstag, 22. November 2016

The Cure, Paris 15.11.16

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Konzert: The Cure
Ort: Accor Hotels Arena, Paris
Datum: 16.11.2016
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 2 Stunden und 45 Minuten


The Cure in Paris, Bercy. Da war doch was ? Richtig! 2008 spielte die Band um Robert Smith das Konzert ihres Lebens, mit 42 fabelhaften Songs und einer Spielzeit von 3:40 ging der sensationelle Gig in die Konzertgeschichte ein.

Würde es heuer wieder so gut werden ? Das Palais Omnisport de Paris Bercy heisst inzwischen Accor Hotels Arena und es wurden auch einige Umbauten durchgeführt, doch letztlich herrschte hier drinnen die gleiche Atmosphäre wie früher. Eine Halle bleibt eine Halle, mit kleinen Indieclubs hat das Ganze nur wenig gemein. Zuletzt war ich vor 2 Wochen hier um mir das Tennisturnier anzusehen, ansonsten hatte es mich nur für Neil Young im Juni hierhin verschlagen.

Opener des Abends waren die Schotten The Twilight Sad. Früher mochte ich die sehr, aber ich hatte mich lange nicht mehr mit den Jungs aus Glasgow beschäftigt und empfand das heutige Konzert als zu bombastisch und belanglos. Gut 30 Minuten uninteressante Musik im Stile der fürchterlichen Editors, ich hätte später kommen können (sollen!).


Um 20 Uhr 45 dann endlich The Cure. Grosser Beifall brandete auf als die Gladiatoren die Arena betraten. Simon Gallup am Bass, Jason Cooper am Schlagzeug und natürlich Robert Smith zuständig für Gitarre und Gesang (und in einem Falle Flöte), diese 3 spielten auch schon 2008 in Bercy. Reeves Gabrel sahen wir heute an der Gitarre, Roger O'Donnel an den Keybords. Die Show machten aber eher Simon Gallup und Robert Smith, wenn man überhaupt von Show reden kann, denn Rockstarposen sind glücklicherweise nicht so Robert Smiths Sache und Simon Gallup verzeiht man auch die gebückte Haltung und den tief hängenden Bass. Reeves Gabrel hatte optisch etwas von einem britischen Pubmusiker, spielte aber viel besser als er angezogen war. Schliesslich hatte er sich ja auch schon in der Band von David Bowie einen Namen gemacht. Porl Thompson wäre mir dennoch leiber gewesen. Aber der ist ja Maler geworden und hat der Musik den tätowierten Rücken zugekehrt...



Die Stimmung im Publikum während der ersten 3 Stücke war noch etwas verhalten. Erst als an 4. 6. und 8. Stelle mit In Between Days, Pictures Of You und Lovesong bekanntere Titel gespielt wurden, wurden die Leute munterer. Der Lovesong kam hierbei besonders gut rüber, Robert Smith intonierte mit noch mehr Melancholie und Verzweiflung als auf dem Album (dem fabelhaften Disintegration) die Zeilen: I will always love you." 



Auch die Liebe der Fans zu The Cure schien nicht gerostet zu sein, die Besucher feierten irgendwann jeden Song einzeln ab, im ersten Drittel besonders Just Like Heaven, der ein wenig bezeichnend für das musikalische Ambiente des Abends sein sollte. Statt düsterer Songs aus der Frühphase der späten 70er und frühen 80er dominierten fröhlichere Tracks, zu denen die Meute tanzte und phasenweise vorne sogar pogte. Ich persönlich war hingegen froh als mit A Hundred Years ein alter depressiver Klassiker ausgepackt und mit äusserster Präzision und Druck gespielt wurde. Ein Highlight des Konzerts das nach dem 17. Stück (End) und 90 Minuten Spielzeit erst einmal in eine kleine Pause ging.



Natürlich war dies noch nicht "The End", im Gegenteil jetzt, im ersten Zugabenblock sollte es erst richtig gut werden. Den Titel des noch unveröffentlichen Tracks It Can Never Be The Same Again hatte Robert Smith auf seiner Gitarre markiert und der hatte es wirklich in sich. Alle Stärken der britischen Band kamen hier zum Tragen. Die anziehende Melancholie, die mitreissende Melodiösität und die faszinierende Mystik. The Cure at its best und dies im Jahre 2016 fast 40 Jahre nach Bandgründung, Wahnsinn! 



Die Stimmung erlebte jetzt Höhepunkte, denn zu Play For Today johlten die Fans die Melodie mit und auf die letzten Bassriffs von Simon Gallup während A Forest reagierten die Leute mit lauten "Hey!" Rufen.


Dann erneuter Abgang von der Bühne, bevor Lullaby angestimmt wurde. Ein riesiges Spinnennetz war auf der Leinwand zu sehen und der vermutlich bekannteste (aber nicht beste) Titel von The Cure kam bei den meisten sehr gut an. "Spiderman is having me for dinner tonight" als ich diese hinlänglich bekannten Zeilen hörte wurde ich an meinen Hunger erinnert, rannte kurz raus, stopfte mir einen Burger (teuer aber gut) rein, spülte ihn mit Cola Zéro (als würde man davon abnehmen, wenn man gleichzeitig einen Burger ist) runter und flitzte zurück an meinen Platz. 



Seltsamerweise gingen nun schon die ersten Leute, wahrscheinlich mussten die ehemaligen Waver früh ins Bett um am nächten Tag frisch für ihren bürgerlichen Beruf zu sein. Schade für sie, denn sie verpassten nicht nur das famose Fascination Street, Never Enough und Wrong Number, sondern auch den letzten Zugabenblock, der ausschliesslich eingängigen und bekannten Songs gewidmet war. Nun wurden die Nummern abgefackelt die wir schon damals immer als verpickelte Schüler auf dem Gymnasium gehört hatten: The Lovecats, Hot Hot Hot!!!, Friday I'm In Love, Boys Don't Cry, Close To Me, Why Can't I Be You?, Hits die um die Welt gingen, für mich aber eher The Cure untypisch, weil sie eben viel zu fröhlich sind. Ich hätte mir stattdessen Charlotte Somtimes, M, Cold, Figurehead oder The Hanging Gardens gegen Schluss gewüscht, aber ich war nicht im Wunschkonzert, sondern bei The Cure 2016 und die hatten eben überwiegend Lust, weniger depressiv zu klingen. So einige Altfans nörgelten deshalb auch über die Radiotauglichkeit besonders des zitierten Schlussteils, zeigten sich gar vereinzelt enttäuscht, vergassen aber im Eifer des Gefechts, dass der fast 3 Stunden Gig insgesamt doch wieder sehr gut ausgefallen war. Robert Smith und seine Leute hatten sich Mühe gegeben, die Songs nicht nur einfach runtergenudelt, sondern neue Liveversionen gebracht und diese mit viel Schmiss performt. 



Und Robert war auch bei Stimme, besorgte Fans die Videos von vorgehenden Konzerten gesehen hatten, auf denen der schwarze Pummelbär nicht so gut sang, wurden in ihrer anfänglichen Skepsis nicht bestätigt. Beim definitiven Abgang zeigte sich Mister Smith regelrecht gerührt, ging in jede Ecke der Bühne um jedem Block mal zuzuwinken, das war schon schön, fast ergreifend.


01: Open (neu)
02: All I Want
03: Push
04: In Between Days
05: Primary
06: Pictures Of You
07: High
08: Lovesong
09: Before Three
10: A Night Like This 
11: The Walk
12: Just Like Heaven
13: Trust
14: From The Edge Of The Deep Green Sea
15: The Hungry Ghost
16: One Hundred Years
17: End

18: It Can Never Be The Same
19: Burn
20: Play For Today
21: A Forest

22: Lullaby
23: Fascination Street
24: Never Enough
25: Wrong Number

26: The Lovecats
27: Hot Hot Hot!!!
28: Friday I'm In Love
29: Boys Don't Cry
30: Close To Me
31: Why Can't I Be You?



Freitag, 9. Januar 2015

The Cure, London, 22.12.14

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Konzert: The Cure
Ort: Hammersmith Apollo, London
Datum: 22.12.2014
Dauer: 184 min
Zuschauer: ausverkauft



Mein letztes Konzert 2014 war auch das anstrengendste des Jahres. Ich kann viel ab, habe gute Musik-Kondition und habe vermutlich im abgelaufenen Jahr netto 200 Stunden (also gut einen Arbeits-Monat) vor Bühnen gestanden. Aber Robert Smith ist der Felix Magath unter den Musikern. Nach zwei 90-minütigen Slowdive- und einem gute dreistündigen The Cure-Konzert an den drei vorangegangenen Abenden, war ich froh um eine Wand, gegen die gelehnt ich die Zugaben gucken konnte. Zugaben bei The Cure sind länger als viele Konzerte. Die am zweiten London-Abend dauerte fast 70 Minuten. Und diese Wand war plötzlich Gold wert.


Wenn da vorne auf der Bühne 20jährige Musiker stünden, wäre das alles nicht so schrecklich demütigend. Mitfünfziger die (wie Bassist Simon Gallup) von Minute eins an über die Bühne hüpfen und die, wenn der verdammte Zapfenstreich nicht wäre, auch noch den ein oder anderen Zugabenblock mehr spielen würden, sind eine Unverschämtheit.


Natürlich war auch der zweite The Cure Abend phänomenal gut! Auch wenn die Setlist sich von der des Vorabends kaum unterschied - High, Before three und Let's go to bed wurden ersetzt durch Inbetween days, Push und Facination Street und die Reihenfolge des Restes war durchgemischt - war es alleine wegen der Masse an gespielten Songs hochabwechslungsreich. Bei 40 Liedern, von denen einige dann auch noch irre lang sind, kann keine Langeweile aufkommen, wenn man die Band mag. Wer wegen Friday I'm in love gekommen war, hatte aber vermutlich trotz der eher popig-ausgelegten Setlisten keinen guten Abend. 


Ich habe 2014 The Cure erstmals in England gesehen und sie mir damit für Konzerte sonstwo fast sicher versaut. In Großbritannien ist die Band nationales Kulturgut. 20jährige Zuschauer, die auch bei den weniger strahlenden Stücken von The top oder bei B-Seiten textsicher sind, erlebt man bei uns vermutlich nur noch bei Helene Fischer. Wenn in Deutschland das The Cure Publikum überwiegend Ü40 und schwarz gekleidet ist, war das in London viel mehr ein Querschnitt durch die Bevölkerung - oder mainstreamiger - und schmetterte A forest, Play for today oder One hundred years laut mit. Wundervoll! Beneidenswertes England!  


Robert Smith war auch am zweiten Abend glänzend aufgelegt und nuschelte hier und da Ansagen, oft von einem Lachen quittiert. Wer ist der vergleichbare deutsche Rockstar? Westernhagen? Himmel hilf! 


Als die ersten Zuschauer gingen (sie hatten die angekündigten 150 min gesehen), kam die Band ein letztes Mal zu Zugaben zurück. Nach drei Blöcken à drei Songs (der letzte war der "Disintegration type of encore"), spielten die nicht kaputtzukriegenden Musiker zwanzig Minuten lang Dressing up, The lovecats, Close to me, Why can't I be you, Boys don't cry und Hey you! 2014 war kein tolles Jahr - es war aber ein tolles Konzertjahr. Allerdings fürchte ich, daß die Latte für einen ordentlichen Jahresabschluß mit diesen vier Londoner Konzerten (auch hier, hier und hier) zu hoch für alle Folgejahre gelegt wurde. Und in jedem normalen Jahr wäre dieses Konzert natürlich das beste gewesen. So war es das viertbeste der Woche.

Setlist, The Cure, Hammersmith Apollo, London:


01: Shake dog shake 
02: Piggy in the mirror 
03: A night like this 
04: Push 
05: Inbetween days 
06: Just like heaven 
07: Bananafishbones 
08: The caterpillar 
09: The walk 
10: A man inside my mouth 
11: Wailing wall 
12: Three imaginary boys 
13: Never enough 
14: Wrong number 
15: Birdmad girl 
16: Lovesong 
17: Like cockatoos 
18: From the edge of the deep green sea 
19: Kyoto Song 
20: alt.end 
21: Want 
22: The hungry ghost 
23: One hundred years 
24: Give me it 
25: The top 

26: The empty world (Z) 
27: Charlotte sometimes (Z) 
28: Primary (Z) 

29: M (Z) 
30: Play for today (Z) 
31: A forest (Z) 

32: Pictures of you (Z) 
33: Lullaby (Z) 
34: Fascination Street (Z) 

35: Dressing up (Z) 
36: The lovecats (Z) 
37: Close to me (Z) 
38: Why can't I be you? (Z) 
39: Boys don't cry (Z) 
40: Hey you (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv:
- The Cure, London, 21.12.14
- The Cure, London, 29.03.14
- The Cure, Scheeßel, 22.06.12
- The Cure, Barcelona, 01.06.12
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08
- The Cure, Leipzig, 04.08.90


Sonntag, 28. Dezember 2014

The Cure, London, 21.12.14

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Konzert: The Cure
Ort: Hammersmith Apollo, London
Datum: 21.12.2014
Dauer: The Cure 186 min
Zuschauer: vermutlich gut 5.000 (ausverkauft)




Als ich mich Monate, nachdem ich die Karten für die Konzerte gekauft hatte, entschieden hatte, zu den beiden vorweihnachtlichen Slowdive-Auftritten nach London zu fliegen und alles gut gebucht hatte, kündigten The Cure ein paar Tage später zwei Konzerte direkt im Anschluß an Slowdive an. Konzertgängers Probleme.



Die Karten für die beiden The Cure Gigs waren knifflig zu ergattern, es gab ein "Haushaltslimit" von vier Tickets, ich brauchte fürs erste drei, fürs zweite zwei, hatte aber erst beim Bezahlen verstanden, daß die Grenze für beide Shows gemeinsam galt. Nach dem Löschen von Tag zwei, waren auch die anderen Tickets weg und beide Termine beim Namenssponsor der Halle ausverkauft. Ein Tipp eines Bekannten und eine zweite Website halfen weiter. Dann blieb die Ungewissheit, ob die auf einen anderen Namen gekauften Karten für Tag zwei überhaupt gültig sein würden. "Nur der Käufer erhält die Karten gegen Vorlage des Ausweises, Vollmachten werden nicht akzeptiert", wirkte abschreckend. Und genau das sollte es vermutlich auch. Unsere Tickets wurden überraschenderweise per Post verschickt, eine Kontrolle der (ungültigen) Vollmachten und Ausweiskopien erfolgte nicht. Der Massenandrang vor der Halle in Hammersmith hätte dies auch kaum zugelassen. Allerdings funktionierte die Abschreckung ebenso wenig, vor dem Apollo standen Heerscharen an Schwarzhändlern, die für 10 Pfund auf- und für 130 verkaufen wollten.


Wir kamen nach dem aufgedruckten Einlasszeitpunkt, mussten uns aber noch an der eindrucksvoll langen Schlange anstellen. Auch das Foyer quoll über, die Reihe vor der Garderobe war endlos. Wir kamen daher bereits nach dem vorverschobenen Beginn des Support-Sets von And Also The Trees in den Saal, was bei einer angekündigten 150-Minuten-Show von The Cure, zwei Konzerten an den Vorabenden und zweieinhalb Tagen London Kultur- und Shopping-Programm zu verschmerzen war. Außerdem sollte ich am nächsten Tag And Also The Trees komplett sehen.

Der Innenraum des Apollo ist riesig, von oben ellipsenförmig und fällt zur Bühne hin stark ab. Natürlich war der untere Saal nicht bestuhlt, es würde im Gegensatz zur Royal Albert Hall im März ja eine kurze Show.



Bereits um kurz nach acht betraten Robert Smith, Reeves Gabrels (Gitarre), Roger O'Donnell (Keyboard), Simon Gallup (Bass) und Jason Cooper (Schlagzeug) die Bühne. Hinter ihnen war eine Leinwand, auf der aber während des ganzen Konzerts nur noch einmal die Totale der Bühne unscharf zu sehen war. Star des Bühnendesigns war das sagenhaft-tolle Licht, eine Mischung aus der Anlage des Apollo und den zahllosen Strahlern zwischen den Musikern.

Robert Smith trug eine merkwürdige Batik-Jacke, das (erst auf den zweiten Blick) komischste Outfit hatte aber der Keyboarder rauslegt. Sein schwarzes Hemd hatte auf der Knopfleiste schwarze Harlekin-Bommel, warum auch immer (ich werde wohl nie Modeblogger).


The Cure hatten vor den Konzerten, die später noch um ein drittes am Dienstag erweitert wurden, angekündigt, an den Abenden "deep cuts, pop songs, fan favourites and surprises galore" zu spielen. Das erste lange nicht gespielte Stück war Wailing wall von The top. Da - und auch später am Abend - ahnte man noch nicht, daß die gesamte Platte von 1984 gespielt werden würde. Die Lieder von The top waren über das ganze Set verteilt. Natürlich war das bewußt so gemacht, die Vorstellung, daß The Cure aus Zufall eines der Alben komplett in einem Programm von 40 Liedern gespielt haben, gefiel mir trotzdem gut.



A man inside my mouth, die B-Seite von Close to me, war eines der besonderen Weihnachtsgeschenke an Hardcore-Fans. Das Stück hatten The Cure vorher nie live gespielt. Mir wäre das natürlich nicht aufgefallen, dafür bin ich nicht tief genug im nahezu unüberschaubaren The Cure-Universum verwurzelt.

In den ersten eindreiviertel Stunden spielten die alten Männer, die so viel mehr Energie als ihre jüngeren Zuschauer haben, 23 Lieder. Mit Abstand am besten dabei waren From the edge of the deep green sea und One hundred years. Daß The Cure in Großbritannien einen anderen Status als bei uns haben, ist klar. Daß aber die meisten der 5.000 Leuten von unter 18 bis weit jenseits der 50 bei jedem Lied mitgröhlen, macht The Cure Konzerte dann noch einmal besonderer. One hundred years war auch in dieser Hinsicht ein besonderer Gänsehaut-Moment. 



Ihre anderthalbstündige Zugabe unterteilte die Band wie üblich in kurze Blöcke. Aus dem ersten mit Resten von The top und Primary aus der Faith-Zeit stach Charlotte sometimes (Zeitgenossin von Primary) heraus, das ich bisher noch nicht live gesehen hatte. Zugabe zwei bestand wieder aus zwei The top Stücken und Never enough und Wrong number. Der dritte Block war dann meiner, der düstere, bestehend aus Three imaginary boys, M, Play for today und A forest. Alleine für diese vier Stücke hassen vermutlich 90% aller Künstler The Cure insgeheim.


Damit waren die 150 angekündigten Minuten lange überschritten. Aber für solche Kurzauftritte scheint Robert Smith nicht zu haben zu sein. Die Band kam also gut gelaunt zurück und spielte noch einmal fünf Lieder - die Pop-Zugabe mit Lovecats und Boys don't cry zum Beispiel. Nach 185 Minuten beendete das kurze Hey you! (erstmals nach zehn Jahren) das atemberaubend gute Konzert. Wenn ich mir vorstelle, daß ich ohne die Slowdive-Abende nicht extra wegen The Cure nach London gefahren wäre, habe ich erneut einen Grund, Slowdive zu danken.

Setlist The Cure, Hammersmith Apollo, London:

01: Shake dog shake
02: Kyoto song
03: A night like this
04: alt.end
05: Wailing wall
06: Bananafishbones
07: The caterpillar
08: The walk
09: A man inside my mouth
10: Close to me
11: Lullaby
12: High
13: Birdmad girl
14: Just like heaven
15: Pictures of you
16: Before three
17: Lovesong
18: Like cockatoos
19: From the edge of the deep green sea
20: Want
21: The hungry ghost
22: One hundred years
23: Give me it
 
24: The empty world (Z)
25: Charlotte sometimes (Z)
26: Primary (Z)
27: The top (Z)
 
28: Dressing up (Z)
29: Piggy in the mirror (Z)
30: Never enough (Z)
31: Wrong Number (Z)
 
32: Three imaginary boys (Z)
33: M (Z)
34: Play for today (Z)
35: A forest (Z)
 
36: The lovecats (Z)
37: Let's go to bed (Z)
38: Why can't I be you? (Z)
39: Boys don't cry (Z)
40: Hey you! (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- The Cure, London, 29.03.14
- The Cure, Scheeßel, 22.06.12
- The Cure, Barcelona, 01.06.12
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08
- The Cure, Leipzig, 04.08.90



Sonntag, 30. März 2014

The Cure, London, 29.03.14

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Konzert: The Cure
Ort: Royal Albert Hall (Teenage Cancer Trust)
Datum: 29.03.2014
Dauer: gut dreieinhalb Stunden
Zuschauer: ca. 5.500 (ausverkauft)




Freitag The Cure und Sonntag Suede in der Royal Albert Hall - das Programm der letzten Tage der Teenage Cancer Trust Woche in London klang viel zu gut, um nicht zu versuchen, Karten für die Konzerte zu bekommen. Also saßen wir zu dritt vor Bildschirmen und kämpften um jeweils vier Karten für die beiden Daten. Aus Freitag war zwar zwischenzeitlich das Zusatzkonzert am Samstag geworden, der erste Cure Termin war bereits vor Vorverkaufsstart über Fanclubs vergriffen, der Zusatzgig am Samstag passte aber noch besser. Ich kam am weitesten mit meinen beiden Bestellungen, ich hatte meine Kreditkartendaten eingegeben, meinen Sparkassen Secure Code, alles funktionierte scheinbar. Auf dem Rückweg zum wieder einmal vollkommen überforderten Seetickets stürzte die Seite ab. Meine kleine Hoffnung darauf, daß die Zahlung ja bereits ausgelöst war, verschwand, als nicht nur der Warenkorb sondern auch meine Bestellhistorie leer blieb. 

Später kam ein mail "Mike hat Tickets übrig, willst Du die?" Natürlich wollte ich, gleichzeitig wollte ich aber auch nicht, weil meine Freunde keine bekommen hatten. Ich war da, bin es immer noch. Daher auch jetzt nicht sehr viel mehr, draußen ist London und Frühling (am Montag dann ähnlich episch wie der Abend):



The Cure hatten das Konzert sachlich als "3 hour show" angekündigt. Gottseidank war meine Angst, dies nach meinem Tagesstart um 3:00 Uhr stehend nicht durchzuhalten, übertrieben. Die konzertgeplagten Füße hielten. Ein Besuch der Royal Albert Hall steht bei mir seit Jahren auf dem Programm (Last Night Of The Proms, James...), es war heute meine Premiere. Und es war eine überwältigende Premiere! Aber dazu später mehr!

Setlist The Cure, Royal Albert Hall, London:
01: Plainsong
02: Prayers for rain
03: A strange day
04: A night like this
05: Stop dead
06: Push
07: In between days
08: 2 late
09: Jupiter crash
10: The end of the world
11: Lovesong
12: Mint car
13: Friday I'm in love
14: Doing the unstuck
15: Trust
16: Pictures of you
17: Lullaby
18: High
19: Harold and Joe
20: The caterpillar
21: The walk
22: Sleep when I'm dead
23: Just like heaven
24: From the edge of the deep green sea
25: Want
26: The hungry ghost
27: Wrong number
28: One hundred years 
29: Disintegration

30: If only tonight we could sleep (Z)
31: Shake dog shake (Z)
32: Fascination street (Z)
33: Bananafishbones (Z)
34: Play for today (Z)
35: A forest (Z)

36: Catch (Z)
37: The lovecats (Z)
38: Hot hot hot!!! (Z)
39: Let's go to bed (Z)
40: Freakshow (Z)
41: Close to me (Z)
42: Why can't I be you (Z)

43: Boys don't cry (Z)
44: 10:15 saturday night (Z)
45: Killing an arab (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Cure, Scheeßel, 22.06.12
- The Cure, Barcelona, 01.06.12
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08
- The Cure, Leipzig, 04.08.90


Dienstag, 26. Juni 2012

The Cure, Hurricane Festival, 22.06.12

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Konzert: The Cure Ort: Hurricane Festival, Scheeßel
Datum: 22.06.2012

Dauer: ca. 2 Stunden



von Ursula von neulich als ich dachte und Dirk von Platten vor Gericht


Mit Norddeutschland kenne ich mich eher schlecht aus, und wohl deshalb bin ich, wann immer ich in diese Gegend komme, stets erstaunt, wie viel es davon gibt. Und entsprechend dauern auch Fahrten nach und durch den Norden immer viel länger, als ursprünglich erwartet.

Der gestrige Tag war keine Ausnahme von dieser Regel, und so schafften wir es nach einer dank Bahn leicht verspäteten, frühnachmittäglichen Abfahrt von Koblenz aus nicht einmal annähernd, das Hurricane-Festivals zur ursprünglich angestrebten Ankunftszeit zu erreichen. Nach endloser Fahrerei über Autobahnen mit Staus, Landstraßen und kleine Dörfer (nicht zuletzt einen Ort namens „Grauen“) und dem Einchecken in ein ländliches Hotel war es bereits 21 Uhr. Ganz Deutschland saß nun vor dem EM-Viertelfinale, wir dagegen mussten schleunigst weiter zum Festivalgelände. Und obwohl immerhin dieser letzte Anfahrtsweg recht zügig verlief, war der Auftritt von The XX bereits in vollem Gange, als wir uns noch um unsere Einlassbändchen bemühten. Immerhin hatten wir so das etwas bittere Vergnügen, zu deren „Intro“ auf das Gelände zu marschieren – dem Lied von The XX, zu dem zurzeit auch die Nationalmannschaften bei der EM aus der Kabine einlaufen.


Bis wir dann erfolgreich die Einlasskontrolle passiert hatten, war es schon Zeit, sich zum Auftritt vom Headliner des ersten Abends auf der Hauptbühne zu begeben: The Cure. Wohl wegen der diversen Erfahrungen mit unschönen Ereignissen bei Massenveranstaltungen ist man beim Hurricane sehr vorsichtig geworden: Vor den beiden großen Bühnen gibt es jeweils zwei „Brecher“, und um den zweiten zu passieren und direkt vor die Bühne zu gelangen, muss man durch einen Security-geregelten Bereich ganz an der Seite der Bühne. Bei The Cure war uns dieser doch recht umständliche Weg zu weit und gleichzeitig zu wenig erfolgversprechend, und wir entschieden uns, an der Barriere stehen zu bleiben, die uns vom Vorbühnenraum trennte – was sich als Fehler erwies. Hurricane-Gäste sind leider häufig besoffen und rücksichtslos, und so wurde man an dieser Stelle, an der die von Menschen verdeckte Barriere in besoffenem Zustand nicht einwandfrei erkennbar war, häufig von Menschen beiseite gedrängelt, die nicht verstanden, dass nach vorne kein Durchkommen war.


Ein persönliches Highlight des Freitagabends war für mich auch, dass wir zuerst hinter drei betrunkenen Engländern standen, von denen einer, als er kurz vor Konzertbeginn mal musste, sich einfach auf die Knie niederließ und laufen ließ. Ein schneller Platzwechsel unsererseits war die Folge.

In dem bei mir aufsteigenden Menschenhass gingen die doch sehr weit entfernten The Cure ein wenig unter, dabei spielten sie ein stellenweise sehr schönes Set mit vielen Klassikern älteren Datums („In Between Days“, „Just Like Heaven“) und Überflüssigem neueren Datums („Mint Car“, „Wrong Number“). Besonders viel Gefallen hatten Robert & Co. an diesem Abend an den Alben „Disintegration“ und „Wish“, von denen jeweils eine Handvoll Songs berücksichtigt wurde.


Robert Smith war pummelig, schwarz gekleidet und geschminkt wie eh und je, nur der Haarpuschel enthielt verglichen mit früher mehr grau. Im Publikum fanden sich, wie bei Festivals ja üblich, neben beinharten Fans auch viele komplette Neulinge, und so wurde mein Freund ausgerechnet während des superbekannten „A Forest“ gefragt, welche Band da denn gerade spiele. Immerhin „Friday I’m in Love“ und „Lullaby“ schienen beim Publikum weitgehend bekannt zu sein, bei Cure-Konzerten wohl traditionelle Interaktionen bei Liedern wie „A Forest“ und „Play for Today“ klappten mangels informierter Fans aber überhaupt nicht.

Nach „Disintegration“, das den heutigen Festivalauftritt abschloss, mussten wir das Konzert verlassen, weil wir einen wichtigen Termin vor der Blue Stage hatten. Im Gegensatz zu vollständigen The Cure-Konzerten verpassten wir nach diesem Hauptteil nicht noch eine weitere Stunde Musik, sondern nur die Zugaben „The Same Deep Water as You“ und „Boys Don’t Cry“.

Setlist, The Cure, Hurricane Festival, Scheeßel:

01: Plainsong
02: Pictures of You
03: High
04: The End of the World
05: Lovesong
06: Sleep When I'm Dead
07: In Between Days
08: Just Like Heaven
09: From the Edge of the Deep Green Sea
10: The Hungry Ghost
11: Play for Today
12: A Forest
13: Bananafishbones
14: Lullaby
15: The Walk
16: Mint Car
17: Friday I'm in Love
18: Doing the Unstuck
19: Trust
20: Want
21: Wrong Number
22: One Hundred Years
23: Disintegration

24: The Same Deep Water as You (Z)
25: Boys Don’t Cry (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Cure, Barcelona
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08
- The Cure, Leipzig, 04.08.90



Samstag, 2. Juni 2012

The Cure, Barcelona, 01.06.12

1 Kommentare

Konzert: The Cure
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 01.06.2012
Zuschauer: Tausende
Dauer: 172 min


Puh, das war harte Arbeit. Sowohl für Band, als auch fürs Publikum. Auch wenn The Cure um 22.10 angesetzt waren, also am spanischen Nachmittag, ist es nach einem langen Konzerttag ein echter Brocken, noch fast drei Stunden am Stück aufmerksam zuzuhören. Ich weiß nicht, für wie viele andere Bands ich das machen würde, die Frage ist aber auch müßig, weil keine andere, die ich mag, stur Konzerte jenseits der 150 min Marke spielt, egal ob Sporthalle oder Festival.

Wäre es nach Robert Smith gegangen, hätten The Cure noch einiges draufgepackt, hatte ich im Gefühl. Unter seiner Farbmaske schien der Sänger mit der Krähenfrisur in richtiger Spiellaune zu sein. Unter den unendlich vielen Hits ragte natürlich das beste Lied der Band The forest heraus, in das Robert Smith ein Geburtstagsständchen für Bassist Simon Gallup eingebaut hatte ("happy birthday, dear Simon" auf die Melodie der letzten Passage). Aber es gab auch viele andere magische Momente, direkt danach fällt mir vor allem der Anfang von Inbetween days ein, der tausendfache Chor des Publikums vor Roberts Einsatz - irre!

Ausführlicher - folgt!

Setlist The Cure, Primavera Festival, Barcelona:

01: Plainsong
02: Pictures of you
03: High
04: The end of the world
05: Lovesong
06: Push
07: Inbetween days
08: Just like heaven
09: From the edge of the deep green sea
10: The hungry ghost
11: Play for today
12: A forest
13: Bananafishbones
14: Lullaby
15: The walk
16: Mint car
17: Friday I'm in love (Dean & Britta Cover)
18: Doing the unstuck
19: Trust
20: Want
21: Wrong number
22: One hundred years
23: Disintegration

24: The kiss (Z)
25: If only tonight we could sleep (Z)
26: Fight (Z)

27: Dressing up (Z)
28: The lovecats (Z)
29: The blood (Z)
30: The caterpillar (Z)
31: Close to me (Z)
32: Just one kiss (Z)
33: Let's go to bed (Z)
34: Sleep when I'm dead (Z)
35: Why can't I be you? (Z)

36: Boys don't cry (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08
- The Cure, Leipzig, 04.08.90



Mittwoch, 16. November 2011

The Cure, Leipzig, 04.08.90

8 Kommentare


Konzert: The Cure
Ort: Zentralstadion, Leipzig
Datum: 04.08.1990


von Katja

Mein historisches Konzerterlebnis begann am Abend des 26. oder 27. Juli 1990. Ich hörte Radio FFN Niedersachsen, obwohl ich im Ruhrgebiet wohnte. Radio FFN spielte zu bestimmten Zeiten Indie, und in einer Kleinstadt, ohne gut sortierten Plattenladen und ohne Internet, war man glücklich über jede Infoquelle. Irgendwann an diesem Abend lief ein Lied von The Cure, und danach kündigte der Moderator an, dass The Cure am Wochenende ein Konzert in Leipzig gaben - und außerdem jetzt sofort Karten unter denjenigen Hörern verlost würden, die eine Fachfrage zu The Cure richtig beantworteten.

Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein ganz normaler, langweiliger Abend gewesen – bis ich aus einer verrückten Laune heraus zum Telefon griff und bei dem Sender anrief. Und völlig unerwartet durchkam. Und tatsächlich eine Karte gewann.

An dieser Stelle muss ich etwas zu meiner Beziehung zu The Cure sagen. 1987 veröffentlichten The Cure „Why can´t I be you“ aus dem Album „Kiss me Kiss me Kiss me“, und dies war der Beginn meiner musikalischen Existenz, wenn ich das mal so nennen darf. Ich kann das heute kaum noch erklären, und jeder „Seventeen Seconds“ und „Pornography“-Cure-Fan wendet sich wohlmöglich mit Grausen ab, aber diese Platte war der Grund dafür, dass ich in einem sehr kurzen Zeitraum den gesamten Backkatalog gekauft, und danach ungefähr zwei Jahre ausschließlich The Cure gehört habe. Natürlich allein und meist über Kopfhörer. Ich habe ihre Texte analysiert, mir über obskure Fanzines Bootlegs mit hohem Rauschanteil auf Kassette bestellt, und den Heizkörper in meinem Zimmer mit ausgesuchten Songzitaten in Fan-Art verwandelt (leider mit wasserfestem Edding, so dass der Heizkörper nach meinem Auszug komplett neu gestrichen werden musste).

1989 kam Disintegration heraus, eine der größten Cure-Platten, und ich war mit einer Freundin auf dem Bizarre Special am 13. Mai 1989 auf der Loreley Bühne. Mein erstes Cure Konzert überhaupt. Ich habe geheult, als das Set mit Plainsong gestartet hat. Heute weiß ich, dass auch die Pixies und die Sugarcubes dort aufgetreten sind, aber ich habe überhaupt keine Erinnerung daran, wahrscheinlich habe ich sie gar nicht wirklich wahrgenommen.

Und jetzt, ein gutes Jahr später, ein weiteres Cure-Konzert. Ich war glücklich, vollkommen überdreht, und ich würde alles daran setzen, dort hinzukommen.

Was sich in der Tat als nicht ganz einfach herausstellte. Das erste Problem war: man musste die Karte beim Sender in Hannover abholen. Also rief ich einmal, oder auch mehrmals, beim Sender an, wo man zunächst partout nicht verschicken wollte, bis sich ein Mitarbeiter dann doch irgendwann breitschlagen ließ; vielleicht weil er ein Herz für völlig verzweifelte Cure-Fans hatte, und sicher um mich endlich loszuwerden. Das nächste Problem: das Konzert war in Leipzig. Ich hatte den Führerschein erst ein halbes Jahr und meine Eltern weigerten sich schlichtweg, mir ihr Auto zu leihen. Alternativ kümmerte ich mich um eine Bahnkarte, Dortmund – Leipzig, zu einem horrenden Preis. Noch ein Problem: am Freitag war die Karte vom Sender noch nicht angekommen. Samstagabend, den 4. August, musste ich in Leipzig sein, und der einzig mögliche Zug fuhr relativ früh in Dortmund ab – viel zu früh, um noch auf den Postboten zu warten. Der Plan war nun wie folgt: ich würde zu nachtschlafender Zeit Samstag Morgen zur Post radeln, den Brief persönlich abholen, würde dann von meinem, wenig begeisterten, Bruder zum 30 km entfernten Bahnhof in Dortmund gebracht werden, um den Zug in letzter Minute zu erwischen. Die Ausführung war dann auch fast perfekt, allerdings fuhr ich zweimal zur Post, weil ich beim ersten Mal meinen Ausweis vergessen hatte, und der Postbeamte nicht gewillt war, einer völlig fremden Person einen Brief auszuhändigen. Am Ende saß ich dann, völlig fertig, mit meiner Konzertkarte in dem Zug nach Leipzig und konnte einfach nicht glauben, dass tatsächlich alles geklappt hatte.

Eine Zugfahrt nach Leipzig war 1990 nicht das, was es heute ist. Irgendwann nach der Grenze fing der Zug aufgrund der alten Gleise an zu schleichen, und die Fahrt hat insgesamt wohl 8 Stunden gedauert. Dann stand ich in Leipzig am Bahnhof, der auch noch nicht so schön war, wie er heute ist, und kam schließlich irgendwie in das Sportstadium, wo das Konzert stattfand, zusammen mit einem ganzen Tross von Cure-Fans.

Heute weiß ich, dass dieser Auftritt von The Cure in Leipzig, und einen Tag später in Dresden, eine wirkliches historisches Ereignis für die schwarze Szene war, die sich in der DDR entwickelt hatte, und von der Regierung, vorsichtig ausgedrückt, misstrauisch beäugt wurde. Für derartige zeitgeschichtliche Erwägungen hatte ich damals allerdings keinen Sinn, und ich weiß auch nicht mehr, ob ich überhaupt darüber nachgedacht habe, dass dies für mich die erste Reise nach Ostdeutschland nach dem Mauerfall war, der zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Jahr alt war. Für mich zählte nur das Jetzt ,und da stand ich nun, eingequetscht zwischen lauter anderen, enthusiastischen Cure-Fans mit lustigen Frisuren, die aufgrund der langen, politisch begründeten, Abstinenz, ein großes Nachholbedürfnis nach The Cure hatten und dementsprechend genauso bekloppt waren wie ich. Von dem Konzert weiß ich heute nicht mehr so viel, außer dass es eine gute Version von Lovecats gab; aber als ich wieder zu hause war, besorgte ich mir eine VHS, wieder mit hohem Rauschanteil, die ich in einer Art Dauerschleife laufen ließ, und auf der man mich für einen Sekundenbruchteil im vorderen Teil des Zuschauerraums erkennen kann.

Dann war das Konzert zu Ende, und als ich mich mit der Menge in Richtung Ausgang schob, wurde mir langsam klar, dass mein Zug erst am nächsten Morgen wieder zurück nach Dortmund fuhr, und ich mich natürlich nicht um einen Platz zum Schlafen gekümmert hatte. Vielleicht wäre das eine gute Möglichkeit gewesen, sich mal das Nachtleben in Leipzig anzuschauen, aber da ich definitiv genug von Abenteuern hatte, beschloss ich zum Bahnhof zurück zu gehen und dort einfach auf einer Bank zu schlafen.

Im Nachhinein glaube ich, dass das Leipziger Nachtleben die weniger aufregende Variante gewesen wäre. Der Bahnhof war voll von schwarz gekleideten Cure-Fans, die dort auf ihre Züge warteten. Allerdings war nicht nur die schwarze Szene anwesend, sondern auch die rechte Szene. Ein paar minderbemittelte Kahlköpfe fanden das gesamtdeutsche Samstag-Abend-Fernsehprogramm anscheinend wenig überzeugend und hatten stattdessen viel Spass daran, die Schwarzen aufzumischen. Auf dem Bahnhof ist jedoch in dieser Nacht außer Pöbeleien glücklicherweise nichts passiert. Als die Glatzen keine Lust mehr hatte, wurde es wieder ruhiger, ich fand ein paar Leute zum Quatschen und verbrachte letztlich noch eine unterhaltsame Nacht auf dem Leipziger Bahnhof. Irgendwann fuhren alle ab und am Ende blieb nur noch ich übrig und wartete, bis mich der Zug nach Dortmund zurück brachte.

Setlist The Cure, Zentralstadion, Leipzig:

01: Shake dog shake
02: A strange day
03: A night like this
04: Catch
05: Pictures of you
06: Fascination street
07: Lullaby
08: Dressing up
09: The same deep water as you
10: The perfect girl
11: Just like heaven
12: The walk
13: Primary
14: Inbetween days
15: A forest
16: Disintegration

17: Close to me (Z)
18: Let's go to bed (Z)
19: Why can't I be you? (Z)

20: Lament (Z)
21: M (Z)
22: In your house (Z)
23: Faith (Z)

24: Boys don't cry (Z)
25: 10.15 Saturday night (Z)
26: Killing an arab (Z)
27: Never enough (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Cure, Oberhausen, 16.03.08
- The Cure, Paris, 12.03.08



Montag, 17. März 2008

The Cure, Oberhausen, 16.03.08

36 Kommentare

Konzert: The Cure
Ort: Arena, Oberhausen
Datum: 16.03.2008
Zuschauer: ausverkauft, vermutlich 12.000
Konzertdauer: 190 Minuten


In meiner alternativemusikalischen Früherziehung spielte The Cure eine zentrale Rolle. Die Band war mir damals so unglaublich wichtig, daß es fahrlässig war, die vielen Gelegenheiten verstreichen zu lassen, sie live zu sehen. Das habe ich aber. In den 90ern wurde The Cure mir dann egal, warum auch immer, ich kann das heute nicht mehr nachvollziehen. Sprich, ich hatte vor Oberhausen Robert Smith und Co. noch nicht auf der Bühne gesehen. Als ich vor Monaten von den wenigen Deutschland-Konzerten der Engländer gelesen hatte, habe ich sofort ein Ticket geordert, allerdings mehr aus Sammeltrieb, die Band fehlte mir nun mal. Wahnsinnig euphorisch war ich nicht, es war mehr solch ein "Du ärgerst Dich nachher, wenn Du nicht hingehst"-Gefühl. Da ich überzeugt war, mit Mitte (ok, zweite Hälfte Mitte) Dreißig nicht zu den älteren Besuchern zu zählen, kaufte ich einen Stehplatz im Innenraum.

Von den Konzerten in Hamburg und Berlin vor einigen Wochen haben alle großen deutschen Zeitungen berichtet. Vor allem davon, daß The Cure über drei Stunden gespielt hatten. Als Oliver dann vergangene Woche aus Paris von drei Stunden vierzig und 42 Liedern schrieb, erschien mir der Stehplatz plötzlich sehr mutig. Gleichzeitig war meine Vorfreude auf The Cure plötzlich nicht bloß da, sondern auch riesig groß.

Mein letztes (und bisher einziges Konzert) in Oberhausen war im November 89 - da spielten die Ramones, ein unvergessliches Erlebnis. Damals gab es so etwas Spektakuläres wie die König-Pilsener-Arena noch nicht. Auch das riesige CentrO, neben dem sich die Arena befindet, wurde erst ein paar Jahre später errichtet.

Vor der Arena standen schon massenhaft Leute, als ich pünktlich zum Einlaß
erschien. Und ich fühlte mich sofort in die Indie-Disko von damals zurückversetzt, viele der Frisuren und Jacken und T-Shirts waren 100%-ig authentisch.

Drinnen lief dann Interpol. Passendere Musik hätte ich mir als Einstimmung kaum wünschen können (naja, The Organ natürlich). Die Halle ist kein komplettes Oval, sie ist an einem Ende leicht abgeschnitten. Trotz der sehr großen Dimensionen, machte sie gleich einen viel sympathischeren Eindruck als die anderen
Arenen, in denen ich bisher Konzerte gesehen habe, denn sie ist relativ schmal und lang, was einen gedrungenen Effekt erzeugt, der ganz prima wirkte.

Um Punkt sieben (!) begann das Vorprogramm. 65daysofstatic aus Sheffield
eröffneten für The Cure während deren Europatour. Ich hatte die englischen Postrocker noch nicht gesehen, war aber auf Anhieb sehr angetan vom extrem melodischen Instrumental-Rock der Band. Das war ganz fabelhaft - wenn es nicht so unfassbar laut gewesen wäre. Allerdings war die Lautstärke nicht das wahre Problem, es waren die hämmernden Knaller des Bass und der Bassdrum, die die Randplätze ganz vorne unerträglich machten. Denn was nutzt der beste Ohrenschutz, wenn der Kopf sich anfühlt, als schlüge ein Boxer darauf ein. Die lauten Töne verlangten vom Schlagzeuger der Gruppe auch vollen Einsatz, er headbangte während seines Jobs und prügelte wie verrückt auf seine Trommeln ein. Unabhängig von der Lautstärke war es aber sehr lohnenswert, obwohl das komplette Set instrumental war und das ja nicht immer eine gute Idee als Vorprogramm ist.

Nach einer halben Stunde 65days... und einer ewig langen Umbaupause von 45 Minuten (unverständlich, denn nach 20 Minuten tat sich auf der Bühne nichts mehr), fingen dann um 20.15 Uhr The Cure an. Zunächst erklangen nur sphärische Töne, untermalt von Sternenhimmel-Animationen auf den riesigen Video-Leinwänden hinter der Bühne. Nach einer Weile kamen die vier Cures dann und stiegen in den "Plain song" ein, das war schon einmal ziemlich überwältigend.

Robert Smith trug eine Camouflage-Hose und ein dunkelgraues Hemd. Und selbstverständlich das Dings da auf dem Kopf. Nach dem "Plain song" richtete er sich die Haare, strich mit den
Händen irgendwie da durch und frisierte sich, vollkommen faszinierend, das zu beobachten.

An Smiths Seite stand die exzentrischere Figur des Abends, Gitarrist Porl Thompson. Der glatzköpfige Musiker trug
eine schwarze Lackhose, ein schwarzes Netztop, unter dem man seine gesammelten Körperkunstwerke bewundern konnte, ein Paar sehr hohe Damen-Lackschuhe (aus dem Fetisch-Regal) und allerlei Tattoos auf dem Kopf. Porl, der Roberts Schwager ist (er ist mit dessen Schwester verheiratet), war etwas fürs Auge, gar keine Frage!

Aber ich war in erster Linie der Ohren wegen da und auch die bekamen viel geboten. Das Set war anfangs so wie in Paris. Dem "Plain song" folgte "Prayers for rain" von "Disintegration" und "A strange day" von "Pornography", bevor mit "alt.end" ein neuerer Song kam. Danach wieder zwei Stücke aus den frühen 80ern, so gemischt sollte es den ganzen Abend weitergehen. Und egal aus welcher Phase die Stücke kamen, das Publikum kannte sie und sang und tanzte mit.
Zumindest im Innenraum, auf den Tribünen war es anfangs deutlich ruhiger. Aber auch im Innenraum vorne wurde nicht Pogo getanzt, die Leute wippten eher, tanzten so wie früher auf Cure (ein Schritt vor, ein Schritt zurück), sangen, reckten die Hände hoch, es war sehr angenehm und gar kein fieses Gedrängel, was drei Stunden (plus) schwer erträglich gemacht hätte.

Natürlich waren auch viele der bekanntesten Hits schon
früh im Programm, der "Lovesong" oder "Lullaby", das ich damit zweimal innerhalb von drei Tagen live gesehen habe, nachdem die Editors in Krefeld ein vorzügliches Cover gespielt hatten.

Ganz besonders großartig war dann die Phase danach mit dem "Kyoto song" und "The figurehead", echten Highlights des Abends. Ab und zu wurden die Lieder auf den
Leinwänden hinter der Bühne visuell unterstützt. Bei "Lullany" lief eine Spinne über das Artwork der Platte, wenn ich mich richtig an das erinnere. Sehr schön auch mit "A boy I never knew" ein neues (und tolles) Lied.

Nach deutlich über zwei Stunden beendeten "One hundred years" (mit Kriegszenen z.B. aus Vietnam) und "
Disintegration" den ersten Teil des Konzerts. Denn es sollten ja noch viele Stücke folgen, dreizehn, um genau zu sein - schwierig, bei solchen Mengen von Zugaben zu sprechen. Jedenfalls verließen die Vier kurz die Bühne, um dann den ersten Zugabeblock zu spielen, für mich die mit Abstand stärkste Phase des Abends. "At night, "M", "Play for today" und vor allem "A forest" waren beeindruckend. Richtig beeindruckend war es allerdings, sich dabei einmal umzudrehen und die unglaubliche Stimmung in der großen Halle auf sich wirken zu lassen. Das war alles so unwirklich (oder platt: Gänsehautstimmung).

The Cure verschwanden und kamen kurz danach unter großem Jubel zum Pop-Zugabenblock wieder. Der bestand aus dem Radiohit "Friday I'm in love", "Freak
show", "Close to me" und einem ungewohnt klingenden "Why can't I be you?", denn da fehlten die Bläser. Das machte es nicht schlechter, es klang aber schon deutlich anders.

Auch nach dem anschließenden Bühnenabgang wurde keine künstliche Stimmung erzeugt, es war klar, daß Robert und Kollegen noch einmal erscheinen würden. Sie taten das dann für ein furioses Finale. Sie spielten noch einmal fünf Lieder, darunter
"Boys don't cry", das wundervolle "Jumping someone else's train" und einen meiner ganz großen Lieblinge "Killing an arab", mit dem ich viele Erinnerungen verbinde, als Abschluß. Zu dem Zeitpunkt hatten die Leute auf den Tribünensitzplätzen längst gestanden - und getanzt, es war eben alles ganz herrlich feierlich.

Mein ganz großer Traum, die Smiths einmal live zu sehen, wird wohl nie wahr werden. Seit gestern ist das aber etwas weniger schlimm, denn das war ein Konzert einer Band, die man gesehen haben muß, ohne wenn und aber.

Setlist The Cure, Arena, Oberhausen:

01: Plain song
02: Prayers for rain
03: A strange day
04: alt.end
05: A night like this
06: The end of the world
07: Lovesong
08: Pictures of you
09: Lullaby
10: From the edge of the deep green sea
11: The figurehead
12: Kyoto song
13: Please come home (neu?)
14: Push
15: Inbetween days
16: Just like heaven
17: Primary
18: A boy I never knew (neu)
19: Never enough
20: Wrong number
21: The baby screams
22: One hundred years
23: Disintegration

24: At night (Z)
25: M (Z)
26: Play for today (Z)
27: A forest (Z)

28: Friday I'm in love (Z)
29: Freak show (Z)
30: Close to me (Z)
31: Why can't I be you? (Z)

32: Boys don't cry (Z)
33: Jumping someone else's train (Z)
34: Grinding halt (Z)
35: 10:15 saturday night (Z)
36: Killing an arab (Z)

Links:

- The Cure in Paris
- mehr Fotos von The Cure in Oberhausen
- Fotos vom The Cure Konzert in Paris



 

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