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17:47
Konzert: 65daysofstaticOrt: Evreux, Festival Le Rock Dans Tous Ses EtatsDatum: 27.06.2008Zuschauer: ein paar HundertBühne: Papa MobilKonzertdauer: 50 Minuten
Nach dem letztwöchigen Aufgalopp in die Festivalsaison in Luxemburg, stand heute mein erstes französisches Open-Air Festival an.In Evreux war ich bereits in den letzten zwei Jahren und hatte sowohl was die Anlage, als auch Zuschauer und Bands betrifft sehr positive Erfahrungen gemacht.Das Gelände liegt eingebettet in ein herrliches Waldstück und ist weitläufig, aber dennoch überschaubar und auch nicht überlaufen. Die zwei Hauptbühnen sind nicht sehr weit auseinander und man kann bequem von der Scène A zur Scène B kommen.
Mein Augenmerk galt aber bei dem heutigen ersten von insgesamt zwei Festivaltagen, der Nebenbühne, dem lustig benannten Papa Mobil. Das hatte ich eigentlich vom letzten Jahr als (zumindest halb) überdacht in Erinnerung, aber neuerdings ist es es offen und luftig.
Bei dem herrlichen Wetter, das in Evreux herrschte, war das aber überhaupt kein Problem, vor Regentropfen musste man jedenfalls nicht geschützt werden!Die Engländer 65daysofstatic waren die erste Band, die ich genauer unter die Lupe nahm. Eine vierköpfige Truppe, die mich bereits als Vorgruppe von The Cure aufhorchen liess. Vor ein paar Monaten in Paris-Bercy hatte ich noch meine Witzchen darüber gemacht, dass der Sänger eine fabelhafte Stimme habe, wohlwissend,
dass bei 65daysofstatic nie gesungen wird. Die vier wilden Kerle lassen eher ihre Gitarren ,den Bass, das Piano und das wuchtige Schlagzeug sprechen und schaffen es auch ganz ohne Texte, Bilder, ja richtige kleine Filme im Kopf ablaufen zu lassen!Äusserst wuchtig, aber gleichzeitig hochmelodisch, kreieren sie verblüffende Soundteppiche und regelrechte Gitarrenwände, die höher sind, als die gothische Kathedrale von Evreux, die ich mir am nächsten Tag angesehen habe."The next song is about orgasm!", kündigte dann auch der langmähnige Frontmann und Gitarrist schmunzelnd eines ihrer zahlreichen,
atemberaubenden Lieder an und erkundigte sich auch noch, wie man denn das auf französisch sage.*
Nachdem er das in Erfahrung gebracht hatte, schleuderten er und seine Kumpels mir und den anderen begeisterten Besuchern beinharte, aber dennoch sehr melodische Riffs in die Fresse und liess seine langen Haare durch die Luft wirbeln.
Der Drummer drosch auf sein Instrument ein, als wolle er es in kleinste Stücke zerhacken, schafft es aber dennoch punktgenau und präzise zu spielen. Der Typ würde auch in einer Death-Metal Band einen guten Part abgeben!Auffällig war auch der kurzhaarige blonde Bassist, der mit seinen stahlblauen Augen völlig verträumte und hypnotische Blicke aussendete.Das Set, das Lieder aller drei Alben beinhaltete, war ausgewogen und stark ("Primer", eine Wucht!), erreichte aber nach knapp vierzig Minuten einen gigantischen Höhepunkt. Zu der Singleauskopplung von 2006 "Radio Protector" ertönten wunderschöne Pinaoklänge und süssliche Glöckchen,
bevor die Band ihre unwiderstehlichen Riffe und Schlagzeugsalven abfeuerte. Allein dieser sensationelle Titel war das Eintriitsgeld wert! Ich konnte nicht unterscheiden, ob es an der Hitze, oder an dem Smasher lag, aber eins war klar: mir lief eine eiskalte Gänsehaut über den Rücken!Die Band holte hierzu alles heraus, was in ihnen steckte. Zwei der Typen headbangten regelrecht am Synthesizer und der Schlagzeuger liess sich theatralisch auf den Boden fallen und stiess mit seinem Kopf wuchtig gegen eine Box. Völlig abgedreht!Und hoffentlich stimmt, es was der Frontmann am Ende sagte. "Wir werden in nächster Zeit noch viel öfter in Frankreich auftreten."
So ästhetisch und kraftvoll kann also Instrumentalmusik sein! Der Auftakt des Festival hätte nicht besser ausfallen können, 65daysofstatic sei herzlich gedankt!* angeblich "La Petite mort", aber diesen Ausdruck benutzen die Franzosen eigentlich fast nie. Wo hat die Band diesen Spruch aufgeschnappt? Auch Rosenstolz sprechen übrigens davon in einem Lied...Links:
- 65daysofstatic in Paris
- und in Oberhausen
- mehr Fotos von 65daysofstatic
um
01:35
Konzert: The Cure
Ort: Arena, Oberhausen
Datum: 16.03.2008
Zuschauer: ausverkauft, vermutlich 12.000
Konzertdauer: 190 Minuten
In meiner alternativemusikalischen Früherziehung spielte The Cure eine zentrale Rolle. Die Band war mir damals so unglaublich wichtig, daß es fahrlässig war, die vielen Gelegenheiten verstreichen zu lassen, sie live zu sehen. Das habe ich aber. In den 90ern wurde The Cure mir dann egal, warum auch immer, ich kann das heute nicht mehr nachvollziehen. Sprich, ich hatte vor Oberhausen Robert Smith und Co. noch nicht auf der Bühne gesehen. Als ich vor Monaten von den wenigen Deutschland-Konzerten der Engländer gelesen hatte, habe ich sofort ein Ticket geordert, allerdings mehr aus Sammeltrieb, die Band fehlte mir nun mal. Wahnsinnig euphorisch war ich nicht, es war mehr solch ein "Du ärgerst Dich nachher, wenn Du nicht hingehst"-Gefühl. Da ich überzeugt war, mit Mitte (ok, zweite Hälfte Mitte) Dreißig nicht zu den älteren Besuchern zu zählen, kaufte ich einen Stehplatz im Innenraum.
Von den Konzerten in Hamburg und Berlin vor einigen Wochen haben alle großen deutschen Zeitungen berichtet. Vor allem davon, daß The Cure über drei Stunden gespielt hatten. Als Oliver dann vergangene Woche aus Paris von drei Stunden vierzig und 42 Liedern schrieb, erschien mir der Stehplatz plötzlich sehr mutig. Gleichzeitig war meine Vorfreude auf The Cure plötzlich nicht bloß da, sondern auch riesig groß.
Mein letztes (und bisher einziges Konzert) in Oberhausen war im November 89 - da spielten die Ramones, ein unvergessliches Erlebnis. Damals gab es so etwas Spektakuläres wie die König-Pilsener-Arena noch nicht. Auch das riesige CentrO, neben dem sich die Arena befindet, wurde erst ein paar Jahre später errichtet.
Vor der Arena standen schon massenhaft Leute, als ich pünktlich zum Einlaß
erschien. Und ich fühlte mich sofort in die Indie-Disko von damals zurückversetzt, viele der Frisuren und Jacken und T-Shirts waren 100%-ig authentisch.
Drinnen lief dann Interpol. Passendere Musik hätte ich mir als Einstimmung kaum wünschen können (naja, The Organ natürlich). Die Halle ist kein komplettes Oval, sie ist an einem Ende leicht abgeschnitten. Trotz der sehr großen Dimensionen, machte sie gleich einen viel sympathischeren Eindruck als die anderen
Arenen, in denen ich bisher Konzerte gesehen habe, denn sie ist relativ schmal und lang, was einen gedrungenen Effekt erzeugt, der ganz prima wirkte.
Um Punkt sieben (!) begann das Vorprogramm. 65daysofstatic aus Sheffield eröffneten für The Cure während deren Europatour. Ich hatte die englischen Postrocker noch nicht gesehen, war aber auf Anhieb sehr angetan vom extrem melodischen Instrumental-Rock der Band. Das war ganz fabelhaft - wenn es nicht so unfassbar laut gewesen wäre. Allerdings war die Lautstärke nicht das wahre Problem, es waren die hämmernden Knaller des Bass und
der Bassdrum, die die Randplätze ganz vorne unerträglich machten. Denn was nutzt der beste Ohrenschutz, wenn der Kopf sich anfühlt, als schlüge ein Boxer darauf ein. Die lauten Töne verlangten vom Schlagzeuger der Gruppe auch vollen Einsatz, er headbangte während seines Jobs und prügelte wie verrückt auf seine Trommeln ein. Unabhängig von der Lautstärke war es aber sehr lohnenswert, obwohl das komplette Set instrumental war und das ja nicht immer
eine gute Idee als Vorprogramm ist.
Nach einer halben Stunde 65days... und einer ewig langen Umbaupause von 45 Minuten (unverständlich, denn nach 20 Minuten tat sich auf der Bühne nichts mehr), fingen dann um 20.15 Uhr The Cure an. Zunächst erklangen nur sphärische Töne, untermalt von Sternenhimmel-Animationen auf den riesigen Video-Leinwänden hinter der Bühne. Nach einer Weile kamen die vier Cures dann und stiegen in den "Plain song" ein, das war schon einmal ziemlich überwältigend.
Robert Smith trug eine Camouflage-Hose und ein dunkelgraues Hemd. Und selbstverständlich das Dings da auf dem Kopf. Nach dem "Plain song" richtete er sich die Haare, strich mit den
Händen irgendwie da durch und frisierte sich, vollkommen faszinierend, das zu beobachten.
An Smiths Seite stand die exzentrischere Figur des Abends, Gitarrist Porl Thompson. Der glatzköpfige Musiker trug eine schwarze Lackhose, ein schwarzes Netztop, unter dem man seine gesammelten Körperkunstwerke bewundern konnte, ein Paar sehr hohe Damen-Lackschuhe (aus dem Fetisch-Regal) und allerlei Tattoos auf dem Kopf. Porl, der Roberts Schwager ist (er
ist mit dessen Schwester verheiratet), war etwas fürs Auge, gar keine Frage!
Aber ich war in erster Linie der Ohren wegen da und auch die bekamen viel geboten. Das Set war anfangs so wie in Paris. Dem "Plain song" folgte "Prayers for rain" von "Disintegration" und "A strange day" von "Pornography", bevor mit "alt.end" ein neuerer Song kam. Danach wieder zwei Stücke aus den frühen 80ern, so gemischt sollte es den ganzen Abend weitergehen. Und egal aus welcher Phase die Stücke kamen, das Publikum kannte sie und sang und tanzte mit. Zumindest im Innenraum, auf den Tribünen war es
anfangs deutlich ruhiger. Aber auch im Innenraum vorne wurde nicht Pogo getanzt, die Leute wippten eher, tanzten so wie früher auf Cure (ein Schritt vor, ein Schritt zurück), sangen, reckten die Hände hoch, es war sehr angenehm und gar kein fieses Gedrängel, was drei Stunden (plus) schwer erträglich gemacht hätte.
Natürlich waren auch viele der bekanntesten Hits schon früh im Programm, der "Lovesong" oder "Lullaby", das ich damit zweimal innerhalb
von drei Tagen live gesehen habe, nachdem die Editors in Krefeld ein vorzügliches Cover gespielt hatten.
Ganz besonders großartig war dann die Phase danach mit dem "Kyoto song" und "The figurehead", echten Highlights des Abends. Ab und zu wurden die Lieder auf den Leinwänden hinter der Bühne visuell unterstützt. Bei "Lullany" lief eine Spinne über das Artwork der Platte, wenn ich mich richtig an das erinnere. Sehr schön auch mit "A boy I never knew" ein neues (und tolles) Lied.
Nach deutlich über zwei Stunden beendeten "One hundred years" (mit Kriegszenen z.B. aus Vietnam) und "Disintegration" den ersten Teil des Konzerts. Denn es sollten ja noch viele Stücke folgen, dreizehn, um genau zu sein - schwierig, bei
solchen Mengen von Zugaben zu sprechen. Jedenfalls verließen die Vier kurz die Bühne, um dann den ersten Zugabeblock zu spielen, für mich die mit Abstand stärkste Phase des Abends. "At night, "M", "Play for today" und vor allem "A forest" waren beeindruckend. Richtig beeindruckend war es allerdings, sich dabei einmal umzudrehen und die unglaubliche Stimmung in der großen Halle auf sich wirken zu lassen. Das war alles so unwirklich (oder platt: Gänsehautstimmung).
The Cure verschwanden und kamen kurz danach unter großem Jubel zum Pop-Zugabenblock wieder. Der bestand aus dem Radiohit "Friday I'm in love", "Freak
show", "Close to me" und einem ungewohnt klingenden "Why can't I be you?", denn da fehlten die Bläser. Das machte es nicht schlechter, es klang aber schon deutlich anders.
Auch nach dem anschließenden Bühnenabgang wurde keine künstliche Stimmung erzeugt, es war klar, daß Robert und Kollegen noch einmal erscheinen würden. Sie taten das dann für ein furioses Finale. Sie spielten noch einmal fünf Lieder, darunter
"Boys don't cry", das wundervolle "Jumping someone else's train" und einen meiner ganz großen Lieblinge "Killing an arab", mit dem ich viele Erinnerungen verbinde, als Abschluß. Zu dem Zeitpunkt hatten die Leute auf den Tribünensitzplätzen längst gestanden - und getanzt, es war eben alles ganz herrlich feierlich.
Mein ganz großer Traum, die Smiths einmal live zu sehen, wird wohl nie wahr werden. Seit gestern ist das aber etwas weniger schlimm, denn das war ein Konzert einer Band, die man gesehen haben muß, ohne wenn und aber.
Setlist The Cure, Arena, Oberhausen:
01: Plain song
02: Prayers for rain
03: A strange day
04: alt.end
05: A night like this
06: The end of the world
07: Lovesong
08: Pictures of you
09: Lullaby
10: From the edge of the deep green sea
11: The figurehead
12: Kyoto song
13: Please come home (neu?)
14: Push
15: Inbetween days
16: Just like heaven
17: Primary
18: A boy I never knew (neu)
19: Never enough
20: Wrong number
21: The baby screams
22: One hundred years
23: Disintegration
24: At night (Z)
25: M (Z)
26: Play for today (Z)
27: A forest (Z)
28: Friday I'm in love (Z)
29: Freak show (Z)
30: Close to me (Z)
31: Why can't I be you? (Z)
32: Boys don't cry (Z)
33: Jumping someone else's train (Z)
34: Grinding halt (Z)
35: 10:15 saturday night (Z)
36: Killing an arab (Z)
Links:
- The Cure in Paris
- mehr Fotos von The Cure in Oberhausen
- Fotos vom The Cure Konzert in Paris
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01:34
Konzert: The CureOrt: Palais Omnisport de Paris - Bercy (POPB)Datum: 12.03.2008Zuschauer: ausverkauftKonzertdauer: 3 Stunden 40 Minuten (!!)Große Events in riesigen Hallen bieten ein erhebliches Enttäuschungspotential. Man bezahlt viel Geld (in diesem Falle 47 €), erwartet ein sensationelles Konzert einer Gruppe, die man immer schon einmal sehen wollte, und ist am Ende ernüchtert und frustriert, weil es steril, stimmungsarm und einfach Scheiße war. Man fragt sich dann, warum man überhaupt noch zu solchen Mega-Veranstaltungen geht. Weiß man nicht aus Erfahrung, daß es in kleinen Clubs viel intimer, netter und besser ist?
Bange fragte ich mich, ob es mir mit The Cure genauso ergehen würde. Sind die nicht zu alt und träge? Zu unmotivert? Zu unzeitgemäß, sprich einfach out?
Die letzte Frage beantwortete ich mir bereits vorher selbst. Wenn aktuelle Bands wie die Killers, The Bravery, Bloc Party, The Organ (die sich ja leider aufgelöst haben), Film School, She Wants Revenge, The Rapture, Cursive, Shout Out Louds, Electrelane, Interpol und sogar Foals mehr oder weniger stark nach The Cure klingen, dann können die gar nicht out sein. Im Gegenteil: Die Band ist so wichtig wie nie zuvor, der Strom junger Gruppen, die sich von Robert Smith inspirieren lassen, will einfach nicht abreißen.
Also blieb noch zu klären, ob sie nicht einfach zu alt und satt sind.
Vielleicht ist The Cure ja eine Band, die zwar essentiell ist, aber heutzutage irgendwie Mainstream geworden ist, grübelte ich in der U-Bahn vor mich hin. Auf dem Gelände vor dem riesigen Palais Omnisport angekommen, schien sich mein Verdacht zu bestätigen. Die Typen, die vor den Toren noch ein Zigarettchen rauchten, oder sich bereits in die Schlange einreihten,waren ziemlich normal drauf. Wo waren die Waver, Gothik-Typen und andere ausgeflippte Leute? Fehlanzeige! Zumindest sah' ich auf den ersten Blick keine. Schade, ich hatte mir eigentlich vorgenommen, besonders schrille Vögel abzulichten, um meine Berichterstattung aufzupeppen! Lediglich ein Trio lustiger Mädels, die eine davon in einem Leopardenmantel, waren einen Schuss wert.
Etwas enttäuscht begab auch ich mich dann in Begleitung von Philippe und Barry Richtung Eingang, der an mehreren Stellen erfolgte.
Und schwupps, wir waren drinn und stießen die schwere Tür des Palais Omnisport auf! Auf der Bühne tobten gerade die Engländer von 65 Days Of Static, von denen ich bisher nur mal Am Rande etwas mitbekommen hatte. Zu Scherzen aufgelegt, stieß ich Barry an und lobte ihm gegenüber die vorzügliche Stimme des Sängers. Ich Witzbold! Das Set der Burschen war sehr melodiös, aber rein instrumental, ein bißchen so wie Explosions In The Sky, oder auch Mogwai. Circa eine halbe Stunde lang wurden wir mit den treibenden Beats bearbeitet, bevor das Licht anging und ein Päuschen angesagt war.
"Welches ist Dein Lieblingslied von The Cure?", fragte ich in die Runde. - "M", sprudelte es aus Barry heraus. Was Philippe geantwortet hatte, weiß ich nicht mehr, ich persönlich legte mich aber auf "A Forest" fest.
So plauderten wir eine Weile und überbrückten angenehm die Zeit. Circa gegen 20 Uhr 15 wurde es dann aber Ernst. Unter riesigem Jubel wurde die Halle abgedunkelt und sphärische, ja träumerische Klänge erfüllten den gigantischen Raum. Man sah über der Bühne einen wunderbaren Sternenhimmel, ein herrliche Lightshow begann, die auch für den Rest des sehr lang werdenden Abends für Atmosphäre sorgen sollte.
Das Intro zog sich sehr lange hin, gesungen wurde zunächst nicht. Erst nach circa. 5 Minuten legte Robert Smith mit seinem wehklagenden Gesang los. Der "Plainsong" wurde gespielt und stellte wohl eine Art "Warmspielphase" dar, die sich auch noch bis zum Ende von "Prayers For Rain" erstreckte
, obwohl Herr Smith schon dort mit einem "Tarzanschrei" für Aufhorcher sorgte. Stimmlich war es bestens aufgelegt, soviel war sicher! Mit "A Strange Day" wurde altes Songmaterial ausgepackt und ich erfreute mich vor allem an dem markanten Gitarrenriff.
Das Publikum wurde langsam wach und obwohl es sehr voll, warm und ziemlich eng war, fingen die ersten Besucher an zu tanzen. Das war aber lediglich ein Vorgeschmack auf das, was bei "alt.end" abgehen sollte. Da wurde nämlich spontan Pogo getanzt und zwar flächendeckend!
Ich hatte Angst um meine Kamera, war aber gleichzeitig sehr happy, daß das keine sterile, lahme Veranstaltung werden sollte. Hier ging was ab und zwar nicht zu knapp! In keiner Phase kam bei den Smashing Pumpkins vor ein paar Wochen an gleicher Stelle soviel Stimmung auf.
Schon zu diesem Zeitpunkt wußte ich, daß der Abend denkwürdig werden würde. "Auch "The Walk" schlug ein wie eine Bombe und hielt selbst die Leute auf den Sitzplätzen nicht auf ihren roten Stühlchen. 2 Lieder später dann ein schwungvoll gebrachter "Lovesong", den ich schon immer mochte, genau wie den Klassiker Lullaby" (Lied 10), den ich mir als Jugendlicher auf Vinyl-Single gekauft hatte und dessen Video mit den ganzen Spinnweben und den Särgen damals exklusiv bei "Formel-Eins" lief. MTV und Viva gab es zu dieser Zeit ja noch nicht. " (And I realised with fright) that the Spiderman is having me for dinner tonight", diese Songzeile werde ich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen...
Es folgte eine Phase, in der ein wenig Verschnaufen angesagt war.
Der "Kyoto Song", schön und mysteriös, plätscherte beispielsweise ein wenig vor sich hin. Spätestens bei Lied 16, "Friday I'm In Love" war aber wieder Party-Stimmung angesagt. Das für The Cure-Verhältnisse ungewohnt heitere und beschwingte Lied ließ ganz Bercy die Gelegenheit mitzusingen. "In Between Days" und vor allem "Just Like Heaven" passten hierzu auch ganz wunderbar.
Die alten Kerle da vorne hatten wirklich einen Hattrick erzielt und hielten die Spannung nach wie vor hoch. Zu diesem Zeitpunkt waren circa. 90 Minuten absolviert, die Dauer eines kompletten Fußballspiels. Hier und heute sollte es aber noch etliche Verlängerungen und auch noch ein Elfmeterschießen geben.
Normal, daß dann irgendwann einmal auch klitzekleine Hänger drin waren, obwohl Hänger eigentlich nicht passend ist,
weil es lediglich in der nächsten halben Stunde eine Passage gab, in der kurzfristig der Fuß vom Gaspedal genommen wurde. Zeit für Robert einen "Chanson Nouvelle" (in Frankreich würde man eher Nouvelle Chanson sagen, aber das störte keinen) anzukündigen und zu testen: "A Boy I Never Knew", eine recht sentimentale Ballade,
die nicht übel war und Lust auf ein neues Album gibt. Einer meiner persönlichen Favoriten kam dann ein paar Lieder später. "One Hundred Years" mit seinem dingel-dengel- Gitarrenriff, den pessimistischen Parolen ("It Doesn't Matter If We All Die", "Waiting For The Death Blow") und dem dramatischen Ende,
zu dem Robert mehrfach aus voller Seele "A Hundred Years" greinte, ließen mich erschaudern. Ein etwas zähes und sehr langes "Disintegration" markierte dann die erste kurze Pause. Viele andere Bands sind dann schon längst mit ihrem Programm durch (es waren immerhin schon 2:10 gespielt), aber The Cure hatten noch sage und schriebe 16 (!) Lieder auf der Pfanne. Das wußte ich natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, mir war aber trotzdem schon klar, daß noch erhebliches Stehvermögen verlangt war. Aber wenn die Show so mitreißend ist wie an diesem Tage, ist das überhaupt kein Problem!
Also weiter im Text. Wo waren wir stehengeblieben? Ach, richtig, es fehlten noch ein paar sehr frühe Hits. Bitteschön: Das Album "Seventeen Seconds" von 1980 war dran. 28 Jahre auf dem Buckel, aber unglaublich gut gealtert. Los ging die Serie mit "At Night", das kam schon mal gut. Aber es wurde von Song zu Song besser. "M" deutlich sichtbar gemacht, durch den riesigen rotleuchtenden Buchstaben, brachte Barry zum Jauchzen, bevor der Refrain von "Play For Today" im Chor mitgesungen wurde. Die Stimmung war sensationell, anders kann man das nicht nennen!
Und dann wurde ich verwöhnt: Die an die Wand projezierten Äste machten es schon deutlich, "A Forest", mein Lieblingslied von The Cure wurde geschmettert. So gut hatte ich es noch nie gehört, sagenhaft!
"I Hear Her Voice Calling My Name The Sound Is Deep In The Dark I Hear Her Voice And Start To Run Into The Trees Into The Trees", ich sang jede Zeile aus vollem Halse mit. Und auch hier wieder das Ende durch Mark Und Bein gehend: "Again And Again And Again", Robert gab alles! Und die Zuschauer auch, sie klatschten bei den finalen Gitarrenschleifen rhythmisch in die Hände und schrien irgendwann auch voller Euphorie "Hey, Hey", immer im Wechsel mit den Handclaps.
Danach war für ein paar Minuten Pause angesagt. The Cure hatten die Bühne verlassen und einige Zuschauer glaubten bereits, daß das Konzert gelaufen sei. Ich sprach mit Barry und wir zählten auf, was noch fehlte: "Killing An Arab" fiel ihm spontan ein, meine Reaktion war: "The Lovecats".
Und damit sollte es dann auch tatsächlich weitergehen. "Une autre chanson qu'on a écrite à Paris, je crois", versuchte sich Monsieur Smith in Landessprache und sein Akzent war gar nicht mal so schlecht. Ansonsten hatte er sich zum Großteil auf ein herzliches "Merci!" beschränkt. Anbiedern war nicht seine Sache,
das hatte er aber auch überhaupt nicht nötig, die Musik reichte um die Halle zum Kochen zu bringen. Zu den Lovecats swingte ganz Bercy mit, "badadabbadadaba" (oder so ähnlich!), den Refrain kannten alle. Auch "Let's Go To Bed wurde euphorisch aufgenommen, "I Don't care If You Don't, And I Don't Feel If You Don't", dubdibidad-dubdibidad, erneutes Mitsingen.
"Frekshow" kannte ich nicht, dafür aber natürlich "Close To Me" eines der fröhlichsten Lieder von The Cure und das wehmütig fragende: "Why Can't I Be You?", das in einem unerhörten Tempo geschmettert wurde. Eine geniale Liveversion, die es hoffentlich bald auf DVD gibt. Die Chancen dafür stehen sehr gut, denn überall rotierten Kameras an diesem Abend...
Nach einer erneuten kurzen Pause kam die Band zurück und intonierte das melancholische "Three Imaginary Boys" den Titeltrack ihres allerersten Albums. 30 Jahre alt und immer noch sooo gut, wow! Vor allem auch, weil da unter anderem der folgende Kultsong drauf war: "Fire in Cairo", F-I-R-E I-N C-A-I-R-O, jeder Buchstabe wurde durchdekliniert und der Sound war erfreulicherweise sehr wavig und ursprünglich,
so als sei der Hifi-Breitwandsound noch nicht erfunden. Auf verblüffende Weise schafften es die Engländer noch so wie früher zu klingen.
Obwohl schon über drei Sunden abolviert waren, wurde das Konzert immer besser, "Grinding Halt", "10.15 Saturday Night", die Hits vom Debüt wurden einem nur so um die Ohren gehauen.
Und dann kam auch noch das famose "Killing An Arab" und es gab kein Halten mehr. Dann war aber wirklich Schluß. Scheinbar..., denn es ging imer noch weiter!!
Zu Faith wurde eine gothische Kathedrale auf die Leinwand projeziert und Robert lieferte sich mit dem etwas nach Dave
"Depeche Mode" Gahan aussehenden Bassisten ein rockiges Duell. Der Song zog sich ewig lange hin, animierte die Zuschauer gegen Ende aber noch einmal, rythmisch mitzuklatschen.
Dann war endgültig Schluß.
Philippe erhoffte sich aber trotzdem noch eine x-te Zugabe. Seiner Meinung nach hätte "Charlotte Sometimes" noch unbedingt gespielt werden müssen. Ich warf ein, daß auch "The Hanging Garden" und "Siamese Twins" von "Pornography" ausgelassen wurden. Aber wir waren wohl nicht ganz bei Trost! Wer nach einem solch sensationellen Konzert noch ein Haar in der Suppe sucht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Das war einfach grandios und nicht mehr zu toppen! The Cure haben Paris im Sturm erobert. Von diesem denkwürdigen Konzert wird man sich noch jahrelang erzählen, da bin ich ganz sicher. Und zum Schluß liefen mir dann tasächlich noch ein paar Waver über den Weg, die bereit waren, sich ablichten zu lassen. Krass, ey!
Setlist The Cure, Paris-Bercy (POPB):
01: Plainsong
02: Prayers For Rain
03: A Strange Day
04: alt.end
05: The Walk
06: The End Of The World
07: Lovesong
08: To Wish Impossible Things
09: Pictures Of You
10: Lullaby
11: From The Edge Of The Deep Green Sea
12: Kyoto Song
13: Please Come Home
14: Push
15: How Beautiful You Are
16: Friday I'm In Love
17: In Between Days
18: Just Like Heaven
19: Primary
20: A Boy I Never Knew
21: Shake Dog Shake
22: Never Enough
23: Wrong Number
24: One Hundred Years
25: Disintegration
1. Zugabenserie:
26: At Night
27: M
28: Play For Today
29: A Forest
2. Zugabenserie:
30: The Lovecats
31: Let's Go To Bed
32: Freak Show
33: Close To Me
34: Why Can't I Be You?
3. Zugabenserie:
35: Three Imaginary Boys
36: Fire In Cairo
37: Boys Don't Cry
38: Jumping Someone Else's Train
39: Grinding Halt
40: 10:15 Saturday Night
41: Killing An Arab
4. Zugabe:
42: Faith
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