Montag, 8. September 2014

Thumpers, Sun Club, Little Racer, New York, 28.08.14


Konzert: Little Racer, Sun Club, Thumpers
Ort:  Rough Trade, New York
Datum: 28.08.2014

Zuschauer: ca. 30 bis 100 bis verschwindend weniger



von Christine aus Stuttgart

Ich bin sehr viel beruflich unterwegs. So viel, dass ich ungefähr zwei Drittel aller Konzerte verpasse, auf die ich gehen würde, hätte ich einen geregelten Bürojob. Durch einen schönen Zufall im Allgemeinen und Sparmaßnahmen meiner Firma im Besonderen habe ich einen freien Abend in New York. Krank, Jetlag, egal…in dieser Stadt läuft bestimmt irgendwo Live Musik, um meine Entzugserscheinungen zu behandeln. 



Auf der „Bowery Presents…“ Webseite klingt das Konzert bei Rough Trade in Brooklyn passend, kennen tu ich keine der Bands. Bin natürlich viel zu früh da, genau richtig, um am East River zu sitzen und die Sonne hinter der Manhattan Skyline untergehen zu sehen. Dann höre ich Platten im Rough Trade Record Store. Schlaues Geschäftsmodell, der Konzertraum ist direkt hinter dem wirklich sehr schönen Plattenladen angeschlossen. Der Abend ist jetzt schon viel zu teuer…


Die erste Band Little Racer aus New York betritt die Bühne. Direkt vor mir beeindruckt mich der spindeldürre Gitarrist in Röhrens-Jeans und sehr langen Haaren (Neid!). Das sich spärlich eingefundene Publikum besteht u.a. aus einem Grüppchen von Hipster-Mädchen, die nach jedem Song begeistert „woohoo“ schreien. Vielleicht die Freundinnen? Des Weiteren: Die Jungs der nachfolgenden Bands, dich sich solidarisch vor die Bühne stellen. Ein paar alleine gekommene männliche Musik-Fans. Touristen. Beim ersten Hinhören erinnern mich Little Racer entfernt an die Strokes, spätestens beim dritten Lied aber hinkt der Vergleich gewaltig. Die eigentlich guten Melodien werden mit einer ordentlichen Portion cheesyness überzogen, also Käse, Zucker, irgendwas Anbiederndem. Vielleicht ist es sogar eine Spur ironisch gemeint, aber ich verstehe es nicht. Als ob sie sich nicht ganz trauten, in dieser Stadt der Coolness tief empfundene Musik zu machen, ohne sich einen Vollbart wachsen lassen zu müssen. Schade, die nicht so kitschig klingenden rockigen Passagen finde ich recht gut. Gegen Ende des Sets drehen sie auf und es wird stellenweise echt toll! Diese Band hat mir unterm Strich dann doch Spaß gemacht. Ein Mann neben mir meint, Little Racer klingen nach den Ramones. Hä? Ich glaub, dann hab ich die Ramones auch nicht verstanden. Nach ungefähr 30 Minuten ist das Set der ersten Vorband vorbei. 


Die zweite Band des Abends, die zusammen mit den Thumpers durch die Lande tourt, ist Sun Club. „Oh, süß!“, denke ich als erstes, als ich sie sehe. Die haben lustige, wuschlige Frisuren und sehen aus wie 16-jährige Lausbuben. Die Hälfte der Band könnte unverändert in den Cast der Big Bang Theory. Jetzt füllt sich der Raum deutlich. Es werden viel mehr recht unterschiedliche Menschen. Es ist schon viertel nach zehn und ich frage mich, wann das heute eigentlich vorbei ist…Bin ich naiv, davon auszugehen, dass in New York fucking City die Bahn bis tief in die Nacht hinein fährt? In Stuttgart würde ich schon so langsam nervös werden. Weil ich nicht gerne alleine unterwegs bin, halte ich mich konstant an einem Bier fest und bin schon betrunken, bevor die zweite Band angefangen hat.

Wow, Sun Club haben mich vom ersten Moment! Die Dutts des Sängers und des Drummers lösen sich sofort auf. Sie erinnern mich im Sound und in der geballten Live Energie an Motorama. Aber irgendwie skizzenartiger, rotziger, jugendlicher, ungestümer. Der Sänger gröhlt, alle hüpfen, schwingen wild ihre Instrumente, und grinsen sich gegenseitig an. Ein scharfes Foto zu bekommen, ist mit meiner Handy-Kamera fast unmöglich. Der Wuschel am Keyboard drischt nebenher so auf eine Trommel ein, dass sich auf dem Boden so langsam ein Häufchen Holzspäne sammelt. Ich bin wild am Zappeln (das Bier?), der Rest des Publikums lässt sich nicht so leicht dazu animieren, aber was soll’s... Gegen Ende des Sets überlege ich kurz, ob ich nicht über die musikalische Bedeutsamkeit der Band nachdenken sollte. Intellektuell jedoch stimuliert die Band so gar nix bei mir! Hier blüht die Spät-Adoleszenz. Das Treiben auf der Bühne und das Mithüpfen haben einfach nur großartigen Spaß gemacht (das Bier?). 

Ich bin gespannt auf die Hauptband des Abends, Thumpers aus London und erwarte eigentlich eine Steigerung. Und dann klingen sie…och…irgendwie poliert, sehr brav. Die Melodien schmiegen sich so gar nicht in mein Ohr, bewegen sich auf zu wenigen Ebenen. Nach der überbordenden Energie von Sun Club klingen sie ganz schön flach. Während ich dies schreibe höre ich sicherheitshalber nochmal in die Platte rein, aber nee, ich finde sie immer noch nicht aufregend. Aber auch nicht furchtbar. Am besten gefallen sie mir, wenn sie die Gitarren und das Schlagzeug schrammelig und laut aufdrehen und dazu der Keyboarder schönes kling klong beiträgt. An leider nicht genug Stellen haben sie schöne Indie-Momente. Der Typ von vorhin raunt mir von hinten „Genesis“ ins Ohr. Hä? Das nun auch wieder nicht. Als ich sehe, wie er mit seinem japanischen Arbeitskollegen total abgeht, weiß ich, wo vorhin das Problem lag. Dem Rest des Publikums scheint es ähnlich zu gehen wie mir. Die Reihen lichten sich, es wird viel gequatscht, es fühlt sich nach Aufbruch an. Ich trete den Fußweg durchs nächtliche Williamsburg an. Von den Thumpers gibt es heute Abend von mir kein Foto. Aber vielleicht lag es auch am Bier.


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