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Montag, 26. Juli 2010

The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude, 18.07.10

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Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: Latitude-Festival
Datum: 18.07.2010
Zuschauer: einige hundert auf der im Wald liegenden Sunrise Stage
Dauer: 37 min


Kaum ein Konzert hat mich 2009 so sehr begeistert wie der Kölner Auftritt einer der Neuentdeckungen des Jahres, der Pains Of Being Pure At Heart. Über die fabelhaften Melodien der Songs der ersten EP und der folgenden Platte muß man nicht streiten. Die Amerikaner haben treffsicher einen Hit nach dem anderen geschrieben, obwohl die Band blutjung ist. Live wurde dies selbst im Luxor so gut umgesetzt, daß hinterher alle Besucher einig waren, ein herausragendes Konzert gesehen zu haben.

Im Gegensatz zur anderen 2009 plötzlich aufgetauchten Gruppe, von der alle (zu recht) schwärmten, The xx, machten sich The Pains Of Being Pure At Heart danach rar in Deutschland. Sie spielten 2009 nur noch einmal in Leipzig, aber auch auf der aktuellen Europatour sind keine Termine bei uns eingeplant. Wie froh war ich da, daß in einer der späten Bestätigungsrunden des Latitude auch die tween Amerikaner noch angekündigt wurden.

The Pains Of Being Pure At Heart spielten auf der im Wald gelegenen Sunrise Bühne, einer K
ombination aus zwei Zelten (Bühne, dann zwei Meter dahinter das Zuschauerzelt) mitten im Wald. Die Roadies, die zwischen den Bands aktiv wurden, lagerten die Bühnentechnik dann auch einfach auf dem weichen Waldboden, das bot sich schließlich an.

Den Aufbau und Soundcheck oben machte die Band selbst. Sängerin, nein besser Keyboarderin Peggy (dazu später mehr) machte das mit umhängender Jutetasche, Indiepop bis zur Perfektion!

Ohne noch einmal zu verschwinden, begannen die Amerikaner ihr Konzert. Daß das nicht lange dauern würde, war vorher schon klar, daher war keine Zeit für Schnickschnack wie ein dramatischer Auftritt.

Es begann mit Stücken der Debütplatte und der EP Higher than the stars. Die
Melodien, vor allem diese Gitarren hatten mich sofort wieder. Was schreibt diese Band für wundervolle Popsongs!

Allerdings störte mich etwas anderes, und irgendwann gelang es mir nicht mehr, das
zu verdrängen. Peggys Gesang ist zwar auf Platte toll, live traf sie aber viel zu viele Töne nicht so, wie es sein sollte. Es leierte manchmal, wie früher Musikkassetten, die im Auto zuviel Hitze abbekommen hatten. Leider galt das auch für Sänger Kip, zwar nicht in gleichem Maße, aber auch er hatte zunehmend Probleme, punktgenau zu singen. Leider war der Ton so gut abgemischt, daß man den Gesang glasklar vernahm, hier hätte schlechter Sound dem Gesamterlebnis gut getan. Sicherlich kann jeder einmal einen schlechten Tag haben. Daher - und vor allem weil die Liveleistung vom Gesang abgesehen hervorragend war, hinterlässt der Katzengesang nur einen faden Beigeschmack, versaut mir die Band aber noch nicht nachhaltig.

Pluspunkte brachten nämlich auch die mir neuen Lieder
Heaven's gonna happen now und vor allem The heart in your heartbreak, die nicht schlechter als das bisherige Material sind! Und das Bedauern von Kip, Belle & Sebastian verpasst zu haben. Und - und da leuchtete mein Herz, das Bekenntnis: "music is all the bad poetry you need!"

Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival:

01: This love is fucking right!
02: 103
03: Young adult friction
04: Say no to love
05: Heaven's gonna happen now (neu)
06: A teenager in love
07: Come saturday
08: The heart in your heartbreak (neu)
09: Stay alive
10: Everything with you

Links:

-
The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 27.05.09



Samstag, 24. Juli 2010

Tokyo Police Club, Latitude, 16.07.10

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Konzert: Tokyo Police Club
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: 35 min


Vor lauter sehenswerter Bands hatte ich unmittelbar vor dem Festival vergessen, daß ja auch Tokyo Police Club auftreten würden. Als ich irgendwann Freitag nachmittags anhand des Programmbuchs meinen Tagesplan machte, entdeckte ich die Kanadier zu meiner großen Freude wieder.

Und genau das war auch das Motto: ein mögliches Wiederentdecken, denn in den gut zwei Jahren, seit ich Tokyo Police Club zuletzt gesehen hatte, habe ich nicht furchtbar oft Musik der Band gehört. Aus den Augen, aus dem Sinn, vollkommen unverdient, aber wer nicht live präsent ist, fällt eben auch leichter bei mir hinten runter.

Freudig angespannt aber auch sehr schlecht vorbereitet, ging ich dann also in den Auftritt der Band, der der vorletzte meines ersten Latitude-Tages sein sollte. Vorher hatte Luna Belle sich auf der Sunrise Stage ausgetobt, sehr zur Freude der vielen Kinder im Publikum. Die blieben dann auch für Tokyo Police Club und pogten, was das Zeug hält (und mit Kindern meine ich Kinder, nicht etwa 20jährige!).

Das Konzert begann mit viel Unbekanntem, denn ich kannte Champ, das zweite Album der Band, bis da noch nicht. Da aber der Großteil der gespielten Lieder von der neuen Platte stammte, gab es viel zu entdecken.

Allerdings blieben die ganz großen Entdeckungen erst einmal aus. Mit Abstand am besten zogen nämlich mit Nature of the experiment, Tessallate und Your English is good drei alte Lieder. Auch wenn jetzt im Nachhinein, nach einigen Hördurchgängen die Platte bei mir mehr und mehr gewinnt, empfand ich die neuen Stücke live wenig aufregend. Es fehlten mir die hymnischen Qualitäten der alten Hits, die aber trotzdem schrullig genug sind, einen besonderen Charme zu versprühen. Favourite colour ist ein gutes Beispiel dafür. Live fand ich das Stück eine Ecke flacher als alle Songs von den Veröffentlichungen vorher.

Bambi, in das ich mich langsam reinhöre, war live vollkommen langweilig. Richtig überzeugt hatte mich eigentlich nur End of a spark.

Tokyo Police Club haben sicher sehr bewußt einen Schritt in Richtung weniger versponnen, also radiotauglich. Kein Wunder, daß sie mit Owl City auf Tour gehen sollten. Dafür muß man dann eben in Kauf nehmen, daß die Wildheit der ersten Konzerte dabei auf der Strecke bleibt. Wenn ich dann zum nächsten TPC Konzert gehe (das werde ich sicher), werde ich mit anderer Erwartungshaltung kommen, dann werde ich es mehr genießen, die Band mag ich nämlich immer noch sehr.

Setlist Tokyo Police Club, Latitude Festival:

01: Not sick (neu)
02: Nature of the experiment
03: Favourite colour (neu)
04: End of a spark (neu)
05: Bambi (neu)
06: Gone (neu)
07: Citizens of tomorrow
08: Tessellate
09: Breakneck speed (neu)
10: Boots of danger (Wait up) (neu)
11: Your English is good

Links:

- aus unserem Archiv:
- Tokyo Police Club, Brüssel, 05.06.08
- Tokyo Police Club, Frankfurt, 25.06.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07



Donnerstag, 22. Juli 2010

Crystal Castles, Latitude Festival, 17.07.10

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Konzert: Crystal Castles
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: 15.000?
Dauer: 40 min


Samstag abend auf der Hauptbühne: James hatten kräftig überzogen, die nachfolgenden Maccabees sollten diese Verspätung durch ein verkürztes Set wieder wettmachen, dachten aber nicht ansatzweise daran und spielten nach dem Hinweis, zum Schluß zu kommen, noch drei oder vier Lieder.

Ausbaden mussten das Crystal Castles, die erst mit 15 Minuten Verspätung anfangen durften. Die zusätzliche Zeit war allerdings auch dringend nötig, denn ein ganzer Stab Techniker suchte verzweifelt einen Weg, eine Konstruktion aufzubauen, mit der man von der enorm hohen Bühne herunterklettern könnte. Erst wurde ein richtiges Treppenelement herbeigeschleppt und mit ein paar unterbauten Paletten an einem der Kameratürme montiert. Das stellte die Crew aber noch nicht zufrieden, es wurde hin- und hergerückt, bis das Treppendings wieder in der Ecke landete. Versuch zwei war paragmatischer. Aus Bühnenkisten sollte jetzt eine Stiege gebastelt werden. Also stellte ein cleverer Tüftler unten zwei der Wagen auf und packte einen dritten auf die beiden unteren. Das überbrückte den Weg zur Bühne ganz gut. Allerdings hatte niemand beachtet, daß die Bühnenboxen auf Rollen stehen und eine Treppe, die in alle Richtungen gleichzeitig rollt, sicher nicht zu den größten Glanztaten angewandter Ingenieurskunst gehört. Also die Dinger drehen, Räder nach hinten. Plötzlich trauten sich die ersten Tester von oben runter. Um das ganze aber auch TÜV Suffolk tauglich zu machen, klebte einer der Bastler noch Panzerband auf alle Ecken und Kanten der Kisten. Damit diejenigen, die von oben runterklettern würden, auch den Weg finden würden, machte man dann noch einen Richtungspfeil auf die Kisten. Da: unten.

Kurz danach kam dann auf der Bühne Nebel auf. Drei (statt der von mir erwarteten zwei) Musiker entstiegen dem und machten schnell großen Lärm. Crystal Castles sind Ethan Kath und Sängerin Alice Glass. Live wurden sie von einem Schlagzeuger begleitet, vermutlich Christopher Chartrand). Obwohl sie heftig ins Mikro schrie, hörte man von Alice anfangs nichts. Nur das Wummern der Beats, elektronisch oder vom Schlagzeug kommend, war zu vernehmen. Meine Begeisterung hielt sich extrem in Grenzen; in dem Moment wäre mir Scooter lieber gewesen, denn das wäre vermutlich unterhaltsamer gewesen. Alice kauerte da meist im Parka hinter einer der Monitorboxen und sang lautlos. Es war sterbenslangweilig und sehr schlecht.

Daß das Konzert dann aber doch noch die Kurve bekam, hatte eh nichts mit der Musik zu tun. Denn endlich kam das, was mir alle versprochen hatten, das Irre an der Show!

Alice kletterte nach unten. Dabei stakste sie wie ein Storch. Weniger nett formuliert: sie bewegte sich sehr trampelig. Als sie am Gitter angekommen war, kletterte die (verhinderte) Sängerin sofort ins Publikum, um zu crowdsurfen. Das dauerte ewig, währenddessen wummerte es weiter aus den Boxen. Manchmal hörte man gesangsähnliche Sachen, das meiste ging allerdings unter. Nachdem Alice das Spiel ein paarmal wiederholt hatte, kletterte sie wieder nach oben. Allerdings machte sie auf halbem Weg zur Bühne Pause und sank auf die Knie, sie schien restlos fertig zu sein. Oben angekommen, rannte sie aber schnell wieder nach unten, schnappt sich Tourmanager und einen zweiten Bandhelfer und schrie auf die ein. Die beiden halfen ihr erneut aufs Gitter, wo sie wild gestikulierend zum Publikum zeigte. "Some fucking idiot stole my...", brüllte sie durchs Mikro. Daß das kein Liedtext war, kapierte ich, auch ohne mich bisher mit dem Werk des kanadischen Duos befasst zu haben. Nur was der Entertainerin fehlte, habe ich nicht verstanden. Als ich die Fotos anschließend betrachtete, sah ich es sofort: man hatte Alice einen Schuh beim surfen ausgezogen. Sie gab den beiden Bandmitarbeitern eine Beschreibung des Diebs, zeigte immer wieder auf eine Stelle und schlug dann wild ausholend in diese Richtung. Allerdings schien Alice, warum auch immer (Jetlag vermutlich), nicht in der Lage, gezielte Bewegungen zu machen.

Nachdem dem Partyvolk mitgeteilt worden war, daß die Sängerin einen Schuh verloren habe, reagierten die tanzenden Leute in den ersten Reihen konsequent: es flogen enorm viele einzelne Schuhe nach vorne, manchmal sehr dicht am Kopf der Kanadierin oder ihrer Helfer vorbei!

Musikalisch passierte sonst nichts. Man hörte wenig bis gar nichts von der Sängerin, nur die knallenden, elektronischen Rhythmen. Als Konzert mag ich den Auftritt eigentlich nicht bezeichnen. Aber wegen der grandiosen Stimmung, wegen Alices Ausflügen und wegen des lustigen Schuhspiels war die Geschichte dann doch wieder hoch unterhaltsam.




Mittwoch, 21. Juli 2010

James, Latitude Festival, 17.07.10

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Konzert: James
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: sicherlich gut 15.000
Dauer: 60 min


Es ist schon gemein... Da gibt es meine 90er Lieblinge James seit einigen Jahren wiedervereinigt und regelmäßig auf Tour, die Meister der Indiepophymnen ziehen es aber vor, Deutschland weit zu umgehen. Will man die Band aus Manchester sehen, muß man zu ihnen kommen. Vor ein paar Monaten hatten wir den festen Willen dazu. James sollten in der Royal Albert Hall spielen. Ich war da noch nie, ein doppelter Grund also, einen Ausflug nach London zu machen. Der Verkaufsstart der
(natürlich knappen) Tickets war wie üblich morgens um neun und ich pünktlich, glücklich und hatte zwei Karten für den Innenraum. Nur lieferte die deutsche Version eines internationalen Kartenhändlers nicht nach Deutschland, nur Engländer durften James sehen. Ich bin sicher, einer Klage würde solch ein Verhalten innerhalb der EU nicht standhalten. Aber ich bin weder Jurist noch verrückt. Und Karten für das Konzert hätte uns so etwas auch nicht gebracht.

Umso glücklicher war ich, als einer der Special guests fürs Latitude Festival James waren, ich meine Lieblinge also wirklich sehen würde.

Die Gruppe um Tim Booth war erstaunlich früh auf der großen Bühne angesetzt. Es war trotzdem rappelvoll vor der Obelisk Stage, James ziehen noch sehr im Vereinigten Königreich!

Und was für Leute da waren! Neben unglaublich vielen kleinen Kindern standen am Rand ein paar sehr exzentrisch verkleidete Menschen, so eine Art englische Village People (Tennisspieler statt Indianer). Die vergaß ich aber schnell wieder, als es losging. James-Frontmann Tim sieht mittlerweile wie Bernd Stromberg aus, vor allem
wegen des albernen Bärtchens. Obwohl es wirklich warm war, trug er erst eine Lederjacke mit Lammfellfutter. Die armen Schafe, die sonst auf den Weiden leben! Damit ihnen übers Wochenende keine Popstars rasieren konnten, hatten die sich übrigens getarnt!

Aber zu James: mit Bubbles, einem sehr ruhigen Lied über Kinder und die Geburt, das auf dem letzten Album Hey Ma erschienen war, begannen die Veteranen ihr Set. Das Lied ist kein echter Kracher, ganz anders als das, was James bekannt gemacht
hatte. Als das Stück vorbei war, sagte Tim, wo es langgehe: "We'll play a lot of new ones!" Man konnte dem Entgleisen der Gesichtszüge der Zuschauer prima zusehen. "You wanna party?" fragte der Sänger grinsend und stimmte Ring the bells an, gefolgt von Getting away with it und Tomorrow, also drei der größten Hits der Band. Puh! Sie wussten also doch, was ihr Job war!

Bis auf I wanna go home (auch von Hey Ma) bestand das ganze Set aus alten Stücken, ach, es war großartig! Allerdings war das Konzert auch eine Prüfung, denn Tim Booth hat nicht nur ein albernes Bärtchen, er tanzt auch immer wilder. In Bewegung war der Mann schon immer auf der Bühne, es gilt aber wohl das alte je
oller, je doller. Sein Getanze während der Instrumentalstellen ist mittlerweile ein wildes Gezappel, das ihm sicher auch zum Star jeder Hunsrück-Disko machte.

Der größte Hit der Band, das sagenhafte Sit down (sicherlich einer der besten Popsongs der Musikgeschichte), kam nicht wie erwartet ganz am Ende. Grund dafür war vermutlich, daß Tim einen Ausflug machen wollte. Bei den ersten Klaviertönen fragte er, wie er denn nach unten komme. Die Bühne war nämlich sauhoch. Irgendwie klappte es, und der Sänger stand am Absperrgitter, kletterte hoch und sang ins Publikum. Natürlich ist das nicht furchtbar originell, aber es wirkte nicht aufgesetzt und machte Tim Booth damit sehr sympathisch!

Vermutlich hatte die Band deutlich weniger Musik genehmigt bekommen, sie
entschieden sich aber, zu überziehen (man merkte das danach, als sich der Start der Maccabees deutlich verzögerte). Also folgten noch Sound, Sometimes und Laid. Mir fehlte nur Born of frustration zum Glück, aber das kann ja noch irgendwann kommen.

Mit dem Spätwerk kann ich deutlich weniger anfangen, die alten James-Klassiker haben aber nichts an ihrem Charme verloren! Da ist es auch egal, wie sehr der Frontmann rumhampelt.

Den Gegenentwurf zum Rumzappeln konnte man bei Sit down auch erleben: während TIm vorne rampensaute, machten die anderen Bandmitglieder lustige
anderen Sachen. Der Bassist machte Fotos mit seiner Spiegelreflex-Kamera und der Trompeter setzte sich auf den Bühenrand. So hieß das Lied ja auch schließlich.

Irgendwann sah ich auch die exzentrisch verkleideten Menschen wieder, die erschienen nämlich zum Tanzen auf der Bühne (habt ihr gut gemacht, Abe, Simone und Nathan!).

Setlist James, Latitude Festival:

01: Bubbles
02: Ring the bells
03: Getting away with it
04: Tomorrow
05: I wanna go home
06: Out to get you
07: Stutter
08: Sit down
09: Sound
10: Sometimes
11: Laid

Links:

- James, Dublin, 17.04.07



Dienstag, 20. Juli 2010

The National, Latitude Festival, 16.07.10

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Konzert: The National
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: viele Tausend
Dauer: 70 min


Darauf daß The National trotz der vielen anderen hervorragenden Künstler der Höhepunkt des ersten Latitude Tages sein würden, hätte ich alles gewettet. Keine sehr wagemutige Wette zugegebenermaßen, schließlich sind die Amerikaner zur Zeit sicher eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Band der Musikrichtung, die wir hier hören.

Vorher hatte ich Tokyo Police Club gesehen und war zeitig genug im Word Zelt angekommen, um einen recht guten Platz zu finden. Meine Theorie aber, daß es wegen der parallel auf der größten Bühne auftretenden Florence nicht knallvoll würde, hatte sich schnell zerschlagen. Scheinbar wollte doch jeder Matt Berninger, die Dessners und die Devendorfs sehen.

Vor ein paar Monaten ist mit High Violet die fünfte Platte der Amerikaner erschienen. Wie so viele habe ich The National erst seit Alligator wahrgenommen und seit Boxer* abgöttisch geliebt. Gerade gegenüber Boxer mit all seinen unfassbaren Stücken fällt High Violet natürlich ab, die Platte wächst aber immer mehr, und es wäre unfair sie dafür zu bestrafen, daß ihr Vorgänger solch ein Meisterwerk ist.

Wie so oft zeigt sich aber die wahre Stärke von Songs live - der alte
Konzertlackmustest. Und der war ein Volltreffer! Runaway als Auftaktstück war schon so groß, daß jeder Zweifel sofort weg war!

"I'll name my son after you!" brüllte ein Engländer unmittelbar nach den letzten Tönen nach vorne. Ich glaube, er sprach damit vielen aus dem Herzen. Und in ein paar Jahren bekommt National Turner dann erklärt, wie er zu seinem Namen kam.

Runaway habe ich übrigens als Duett erlebt. Neben mir stand eine sehr große Frau, die das Stück komplett mitsang, in atemberaubender Lautstärke aber extrem treff-
und textsicher. Das war toll, vielleicht sollten The National auch mal eine Gastsängerin für ihre Stücke einsetzen. Aber mir genügte natürlich das Original. Eines der perfektesten Stücke Musik, die ich je erlebt habe, kam danach: Mistaken for strangers mit einem unentwegt über die Bühne tigernden Matt Berninger war so intensiv, wie ich wirklich ganz selten ein Lied auf einem Konzert erlebt habe.

Auch wenn Mistaken for strangers erst einmal einzigartig blieb, hielt das Konzert dieses extrem hohe Niveau. Auch etwa Bloodbuzz Ohio, das ich beim ersten Hören viel zu sommerlich fröhlich hielt, überzeugte mich restlos. Squalor Victoria endete in Schreitiraden des introvertierten Sängers, so als suche sich alles mögliche ein Ventil über seine Stimme.

Die Ansagen übrigens übernahm grundsätzlich ein anderes Bandmitglied für den Sänger.

Mit dem Cardinal song kam dann ein Stück aus der Zeit vor Alligator. Das Lied stammt von Sad songs for dirty lovers, der zweiten Platte der Band. Ich hatte bisher
noch keines der Stücke der ersten beiden Alben live gehört, wenn ich mich recht entsinne, eine schöne kleine Überraschung also!

Ähnlich bewegend wie Mistaken for strangers wurde es dann noch einmal bei Fake empires. Ich habe wirklich nie Gänsehaut bei Konzerten, hier schon - trotz der Enge und der hohen Sommertemperaturen. Aber auch dies war sicher kein Phänomen, daß alleine ich erlebte, denn das Zelt bejubelte die Band wie das zwischenzeitliche 2:2 gegen Deutschland. A propos Fußball... eine meine Lieblingsszenen des ganzen Wochenendes spielte sich vor The National ab: in meiner
Nähe standen ein paar junge Frauen, die quer durchs Zelt "Sweinsteiga! Sweinsteiga!" brüllten.

Wieder einmal haben The National ein überragendes Konzert abgeliefert. So und nicht anders muß man das machen. Und genau dafür lohnt es sich, sich Nächte oder Wochenende um die Ohren zu schlagen, um Bands nachzureisen, die niemand im Freundeskreis kennt.

Setlist The National, Latitude Festival:

01: Runaway
02: Mistaken for strangers
03: Anyone's ghost
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of anyone
08: Cardinal song
09: Conversation 16
10: Apartment story
11: Abel
12: England
13: Fake empires
14: Mr. November
15: Terrible love

Links:

aus unserem Archiv:
- The National (mit Pavement), Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

* ich weiß, daß ich einen Mainstream-Geschmack habe



Belle & Sebastian, Latitude Festival, 17.07.10

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Konzert: Belle & Sebastian

Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: 30.000
Dauer: 85 min



Wie oft hat man in den letzten Jahren gelesen "klingt wie Belle & Sebastian"? Die schottischen Indie-Pop-Könige sind der Maßstab für gute Popmusik und konnten es sich aufgrund ihrer herausragenden Position locker erlauben, vier Jahre zu pausieren. Seit 2006 haben Stuart Murdoch und Co. viele musikalische (und bastelnde, nämlich Sarah) Nebenprojekte wie God Help The Girl bearbeitet, die Hauptband hatte aber Pause. Schrecklich!

In den letzten Monaten erwachten Belle and Sebastian. Irgendwann wurde ein Album angekündigt, dann die ersten Tourtermine. Auf ihrer Website wird angezeigt, wann welcher Bereich zuletzt aktualisiert wurde. In der Rubrik Tour stand da als Datum immer ein Tag im Jahr 2006, ein deprimierender Anblick. Und dann kamen die ersten, heiß erwarteten Daten: Finnland, Norwegen, Südkorea, Indonesien - und dann das Latitude Festival...

Ich hatte vorher nicht nach irgendwelchen Setlisten gesucht, ich wollte mich überraschen lassen. Eines der neuen Lieder kannte ich durch ein youtube Video, sonst wußte ich nichts.

Es war knallvoll geworden auf dem riesigen Platz vor der Obelisk Stage. Obwohl die Sonne gerade unterging, war es noch sehr warm, am Himmel keine Wolke, perfekte Bedingungen also. Die erstaunlich frühe Anfangszeit der Headliner (zwischen 21.30 und 22.00 Uhr), die sicher nicht den Anwohnern geschuldet war, die nächsten waren nämlich Schafe, waren auch extrem angenehm.

Als die Band dann kam, herrschte eine enorm feierliche Stimmung, wieder einer dieser magischen Momente des Wochenendes, auch wenn ich den Begriff langsam albern finde. Aber wie soll man all die strahlenden Gesichter sonst beschreiben? Außerdem habe ich nicht vor, hier sachlich zu bleiben!

Das neue Stück, das ich kannte bildete den Auftakt,
I didn't see it coming, mit viel Gesang von Sarah Martin. Beim zweiten Hören mochte ich es schon sehr, vermutlich ein kommender Liebling.

"They promised me a bunch of old people!" Kein Wunder, daß Stuart Murdoch
überrascht war, das Publikum war wirklich erstaunlich heterogen. Latitude ist eben ein wirkliches Familienfest, noch mehr als Haldern. Der Stimmung schadete das im Schnitt eigentlich viel zu junge Publikum gar nicht, sie war blendend!

Dann das nächste Highlight... Es war mittlerweile dunkel. "Kann jemand schon den ersten Stern sehen?" Jeder, restlos jeder, Band oder Zuschauer guckte nach oben und
suchte den klaren aber noch sternlosen Himmel ab. Twee-Pop, auch in den Pausen.

Musikalisch startete nach dem Auftaktsong eine Sammlung großer Hits der Band, beginnend mit I'm a cuckoo laut Stuart Murdoch "the first of many songs ab
out animals". Es stimmte, es folgten später noch Frosch, Pferd und Fuchs (Hund fehlte leider). Die meisten Stücke stammten von den beiden Platten If you're feeling sinister und Dear catastrophe waitress.

Am meisten begeisterten mich Step into my office,
baby, Get me away from here, I'm dying und Fox in the snow, weil das zwei besondere Lieblinge sind, die ich nicht unbedingt erwartet hatte.

Relativ früh kam aber zunächst einmal ein zweites neues Stück.
I'm not living in a real world wird von Stevie Jackson gesungen und hat einen oh-oh-Mitsingteil. Der Gitarrist erklärte uns erst, wie und wann wir mitzusingen hätten (unnötig, es sang eh jeder immer mit). "Dann ändert es seine Tonart von Cis nach D, ihr müsst dann also höher werden!" Als es dann beim Mitsingen zu der Stelle, folgte ein kurzes "Change!" und alle ohten höher, sehr schön!

I'm not living in a real world muß ich noch ein
paarmal hören. Auf Anhieb war es zwar (natürlich) gut, aber noch kein Liebling.

Nach Fox in the snow wurde es wieder sehr komisch! Stuart erzählte davon, wie aufgeregt sie alle gewesen
seien, das erste Konzert in Großbritannien nach vier Jahren zu spielen. "Ich habe letzte Nacht geträumt, ich würde mich zu Stevie umdrehen und sagen 'Spiel Jumping Jack Flash!' Wir absurd!" - "Ok, ich spiele jetzt Jumping Jack Flash!" Und er und die Band spielten den ollen Stones-Song. Natürlich waren alle begeistert! "Ihr mögt die Rolling Stones? Wenn wir sie spielen, gefallen mir die Lieder auch!"

Und es ging urkomisch weiter. Der Sänger wollte plötzlich ein paar Leute aus dem Publikum nach oben holen. Als ob Dämme brachen, hüpften immer mehr
über den Zaun. Am Ende waren es sicher zwanzig, die hintenrum zur Bühne geführt wurden. Als das nächste Lied vorbei war, führten Helfer die Leute nach oben. "Oh, euch hatte ich wieder vergessen!" Als einige dann in seine Richtung liefen, rief Stuart "Don't touch me, don't touch me!" und flüchtete!

Langsam näherte sich das Konzert seinem Ende, aber nicht, ohne noch einmal enorm charmant zu werden. Nachdem Stevie Jackson vorher schon seiner Nichte
Stella zum Geburtstag gratuliert hatte, bedankte sich Stuart bei Bandmitarbeiter Brian. Der saß wohl, wie Stuart vermutete, im riesigen Regieturm auf der anderen Seite des Platzes. "Brian, wenn du da bist, gib ein Zeichen!" Und wie macht ein Beleuchter das? Die Bühne wurde taghell, die Band lachte sich schlapp!

Wenn es nach jeder langen Pause so großartig ist, akzeptiere ich das ab sofort blind! Trotzdem gut, daß es bis zu den nächsten Malen Belle & Sebastian nicht wieder so lange dauert!

Setlist Belle & Sebastian, Latitude Festival 2010, Suffolk, England:

01: I didn't see it coming (neu)
02: I'm a cuckoo
03: Step into my office, baby
04: The state I am in
05: I'm not living in a real world (neu)
06: If you're feeling sinister
07: Sukie in the graveyard
08: Fox in the snow
09: Jumping Jack Flash (Rolling Stones Cover)
10: Funny little frog (God Help The Girl Cover)
11: The boy with the arab strap
12: If you find yourself caught in love
13: Judy and the dream of horses
14: Sleep the clock around

15: Get me away from here, I'm dying (Z)
16: Legal man (Z)

Links:

- God Help The Girl live in Den Haag





Montag, 19. Juli 2010

The Middle East & Luna Belle, Latitude Festival, 16.07.10

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Konzert: The Middle East & Luna Belle
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Dauer: jeweils etwa 30 min


Würde ich Tokyo Police Club nicht so mögen, wäre ich jetzt vermutlich Luna Belle Fan und müsste mich irgendwann dafür schämen, das behauptet zu haben. Verwirrend? Ok, dann erkläre ich es:

Weil Tokyo Police Club auf der etwas abseits gelegenen Sunrise Stage auftreten sollten, und ich die Kanadier unbedingt sehen wollte, richtete ich mein Frühabendprogramm nach ihnen. Das Programmbuch empfahl auch die Band vorher, von der ich bisher nichts gehört hatte: "It's early days, but this brilliant opportunity to showcase their songs on our Sunrise Arena will surely unveil the hype that has been built up around the band." Dazu wurden die catchy Popmelodien und die tolle Stimme der rothaarigen Sängerin Tallulah gelobt, was mir ausreichte, mir den Hype einmal anzusehen.

Ich war ein paar Minuten zu früh, die Band baute gerade noch auf. Sängerin Tallulah stand rechts am Keyboard, daneben der männliche Rest der Truppe. Als es dann losging, war ich wirklich beeindruckt von den schönen Melodien, auch wenn ich sie mir weniger folkig und dafür deutlich popiger vorgestellt hatte. Aber das war ja nun wirklich egal.

Egal war mir auch schnell, daß die rothaarige Sängerin kaum sang. Ihr Kollege links tat das nämlich gar nicht so schlecht! Mir gefiel das kurze Set der Australier (so sagten sie) sehr, selbst ein Lied, das mit Sprechgesang und lahm begann, wurde danach richtig gut! Ein wirklich gelungenes Vorprogramm für Tokyo Police Club!

Danach baute aber eine andere Band auf, sehr merkwürdig! Immerhin war da auch wieder eine Musikerin mit roten Haaren. "Hi, we are Luna Belle!" Ach verdammt! Und wer waren die vorher? Die Programmbibel verriet, daß das The Middle East aus Australien waren. Durch einen mir nicht bekannten Umstand hatte sich alles soweit nach hinten verschoben, daß eben Luna Belle erst zum Tokyo Police Club Termin (punktgenau) auftraten.

Luna Belle ist leider schnell beschrieben. Warum um die Band ein Hype entstanden ist, weiß ich wirklich nicht. Die Lieder hörten sich beliebig an und blieben bei mir nicht hängen. Sängerin Tallulah bemühte sich redlich, sagt man wohl. Aber toll war das nicht, die angekündigte Offenbarung erst recht nicht.

Aber immerhin hatte mir dieser komische Nachmittag eine neue Band beschert, die anzuhören sich lohnt. Und anschließend kamen ja dann doch noch Tokyo Police Club. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Falls ich mich bei Luna Belle täusche, hier einmal ein paar...

Auszüge aus der Setlist Luna Belle, Latitude Festival:

- Garden green
- Just saying
- Acid house
- Waking up with you



Angus & Julia Stone, Latitude Festival, 16.07.10

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Konzert: Angus & Julia Stone
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Dauer: ca. 40 min



Auf das australische Geschwisterpaar Angus & Julia Stone war ich am Freitag besonders gespannt. Zwar hege ich starke Bedenken gegen australische Bands und hatte vorher mit den Unthanks Folk-Geschwister erlebt, die mich fast in den Schlaf gesungen hatten, den zotteligen Julia und Angus traute ich aber einiges zu, nachdem ich die Band vorher bei lastfm aufgeschnappt hatte.

Die Stones' traten im Zirkuszelt der Word Arena auf. Dieses riesige Ding war an allen Seiten offen und extrem angenehm. Wegen der Höhe des Zelts war es innen nie stickig, obwohl die Temperaturen außen zum Teil über 30° stiegen. Bruder und Schwester kamen mit Gitarren auf die Bühne. Zusätzlich erschienen ein Bassist und ein Schlagzeuger, Hauptdarsteller sind aber - der Bandname legt es nahe - Julia und Angus. Es war ganz gut, daß die beiden drinnen gespielt haben, denn auf einer der Weiden hätte man Angus ganz leicht mit einer Vogelscheuche verwechseln können. Sein Hütchen, die strohigen Haare, der Zottelbart, klischeehafter sehen echte
Vogelscheuchen auch nicht aus. Aber netto ist ja wichtig, und das, also die musikalische Leistung, war fantastisch!

Die Stimmen der Geschwister passen so blendend zu einander, daß wunderbarer Gesang entsteht und die anfangs ruhigen Lieder wundervoll in Szene setzt.

Zum zweiten Lied (Mango tree) griff sich Julia eine Trompete, später bei Big jet plane (vermutlich meinen liebsten Stück des Konzerts), spielten beide Mundharmonika.

Spektakulär wurde es aber danach. Julia kündigte an "a friend of mine joins me now. He came from Dublin to sing a song, the wonderful Damien Rice!" Um mich rum
überall ungläubiges Staunen über diese Ansage, eine wirklich wunderbare Stimmung entstand in diesem Moment! Damien Rice kam mit Gitarre zu Julia und begann ein Lied, bei dem ich eine Weile brauchte, um es zu erkennen. You're the one that I want aus Grease schmachteten die beiden um die Wette, in einer wundervoll langsamen Version, ein unglaublicher Knüller und ein wirklich magischer Moment, ein erster an diesem Wochenende!

Nach dem Duett (Damien ging danach wieder) flachte es überhaupt nicht ab, das Konzert blieb fabelhaft! Bei I'm not yours wurden die Geschwister richtig laut, das gefiel mir sehr! Nur das abschließende Private lawns war mir zu kabarettartig und fiel ab gegenüber dem Rest.

Setlist Angus & Julia Stone, Latitude Festival:


01: ?
02: Mango tree
03: And the boys
04: Big jet plane
05: You're the one that I want (Olivia Newton-John & John Travolta Cover) (gemeinsam mit Damien Rice)
06: Just a boy
07: I'm not yours
08: Private lawns



Latitude Festival, Freitag, 16.07.10

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Konzert: diverse am ersten Tag des Latitude Festivals
Ort: Henham Park, Suffolk
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: zigtausend


Seit langem kribbelte es mir unter den Fingernägeln, einmal das grundsätzlich fabelhaft besetzte Latitude Festival in England zu besuchen, allerdings erschien es mir - irgendwo in einem Wald stattfindend - unerreichbar. Das diesjährige Lineup löste dieses Problem ganz schnell, denn für Belle & Sebastian, The National, Jónsi, James und Konsorten wäre ich vermutlich sonstwohin gefahren.

Henham Park liegt in Suffolk, nordöstlich von London und nicht weit der beiden Städte Ipswich und Norwich.

Mein bisher einziges englisches Festival war keine besondere Herausforderung, es fand im Hydepark mitten in London statt, daher war ich vollkommen unwissend, was mich erwarten würde.

Ehrlich gesagt hatte ich wenig Bedenken, daß die Organisation einer Großveranstaltung im Festivalland England funktionieren würde. Wie perfekt dies dann aber umgesetzt war, überraschte mich doch. Weit vor dem Gelände standen an jeder wichtigen Straßenecke Schilder. Obwohl ich zu einer der dümmsten Zeiten ankam (Freitag am frühen Nachmittag), gab es weder Stau noch Wartezeiten. Mein Ticket sollte am Boxoffice hinterlegt sein. Als mir eine der überall stehenden freundlichen Helferinnen einen einzelnen, winzigen Container zwischen uralten Laubbäumen zeigte, dachte ich, sie erlaube sich einen Scherz, ich war schließlich schon einmal beim Melt. Kein Scherz; das war das zentrale Kassenhäuschen, an dem ich innerhalb von dreißig Sekunden meine Karte hatte. Der Tausch der Karte gegen ein Bändchen ging noch etwas schneller. Sicherlich vierzig Helfer warteten auf Besucher - und das war nur eine von vielen Bändchenausgaben.

Zwischen Campingplatz und Bühnen liegt das Festivaldorf mit Geldautomaten (zwischen Bäumen), einem 24h Supermarkt im Zelt, zig Essenständen und Geschäften von Campingbedarf über was auch immer. Dort konnte man auch Programmhefte kaufen, wobei das eine Verniedlichung ist. Das Heft ist ein ausgewachsenes Buch mit 350 Seiten, raustrennbaren Tagesprogrammen und ausführlichen Berichten aller auftretenden Musiker, Literaten oder Theaterschaffenden!

Über eine Brücke, die über den kleinen See des Parks führt, gelangt man auf die Wiesen rund um die Bühnen. Auf diesen hügeligen Weiden leben sonst Schafe; jetzt liefen zwischen den wahnwitzig vielen Essen- und Getränkeständen tausende Besucher jeder Altersklasse. Bisher hatte mich das Montreux Jazzfestival in Bezug aufs gastronomische Angebot am meisten beeindruckt, Latitude setzt aber auch hier neue Maßstäbe. Von jeder Art vegetarischer und veganer Bewirtung über das Gegenteil, Wild aus der Umgebung, British Sausages oder argentinische Steaksandwiches (mit einem riesigen Maradona und Messi Plakat im Hintergrund), zig verschiedenen Eis-, Crèpe- oder Getränkeständen gab es alles, wirklich alles. Damit das Essen auch bequem eingenommen werden konnte, standen auf einer der endlosen Wiesen wahnwitzig viele Tisch-Bank-Kombinationen, grün, bemalt mit Blümchen. Wem das zu wenig stilvoll war, dem bot sich ein echtes Restaurant mit Kellnern und Menükarten.

Musik fand auf dem Latitude auf vier Bühnen statt, von denen drei rund um die Weiden lagen, alle ein, zwei Minuten auseinander. Die größte, die Obelisk Stage (vermutlich nach der Pyramid Stage in Glasto benannt), hatte am Außenrand Tribünen und immense Ausmaße. Bühne zwei, die Word Arena, war ein sicher 20 m hohes Zirkuszelt, das an allen Seiten offen war, Nummer drei (Lake) eine muschelförmige Bühne, die einen der Plätze zwischen den Essenständen beschallte. Nur zur vierten Bühne mußte man etwas (fünf Minuten) laufen, die Sunrise Stage lag nämlich mitten im Wald, auf der anderen Seite des Sees. Während wir Zuschauer zu Fuß um den See gehen mussten (an einem Klavier vorbei, das zur allgemeinen Benutzung am Seeufer stand!), wurden die Bands per Kahn gebracht! Das Vergnügen Bootsfahrt stand aber auch allen anderen offen, denn Gondolieri machten auch Seerundfahrten für die Allgemeinheit.

Meine Lieblingskleinigkeit perfekter Organisation erlebte ich erst am zweiten Tag: da benutzte ich den Tagesbesucher Parkplatz, von dem ein Waldweg zum Gelände führt. Da der Pfad eine Hauptstraße kreuzt, hatte man mitten im Wald eine Fußgängerampel installiert, die per Hand von Helfern Tag und Nacht bedient wurde.

Ich mag jetzt große Festivals wieder. Sie müssen nur offenbar faraway stattfinden.

Zurück zu Freitag. Mein musikalisches Programm begann mit einigen Bands, die keinen ganzen Bericht rechtfertigen.

Zunächst spielte Rose Elinor Dougall auf der Lakestage. Das Gründungsmitglied der Pipettes arbeitet jetzt solo und klang auf dem Papier interessant. Live hatte sie eine Begleitband, die Destructions, mitgebracht. Nach drei eher banalen Popsongs hatte ich allerdings genug gehört. Das Lineup sollte verzeihen, Belangloses schnell auszusortieren.

Danach folgten auf der Hauptbühne Here We Go Magic, The Unthanks und Hockey. Während ich von Hockey nur zwei Lieder sah und dabei das Interesse verlor, verfolgte ich die beiden anderen Konzerte ganz.

Um in den Auftritt von Here We Go Magic reinzukommen, brauchte ich eine Weile. Die Musik der Band um Singer/Songwriter Luke Temple plätscherte erst eine Zeitlang vor sich hin, ohne mich weiter zu packen. Der wenige Schlaf und die wundervolle Sonne
unterstützten das sicher. Irgendwann gefielen mir die Lieder aber immer besser, vermutlich sollte ich mir bei Gelegenheit die Amerikaner noch einmal ansehen.

Bei den hochgelobten Unthanks handelt es sich um eine Folkgruppe (der beiden Schwestern Unthank) aus Northumberland. Die beiden Sängerinnen begannen mit einem traditionellen Stück aus ihrer Heimat. "Ihr werdet kein Wort verstehen!" Stimmte. Danach zogen sie ihre Schuhe aus und andere an, was ich erst für eine Marotte hielt. Während des zweiten Stücks steppten die beiden aber plötzlich. Steppende Kelten sind für mich ein Grund, umgehend ganz weit wegzurennen. Mir
Michael Flatley Videos vorzusetzen wäre bei Bedarf weit wirkungsvoller als jede andere Foltermethode. Die unglaublich entspannte und entspannende Umgebung stimmte mich aber enorm milde, sodaß ich mir auch die im folgenden sehr langweiligen Unthanks komplett ansah.

Glücklicherweise wurde es anschließend aber erst einmal richtig gut... Das kommt dann ausführlich.



 

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