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Samstag, 21. Juli 2012

Here We Go Magic & Allo Darlin', Paris, 10.07.12

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Here We Go Magic & Allo Darlin'

Ort: Le Trabendo, Paris

Datum: 10.07.12
Zuschauer: Hmm, vielleicht 300?



So, was ist jetzt von Here We Go Magic zu halten? Ist das eine überragend gute Indie-Band? Oder nur eine unter vielen? Das französische Musikmagazin Magic steht total auf die Amerikaner, wählt die Platten jeweils zu Alben* des Monats und hob sie in diesem Jahr sogar auf ihr Titelblatt. Ob die recht haben? (was immer das in Bezug auf die Einschätzung von Musik, Bands und Alben auch heißen mag).

Nach dem Konzert im Pariser Trabendo bin ich immer noch nicht wirklich schlauer. Da hielten sich aufregende Phasen und leichte Durchhänger die Wage. Durchgängig packend war es jedenfalls nicht, obwohl ein paar Titel schon ziemlich gut rüberkamen. Das Beste ereignete sich ganz zum Schuß, denn an die euphorisierende Zugabe Fangela kam nichts ran.


An Einsatzfreude magelte es der Band gewiß nicht, die war nicht zu bemägeln. Eine bunt und neu zusammengewürfelte Band übrigens, in der auch die französische Musikerin Lena Deluxe (Roken is Dodelijk , solo) am Keyboard zum Einsatz kam. Ihc fragte mich, ob das die Stammbesetzung war, oder ob die Formation ein wenig aus der Not heraus geboren wurde. Wie auch immer, am Zusammenspiel der Gruppe lag es eh nicht, daß ich manchmal etwas abschaltete.

Man höre nur einen Titel wie Make Up Your Mind, der war zwar flott und zackig, wiederholte sich aber irgendwann nur noch und plätscherte am Ende recht ereignislos vor sich hin. Ich glaube da wollte Luke Temple zu sehr den Krautrocker raushängen lassen Gleiches Bild bei Hibernation, das sich unter einem psychedelischen Schleier versteckte und ziemlich langweilte, weil nicht viel passierte. Tunnelvison war da schon wesentlich prickelnder und erinnerte an Animal Collective, hatte aber auch genug Eigenes.

Gerne mochte ich die Ballade Alone But Moving, da konnte Sänger Luke Temple gut seine brüchige Stimme (eine Mischung aus Paul Mc Cartneys und Paul Siomns Gesangesorgan) zum Einsatz bringen und sentimental croonen, das es eine Freude war.


Letztlich war die Schlußphase wirklich am stärksten. Da wurde auf die Tube gedrückt und an dern Catchyness-Schraube gedreht, mit Collector, How Do I Know und natürlich Fangela die mitreißendsten Stücke abgefeuert. Die Stimmung war in dieser Phase dann auch wirklich ausgelassen. So hätte ich mir das eigentlich durchgängig gewünscht. Immer wenn die Gruppe auf den Punkt kam, die experimentellen Schlenker wegließ und ihre poppige Seite zeigte, konte sie auftrumpfen. Die trüben Psychedelic- Phasen waren hingegen immer gewisse Downer.


In der Champions- League der Indierockbands spielen Here We Go Magic also noch nicht, denn vergleichbare Formationen wie Grizzly Bear, Field Music oder Animal Collective sind faszinierender.


Und Allo Darlin'? Die sind toll, keine Frage, aber verspätungsbedingt sahe ich von ihnen an diesem 12. Juli nur 4 Stücke, zu wenig um mir ein stichhaltiges Urteil zu erlauben. Was mir allerdings auffiel war, daß Sängerin Elzabteh Morris nicht ganz so wild und überschwenglich war wie sonst. Vermutlich raubt ihre das lange Touren ein wenig die Kräfte, kein Wunder wenn man weiß, wie sie sonst mit ihrer Ukulele durch die Clubs dieser Welt fegt!

Setlist Allo Darlin', Le Trabendo, Paris:

01: Neil Armstrong
02: Let's Go Swimming
03: Europe
04: The Polaroid Song
05: Capricornia
06: Wonderland
07: Some People Say
08: Silver Dollars
09: Still Young
10: My Heart Is A Drummer

Setlist Here We Go Magic, Trabendo, Paris:

01: Surprise
02: Make Up Your Mind
03: Hibernation
04: Tunnelvision
05: Alone But Moving
06: Over The Ocean
07: Hard To Be Close
08: A Different Ship
09: Collector
10: How Do I Know

11: Fangela

* Diskografie: Here We Go Magic (2009), Pigeons (2010), The January EP (2011), A Different Ship (2012)

Aus unserem Archiv:

Allo Darlin', Wien, 04.03.11
Allo Darlin', Paris, 25.02.11
Allo Darlin', Köln, 28.07.10
Allo Darlin', Paris, 27.07.10
Here We Go Magic, Latitude-Festival, 16.07.10
Here We Go Magic, Paris, 13.07.09




Montag, 19. Juli 2010

Latitude Festival, Freitag, 16.07.10

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Konzert: diverse am ersten Tag des Latitude Festivals
Ort: Henham Park, Suffolk
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: zigtausend


Seit langem kribbelte es mir unter den Fingernägeln, einmal das grundsätzlich fabelhaft besetzte Latitude Festival in England zu besuchen, allerdings erschien es mir - irgendwo in einem Wald stattfindend - unerreichbar. Das diesjährige Lineup löste dieses Problem ganz schnell, denn für Belle & Sebastian, The National, Jónsi, James und Konsorten wäre ich vermutlich sonstwohin gefahren.

Henham Park liegt in Suffolk, nordöstlich von London und nicht weit der beiden Städte Ipswich und Norwich.

Mein bisher einziges englisches Festival war keine besondere Herausforderung, es fand im Hydepark mitten in London statt, daher war ich vollkommen unwissend, was mich erwarten würde.

Ehrlich gesagt hatte ich wenig Bedenken, daß die Organisation einer Großveranstaltung im Festivalland England funktionieren würde. Wie perfekt dies dann aber umgesetzt war, überraschte mich doch. Weit vor dem Gelände standen an jeder wichtigen Straßenecke Schilder. Obwohl ich zu einer der dümmsten Zeiten ankam (Freitag am frühen Nachmittag), gab es weder Stau noch Wartezeiten. Mein Ticket sollte am Boxoffice hinterlegt sein. Als mir eine der überall stehenden freundlichen Helferinnen einen einzelnen, winzigen Container zwischen uralten Laubbäumen zeigte, dachte ich, sie erlaube sich einen Scherz, ich war schließlich schon einmal beim Melt. Kein Scherz; das war das zentrale Kassenhäuschen, an dem ich innerhalb von dreißig Sekunden meine Karte hatte. Der Tausch der Karte gegen ein Bändchen ging noch etwas schneller. Sicherlich vierzig Helfer warteten auf Besucher - und das war nur eine von vielen Bändchenausgaben.

Zwischen Campingplatz und Bühnen liegt das Festivaldorf mit Geldautomaten (zwischen Bäumen), einem 24h Supermarkt im Zelt, zig Essenständen und Geschäften von Campingbedarf über was auch immer. Dort konnte man auch Programmhefte kaufen, wobei das eine Verniedlichung ist. Das Heft ist ein ausgewachsenes Buch mit 350 Seiten, raustrennbaren Tagesprogrammen und ausführlichen Berichten aller auftretenden Musiker, Literaten oder Theaterschaffenden!

Über eine Brücke, die über den kleinen See des Parks führt, gelangt man auf die Wiesen rund um die Bühnen. Auf diesen hügeligen Weiden leben sonst Schafe; jetzt liefen zwischen den wahnwitzig vielen Essen- und Getränkeständen tausende Besucher jeder Altersklasse. Bisher hatte mich das Montreux Jazzfestival in Bezug aufs gastronomische Angebot am meisten beeindruckt, Latitude setzt aber auch hier neue Maßstäbe. Von jeder Art vegetarischer und veganer Bewirtung über das Gegenteil, Wild aus der Umgebung, British Sausages oder argentinische Steaksandwiches (mit einem riesigen Maradona und Messi Plakat im Hintergrund), zig verschiedenen Eis-, Crèpe- oder Getränkeständen gab es alles, wirklich alles. Damit das Essen auch bequem eingenommen werden konnte, standen auf einer der endlosen Wiesen wahnwitzig viele Tisch-Bank-Kombinationen, grün, bemalt mit Blümchen. Wem das zu wenig stilvoll war, dem bot sich ein echtes Restaurant mit Kellnern und Menükarten.

Musik fand auf dem Latitude auf vier Bühnen statt, von denen drei rund um die Weiden lagen, alle ein, zwei Minuten auseinander. Die größte, die Obelisk Stage (vermutlich nach der Pyramid Stage in Glasto benannt), hatte am Außenrand Tribünen und immense Ausmaße. Bühne zwei, die Word Arena, war ein sicher 20 m hohes Zirkuszelt, das an allen Seiten offen war, Nummer drei (Lake) eine muschelförmige Bühne, die einen der Plätze zwischen den Essenständen beschallte. Nur zur vierten Bühne mußte man etwas (fünf Minuten) laufen, die Sunrise Stage lag nämlich mitten im Wald, auf der anderen Seite des Sees. Während wir Zuschauer zu Fuß um den See gehen mussten (an einem Klavier vorbei, das zur allgemeinen Benutzung am Seeufer stand!), wurden die Bands per Kahn gebracht! Das Vergnügen Bootsfahrt stand aber auch allen anderen offen, denn Gondolieri machten auch Seerundfahrten für die Allgemeinheit.

Meine Lieblingskleinigkeit perfekter Organisation erlebte ich erst am zweiten Tag: da benutzte ich den Tagesbesucher Parkplatz, von dem ein Waldweg zum Gelände führt. Da der Pfad eine Hauptstraße kreuzt, hatte man mitten im Wald eine Fußgängerampel installiert, die per Hand von Helfern Tag und Nacht bedient wurde.

Ich mag jetzt große Festivals wieder. Sie müssen nur offenbar faraway stattfinden.

Zurück zu Freitag. Mein musikalisches Programm begann mit einigen Bands, die keinen ganzen Bericht rechtfertigen.

Zunächst spielte Rose Elinor Dougall auf der Lakestage. Das Gründungsmitglied der Pipettes arbeitet jetzt solo und klang auf dem Papier interessant. Live hatte sie eine Begleitband, die Destructions, mitgebracht. Nach drei eher banalen Popsongs hatte ich allerdings genug gehört. Das Lineup sollte verzeihen, Belangloses schnell auszusortieren.

Danach folgten auf der Hauptbühne Here We Go Magic, The Unthanks und Hockey. Während ich von Hockey nur zwei Lieder sah und dabei das Interesse verlor, verfolgte ich die beiden anderen Konzerte ganz.

Um in den Auftritt von Here We Go Magic reinzukommen, brauchte ich eine Weile. Die Musik der Band um Singer/Songwriter Luke Temple plätscherte erst eine Zeitlang vor sich hin, ohne mich weiter zu packen. Der wenige Schlaf und die wundervolle Sonne
unterstützten das sicher. Irgendwann gefielen mir die Lieder aber immer besser, vermutlich sollte ich mir bei Gelegenheit die Amerikaner noch einmal ansehen.

Bei den hochgelobten Unthanks handelt es sich um eine Folkgruppe (der beiden Schwestern Unthank) aus Northumberland. Die beiden Sängerinnen begannen mit einem traditionellen Stück aus ihrer Heimat. "Ihr werdet kein Wort verstehen!" Stimmte. Danach zogen sie ihre Schuhe aus und andere an, was ich erst für eine Marotte hielt. Während des zweiten Stücks steppten die beiden aber plötzlich. Steppende Kelten sind für mich ein Grund, umgehend ganz weit wegzurennen. Mir
Michael Flatley Videos vorzusetzen wäre bei Bedarf weit wirkungsvoller als jede andere Foltermethode. Die unglaublich entspannte und entspannende Umgebung stimmte mich aber enorm milde, sodaß ich mir auch die im folgenden sehr langweiligen Unthanks komplett ansah.

Glücklicherweise wurde es anschließend aber erst einmal richtig gut... Das kommt dann ausführlich.



Dienstag, 14. Juli 2009

Here We Go Magic & Maison Neuve & Reza, Paris, 13.07.09

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Konzert: Here We Go Magic & Reza & Maison Neuve

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 13.07.2009
Zuschauer: mittlerer Andrang



Da die Zeit drängt, kann ich nur mit einer gestrafften Zusammenfassung dienen:

Anreise: Scheiße! Im wahrsten Sinne des Wortes! Eine blöde Taube hat mir beim Warten auf den Bus (der nicht kam!) aufs Hemd geschissen. Eklig!

Maison Neuve: Der Post Punk Revival Act made in France stieg als erster in den Ring. Inzwischen kenne ich die Liveversionen ihrer Songs schon so gut, daß ich die Melodien mitpfeifen kann. Oberkracher ist und bleibt das bisher unveröffentlichte The Wrong Class, das trotzdem jeder hier kennt, weil es eine ganze Weile Profilsong auf meiner MySpace Seite war. Spaß bei Seite, MySpace interessiert keine Sau mehr und meine Seite schon gar nicht! Heute hängt doch jeder den lieben langen Tag bei Facebook ab oder twittert wie so ein Weltmeister. Nichts für mich, ganz im Gegensatz zu Maison Neuve, die sich immer mehr zu einer meiner französischen Lieblingsbands mausern. Sie singen sogar auf französisch. Zumindest manchmal. Genauer gesagt bei zwei Liedern, aber das ist ja auch schon mal etwas! Und die englischen Stücke hätten New Order kaum besser hinbekommen, so packend und euphorisierend sind sie. Victor pfeifen ja schon die (scheißenden) Pariser Tauben von den Dächern. "Victor, Victor"...

Reza: Der französische Johnny Cash. Oder eher der französische Leonhard Cohen? Oder doch Bill Callahan? Wie auch immer, der Sound von Reza Hatami und seiner Band klingt dermaßen nach Wüste von New Mexico oder Arizona, daß Calexico, Giant Sand und Lambchop sich fragen müssen, ob nicht etwa ein Franzose mit iranischen Wurzeln den perfekten Soundtrack zur Landschaft von Albuquerque und Tucson geschrieben hat. Mit seiner großartigen Baritonstimme und seinen äußerst harmonischen und gediegenen Kompositionen hat mich Reza restlos begeistert und bewiesen, daß man auch in Frankreich dufte Country-Musik machen kann. Und bei ihm kommt alles so lässig aus der Hüfte geschossen, daß es eine wahre Freude ist! Großartig auch die Band. Ein Gitarrist, der seinem Instrument herrliche kleine Melodien entlockt. Ein Kontrabassist, der stoisch das riesige Stück Holz bearbeitet. Und ein Drummer, der sein Schlagzeug phasenweise mit einem Schneebesen schmiert wie ein Koch sein Soufflé und zudem noch solch sensationelle Grimassen schneidet, daß er auch in einem Monthy Phyton Film eine Rolle bekäme. Großes Kino!

Setlist Reza, La Maroquinerie, Paris:

01: Desert Land
02: Flying Girl
03: Desespoir
04: Rain
05: Child
06: Love Goes On! (The Go Betweens Cover)
07: Back Home
08: Waiting
09: Falling From Grace
10: Save My Life
11: Remake

Here We Go Magic: Luke Temple hatte ich an gleicher Stelle bereits einmal live gesehen. Wenn ich ehrlich bin: Das war eher fad und nicht sonderlich prickelnd. Meine Erwartungshaltung an das Konzert des neuen Projekts von Luke Temple war also im Vorfeld nicht sonderlich hoch. Aber meine Skepsis sollte sich als völlig unbegründet herausstellen! Von einem netten und charmanten, aber nicht überragenden Singer/Songwriter, hat sich Luke Temple mit Hilfe einer fünfköpfigen Band, in der auch zwei adrette junge Frauen an Bass und Keyboard bzw. Orgel Akzente setzen, zu einem hochinteressanten Magier (jaja, der Name passt!) und Tüftler entwickelt, der es schafft, den amerikanischen Indierock auf eine höhere Ebene zu hieven. Auf fast geniale Weise werden spannende und sehr kreative Sounds kredenzt, die trotzdem eingängig und höllisch catchy sind. Als wäre der Bursche in eine krativen Jungbrunnen gefallen, schüttelt er nun tierisch gute Indiesongs aus dem Ärmel, nach denen sich andere innovative Bands mit tierischem Namen (Grizzly Bear, Panda Bear, Animal Colletive) die Finger schlecken würden. Da wird psychedelischer Pop mit Folk und tropischen Rhythmen gekreuzt und das Ergebnis ist wahrlich berauschend. Herausragend waren insbesondere Fangela und Tunnelvisions, aber auch das hibbelige Only Pieces, das gegen Ende kam und einen Luke Temple am Keyboard zeigte, hatte geradezu hypnotische Wirkung. Everything Is Big (so auch der Name eines anderen hervorstechenden Songs)?- Genau, alles an Here We Go Magic ist big und great. Ein Knüller!



 

Konzerttagebuch © 2010

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