Posts mit dem Label Farewell Poetry werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Farewell Poetry werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 30. Januar 2012

Mo' Fo' Festival, Saint Ouen bei Paris, 29.01.12, mit Tender Forever, Farewell Poetry, Haight Ashbury u.v.a.

2 Kommentare

Konzert: Mo' Fo' Festival 2012 mit Tender Forever, Farewell Poetry, Haight Ashbury u.v.a.
Ort: Saint Ouen bei Paris
Datum: 29.01.12
Zuschauer: erfreulich viele
Konzertdauer: von 17 Uhr 30 bis 23 Uhr


Letzter Tag des MO' Fo' Festivals in Saint Ouen bei Paris. Gestern hatten in meiner Abwesenheit die französischen Post Punker Frustration für Furore gesorgt und auch über die Schotten Country Teasers wurde viel Gutes berichtet.

Heute nun standen aber auch einige Leckerbissen auf der Speisekarte. Ich war in erster Linie für Tender Forever und Farewell Poetry gekommen, bekam mit den Schotten (Schottinnen) Haight Ashbury gegen 18 Uhr aber sofort eine mir bis dato unbekannte Gaumenfreude vorgesetzt. Kirsty Heather Ashbury, Jennifer Ashbury und Scott James Ashbury, so hießen die drei Sympathen, von denen ich allerdings nicht weiß, ob es sich um Brüder und Schwestern handelt. Ähnlich sahen sie sich nicht unbedingt. Hauptsängerin Kirsty stach mit ihren tollen langen blonden Haaren und ihrem güldnen Glitzerkleid ins Auge, Jennifer hatte schwarze Locken, einen Hauch Gothik und ein Blumenkleid und Scott eine Waverfrisur mit Strähne im Gesicht.



Die drei spielten eine faszinierende Mischung aus psychedelischem Hippie-Folk, Sxities Pop und schottischem Indierock à la Vaselines, die mir auf Anhieb gut ins Ohr ging. Mazzy Star meets Vivian Girls, so oder so ähnlich. Nun gut, der Bandname, eine Anspielung an die Hippie-Hochburg gleichen Namens in San Francisco, sagt ja schon einiges aus, aber eben nicht alles. Mit Fairport Convention und Konsorten hatte das klangtechnisch rein gar nichts zu tun, lediglich der Look war von dieser friedensbewegten und freie Liebe propagierenden Zeit inspiriert. Stattdessen gab es noisige Moment à la My Blody Valentine, aber auch die esoterisch-verhuschte Seite im Stile von Lush oder eben Mazzy Star war ausgeprägt. Trotz dieser zahlreichen möglichen Referenzen klang alles neu und aufegend, denn man kredenzte nicht den x-ten Aufguss, sondern mischte die Stile so kunterbunt, daß man ständig auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Herrlich auch der Kontrast zwischen der Lieblichkeit der Stimmen und der herben Schrammeligkeit der Gitarren.



Performt wurden Songs von Here In The Golden Rays (2011, am Merch für lediglich 5 Euro erhältlich!), aber auch von einem im Frühjahr 2012 erscheinenden Nachfolger. Ich denke die muss man beide haben. Sowohl live als auch auf Platte toll!

Der nächste Act, der mich auf dem Festival interessierte, wäre Matt Elliott gewesen, aber seine hochmelancholische Musik zog mich an diesem kalten Wintersonntag dermaßen in die Tiefe, daß ich schon alsbald den Saal verließ und mich im oberen Forum aufhielt, wo gut sortierte Indie-Händler CDs und Vinyl verkauften. Gute Musik zum falschen Zeitpunkt, so etws gibt's.

Die Musik der Französin Melanie Valera alias Tender Forever, die gegen 21 Uhr auflief, war da schon deutlich geeigneter. Zwar war das Ganze ebenfalls mit einer gehörigen Portion Melancholie versehen, aber dennoch erwies sich das Set als aufbauend, energiegeladen und abwechslunsgreich. Melanie hat einen ganz eigenen, sehr trockenen Humor, spielt immer mal wieder auf ihre eigen Homosexualität und die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme an, wird dabei aber nie pädagogisch oder anklagend. Das Mädel hat wirklich Mut und viele Ideen und hat sich in den letzten 10 Jahren musikalisch ein ganz spezielles Universum geschaffen. Sie selbst bezeichnet sich als Autodidaktin und wer sie live erlebt, merkt schnell, daß diese Einschätzung wie die Faust afs Auge passt. Mit Hilfe ihres Laptops kreiert sie elektropoppige Klangwelten mir Catchyness-Faktor, aber ohne wirkliche Radiotauglichkeit. Dazu sind ihre Komposition zu bizarr, driften in zu viele verschiedene Richtungen ab und lassen sich nicht auf ein Format trimmen. Man muss schon (im positiven Sinne!) ähnlich bekloppte Künstler wie Coco Rosie, Tickley Feather oder Hesta Prynn nennen, um die Exzentrik zu erklären, würde dabei aber übersehen, daß der Sound trotz des burschikosen Charakters von Melanie auch und vor allem dem lieblichen Pop von Au Revoir Simone nicht unähnlich ist.

Tender Forver war auch heute in Paris wieder unterhaltsam wie immer. Ihr wilder Tanzstil ist eine Eigenkreation, obwohl sie sich so einiges vom Hip Hop Milieu abgeschaut hat. Dabei hatte sie eigentlich Rücken-und Nackenschmerzen, ließ sich aber einmal warm geworden, nichts davon anmerken. Wundervoll ihre Stimme. Sie hat einen Zartschmelz, der durchaus wohlig an Cat Power erinnerte, freilich mit französischem Akzent und dies obwohl Melanie seit Jahren in Portland, Oregan lebt.

Melanie verstand es immer wieder, die Leute nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihen zynisch-witzigen Ansagen und Erläuterungen zu erheitern. Die Franzosen müssten bei der Präsidentschaftswahl nur Marine Le Pen wählen, dann könnten sie was erleben, bekundete sie augenzwinkernd, sprach aber gleichzeitig die Hoffnung aus, daß der weniger schlimme Kandidat gewählt werden würde. Natürlich meinte sie damit nicht Amtsinhaber Sarko (dem sie sogar ein Lied widmete), sondern den Kerl mit dem Ländernahmen. Leute wie sie hätten es unter Nicholas schwer, der würde doch sicherlich nur Sexbomben goutieren, wozu sie sich definitiv nicht zählte.

Nun, ich weiß nicht, ob man dem Herrn Präsidenten Homophobie vorwerfen kann und sein gutes Verhälntis zu Angie zeigt ja, daß er sich auch mit Frauen versteht, die sich nicht gerade für den Playboy ausziehen könnten (obwohl, bei dem Dekolleté!). Aber sei's drum, hier in Saint Ouen hatte Melanie die Fans auf ihrer Seite und bewies bei zwei akustischen Gitarrenstücken auch, daß sie nicht unbedingt immer ihren effektvollen Disco Bollersound braucht, um stark rüberzukommen. Gerade diese beiden Balladen berührten mich außerordentlich und bewiesen die Wandlunsgfähigkeit der aus Bordeaux stammenden Dame.

Running Gag des abends war, daß Melanie anscheinend ständig aktuelle e-mails ihres Bruders erhalte, was für etliche Schmunzler sorgte. Noch amüsanter war aber ein projeziertes Video, bei dem 4 pubertierende amerikanische Mädels einen Wettbewerb im Haareschütteln veranstalteten und minutenlang wie wild ihre Mähne durch die Luft fliegen ließen. Da war Kondition gefragt und nach ein paar Minuten trennte sich die Spreu vom Weizen, ein paar der Mädels gaben erschöpft auf und schließlich konnte irgendwann eine rammdösige Siegerin gekürt werden. Ein Brüller!

Alles in allem ein tolles Konzert, musikalisch gut und auch sehr unterhaltsam.



Bericht Farewell Poetry etwas später, stay tuned!

Fotos in Kürze!





Dienstag, 27. Dezember 2011

Farewell Poetry, Paris, 18.06 & 30.09. & 05.12.11

0 Kommentare

Konzerte: Farewell Poetry

Orte: Le Ciné 104 (Pantin), Eglise Saint-Merry (Paris), Café de la Danse (Paris)
Daten: 18.06.2011 & 30.09.2011 & 5.12.2011
Zuschauer: jeweils reges Publikumsinteresse, am vollsten war es in der Kirche Saint-Merry


Chronique en français en bas de l'article!


Das Jahr ist schon fast wieder zu Ende und ich habe sträflicherwiese noch kein einziges Wort zu den drei granatenhaft tollen Konzerten der Pariser Postrockband Farewell Poetry* verloren. Das gehört an dieser Stelle nachgeholt!

Wie ihr alle (alle, ja?!) wisst, bespielten Farewell Poetry bereits am 21. September 2010 mein Wohnzimmer und begeisterten mit einer traumversunkenen Ambientversion ihrer cinematografischen Stücke.







Angesichts ihres kometenhaften Aufstiegs 2011 darf man diese sensationelle Oliver Peel Session (auf dem Foto die Familie von Jayne Amara Ross) gut und gerne als Kult bezeichnen (ich klopfe mir gerade selbst auf die Schulter, hach tut das gut!). Nun aber werden sie von einem Millionpublikum (ok, ich übertreibe etwas) entdeckt und das ist auch gut so. Ihre Auftritte waren samt und sonders etwas ganz Besonderes und auf Grund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen hatte jeder einzelne dieser drei Gigs seinen eigenen Charme.

Wo sie spielten?

Im Ciné 104 beim Festival Coté Courte Court 2011

Ein Kinofestival wohlgemerkt, was daran lag, daß die junge Franko-Australierin Jayne Amara Ross, eine der Hauptfiguren bei Farewell Poetry, hochangesehene Filmemacherin ist und im Bereich Kurzfilm ein Podium bei dieser renommierten Veranstaltung geboten bekam. Zum zweiten Mal in Folge im Übrigen. Ein Beleg dafür, wie hoch sie gehandelt wird in diesen mir recht fremden Kinokreisen. Ihre Kunst, die sie auf schwarz-weiße Super 8-Filme bannt, ist schwermütig, pechschwarz, in gewisser Weise abstoßend, fast schockierend (ich denke da an eine Szene, in der ein Penner auf offener Straße eine überreife Frucht hinunterwürgt, sich den ganzen langen weißen Bart besudelt und davon von einem kleinen Mädchen beobachtet wird), aber überaus faszinierend und elektrisierend. Mit ihren projezierten Bildern und ihrem hocherotischen Sprechgesang raubte sie mir fast den Atem. Die Band spielte den Soundtrack zu den Filmen praktischerweise gleich mit ein und die Sogwirkung der Bilder war geradezu magisch. Ein Hammer, ein absoluter!

Setlist Farewell Ciné 104, Festival Côté Court 2011:

01: The Golden House: For Him I Sought The Woods
02: Persephone, A Soft Corpse Comfort
03: As True As Troilus


In der Eglise Saint-Merry

Die Show in der prall gefüllten Kirche Saint-Merry in der Nähe des Centre Pompidou, war ein episches Erlebnis. Bei Kerzenlicht ließen die zahlreichen Musiker von Farewell Poetry (darunter Gaststars wie Christelle Lassort (Geige), Mina Tindle, Lidwine, The Rodeo, Gaspar Claus (Cello) etc.) sphärische Klänge durch die weiten, hohen Räume schweben und verdichteten die knisternde Atmospähre durch ihren dramatischen und sich ständig steigernden Sound. Auch hier gab es Videos und besonders The Golden House: For Him I Sought The Woods ging mir durch Mark und Bein. Ein wenig makaber, daß man mit ansehen musste, wie eine kleine weiße Ratte von einer Würgeschlange verschlungen wurde, aber die Kraft der Bilder war einfach immens hoch. Bis heute rätsele ich darüber, was der Mann, der wie im Wahn über die verwaisten Bahngleise wankt, in seinem Paket auf dem Rücken trägt. Einen Kadaver?

FAREWELL POETRY from David Bart on Vimeo.


Setlist Farwell Poetry, Eglise Saint-Mérry, Paris (Les Rendez-Vous Contemporains de Saint-Mérry)


Partie I

01: All In The Full, Indomitable Light Of Hope

02: April: In The Thawing Ruck

03: The Golden House: For Him I Sought The Woods


Partie II

01: For Death Holds A Soft Heart Also

02: Persephone, A Soft Corpse Comfort

03: As True As Troilus



Im Café de la Danse:

Unreal! Diese Vokabel bezog sich leider auch auf meinen Zustand, denn ich hatte in der Nacht davor keine einzige Sekunde geschlafen! Schuld daran war unser Umzug innnerhalb von Paris. Um 8 Uhr morgens am 5. Dezmber standen die Möbelpacker vor der Tür und ich war immer noch nicht mit meinen verfluchten Kisten fertig. Ich hätte fast'ne Meise bekommen, war fix und fertig und reif für meinen ersten Herzinfarkt!! Irgendwie rappelte ich mich dann aber abends, bereits in der nageleuen, mit Kisten zugestellten Wohnung auf, goß einen fiesen Red Bull meine Kehle runter und pilgerte zum Konzert. Mein Zustand war jenseits von Gut und Böse, aber ich hielt trotzdem durch, schoss Fotos und wurde mit einem abermals gigantischen, dieses Mal rockigeren Konzert beglückt. Wow! In jeder Hisicht unvergesslich!



FareWell Poetry - As true as troilus from Soul Kitchen on Vimeo.



Setlist Farewell Poetry, Café de la Danse, Paris

01: The Golden House: For Him I Sought The Woods
02: Penelope On The Boredom Bridge (inédit, neu)
03: Ass In The Fall, Indomitable Light Of Hope
04: As True As Troilus


Pour nos lecteurs français:

L'année 2011 est presque terminé et j'ai même pas parlé un mot des trois concerts épiques d'un des groupes de l'année, Farewell Poetry! Voilà, avec ceci c'est chose faite!

Comme vous le savez tous (?!!), les Farewell Poetry avaient déjà joué une fabuleuse Oliver Peel Session le 21. Septembre 2010 et ravi tous les chanceux spectateurs par une version "ambiente" et en duo (Jayne Amara Ross, Frédéric D. Oberland) de leur morceaux cinématographiques et poétiques.

Vu leur fulgurante ascension 2011 on peut sans exagération parler d'une Session culte en petit comité. Désormais ils sont en train d'être découvert par un
public beaucoup plus large et c'est formidable. Leurs prestations avaient toutes quelque chose de vraiment spécial et à cause du cadre changeant, chacun de ces concerts avait son propre charme.

Où ont-
ils joués?

Au Ciné 104 lors du Festival Côte Court 2011:

Nous parlons d'un festival de cinéma bien entendu! Ceci s'explique par le fait que la jeune franco-australienne Jayne Amara Ross, une des têtes pensantes de Farewell Poerty,
est une cinéaste très douée et remarquée. Comme déjà en 2010 les organisateurs proposaient à Jayne et Farewell de se produire lors de ce prestigieux festival, ce qui prouve le statut de Jayne dans ces cercles. Son art, qu'elle affiche sur des films noir et blanc super 8 est sombre, d'une noirceur presque totale et parfois choquante, mais toujours passionnant et excitant. Avec ses images projetées et son chant ultra sensuel elle me coupa presque le souffle! Le groupe joua la bande son du film en live et le mariage entre les images et la musique était absolument bouleversant. Une véritable gifle! La grosse claque!

à l'Eglise Saint-Mérry:

Le concert à l'église Saint- Mérry tout près du Centre Pompidou était un évènement fantastique. Sous la lumière atmisée des bougies, les nombreux musiciens (dont des guests précieux comme Gaspar Claus (violoncelle), Christelle Lassort (violon) ont dispersé des sons atmosphériques, denses et dramatiques et envouté tout le monde. Ici aussi il y avait des vidéos et la force des images (un serpent qui dévore un rat blanc p.ex.) fut immense. Depuis je me demande tout le temps ce que le mec, qui déambulait sur les rails, portait sur son dos? Un cadavre?

Au Café de la Danse:

Irréel! Le concert et mon état. N'ayant pas dormi la veille à cause de notre déménagement, je me sentais ultra bizarre ce soir-là. Mais ma résistance fut récompensée par un concert de toute beauté et un son plus rock et direct cette fois-ci. A noter également un génial nouveau morceau: Penelope On The Boredom Bridge, mélancolique et ensorcelant, joué au banjo par Frédéric D. Oberland (à écouter ici).

Trois concerts immenses, époustouflants et immanquables donc, qui ont énormément embelli mon année musicale 2011 et que je ne risque pas d'oublier d'aussi tôt!!

Text wird bei Gelegenheit noch ergänzt/chronique plus détaillée à venir! Et puis il y aura aussi les vidéos du Hiboo.com à admirer bientôt...

Aus unserem Archiv:

Farewell Poetry, Paris, 21.09.10
Farewell Poetry, Paris, 11.10.09
Farewell Poetry, Paris, 02.09.09


* Line Up von Farewell Poetry:

Frédéric D. Oberland (Gitarre, Fender Rhodes, Microkorg)
Jayne Amara Ross (Spoken word, Texte, Filme)
Eat Gas (Gitarre, Sitar)
Colin Johnco (Maschinen)
Stanislas Grimbert (Drums, Percusssions, Glockenspiel, Klavier)
Stéphane Pigneul (Bass)






Montag, 12. Oktober 2009

Farewell Poetry & Glissando & Heligoland & Trespassers William, Paris 11.10.09

1 Kommentare

Konzert: Farewell Poetry & Glissando & Heligoland & Trespassers William

Ort: La Java, Paris
Datum: 11.10.2009
Zuschauer: teilweise deutlich über 100
Konzertdauer: insgesamt fast vier Stunden!



So ein sensationelles Line-Up kriege selbst ich nur selten bis nie aufgetischt! "Wie bitte, diese Bands kennt doch keine Sau!", werden jetzt vielleicht manche überrascht aufrufen, aber ich bleibe dabei: Der helle Wahnsinn, dieses Aufgebot!

Fast 4 Stunden lang war die Java in der Rue du Faubourg du Temple im 10. Pariser Arrondissement der Ort, wo die Musik spielte. Und nicht irgendeine Musik, sondern die schönste, dramatischste, intensivste, himmlichste, euphorisierendste, berauschendste, die in Paris jemals geboten wurde! Übertreibe ich? Und wenn schon, besoffen vor Glücksgefühlen schwelge ich gerne in der süßen Erinnerung dieses denkwürdigen Abends!

Farewell Poetry hatten mich zu Beginn mit ihrem sinnlichen, cinematographischen und hochdramatischen Post-Rock bereits angeschossen, die aus Leeds stammenden Glissando mit ihrer glockenklar trällernden Sängerin in der Folge weitere Wirkungstreffer in empfindliche Regionen gesetzt, bevor die in Paris lebenden Australier Heligoland mich erbarmungslos über den Haufen knallten! Sie ballerten aber auch wirklich aus allen Rohren, der famose Dave Olliffe baute himmalayahohe Gitarrenwände auf und Karen Vogt sang so eindringlich und berührend, daß mir die Spucke wegblieb! Während des ganzen Sets befand ich mich in einem hypnotischen Zustand, schwebte irgendwo auf Wolke 7 und fühlte mich ganz ohne Rauschmittel auf einem wunderschönen Trip. Ich klebte förmlich an den Lippen von Karen, deren Stimme von Dave's Gitarre wie auf Adlerflügeln getragen wurde. Der Melodienreichtum, den der schweißtropfende Glatzkopf seinem Saiteninstrument entlockte, war richtiggehend unverschämt. Und die Jungs an Bass und Schlagzeug machten ihre Sache natürlich auch sehr gut. Dennoch: die Helden des Abends hießen Karen und Dave! Sofort den Friedensnobelpreis verleihen, sie haben Frieden in meinem Herzen gestiftet!

Und wenn ich etwas bedauere, dann ist es die Tatsache, daß ein Reinhören in die Stücke bei MySpace nur unzureichend vermitteln kann, wie berauschend Heligoland live sind. Unter meinen konzertbegeisterten Freunden herrschte aber Einigkeit darüber, daß das Konzert granatenhaft toll war. Wow! Wow! Wow!

Womit wir bei den abschließend auftretenden Trespassers William wären. Wie grandios waren die denn, bitteschön?? Da dachte ich mir nach Heligoland, daß es nun zwangsläufig schlechter werden müsse und erlebe zu meiner hellen Freude ein gemischtes Duo aus Seattle, bei der die brünette Anna-Lynne Williams atemberaubend schön sang und ihre Gitarre auf dem Schoß spielte. Schon bald machte sich eine knisternde Atmosphöre breit und die Zuschauer, die bis zum Ende ausgeharrt hatten, wurden für ihre Ausdauer großzügig belohnt. Trespassers William veröffentlichen auf dem britischen Label Gizeh Records und den Laden, der unter anderem auch Glissando, Redjetson, Her Name Is Calla und Sleepingdog zu seinen Künstlern zählt, muss ich mir einmal ganz genau anschauen! Mit Trespassers William haben sie jedenfalls eine absolute Perle in ihren Reihen. Der ätherische, folkig-dreampoppige Sound, der vor allem an Mazzy Star erinnert, hat mich jedenfalls absolut verzaubert.

Ein Riesenkompliment an die Macher des Festivals Out Of The Blue. Die haben wirklich ein Line-Up der allerersten Kategorie zusammenbekommen!

Frage an Eike: Warum habe ich im Klienicum noch nichts von Trespassers William gelesen? Ist doch genau dein Beuteschema! Oder klappt die Suchmaschine nicht? Na ja, was soll's, dein Blog bleibt eh der Beste weit und breit!


Aus unserem Archiv:

Farewell Poetry zusammen mit Heligoland am 02.09 im Pariser Glaz'Art hier

Ausgewählte Konzerttermine von Trespassers William:

14.10.2009: d:qliq,Luxemburg (mit Glissando)
15.10.2009: Steinbruch, Duisburg
(mit Glissando)
16.10.2009: Vortex, Siegen (mit Glissando)
30.10.2009: Hafen 2 (mit John Vanderslice), Offenbach
31.10.2009: Paris Syndrom, Leipzig
01.11.2009: NBI Club (mit Telekaster), Berlin
02.11.2009: Chapeau Rouge, Prag
03.11.2009: Rhiz, Wien
05.11.2009: Papiersaal, Zürich
06.11.2009: Luminaire, London

Setlist Farewell Poetry, Paris, Festival Out Of The Blue, Paris:

o1: Hymn (The Martyr'sMount)
02: Hope
03: Villanelle
04: An Under-Worked Horse Is An Unsafe Ride
05: As True As Troilus

Setlist Heligoland, LaJava, Paris, Festival Out Of The Blue:

01: Kiss Kiss
02: Nearness
03: Speedy
04: Landscape
05: I'm In Love
06: Mapping
07: Red Pocket
08: Sunlight
09: Cabo

Die Setlist von Trespassers William hat mir jemand vor der Nase weg stibizt. Neben eigenen Songs trugen sie auch ein fabelhaftes Cover von Radiohead vor und zwar Videotape.





Donnerstag, 3. September 2009

Farewell Poetry & Heligoland, Paris, 02.09.09

0 Kommentare

Konzert: Farewell Poetry & Heligoland (Jason Edwards)

Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 02.09.2009
Zuschauer: mittelere Raumauslastung
Konzertdauer: insgesamt mindestens 2 1/2 Stunden



Fans der Stilrichtungen Post-Rock, Shoegaze, Post-Punk aufgepasst: Ich habe zwei heiße Tips für Euch!

Über den ersten, Farewell Poetry, bin ich quasi in meiner Wohnung gestolpert, denn die beiden Macher des Projekts, Frédéric D. Oberland und seine Freundin Jayne Amara Ross saßen bei der Oliver Peel Session mit Simone White als Gäste auf unserer Couch (siehe Bild rechts). An jenem unvergesslichen Tag war die Pariser Akordeonspielerin Jeanne Madic aktiv beteiligt, denn sie eröffnete auf brilliante Weise für Simone. Damals war Jeanne aber noch nicht Teil des Farewell Poetry Kollektivs, diese Verbindung muß also erst in den letzten Wochen zustande gekommen sein.

Erst in den letzten Tagen erfuhr ich, daß Jeanne (Foto links) zusammen mit Farewell Poetry im Glaz'Art auftreten würde. Ich freute mich riesig, Jeanne wiederzusehen, denn sie ist nicht nur eine außergewöhnliche (und ungewöhnliche!) Künstlerin, sondern auch ein ganz lieber, warmherziger Mensch. Aber entgegen der ursprünglichen Ansetzung sollten Farewell Poetry erst ganz am Ende auftreten. Zuvor gab es noch den musikalisch guten, mir an diesem Tage aber zu getragenen Amerikaner Jason Edwards mit seiner vielköpfigen Band. Der Bursche macht wüstensandgeschwängerten Folk, der an Tom Waits oder Bob Dylan erinnert. Sein Indiehit heißt Codeine und den sollte man sich auf seiner MySpace Seite mal anhören.


Nach Jason Edwards waren dann die inzwischen in Paris lebenden Australier Heligoland an der Reihe. Die von der Sängerin und Akustikgitarristin Karen Vogt angeführte Band ist in den letzten zwei Jahren in europäischen Indieclubs schon viel rumgekommen. In Deutschland spielten sie dieses Jahr bereits im Gleis 22 in Münster, im Bett in Frankfurt und im Schokoladen in Berlin, aber auch in Prag und Luxemburg sind sie schon aufgekreuzt. Heute aber nun wieder einmal ein Termin in der Wahlheimat Paris. Und das Konzert hielt, was es versprach, denn Karen hat nicht nur eine ganz wunderbare, warme und sinnliche Stimme, sondern verfügt auch über ein sympathisches Wesen. Hinzu kommt, daß ihre männliche Begleitband einen hochdramatischen, zum Träumen animierenden Post-Rock/Dream Pop- Sound kredenzte, der mit herrlichen kleinen Gitarrenmelodien gespickt war. Der kahlköpfige Gitarrist arbeitete dermaßen hart an seinen feinen, sphärischen Riffs, daß ihm der Schweiß nur so von der Stirne tropfte, während der Basser mit geschlossenen Augen vor sich hin schwelgte. Den französischen Drummer konnte man leider kaum sehen, aber auch er war ganz ausgezeichnet. Obwohl ich zuvor nie von Heligoland gehört hatte, gibt es die Band schon einen ganze Weile, seit 1999 bestehen sie schon, aber vermutlich nicht genau in der heutigen Besetzung. Im Moment arbeiten sie an Album Nummer 3, wovon auch die meisten Stücke des heutigen Sets stammten. Sehr sehr vielsprechende Stücke im Übrigen, die die Qualität der Songs von den Vorgängern A Street Between Us und Shift These Thoughts noch locker toppen sollte. Eine Perle von A Street Between Us wurde uns aber auch gegönnt und zwar Red Pocket, das man sich in Ruhe bei Last Fm anhören kann. Ein bildhübsches Lied, das getragen beginnt und sich im weiteren Verlaufe immer mehr verdichtet und von hochmelodischen Gitarren wie auf Flügeln getragen wird. Zum Abschluß gab es dann noch Cabo De Gata von Shift These Thoughts und hinterher war klar, daß ich soeben eine potentielle neue Lieblingsband gesehen hatte!


Setlist Heligoland, Glaz'Art, Paris:

01: Kiss Kiss Bang Bang
02: Nearness
03: Speedy
04: Landscape
05: Mapping
06: I'm In Love
07: Red Pocket
08: A Year Without Sunlight
09: Cabo De Gata

Es war schon weit nach 22 Uhr, als Farewell Poetry begannen, ihren ganzen "Kram" auf der Bühne auszubreiten. Hierzu gehörten zwei aufgeklappte Koffer, in denen sich allerlei mysteriöse Steckverbindungen befanden, zwei schwarze Raben, Glöckchen an einer Schnur, ein Harmonium, ein Geigenbogen zur Bearbeitung der Gitarre, ein Glockenspiel, ein Akordeon und viele andere spannende Geräuscherzeuger. Ganz in der Mitte der Bühne hatte sich die höllisch attraktive rothaarige Jayne Amara Ross postiert, die in der Folge für den sinnlichen Sprechgesang verantwortlich war, mit dem jedes der fünf endlos langen Lieder eingeleitet wurde. Der Start wurde mit Hymn (The Martyrs' Mount) gemacht und sofort breitete sich eine dichte, düstere und gespenstische Atmosphäre aus. Jayne und ihr Partner Frédéric sind stark vom Film beeinflusst und vertonen ihre verträumten Gedanken, so daß man quasi Zeuge eines Soundtracks wird. Welche Filme sie wohl inspiriert haben? Das müsste man sie schon selbst fragen, aber es versteht sich, daß es keine Hollywood Blockbuster waren, sondern sehr spezielle, experimentelle und pechschwarze Werke. Mir persönlich lief ein kalter Schauer nach dem anderen über den Rücken und als am Ende des Stücks die postrockigen Gitarren losjaulten, wurde ich bis auf den Mond geschossen! Ich war völlig in den Bann gezogen und konnte meine Augen nicht von der bildhübschen und mysteriösen Jayne nehmen. Traumversunken brabbelte sie auch beim dritten Lied, January: In The Bold Jaws Of Beartraps einen mit völlig verrauchter Stimme vorgetragenen Text, indem teilweise auch vulgäre Ausdrücke wie "fuck" oder "cock" vorkamen. Erotisiert taumelte ich durch 10 Minuten purer Dramatik und war von dem sinnlichen Spektakel wie benommen.

Beim letzten Lied schließlich, wurde ein weißer Vorhang, der als Leinwand diente, aufgespannt. Hinter diesem spielten die Musiker den Track As True As Troilus , der mit schwelgerischen Gitaren im Stile von Explosions In The Sky aufwarten konnte. Vorne lief unterdessen ein Filmchen ab. In rascher Folge sah man einen Mann mit Pferdekopf (Eselkopf), weiße Mäuse, Umrisse einer düsteren Stadt (ich dachte an Edinburgh) und eine weißgelockte laszive Frau. Es war ein Fest für alle Sinne! Mindestens 10, eher 15 Minuten lang, wurde eine knisternde Stimmung aufgebaut, die sich schließlich in wildem Lärm und Schlagzeugdonnerhagel entlud.

Farewell Poetry hatten mich weidwund geschossen und mit offenem Munde zurückgelassen. Meine Hände zittterten und mir warm unsäglich warm. Was für ein schaurig-schöner Schocker!


Setlist Farewell Poetry, Glaz'Art, Paris (merci à Jayne et Frédéric!):
01: Hymn (The Martyrs' Mount)
02: Hope
03: January: In The Bold Jaws Of Beartraps
04: An Under-Worked Horse Is An Unsafe Ride
05: As True As Troilus (Film)

Pour nos lecteurs français:

Très belle programmation pour les fans de Post Rock/Post Punk, Shoegaze ce soir au Glaz'Art de Paris! Avec les australiens Heligoland (exilés à Paris) et Farewell Poetry de Paris, il y avait même deux nouvelles perles de ce genre à découvrir. Même si la qualification "nouvelle" n'est pas forcément le cas pour Heligoland, puisque le groupe avait déjà publié leur premier Ep éponyme en 2000. Depuis ils ont fait du chemin, publié deux albums complets et tourné un peu partout en Europe. Mené par la chanteuse Karen Vogt, ils ont proposé à un public ravi leurs tous nouveaux morceaux de l'album à venir. Karen possède une voix cristalline et sensuelle que le groupe épaulait à merveille. Guitares aériennes, son dramatique et post-rock, les Heligoland ont su me rallier à leur cause.

Le collectiv Farewell Poetry ensuite, mené par la très belle chanteuse rousse Jayne Amara Ross et le guitariste Frédéric (ex 21 Love Hotel) a donné un spectacle dense, féerique et envoûtant. Très inspiré par le cinema, le groupe qui compte 7 membres : Frédéric D. Oberland (guitare électrique, harmonium, field recordings), Dave Olliffe (guitare électrique, baryton), Jayne Amara Ross (mots, sampler, projections Super ( & 16 mm N&B), Michel Aubinais (batterie), Colin JohnCo (feedbacks analogique, mpc), Jeanne Madic (accordéon), Eat Gas (Guitare électrique, glockenspiel), m'a laissé complètement bouche bée avec des compositions sombres, ultra-complexes et pleines d'élégance. Les morceaux longs et dramatiques ont souvent commencé par le spoken word de Jayne dont la voix rauque m'a donné la chair de poule, et terminé par des solos de guitares melodiques, post-rock et noisy. C'était un spectacle pour tous les sens, beau, sensuel et hypnotique. À la fin il y avait même un petit court-métrage à admirer. Le groupe jouait derrière le rideau et sur l'écran (un drap blanc) on voyait la silhouette d'une vieille ville fortifiée ,un homme à tête de cheval, des souris blanches et une vamp à chevulure bouclée!
Quelle belle découverte! Quel groupe creatif et innovateur! Je suis persuadé qu'on va beaucoup entendre parler d'eux à l'avenir!

Links:

- mehr Fotos von Heligoland hier
- mehr Fotos von Farewell Poetry hier

- charmante Videosession von Le Cargo mit Heligoland: Hier performen sie Nearness auf einer Parkbank in Paris. Der Wind bläst, aber Karens eindringliche und wunderschöne Stimme überdeckt alle Geräusche, auch diejenigen von vorbeifliegenden Tauben. Toll!
- Ausschnitt aus dem Film von Farewell Poetry, As True As Troilus



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates