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Samstag, 15. Februar 2014

Bill Callahan, Paris, 12.02.14

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Konzert: Bill Callahan
Ort: La Cigale
Datum: 12.02.14
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: gut 100 Minuten



Sehr unterschiedliche Meinungen zum Konzert von Bill Callahan hinterher. Die einen wollten ein durchgängig großartiges Konzert gesehen haben, andere bemängelten die ausufernde Länge der Stücke und das Fehlen von alten Klassikern (vor allem von Smog), die Qualität der Begleitband (einer redete gar von Dilettanten die auf unerträgliche Weise die begnadeten Jazmusiker raushängen ließen), wieder anderen lästerten, jedes Lied hätte eigentlich gleich geklungen und das Set sei monoton und repetitiv gewesen.

Und wer hat recht?

Hmm. So etwas gibt es in der Populärmusik nicht. Niemand hat das alleingültige Urteil. Natürlich wiegt die Meinung eines Oliver Peel zum Beispiel wesentlich schwerer als die eines dahergelaufenen Hipsters (hahaha!), aber ansonsten darf hier jeder nörgeln oder loben wie er will.


Außerdem: was heißt schon monoton? Bill Callahan war immer schon monton. Er ist der Meister der gepflegten Langeweile, jawohl. Ähnlich wie Lambchop. Deshalb ist er ja so genial. In der heutigen Welt werden ja die beknacktesten Bands und Acts dafür gelobt dynamisch und unterhaltsam zu sein. Dynamisch und energiegeladen, pahaha, das ist nicht lache! Ist das eine Qualität? Palma Violet sind das auch und trotzdem scheiße. Unterhaltsam? Wer braucht das? Geht doch besser zu Beyoncé oder Lady Gaga!

Nein, bei Bill geht es nicht um Hipness, Rumgehampel und Show, bei ihm zählen nur Stimme und Texte. Die musikalische Untermalung ist fast nebensächlich. Callahan ist in erster Linie Geschichtenerzähler und wer keine Lust hat zuzuhören, schlittert halt eben am Konzert vorbei. Ich hingegen war von Anfang an "voll drin". Schon als er The Sing, den genialen Opener des aktuellen Albums Dream River anstimmte und croonte: the only words I've said today are beer and thank you" glänzten meine Augen und stiegen Glücksgefühle in mir auf. Wie cool er da stand. Kerzengrade mit ernstem trockenem Blick. "Beer and thank you" wiederholte er. Seine
Hand flog über die Gitarrensaiten, die dreiköpfige Begleitband spielte ihren Part mit Feuereifer. Meine Welt war in Ordnung. Zwar hatte ich einen wirklich nervigen Pfeiler in meiner Blickrichtung zur Bühne, aber das war zu verschmerzen, die Sessel waren bequem. Die Veranstalter hatten entschlossen, die Cigale komplett zu bestuhlen. Eigentlich nicht so mein Fall, diese "gesetzten Konzerte", aber aufgrund meiner üblen Frühjahrsmüdigkeit (ich Optimist, es ist noch tiefster Winter!) fand ich es in diesem Falle gar nicht mal so schlecht. Ohnehin war ich froh, noch in letzter Sekunde eine Karte für dieses ausverkaufte Konzert bekommen zu haben. Bill Callahan ist in den letzten Jahren die Karriereleiter nach oben geklettert. Bei seinem Konzert im Européen 2008 waren wir vielleicht 400, hier sicherlich 1200, eine schöne Steigerung. Die Aktie Bill Callahan ist rentabel und ich würde sie auch jetzt nocht nicht abstoßen, ich denke da ist mittelfristig noch mehr drin. Kursziel: 2500 Leute.

Zu gut ist einfach das Songmaterial von Bill, zu stark und klug seine Texte, zu charismatisch dieser Musiker, obwohl er stets unterkühlt und sehr reserviert wirkt. Nur ins Ausnahmefällen sagt er mal ein zwei Sätze, ansonsten schweigt er und blickt sauertöpfisch drein. Eine Art James Dean der Folkmusikszene. Ein gut aussehender Mann mit seinen grauen Haaren und dem hübschen Gesicht und somit ganz anders als die ganzen anderen Folkbarden mit ihren langen Bärten und ihren hippiesken Klamotten. Callahan ist eben eine Klasse für sich, jemand mit vielen Alleinstellungsmerkmalen, der keinen besonderen Moden folgt, keinen Stil spielt, bei dem Schreiberlinge von Pitchfork eine feuchte Hose bekommen, keiner der um Aufmerksamkeit heischt. Jemand, der 10 glänzende, von Kritikern überschwänglich gelobte Alben unter dem Moniker Smog gemacht hat, ohne daß sich ein größeres Publikum dafür interessiert hätte. Wofür ein mittelmäßig talentierter Grünschnabel wie Jake Bugg ein Album brauchte, nämlich eine 1000 er Venue zu füllen, hat Callahan 14 Alben und ebenso viele Jahre gebraucht. Bei ihm ist der Erfolg gewachsen, man vermeide also das Wort Hype in seinem Zusammenhang.

Sicherlich, er wird heuzutage auch ein gewisses Eventpublikum anziehen, das sich immer blicken lässt, wenn irgend jemand angesagt ist. Die meisten Leute heute in der Cigale schienen aber dennoch Kenner zu sein. Man sah so einige Vertreter von hochrangigen Labeln, sei es Domino, City Slang oder EMI France, aber auch altgediente Bogger und Folkmusikfans. Das Fachpublikum war also in der Überzahl und honorierte die Brillanz von Callahan und seinen Mitmusikern.

Allerdings waren die Meinungen zu den Begleitmusikern wie oben geschildert gespalten. Der Gitarrist sei mies, oder auch: der Drummer taugte nichts, solche Kommentare hörte und las man hinterher. Ich persönlich konnte da keine handwerklichen Schwächen ausmachen, für mich klang das erlesen. Allerdings stimme ich zu, daß die Instrumentalparts teilweise zu lange ausgedehnt wurden und es zu viele freejazzige, improvisierte Passagen gab, vor allem gegen Ende. Da wurde es in der Tat etwas zäh (vor allem bei Please Send Me Someone To Love und dem scheinbar nie endend wollenden Seagull), fehlte die Zeit für Zugaben, in denen man gerne alte Perlen von Smog oder auch Stücke wie Eid Ma Clack Shaw oder den Diamond Dancer gehört hätte.

Dafür war allerdings der Beginn fulminant. Nach The Sing kamen hintereinander weg Javelin Unlanding und America und gleich danach Dress Sexy. Eine fulminante Phase. Javelin ist mit seiner famosen Gitarrenmelodie ohnein das markanteste Stück des aktuellen Albums und die Liverversion des zynisch bitteren America (von Apocalype) hatte mächtig Druck unterm Kessel und klang metallisch, noisy, und feeback geschwängert. "I watch David Letterman in Australia, oder what an army, what an air force... I never served my country, america america ... ain't enough to eat" diese Textzeilen sind bereist jetzt Kult. Der Gitarrensound hierzu war wirklich unfassbar. Überhaupt klang das ganze Set wesentlich lauter und rockiger als die ruhigen Alben (und es gab auch keine Flöten wie auf Dream River) und wäre der Drummer nicht fast durchgängig mit Schneebesen und Bongos zu Werke gegangen, wären manche Titel regelrecht explodiert.

Der Mittelteil mit Spring, Dover und einem furiosen Ride My Arrow waren ebenfalls spektakulär, bevor mit One Fine Moment erstmals ein sehr langatmiges (15 Minuten!), wenngleich schönes Stück kam. 



Mit der von Sometimes I Wish I Were An Eagle entlehnten Too Many Birds wurde es wieder erstsahnig. Eine herzzerschmetternde Ballade voller Poesie und Wehmut, die bei manchen Weinkrämpfe auslöste. "Too Many birds in one tree" if you could only stop your heart beat for one heartbeat" intonierte Bill mit seiner Baritonstimme und man schmolz dahin.


Tja und danach zerfaserte das Ganze etwas, wurden die Instrumentalpassgen zu lange ausgekostet, fast nicht endende wollende Soli angestimmt und beinahe freejazzig musiziert.


 

Interresanterweise wurde der sonst so statische Amerikaner gerade in dieser Endphase etwas beweglicher. Er wippte ab un an dazu leicht auf der Stelle, poste bei den langen Gitarrenparts ein wenig und kam auch näher an den Bühenrand. Seine Mimik wurde leicht expressiver und er redete sogar ein wenig. Daß es schön sei, an einem "rainy day in old Paris" zu spielen, in diesem herrlichen Theater La Cigale. Er habe sich immer gefragt was das heiße: Cigale? Das sei nicht mit Seagull (= Möwe) zu verwechseln, ja? Eine Cigale sei ein Insekt, das habe er inzwischen gelernt. Diese Geschichte schien in sehr zu belustigen, er integrierte sie in das letzte Lied Winter Road ein und sang: "La seagull eats La Cigale", oder auch "Steven Seagul eats La Cigale, La Cigale eats us all." Ein Beweis dafür, daß der Bursche durchaus Humor hat, selbst wenn er auch in dieser Phase nicht lächelte und sein Pokerface behielt.


Etwas nervig war allerdings die langatmige Vorstellung der  Begleitmusiker, die in bester (bzw. schlechtester ) Jazz/Blues-Musiker-Manier lange Soli dazu spielten.

Zeit die fehlte, denn es gab keine einzige Zugabe, obwohl die Zuschauer langanhaltenden Applaus spendierten. Über ein Stunde für lediglich 12 Lieder, abgesehen von Postrockkonzerten wo das üblich ist, eher eine ungewöhnliche Sache.

Mein fünftes Konzert von und mit Bill Callahan war unter dem Strich vielleicht nicht das Beste von ihm, aber trotzdem überdurchschnittlich gut. Bis zu Too Many Birds war es geradezu perfekt und hätte eine 10/10 verdient. So war es letztlich eine satte 8/10.


Auch sein Support, der Schotte Alaisdar Roberts, wusste zu gefallen zumindest mir. Die meisten anderen Leute lästerten über den schottischen Barden, seinen Akzent und seine mittelalterliche Weise zu singen. Nur mittelmäßig war in der Tat sein Maler. Maler? Ja richtig gelesen, Alasdair hatte einen Freund auf die Bühne eingeladen, der Zweige und Blätter auf eine Leinwand pinselte, ohne daß ich da besonderes Talent entdecken konnte. Wer brauchte das?

Setlist Bill Callahan

01: The Sing
02: Javelin Unlanding
03: America
04: Dress Sexy For My Funeral
05: Spring
06: Drover
07: Ride My Arow
08: One Fine Morning
09: Too Many Birds
10: Please send Me Someone To Love (Percy Mayfield)
11: Seagull
12: Winter Road

Konzerttermine Bill Callahan 

14.02.2014: Kulturkirche, Köln
15.02.2014: Heimathafen, Berlin
16.02.2014: Freiheiz, München


Sonntag, 27. November 2011

Bill Callahan, Paris, 26.11.11

3 Kommentare

Konzert: Bill Callahan
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 26.11.2011

Zuschauer: ausverkauft

Konzertdauer: mindestens 100 Minuten


Wow! Bei Bill Callahan wird das Wort sensationell noch einmal ganz neu definiert. Wenn ich neulich bezüglich einer Sängerin mit aufgespritzten Lippen diese Vokabel benutzt habe, dann muss für den ehemaligen Smog Sänger eine Steigerung um zwei Stufen her. Bill ist also nicht nur sensationell, sondern am sensationellsten!

Sein Konzert in der modernen und recht neuen Pariser Location La Gaité Lyrique (Bill ans Publikum: "do you like this new venue?- I do!") war wirklich ein Zungenschnalzer. Zusammen mit seinem etatmäßigen Drummer (der Kerl trommelt auch bei Joanna Newsom) und einem noisigen E-Gitarristen zelebrierte er höchst elegant seine zahlreichen starken Songs, verlieh ihnen mehr Dynamik und Intensität als auf den Alben und begeisterte einmal mehr mit seiner einmaligen Baritonstimme und seinem famosen Songwriting.* Wie immer äußerlich kühl und emotionslos (der Kerl lacht wirklich nie, zumindest nicht auf der Bühne), agierte er hochkonzentriert und inspiriert und kitzelte das Letzte aus seinen Liedern heraus, vor allem aus America!, das ein ganz besonderes Glanzlicht in einem Konzert voller Höhepunkte war.



Da staunten die zahlreich vertretenen Pariser Indiemusiker imPublikum (H-Burns, June et Jim, Pierre & Marie, Marie Marie Cells...) nicht schlecht. Bill hat ihnen mal gezeigt, wie wahnsinnig hoch er die internationale Messlatte legt. So hoch, daß auch ein Ass wie Warren Ellis (Nick Cave, Grinderman) verwundert in seinem langen Bart wuschelte und hinterher zufrieden nach draußen schlenderte.

À propos schlendern: mein Bett ruft. Auch ein Konzertblogger muss mal pennen.

Bonne nuit, wir lesen uns morgen wieder!

Und so verlief das Ganze genau:

Samstag der 26. November in Paris. Ein Tag voller Nostalgie. In ein paar Tagen werden wir nach 9 Jahren unsere heißgeliebte Wohnung verlassen müssen. Die Heimatstätte der insgesamt 41. Oliver Peel Sessions, sie gibt es dann nicht mehr. Ob wir in der neuen Wohnung diese intimen Konzerte veranstalten können, steht in den Sternen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes in den Sternen, denn da die Zimmer in der neuen Bleibe so klein sind, daß wir dort kaum Leute empfangen können, wäre die Terrasse (mit Blick auf die Sterne?!) der einzige (allerdings überaus geniale) Ort ist, wo man so etwas machen könnte. Stellt sich natürlich die Frage, ob da die Nachbarn mitspielen. Die alte Hausverwalterin meint, die Leute im Hause seien spießig und beschwerten sich gern mal über Lärmstörungen. Au weia! Wenn wir Pech haben, war's das dann mit den Oliver Peel Sessions...

Enstprechend wehmütig fühlte ich mich an diesem Samstag. Verunsichert und ziemlich deprimiert zeigte ich einem Freund mein neues Zuhause und glotzte mit ihm über die Dächer der Stadt. Auf unserer Terrasse im achten Stock hat man wirklich eine prima Aussicht! Mein Freund kümmerte sich aber nicht großartig darum und meinte nur schelmisch grinsend, ich solle diese Fläche Porno-Produzenten für ein bis zwei Tage zum Drehen zur Verfügung stellen. Die Typen würden 1.500 Euro pro Tag dafür zahlen (woher der so etwas weiß??). Ich winkte augenzwinkernd ab. Was wenn mein Kater Schamzonenathleten in voller Aktion sieht? Er wäre traumatisiert! No way!

Ob der Samstag wenigstens am Abend noch besser werden würde? Nachdem mich bereits Other Lives versetzt und ihren Showcase (16 Uhr) in der in unserer Nähe gelegenen Fnac kurzfristig abgesagt hatten? Ich musste mein Glück erzwingen. Aber wie? Zum Konzert von Bill Callahan tigern, wohlwissend, daß die Show eigentlich ausverkauft war und ich weder Ticket noch Akkreditierung hatte? Riskant. Ich wagte es trotzdem und ließ mich auch nicht davon beirren, daß ich wieder einmal viel zu spät losgegangen war. Verwirrt wie ich war, latschte ich Trottel dann nach dem Ausstieg aus der U-Bahn zuerst in die falsche Richtung und verlor zusätzlich wertvolle Zeit. Erst gegen 21 Uhr 45 stand ich dann schließlich vor der riesigen Eingangstür der prachtvollen Gaité Lyrique. Bullige Ordner versperrten mir den Weg, fragten mich wo ich hin wolle. "Na zum Konzert von Bill Callahan", antwortete ich knapp. Einer der Gorillas schlurfte daraufhin rein und richtete mir aus, er werde sich erkundigen, ob man dafür noch Karten kaufen könne. Man konnte und gegen Bezahlung von relativ fairen 22,50 Euro war ich nach Erklettern der zwei Treppenstockwerke drin! Die Leute standen dicht an dicht und von der Bühne erklang das Kleinod Too Many Birds. Ein wundervolles Lied vom Vorgängeralbum Sometimes I Wish We Were An Eagle, das ich heiß und innig liebe. Der Sound schien mir da hinten wo ich war aber nicht optimal zu sein. Meter um Meter kämpfte ich mich nach vorne, getreu dem Motto: "Lassen sie mich durch, ich bin Arzt (bzw. Blogger, genauer: Oliver Peel). Spätestens ab Lied fünf war ich schön weit vorne und konnte Bills emotionslosen Gesichtsausdruck gut beobachten. Er war wie immer kühl wie eine Hundeschnauze, lächelte nie, auch nicht, wenn nach den jeweiligen Liedern euphorischer Applaus aufbrandete. Sein Blick wirkte leer und müde, aber all seine Gefühle steckte er in seinen Gesang, so daß sein apathisches Äußeres nicht den Konzertgenuß trübte. Wahnsinn allein, wie elegant er seine Gitarre hielt und bearbeitete! Neben Troy von Balthazar, Paul Banks von Interpol und Stuart Stables von den Tindersticks ist der Amerikaner einer der elegantesten Musiker überhaupt. Alles bei ihm wirkt immer so federleicht, so mühelos, so souverän. Nie forciert er seine senationelle Baritonstimme, stets erscheint sein Fingerpicking virtuos und lässig. Eine Wonne ihm zuzuschauen! Aber auch seine beiden Mitmusiker verdienten sich Bestnoten. Drummer Neal Morgan (auch bei Joanna Newsom aktiv) variierte perfekt zwischen getragenem und wuchtigerem Spiel, beschleunigte wenn es sein musste, nahm dann aber im richtigen Moment auch immer Tempo und Intensität wieder raus. E-Gitarrist Matt Kinsey sorgte für die noisigen Momente. Er verzerrte reglmäßig die Töne, gab ihnen einen schwebend-dröhnende Note und schuf so einen spannenden Kontrast zur hell perlenden Akustikgitarre von Callahan.

Besonders schön, daß die ohnehin schon ausgezeichneten Albumversionen dadurch noch deutlich verbessert wurden. Alles klang druckvoller, intensiver, emotionsgeladener und einzelne Giarrensoli wurden noch deutlicher herausgearbeitet. Allein die mindestens 10 Minuten lange Version von America! war das Kommen wert. "What an army, what an air force, what a marine!" intonierte Callahan diesen ungemein ryhthmischen Song auf zynische Weise und als er trocken hinterherschickte: "I never served my country" johlten ein paar Amerikaner im Publikum laut auf. Auch hier verblüffend wie elegant und fast beiläufig er seine Gesellschaftskritik formulierte und am Ende textlich fast mit Frohmut verkündete: "ain't enough teat, ain't enough teat, ain't enough to eat."

Andere Höhepunkte in dem durchgängig hochkarätigen Set war das früh gebrachte The Wind & The Dove ("And I am a child of linger on", ach wundervoll!) und Eid Ma Clack Shaw, der eingängigste Track vom Vorgängeralbum. Herrlich trippelnd und leichfüßig der Anfang, catchy der Refrain: "show me the way, show me the way, to shake a memory", jubilierend und melodiös die Gitarren, zackig das Schlagzeug.

Absolut herzerwärmend dann auch das zu Beginn lagsam fließende Say Valley Maker (Smog), das Callahan von seiner nachdenklichen Seite zeigte: "oh I never realized, death is what it meant to make it on my own."

Zu diese Endphase des extensiven Konzertes war ich schon weit nach vorne durchgedrungen und fühlte die Magie immer stärker. Zwar war der moderne Rahmen der Gaité Lyrique nicht unbedingt passend für ein Folkkonzert, aber die im vorderen Teil exzellente Akustik kompensierte dieses Manko aufs Beste. Leider waren wir aber schon sehr weit vorangeschritten und nach dem Traditional In The Pines verließen Bill und seine beiden Mitstreiter erstmals die Bühne. Nach einer kurzen Pause ging es aber noch einmal weiter und nun kamen mit Blood Red Bird und River Guard auch die Smog Fans auf ihre Kosten.Von denen schien es ein paar zu geben (das laute Johlen wies sie als solche aus. Oder war das nur Bluff und Aufschneiderei?), obwohl mir hinterher auch ein paar Leutchen erzählten, sie hätten Bill Callahan zum ersten Mal in ihrem Leben live gesehen. Ich selbst konnte hingegen mit dem nun vierten Konzertbesuch prahlen und zufrieden verkünden, daß jedes dieser Konzerte wundervoll, aber immer anders instrumentiert und interpretiert wurde, so daß man sich auch in 10 Jahren noch nicht daran satt gehört und gesehen haben wird. Falls denn der gute Bill dann noch auf der Bühne steht. Aber was sollte ihn daran hindern? Außer einer immer mit einzukalkulierenden Depression und Schreibblockade sehe ich nichts, was den weiteren Aufstieg des großartigen Künstlers verhindern könnte. Zusammen mit Bonnie "Prince" Billy bildet er ein exquistes Nachfolgeduo für die in die Jahre gekommenen Bob Dylan und Neil Young.

Der 26. November hatte also doch noch ein gutes Ende für mich vorbehalten. Und jetzt heißt es Kisten packen!

Setlist Bill Callahan, La Gaité Lyrique, Paris

01: Riding For The Feeling
02: Baby's Breath
03: Too Many Birds
04: The Wind And The Dove
05: Universal Applicant
06: Honeymoon Child
07: America!
08: Our Anniversary
09: Drover
10: One Fine Morning
11: Eid Ma Clack Shaw
12: Say Valley Maker (Smog)
13: Let Me See The Colts (Smog)
14: In The Pines (Smog)

15: Blood Red Bird (Smog)
16: If You Can Touch Her At All (Lee Clayton)
17:
River Guard (Smog)

Aus unserem Archiv:

Bill Callahan, Paris, 12.02.10
Bill Callahan, Paris, 28.08.09
Bill Callahan, Paris, 16.05.08


* writing ist das Stichwort: das Buch von Bill Callahan, Letters To Emma Bowlcut, gab es am Merch käuflich zu erwerben.



Samstag, 13. Februar 2010

Bill Callahan, Paris, 12.02.10

3 Kommentare

Konzert: Bill Callahan

Ort: Le Café de la danse, Paris
Datum: 12.02.2010
Zuschauer: restlos ausverkauft
Konzertdauer: etwa 70 Minuten



Glück gehört manchmal auch dazu! Und das hatte ich wahrlich, an diesem 12. Februar! Saumäßiges Schwein würde es vermutlich noch besser treffen, aber man sollte ja die tierischen Vergleiche nicht überstrapazieren (stimmt's d'Artagnan?).

Mit leeren Händen hatte ich mich auf den Weg Richtung Café de la danse gemacht und ging 90 Minuten später reich beschenkt wieder nach Hause. Ich hatte kein Ticket für das Konzert von Bill Callahan und mich schändlicherweise auch nicht rechtzeitig um eine Akkreditierung bemüht. Der Termin lag für mich ungünstig, genau einen Tag vor meiner geplanten (und auch durchgeführten) Oliver Peel Session mit Rivkah. Dann kam mir in den letzten Wochen auch noch eine hartnäckige Grippe in die Quere und ich hatte den Auftritt von Bill schon abgeschrieben. Er würde ohne mich stattfinden. Leider! Dann aber erwachte am Freitag abend der Kampfgeist in mir. "Geh doch einfach hin und versuch Dein Glück", sagte ich zu mir selbst. Was ich mir erhoffte, wußte ich selbst nicht so genau. Glaubte ich etwa, jemand würde mir einfach so eine überschüssige Karte zustecken? - Nein, das nicht, ich dachte vielmehr daran, daß ich die Herrschaften an der Kasse davon überzeugen könnte, daß ich Blogger sei, Bill Callahan verehre und deshalb verdiene, reingelassen zu werden. Wenn ich versicherte, darüber zu schreiben (am besten auch in französisch) und gute Fotos zu schießen, würde es schon gehen. Oder nicht?

Aber diese Gelegenheit ergab sich nicht. Der bullige Türsteher im Café de la danse machte kurz auf, als ich klopfte, stellte sich mir in den Weg und fragte, was ich wolle. "Na zum Konzert!" (was sonst?), entgegnete ich auf selbstsicher machend. "Ist ausverkauft und hat schon angefangen", knurrte er und schlug mir die Tür vor der Nase zu. Abgewiesen wie ein stinkender Fischer stand ich also nun da in der Kälte. Da kam plötzlich eine Gruppe von 5 Italienern angeschlurft, die um Einlass begehrten. Der Gorilla öffnete die Tür einen Spalt weit und meinte nur knapp: "keine Chance!" Die Südeuropäer zogen laut motzend ab. Ich sah nun kaum noch eine Möglichkeit reinzukommen, stellte mich aber kurz auf die andere Straßenseite und ließ über meine Kopfhörer Musik laufen, um mich abzureagieren. Da kam plötzlich ein junger Mann mit seiner weiblichen Begleitung auf mich zu. Die beiden hatten auch in der Nähe der Türe rumgelungert, aber ich dachte, sie stünden da nur einfach so rum. Er wedelte mit einem Ticket und sagte etwas, was ich nicht verstand. Ob er mir sein Ticket verkaufen wollte? Nun stand er neben mir und erklärte, daß sie lediglich eine einzige Karte hätten, aber nur gemeinsam das Konzert besuchen wollten. Ich könne das Billet haben. Hektisch öffnete ich mein Portemonnaie um den Preis zu bezahlen, aber der Bursche winkte lächelnd ab. "Ist umsonst", sagte er auf englich. Er habe das Scheinchen auch gratis zugesteckt bekommen, da wolle er jetzt kein Geschäft mit machen. Ich hätte ihn um den Hals fallen können, wollte aber sofort rein ins Café de la danse, denn das Konzert hatte schließlich schon begonnen. Ich tauschte mit meinem Glücksboten noch E-mail Adressen aus und erfuhr, daß er Schweizer war. Saunett, unsere Eidgenossen! Ich bot ihm an, eine meiner Oliver Peel Sessions zu besuchen und stürmte an dem verdutzten Türsteher vorbei ("nanu?, wo hat der denn jetzt eine Karte her?", schien er zu denken) hinein. Die Leute standen dicht gedrängt und glotzten gebannt auf die Bühne, wo Bill Callahan mit weißem Hemd, schwarzem Schlips und schokoladenbrauner Gibsongitarre seine melancholischen Folksongs feilbot. Aus meiner Position, war mir die Sicht auf seinen Drummer versperrt, aber das Wichtigste war ja ohnehin die aufschlußreiche Mimik von Callahan zu beobachten. Einen Moment lang war ich betrübt, weil ich keine Streicher (Violine, Violincello) erspähen konnte, die Bill im letzten Jahr beim Festival Rock en Seine dabei hatte. Aber ziemlich schnell gewöhnte ich mich an den kargeren, reduzierteren Sound, der die sonore Grabesstimme von Callahan noch mehr in den Vordergrund rückte. Und was für eine Stimme das ist! Die schönste männliche der Welt? Hmm, vielleicht schon, aber so etwas ist schwer meßbar. Er klingt wie ein Märchenerzähler, oder ein alter weiser Onkel, der Ratschläge erteilt. Als ich zum ersten Mal Smog gehört habe, dachte ich der Typ sei um die 60 und bärtig. Erst seit dem Pariser Konzert vom Mai 2008 weiß ich, daß er immer glattrasiert, an Eleganz kaum zu überbieten und unfassbar charismatisch ist. Dabei ist er kalt wie eine Hundeschnauze, distanziert und unnahbar. Aber gerade das macht seine Aura aus. Man fragt sich ständig, was er so denkt. Zwischen den Liedern erfährt man da kaum etwas, denn Callahan geizt mit Ankedoten. Alles was er zu erzählen hat, drückt er in seinen Liedtexten aus, weitere Erläuterungen gibt es nicht. Humorlosigkeit kann man ihm dennoch nicht unterstellen, obwohl sein Humor natürlich der schwarzen Art ist. In einer witzigen Szene stellte er murmelnd die Frage in den Raum, warum denn Charlotte Gainsbourg mit Beck und nicht mit ihm, Bill Callahan, ein Album aufgenommen habe? Eine Antwort erwartete er aber wohl nicht, denn er machte flugs weiter im Programm. Vielleicht leidet er ein wenig darunter, daß seine Erfolge in Frankreich (und weltweit) nicht wirklich seinem immensen Können enstprechen. Die 10 (!) Smog Alben haben sich alle mehr oder weniger mäßig verkauft und erst mit seinem zweiten Soloalbum Sometimes I Wish We Were An Eagle (2009) erfährt er nun endlich eine breitere Aufmerksamkeit. Insider liebten und verehrten Smog von Beginn an, aber erst jetzt liest man in der Presse immer mehr von Callahan. Nicht von ungefähr hat er deshalb das Café de la danse mühelos ausverkauft (Kapazität 450 Plätze) und man hat das Gefühl, daß es jetzt für ihn noch viel höher hinaus gehen kann. Das Bespielen einer Halle oder eines Theaters mit 1000 Gästen scheint nicht mehr umöglich und das wäre auch nur mehr als verdient Die ungemein starke Mittelphase des heutigen Konzertes machte das sehr deutlich. Hintereinander weg wurden mit Eid Ma Clack Shaw, Diamond Dancer und Too Many Birds gleich drei famose Stücke zelebriert.

"Working through death pain", als er diese ersten Zeilen vom Eid Ma Clack Shaw erklingen ließ, johlten einige Besucher vor Vorfreude. Ungemein elegant über die Fläche tänzelnd, ging Bill mit seiner Gitarre eine veritable Symbiose ein. Als würde er mit seiner Klampfe einen Slow tanzen, so sah das Ganze aus. Der Drummer gab hierzu den Takt an. "Show me the way, shome me the way, show me the way, to shake a memory, der stakkatische Refrain hatte fast hypnotische Wirkung. Ein Killersong, dem Bill gleich den nächsten folgen ließ. Diamond Dancer vom Vorgängeralbum kam unfassbar sexy, eingängig und die Sinne benebelnd rüber. Manchmal hätte ich mir hier zwar etwas Streicherbegleitung gewünscht, aber so war das Ganze roher, unmittelbarer, direkter. Ein Hammer! Dann wurde es herzergreifend. Nach den ersten Klängen, dachte ich Sycamore erkannt zu haben, merkte aber schnell, daß hier das recht ähnlich klingende Too Many Birds angestimmt wurde. Die Ballade traf wie ein Pfeil in mein Herz. Schlagartig stieg meine Körpertemperatur an und ich bekam feuchte Hände. "The sky is full of black and screamin leaves", raunte Bill, mein Himmel hing aber voller Geigen! Ich beobachtete den Künstler, der immer mal wieder seine stechend blauen Augen öffnete und traurige Blicke ins Rund oder zu seinem Drummer warf. "If you could only..." sang er wimmernd und grimassierte. Ich mußte wegsehen, das war zu heftig! Die Mimik von Callahan kann brutal und schonungslos sein, manchmal wirkt er wie ein kleiner Junge, der an etwas sehr Tristes denkt und gleich zu Weinen anfängt.

Noch berührender war aber, als Bill etwas 20 Minuten später den Rock Bottom Riser, ein Lied von Smog sang. "I love my mother, I love my father, I love my sisters too. I bought this guitar to pledge my love to you." Fast erschütternd zu nennen, wie der Ami diese Passage "My sisters too" sang. Er verzog die Mundwinkel, als hätte er in etwas Saures gebissen, als denke er an etwas sehr sehr Schmerzhaftes. Wieder musste ich meine Blicke abwenden. Währenddessen sang Bill "I started rising, rising, rising. Il left my mother, il left my father, I left my sisters, too. I left them standing. on the banks and they pulled me out of this mighty, mighty river" Es war so trist, aber anderseits auch wieder so wunderschön...

Der Ami verließ die Bühne, kam aber noch einmal für drei Zugaben zurück. An die Emotionalität von Too Many Birds und Rock Bottom Riser kam aber nichts mehr heran. Als die letzte Note verklungen war, rief er nur kurz "Thank you" ins Publikum und verschwand ohne Verneigung oder dergleichen. Eigentlich ist es bei Callahan also Understatement und keine kühle Arroganz. Der Man ist einer der Allergrößten, will sich aber nicht feiern lassen. In 20 Jahren wird man Callahan in den Musik-Gesichtsbüchern neben Leonard Cohen stellen und dann werden sicherlich auch die ersten Alben von Smog noch einmal ausgegraben und neu entdeckt werden...

Setlist Bill Callahan, Café de la danse, Paris:

01: Jim Caine
02: Rococo Zephyr
03: All Thoughts Are Prey To Some Beast
04: Bathysphere
05: Honeymoon Child
06: Eid Ma Clack Shaw
07: Diamond Dancer
08: Too Many Birds
09: The Wind & The Dove
10: Say Valley Maker
11: Rock Bottom Riser (Smog)

12: The Well (Smog)
13: In The Pines (Smog)
?

- super Fotos bei Robert Gil


Aus unserem Archiv:

Bill Callahan, Paris, 28.08.2009
Bill Callahan, Paris, 16.05.08


- Live Videos Bill Callahan:

Rock Bottom Riser
Too Many Birds



Samstag, 29. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 28.08.09

10 Kommentare

Konzert: Festival Rock en Seine, 1. Festivaltag

Ort: Domaine national de Saint-Cloud bei Paris
Datum: 28.08.2009
Zuschauer: ausverkauftes Festival


Inzwischen eine schöne Tradition: Ende August treffe ich nach den Sommerferien meine Pariser Freunde wieder und gemeinsam genießt man drei Tage lang etliche Konzerte vor den Toren der Metropole. Auch der Wettergott hat in den letzten Jahren immer mitgespielt, problematischer war eigentlich eher die Zuverlässigkeit der gebuchten Headliner. Aber dazu später mehr...

Beginnen wir einfach mit den Konzerten, die auf dem brechend vollen Gelände der herbstlich wirkenden Domaine de Saint-Cloud stattfanden.

Keane:

Mein persönlicher Festivaltag begann gegen 16 Uhr 30 mit den Engländern Keane. Die sind eigentlich auch in Frankreich so groß, daß sie das riesige Zénith (ca. 7000 Plätze) füllen können. Hier und heute mußten sie sich aber mit der unbeliebten Nachmittagszeit begnügen und bekamen auch nur eine Spielzeit von circa. 45 Minuten zugestanden. Den Anfang hatte ich verpasst, aber mit Is It Any Wonder? bekam ich prompt einen alten Hit vom zweiten Album Under The Iron Sea serviert. Ein Album, daß ich zugegebenermaßen gar nicht besitze, denn ich war schon nach dem Debüt Hopes And Fears von Bord gegangen. Und dies obwohl ich den Erstling eigentlich sehr schätzte. Dazu stehe ich, wohlwissend, daß Keane als seicht, schmalzig und beliebig gelten und ihr Sound gerne als Fahrstuhlmusik bezeichnet wird. Aber ich mochte nun einmal melancholische Stücke wie Somewhere Only We Know oder Everybody's Changing und habe die damals auch gerne unter der Dusche gepfiffen, hatte damit allerdings auch mein Bedürfnis nach Zuckerguß erst einmal gestillt. Natürlich kam auch heute Somewhere Only We Know und zumindest ansatzweise habe ich auch wieder ein gewisses Kribblem im Bauch gefühlt, als es erklang. Mit Crystal Ball, dem (wohl) besten Lied von CD Nummer 2 und Bedshapped, dem persönlichen Lieblingslied des milchbubigen Sängers Tom Chaplin wurde dann abgeschlossen und viele Zuschauer, die Keane noch nie live gesehen hatten, wunderten sich wie dynamisch, agil und wild Tom, aber auch die anderen beiden, Drummer Richard Hughes und Pianist Time Rice-Oxley zu Werke gingen. Für mich war das nicht neu, hatte ich Keane doch bereits einmal vor ein paar Jahren im Olympia erlebt.

Ein guter Auftritt einer sympathischen Band.

Setlist Keane, Festival Rock en Seine, Paris 2009:

01: The Lovers Are Losing
02: Everybody's Changing
03: Nothing In My Way
04: Perfect Symetry
05: Is It Any Wonder?
06: Spiralling
07: Somewhere Only We Know
08: Crytal Ball
09: Bedshaped

Yeah Yeah Yeahs:

Allein schon dieses unglaublich lange Mikro. Wie ein Phallussymbol und dann reckt Sängerin Karen O das Ding auch noch die ganze Zeit wie eine Monstranz gen Himmel! Blasphemie? Oder einfach nur typische Provaktionen aus dem Lexikon für Rockstars? Am Anfang bleibe ich jedenfalls sehr skeptisch, wozu auch Christophs gemischt ausgefallene Konzerteinschätzung von vor ein paar Monaten beigetragen hatte. Das früh gespielte Phenomena plätschert vor sich hin und ich bereite mich innerlich schon auf ein mittelmäßiges Konzert vor. Aber dann, mit dem dritten Lied Heads Will Roll platzt der Knoten. Karen, die in ein goldenes Paillettengewand gehüllt ist, schafft es, die Leute in Bewegung zu bringen. Das ganze Festivalgelände tanzt und die Sonne lacht ebenso wie die wilde Frontlady, die Sprungfedern an den Füßen zu haben scheint. Von nun gibt es kein Halten mehr. Klar ist da viel Gepose und Getue dabei - oft fühle ich mich an ein weibliches Pendant von Iggy Pop erinnert- aber das Weib hat einfach Feuer unter dem Arsch! Der Beweis folgt mit dem garagenrockigen Pin auf dem Fuße und selbst die neuen Sachen von It's Blitz, von denen ich vermutet hatte, daß sie mir zu discolastig und synthetisch sein würden, finden im raueren Livegewand mein Gefallen, Dull Life sei hier nur als Beispiel genannt. Die absoluten Kracher wie Maps, Honeybear oder das abschließende Date With The Night sind aber alle etwas älter und punkiger und treffen voll ins Schwarze. Karen O hat vorbildlich ihre Show abgezogen (mehrere Kostümwechsel inklusive), die beiden Männer Nick Zinner (Gitarre) und Brian Chase haben auch nicht weiter gestört und so steht am Ende die Erkenntnis: Die New Yorker bringen's live! Und wie Karen immer das Wasser aus ihrem Munde sprudeln lässt! Wie ein Vulkan. Oder so...

Setlist Yeah Yeah Yeahs, Rock en Seine 2009:
01: ?
02: Phenomena
03: Heads Will Roll
04: Pin
05: Dull Life
06: Gold Lion
07: Miles Away
08: Soft Shock
09: Maps
10: Honeybear
11: Zero
12: Cheated Hearts
13: Date With The Night

Passion Pit:

Der neue Hype bei den amerikanischen Bloggern. Zu dumm nur, daß ich (fast) keine Blogs lese (Ausnahmen: das klienicum, plattenvorgericht und ein paar wenige andere), vor allem keine englischsprachigen! Aber ich habe die studentisch wirkenden Typen ja im Juli schon beim Melt! erlebt und mir mein eigenes Bild machen können. Ihr elektronischer Pop ist mir eigentlich eine Spur zu süßlich und happy, aber man muß den Jungspunden auf jeden Fall zugestehen, daß sie ideenreich und frisch rüberkommen und das Publikum mit Songs wie The Reeling oder Sleepyhead ordentlich zum Tanzen bringen. Sie bieten letztlich den perfekten Soundtrack für den (zu Ende gehenden) Sommer und die Kopfstimme von Sänger Michael Angelakos ist wirklich außergewöhnlich. Wer findet noch, daß er klingt wie der junge Michael Jackson bei den Jackson Five?

Madness:

Nostalgie mag ich nicht sonderlich. Deshalb halte ich auch nicht allzuviel von Reunions oder Comebacks alter Recken längst vergangener Zeiten. Konzerte von Madness im Jahre 2009? Interessieren mich nicht! So dachte ich zumindest bis heute. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. Die alten Säcke waren nämlich schlicht und einfach grandios! Und zwar von Anfang bis Ende! Wie Perlen auf einer Kette reihten die Ska-Götter ihre unzähligen Hits aneinander und wirbelten das Pariser Publikum mächtig durcheinander. Ob Opener One Step Beyond, das unfassbare Baggy Trousers oder das wundervolle My Girl, alles was gespielt wurde , klang einfach großartig und keine Spur antiquiert oder verstaubt. Im Gegenteil, zahlreiche aktuelle britische Künstler haben sich vieles von Madness abgeguckt, Dirty Pretty Things, Babyshambles, Kaiser Chiefs oder auch Amy Winehouse seien hier nur beisspielhaft erwähnt. So geriet das fulminante Konzert schließlich zu einer riesigen Freiluft-Tanzveranstaltung und selbst alte Fans im Publikum bewegten ihre fetten Bäuche im infektiösen Takt. Mit Night Boat To Cairo ließen sie am Ende ein verzücktes Publikum zurück, dessen Ohren vom lauten Saxofon kräftig durchgepustet wurde. Und eine Zirkusnummer hatte es obendrein gegeben: Ein Musiker spielte in 10 Meter Höhe, an Seilen festgemacht, Saxofon. Cool! Und das Lustigste: Madness spielten ein paar Stunden später noch einmal das gleiche Konzert auf der Hauptbühne. Warum? Siehe Oasis!

Setlist Madness, Rock en Seine 2009:

01: One Step Beyond
02: Embarassment
03: The Prince
04: Nw 5
05: My Girl
06: The Liberty Of Norton Folgate
07: The Sun And The Rain
08: Out Of Space
09: Dust Devil
11: Forever Young
12: House Of Fun
13: Baggy Trousers
14: Our House
15: It Must Be Love
16: Madness
17: Night Boat To Kairo

Vampire Weekend:

Von der amerikanischen Sensation des Musikjahres 2008 bekam ich nur 3 Lieder mit, da ich zu Bill Callhan wollte, der auf einer kleineren Bühne spielte. A Punk, M 79 und One (Blake's Got A New Face) klangen aber noch genaus frisch wie eh und je...

Bill Callahan:

Leider hatte ich die ersten beiden Titel des ehemaligen Smog Sängers verpasst, aber mit dem grandiosen Diamond Dancer erwischte ich einen fantastischen Start. Bill hatte eine ausgewachsene Band mit Cellist, Violinistin, Bassist und Schlagzeuger dabei und wärmte in der Folge das Herz mit Eid Ma Clack Shaw, Too Many Birds, The Wind And The Dove ( zusammen mit der reizenden Sophia Knapp). Der Abschluß mit Cold Blooded Old Times war regelrecht noisig und verschlug mir glatt die Sprache! Ein formidabler Schocker, der bewies, daß Bill auch auf einer großeren Bühne bestehen könnte. Verdient hätte er es, seine Bariton- Stimme ist außerdordentlich toll und seine Kompositionen voller Klasse und dunkler Eleganz. Für mich einer der ganz Großen!

Bloc Party:

Die Engländer um Kele Okereke sind für Festivalveranstalter eine verlässliche Sache. Fast jeder mag sie, die meisten Songs rocken sehr ordentlich und die allermeisten Zuschauer kennen zumindest Helicopter oder Banquet. Beim Melt! Festival war ich berechtigterweise sehr von ihnen angetan, heute aber spielten sie quasi das gleiche Konzert noch einmal. Wenige Überraschungen also und selbst das neue Lied One More Chance (eher Mittelmaß), war mir schon in der Liveversion bekannt. Meine persönlichen Favoriten waren eher altbewährt: This Modern Love mit seiner hübschen Gitarenmelodie, Like Eating Glass mit Keles durch Mark und Bein gehendem Gesang und das technolastige Flux, das noch am wenigsten abgenudelt ist.

Grundsolide und, ich sagte es breits, zuverlässig

Setlist Bloc Party, Festival Rock en Seine, Paris 2009:
01: One Month Off
02: Hunting For Witches
03: Positive Tension
04: Talons
05: Signs
06: Song For Clay (Disappear Here)
07: Banquet
08: Two More Years
09: One More Chance
10: Mercury
11: This Modern Love
12: The Prayer
13: Like Eating Glass
14: Flux
15: Helicopter

Oasis:

Mit zuverlässig sind wir beim Thema. Eigentlich sind das ja Oasis normalerweise und die Veranstalter waren sich sicher, nicht wie bei Amy Winehouse im letzten Jahr, eine kurzfristige Absage eines Headliners hinnehmen zu müssen. Sie hatten aber nicht mit dem Jähzorn der Gebrüder Gallagher gerechnet, die sich wohl hinter der Bühne geprügelt hatten. Bei dieser Aktion zerstörte Liam angeblich auch eine von Noels Gitarren (siehe Kommentar von Christoph). "Die Band Oasis besteht nicht mehr, alle künftigen Termine sind gecancelt" wurde gar verlautbart*, aber vielleicht sollte man da noch ein wenig warten, bis sich die erhitzten Gemüter etwas beruhigt haben. Riesenpech für die Organisatoren und die zahlreichen nur für Oasis erschienenen Fans! Diese und alle anderen Festivalbesucher bekamen übrigens Madness als Ersatz geboten. Die alten Herren hatten sich spontan bereit erklärt einzuspringen...

Fotos folgen!

* verkündet wurde diese Nachricht übrigens während des Konzertes von Bloc Party, das zwischen 21 und 22 Uhr stattgefunden hatte. Oasis waren um 22 Uhr angesetzt. Kele Okereke stimmte mit seiner Band das Gitarrenriff von Supersonic an, rief seinen Tourmanager auf die Bühne, und ließ von diesem ausrichten: "Oasis will not play tonight." Mister Okereke schien das nicht sonderlich zu betrüben. Er grinste über das ganze Gesicht und meinte lapidar: "Now we are headlining", so we can play more songs." Aus diesem Grunde waren auch etliche Festivalbesucher skeptisch, sie hielten die Ansage für einen Joke und wanderten rüber zur Hauptbühne um festzustellen: Die Sache stimmt! Oasis haben tatsächlich gecancelt! Ein Verantwortlicher des Festivals war hierzu auf die Bühne gekommen und hatte folgendes ins Mikro gesagt: Oasis n'existent plus! Oasis gibt es nicht mehr...



Samstag, 17. Mai 2008

Bill Callahan (Smog), Paris, 16.05.08

3 Kommentare

Konzert: Bill Callahan (Smog)

Ort: L'Européen, Paris
Datum: 16.05.08
Zuschauer: circa 300Konzertdauer: gut 100 Minuten



"Kommst Du am Freitag auch zu Bill Callahan"?

June, der weibliche Part des französischen Folk-Duos June et Jim, die ich kürzlich im Vorprogramm von Alina Simone kennengelernt hatte, schien sich sicher zu sein, dass ich mit ja antworten würde, als sie mich das am vergangenen Mittwoch fragte.

Bill Callahan spielt in Paris? Das hatte ich ja gar nicht mitbekommen! Obwohl, wenn ich mir das so recht überlegte, hatte ich eine dunkle Erinnerung daran, von diesem Termin irgendwann einmal gelesen zu haben. Konzerte im Européen sind nicht gerade gut vermarktet, man liest selten in den einschlägigen Zeitschriften davon und so kann es passieren, dass man den Auftritt eines Musikers verpennt, den man immer schon mal sehen wollte.

Aber es war ja noch nicht zu spät, oder doch? Gab es noch Karten? Ich ging der Sache per Internet auf den Grund und für 20 Euro kam man in den Genuss der begehrten Tickets.

Aber was heisst schon begehrt, wie die warmen Semmeln schienen die Billets nicht gerade wegzugehen?! In dem kleinen Saal des Européen waren von den rund 350 Sitzplätzen noch schätzungsweise 50 unbelegt, obwohl da ein Musiker mitsamt Band spielen würde, der unter dem Namen Smog bzw. (Smog) bereits stattliche 11 Alben veröffentlicht hatte, die mitunter ganz vorzügliche Kritiken bekamen. Seit 2007 und dem Opus "Whoke On A Whaleheart" geht er aber unter seinem richtigen Namen Bill Callahan an den Start und ich ging davon aus, dass der Grossteil des Sets von Liedern des aktuellen Outputs bestritten würde. Weit gefehlt...

Vor dem Hörgenuss stand aber erst noch die beschwerliche Anreise mittels grässlich überfüllter U-Bahnen und dem Durchschlendern des Nutten-und Sexshopviertels Pigalle. Eine liderliche Gegend, in dem sich eine Pornokabine an die andere reiht und der Duft von Desinfektionsmitteln durch die halbgeöffneten Ladentüren weht. Touristen kommen trotzdem in Scharen hierher, weil hier auch das weltberühmte Moulin Rouge steht (gleich neben dem Konzertsaal la Loco) und Lieschen Müller ihren Kegelfreundinnen in Bottrop erzählen will, dass sie auf ihrem Paris-Trip auch die Muläng Rousch gesehen habe...

Am Européén angekommen, strahlt mir schon die Leuchtreklame vor der Tür entgegen: Bill Callahan. Man konnte es schwarz auf weiss lesen.

Aber wer würde das Vorprogramm bestreiten? Ich hatte keine Ahnung, hörte aber schon folkige Klänge (insofern keine Überraschnung) als ich die dunklen Treppenstufen Richtung Konzertsaal emporstieg. Ich öffnete vorsichtig und möglichst diskret die Tür und pflanzte mich auf das nächste freie Plätzchen.
Das intellektuelle Publikum - der bei Folk-Konzerten übliche Mix aus Ökos und Künstlertypen - schaute mucksmäuschenstill Richtung Bühne, auf der ich einen hageren Mann mittleren Alters erblickte, der nur mit seiner Klampfe bewaffnet, traditionelle Lieder vortrug. Wer war das? Optisch sagte er mir nichts...

Aber ein paar seiner Lieder schienen mir bekannt zu sein und sein gerolltes "r" verriet seine schottische Herkunft. "This is a traditional scottish song" kündigte er dann auch folgerichtig eines seiner Stücke an. Es war etwas zäh und ich langweilte mich zugegebenermassen etwas, obwohl der Mann eine schöne Stimme hatte. Erst später sollte ich aus dem Munde von Bill Callahan erfahren, dass ich da Alasdair Roberts gesehen hatte. Einen Küstler, der mit "The Amber Gatherers" 2007 ein Album vorgelegt hatte, dass glänzende Kritiken eingefahren hatte.

In der Pause nach dem Auftritt des Schotten plauderte ich etwas mit meinen neuen Freunden von June et Jim, die natürlich auch mit von der Partei waren. Ein reizendes Pärchen...

Und dann kam er. Bill Callahan, ein Mann, den ich mir bärtig und unprätentiös vorgestellt hatte, von dem ich allerdings wusste, dass er schon Folk-Prinzessinen wie Cat Power und Joanna Newsom flachgelegt hatte. Ich hätte mir insofern eigentlich denken können, dass er keine fette Bierwampe hat und auch keine Socken in den Sandalen trägt. Dass er aber dermassen dandyhaft und gutaussehend ist, hätte ich nie vermutet. Mit seinem weissen, leger aufgeknöpftem Hemd und dem dunklen, gutsitzenden Jacket sah er einfach umwerfend aus. Dazu noch die schicke enge Jeans und die feinen italienischen Schühchen und fertig war der John F. Kennedy der Folk-Musik. Ein Typ, der mich mit seinen graumelierten Haaren und den feinen Gesichtszügen auch noch an andere hochelegante Musiker erinnerte. Brian "Roxy Music" Ferry zum Beispiel, aber auch David Bowie, Timothy "James Bond" Dalton und sogar Roy Black oder Rex Gildo ( für Roy und Rex gilt natürlich: schöne Männer, scheiss Musik)...

Soviel zu den Äusserlichkeiten, kommen wir nun zur Gestik und Mimik, bevor wir uns ganz der Musik zuwenden. Bill "JFK" Callahan stand meistens kerzengerade und sehr nahe an seinem Mikro. Wenn er aber einmal mit den Beinen in die Knie ging, war sein Oberkörper stets ungekrümmt, genauso wie Skilehrer das von ihren Schülern verlangen, Haltungsnote 1 +. Manchmal hob er urplötzlich nur eines seiner Beine, in etwa vergleichbar mit Hündchen, die gegen eine Hauswand pinkeln. Diese Geste kam oft überraschend und sorgte für ein paar Schmunzler im Publikum, auch bei mir. Bill selbst lächelte allerdings fast nie, sondern wirkte kühl und unnahbar. Manchmal bewegte er sich etwas vom Mikro weg und schlenderte ein wenig über die Bühne, kehrte dann aber immer wieder recht rasch zu seinem Mikro zurück. Seinen Mund klebte er förmlich gegen den Stimmverstärker und wenn er sang, verzog er ziemlich eigenartig seine Mundwinkel. Er presste die einzelnen Worte geradezu heraus. Wer Alben von Bill Callahan bzw. Smog kennt, weiss, dass er eine Art Sprechgesang pflegt und fast wie ein Geschichtenerzähler daherkommt. Seine Stimme ist hierbei absolut aussergewöhnlich und sehr tief, als würde er jeden morgen mit Whiskey gurgeln, oder den ganzen Tag Pfeife rauchen. So etwas live zu erleben, war grossartig und noch besser als auf seinen ohnehin schon brillianten CDs.

Und wer vorher glaubte, langweiligen Schnarchnasenfolk präsentiert zu bekommen, sah sich zum Glück getäuscht, denn hier wurde zeitweise richtig gerockt. Mitverantwortlich hierfür waren seine recht jung aussehenden Bandkollegen, deren Namen mir aber nichts sagten. Besonders gut gefiel mir der spanische (mexikanische?) Drummer, der das Set ohne Kopfbedeckung begann, irgendwann aber eine braune Kappe überstreifte und von da an, um so leidenschaftlicher spielte.

Zu den einzelnen Songs:

Gestartet wurde mit der wundervollen Ballade Teenage Spaceship von dem hochgelobten Smog-Album Knock Knock, bevor mit dem recht flotten Diamond Dancer in das Bill Callahan Album eingestiegen wurde. Danach schon ein früher Höhepunkt: Our Anniversary von der CD Supper, begeisterte mich mit dem zarten, melodiösen Gitarrenriff, das sich durch das ganze Lied zieht. Bei i-tunes ist es der am häufigsten heruntergeladene Song von Smog. Eine wahre Perle!

Bei Rock Bottom Riser stach sofort der Text hervor:

I love my mother
I love my father
I love my sisters, too.
I bought this guitar
To pledge my love
To pledge my love to you.

Und kurze Zeit später:

I left my mother
I left my father
I left my sisters, too
I left them standing on the banks
And they pulled me out
Of this mighty, mighty, mighty river

Schwarze Texte also, die auf einen depressiven Charakter von Bill schliessen lassen und er guckte wirklich oft ziemlich betröpfelt drein, war aber alles andere als humorlos. Seine Art des Witzes fällt nur eben eher unter die Kategorie "Black Humour". Hiervon gab er dann auch einmal eine Kostprobe, als er Natural Decline ankündigte: "The next song is from an album which sold very poorely in France" - "Which one?", wollte ein vorlauter Franzose wissen - "All of them", entgegnete Bill ohne eine Miene zu verziehen. Das Lied ("the mind is alwas working, the mind is always turning, over and over") ist übrigens auf Rain On Lens enthalten.

Die zweite Szene, in der Bill Callahan zwischen den Liedern seinen Mund öffnete, ereignete sich dann etwas später, zu einem Zeitpunkt da die Musiker schon stark ins Schwitzen geraten waren. "Next time we will play in the hotel lobby, there we have air-conditionning!", kommentierte der Dandy kurz und trocken.

Der graumelierte Musiker hatte recht, die Luft in dem Saal war zum Schneiden, es herrschte wirklich eine unerträgliche Hitze. Trotzdem vergingen die circa 100 Minuten des Sets wieder recht schnell und als Sahnehäubchen gab es auch noch ein wunderschönes Lied vom aktuellen Album als Zugabe. "Sycamore" klang live nämlich noch viel besser als auf CD, da es hier nicht den störenden Backgroundgesang der Soulsängerin gab, die auf der Konserve das Lied leicht verhundst (eigentlich heisst es verhunzt, danke, Eike!).

Insgesamt ein brilliantes Konzert eines hocheleganten Musikers!


Setlist Bill Callahan, L'Européen, Paris:


01: Teenage Spaceship
02: Diamond Dancer
03: Our Anniversary
04: Blood Red Bird
05: Say Valley Maker
06: Rock Bottom Riser
07: Natural Decline
08: River Guard
09: Blood Flow
10: Cold Blooded Old Times
11: Let Me See The Colts

12: Sycamore (Z)


Konzerttermine von Bill Callahan in Deutschland und Österreich (jeweils mit Alasdair Roberts). Unbedingt hingehen!

18.05.2008: Berlin, Postbahnhof
19.05.2008: Köln, Gebäude 9
20.05.2008: Frankfurt, Brotfabrik
22.05.2008: Wien, WUK
23.05.2008: München, Orangehouse

Und am 30.05; spielt Bill Callahan beim Primavera Sound Festival in Barcelona!

Links:

- Videoclip zu "Rock Bottom Riser"
- Mehr Fotos von Bill Callahan hier

Konzertbesucher von Bill Callahan könnten auch mögen:

- Bonnie "Prince" Billy in Paris 2007
- Tindersticks in Paris 2008
- The National , zuletzt in Köln, November 2007
- Nina Nastasia in Paris 2008
- Iron & Wine, Paris 2008
- Micah P. Hinson, Paris 2008




 

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