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Sonntag, 17. September 2017

Alin Coen, Karlsruhe, 10.09.17

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Konzert: Alin Coen Band mit Support Luisa Babarro
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 10. September 2017
Dauer: 25 min + 90 min
Zuschauer: etwa 400

 
Das Jahr 2017 wird wohl mit einem Negativrekord in Bezug auf Konzertbesuche in meine persönlichen Annalen eingehen. Aber wenn die Alin Coen Band in einem meiner liebsten Konzertorte in Karlsruhe aufspielt, dann wird das Teilnehmen zum Muss, sogar in einem solchen Jahr! Das letzte Treffen war mir schon viel zu lange her und der letzte Auftritt in Karlsruhe lag sogar schon satte fünf Jahre zurück. Höchste Zeit also, mich endlich wieder von ihren poetischen Liedern bei der Hand nehmen zu lassen und auf ihr leises und nachdenkliches komm mit mir mit zu hören.


Der Abend begann aber mit  Luisa Babarro am Cello - über die größte Zeit des kurzen Sets unterstützt durch Philipp Martin an der Gitarre. Als Eröffnung des Abends mit Liedern von Alin Coen erschien mir das durchaus sinnvoll und mir gefiel das warme Cello, ihre warme Stimme und ihre Trockenhumorigkeit in den Geschichten. Trotzdem blieb da für mich noch zu wünschen übrig - vor allem in Bezug auf die Texte: ...  ich mach die Augen zu du machst die Augen zu und sind die Augen zu kommen wir zur ruh... ergibt in meinem Herzen keine Poesie und erschafft kein inneres Universum, das über die eigentlichen Worte hinausgeht.


Vor dem Konzert habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, was ich von dem Abend mit Alin Coens Musik erwarten könnte. Es gibt ja offiziell kein neues Material. Also würde es wohl ein wiederhören mit vertrauter Musik und wiedersehen mit bekannten Gesichtern geben? Vielleicht auch ein ausprobieren von neuem Material? Mit Beginn des Konzertes zeigte sich zunächst: Es gab sowohl für mich neue als auch alte Bandmitglieder. Es war wieder wunderbar, Fabian Stevens an den Drums zuzusehen, zumal er hinter Alin sehr gut in meinem Blickfeld lag. Mir unbekannt waren Lars Dahlke an der Gitarre und Philipp Martin am Bass und anderen Instrumenten. Ein wenig überraschend für mich war diesmal kein Jan Frisch dabei, dem ich doch zu gern beim Gitarre spielen zusehe...


Im Laufe des Abends zeigte sich dann außerdem: Die bekannten Lieder waren für die Tour sorgfältig neu eingekleidet worden. Und ein wenig neues Material wurde auch untergemischt und damit meine stille Hoffnung erfüllt. Geblieben war die zauberhafte Wirkung von Alins Texten auf mich und das Staunen über die Vielfältigkeit der musikalischen Register iher Musik. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir vom neuen Material Das Beben - wirklich eine neue Perle. Dann Disconnected - der Nutellasong... Der war aber ganz schön flirrig und rumwieselnd unterwegs diesmal in seinen aufgehübschten musikalischen Kleidern.


Sehr eindringlich und wunderschön war der Soloteil: Zwei Songs an der Gitarre und anschließend Wechsel an die Tasten. Schon das erste Lied Die Gefahr war so wunderbar innig und hintupfend - und Andere Hände nicht minder hingebungsvoll und irgendwie so melancholisch tröstend. Wie macht sie das nur? Und als schließlich Du bist so schön angesagt wurde, verursachte das ein tiefes freudiges Aufseufzen neben mir. Dem ich nur aus tiefstem Herzen zustimmen konnte. Ebenso poetische Texte haben ja auch Rückenwind und Wer bist Du - die mit Band dargebracht wurden. Richtig über sich hinauswachsen durften die Jungs zunächst für das klickernde und vorwärts treibende High expectations und schließlich für das furiose Hol mich ein als Rausschmeißer mit Soli für alle Bandmitglieder.
 

Ich rechnete natürlich fest mit Zugaben - und hoffte auf einige Lieblinge, die noch nicht "dran" gewesen waren. Und dieser Wunsch wurde auf das Schönste erfült. Zweimal kam Alin bzw. Alin mit Band wieder heraus und spielte jeweils zwei der sehr etablierten Lieder wie Alles was ich hab (und ich hatte wieder das Gefühl, dass auch an diesem Abend alles gegeben worden war) oder das herrliche Festhalten mit immerwährender Gänsehautgarantie und ganz zuletzt: Das letzte Lied... Was für ein phantastischer Abend!


Setlist:
01: Wolken
02: Same Boat
03: Beben
04: Kites
05: Disconnected
06: Die Gefahr (Solo)
07: Andere  Hände (Solo)
08: Leichtigkeit (Solo)
09: Du bist so schön (Solo)
10: Wer bist Du?
11: Du machst nichts
12: Fountain
13: High Expectations
14: Einer will immer mehr
15: Hol mich ein

16: Alles was ich hab (Z)
17: Ich war hier (Z)

18: Festhalten (Z)
19: Das letzte Lied (Z)
 

Aus unserem Archiv:
Alin Coen Band, Mannheim, 10.08.14
Alin Coen Band, Karlsruhe, 04.07.13
Alin Coen Band, Karlsruhe, 19.09.12  


Tourdaten:
02.09. Binz, Kurplatz
07.09. Münster, Jovel
08.09. Düsseldorf, Fuchs & Hase
09.09. Mainz, Frankfurter Hof
10.09. Karlsruhe, Kulturzentrum Tollhaus
12.09. Freiburg, Jazzhaus
13.09. Aschaffenburg, Colos-Saal
14.09. Braunschweig, Kulturzelt
16.09. Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
17.09. Wien, Porgy & Bess
18.09. Reutlingen, Kulturzentrum franz.K
20.09. Bremen, Modernes
21.09. Rostock, M.A.U. Club
22.09. Magdeburg, Moritzhof
23.09. Potsdam, Waschhaus 


Konzertvideo 2017 



Freitag, 21. April 2017

Dota und Band, Karlsruhe, 14.10.16

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Konzert: Dota und Band auf Keine Gefahr Tour
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 14. Oktober 2015
Dauer: 115 min
Zuschauer: etwa 300


All die wunderbaren Bilder hier sind von Markus. 
Aufgenommen am 09.10. im über-ausverkauften Berliner Konzert

Es ist schwer kurz zu bleiben im Erzählen über ein Konzert mit Dota, die ich vor vier Jahren noch als Kleingeldprinzessin gesehen habe und die nun als Dota und Band irgendwie erwachsen geworden wirkte. Was immer das heißt; worin auch die Veränderungen bestehen mögen. Denn es reimte sich bei ihr fast kindlich unbekümmert immer noch Rennrad auf geändert oder Konsequenzen auf Grenzen und man musste zur Musik hopsen und mitgrölen und kam nicht umhin zu denken, zu lachen, den Kopf zu schütteln und den Nachbarn anschubsen um sich zu vergewissern, dass das auch wirklich gerade passiert.


Dota und Band waren auf dieser Tour 

 Dota Kehr (Gesang und Akustikgitarre), 
 Jan Rohrbach (E-Gitarre und Bass), 
 Janis Görlich (Schlagzeug), 
 Jonas Hauer (Klavier).

Für mich waren die Gesichter der Herren um Dota neu, aber das Team ist durchaus schon über Jahre so erprobt d.h. auch: So sehr Dota das Zentrum und die Rampensau ist, so sehr wird sie doch auch durch die Band getragen. Was ich im Eifer des Gefechts nicht hinkriegte: Eine Setliste mitzuschreiben.
 


Aber in der Rückbesinnung waren wohl folgende Songs dabei (nicht unbedingt vollständig und vielleicht anders gereiht): Mantel, Monster, Warten auf Wind, Stille Wasser, Die Diebe, Rennrad, Weit, weit, weit vor einem Solopart mit dem herrlich wahren und gleichzeitig so absurden Geld verdirbt den Charakter, und dem zum schreien lustigen Bald fang ich wieder an. Spätestens mit diesen hingeworfenen ohne musikalischem Brimborium dargebotenen Liedern hat Dota mein Herz ganz und gar - bei Rennrad war ich schon kurz davor gewesen. Mit Band ging es anschließend weiter wie bei einem rauschenden Fest: Floß, Keine Gefahr, Das Wesen der Glut
, Grenzen, Nah, Vergiftet, Spiegel der Zeit, Hoch oben, Du musst dich nicht messen, Stadt am Meer, Licht, Risse, Bis auf den Grund, Alles Du alles Dur.
 

Ich muss dazu sagen, dass das Publikum wirklich ordentlich mitfeierte. Tanzte, textsicher mitsang und lachte - dabei nacheinander schaute und sich anschließend ganze drei Zugabenblöcke erbat, die dann wirklich und wahrhaftig die Gassenhauer, die Superhits auf die Bühne und in den Saal brachten (ich hatte Ohrsteckermädchen noch tagelang als Ohrwurm). D.h. es gab unter anderem die Lieder Konfetti, Utopie, Ohrsteckermädchen, Aber hey. Dann war irgendwann doch unaufschiebbar Schluß und wir mussten wieder heim - zwar nicht cool aber wir leuchte(ten) bei Nacht!




Aus unserem Archiv:
Dota und die Stadtpiraten, Karlsruhe, 04.07.12

Tourdaten:
17.09. Prenzlau - 5 Sterne Cantine
23.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
04.10. Potsdam - Waschhaus
09.10. Berlin - Volksbühne
13.10. Chemnitz - Atomino
14.10. Karlsruhe - Tollhaus
15.10. Mainz - Frankfurter Hof
16.10. Aachen - Musikbunker
17.10. Düsseldorf - ZAKK
18.10. Münster - Gleis22
03.11. Wawern - Synagoge
04.11. Eupen - BRF Funkhaus
15.11. Boston (USA) - Lincoln High School
17.11. Boston (USA) - Goethe Institut
25.11. Fulda - Kulturkeller
26.11. Ulm - Roxy
27.11. Wien - Chaya Fuera
28.11. Linz - Posthof
29.11. Regensburg - Leerer Beutel



Samstag, 10. Dezember 2016

Gabby Young, Karlsruhe, 09.12.16

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Konzert: Gabby Young
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 9. Dezember 2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 150


Manche Konzerte leuchten ja ganz besonders nach, obwohl ich nicht mit dem Finger darauf zeigen könnte, warum eigentlich. Beim Konzert von Jay Chakravorty aka Cajita (*) im letzten Winter war mir aber gleich klar, was mich - neben seiner einnehmenden Art - so beeindruckt hatte: Er arbeitet mit fantastischen Frauen zusammen und spricht darüber wunderbar enthusiastisch. Durch ihn wurde ich auf A seated craft aufmerksam und auf Gabby Young. Ich wußte, dass er auch mit  She makes war musiziert hatte und für sie Songs remixed hat wie erst kürzlich noch für Pollyanna. Ich freue mich immer neu über solche Spuren durch meine Musikwelt, wenn alles etwas mehr verbunden erscheint...
 

Gabby Young trat sonst auf als Gabby Yound and other animals (was auch einen gewissen Vorgeschmack auf die zu erwartende Performance gibt - finde ich). Nach der Beschreibung auf den Seiten des Tollhauses klang aber die als Gabby Young Konzert angekündigte Show in Karlsruhe nach einer intimen Sache: Frauenstimme mit Ukulele. Weshalb ich auch erst einmal zweifelnd nachfragte, ob Jay mit von der Partie sein würde. Seine Antwort kam zum Glück promt: Ja, klar und es wäre doch toll, sich bei der Gelegenheit zu sehen (und wohl auch, mir Gabby Young in voller Pracht und Schönheit zu zeigen...). Damit war die Entscheidung über mein musikalisches Programm am Freitag Abend gefallen.



Und ich wäre wohl auch tot umgefallen, wenn ich der Ankündigung geglaubt hätte, denn als ich eintraf, war auf der Bühne so viel vorbereitet, als wollte ein Kammerorchester auftreten: Ich zählte spontan fünf Gitarren (eine stellte sich später als fünfsaitiger E-Bass heraus), 4 Ukulelen, ein E-Kontrabass, ein Schlagzeug, ein E-Piano, ein Synthiestation, ein Glockenspiel, ein großes Glockenspiel und später kam noch ein Akkordeon mit auf die Bühne. Den letzten i-Punkt setzte ein Grammophon am linken Bühnenrand. In ihrem Kontext waren die vier Begleitmusiker vielleicht auch eher die Kammerbesetzung, denn in der Beschreibung ist von 5-7 Bandmitgliedern und Bläsern die rede.


Aber mit diesen vier Herren wurde eine opulente Show inszeniert. Jahreszeitlich mit einem kleinen weihnachtlichen Einschlag. Aber selbst das eigentlich abgenudelte Winderwonderland hatte in der live-Version in halber Geschwindigkeit ein ganz überraschendes Gewand. Was fiel mir besonders auf an diesen rauschhaften 90 Minuten? Gabbys Stimme ist der Wahnsinn. Wirklich und wahrhaftig kraftvoll in allen Stimmlagen und mir fällt auch kein Vergleich ein zu einer ähnlich klingenden Sängerin. Auf der Bühne herrschte eine einzigartige Spielfreude und das Wechseln zwischen den Instrumenten gehörte einfach dazu. 




Besonders hübsch waren dabei vielleicht die vier-Ukulelen-Version von Smile (die mit einem Wadenkrampf für Gabby endete) oder auch die Variante mit den geschlagenen Klangstäben bei Stille Nacht, bei der die drei Musikanten zwischen voller Konzentration und bübischem Lächeln hin und her gerissen wurden. Oder die Tanzeinlage? Wo es Gabbys Mann gelang, sein Schnapsglas umzustoßen durch die Wellen, die er im Bühnenboden schlug mit seinem wilden Gehopse... 


Das ist wirklich schwer zu sagen, weil es in Summe ein herrliches Feuerwerk von Höhepunkten war unterbrochen durch intimere Momente mit Gabby allein auf der Bühne (Male verson of me und We're all in this together), die aber mindestens genauso toll waren. Die Bühnenpräsenz von Gabby und aller beteiligten war so, dass sie sicher auch das unbeteiligste Publikum mitgerissen und zum mehrstimmigen Mitsingen animiert hätten. Hier aber gab es noch Bonus dadurch, dass dies nicht der erste Besuch in Karlsruhe war und es im Publikum auch Gastgeber eines Wohnzimmerkonzertes mit Gabby gab. So ging ich mit einem vollem Herzen ein paar Umarmung bei Jay abholen und werde wohl noch lange beim Denken an diesen Abend sofort ein lächeln und ein warmes Gefühl im Herzen haben.


(*) ein Projekt, das er leider gerade für beendet erklärt hat. 

All meine Bilder vom Abend.

Setlist:
01: Sur la lune
02: Ladies of the lake
03: Open
04: Male version of me
05: Another ship
06: The answer in the question
07: Winter wonderland
08: Smile
09: Coming through the trees
10: One foot in front of the other
11: Fear of flying
12: Silent night
13: Neither the beginning nor the end
14: The devil has moved in
15: Honey
16: Steal or borrow
17: Time
18: Segment

19: We're all in this together (Z)

Tourdaten:
15.12. Aschaffenburg Colos Saal
16.12. Bad Homburg Kulturbahnhof

Aus unserem Archiv:
Cajita, Karlsruhe, 16.02.15 



Sonntag, 23. Oktober 2016

Françoiz Breut, Karlsruhe, 28.09.16

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Konzert: Françoiz Breut
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 28. September 2016
Dauer: 80 min
Zuschauer: 120


Was ich mir von einem Konzert mit Françoiz Breut nach der Ankündigung im Tollhaus versprochen hatte? Das habe ich mir vorher gar nicht so genau überlegt. Ich gehe gern ins Tollhaus, der Termin lag günstig und - französische Sängerin - das passt doch immer. Ein paar Tage vorher erfuhr ich zudem, dass auch eine Freundin zum Konzert gehen würde und sich sehr darauf freute wegen bester Vorerfahrungen. Im Konzert selbst stellte sich jedoch heraus, dass ich sehr wohl ein Bild im Kopf gehabt hatte - ein falsches. Dabei hätte ich nur einmal die Berichte von Oliver aus Paris und Markus aus Berlin zu lesen brauchen...


Zunächst einmal gab es gleich eine ganze Band: Marc Mélia an einem Turm von Tasten, Roméo Poirier an den Drums (zwischendurch aber auch Synthie- elektronisch) und Stéphane Daubersy an Gitarre, Bass, Melodica, Drums und Trompete - also fast so ein wenig das Mädchen für alles und irgendwie auch Hauptpartner im Hin und Her der Musik. Das war sehr unterhaltsam anzusehen und brachte auch viel Farbe ins Programm: Zwischen säuselnd und ordentlich bumms war wirklich alles vertreten, vieles durfte schwebend ungewiß bleiben oder verführerisch mit den Hüften wackeln.
 

Der zweite Eindruck war: Was für eine frappierende Ähnlichkeit mit Marianne Dissard (vielleicht auch nur, weil dies meine greifbarste Referenz war). Es stellte sich aber dann im Nachgang für mich heraus, das beide auch in ihren Lebensläufen manche Ähnlichkeit haben und mein Eindruck vielleicht doch nicht nur fantasiert war. Nach dem Auftakt mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums Zoo folgte À pic sehr Rhythmus-dominant und der junge Mann am Schlagzeug konnte zeigen, welche Facetten er liefern kann und welche abgedrehten Taktwechsel.    


Mit Everyone kisses a stranger wurde es wiegend und zur Abwechslung konnte ich dem Text auch einmal folgen. Vielleicht ist es mir deshalb als besonders toll in Erinnerung geblieben - vielleicht aber auch nur weil es gleichzeitig wunderbar sehnsuchtsvoll wie hoffnungsvoll war. La danse des ombres setzte dem ein klopfendes Herz und eine Lebensfreude entgegen, die eigentlich danach ruft, als Ohrwurm hängen zu bleiben, wenn es denn einen rechten Refrain zum mitpfeifen gäbe. Le ravin war ebenfalls eine starke Nummer, in der es wirklich sehr expressiv wurde.


Es gab im Verlauf des Abends sehr wenig Worte von der Bühne außer dem einen oder anderen gehauchten Merci für Applaus. Eine Ausnahme bildete der Song Deep Sea Diver dessen Ansage mich aber zunächst etwas ratlos machte, weil es für mich wie Dipsi Deiver klang. Mit dem nächsten Stück Le don d'ubiquité kam schließlich die Melodica zum Einsatz, die ich die ganze Zeit schon hatte liegen sehen (es fehlte nun nur noch der Einsatz der Trompete auf der Bühne). Loon Plage hat das schlingernde (vor allem vom Piano getrieben) kombiniert mit einem fast militärischen Marschrhythmus. Wieder so ein gekonnt kombinierter vermeintlicher Gegensatz! Schließlich wurde das letzte Lied angesagt und mit Le grande filtre sollte (angeblich...) nach etwa einer Stunde Schluss für den Abend sein.


Das Publikum war über die Dauer des Konzertes sehr andächtig beim Lauschen und enthusiastisch im Applaus. Folglich ging es sofort danach um Zugaben, für die sich die Band etwas Besonderes überlegt hatte. Die Frau vom Merch kam auf die Bühne und rezitierte ein deutsches Gedicht von dem ich dann später las, es war Morlocks und die Streunerin. Ein wenig bizarr und sehr herb, aber ich konnte mich dem Sog nicht entziehen.  
 

Als wollten sie ihr Publikum nicht mit diesem Fragezeichen in die Nacht entlassen, gab es im Anschluss noch ein locker flockiges Liedchen: La chirurgie des sentiments. Was dazu führte, dass der Applaus danach noch immer Hunger auf mehr verriet. Tatsächlich ließen sich sich sogar zu einer zweiten Zugabe bitten, die ihre Heimatstadt ehren soll: Bruxelles Bleuette. Danach folgte erstmals eine gemeinsame Verbeugung aller vier Beteiligter auf der Bühne und damit das Signal: Dies ist der endgültige Abschied für heut. 


Oder fast, denn als ich kurz später mit meinem Fahrrad am Gebäude vorbeifuhr, stand das Quartett rauchend wie selbstverständlich im Hof und wertete das Konzert aus. Da gabe es von den nach Hause strömenden Besuchern noch so manchen Zuruf Merci und Très bon concert im Vorbeigehen ...


Setlist:
01: Zoo
02: À pic
03: Everyone kisses a stranger
04: La danse des ombres
05: Le ravin
06: Le jardin d'Eden
07: Werewolf
08: La conquete
09: A l'unisson
10: Deep Sea diver
11: Le don d'ubiquité
12: La Boîte De Nuit
13: Loon Plage
14: Le grande filtre

15: Morlocks und die Streunerin (Z)
16: La chirurgie des sentiments (Z)

17: Bruxelles Bleuette(Z)




Tourdaten:
21.09. Köln, Bahnhof Ehrenfeld
22.09. Leipzig, NATO
23.09. Erlangen, E-Werk
24.09. Linz, Posthof
25.09. Hannover, Pavillon
26.09. Freiburg, Cafe Atlantik
28.09. Karlsruhe, Tollhaus
29.09, Le Port Franc, Sion
01.10. El Lokal, Zürich
03.10. Schwankhalle, Bremen
12.10. Atelier 210, Etterbeek


Aus unserem Archiv:
Françoiz Breut, Paris, 12.02.13
Françoiz Breut, Berlin, 03.12.12 



Mittwoch, 3. August 2016

Ana Tijoux, Karlsruhe, 02.08.16

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Konzert: Ana Tijoux
Ort: Tollhaus im Rahmen des Zeltivals, Karlsruhe
Datum: 2. August 2016
Zuschauer: etwa 500


Die letzte Woche im Zeltival ist schon angebrochen. Für mich die Woche mit den meisten notierten Terminen. Die chilenische Sängerin Ana Tijoux war unter den ersten Bestätigungen für den Sommer 2016 im Tollhaus. Ich hatte mich deshalb schon vor längerer Zeit ein wenig mit ihr und ihrer Musik auseinandergesetzt und mir das Konzert in den Kalender geschrieben. Vor allem um einer alten Liebe willen für aufmüpfige südamerikanische Musik. Die ganz große Liebe ist zwar schon ein bisschen her, aber noch stehen ein paar Lieblingsplatten von Gogol Bordello und Ska-P im Regal und warum dann nicht einer Fortschreibung dieser Tradition einen Abend widmen?


Beim ankommen wurde mir schnell klar: 
 1) es wurde ringsum ganz schön viel spanisch gesprochen, 
 2) es war ganz gut besucht und 
 3) auf der Bühne war ganz ordentlich was vorbereitet. 
Das sprach in meiner Erwartungshaltung für eine fröhliche Partyfeier. Schließlich kamen unter großem Beifall insgesamt drei Bläser, ein Mann an der Tasten, ein Schlagzeuger und ein Gitarrist auf die Bühne bevor auch die Sängerin ihren Platz am Mikro einnahm. Also das ganz große Besteck.


Würden die Bläser eher druckvoll punkig unterstützen oder eine gewisse jazzige Richtung vorgeben - oder vielleicht auch mal so mal so eingesetzt werden? Die Frage war schnell beantwortet, als auch im zweiten Song des Programms - Vengo - ein jazziger Ton klar dominierte und einem von mir im Vorfeld als Knallersong und Ohrwurm empfundenen Highlight den Glanz nahm. Das ist ja sicher alles Geschmackssache und der punkige Druck wird sicher anderen als schrecklicher Krach auf die Nerven gehen. Aber für mich ist eben dieses Art Jazzmusik des kleinsten gemeinsamen Nenners nicht nur langweilig sondern auch ärgerlich.


Daran änderten auch recht vorhersehbare Soli der Bläser und des Gitarristen nichts und auch nicht stadiontaugliche Rufe ins Publikum: How are you feeling? Ja, es wurde getanzt, aber es wurde keine richtige Party und am interessantesten für mich waren tatsächlich die visuellen Projektionen am Bühnenhintergrund... Allen, die einen tollen Abend im Tollhaus hatten, sei das von Herzen gegönnt - und ich freue mich, wenn dort immer wieder solche Acts ins Programm geholt werden, denn bisher hatte ich damit nur die besten Erfahrungen. Aber der Abend war nicht meins. 


Setlist:
01: Mi Verdad
02: Vengo
03: A veces
04: Shock
05: Idrissa
06: Yo me voy
07: Sacar la voz
08: Calaveritas
09: Luchin
10: Todo lo solido
11: En paro
12: Los peces
13: Las cosas
14: Creo en ti
15: Antipatriarca

16: Bis (Z)
17: 1977 (Z)
18: Somos Sur (Z)


Montag, 1. August 2016

Enno Bunger, Karlsruhe, 30.07.16

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Konzert: Enno Bunger und Band
Ort: Tollhaus in Karlsruhe (im Rahmen des Zeltivals)
Datum: 30. Juli 2016
Dauer: 105 min
Zuschauer: 150


Ich bin ein analytischer Mensch und versuche möglichst viele Dinge in Ursache und Wirkung zu verstehen. Ich denke im Großen und Ganzen bin ich ganz gut darin, aber warum mich ausgerechnet die Musik von Enno Bunger so fängt, kriege ich auch nach dreieinhalb Jahren noch nicht wirklich heraus. Denn ich mag nur wenige Sänger, noch weniger deutsche Texte und Singersongwriter-Material als Band, da ist bei mir definitiv das Ende der Geduld erreicht (zumal das häufig genug im angebrüllt werden endet).


Ich habe jedoch den Verdacht, dass es vor allem daran liegt, dass ich Enno Bunger seine Lieder abnehme als wahr und zutiefst ehrlich und ich live seine schwarzhumorigen Ansagen liebe, in denen er eine innere Distanz aufblitzen lässt, die mir zutiefst sympathisch ist. Dieses Vertrauen wurde bei der TV-Noir-Tour (gemeinsam mit Me and my drummer) 2013 begründet und hat einige Entwicklung und Überraschungen durchgemacht. Seine Texte sind halt auch ziemlich gut und musikalisch packte er schon so das eine oder andere Kleinod für mich aus. 
 

Als es beim Maifeld 2013 ein Finale mit Onno Dreier und Akkordeon im Publikum gab, bei dem keine Auge trocken blieb oder bei der Seebühnenregatta in Mannheim 2014 auf einmal überraschend die Bungersche Musik mit Bums und einer Hundertschaft Künstler auf der Bühne zelebriert wurde und es einfach nur toll und passend war zum Beispiel. Oder kurz bevor es mit dem aktuellen Album richtig ernst wurde, im Wohnzimmerformat einfach alles passte.
 

Das sind Erlebnisse und "Guthaben-Punkte", wegen derer ich mir das Finale dieser Tour in großer Besetzung "mit Synthies und Strobos" beim Zeltival Karlsruhe auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Im aktuellen Quartett durch Nils Dietrich (Schlagzeug), den so vielseitigen Philipp Makolies (Gitarre) und Onno Dreier (Synth) verstärkt. Dabei die große Geste, wo es passt, aber nie musikalisch zugekleistert. Oft wurde mit Herzschlag-Rhythmus gearbeitet. Natürlich gab es auch ein paar Geschichten. Z.B. über die Anfangszeit und Konzerte in Karlsruhe im Radio Oriente, wo auf der Bühne mehr Leute als im Publikum waren. 


Seitdem ist viel geschehen. Außer in halbfertigen live-Fassungen hatte ich von der neuen Platte noch nicht recht Notiz genommen. Das wurde nun nachgeholt, denn die Setlist umfasste alle neuen Lieder, dazu noch ein paar meiner Lieblingslieder und alles in allem wurde fast zwei Stunden ziemlich Gas gegeben. Sehr gepackt haben mich tatsächlich die beiden ersten Songs, auch wenn sie mich durch das fast Sprechgesangs- und zum Teil Mantra-mäßige eigentlich hätten abschrecken können. Bis zum Song Herzschlag war ich ziemlich beglückt. 


Dann gab es eine Phase, wo ich gewisse Längen empfand und nicht mal mein wirklich Lieblingslied Am Ende des Tunnels kriegte mich so richtig - leider auch nicht andere Lieblinge wie Regen und Ich möchte noch bleiben, auf die ich innerlich schon als Gänsehaut-Finale gewettet hatte. Dafür brachte Wo bleiben die Beschwerden noch einmal mein Herz zum lauter schlagen. Nun gut, immerhin die erste Hälfte des Konzerts war für mich wirklich großes Kino gewesen!


Es sind Tourdaten der leiseren Töne im Dezember versprochen (siehe unten) und davor kann man es noch beim Golden Leaves Festival in Darmstadt probieren.

Setlist:
01: Renn!
02: Scheitern
03: Zwei Streifen
04: Pass auf dich auf
05: Blockaden
06: Abspann
07: Roter Faden
08: Herzschlag
09: Heimlich
10: Nicht immer alles jetzt
11: Am Ende des Tunnels
12: Die Flucht
13: Wo bleiben die Beschwerden?
14: Regen
15: Neonlicht

16: Klumpen (Z)
17: Ich möchte noch bleiben (Z)
18: Hamburg (Z)



Aus unserem Archiv:
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13





Samstag, 9. Juli 2016

Alejandra Ribera, Karlsruhe, 08.07.16

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Eröffnung des Zeltivals mit Alejandra Ribera
Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 8. Juli 2016
Dauer: 60 min
Zuschauer: etwa 1000


Dass endgültig Sommer geworden ist, daran werde ich jedes Jahr auf Schönste erinnert durch den Beginn des Zeltivals. Die vier verrückten Wochen, wo sich das Tollhaus von seiner ganz besonders einladenden Seite zeigt. Dieses Jahr hatte ich die Vorfreude-Veranstaltungen noch weitestgehend links liegen gelassen, aber den offiziellen Auftakt mit Alejandra Ribera wollte ich mir doch gern ansehen.


Das Team des Tollhauses macht ja prinzipiell eine ganze Menge Sachen richtig gut. Im Rahmen des Zeltivals legen dann alle noch eine Schippe drauf und wenn dann auch noch so ein Bilderbuch-Sommerwetter obendrauf scheint, ist es nicht übertrieben, das Ergebnis paradiesisch zu nennen. 


So lag über dem Gelände - trotz ausverkauftem Haus - eine Gelassenheit und Heiterkeit, die das wahre Markenzeichen von einem gelungenen Festival für mich ist.  Eine Mischung von Fans, die der konkreten Musik wegen da waren, wie Leuten, die sich dem Tollhaus verbunden fühlen und sich dann bei solchen Gelegenheiten einfinden, um die anderen zu sehen und sich das Neuste zu erzählen. Sie alle fanden ihren Platz und waren letztlich auch eingeladen durch das dafür gewählte musikalische Programm.


Auch auf der Bühne war es eine Mischung aus verschiedensten Einflüssen. Die Stimme von Alejandra Ribera mal keltisch raunend, mal spanisch nuschelnd, doch als Sängerin immer ganz und gar im hier und jetzt auf das Publikum und den Song hin fokussiert mit allen Fasern des Körpers bis in die Zehenspitzen. Innig und werbend und ihr Herz entblößend. Zunächst ließ sie auch die Musik ganz für sich sprechen bevor sie sich ein Herz fasste und sehr nervös etwas deutsch ausprobierte - um dann doch lieber auf englisch auszuweichen (nachdem klar war, dass das Publikum sie dann auch versteht).


Ich hatte viel Freude dabei, die Körperlichkeit ihres Gesangs ganz nah zu sehen und auch daran dem Mann am Kontrabass auf die Finger zu schauen. Der Herr an der Gitarre von mir aus links wirkte im Trio recht abgeklärt und wie der Ruhepol - zu ihm gingen denn auch immer wieder die Blicke der beiden anderen, wenn es drauf ankam oder sich nicht ganz richtig anfühlte.


In Summe fand ich das sehr sympatisch und vermutlich auch sehr konsensfähig, es fehlte mir aber der rechte Biss bzw. die Stelle, wo mich ein Lied mal so richtig einfängt, dass ich aufhöre zu beobachten.



Tourdaten:
9./10.07. Rudolstadt TFF
28.07.     Riehen Stimmen Festival
30.07.     Nürnberg Bardentreffen
31.07.     Friedrichshafen Kulturufer
11.09.     Witzenhausen  Tag des offenen Denkmals



 

Konzerttagebuch © 2010

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