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Sonntag, 27. Mai 2012

Owen Pallett u.a., Düsseldorf, 26.05.12

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Konzert: Owen Pallett, Hauschka, Ólöf Arnalds (New Romantics beim Schumannfest)
Ort: Tonhalle, Düsseldorf
Datum: 26.05.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft aber erstaunlich gut besucht
Dauer: Ólöf Arnalds 40 min, Hauschka 48 min, Owen Pallett knapp 75 min


Vom 24. Mai bis 4. Juni findet in Düsseldorf das Schumannfest statt, ein klassisches Festival, der Musik eines der wichtigsten Vertreters der Romantik gewidmet. Dem in Düsseldorf lebenden Pianisten Hauschka hatten die Veranstalter die Gestaltung eines Abends übertragen. Unter dem Motto The New Romantics lud Hauschka Owen Pallett und Ólöf Arnalds ein, die in ihren Werken entweder eine neue Interpretation der Romantik oder (wie im Fall Owen Palletts) konkrete Inspiration durch Robert Schumann erlebt haben.

Ich hatte mir einen spannenden Abend in der Tonhalle (also einem sehr klassischen Konzertsaal) erhofft, hatte aber Angst, daß die beiden Künstler, die ich noch nicht live gesehen habe, zu experimentell und der, den ich oft gesehen habe, mittlerweile zu wenig überraschend ist. Alles Unsinn! Ólöf Arnalds spielte ein vorzügliches Set meist Isländischer Lieder, sprach wundervolles Deutsch und betonte, daß sie für Slapstickeinlagen und anderen Quatsch gut sei (was sie erfüllte). Hauschka mit Schlagzeuger Samuli Kosminen schaffte es, auch Lieder, die aus dem schnellen Wiederholen von maximal drei Tönen bestanden, aufregend klingen zu lassen. Experimentell ja, aber auch hochgradig kurzweilig! Beide Konzerte erlebten Gastauftritte von Owen Pallett.

Der Kanadier schließlich kündigte zu meiner Überraschung an, hauptsächlich Stücke seines 2006er Albums He poos clouds spielen zu wollen, nicht alle, einige möge er nicht, aber die anderen dann. Diese Lieder seien stark von der Poesie Schumanns geprägt, erforderten allerdings die Unterstützung eines Streichquartetts, das in Form des Lee-Quartetts um die kanadischen Geschwister Elissa und Trey Lee aus Berlin angereist war. Vorher spielte Owen Pallett fünf andere Stücke alleine, dabei überragte das auf Zuruf vorgetragene This is the dream of Win and Régine, das er zunächst nicht spielen wollte, weil dafür das Keyboard fehle. In der zweiten Hälfte gab es zwei Gastauftritte der Isländerin, die nicht pannenfrei aber wundervoll und enorm charmant waren. Und es gab viele alte Hits des Kanadiers mit fabelhafter Streicherunterstützung!

Nicht nur für die klar erkennbaren Fans von Owen Pallett (die vermutlich sonst nicht an Veranstaltungen des Schumannfests teilgenommen hätten), auch für die Besucher aus der klassischen Ecke war der Abend (wahrscheinlich) hervorragend!

Ein ausführlicher Bericht folgt.

Setlist Owen Pallett, Schumannfest, The New Romantics, Tonhalle, Düsseldorf:

01: Took you two years to win my heart (Solo)
02: Lewis takes action (Solo)
03: This is the dream of Win and Régine (Solo)
04: E is for estranger (Solo)
05: Scandal at the parkade (Solo)
06: The Arctic Circle
07: He poos clouds
08: The lamb sells condos
09: I'm afraid of Japan
10: Song song song
11: Many lives -> 49 p
12: The Pooka sings

13: The CN Tower belongs to the dead (Z)

14: Peach plum pear (Joanna Newsom Cover) (Solo) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09
- Ólöf Arnalds, Paris, 28.02.11
- Hauschka, Paris, 22.05.12
- Hauschka, Paris, 26.06.11


Mittwoch, 23. Mai 2012

Dustin O'Halloran & Hauschka & Jóhann Johannsson, Paris, 22.05.12

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Konzert: Dustin O'Halloran & Hauschka & Jóhann Johannsson

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 22.05.12

Zuschauer: etwa 200



Musik schöner als das Leben.


Was ich an jenem 22. Mai 2012 genießen durfte, sprengte wahrlich die üblichen Bewertungskriterien. Zu himmlisch war das, was die sogenannten Trancendentalisten* Dustin O'Halloran, Hauschka und Jóhann Jóhannsson im Pariser Café de la Danse boten. Ein wundervoller Schwebesound aus Piano- und vielen Streicherklängen erfüllte fast 3 Stunden lang die backsteinernde Location und schuf Frieden und Vollkommenheit in den Herzen der etwa 200 Zuschauer.


Hier wurde eine moderne Interpretation klassischer Musik zelebriert, wurden ganz neue Wege aufgezeigt, wie man ein Klavier einsetzten, bzw. im Falle des Düsseldorfers Hauschka, präparieren kann. So war dann auch ein Mac-Laptop beim Konzert von Jóhann Jóhannsson kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines vielfältigen Umgangs mit einem solch zauberhaften Instrument.


Jeder der drei Künstler spielte Piano, aber nie klang es gleich. Der cinematografische Sound wurde jeweils anders interpretiert, hatte unterschiedliche Spannungsbögen, eine variierende Begleitung (Schlagzeug im Fall von Hauschka, ein Streicherquartett bei Jóhann Jóhannsson), eine persönliche Note.


Hauschka zum Beispiel spielte Stücke seines letzten Albums Le Salon des Amateurs (eine spannende Location in seiner Heimatstadt Düsseldorf, die auch durch exquisite Ausstellungen wie z.B. von Sonic Youth glänzt), aber auch freie Improvisationen und hatte in der Person des Mum-Schlagzeugers einen kongenialen Partner, der jedes Tempo mitging.


Jóhannsson wiederum scharte drei Violinistinnen und einen Cellisten um sich und schuf solch betörende Klänge, die so wahnsinnig hübsch waren, daß die die Ohren fast einen Orgasmus bekamen.

O'Halloran hatte ich aber leider verpasst. Er spielte als erster und zu diesem Zeitpunkt war ich noch auf einem anderen Konzert unterwegs. Sehr ärgerlich, denn ich mochte bereits seine schwarze Popband Devics wahnsinnig gerne. Er hatte aber beim letzten Lied von Hauschka noch einmal einen kurzen Gastauftritt und trommelte gemeinsam mit dem Mum Drummer bei einem fulminanten Finale. Zuvor hatte auch das Streichquartett von Jóhannsson bei einem Stück von Hauschka bezaubert.

Das Publikum verhielt sich über den ganzen Abend hinweg absolut tadellos, sagte während der zum Teil episch langen Stücke keinen Mucks und applaudierte jeweils ungemein frenetisch. Selten habe ich auch hinterher einen solchen Andrang am reich gedeckten Merchtisch gesehen. Die CDs und Vinylplatten gingen weg wie die warmen Semmeln, viele Leute verließen das Café de la Dans mit gleich 3 CDs in der Hand. Jeder der drei Künstler hatte etliche Silberlinge anzubieten, dazu gab es eine Tour- Ep auf Vinyl, die jetzt wohl restlos ausverkauft ist. Ich selbst besorgte mir das Album Silfra, das Hauschka zusammen mit der jungen Wundergeigerin Hillary Hahn in Island aufgenommen hatte und Englabörn, ein älteres Album von Johannsson. Hilfra habe ich mir inzwischen bereits mehrfach angehört es ist ein ganz und gar sublimes, absolut hinreißendes Werk geworden. Es wartet auch mit einem wunderschönen Booklet auf, in dem auf sehr interessante und persönliche Weise die Entstehungsgeschichte jedes einzelen Stückes erklärt wird. Man sollte es unbedingt kaufen. Im Nachhinein ärgere ich mich ohnehin darüber, daß ich nicht mehr Bargeld dabei hatte, ansonsten hätte ich gerne alles (!!) erworben, was auf dem Merch-Table lag!

Kaviar für die Ohren, Musik schöner als das Leben, Freunde!

* Transcendentalism, Def.

Transcendentalism EP (FatCat130701 LP13-19/ DA13-19, 21st May) by Fat Cat Records



Dienstag, 28. Juni 2011

Hauschka, Paris, 26.06.11

3 Kommentare

Konzert: Hauschka

Ort: La Gaité Lyrique, Paris

Datum: 26.06.2011
Zuschauer: geschätzte 100

Konzertdauer: etwa 70-75 Minuten



Deutsche Musiker trifft man relativ selten auf Pariser Bühnen, aber wenn sie nicht gerade Tokio Hotel, Rammstein, Wir Sind Helden oder Beatsteaks heißen, sind sie meistens richtig gut und entdeckenswert. So haben in der Seine Metropole in den letzten Jahren bereits feine Acts wie Mohna, Haruko, Get Well Soon, The Notwist, Norman Palm, Garda, Mascha Qrella (Foto), Nils Frahm, Boo Hoo, Contriva, Bodi Bill, Saroos, Sorry Gilberto, Noel, Pubkulies & Rebecca, Bettina Koester (von Malaria), Jack November, die Einstürzenden Neubeuten, die Goldenen Zitronen, Mediengruppe Telekommander, Robocop Kraus, Polarkreis 18 (sind die noch gut?), die Sterne, Fotos und noch ein paar anderes gespielt und Entertainment For The Braindead und Karo habe ich mir (genau wie Mohna) gleich zu einer Session ins Wohnzimmer bestellt.

Der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann aka Hauschka dürfte wegen seiner eigenwilligen Bearbeitung seines Pianos für eine Oliver Peel Session allerdings kaum in Frage kommen, obwohl ich ihn wahnsinnig gerne einladen würde.*

Glücklicherweise bot die Pariser Gaité Lyrique die perfekten Räumlichkeiten, um ein Klavierkonzert mit Hauschka zu veranstalten und so konnte sich der Rheinländer endlich in die Liste der in Paris aufgetretenen deutschen Künstler einreihen.

Gleich schon zu Beginn hatte der wahnsinnig nette und höfliche Turnschuhträger in akzentfreiem englisch* erklärt, daß er als Düsseldorfer ja eigentlich nur vier Stunden von Paris entfernt wohne und es insofern seltsam sei, daß er hier noch nie gespielt habe, führte dies aber auf die fehlenden Räumlichkeiten für seine Musik in Paris zurück. Mit der Gaité Lyrique gäbe es aber nun eine Location, die gleichzeitig klassische Konzerte ermögliche, aber nicht so groß wie beispielsweise der Salle Pleyel sei. Schön für ihn und natürlich auch für uns, die neugierigen Zuschauer, die wir auf senfgelben Kinosesseln gespannt auf den Anfang des Konzertes von Hauschka warteten.

Ein gemischtes Publikum im Übrigen, bestehend aus Herren mit Halbglatze (wir sagten in der Schule immer: der Typ hat ein Knie auf dem Kopf), jungen hübschen Französinnen, alternativen Damen mit Birkenstocksandalen, Japanern (die lieben Klavierkonzerte!) und auch deutschen Fans, die wohl von ihren alten Freunden in der Heimat darüber unterrichtet worden waren, daß da ein sehr talentierter Düsseldorfer in Paris spiele.



Der schlanke Mitdreißiger legte gegen 15 Uhr 30 los, es handelte sich um eine spezielle Nachmittagsveranstaltung. Ganz am Anfang klang das Ganze noch relativ konventionell, aber schon sehr bald belustigte und verblüffte Hauschka die Zuschauer mit seinen diversen Gimmicks. Verschlüsse, Kronkorken, Klebebänder, ja sogar Tischtennisbälle platzierte der kreative Musiker im Innenraum seines geöffneten Flügels, um so seinen Anschlag zu verändern und auch diverse Geräusche zu erzeugen. Etwas Vergleichbares hatte ich zuvor noch nicht gesehen und so staunte ich Bauklötze, was man alles mit diesen kleinen Gegenständen machen konnte und wie sehr der Sound des Klaviers dadurch verändert wurde. Dennoch ging der Wohklang keineswegs verloren, sondern der Klangteppich wurde durch die innovative Bearbeitung (Umfrisierung?) des Tasteninstruments vielmehr bereichert.

Erstaunlich, daß wir es bei Volker Bertelmann mit einem ehemaligen Hip Hoper (!) zu tun hatten, der mit seiner Band sogar einen Major Label Vertag bei Sony vorweisen konnte. Aber diese Welt (vor allem die Arbeit mit einem großen Mainstream Label) sagte ihm nicht recht zu, wie er schmunzelnd erklärte. Er suche inzwischen viel eher nach kurioser ungewöhnlicher und neuartiger Musik und die findet er oft im Café eines Düsseldorfers Freundes, der in der dortigen Kunsthalle den schön benannten "Salon des Amateurs" betreibt. Ein Salon, der offen ist für viele neue Projekte und Musikstile und sich nach holprigem Start (was laut Volker an dem schummrigen Licht lag) zu einem wunderbaren Tip für neugierige und aufgeschlossene Musikfans entwickelt hat. Deshalb hat Hauschka auch gleich sein letztes (das insgesamt siebte seit 2004) hochgelobtes Album nach diesem Ort benannt. Ein Album, das übrigens auf Fatcat Records, einem hervorragenden Label, veröffentlicht wurde, daß dereinst sogar Sigur Ros beheimatete und auch heute noch viele exquiste Bands unter Vertrag hat.

Hauschka machte dem Label alle Ehre, sein Auftritt in Paris war so betörend schön und unterhaltsam, daß das Publikum unbedingt noch eine Zugabe hören wollte, die der Pianist nicht verweigern konnte, weil er keine Kabine hatte, in die er sich hätte zurückziehen können. Stattdessen hörte er einen Moment dem Applaus zu und setzte sich auf eine rückwärtige rote Bank, die ihn glatt an eine Therapiesitzung bei einem Psychiater erinnerte.

Fazit: Solange sie so hervorragend sind wie Hauschka, sind deutsche Künstler in Paris hochwillkommen! Wie wäre es demnächst mal wieder mit Nils Frahm? Der ist ebenfalls Pianist, verfolgt aber einen anderen Ansatz als Hauschka.



Link:

Gewohnt informativ und fachkundig, das Klienicum zu einem Konzert von Hauschka beim Frameworks Festival 2011, klick!

* schlecht formuliert. Das Problem ist nicht die Bearbeitung des Pianos, sondern die Tatsache, daß er einen richtigen Flügel braucht. Und den haben wir nicht bei uns. Mit einem elektrischen Klavier kann er nicht spielen, zumindest nicht so, wie es seinem experimentellen Stil entspricht.

* französisch hatte er 7 Jahre lang in der Schule, aber seine Erinnerungen daran waren nicht mehr ganz so frisch.



 

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