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Sonntag, 18. September 2016

Me And My Drummer, Dresden, 16.09.16

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Konzert: Me And My Drummer
Ort: Konzertplatz Weißer Hirsch
Datum: 16.09.2016
Dauer: 105 Min
Zuschauer: ca. 250



Magier im Zauberwald


Eine Konzertmuschel, ein großer Kurgarten in altehrwürdiger Sanatoriums- und Kurgegend umgeben von einem Zauberwald, wie Charlotte Brandi ihn bezeichnete, die mit Matze Bröllochs (ihrem Schlagzeuger) den Nachmittag dort umhergewandert war. Auf dem Dresdner Weißen Hirsch erschloss sich mir eine bisher unbekannte Konzertstätte, die ich hoffentlich noch öfter besuchen kann. Es sollte der vorerst letzte sommerliche warme Abend werden. Etwas belustigt schaute ich zu, wie sich das Publikum, nachdem es mit Speisen und Getränken versorgt war, in den Weiten des Gartens vor der Muschel in Liegestühlen und an Tischen verlor, während die Muschel selbst in leisem Orange erstrahlte.


Me And My Drummer eröffneten das Konzert mit Prague I & II und baten anschließend sogleich das Publikum auf die Vorbühne. Schnell leerte sich der Garten, manche brachten ihre Liegestühle mit nach oben, viele standen im Rund und einige saßen in der ersten Reihe. Am Ende waren fast alle Besucher auf der Bühne.



Charlotte Brandi und Matze Bröllochs waren gut aufgelegt, erzählten viel zwischen den Songs - besonders als sie spontan über England und ihre Erlebnisse dort philosophierten. Für mich war es das erste Konzert dieser Band und ich kannte bisher nur ihr aktuelles Album „Love Is A Fridge“. Das Album kommt mir beim Hören stets etwas zu glatt produziert vor, das Konzerterlebnis war vom ersten Titel an ein komplett anderes. Matzes Schlagzeug dominierte auf sehr angenehme Weise die druckvollen Songs und untermalte ebenso effektiv, fast grazil wie hörenswert die leiseren Lieder. Charlotte erzeugte mit Keyboards und Gitarre die Grundstimmungen der Songs. Gefangen genommen hat mich dann aber Charlottes Stimme, die ich als drittes Instrument wahrnahm, so markant und gleichzeitig wandlungsfähig kam sie rüber.



Insgesamt überraschten an diesem Abend zum einen die Spielfreude der beiden und ganz besonders die neuen Songs. „Bloodmoon“ begann als der bis dahin druckvollste, ich schloss die Augen dabei und mit Charlottes Gitarrenspiel tauchten die Bilder aus Kill Bill vor mir auf. Die nächste Überraschung war „Ein Wort“ - ein Song auf deutsch. Die Ankündigung darauf wurde besonders honoriert als wollten alle sagen, davon darf es künftig gern mehr geben.



Matzes Schlagzeugspiel zuzuschauen war eine Augenweide, weil er die Songs in die Nacht trug und dem Konzert ein stimmungsvolles Gerüst gab. Mit zunehmender Dauer wurde dann auch die Begeisterung des Publikums immer größer und so gab es als erste Zugabe „Happy Birthday“ für einen Fan oder Freund der Band mit einer klaren Ansage: jeder schließt bitte Augen und fühlt sich als Marylin Monroe. Und so wurde das Ständchen vielstimmig in den lauen Abend gehaucht. Überhaupt wählten Me And My Drummer als Zugaben beeindruckende Cover von Dolly Parton und der Freundin der Band Kat Frankie. Danach war dann aber endgültig Schluss. Nach der zweiten Zugabe verabschiedete sich Charlotte und Matze an den Merch-Stand und signierten geduldig für alle ihre CDs und Platten.



Webseite: http://www.meandmydrummer.com



Setlist:
01. Prague I & II
02. Heavy Weight
03. Gun
04. Grown Up Shape
05. Pentonville Road
06. The Wings
07. Nuts
08. Bloodmoon
09. Blue Splinter View
10. Ein Wort
11. Phobia
12. Runner

13. Happy Birthday (für Stefan) (Z)
14. Jolene (Dolly Parton cover) (Z)

15. Please Don't Give Me What I Want (Kat Frankie cover) (Z)

Aus unserem Archiv:
Me And My Drummer, Storkow, 27.08.16  
Me And My Drummer, Stade, 03.08.13
Me And My Drummer, Karlsruhe, 31.01.13
Me And My Drummer, Darmstadt, 27.01.13
Me And My Drummer, Paris, 25.10.12
Me And My Drummer, Rüsselsheim, 20.07.12
Me And My Drummer, Mannheim, 19.05.12

Mittwoch, 31. August 2016

alínæ lumr Festival, Storkow, 27.08.16

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Zweiter Tag des Alínae Lumr Festivals für mich mit Konzerten von 
  Pascal Pinon
  Bannermann
  Me and my Drummer
  Federico Albanese
Ort: Storkow
Datum: 27. August 2016
Dauer: je 50 min
Zuschauer: 50  bis 200 
 

Auch der Festivalsamstag war von Sonne überreich gesegnet. Insofern kam es mir besonders gelegen, dass das erste Konzert in der Kirche und somit an einem wohltemperierten Ort stattfinden würde. Außerdem war Pascal Pinon eines meiner privaten Highlights des Line-ups. Sie hatten am ersten Tag schon gegen Mitternacht am Mühlenfließ gespielt, was ich mir hatte entgehen lassen müssen; Aber nun, am frühen Nachmittag in der Kirche: Das würde ganz bestimmt zu 100% mein Ding!


Und die Erwartungshaltung wurde absolut erfüllt! Die beiden waren zu Beginn noch recht ruhig und der richtige Schalk im Nacken blitzte erst nach einigen Songs auf. Und doch war die reduzierte Fassung mit oft nur Flügel und ein- oder zweistimmigem Gesang eine wunderbares Destillat dessen, was die Musik der zwei Isländerinnen im Kern ausmacht. Einziges Manko, dass die Ansagen sehr oft nicht wirklich verständlich waren. Wahrscheinlich sind die beiden so daran gewöhnt, sich ohne viele Worte zu verstehen, dass auch für das Publikum eine Ansage oft schon leise begann um anschließend unhörbar im Flüsterton noch weiter zurückgenommen zu werden.


Es wurde einiges vom gerade erschienen Album Sundur gespielt, aber auch alte und mir damit sehr vertraute Lieder. Sehr schöne Neuerung im Instrumentarium war die E-Gitarre, die sehr warm und oft wie eine Singstimme eingesetzt wurde. Im Vergleich zu den sehr schön produzierten Versionen auf CD war es oft nur wie hingetupft - vor allem gesanglich. Außerdem meinten sie, die Versionen mit Flügel würden ihnen immer besonders langsam geraten. In jedem Fall war das dargebotene etwas delikates und wertvolles, das zum Glück auch von einem gebannten und aufmerksamen Publikum angenommen wurde um dann mit frenetischem Applaus gefeiert zu werden.


Unbedingter Höhepunkt für mich war schließlich die Zugabe mit einem wirklich unfassbar innigen Evgeni kissin - so noch nie gehört und absoluter Gänsehautmoment. Wunderbarst!


 
Setlist:
01: Jósa & Lotta
02: Somewhere
03: Ekki Vanmeta
04: Skammdegi
05: Brahms
06: 53
07: Babies
08: ??
09: White sun 


10: Evgeni kissin (Z)


Auf dem Markt machten schließlich nach einer kleinen Pause für mich Bannermann weiter. Vier Männer, von denen ich beim Aufbau recht rockiges erwartet hatte, die aber schließlich ziemlich fluffige Sommermusik lieferten. Sehr schön zum dabei sitzen und die Gedanken schweifen lassen. Wir kehrten schließlich zum Tee im Fairhandel am Markt ein, um die Wartezeit auf Me and my drummer ein wenig zu überbrücken. Wurden dort mit einer Liebe zum Detail bewirtet, dass wir innerlich ganz rot wurden. Auch das die besonderen Momente des Storkower Festivals: Wenn die Gäste des Festivals fast wie persönliche Gäste behandelt werden!


Für Me and my Drummer war ich in diesem Jahr nun zum ersten Mal im Burghof, der sich nicht so arg verändert hatte im Vergleich zum vergangenen Jahr. Es war auch der Moment in dem mir zum ersten Mal Künstler aus dem Line up über den Weg liefen so als würde ihnen der Konzertort auch Spaß machen... Was - wie ich finde - auch immer viel (positives) über ein Festival sagt! Für Charlotte Brandi und Matze Pröllochs waren weniger Leute erschienen, als ich erwartet hatte. Zum Teil erklärte sich das wohl damit, dass sich vor dem Einlass eine längere Schlange gebildet hatte. Ich habe nicht recht verstanden, warum dort keiner mehr hinein sollte.


Es war aber eine wunderbare und mitreißende Show der beiden und das Publikum honorierte das mit ordentlichem Enthusiasmus. Ich nutzte allerdings die Gelegenheit auch für einen kleinen Rundgang. Das Hof-Areal war wieder recht einladend gestaltet und spielte die Stärken voll aus. Für meinen Geschmack hätte es noch ein paar mehr Sitzgelegenheiten geben können - deshalb habe ich mir dann den letzten Teil des Konzertes doch lieber außerhalb des Hofes im Grünen sitzend angehört... (ja ich weiß, die Chance ist Luxus auf einem Festival!)
 

Weiter in meinem privaten Programm ging es auf den frühen Abend - wieder in der Kirche - mit Federico Albanese. Ein wie ich fand sehr passende Mischung und auch der Künstler meinte zum Schluß des Konzertes, dass er die besondere Atmosphäre in der Kirche sehr genossen hätte. Die für ein Festival leider schwer vermeidbaren Störungen durch Personen, die im Konzert kommen oder gehen wollen waren diesmal etwas weniger störend als beim Konzert mit Martin Kohlstedt im vergangenen Jahr - auch wenn die Kirche ähnlich gut gefüllt war. Über die Musik von Herrn Albanese kann ich wenig mit Worten sagen, obwohl das zuhören bei mir immer innere Filme anstößt. Er hatte sich auf die Musik des aktuellen Albums The Blue hour konzentriert. Aber es war auf alle Fälle eines der wirklich besonders schönen Konzerte des Festivals für mich.
 

Anschließend war diesmal schon Abschied nehemen angesagt vom zweiten Alínae Lumr in Storkow. Und es ging auf spätabendlicher Radtour zurück ins Quartier am Scharmützelsee unter einem unfassbar Sternen-reichen klaren Abendhimmel. Mein Herz wieder voll und mit dem Wunsch erfüllt, doch nächstes Jahr unbedingt wieder dabei sein zu wollen. Vielen lieben Dank an alle Organisatoren für so einen Ort voller Herzlichkeit und toller Musik und auch Dank an die Storkower, die das aus vollem Herzen mit tragen.

Meine Fotos der beiden Festivaltage


Tourdaten Me and my drummer:


Aus unserem Archiv
Berichte von 2015: Tag 1, 2, 3
jfdr, Ásbru, 02.07.15 
Samaris, Paris, 01.02.14
Samaris, Berlin, 17.09.14
Samaris, Köln, 16.09.14

Pascal Pinon, Frankfurt, 03.06.13
Pascal Pinon, Offenbach, 08.03.13
Pascal Pinon, Karlsruhe, 22.02.13
Pascal Pinon, Offenbach, 21.02.13 

Me And My Drummer, Stade, 03.08.13
Me And My Drummer, Karlsruhe, 31.01.13
Me And My Drummer, Darmstadt, 27.01.13
Me And My Drummer, Paris, 25.10.12
Me And My Drummer, Rüsselsheim, 20.07.12
Me And My Drummer, Mannheim, 19.05.12



Sonntag, 25. August 2013

Naked Lunch, Stade, 03.08.2013

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Konzert: Naked Lunch
Ort: Bürgerpark, Stade (Müssen Alle Mit Festival)
Datum: 03.08.2013
Dauer: etwa 50 Minuten
Zuschauer: vllt. 1.500



Als Me And My Drummer die Bühne des Müssen Alle Mit Festivals betreten, reißt der Himmel endgültig auf, die Schwüle weicht einem angenehmen Sommertag, der gerade gefallene Regen steigt dampfend auf, während Charlotte Brandi (Gesang und Synthesizer) und Matze Pröllochs (Schlagzeug) aus Berlin mit ihrem hellen, gehauchten Dreampop auch musikalisch den Wetterwechsel vollziehen. 

Zum Schluss gibt es nach einigen neuen Stücken, 8 Songs und knapp 40 Minuten „You're A Runner“, das bekannteste Lied des Duos, das sich in Tübingen kennenlernte. 
Oliver Welter, Frontmann und Gitarrist der österreichischen Vorzeigeband Naked Lunch, beobachtete das Geschehen vom Bühnenrand und steht kurz darauf mit seiner eigenen Gruppe vor den zahlreichen Besuchern im fast ausverkauften Bürgerpark in Stade. 



Im April begeisterte mich, die bei Tapete Records veröffentlichende Band aus Klagenfurth am Wörthersee mit außergewöhnlicher Popmusik im Zwölfzehn. Gesäumt von riesigen Glühbirnen, gehüllt in warmes Licht verzauberte mich die wahrscheinlich beste Band unseres Alpennachbarlands mit sphärischen Klängen, pulsierender Energie und schlichtweg perfekter Popmusik. 

Zum erweiterten Umfeld der Weilheimer Szene um The Notwist gerechnet, gelingt es der nach William S. Burroughs' Roman benannten Formation seit Jahren glänzend, gängige Normen und Klischees zu umschiffen, neue Wege zu gehen, um sich damit auf höchstem internationalen Niveau wiederzufinden. 


Gewöhnlicher Gentlemen, Superpunk und Tapete-Booker Carsten Friedrichs schlüpft beim ausgezeichneten Festival nicht nur in die Rolle des Musikers, sondern führt auch als zurückhaltender Moderator gewohnt stilvoll durch das Programm. Die Vorfreude auf Naked Lunch nimmt man der Hamburger Mod-Größe sofort ab, als kurz darauf das Quartett aus Welter, dem exaltierten Bassisten Herwig Zamernik, Schlagzeuger Alex Jezdinsky und Keyboarder Stefan Deisenberger seinen Auftritt beginnt, fallen technische Probleme sofort ins Auge beziehungsweise Ohr. 


Offenbar nutzt man aus logistischen Gründen dasselbe Equipment wie die befreundete Liga der gewöhnlichen Gentlemen, sodass Gentlemen-Bassist Tim Jürgens mehrmals auf der Bühne erscheint, um bei der Behebung der akustischen Probleme und einer technischen Nachjustierung zu helfen. 
Naked Lunchs Musik ist für popmusikalische Standards ungewohnt komplex, umso bedeutender ist ein akzeptabler Sound für die gelungene Performance. Die Eröffnung mit dem perkussiv-treibenden „Keep It Hardcore“ vom in diesem Jahr erschienenen „All Is Fever“, ist gezeichnet von einem katastrophalen Sound, der im Verlauf des weiteren Konzerts immer mehr einem harmonischen Ganzen weicht, das in der Lage ist, den musikalisch vielschichtigen Stücken der versierten Alternativ-Helden aus Österreich den nötigen Raum zu geben. 
Der technisch beste Sänger des Genres ist Oliver Welter sicher nicht, dennoch lebt die Musik des Quartetts insbesondere von den Brüchen in der sanft-rauchigen Stimme ihres Vokalisten. Verstärkt wird die hochgradig emotionale Wirkung des Gesangs durch die energischen Harmonien, die monoton steigenden „Ohohos“ des Bassisten Zamernik. Die meisten Stücke warten mit beeindruckenden Crescendi auf, Alex Jezdinsky erzeugt äußerst zurückhaltend signifikante Rhytmen, die einen nicht unerheblichen Anteil am wundervollen Gesamtergebnis haben. 


Nie keimt Kitsch auf, Pathos verschwindet hinter zerbrechlichen Keyboard-Klang-Wänden. „My Country Girl“ vom fantastischen 2007er Album „This Atom Heart Of Yours“ ist als zweites Stück ein früher Genuss im wunderbaren Set der Österreicher, bevor das stimmliche, sich beängstigend steigendernde Duell zwischen Welter oder Zamernik bei „41“ direkt danach den intensivsten Moment des Konzerts beschert. Welter schlägt mit einem Drumstick auf die Saiten seiner Gitarre ein, abrupt endet das Lied. 


Höchste Aufmerksamkeit erfordernd ist Naked Lunch eine gewagte Wahl für Festivals. Dass ihnen diese geschenkt wird, spricht für die Qualität des MAMF und lässt wie auch die Besucherzahl auf eine glorreiche Zukunft im Bürgerpark hoffen. „Town Full Of Dogs“, der grandiose Popsong „Militairy Of The Heart“, mit seiner absolut Mainstreamradio tauglichen Melodie... Die Liste toller Songs ließe sich tatsächlich lange fortsetzen. 


Mit der sinkenden Abendsonne steigt die atmosphärische Stimmung des Abends. Kurz darauf wird „The Sun“ gespielt, nachdem schon „At The Lovecourt“ den Abend veredelte. Ich liege in den Armen meiner Freundin, genieße den buchstäblich erhabenen Augenblick. 
Oliver Welter steht zuletzt fast alleine auf der Bühne, spielt Gitarre, stimmt „Shine on“ vom aktuellen Album an. Keyboarder Deisenberger nimmt hinter dem Schlagzeug Platz, die gesamte Band setzt ein, während Welter den wunderbar traurigen Text haucht. „You shine on forever / You shine on till the end!“ 


Die Technik spielt letztlich mit, ermöglicht Naked Lunch einen formvollendeten Schluss. Verneigung. Die Sonne versinkt langsam hinter den Bäumen, als ich mir wieder einmal klar darüber werde, dass Naked Lunch zu den Großen gehören müssen – und das nicht nur in der Heimat, in der sie seit Jahren gebührend gewürdigt werden. Tapete setzt – wie so oft – auf die richtigen Künstler!



Links:
- aus unserem Archiv:
- Naked Lunch, Stuttgart, 08.04.2013 


Samstag, 2. Februar 2013

TV Noir #8 (Enno Bunger & Me and my drummer), Karlsruhe, 31.01.13

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Konzert: TV Noir #8 mit Enno Bunger und Me & My Drummer
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 31.01.2013 
Zuschauer: etwa 300  (fast ausverkauft)
Dauer: 135 min


Das war nun schon mein sechstes TVNoir-Reise-Konzert. Und wieder bin ich zutiefst angerührt und dem heimlichen Zauber dieses Konzeptes erlegen: Zwei Indie-Acts sind zusammen unterwegs und musizieren in einem Konzertrahmen, der jedem von ihnen Raum gibt und doch viel mehr ist. Und wo man als Zuhörer das Gefühl hat, dass es den Künstlern gut gefällt und gut tut. Diesmal zog mich am meisten Me and my drummer - die Stimme von Charlotte Brandi finde ich live einfach total faszinierend.


Die Bühne war beim Eintreffen voller Keyboards. Drei Tasteninstrumente, jede Menge Schlagwerk und fast versteckt ganz hinten eine Gitarre. Eine interessante Konstellation. Das Konzert eröffnete schließlich Enno Bunger solo am Klavier. 


Leider mit technischen Problemen, aber auch mit dem ihm eigenen Charme. Während der Computer neu hochfuhr, packte er Dönekes aus und bewies, das er zum Entertainer geboren ist: Vor etlichen Jahren hatte er wunderschöne Konzerte in Karlsruhe gespielt im Radio oriente - leider ohne Publikum. Dafür Seven Nations Army zum ersten Mal gehört.


Auch Charlotte beließ das Publikum nicht in der passiven Rolle des zuhörens und klatschens (das tat es übrigens gern, lang und enthusiastisch). Wir sollten z.B. erzählen, wo eigentlich der Name Karlsruhe herkommt oder wie wir es mit dem Ausleben von Aggressionen halten. Und die Karlsruher waren nicht maulfaul, sondern ließen sich auf regelrechte Zwie- und Streitgespräche ein. Der Vorschlag des Gitarren-Zerschrotens auf der Bühne wurde aber nicht aufgenommen. Trotzdem erhielten wir den Titel: Interaktivstes Publikum.



Enno erzählte später über seine Zeit als Barpianist, als Klavier-Unterhalter in Shopping-Malls und als Organist in Ostfriesland. Wie man den Hochzeits-marsch noch schnell so abwandeln kann, dass er zu einer Beerdigung passt, hat er uns nebenbei mit vorgeführt.

Musikalisch unterstützt wurde er von Onno (angeblich ein normaler Name in Ostfriesland).

Onno mit dem Akkordeon
Im letzten Stück vor der Pause, das The notwist Cover Pick up the phone wurde schon bei der Ansage besonders freudig begrüßt. Im Duett der beiden Sänger des Abends fand ich Charlottes Stimme für mich passender, weil spröder.


 

Nach der Pause starteten Me and my drummer das Set. Charlotte Brandi beim singen zusehen könnte ich stundenlang. Es ist eine ganzkörperliche Übung und es ist noch immer wieder überraschend, was für eine Stimme da zum Vorschein kommt!

Ich fand es auch irgendwie nett, Enno und Onno an den Keyboards zu beobachten. Onno schaute wie ein kleiner zum großen Bruder der alles richtig nachmachen möchte.

Der eindeutige Höhepunkt für mich waren beide Zugaben. Die von Enno Bunger war Gänsehaut pur. Me and my drummer schickten uns dann mit einem sehr Rhythmus-getriebenen Call me a friend heim. Aber gerne doch... 


Setlist TV Noir #8, Karlsruhe:

01: Abspann (1)
02: Roter Faden (1)
03: Leeres Boot (1)
04: Five Rules (2)
05: Escaping (2)
06: All My Stuff (2)
07: Wahre Freundschaft (1)
08: Herzschlag (3)
09: So Foreign (2)
10: Down My Couch (2)
11: Pick Up The Phone (The Notwist Cover) (3)
12: Runner (Reprise) (2)
13: Heavy Weight (2)
14: This Rage (2)
15: Blockaden  (1)

16: Bitte bleib bei mir (Element of Crime cover) (1)
17: Die Flucht  (1)
18: Phobia (2)
19: You're a Runner (2)

20: Astronaut (1)
21: Regen (1)
Zugaben
22: Die Nacht ist jung, ich möchte noch bleiben (1)
23: Call me friend (2)


(1) Enno Bunger
(2) Me & My Drummer
(3) Alle

Links aus unserem Archiv:  


Me and my drummer, Paris, 25.10.2012
Me and my drummer, Rüsselsheim, 20.07.2012
Me and my drummer, Maifeld, 19.05.2012

TV Noir #8 in Darmstadt
TVNoir #7 in Freiburg (Dear Reader und Herrenmagazin)
TVNoir #6 in Karlsruhe (Alin Coen und Naima Husseini)

Die anderen Konzertreisen im Überblick
TVNoir #1 Tex und Florian Ostertag (in Freiburg)
TVNoir #2 Yasmine Tourist und Wolfgang Müller (verpasst)
TVNoir #3 Moritz Krämer und We invented Paris (Karlsruhe)
TVNoir #4 Kat Frankie und Francesco Wilking (Karlsruhe)
TVNoir #5 Polyana Felbel und Jonas David (verpasst)

Noch ausstehende Konzerttermine der TVNoir#8-Tour:

01.02. Milla - Live Club@München
02.02. Milla - Live Club@München
03.02. Wagenhallen@Stuttgart
04.02. Muz@Nürnberg
05.02. Scheune@Dresden
07.02. Werk 2, Halle A@Leipzig
08.02. Kulturzentrum Lagerhaus@Bremen
14.02. Zwischenbau@Rostock
15.02. Uebel und Gefährlich@Hamburg
16.02. Uebel und Gefährlich@Hamburg
17.02. Astra@Berlin 





Mittwoch, 30. Januar 2013

TV Noir #8 (Enno Bunger, Me & My Drummer), Darmstadt, 27.01.13

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Konzert: TV Noir #8 mit Enno Bunger und Me & My Drummer
Ort: Centralstation Darmstadt – kleiner Saal
Datum: 27.01.2013 
Zuschauer: etwa 300 - 400 (ausverkauft)
Dauer: ca. 2h 15min


von Tanita


Nachdem mein allererstes Get Well Soon Konzert letzte Woche den Maßstab für zukünftige Konzerte in fast unmessbare Höhen getrieben hat, wird es wohl von nun an schwierig bis unmöglich, mich so richtig zu beeindrucken. Allerdings war ich sehr gespannt auf das TV Noir Konzert #8 mit Enno Bunger und Me & My Drummer. Einerseits, da ich die TV-Sendung sehr gerne ansehe, andererseits aber auch, da ich Enno Bunger bereits 2011 solo an einem ebenfalls magischen Abend als Vorband von Smith & Burrows im Gloria in Köln erleben durfte. Es war kurz vor Weihnachten, der 15. Dezember, wenn ich mich richtig erinnere, und ich war extra 6 Stunden quer mit dem Zug durch Deutschland gefahren, um bei einem der wenigen Konzerte von Smith & Burrows dabei sein zu können. Smith & Burrows, nun ein ganz kleiner Exkurs, ist das Nebenprojekt von Tom Smith, seines Zeichens Frontmann von Editors, und seinem guten Freund und unter anderem mittlerweile erfolgreichen Soloartist und Ex-Drummer von Razorlight, Andy Burrows. Die beiden hatten es sich zum Ziel gemacht, ein ganz und gar kitschfreies „Weihnachtsalbum“ zu machen – falls man den Begriff überhaupt benutzen möchte, da er doch sehr abgegriffen und eher negativ konnotiert ist. Jedenfalls ist ihnen das mit dem Ende 2011 erschienenen „Funny Looking Angels“ meiner Meinung nach bestens gelungen, das trotz der gefährlichen Verwendung von Schneeglöckchen einfach nur eine wundervoll ruhige und besinnliche Stimmung vermittelt, die nicht nur in der Vorweihnachtszeit, aber besonders dann, eine perfekte Alternative zu „Last Christmas“ und noch Schlimmerem, bietet. Wer schon einmal einem Konzert der sagenhaften Editors beiwohnen durfte, der kann mir bestätigen, dass Tom Smith eine Stimme hat, die einen einfach nur überwältigt. Kurz erwähnt sei hier nur die Tatsache, dass ich direkt vor ihm in der ersten Reihe sitzen durfte und bei der Akustikversion von „Papillon“ so dermaßen von der Schönheit dieses Moments überwältigt war, wie es mir nur selten passiert. Ich war so auf die Umsetzung der tollen stimmungsvollen Weihnachtslieder gespannt und als großer Editors-Fan natürlich auch darauf, welche besonderen Versionen uns vielleicht erwarten werden, dass ich mich gar nicht darüber informiert hatte, ob es einen Support Act gibt. Als nun ein doch ein rotblonder junger Mann die Bühne betrat, war ich durchaus skeptisch – wer kennt das denn nicht: trotz aller angebrachter Toleranz und vor allem gebotenem Respekt, kann man doch schon mal etwas ungeduldig werden, wenn man sich sehr auf ein Konzert freut. Nach wenigen Songs allerdings hatte er sich schon sehr in mein Herz und das meiner Begleiterinnen gespielt – und hierbei sei erwähnt, dass er dies wohl auch nur durch seine von grund auf sympathische Art geschafft hätte, aber es ging tatsächlich primär um seine tolle Musik.


Nach dieser kurzen, aber nicht minder eindrucksvollen Begegnung 2011, war ich umso gespannter, was dieser Abend in der Centralstation bringen würde. Nach einem tendenziell faulen Sonntagvormittag, setzte ich mich dann am frühen Abend mit meiner Begleitung in den Zug Richtung Darmstadt. So ins Gespräch über unsere früheren Konzerte von Enno und Musik im Allgemeinen vertieft, waren wir schnell in Darmstadt angelangt. Sehr sehr blöd nur, wenn man erst in der Straßenbahn Richtung Konzerthalle merkt, dass man das Ticket zuhause liegen lassen hat. Erstmal ein kurzer Moment der Panik, aber zu meinem großen Glück hatte ich ein Online-Ticket und dank meines Handys auch noch die Bestellnummer und alle sonstigen relevanten Daten, so dass mich die netten Menschen der Centralstation problemlos hereingelassen haben. An dieser Stelle Memo an mich selbst: ich werde mich NIE wieder darüber beschweren, dass ich nur ein Online-Ticket bekommen kann und kein schönes „altmodisches“ Ticket. NIE wieder!


Als wir den kleinen Saal der Centralstation nach zugegebenermaßen etwas chaotischem Einlass („Jetzt mal bitte die Leute mit TV Noir Ticket nach rechts und die mit unseren Tickets nach links!“ – Hilfe!?) betraten, war der überschaubare Saal im obersten Stockwerk wie erwartet bestuhlt und trotz anfänglichem Chaos konnten wir uns einen guten Platz ergattern. Was mir direkt besonders auffiel und auch gefiel, war der Bühnenaufbau: eine altmodische Stehlampe, daneben ein Sofa, auf dem dann später die Künstler Platz nehmen werden und vor in Rottönen beleuchtetem Samtvorhang ein Bild von einer Landschaft, das sich – etwas zynisch ausgedrückt - wunderbar in einem deutschen Durchschnitts-Spießer-Wohnzimmer hätte wiederfinden lassen können. Und selbstverständlich jede Menge Instrumente! Da das mein erstes TV Noir Konzert war, konnte ich durch die Sendung nur vermuten, dass die Künstler im Wechsel, aber auch zusammen, spielen werden würden, was durch die Verteilung der Instrumente auf der Bühne widergespiegelt wurde. Auf der linken Seite befanden sich ein eindrucksvoller schwarzer Flügel und ein Keyboard und auf der rechten Seite war unter anderem ein Drumset aufgebaut, so dass man auch schon erahnen konnte, wer wohl auf welcher Seite spielen werden würde.


Gegen 19.30 Uhr betraten alle Künstler gemeinsam die Bühne und Enno Bunger machte solo den Anfang mit dem Lied „Abspann“ von seinem aktuellen Album „Wir sind vorbei“, einem Album, das, wie er uns selbst erzählte, ausschließlich die Geschichte einer Trennung bzw. die verschiedenen Phasen, die man dabei durchlebt, beschreibt. Für meine Begriffe, hat Enno neben außergewöhnlich guten deutschsprachigen Texten auch eine Stimme, die passend dazu auch auf positivste Art und Weise nicht dem Durchschnitt entspricht, sondern meist sehr zart und melancholisch zum Klang des Klaviers seine Lieder trägt. Auch an diesem Abend weiß er so sofort zu begeistern und schnell ist klar, dass der Großteil des Publikums zunächst wegen ihm hier ist. Nach „Roter Faden“ und „Leeres Boot“, die Enno alleine vorträgt und damit das Publikum zu absoluter Stille inspiriert, da alle vollkommen gebannt zu hören, sind Me & My Drummer am Zug. Die Berliner Band, bestehend aus Sängerin und Alleskönnerin Charlotte und Schlagzeuger Matze, setzen der ruhigen, nachdenklichen Atmosphäre sofort lautere Töne entgegen. Da ich die Band bisher nur namentlich kannte, war ich sehr gespannt und anfangs etwas überrascht, da die schiere Lautstärke der Band im Kontrast zu Enno erstmal recht gewöhnungsbedürftig war. Die interessante Mischung aus Keyboard mit den verschiedensten Klangeffekten, den sehr präsenten Drums und allen voran die ausdrucksstarke Stimme der Sängerin, konnten mich und den Rest des Publikums spürbar überzeugen, da sich der anfangs verhaltene Applaus bis zum Ende hin in teilweise Standing Ovations für alle Künstler verwandelt hatte. Besonders bei den Stücken, die Charlotte alleine oder mit sehr reduzierter Begleitung durch ihren Drummer oder aber auch Enno vortrug (z.B. „All My Stuff“), zeigte sie sämtliche Facetten ihrer Stimme, durch die sie sich meiner Meinung nach deutlich von den üblichen Popsängerinnen abhebt. Als begeisterter Fan Enno Bungers, war ich selbstverständlich sehr erfreut darüber, dass man fast das gesamte aktuelle Album zu hören bekam und noch dazu ein paar liebgewonnene Stücke von „Ein bisschen mehr Herz“ – besonders toll auch die Lieder, die Enno mit der Unterstützung von Me & My Drummer spielte, wodurch u.a. „Herzschlag“, „Blockaden“ und „Die Flucht“ noch mehr Nachdruck gewannen. Fast noch schöner nur, dass diesen kraftvollen Liedern immer wieder sehr ruhige Momente, wie bei „Wahre Freundschaft“ entgegengesetzt waren, bei denen sogar das Klicken der Kameras der Fotografen deutlich zu hören war und wie Enno selbst scherzhaft kommentierte, diese aufmerksame Stille auch leider störte. Besonders in der zweiten Hälfte des Sets, die durch Me & My Drummer eröffnet wurde, hatte diese sich sichtlich „warm“ gespielt und wurden immer lockerer, was insgesamt zu einer schönen Atmosphäre beitrug. Das emotionale „Regen“ bewegte nicht nur mich dazu meiner Begleitung einen wissenden Blick zu zu werfen, sondern man konnte vielerseits beobachten, wie man sich gegenseitig zulächelte oder in den Arm nahm – einfach nur ein sehr schöner Moment, der den Hauptteil des Konzertes verdientermaßen beschloss. Für mich persönlich hätte danach schon fast Schluss sein können, einfach da „Regen“ einer der für mich stärksten und gefühlvollsten Songs auf „Wir sind vorbei“ ist. Allerdings legten Enno am „Schifferklavier von der Küste“ und sein Bandkollege Onno (Enno & Onno – vermutlich die besten Namen der Welt!) an der Gitarre, mit „Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung“ einen Song nach, der genau das wiedergab, was wohl der Großteil des Publikums auch dachte. Schön wäre es gewesen – und das klingt jetzt härter, als es eigentlich gemeint ist – hier den finalen Endpunkt des Konzerts zu setzen, denn danach spielten alle gemeinsam noch den Song „Don't be so hot“ von Me and My Drummer, der nicht schlecht war, allerdings insgesamt weniger Anklang bei Publikum fand und das vorher eingeübte Mitsingen doch unerfreulicherweise ziemlich erzwungen klang. 


Insgesamt aber ein durchweg tolles Konzert, das beweist, dass es häufiger Konzerte dieser Art geben sollte, die die Künstler zur Zusammenarbeit auf der Bühne anregen und wie hier bei Enno Bunger und Me & My Drummer geschehen, verschiedenste Stile gekonnt zusammenführen.

Setlist TV Noir #8, Centralstation Darmstadt:

01: Abspann (1)
02: Roter Faden (1)
03: Leeres Boot (1)
04: Five Rules (2)
05: Escaping (2)
06: All My Stuff (2)
07: Wahre Freundschaft (1)
08: Herzschlag (1)
09: So Foreign (2)
10: Down My Couch (2)
11: Pick Up The Phone (The Notwist Cover) (3)
12: Runner (Reprise) (2)
13: Heavy Weight (2)
14: This Rage (2)
15: Blockaden  (1)
16: Die Flucht  (1)
17: Phobia (2)
18: You're a Runner (2)
19: Astronaut (1)
20: Regen (1)

21: Die Nacht ist jung, ich möchte noch bleiben (1) (Z)
22: Don't be so hot (3) (Z)

(1) Enno Bunger
(2) Me & My Drummer
(3) Alle

Links: 

- TV Noir #7 mit Herrenmagazin und Dear Reader, Freiburg, 13.11.12


Fotos: Tanita, Archiv (Tom Smith) 

Samstag, 27. Oktober 2012

MaMa Festival, 25 & 26. 10.12

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Konzert: MaMa Festival, Paris, mit Erevan Tusk, Peter Kernel, Clara Luzia, Me And My Drummer (und vielen anderen, die ich nicht gesehen habe)
Orte: Galerie W, Le Petit Moulin und Café de la Cigale
Daten: 25 & 26.10.2012
Zuschauer: Erevan Tusk erstes Set etwa 80, zweites Set etwa 20, Peter Kernel zweites Set etwa 80 Leute; Clara Luzia erstes Set etwa 15 Zuschauer, zweites Set ungefähr 40, Me and My Drummer circa 60
Konzertdauer: pro Set 30 Minuten





Bei dem MaMa Festival handelt es sich um ein Event, das in kleinen und mittelgroßen Bars und Clubs im verruchten Pigalle-Viertel von Paris stattfindet. Hier in der Nähe der berühmten Moulin Rouge, der unzähligen Sexshops und des Sacré Coeur mühen sich Newcomer und bereits etablierte Bands ab und bereichern so das kulturelle Leben des ohnehin schon trubeligen Viertels. Die Showcases sind teilweise gratis, teilweise bezahlpflichtig, je nachdem wo sie stattfinden. Ich habe mich wie gewohnt an die kleineren Acts gehalten und die Konzerte in der überfüllten Cigale vermieden. So konnte ich gratis in den Genuß erstaunlicher Musik kommen. Im Einzelnen.

Erevan Tusk (Galerie W)

Die Pariser Band trat in der Galerie W auf. Diese befindet sich in der Nähe einer Bar, die in einer Filmszene für Amélie Poulain verwendet worden war. Die Galerie verfügt über zwei Räumlichkeiten, einem großen, kargen Ausstellungsraum und einer kleinen Ladenboutique. Erevan Tusk spielten in dem größeren Raum , Peter Kernel in der Boutique. Die Franzosen agierten schwungvoll und hochmelodisch wie eh und jeh. Ein betörender Ohrwurm nach dem anderen wurde abgefeuert und die Harmoniegesänge waren unfassbar schön. Wenn Erevan Tusk Amerikaner wären spielten sie wie die Fleet Foyes vor 2000 Zuschauern, so aber dürfte ihre aktive Fangemeinde auf 500 zahlende Konzertgäste beziffert werden. 


Locations wie das Café de la Danse füllen sie also immerhin schon. Insofern erstaunlich, daß heute deutlich weniger Leute da waren. Lag aber vor allem an der frühen Uhrzeit (das erste Set fand um 18 Uhr 40 statt) und an dem Umstand, daß viele Musikfans gar nichts von den Konzerten im Rahmen des MaMa Festivals wussten. Da bedurfte es schon ein wenig Eigeninitiative, um alle Veranstaltungsorte und die Spielzeiten der jeweiligen Bands herauszufinden. Diejneigen, die da waren, genossen allerdings das Set in vollen Zügen. Songs wie Frostbitten, In Your Shadow oder Cassidy warem aber auch einfach unwiderstehlich! Was für ein Drive! Welche ein Rhythmus! Welch fantastische Melodien! Kurzum , das Ganze gefiel mir wieder so gut, daß ich mir von Erevan Tusk später auch noch das zweite Set ansah.


Peter Kernel (Galerie W)



Zwischen den beiden Sets von Erevan Tusk fand aber auch ein 30- minütiges Konzert von Peter Kernel statt und zwar in der anderen Räumlichkeit der Galerie W, von der ich oben schon erzählt hatte. Hier war es so eng und voll, daß man die Musiker auf der Bühne nicht richtig sah. Den männlichen Part (Aris an der Gitarre) bekam ich ein paar mal halbwegs zu Gesicht, die wie eine Furie schreiende blonde Sängerin und Bassistin namens Barbara allerdings nie. Die beiden bezeichen ihre Musik als Art-Punk, man könnte allerdings auch mit Kategorien wie Noise oder Post Rock kommen. Aris und Barbara stammen aus Kanada bzw der Schweiz und leben in Paris. Dennoch hatte ich sie live nie erlebt, ein Versäumnis, wie sich herausstellte. Die Musik von Peter Kernel war nämlich herrlich explosiv, aggressiv und durch und durch indie. Als Vorgruppe haben sie immerhin schon für Wolf Parade, Sunset Rubdown und Why? fungiert und wenn sie so weitermachen, werden sie selbst mal zumindest mittelgroße Indieclubs füllen. Eine schöne Entdeckung!


 

Clara Luzia (Le Petit Moulin)




Die talentierte junge Dame aus Östterreich hatte ich in der Vergangenheit bereits schon einmal mit einer ausgewachsenen Band erlebt. Im atmosphärischen Divan Du Monde war das, anläßlich des Festivals "les femme s'en mêlent". Der Auftritt ist mir in bester Erinnerung geblieben. Ich war schwer angetan von den hochmelancholischen Indie Pop Liedern, den feinen Arrangements, der wundervollen Instumentierung (Cello, Akkordeon!), der berührend-brüchigen Stimme von Clara Luzia und den klugen Texten. Heute musizierte Clara Luzia allerdings alleine auf ihrer E-Gitarre. Das Ganze spielte sich in einem urigen Gewölbekeller eines Kaffes ab und war genau das Richtige für Freunde intimer, authentischer Musik. Ohne Netz und doppelten Boden gab die hübsche Songwriterin Zeugnis ihres Seelenlebens, hauchte, greinte, klagte in ihr Mikro und berührte mich enorm. Für ihre emotionale Art der Liedkunst bin ich äußerst empfänglich und die Lieder sind auch so herrlich markant, das sie im Ohr hängenbleiben. Das Mädel mit dem Karohemd, den original Bue Jeans und den Cowboyboots  perfomte alte und neue Stücke, wobei die neueren Sachen auf einem 2013 erscheinenden Album drauf sein werden. Absolute Perle war für mich das altbekannte The Waving Ones: "the waving ones are us, don't you recognize us? been waiting here for years for someone to guide us home"...
Ich schmolz wirklich dahin, als ich diese Zeilen hörte. Seelentröster dieses Kalibers gab es gleich mehrfach, manchmal war ich fast den Tränen nah.

Nach einem dreißigmiütigen Set gab es eine kurze Pause und dann später nochmal einen ebenfalls halbstündigen Nachschlag. Wow, das war sooo schön! Mit wundervoll ist nicht hinreichend beschrieben, wie die Musik von Clara Luzia klingt.


Me And My Drummer (Le Café de la Cigale)

Für mich ging es nach Clara Luzia aber dennoch weiter, schließlich will man ja bei einem solchen Festival mehrere Bands für sich entdecken. Ich rannte also von der Petit Moulin rüber ins Café de la Cigale, welches... drei mal dürft ihr raten!... gleich neben der berühmten Cigale liegt. Eigentlich kein richtiger Konzertort, aber anläßlich des Festivals wurden alle möglichen Locations genutzt, um Musik erklingen zu lassen. Im vorderen Teil des Cafés hingen Leute rum, die mit dem Café nix am Hut hatten, hinten drängten sich die Musikfans und lauschten dem deutschen gemischten Duo, Charlotte Brandi (Gesang und Keybord) und Matze Prölloch (Schlagzeug). Schon nach einer kurzen Zeit kamen mir so manche Assoziationen und Referenzen in den Sinn. Das erinnerte mich an Lykke Li, Dillon, Bat For Lashes oder Wildbirds and Peacedrums und ging auf Anhieb gut ins Ohr. 

Zwar war die soulig angehauchte Stimme der aparten Blondine Charlotte nicht unbedingt mein Fall, aber sie steckte so viele aufrichtig erscheinende Emotionen in ihren Gesang, unterstrich das alles noch durch eine expressive Gestik, daß ich keinesfalls gleichhgültig bleib. Von dem Set (Highlight natürlich der Hit You're A Runner) sah ich allerdings nur gut 15 Minuten, so daß meine Eindrücke nicht sehr fundiert sind. Angenehm fiel mir auf, wie gerührt die Band über den Empfang in Paris war. Man merkte, daß es etwas Besonderes für sie war, in der Stadt der Liebe aufzutreten und ich denke sie haben die Chance genutzt, sich hier ein paar neue Fans hinzuzugewinnen. Wir werden sie in Paris 2012 wiedersehen, dessen bin ich mir sicher.


CD Kritik: Me And My Drummer- The Hawk, The Beak, The Prey bei http://www.plattentests.de/rezi.php?show=9346





 

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