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Donnerstag, 20. März 2014

Yuck, Köln, 19.03.14

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Konzert: Yuck
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 19.03.2014
Dauer: 55 min
Zuschauer: 40 - 50





Als Yuck nach 45 Minuten zur Zugabe zurückkamen, rief einer der viel zu wenigen Zuschauern einen Wunsch rein: "Middle Sea!" - "Middle Sea? Das hatten wir doch schon. Sollen wir das noch mal spielen?" -  Dem Wünscher war das unangenehm. "I'm sorry!" - die Band hatte Spaß.

Spaß, obwohl kaum jemand da war. Weil es um neun ohne Vorgruppe losgehen sollte, war ich pünktlich da. So wie vier andere. Es füllte sich nach und nach noch etwas, mehr als gut 40 Leute wurden es aber nicht mehr bis halb zehn. Köln ist halt eine Europapokalstadt und gegen die Champions League (und ein paar Parallel-Konzerte) war kein Kraut gewachsen.

Eigentlich sollte ich Yuck nicht mehr mögen. Wenn eine Band den Sänger tauscht, verliere ich normalerweise das Interesse. Im April vergangenen Jahres war Daniel Blumberg ausgeschieden und wurde durch Max Bloom, den bisherigen Gitarristen ersetzt. Auch fällt die erste Platte ohne Daniel (die zweite der Band), die 2013 erschien, deutlich ab gegenüber der ersten. Auf dem Papier. Auf der Bühne überzeugten mich die Londoner trotzdem. Ob das an meinem miesen Gedächtnis (und der fehlenden Erinnerung an die "alten" Yuck) liegt, weiß ich nicht, das Konzert war jedenfalls toll und hätte ein größeres Publikum verdient gehabt. Wenn eine kleine Gruppe allerdings Ticketpreise jenseits der 20 € aufruft, sind dreistellige Zuschauerzahlen etwa so wahrscheinlich wie der Champions League Titel für Leverkusen.

Die Engländer spielten die erwartete Mischung aus Stücken beder Platten. Auch wenn mir einige der neueren Sachen überraschen gut gefielen (die eigentlich unscheinbare Zugabe Memorial fields oder das großartige Lose my breath zum Beispiel), sind die Hits die Lieder der ersten Platte. Meist singt Max, aber auch seine beiden Nachbarn Bassistin Mariko und der neue Gitarrist Ed haben Gesangsparts. Die Lieder, die Mariko singt - Lose my breath oder mein großer Liebling The wall - waren besonders klasse. 

Als Yuck nach elf Liedern (darunter einem neuen Stück und dem New Order Cover Age of consent) verschwanden, hatte ich das Gefühl, sie seien gerade zwanzig Minuten auf der Bühne gewesen - der Auftritt war enorm kurzweilig! Nach der zweiten Zugabe Georgia war endgültig Schluß. 

Schade, daß Yuck ein offenbar sehr optimistisches Management (oder wer auch immer für die Ticketpreisvorstellungen zuständig ist) haben. Ich würde die Band gerne häufiger sehen. 

A propos nicht mehr sehen: leider nicht mitbekommen habe ich, wie der mögliche Mallorca-Sonnenbrille gegen T-Shirt Tausch ausgegangen ist. Sänger Max hatte bei einem Zuschauer eine neongelbgrüne Brille entdeckt und gelobt und gebeten, sie einmal ausprobieren zu dürfen. Das anschließende Angebot "wir können tauschen, die Brille gegen ein T-Shirt!", wollte er aber nicht direkt annehmen. Dabei stand sie ihm und lenke die Blicke etwas weg von seinen Kollegen. Während seine Frisur nämlich eher überschaubar ist, haben seine drei Kollegen im Schnitt einen Kubikmeter Haare auf dem Kopf. Wenn sich Yuck irgendwann trennen, wird die Frisur-Problematik vermutlich der Grund dafür sein.

Setlist Yuck, Blue Shell, Köln:

01: Holing out
02: Lose my breath
03: Another one (neu)
04: Out of time
05: Get away
06: Rebirth
07: Nothing new
08: Middle Sea
09: The wall
10: Age of consent (New Order Cover)
11: Operation

12: Memorial fields (Z)
13: Georgia (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Yuck, Köln, 13.12.13
- Yuck, Paris, 05.11.11
- Yuck, Haldern, 11.08.11





Donnerstag, 2. Januar 2014

Yuck, Köln, 13.12.13

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Konzert: Yuck
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #3)
Datum: 13.12.2013
Dauer: rund 55 min
Zuschauer: vielleicht 1.000



Yuck waren eine der beiden Bands des Week-End Fests, die noch nicht auf der Welt waren, als die anderen Künstler des Wochenendes ihre ersten Erfolge feierten. Trotzdem passten sie ausgezeichnet ins Lineup des Festivals.

Ich hatte die Londoner bisher zweimal gesehen. Beim Haldern Festival vor ein paar Jahren überzeugten sie mich im stickigen Zelt, beim Primavera Festival tagsüber am Meer. Neben den wundervollen Melodien, dem immergleichen Blick des Sängers war mir vor allem die Frisur des Schlagzeugers im Gedächtnis geblieben, die der von O.J. Simpson in der 70er Jahre Rückblende in Nackte Kanone nachempfunden ist.


Frisur und Schlagzeuger gab es noch - die anderen Musiker auch, nur Sänger Daniel ist ausgestiegen. Seinen Part übernimmt Gitarrist Max Bloom, also eine interne Lösung nach dem Verlust des Frontmanns.



Ich tue mich oft schwer damit, wenn eine Band einen neuen Sänger präsentiert. Ich bin eben zu wenig Musikexperte, um den Weggang des Bassisten oder des Schlagzeugers zu bedauern. Da höre ich im Zweifel beim Ersatz nicht, ob sein Spiel nun so viel schlechter als das des Vorgängers ist. Wenn sich die Stimme ändert, ist das ein wenig so, als werde ein Schauspieler einer Serie plötzlich ausgewechselt. In den seltensten Fällen geht das gut.


Yuck klingen jetzt anders. Und ich mochte die alte Stimme lieber, gar keine Frage. Aber Yuck sind immer noch eine gute Band, die viel zu wenig bekannt ist. Auch an mir ist das zweite Album Glow & Behold weitestgehend vorbeigegangen. Das war aber nicht weiter schlimm, weil der Wechsel am Gesang keine Neuausrichtung der Musik bedeutete. Rebirth und Nothing new heißen zwei der Lieder der neuen Platte. Nothing new trifft es aus meiner Sicht besser.

Auch die alten Lieder der Briten waren nichts, was man nicht schon ähnlich gehört hätte. Aber sie waren eben gut (Get away, The wall, Georgia!). Die neuen, von denen ich viele erstmals hörte, fielen da nicht ab. Sehr schön war zum Beispiel das erwähnte Rebirth, unaufgeregt wie die ganze Band.

Yuck sind keine Band, die irgendwann einmal groß werden. Aber sie werden mir sicher ganz regelmäßig weiter Spaß machen! 



Und weil auch ihnen vermutlich aufgefallen war, daß sie viel zu jung im Vergleich zu den anderen Künstlern waren (sie traten nach Grant Hart und vor The Fall auf), coverten Yuck noch Age of consent vom zweiten New Order Album Power, Corruption & Lies von 1983. Aber auch ohne hätten die Londoner gut ins Wochenende gepasst. Auch mit ihnen hatten die Festival-Macher ein stilsicheres Händchen bewiesen!

Setlist Yuck, Week-End Fest #3, Köln:

01: Middle sea
02: Holing out
03: Lose my breath
04: Out of time
05: Get away
06: Rebirth
07: Nothing new
08: The wall
09: Memorial fields
10: Georgia
11: Age of consent (New Order Cover)
12: Operation

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Yuck, Paris, 05.11.11
- Yuck, Haldern, 11.08.11


Samstag, 28. Dezember 2013

Peter Hook And The Light, Fontenay-sous-Bois, 20.12.13

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Konzert: Peter Hook And The Light (Frankei Rose,Yuck)
Ort: Salle Jaques Brel, Fontenay-sous-Bois bei Paris
Datum: 20.12.2013
Zuschauer: 800 geschätzt
Konzertdauer: Frankie Rose 35, Yuck 45 und Peter Hook 80 Minuten



Die Erwartungen an diesen letzten Gig des Jahres waren turmhoch. Peter Hook und seine Light hatte ich zuletzt in einer lauschigen Sommernacht im Süden Frankreichs unter Pinien gesehen und der Auftritt des grimmig wirkenden Bassisten der Kultbands Warsaw, Joy Division und New Order am 26. Juli beim Midi Festival  ein Oberknaller. Damals spielte er allerdings auschließlich Stücke der Gruppe von Ian Curtis, Material von New Order wurde bis auf Ausnahmen des Zwitters Ceremony ausgespart.

Am heutigen 20. Dezember sollte das anders sein. Da wurde schon im Vorfeld bekannt, daß auch Titel der Nachfolgeband von Joy Division performt werden sollten. Die Geschichte fand in einem Audimax ähnlichen Raum im Pariser Vorort Fontenay-sous-Bois satt. Schon die Anreise war ein kleines Erlebnis, denn per Shuttle Bus wurden die Pariser gratis dorthin kutschiert. Das hatte was von einer Klassenfahrt, zumal die Businsassen fast alle eingefleischte Konzertgänger und somit Freunde und Wegbegleiter waren. "Heute hauen wir auf die Pauke (bzw auf die Kacke?)!" hätte ich auf der Fahrt am liebsten gerufen, aber das hätten die Franzosen eh nicht verstanden, also unterließ ich das.

Vor Ort angekommen fanden wir uns schnell im Audimax des Salles Jacques Brel ein. Mein erster Eindruck war eher ernüchternd. Die Venue war weitestgehend bestuhlt und nur der vordere Bereich vor der Bühne bot Stehplätze an. "Peter Hook plays Joy Division und New Order" und die Leute bleiben dazu sitzen, als würden sie in der Oper sein? Hallo?!

Ich persönlich bezog natürlich sofort in Bühennähe Stellung. Zwei Vorgruppen wurden und geboten, mit Frankie Rose und Yuck wahrlich nicht die Schlechtesten.


Um 22 Uhr 30 dann aber endlich Peter Hook and The Light. Seinen etwas pummeligen Sohn hatte ich schon während der Vorbands durch die Halle latschen sehen, nun erlebte ich ihn live on stage wieder. Die anderen Musiker sagten mir namentlich nichts, aber vom Midi Festival und vom super Gig im Pariser Trabendo 2012 wußte ich, daß sie ausgezeichnet waren. Daß sie gesichtslos bleiben sollten, lag schließlich am ungeheuren Charisma ihres Frontmannes. Als Peter Hook mit einem Comic Weihnachts T-Shirt den Platz hinter seinem Mikro einnahm und nach Abspulen des Kraftwerk Intros Trans Europe Express (die englischer Version) "Bonsoir Paris, comment ça va?" wünschte, schaute ich fortan fast nur noch ihm zu.


Der Übersong Ceremony wurde abgefeuert und dies gleich zur Eröffung. Der Wahnsinn! Wie sollte das bloß noch weitergehen? Schon nach ein par Takten war mir klar, daß der Abend groß werden würde. Der Sound war brillant, laut, aber glasklar, ungeheuer druckvoll und perfekt ausgesteuert. Die Halle wurde integral beschallt, die Ohren wurden wahrlich verwöhnt. Die Band spielte mit 300 km/h und sofort auf Sturm. Das erinnerte mich an eine Fußballmanschaft, die schon in der ersten Minute ein Tor erziehen wollte. Volle Kraft voraus, Anriff ist die beste Verteidigung! Auch das Publikum ging sofort voll ab, zumal mit Day in Day Out nun ein agressiver Punksong gebracht wurde. "Day in day out" brüllte Hooky brutal und gemein wie in Hooligan. "I need you here dont ever fade away, Fade away, fade away!!" knurrte er zonrig etwas später.

Isolation kam sofort im Anschluß daran, ohne jeglichen Übergang. Zum ersten Mal wurd es etwas elektronischer. Der Drummer spielte wie besessen und schnell wie ein Teufel, trieb sein Vordermannschaft wie ein Irrer an. Auch der Bass klang total scharf, egal ob ihn jetzt Hookys Sohn oder er selbst zupfte. Schließlich musste Peter singen und das tat er sagenhaft gut.

Wieder ohne Übergang ging es mit Disorder weiter. Es wurde noch einmal 40 km/h schneller gespielt. Die Albumversionen wurden extrem aufgepeppt und mit einem nie dagewesenen Druck abgefackelt. Schwer zu beschreiben, wie geil das war, viele Leute hatten ein Dauergrinsen in der Fresse und wurden das auch bis zum Schluss nicht mehr los. "I got this spirit, don't lose this feeling! feeling!! feeling!!!"


"This is Transmission" kündigte Hooky kurz den nächsten Hit an, bevor der grummelnde Bass und die fetzigen Gitarren einsetzten. "Radio live transmission", die Leute sangen begeistert mit. Hoook selbst schrie sich heiser ("dance, dance, dance to the radio!!"), hätte auch in einer Metalband seinen Platz gehabt.

5 Minuten später hieß es dann: "I dedicate this song to all the young ladies in the audience." Love Will Tear Us Apart sang nun die ganze Halle und ein Schauer ging über meinen Rücken. Das war gleichzeitig so schaurig und so schön, daß es kaum auszuhalten war. Erstaunlich auch, daß die Nummer nach wie vor nicht ausgelutscht klang. Und der Übersong wurde so richtig schön ausgekostet:

"Here we go Paris" feuerte Peter die Leute immer weiter an. Die sangen irgedwann ganz allein, aber Hooky verzichtete glücklicherweise auf die unsägliche und oft gesehene Geste, das Mikro Richtung Publikum zu richten. Perfekt wurde immer mal wieder das Tempo rausgenommen, um es im Anschluß daran wieder enorm anzuziehen. Als der Song schon verklungen war, gröhlten die Leute trotzdem noch minutenlang den Refrain weiter.

Mit Dreams Never End kam dann ein Stück von New Orders erstem Album Movement, das stimmungsmäßig mit Ceremony zu vergleichen war.


The Age Of Consent, gehörte ebenfalls zu New Order, allerdings zum Opus Power, Corruption and Lies. Max, der Sänger von Youck würde auf die Bühne zitiert, denn er hatte im Vorprogramm mit seiner Band genau jenen Song gecovert. Ein gefundes Fressen für Hooky, um einen zynischen Kommentar abzulassen: "Max from Yuck covered The Age Of Consent during their set. Now, I'm gonna share him how it should really done. Maybe you might teach me someting? But you can't teach an old dog new tricks."

Max sang schließlich fast ähnlich hysterisch und hoch wie Kele "Bloc Party" Okereke, aber manchmal eben auch wie Barney Sumner. Also das passte schon hervorragend, auch wenn der Gesang windschief war.

Nun wurde es düster und geheimisvoll. Mit Everything Gone Green spielten die Lights einen der weniger bekanntenten Stücke von New Order. Es gab eine relativ lange Instrumentalpassage am Anfang, die mechanischen Rhythmen erinnerten an Kraftwerk. Ein super Stück, das ich live noch nie gehört hatte. Unglaublicherweise klang es selbst im Jahre 2013 noch fast avantgardistisch. Man konnte darin auch schon eine Hauch Blue Monday erahnen, obwohl es deutlich weniger elektrisch war.

Nun klang es endgültig nach Kraftwerk. Das wunderchöne, verträumte Your Silent Faith wude gezündet und Hooky spielte hierzu Melodica. Zumindest versuchte er es, er hatte manchmal ein wenig Probleme, gucke das Instrument manchmal an, als wolle er sagen: "die Melodica ist für uns alle Neuland." Ein glitzender Synthieteppich wurde ausgerollt, es war herrlich.

Der Titel bot die Zeit ein wenig zu verschnaufen, runterzukommen und sich für das explosive Finale zu wappnen, das nun folgen sollte.


This is True Faith bekundete kurz und knapp und die Songzeile: "I feel so extraordinairy", wohl das Motto des Abends. Eine Der Lieblingssongs meiner Jugend und in der heutigen sehr basslastigen Version ein besonderer Ohrenschmaus. Vor meinem innere Auge tanzten die bunten Puppen aus dem bekannten Videoclip dazu. Nostlagie pur.

"It's a very special time of the year  and it's the same in England. People can follow, they can be victim to temptation." erklärte Hook fast verschwörerisch.

Temptation klang extrem elektrisch, wahnsinnig feierfreudig und wurde mit einem nie dagewesenen Schmackes gespielt. Die elektronischen Beats pluckerten kunterbunt vor sich hin und die Leute tanzten ausgelassen. Sicherlich der fröhlichste Song des Abends fernab von Depression, Vorstadtödnis und suizidären Gedanken.


Mit Blue Monday wurde schließlich einer der Keytracks der Karriere von New Order aufs Volk losgelassen und noch nie hat mich ein Synthiesong so sehr begeistert wie in diesem Moment. Das Besonders an dem Stück war sein Ende, denn da wurde von der Albumversion abgerückt und laut, ja fast psychedelisch  gerockt. Ich bin ziemlich sicher, daß Blue Monday nie so gut performt wurde wie am heutigen 20. Dezember!

Nach Blue Monday wäre laut Setlist offiziell Schluß gewesen. Aber so kurz vor Weihnachten konnte man den Leuten unmöglich eine Zugabe verwehren. Und es gab nicht nur ein Lied, sondern gleich drei als Bonus! Allein für diesen Dreierpack, der noch einmal knapp 20 Minuten dauerte, hätte sich der äußerst moderate Eintrittspreis von 20 Euro gelohnt. Es kamen nämlich hintereinander weg She's Lost Control, dann mein persönliches Lieblingsstück von Joy Division Shadowplay und erneut Love Will Tear Us Apart.


Die jeweiligen Versionen waren atemberaubend gut (Bei She's Lost Control Hatte man das Gefühl, ein Formle Eins Wagen würde durch die Halle rasen, Shadowplay rockte wie Hölle), die alten Klassiker des Post Punk Genres klangen ungeheuer frisch und sprizig und die Band machte nun die letzten Kraftreserven locker. Zu Love Will Tear Us Apart durfte sogar ein junges Mädel aus dem Publikum mittanzen und mitsingen.


Hinterher standen gleich mehrere Fans mit auf der Bühne. Hooky hatte sein T-Shirt ausgezogen ("musste das sein?", fragten sich ein par Leute) und bekam von einem weiblichen Fan ein Strauß Blumen. Mit eigentlich großtenteils wahnsinnig traurigen Liedern hatte uns Hook sehr glücklich gemacht. Ein paar Leute hatten Freudentränen in den Augen, andere sagen immer noch den Refrain von Love Will Tear Us Apart, obwohl die Deprimhymne längst verklungen war.


Was für ein Konzert zum Jahresabschluß, besser hätte es nicht kommen können! Dei turmhohen Erwartungen wurden noch deutlich übertoffen, das hier heute war definitiv nicht zu toppen. Ein Autritt an den ich mich auch noch in 20 Jahren erinnern werde. Ich bin sogar so tollkühn zu behaupten, daß Joy Division unter Ian Curtis und New Order mit Barney Sumner als Sänger nie ein solch gutes Konzert gegeben haben. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern...

Setlist

01: Ceremony
02: Digital
03: Isolation
04: Disorder
05: Transmission
06: Love Will Tear Us Apart
07: Dreams Never Ende
08: Age Of Consent
09: Everything's Gone Green
10: Your Silent Face
11: True Faith
12: Temptation 
13: Blue Monday

14: She's Lost Control
15: Shadowplay
16: Love Will Tear Us Apart


Donnerstag, 10. November 2011

Lanterns On The Lake & Yuck & Mechanical Bride, Paris, 05.11.11

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Konzert: Lanterns On The Lake & Yuck & Mechanical Bride
Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 05.11.11
Zuschauer: etwa zu zwei Dritteln gefüllt


Sehr gute Konzerte an jenem Abend in der Pariser Boule Noire. Shoegaze/Post Rock mit Lanterns On The Lake, Folk mit Mecanical Bride und Power Pop/Indierock mit Yuck, da war wirklich für jeden etwas dabei.

Als erste Band musste/durfte Lanterns On The Lake ran. Ihren Stil bezeichnen sie selbst als Cinematic Indie und liegen damit gar nicht so falsch. Die sechs Musiker aus dem Nordosten Englands schufen in der Ta malerische Soundlandschaften, die gut zu einem Soundtrack gepasst hätten. Angeführt von einer blonden Sängerin mit sanfter Stimme ließen sie heute aber auch die melodischen Gitarren sprechen. Bei manchen Stücken waren gleich drei auf einmal im Einsatz und man kann sich sicherlich vorstellen, wie laut das Ganze dann wurde. Für den herzerwärmend-melancholischen Wohlklang sorgte aber eine feine Geige, die von einem gelockten Mädel gestrichen wurde. Es war wirklich herrlich anzuhören und wer nicht in Verzückung geriet, hat anstelle eines Herzens sicherlich einen Stein oder ein Stück Holz.

Performt wurden bis auf eine Ausnahme ausschließlich Lieder vom Debütalbum Gracious Tide, Take Me Home, einem hübschen Werk, das man auch anschließend am Merch erwerben konnte. Die Stücke klangen live aber deutlich anders als auf der (gelungenen) Platte, viel energischer, gitarrenlastiger, noisiger und dramatischer. Beide Varianten haben etwas für sich.

Der heutige Liveauftritt hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und wer Geld zuviel dabei hatte, konnte neben dem Album auch noch drei wundervoll handgestaltete EPs erwerben und mit einem Grinsen im Gesicht den Nachhauseweg antreten.

Setlist Lanterns On The Lake, La Boule Noire, Paris:
01: Lungs Quicken
02: If I've Been Unkind
03: A Kingdom
04: You're Almost There
05: You Need Better
06: Tricks
07: I Love You Sleepyhead


Ebenfalls hinreißend war der Auftritt von Mechanical Bride, auch sie aus England. Das Projekt der 25 jährigen Pianistin Lauren Doss benötigte zur Liveumsetzung insgesamt vier Musiker, zwei Männlein, zwei Weiblein (inklusive Lauren). Die andere Dame auf der Bühne war die entzückende Caroline Weeks, die auch ein eigenes Soloprojekt betreibt und zudem in Diensten von Bat For Lashes stand. Und an Bat For Lashes konnte man zumindest ab und zu denken, wenn man die Stücke von Mechanical Bride hörte. Allerdings ist Lauren deutlich introvertierter, bescheidener und natürlicher als die zur Selbstdarstellung neigende Natscha. Bei ihr (Lauren) fließt alles bedächtig, harmonisch und unaufgeregt vor sich hin und von einprägsamen Bubblegumrefains und effektheischenden stimmlichen Powerdemonstrationen à la Florence & The Machine ist man zum Glück weit entfernt. Es liegt eine starke Schwermut in den betörenden Songs, aber deprimierend sind sie nicht. Die sanfte und wunderschöne Stimme der jungen Engländerin wirkt vielmehr beruhigend und tröstlich und wenn man die Stücke des Debütalbums Living With Ants ein paar mal gehört hat, dann werden auch die auf den ersten Blick ein wenig verschütteten Melodien freigelegt. Ich war zum Glück in der günstigen Lage, das Erstlingswerk schon ein paar mal genossen zu haben und fand mich deshalb problemlos und unmittelbar in das getragene Set ein. In vollen Zügen genoß ich die zauberhafte Querflöte, das in moll gehalten Pianospiel und den bildschöen Gesang und wurde hellhörig als Perlen wie Poor Boy (entnommen der In The Throes EP) und mein Lieblingssong Young Gold gespielt wurden. Es erinnerte mich im guten Sinne an Mia Doi Todd, eine andere Künstlerin, die es versteht, gleichzeitig Melancholie und Lebensfreude auszudrücken.

Insgesamt: Himmlisch!

Setlist Mechanical Bride, La Boule Noire, Paris:

01: Magpie
02: Colour Of Fire
03: Young Gold
04: Demons
05: Peach Wolves
06: To The Fight
07: Poor Boy
08: Lakes
09: Boom!






Dann kamen noch Yuck und mit ihnen musikalisch die 90 er Jahre zurück. Teeenage Fanclub, Dinosaur Jr., Galaxie 500, The Lemonheads, alle möglichen (tollen!) Referenzen aus dieser Zeit schossen einem in den Sinn. Aber die Songs von Yuck sind einfach gut (Get Away, The Wall!!), da beißt die Maus keinen Faden ab. Catchy Melodien, ein schrammeliger Gitarrensound und eine unglaubliche Nonchalance, dieses Paket verfehlte auch heute seine Wirkung nicht. Nach wie vor sind Yuck aber nicht die allerbesten Performer, kommunizieren selten bis nie mit dem Publikum und jeder Musiker spielt mehr oder minder in seiner Ecke. Es sind halt eben Slacker der klassischen Sorte.

Trotzdem: ein cooles Konzert, besser als in Haldern!


Aus unserem Archiv:

Mechanical Bride, Paris, 13.04.11
Yuck, Haldern, 11.08.11





Freitag, 12. August 2011

Yuck, Anna Calvi etc., Haldern, 11.08.11

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Konzert: Yuck, Julia Marcell, Anna Calvi
Ort: Haldern Pop Festival
Datum: 11.08.2011
Zuschauer: volles Spiegelzelt, wie bei allen Konzerten da
Dauer: jeweils etwa 40 min


Werde ich mit zunehmendem Alter zynisch? Kritischer? Oder habe ich mir wie befürchtet mit überragenden Festivals im Ausland (Latitude, Bowlie 2, Primavera) ein für alle Mal alles andere versaut? So wie der 1. FC Köln Ende der 80er Jahre eigentlich die Profimannschaft hätte abmelden müssen?

Oder habe ich mir schlicht in den letzten Wochen das Lineup des diesjährigen Haldern Festivals schöngeredet? Schließlich hatten die meisten meiner Musikfreunde mit Hinweis auf das Programm abgesagt. Hmmm...

Am ersten Tag war die Quote noch gut: dreieinhalb Konzerte hatte ich Donnerstag gesehen, eines war sehr gut, eines mies, eines überragend, das halbe hochinteressant, nach einer Weile aber des Reizes beraubt und nicht mehr spannend.

Mit dem guten fing es an: mit Yuck aus London - und damit bestätigten die Briten den guten Eindruck, den sie bei mir beim Primavera Festival im Mai in Barcelona hinterlassen hatten. Yuck klingen nicht originell, sind keine hippe Band, die alles neu und aufregend macht. Sie klingen viel mehr nach Bands wie Sonic Youth oder Galaxie 500, manchmal nach den Pixies (nach dem Bass der Pixies, um genau zu sein). Auch bieten die Engländer keinerlei Bühnenshow, von Sänger Daniel habe ich zig Fotos gemacht, auf allen hat er den exakt gleichen gelangweilten Gesichtsausdruck. Aber das alles ist egal. Hip ist doof, Yuck waren es nicht! In ihren knapp 40 Minuten spielten sie einiges von ihrer gleichnamigen Debütplatte und zwei hörenswerte B-Seiten (Milkshake und The base of a dream is empty), die es beide guten Gewissens auf Yuck hätten schaffen können.

Obwohl es im Zelt unerträglich heiß und stickig war, und einige Idioten das durch Dauerrauchen noch etwas stickiger machten, war der Auftakt sehr gelungen!

Setlist Yuck, Haldern Pop Festival:

01: Holing out
02: The wall
03: Shook down
04: Georgia
05: Suicide Policeman
06: Milkshake
07: Get away
08: The base of a dream is empty
09: Rubber

Nach Yuck kam mit Julia Marcell eine polnische Band, über die man eigentlich viel schreiben müsste. Weil Sängerin Iwona Bieleka aussah, wie die nächste Frau von Lothar Matthäus, weil der Auftritt auch als moldawischer Beitrag für einen kommenden European Song Contest durchgegangen wäre oder weil man dann diskutieren könnte, warum die vielen Vertreterinnen des gerade angesagten Musikgenres "melodramatische Frauenbands mit Stich ins Operettenhafte" meist nicht gut klingen (Ausnahme Austra). Aber man muß ja nicht über alles schreiben.

Denn anschließend folgte ja auch das Konzert des ersten Abends: das der Engländerin Anna Calvi!

Es gibt viele Dinge, die ich auf Bühnen verachte, am wenigsten ertrage ich allerdings Bluesrock, Gitarrensoli, Rockstargesten - und andere widerliche Überbleibsel der 70er Jahre. Zu dumm, daß Anna Calvi all dies perfekt beherrscht. Schon beim ersten Stück, zu dem sie noch alleine auf der Bühne erschienen war, riß sie den Gitarrenhals in alle erdenklichen Richtungen, während es blueste und ihr Instrument aufheulte. Blöderweise war das Ergebnis dieser Bemühungen aber alles andere als fies; Rider to the sea (!) war ganz im Gegenteil faszinierend gut, obwohl das Lied ein einziges Gitarrensolo ist. Anna Calvis eindrucksvolle Stimme trat beim folgenden Suzanne and I erstmals auf, damit wurde das Konzert richtig gut.

Anna Calvi mit Bluesrock zu verbinden, geht in die falsche Richtung. Mich erinnerten ihre schwermütigen Melodien an die Last Shadow Puppets, also auch an Scott Walker, an Lee Hazelwood und ähnliche, herrlich altbacken, nach Sonntagmorgen klingende Musik. Passenderweise hatte die bei Domino unter Vertrag stehende Engländerin zwei Cover im Programm, die dies merklich unterstützten: das Elvis Cover Surrender und Jezebel, mit dem Edith Piaf einen großen Erfolg hatte.

Mit vielem, was uns heute als angeblich innovativ verkauft wird, kann ich immer weniger anfangen. Die Antlers am Freitag waren beispielsweise langweilig und unoriginell, bei James Blake heute wird es mir ähnlich gehen, Julia Marcell hatte ich erwähnt. Die besten Auftritte des ersten Abends waren die, die eigentlich altbacken klangen.

Aber noch einmal zurück zu Anna Calvi: der Auftritt der kleinen Musikerin dauerte gerade mal 35 Minuten, das einzig kleine Manko, spielte aber damit den Großteil der anderen Bands an die Wand. Viel Besseres wird auch am dritten Tag nicht mehr folgen, am Freitag kam nichts an ihren Auftritt ran.

Beste Lieder: Blackout (grandioser Rhythmus!), Desire und Love won't be leaving!

Setlist Anna Calvi, Haldern Pop Festival:

01: Rider to the sea
02: Suzanne and I
03: Blackout
04: I'll be your man
05: First we kiss
06: Surrender (Elvis Presley Cover)
07: Desire
08: Jezebel (Wayne Shanklin)
09: Love won't be leaving

Nach Anna Calvi folgte mit wahnsinniger Verspätung vom Zeitplan noch ein Hingucker, das Brandt Brauer Frick Ensemble. Eineinviertel Stunden später als geplant traten die Berliner schließlich auf, bei der Planung der Umbaupausen hatte man wohl sehr optimistisch gerechnet (schon auf Julia Marcell warteten wir bei brütender Hitze ewig). Der Aufbau der vielen klassischen Instrumente für die Berliner Technokombo erforderte dann zu nachtschlafender Zeit noch einmal einen ordentlichen Aufschlag. Das sollte sich aber lohnen. Brandt Brauer Frick machen fast ausschließlich mit Orchesterinstrumenten elektronische Musik. Wäre das Zugucken dabei nicht so faszinierend, hätten die Lieder selbst für mich keinerlei Reiz. Das war auch der Grund dafür, warum es schnell öde wurde. Wenn der Entstehungsgag einmal verarbeitet ist, wird es schnell belanglos, darüber retten auch die Effekte nicht hinweg.

Das Berliner Trio hatte eine Konzertharfe, drei Pauken, einen Flügel, Cello, Geige, zwei Vibraphons (phone?), Posaune und Tenorhorn (oder Tuba?) aufgebaut, mit dem es elektronisch klingende Tanzbeats erzeugte. Der Hornist zum Beispiel blies beim ersten Stück nicht in sein Mundstück, er klopfte darauf. Wieviel dabei Gag ist, und ob es dafür nicht auch eine handlichere Trompete getan hat, kann ich nicht beurteilen, es sah aber aufregend aus. Und so war die gesamte Instrumentierung. So wie Depeche Mode in den 80er Jahren mit einem Vorschlaghammer auf Autos schlugen, um Geräusche zu erzeugen, zweckentfremden Brandt, Brauer und Frick eben klassische Instrumente. Faszinierend! Allerdings geht aber eben auch nach ein, zwei Liedern die Luft raus, insbesondere tief in der Nacht.




 

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