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um
21:06
Konzert: Nick Cave
Ort: Tonhalle
Datum: 16.05.2019
Dauer: ca. 150min
Zuschauer: 1.800 ausverkauft
Nick Cave in der Tonhalle. Es gibt Abende die weniger versprechen.
Im Rahmen seiner Converations-Tour tritt der Australier diesmal in kleineren Hallen ohne Band auf, um seinem Publikum noch näher zu sein. Ein mehr als puristisches Konzept, lediglich ein Flügel und ein Mikrofon stehen bereit. Dafür dürfen einige ausgewählte Fans an Bistrotischen sogar auf der Bühne sitzen.
Das Konzept lautet wie folgt: Cave spielt Solostücke am Piano und beantwortet Fragen aus dem Publikum ohne Vorauswahl oder thematische Beschränkungen. Leider ging dieses Konzept für mich nicht auf.
Nach fast jedem Song wurde das Saallicht eingeschaltet und Helfer (mit Neonwesten und blinkenden Schwertern) verteilten die Mikros an die Fragenden.
Hätte dies in zwei Blöcken (Fragen/Musik) stattgefunden, wäre der musikalische Teil mit Sicherheit beeindruckender gewesen. So führten die dauernden Unterbrechungen zu abrupten Stimmungs- und Themenwechsel.
Dazu gesellte sich ein gewisser Fremdschämfaktor. Leute, die einfach nur nach einem Autogramm fragten oder selbst gemalte Bilder überreichten wechselten sich mit Selbstdarstellern und Fragen in sehr schlechtem Englisch ab.
Erst als Cave das Ganze später als ein, auch für ihn schmerzhaftes aber wichtiges Kunstevent deklarierte, bekam der Abend einen gewissen Sinn. Versteht mich nicht falsch, nichts war verwerflich oder objektiv schlecht an diesem Abend.
Die Webseite von Nick Cave Red Hand Files (auf der das Bühnenkonzept beruht) macht in seinem Format da mehr Sinn. Zumal Cave an diesem Abend auch auf viele Fragen und Songwünsche nur ausweichend antwortete.
Musikalisch gab es bis auf die vielen Pausen rein gar nichts zu beklagen. "The Ship Song" gleich zu Beginn, ein T.Rex Cover (Cosmic Dancer). Überragende Versionen von "Into my Arms" und "Jubilee Street" und sogar "Avalanche" von Leonard Cohen.
Was bleibt, nachdem mit "Watching Alice" der letzte Ton verklungen war ? Die Liebe von Nick Cave zu seinen Fans und deren Treue sind etwas ganz Besonderes. Beide Seiten fühlen sich verstanden und möchten über ihre Emotionen reden und sich austauschen. Mit welchem Weltstar ist das sonst schon möglich.
um
22:29
Konzert: London Grammar
Ort: Tonhalle Düsseldorf (New Fall Festival)
Datum: 11.10.2014
Dauer: 43 min
Zuschauer: 2.400 (ausverkauft)
von Dirk aus Mönchengladbach
Das New Fall Festival in Düsseldorf hat sich in den letzten vier Jahren einen tollen Status als Indoorfestival im Oktober erspielt. Mit dem Motto „besondere Künstler an besonderen Orten“ punktet das Festival mit einem handverlesenen Lineup von Mainstream-Deutschpop bis zu kleinen Indieperlen. Bespielt werden Kirchen, bestuhlte Hallen oder andere schöne Orte.
Das Problem sind leider die Überschneidungen an den vier Abenden sowie der Einzelverkauf der Tickets, so dass eine Festivalatmosphäre leider nicht aufkommt. Dies alles sollte gestern Abend egal sein, den es gab den Hype der letzten Monate zu bewundern: London Grammar. Die Tonhalle war bereit, selten sah man so viele Ticketsuchende vor einer klassischen Konzerthalle.
Wie immer stellte Veranstalter H. Sahi-Moghanni sich und die Band kurz vor und los ging es pünktlich um 20:15 ohne Vorband.
Jetzt sollte eigentlich ein Konzertbericht folgen, aber die Erinnerung verblasste sehr schnell, da wir uns bereits um 20:58 wieder an der Bar im Foyer befanden. Was war passiert?
Die Band begann mit einem längeren Intro, ehe Sängerin Hannah Reid die Bühne betrat. Anders als bei Woodkid letztes Jahr wurde hier leider die Chance vertan, echte Streicher mit in Boot zu holen. Besonders schade, da die Band eigentlich zwei Tage nach dem letzten Gig in Amsterdam zur Verfügung hatte und das New Fall so etwas gerne anbietet.
Dadurch gestaltete sich der Blick auf die Bühne etwas eintönig. Links die Gitarre, hier im Vergleich zur CD mehr im Vordergrund. In der Mitte Hannah mit einem sehr individuellen Kleidungsstil (Haargummi, bauchfreies Shirt, 7/8 Jogger und schwarze Sneaker) und rechts Keyboard, Percussion und Schlagzeug im Wechsel.
Den durchgängigen Moll-Vortrag kannte man ja von der Platte, das muss man mögen, ist aber ja auch bei Bands wie The XX kein Nachteil. Die Band plauderte locker über die Halle, die Tage in Düsseldorf und die Tour bisher und spielte einen bis dahin zwar zu perfekten aber zumindest guten Set ohne zu erkennende Probleme.
Kurz vor 21:00 folgte dann Metal & Dust, auch sonst immer das letzte Stück des Abends und dann war Schluss. Kommentarlos ging die Band von der Bühne und war nicht mehr gesehen.
Somit kam der Veranstalter zu der wohl seltenen Ehre innerhalb von 60 min zum 2. Mal auf der Bühne zu erscheinen, diesmal um eine Erkrankung der Sängerin zu übermitteln, die ein Weiterspielen unmöglich mache. Außerdem sei eh nur noch ein Stück auf der Setlist gewesen. (Ironischerweise leider der Hit Strong, für den sich viele Düsseldorfer extra in Schale geworfen hatten).
Doch anstatt wie in guten alten Zeiten den Saal zu zerlegen, gab es außer minimalen Buh-Rufen keine weitere Reaktion um Publikum und der Saal leerte sich.
Dieses Konzert ist leider exemplarisch für vieles, was sich in den letzten Jahren im Konzertalltag verändert hat.
- Bands werden mit einer Platte (nach 14 Monaten Tour folgt die Deluxe-Edition mit neuer Tour) jahrelang durch die Welt gefahren, zerbrechen daran oder machen bestenfalls keine weitere gute Platte.
- Ein Konzert ist kein Konzert mehr sondern ein Event. Ist es aber nicht. Der Tag beginnt mit Arbeit, dann schnell zur Halle, Foto machen, mit dem Auto nach Hause und morgen ist ein neuer Tag. Das ist kein Event, sondern Freizeitalltag.
- Konzertpreise sind nicht diskutabel, da keiner zum Besuch gezwungen wird. Die gestern aufgerufenen 47,50 EUR könnten aber bei den Besuchern ein neues Preis-Minutenverhältnis geschaffen haben.
- Eine Generation von Musikern, die nicht bereit ist, auf ihrer ersten Tour alles auf der Bühne zu geben, wenn 2400 Leute im Publikum sitzen, ist traurig aber immer öfter Realität. (siehe Punkt 1)
Für Fotos hatte ich die nicht gespielte Zugabe eingeplant, daher hier nur eines von unserem tapferen Veranstalter.
Trotz allem ist das New-Fall Festival eine tolle Bereicherung des Konzertkalenders. Würde der Veranstalter noch ein Schiff am Rheinufer dazu mieten und zeitversetzte Konzerte mit echten Wochenend-oder Tagestickets anbieten, wäre der Genuss ungleich größer.
Setlist London Grammar, Tonhalle, Düsseldorf:
01: Hey Now
02: Darling
03: Interlude
04: Wasting My Young Years
05: Flickers
06: Sights
07: Stay Awake
08: Metal & Dust
um
04:50
Eine runde Sache: The Notwist in der Düsseldorfer Tonhalle
Datum: 03.10.2012
Ort: Tonhalle, Düsseldorf
Dauer: Ewert and the Two Dragons ca. 30 Minuten, The Notwist ca. 100 Minuten
Von Ursula von Neulich-als-ich-dachte, Erstveröffentlichung hier
Als ehemalige (mittlerweile sehr ehemalige) Kölnerin habe ich eine natürliche Abneigung gegen alles, was mit Düsseldorf zu tun hat. Nichtsdestotrotz hatte ein Kurzbesuch beim hier stattfindenden New Fall Festival im letzten Jahr gezeigt, dass Düsseldorf im Herbst interessante Konzerte an schönen Veranstaltungsorten zu bieten hat. Also nahmen wir die Chance, dieses Mal das Konzerttagebuch zu repräsentieren, bereitwillig wahr.
Dieses Jahr spielen insgesamt zwölf Bands (darunter so namhafte und unterschiedliche Künstler wie Ryuichi Sakamoto, Dillon, Why? oder Caligola) in der Tonhalle und im Robert-Schumann-Saal, und vorgestern ging es mit The Notwist und Ewert and the Two Dragons los.Unser erster Besuch in der Tonhalle, einem ehemaligen Planetarium, das 1926 von einem Architekten namens Kreis erbaut wurde und dementsprechend rund ist, bestätigte im Vorfeld angestellte Vermutungen: Anders, als man das bei Popkonzerten gewöhnt ist, wurde man angehalten, seine Jacke abzugeben, wurde von zahlreichen Platzanweisen sowohl bei der Sitzplatzfindung unterstützt als auch am Danebenbenehmen (eingeschmuggelte Jacken über Stuhllehnen hängen!) gehindert, und während eine Band spielte, mussten Zuspätkommer auf eine Unterbrechung warten, bevor sie eingelassen wurden. Nichtsdestotrotz entschädigten die erhabene Architektur der Halle, die wunderbare Akustik und die bequemen Sitzplätze für die etwas strengeren Verhaltensregeln.
Auf den bereitliegenden Feedback-Fragebögen zum Festival könnte man höchstens den Online-Kartenvorverkauf via tickets.de bemängeln, der einem wiederholt vorgaukelte, sich auf dem Saalplan einen Sitzplatz aussuchen zu dürfen, um einen dann im Buchungsprozess einfach per Zufallsgenerator irgendwohin zu platzieren, und zwar bei jedem erneuten Versuch auf denselben Platz. Wobei innerhalb von Sekunden auch ganze Sitzblöcke plötzlich nicht mehr zu buchen waren. Daher sollten sich wohl die Platzanweiser an diesem Abend auch darüber beschweren, dass teilweise Sitzplätze doppelt vergeben waren.
Die estische Band Ewert and the Two Dragons, die in ihrer baltischen Heimat anscheinend schon überaus erfolgreich ist, eröffnete den Konzertabend. Als Vorband konnten sie von der „anderen“ Konzertsituation, in der das Publikum nicht, wie sonst üblich, noch mit Bier holen, Freunde suchen und sich unterhalten beschäftigt war, sondern quasi erzwungenermaßen still auf seinen Plätzen blieb, besonders profitieren. Insofern wäre es interessant, zu wissen, ob der Auftritt des Supports auch unter „normalen“ Konzertbedingungen so gut angekommen wäre, wie das in der Tonhalle der Fall war. Die Band spielte in 30 Minuten nur sechs Titel, darunter an 3. Stelle das country-eske „The Rabbit“, außerdem „Good Man Down“ und als Abschluss „(In the end) There’s only love“. Mir hatte seit langer Zeit keine Vorband so gut gefallen wie diese, und dem Applaus nach sah es das restliche Publikum genauso, aber wie gesagt, Ewert and the Two Dragons hatten auch besonders gute Ausgangsbedingungen.
Nach eine halben Stunde Umbaupause, die zahlreiche Gäste dafür nutzten, sich einen besseren Sitzplatz zu sichern – reichlich Plätze waren frei geblieben – betraten The Notwist zu sechst die Bühne. Während das erste, sich langsam steigernde Lied namens „Hands“ noch brav angesagt wurde, begannen bereits mit dem folgenden, sich nahtlos anfügenden Song unsere Setlistenprobleme, die wir auch mit späterem „Nachhören“ einzelner Lieder nicht vollständig lösen konnten.
Vom Rang aus hatte man aber immerhin eine gute Aussicht auf die teils recht spannenden Tätigkeiten der Band (Vibraphon mit dem Geigenbogen spielen, Martin Gretschmann nutzte Wii-Controller, um eine seiner Gerätschaften zu bedienen) und auch das Publikum. Kinder sah man in den letzten Jahren ja bereits öfter bei Konzerten, bei The Notwist sahen wir aber zum ersten Mal ein Baby. Dieses hatte sich Ewert and the Two Dragons geduldig angehört, wurde aber nach dem ersten Notwist-Lied schreiend aus dem Saal getragen und nicht wieder gesehen. Vermutlich waren Ewert and the Two Dragons für den kleinen Schreihals nicht der angekündigte „Geheimtipp“, sondern der Hauptgrund für den Konzertbesuch und ich hoffe, seine Eltern bestellen ihm die Konzerttagebuch-Tasche mit der Aufschrift „Ich bin nur wegen der Vorband hier“.
Auf der Bühne folgten nun die bekannten Lieder „Pick Up The Phone“ und „Where In This World“, die ebenfalls ineinander flossen. Beim anschließenden „This Room“, das in einer anderen, leicht jazzigeren Version als auf „Neon Golden“ gespielt wurde, gab es Szenenapplaus, bevor es vor allem Markus Acher, der auf einem bereit stehenden Plattenspieler scratchte, der Schlagzeuger sowie der Saxofonist (der Teil eines bei mehreren Liedern mitspielenden Bläsertrios war) kakophonisch enden ließen.
Es folgte ein wiederum vom Bläsertrio unterstütztes Instrumentallied (oder sollte dieser Teil noch zu „This Room" gehören?), und später als Höhepunkt des Abends „Neon Golden“ und das ihm nahtlos folgende „Pilot“, die durch Samples von Achers Stimme mit der immer wiederkehrenden Textzeile „different cars and trains“ miteinander verwoben wurden. Viele Titel, gerade aus dem Album „Neon Golden“ wurden in neuen und spannenden Arrangements dargeboten.
Die Kommunikation mit dem Publikum fiel spärlich aus, außer „Tausend Dank“ wurde wenig gesprochen, immerhin das letzte Lied, „Gravity“, wurde aber für die zunehmend verzweifelten Setlistenmitschreiber angesagt und passte mit seiner Textzeile „I see the planets spinning faster“ auch sehr gut zum ehemaligen Planetarium, in dem wir unsbefanden. Wie beim letztjährigen Jens Lekmann-Konzert wurden auch jetzt Tausende von Seifenblasen in den Saal geweht – beim nächsten Konzert wird sich zeigen, ob dies Zufall war oder ein Markenzeichen von allen Konzerten des New Fall Festivals ist.
Das begeisterte Publikum holte The Notwist noch zweimal zurück auf die Bühne, im ersten Zugabenteil müssen wir leider nach „One With The Freaks“ und „Off The Rail“ den dritten Titel schuldig bleiben, anschließend wurden noch „Consequence“ und „Gone Gone Gone“ gespielt, wonach die Band mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde.
Es war ein sowohl hinsichtlich Ambiente und Atmosphäre als auch der dargebotenen Liedversionen ausgesprochen schöner Konzertabend, so dass man dem New Fall Festival – das 2012 erst zum zweiten Mal stattfindet – nur eine lange Zukunft wünschen
kann. Selbst, wenn es in Düsseldorf stattfindet.
Setliste:
Hands On Us
?
Pick Up The Phone
Where In This World
This Room
Casino (?)
Boneless
On Planet Off
Gloomy Planets
Trashing Days
Neon Golden
Pilot
Gravity
One With The Freaks
Off The Rail
?
Consequence
Gone Gone Gone
um
16:33
Konzert: The Notwist, Support: Ewert and the two dragons
Ort: Tonhalle, Düsseldorf (New Fall Festival Tag 1)
Datum: 3.10.2012
Dauer: 35 min + 100 min
Zuschauer: etwa 1000
Selten war ich auf einen Konzertabend so gespannt. Die Tonhalle in
Düsseldorf wollte ich sehr gern sehen. Und dazu in so einem
wohlfühl-Ambiente ein Urgestein deutscher Independent Musik erleben. Hier kommen zwei Welten zusammen - der für die sogenannte
Hochkultur gebaute Raum nimmt sich der Musik an, die nicht mal im
Radio stattfindet.
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| Rotunde in der Eingangshalle |
Und beeindruckend fand ich die Tonhalle tatsächlich - innen wie außen
ein Haus, das zum Eintreten und Verweilen einlädt. Mit freundlichen
Menschen, die stets weiterhelfen. Das war auch gut so, denn
ich hatte Mühe, mir all die Informationen zu merken, die mir helfen
sollten, meinen Platz zu finden: 3. Parkett, C Links, Reihe 8, Platz
17...
Kaum hatte ich meinen Platz gefunden, stellte sich aber heraus, dass noch jemand die
gleichen Koordinaten auf der Eintrittskarte bekommen hatte...
Der Einweiser machte keine große Sache daraus. Das Paar sollte
zusammen sitzen dürfen und ich könnte mir dann irgendeinen freien Sitz
suchen, sobald das Konzert beginnen würde und könnte mich dadurch
verbessern. Ich fand das einen fairen deal.
So bekam ich Gelegenheit, mir mental Plätze zu suchen, die mir gut gefallen
würden, was bei der kugelförmigen Gestalt der Konzerthalle gar nicht
so einfach ist: es gibt zu viele gute Plätze! Einige erübrigten sich,
weil sie nicht frei blieben, aber es blieben noch einige verlockende
Varianten übrig. Der Einweiser lag allerdings auch etwas daneben mit seinem
Gefühl, es würden im Parkett viele Plätze frei bleiben, weil es auch nach
19:30 Uhr noch fleißig strömte und das Konzert erst 19:45 Uhr begann. So war er es wohl nicht gewöhnt...

Es zeigte sich außerdem, dass verschiedene Tickets 20:00 Uhr als
Anfangszeit aufgedruckt hatten. Ich versuche ja meinen Studierenden
immer einzuschärfen, dass das arithmetische Mittel nicht immer
sinnvoll ist. Auch hier war es störend, dass 19:45 Uhr begonnen wurde, aber Nachkommer bis 20:15 Uhr
eingelassen wurden und ihre Plätze einnahmen. Da dafür immer wieder
halbe Besucherreihen aufstehen mussten, während das Konzert schon
lief, war das doof.
Man hätte im Gang stehend die Umbaupause abwarten können, zumal die vier Esten von Ewert and the two dragons ohnehin nur 35
min (bis gegen 20:20 Uhr) spielten.
Ihr Set begann mit Paukenrhythmus und einer Männerstimme
eher ruhig und ungewöhnlich. Für mich war es damit aber Liebe auf den
ersten Paukenschlag. Die live-Variante strotze vor Energie und
begeisterte mich. Damit war ich wohl nicht ganz allein, denn es gab
von Anfang an die volle Gunst des Publikums mit enthusiastischem Applaus.
Die Stücke stammten alle von ihrem Album "Good Man Down".
Beim heutigen Nachhören der CD-Versionen erschien
es mir aber auf den Tonträgern deutlich weniger mitreißend.
Besonders eindrücklich waren live für mich neben dem opener auch "The Rabbit", wo alle vier eine
Pauke schlugen und "Good man down", das sehr sparsam beginnt und dann
mit Händeklatschen sein Gefüge erhält. Ewert and the two dragons sind
also meiner Meinung nach in jedem Fall ein Tipp für ein
lohnendes Live-Erlebnis!
Setlist Ewert and the two dragons:
1. You had me at hello
2. The Rabbit
3. ??
4. Good man down
5. Road to the hill
6. In the end is only love
Nach doch recht langer Umbaupause ging es dann 21 Uhr mit insgesamt
sechs Musikern und The Notwist auf der Bühne weiter.
Ich habe seit vielen Jahren den Klassiker "Neon Golden" in meinem CD-Regal. Und
ich mag die Scheibe, habe sie aber schon ewig nicht mehr rausgeholt. Ich bin
also bestimmt keine Expertin in Sachen The Notwist, eher eine
wohlwollende Mitläuferin.
Aber es war sofort klar, dass hier ein großer Teil des Publikums Fans
der Musik von The Notwist sind. Stets gab es tosenden Applaus und im
Rundblick sah ich träumerisch mitwippende Köpfe und genießerisch
geschlossene Augen. Während der Zugaben wurde dann auch vereinzelt
euphorisch getanzt. Gute Stimmung, toller Saal und ganz besondere
Musik. Für einzelne Stücke gab es auch noch Unterstützung durch eine
dreiköpfige Bläserformation.
Trotzdem wird der Abend wohl nicht so weit oben in meiner
persönlichen Wertung landen. Ich fand den Sound insgesamt nicht gut. In den ersten vier Stücken konnte ich z.B. das Vibraphon gar
nicht hören, das aber weiß Gott nicht unwichtig ist. Es fiel dann auch
in späteren Stücken immer mal wieder im Sound raus. Insgesamt war es mir zu
laut und zu wenig differenziert. Außerdem wurde die Gesangsstimme
ziemlich untergebuttert. Bei der Art elektronischer Frickelmusik, die hier live ausgelebt wurde, ist aber die Grenze zu nervigem und unstrukturiertem Lärm immer in Griffweite. Mit dem Sound muss deshalb einfach alles stimmen!
Außer der Begrüßung und vor letztem Lied gab es keine Ansagen und
durch zusammenbinden der Stücke mit Rauschen und elektronischen
Schnipseln wurde zum Teil Applaus unterbunden.
Am stärksten fand ich persönlich die sehr ruhigen Stücke wie "Trashing days",
"Gloomy plants" und "Gravity" und den ganzen Zugabenteil. Erst im
sortieren meiner Notizen wurde mir bewusst, dass ja fast das ganze
Neon Golden Album gespielt worden war. Ich hätte also Chancen gehabt, bekanntes zu entdecken.
Im Nachhören der Musik heute wurde aber meine Liebe zu "The Notwist" auf CD wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt und lebhaft
angefacht. Damit hatte das Konzert für mich persönlich doch noch eine richtig gute
Pointe. Die meisten anderen schienen ohnehin mit der Live-Version rundum glücklich - immerhin bedurfte es einer zweiten Zugabe! Außerdem hatte ich trotz der angeführten Minuspunkte in Summe einen richtig guten Abend in der Tonhalle.
Setlist The Notwist (nach Abgleich mit Ursula)
1) Hands on us (You, the devil & me, 2008)
2) ??
3) Pick up the phone (Neon Golden, 2003)
4) Where In This World (You the devil & me, 2008)
5) This room (Neon Golden, 2003)
6) ??
7) Boneless (You, the devil & me, 2008)
8) On Planet off (You, The Devil & Me)
9) Gloomy planets (You, the devil & me, 2008)
10) Trashing days (Neon Golden, 2003)
11) Neon golden (Neon Golden, 2003)
12) Pilot (Neon Golden, 2003)
13) Gravity (You, the devil & me, 2008)
Zugabenteil
Z1) One with the freaks (Neon Golden, 2003)
Z2) Off the rail (Neon Golden, 2003)
Z3) One step inside doesn't mean you understand (Neon Golden, 2003)
2te Zugabe
Z4) Consequence (Neon Golden, 2003)
um
02:59
Konzert: Owen Pallett, Hauschka, Ólöf Arnalds (New Romantics beim Schumannfest)Ort: Tonhalle, DüsseldorfDatum: 26.05.2012Zuschauer: nicht ausverkauft aber erstaunlich gut besuchtDauer: Ólöf Arnalds 40 min, Hauschka 48 min, Owen Pallett knapp 75 min
Vom 24. Mai bis 4. Juni findet in Düsseldorf das Schumannfest statt, ein klassisches Festival, der Musik eines der wichtigsten Vertreters der Romantik gewidmet. Dem in Düsseldorf lebenden Pianisten Hauschka hatten die Veranstalter die Gestaltung eines Abends übertragen.
Unter dem Motto The New Romantics lud Hauschka Owen Pallett und Ólöf Arnalds ein, die in ihren Werken entweder eine neue Interpretation der Romantik oder (wie im Fall Owen Palletts) konkrete Inspiration durch Robert Schumann erlebt haben.Ich hatte mir einen spannenden Abend in der Tonhalle (also einem sehr klassischen Konzertsaal) erhofft, hatte aber Angst, daß die beiden Künstler, die ich noch nicht live gesehen habe, zu experimentell und der, den ich oft gesehen habe, mittlerweile zu wenig überraschend ist. Alles Unsinn! Ólöf Arnalds spielte ein vorzügliches Set meist Isländischer Lieder, sprach wundervolles Deutsch und betonte, daß sie für Slapstickeinlagen und anderen Quatsch gut sei (was sie erfüllte). Hauschka mit Schlagzeuger Samuli Kosminen schaffte es, auch Lieder, die aus dem schnellen Wiederholen von maximal drei Tönen bestanden, aufregend
klingen zu lassen. Experimentell ja, aber auch hochgradig kurzweilig! Beide Konzerte erlebten Gastauftritte von Owen Pallett.Der Kanadier schließlich kündigte zu meiner Überraschung an, hauptsächlich Stücke seines 2006er Albums He poos clouds spielen zu wollen, nicht alle, einige möge er nicht, aber die anderen dann. Diese Lieder seien stark von der Poesie Schumanns geprägt, erforderten allerdings die Unterstützung eines Streichquartetts, das in Form des Lee-Quartetts um die kanadischen Geschwister Elissa und Trey Lee aus Berlin angereist war. Vorher spielte Owen Pallett fünf andere Stücke alleine, dabei überragte das auf Zuruf vorgetragene This is the dream of Win and Régine, das er zunächst nicht spielen wollte, weil dafür das
Keyboard fehle. In der zweiten Hälfte gab es zwei Gastauftritte der Isländerin, die nicht pannenfrei aber wundervoll und enorm charmant waren. Und es gab viele alte Hits des Kanadiers mit fabelhafter Streicherunterstützung!Nicht nur für die klar erkennbaren Fans von Owen Pallett (die vermutlich sonst nicht an Veranstaltungen des Schumannfests teilgenommen hätten), auch für die Besucher aus der klassischen Ecke war der Abend (wahrscheinlich) hervorragend! Ein ausführlicher Bericht folgt.Setlist Owen Pallett, Schumannfest, The New Romantics, Tonhalle, Düsseldorf:01: Took you two years to win my heart (Solo)02: Lewis takes action (Solo)03: This is the dream of Win and Régine (Solo)04: E is for estranger (Solo)05: Scandal at the parkade (Solo)06: The Arctic Circle07: He poos clouds08: The lamb sells condos09: I'm afraid of Japan10: Song song song11: Many lives -> 49 p12: The Pooka sings13: The CN Tower belongs to the dead (Z)14: Peach plum pear (Joanna Newsom Cover) (Solo) (Z)Links:- aus unserem Archiv:- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11- Owen Pallett, Köln, 23.06.11- Owen Pallett, Paris, 22.02.11- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11- Owen Pallett, Paris, 01.06.10- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09- Ólöf Arnalds, Paris, 28.02.11- Hauschka, Paris, 22.05.12- Hauschka, Paris, 26.06.11
um
00:25
Konzert: Lisa HanniganOrt: Foyer der Tonhalle, DüsseldorfDatum: 30.04.2012Zuschauer: rund 150Dauer: 67 minIm Herbst findet in Düsseldorf das New Fall Festival statt. Bei der letzten Ausgabe dieser Veranstaltung
hatte ich im vergangenen Jahr im Robert Schumann Saal Jens Lekman gesehen. Für dieses Jahr wurden heute als erste Künstler The Notwist (3.10.) und die Tindersticks (7.10.) angekündigt.* Heute fand aber vor allem ein sogenanntes Pre-Event des Festivals mit der irischen Sängerin Lisa Hannigan statt. Ich hatte die Künstlerin eigentlich schon gestern in Frankfurt sehen wollen, hatte aber wegen des wahrscheinlich schöneren Ambientes in der Tonhalle darauf verzichtet.Lisa Hannigans Album Passenger, eine Nummer eins in ihrer Heimat, liebe ich sehr, live gesehen habe ich sie bisher noch nicht, unsere bisherigen Berichte stammten alle aus Paris. Nach diesen Berichten und nach den Eindrücken der Platte hatte ich natürlich klare Vorstellungen, wie das Konzert sein würde. Daß Lisas Gesang live genauso brillant wie auf dem Album ist, hatte ich allerdings nicht erwartet. Viele Klangbilder,
die ich für Resultat der Produktion hielt, konnte die Sängerin auch auf der Bühne genauso wiedergeben. Bei Paper house beispielweise gibt es die Zeile "oh we walked in a hallowed place back then", bei der die Stimme unwirklich schön klang. Viele andere Stücke hatten ähnlich wundervolle Passagen.Der Auftritt der Irin fand im Foyer der Tonhalle statt, direkt unter dem Konzertsaal. Die Bühne war der runde Bereich in der Mitte des Foyers, umrandet von Sitzreihen und ausgeleuchtet von einer Lampeninstallation bestehend aus weißen Glasröhren, die von Leuchten angestrahlt wurden. Die Mikros der Musiker waren im Kreis aufgebaut, schließlich saßen auch die Zuschauer rund um die Bühne. Allerdings war dabei die Blickrichtung von Lisa und ihrer Band nach innen gerichtet, was sehr ungewohnt aber nicht unangenehm war. Das erste Lied bestritt die Sängerin noch alleine. Nach Little bird kamen ihre
Begleiter von allen Seiten dazu, ein schöner kleiner Effekt!Kleine Effekte gab es in der folgenden Stunde viele. Keiner von ihnen, keines der Instrumente, kam allerdings auch nur in die Nähe der Einzigartigkeit von Lisas Gesang. Besonders spektakulär wurde ihre Stimme aber immer dann, wenn die Irin eine ihrer wenigen Ansagen machte. Schwer vorstellbar, ihre Sprechstimme ist aber noch einige Stufen aufregender als die singende. Wäre ich mutiger, hätte ich Lisa gebeten, meinen Anrufbeantworter zu besprechen! Nächste Chance dafür am 11.05. im Gebäude 9...
Nach Little bird folgte mit Pistacchio das erste von vier Stücken von Lisas Debütalbum Sea sew. Das Gerüst des Konzerts bildeten aber natürlich die Lieder von Passenger (was mir entgegenkam, weil ich das sehr mag und das erste bisher nicht kannte). Dummerweise gehörte zu den beiden Titeln von Passenger, die Lisa Hannigan nicht spielte, ausgerechnet Home, das ich extrem mag. Ich liege bei der Platte mit meinen Vorlieben aber ohnehin vollkommen falsch, denn die Singleauskopplung Knots halte ich für eines der schwächeren Lieder, auch live mochte ich es neben What'll I do (vermutlich dann die nächste Single) am wenigsten.
Obwohl die Musiker den nahe sitzenden Zuschauern den Rücken zukehrten, etwas, das Lisa zunächst verstörte, gab es genug zu sehen. Mit Lisa standen ein Pianist, ein Schlagzeuger, ein Gitarrist, ein Bassist und ein Trompeter im Kreis. Die Namen nannte Lisa zwar, ich
war aber leider zu sehr von ihrer Stimme und ihrem Akzent abgelenkt, um sie mir zu merken. Der Bassist spielte einen hellen Kontrabass, auf dessen Rückseite sich irgendjemand mit Edding für Noten bedankt hatte. Nur gegen Ende des Sets tauschte er ihn gegen einen E-Bass (ohne Widmung) aus. Lisa spielte Gitarre, Mandoline, Banjo und Harmonium. Wenn sie das liegende Akkordeon bediente, headbangte die Irin, als sei sie in Wacken. Bei den Gitarren- bzw. Mandolinenstücken ersetzte eine lustige Kopfhaltung das Haareschmeißen, denn da sang Lisa, als hinge das Mikro einen halben Meter über ihrem Kopf. In den Momenten wirkte sie irgendwo weit weg, aber nicht in einem Konzertsaal.
Die schönsten Lieder des Abends waren Safe travels (don't die), Passenger, Little bird, Paper house (ganz großartig!) und O sleep. O sleep singt Lisa auf Platte mit Ray LaMontagne. Auf ihrer Tour übernimmt ihr Gitarrist den
Part des Amerikaners. Obwohl dessen Stimme nicht an die von Ray LaMontagne heranreicht, war das Duett hervorragend!
Nach einer knappen Stunde war vorläufig Schluß. Als die Band wiederkam, spielte sie als Zugabe ein Stück von The Band, deren Schlagzeuger Levon Helm vor zwei Wochen gestorben ist. "You'll know this song as Conny Kramer." Lisa und ihre Kollegen sangen The night they drove old Dixie down nur von einer akustischen Gitarre begleitet und abwechselnd singend. Das war sehr schön, ich hätte aber lieber Home gehört (juchuuu, ein Makel des Abends!).
Es war ein wundervolles Konzert! Ein anderer Tanz in den Mai als der, den die Leute in der Ratinger Straße feierten, aber einer, den ich immer vorziehen werde.
Setlist Lisa Hannigan, Tonhalle, Düsseldorf:01: Little bird02: Pistacchio03: Passenger04: Venn diagram05: O sleep06: A sail07: Flowers08: Paper house09: Lille10: Safe travels (don't die)11: What'll I do12: Knots (Z)13: The night they drove old Dixie down (The Band Cover) (Z)14: I don't know (Z)Links:- aus unserem Archiv:- Lisa Hannigan, Paris, 25.04.12
- Lisa Hannigan, Paris, 06. & 08.04
.12
- mehr Fotos aus Düsseldorf
Konzerttermine Lisa Hannigan:
03.05.12: Bi Nuu, Berlin
04.05.12: BeatPol, Dresden
06.05.12: Chaya Fuera, Wien
08.05.12: Bleu Lézard, Lausanne
10.05.12: abart, Zürich
11.05.12: Gebäude 9, Köln