Posts mit dem Label Dinosaur jr werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dinosaur jr werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 4. Juli 2013

Dinosaur Jr., Schorndorf, 03.07.2013

4 Kommentare
Konzert: Dinosaur Jr.
Vorband: Wild Style Lion
Ort: Club Manufaktur, Schorndorf
Zuschauer: mehrere hundert; fast ausverkauft
Datum: 03.07.2013
Dauer: Dinosaur Jr. 81 Minuten / Wild Style Lion 31 Minuten


„Is it loud enough?“, wird bei Motörhead-Konzerten, so die bekannte Überlieferung, gefragt, bevor nochmals aufgedreht wird und die raumhohen Boxentürme Mehrzweckhallen weltweit im Lärm versinken lassen. 
Musikalisch weit von Lemmy Kilmisters harter Interpretation klassischen Rock n' Rolls entfernt, sind auch Dinosaur Jr., die amerikanischen Alternative-Heroen und Geburtshelfer des Grunge, berüchtigt für ohrenbetäubende Live-Shows. 
Ohrenschutz wird auf Konzertkarten grundsätzlich empfohlen, hier berechtigterweise: Schon beim Eintritt in die Manufaktur in Schorndorf, einem idyllischen Provinzstädtchen keine 30 Kilometer von Stuttgart entfernt, lassen die aufgetürmten Verstärker zu beiden Bühnenseiten keinen Zweifel daran aufkommen. Unscheinbar, ja fast unsichtbar, mutet der aufgebaute Gitarren-Amplifier der Vorband an, der vor J Mascis Boxenbollwerk regelrecht untergeht. 
Pünktlich um 21 Uhr stehen drei allem Anschein nach erfahrene Musiker mittleren Alters auf der Bühne, die unter dem Bandnamen Wild Style Lion ihre ersten Konzerte bei der kurzen Deutschlandtour der vor 29 Jahren in Massachusetts gegründeten Gruppe spielen. 


Das Trio bestehend aus einem Gitarristen, Sänger und Keyboarder weckt mit einem knapp halbstündigen Set Erinnerungen an The National und ausgetüftelte Klanggewebe, wie sie The Notwist und Naked Lunch erfolgreich kultivierten, aber auch an den gradlinigen Wüstenrock eines Josh Homme. Sonderlich viele Informationen zur Band, die allen englischen Ansagen zum Trotz aller Wahrscheinlichkeit aus Deutschland – vermutlich aus Hamburg oder Berlin – kommt, lassen sich noch nicht finden. Auch die Facebook Präsenz besteht erst seit wenigen Wochen, der Sänger mit Schnurbart in zugeknöpfter Levis-Jeans-Jacke muss die Texte ablesen, während neben ihm ein Meer aus Soundeffekten fließt. 
Ein Stück, das vermutlich einmal als „Year of the snake“ veröffentlich wird, lässt dann gar Assoziationen zu Velvet Underground in den späten 60ern zu. „Thank you very much. Have fun with Dinosaur Jr.“ Wild Style Lion hinterlassen mit einer vielversprechenden Kostprobe und einer Reihe klaustrophobischer Popsongs einen bleibenden Eindruck. 

Während des Umbaus hoffe ich auf einen baldigen Beginn des Hauptacts, um nicht in Zeitnot zu geraten, um nicht Gefahr zu laufen, die letzte S-Bahn nach Stuttgart zu verpassen. 
Das Trio von der US-Ostküste meint es gut mit mir: Bassist Lou Barlow lässt sich als erster auf der Bühne blicken, nimmt wortlos auf der rechten Seite seinen Platz ein, hängt sich sein Instrument um, während J Mascis, Gitarrist, Sänger und Hauptsongwriter, gemächlich langsam auf die andere Seite schlurft. 

Auf vier Din-A-4-Zettel ausgedruckt liegt die Setlist in riesiger Schriftgröße vor ihm. Mascis muss fast blind sein, die Brille mit Lupen dicken Gläsern legt er noch vor Konzertbeginn ab. Der Mann mit den langen, dünnen weißgrauen Haaren und dem Vollbart, der ein klein wenig wie die etwas fülliger Variante von Christopher Lee als Saruman in Herr der Ringe aussieht, obwohl er erst 47 ist, gilt bekanntlich als einer der profiliertesten Gitarristen seiner Generation, wird immer wieder in allen möglichen entsprechenden Rankings genannt und benötigt offensichtlich jede Menge Effekte, um sein Spiel so zu gestalten, wie er es gerne hätte. Nie zuvor habe ich derartig viele Pedale, Verzerrer und andere Effektgeräte für einen einzelnen Gitarristen gesehen. Sicher, J Mascis ist als perfektionistischer Kontrollfreak berüchtigt, was gerne als Grund für die Trennung Dinosaur Jr.s 1998 genannt wurde. Damals war er bereits das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Band, Bassist Lou Barlow verließ die Gruppe bereits Ende der 80er, Schlagzeuger Murph folgte in der ersten Hälfte der 90er. 


 Besonders das Verhältnis zwischen Mascis und Bassist Barlow wurde immer wieder suggeriert, sei zutiefst zerrüttet gewesen, umso überraschender kam die Reunion in Originalbesetzung 2005. Umso überraschender ist es, dass Mascis, Barlow und Murph noch immer zusammen touren und tolle Alben aufnehmen. Dass Murph derzeit nicht am Schlagzeug sitzt und von einem jüngeren Kollegen vertreten wird, kann schwerlich als Indiz für eine neuerliche Entfremdung herhalten, schließlich kehrte er bereits bei vergangenen Touren früher als seine Kollegen in die Staaten zurück. Dröhnend eröffnet „Bulbs of Passion“, der letzte Track des legendären Debütalbums „Dinosaur“ das Set, die Oropax zeigen ihre Wirkung, während der Schlagzeug-Beat in der Magengegend wummernd einschlägt. 1985 veröffentlicht, veränderte die Band ihren Sound seit dem Erstlingswerk nur geringfügig. Mal wurden folkigere Elemente zurückgefahren, mal einstige Hardcore-Tugenden stärker heraufbeschworen oder Noiserock-Momente gepflegt. Der musikalische Nachlass, den Dinosaur Jr. irgendwann einmal hinterlassen werden, das was von dieser Band übrig bleibt, ist die unnachahmliche Art Collegerock und Hardcore-Elemente zu vereinen; Sanftmut und brutalen Krach gleichzeitig zu verkörpern. 


Zurecht wird die Band heutzutage als Vorreiter des Grunge gefeiert, die künstlerische Stringenz, mit der ein fast lieblicher, über den Dingen schwebender Gesang mit Lärm kombinierte, die angemessene Brachialität legte zuvor nur Neil Young mit Crazy Horse an den Tag. Nirvana übernahmen später eine ganze Menge von Dinosaur Jr.. Bevor Dave Grohl als Schlagzeuger engagiert wurde, fragte Kurt Cobain übrigens J Mascis, ob er bei Nirvana an den Drums einsteigen möchte. Er lehnte bekanntlich ab, doch anders als Chris Spedding, jener Gitarrist, der Mick Taylor bei den Stones folgen sollte, dürfte sich Mascis heute nicht über diese Entscheidung ärgern. 
Zu hochklassig sind die Alben und Singles, die Dinosaur Jr. Seitdem veröffentlichten, „The Wagon“, eine 1990 erschienene Single, wird heute Abend von der bärtigen Fanschar mit violetten Bandshirts gefeiert wie ein Welthit – und das obwohl von Mascis Gesang kaum etwas zu hören ist. Quasi als Instrumentalversionen mit unterschwelligen Gesangsfetzen rauscht das atemberaubende, laute Set an einem vorbei; „No Bones“, „Almost Fare“, „Raisans“, etwas später „Watch The Corners“, das herausragende Stück des aktuellen Albums „I Bet On Sky“, das letztes Jahr erschien. 


„Feel The Pain“, eine der erfolgreichsten Single-Auskopplungen der Bandhistorie wird erwartungsgemäß lautstark gefeiert. Hinter mir singt ein Fan Mitte 30, der damals sicherlich durch das Video von Spike Jonze Mitte der 90er auf MTV oder Viva zum ersten Mal auf die Gruppe aufmerksam wurde, so begeistert mit, dass ich mehr von seiner Einlage mitbekomme als von Mascis Intonation. 
Barlow mit dunklem Lockenschopf und Brille bewegt sich artistisch über die Bühne, mit tief hängendem Bass verkörpert er heute Abend die Punkattitüde, singt „Training Ground“, einen Song von Deep Wound, jener Hardcore-Band, in der er schon früher mit Mascis zusammen spielte, der im Gegensatz zu ihm häufig mit stoischer Ruhe und geschlossenen Augen vor seinem Mikrophon steht. Das polternde Schlagzeug des Aushilfsdrummers passt hier genau, der junge Mann verzerrt das Gesicht wie Keith Moon und muss danach die Verbände an seinen Fingern austauschen. 
Nach „Forget The Swan“ und 15 Songs verlässt das Trio die Bühne, Barlows Hemd ist Schweiß durchträngt. Für zwei Zugaben kommen die Drei zurück. Mit seinen klobigen Turnschuhen holt Mascis noch einmal alle Effekte aus seinem Instrument heraus, diesmal klingt es überhaupt nicht nach Neil Young, mit dem sein Spiel so oft verglichen wird, sondern eher nach einer harten Version Peter Framptons. Kein Witz! 

Aus guten Gründen nennt Robert Smith die Dinosaur Jr. Version von „Just Like Heaven“ als bestes The Cure Cover. Es ist der formidable Schluss eines guten Konzerts, das man entgegen aller Befürchtungen auch genießen kann, ohne ein Fan der Band zu sein. Zu guter Letzt hört man etwas vom Gesang, es klingt live tatsächlich nach Neil Young – und das liegt nicht am Tinitus, der ist uns nämlich tatsächlich erspart geblieben. Earplugs still recommended! Draußen geht gerade ein endzeitlicher Regen herab, die letzte S-Bahn erreichen wir pünktlich in triefend nasser Kleidung.



Setlist, Dinosaur Jr., Schorndorf:

01: Bulbs Of Passion
02: The Wagon
03: No Bones
04: Almost Fare
05: Raisans
06: Don't pretend you didn't know
07: Watch The Corners
08: Rude
09: Out There
10: Feel The Pain
11: Budge
12: Start Choppin
13: Training Ground (Deep Wound - Song)
14: Freak Scene
15: Forget The Swan

16: ? (Z)
17: Just Like Heaven (The Cure - Cover) (Z) 


Links

- aus unserem Archiv:
- Dinosaur Jr. in Frankfurt, 12.02.2013  
- Dinosaur Jr. in Paris, 23.05.2010
- Dinosaur Jr. in München, 23.05.2008
- Dinosaur Jr. in Paris, 24.08.2007
- Dinosaur Jr. in Hohenfelden, 18.08.2007





Mittwoch, 13. Februar 2013

Dinosaur Jr., Frankfurt, 12.02.13

6 Kommentare

Konzert: Dinosaur Jr.
Ort: Batschkapp, Frankfurt
Datum: 12.03.2013
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: Dinosaur Jr. gut 90 min, Trümmer 35 min



Auch in der Ruhe zu Hause höre ich kein Dauer-Piepsen, meine Ohrenschützer haben gute Dienste getan! Puh! Es war laut in der Batschkapp, es war sogar verflucht laut, Dinosaur Jr. spielten vermutlich eines der lautesten Konzerte, die ich bisher gesehen habe (unangefochtene Nummer eins sind immer noch die Charlatans, denen ich nie solchen Lärm zugetraut hätte). J Mascis und Co. sind bekannt für brachial lärmende Shows, ich war also gut vorbereitet und hatte die heftigsten Filter in meine Ohrstöpseln gepackt. Die hatten Premiere und sollen in vier Wochen dann bei My Bloody Valentine zeigen, was sie taugen.


Um acht begann mit Trümmer das Vorprogramm. Es ist gerade in der deutschen Indieszene in, sich kurze (sprich zweisilbige) Bandnamen zu geben. Messer, Zucker, Trümmer... Über Zucker, das Hamburger Duo, das ich als Support der Sterne kennengelernt habe, und deren damals einzige Veröffentlichung, eine Split-Musikkassette hatte ich den Namen Trümmer zum ersten Mal aufgeschnappt. Die dreiköpfige Band stammt aus Hamburg und besteht aus Sänger und Gitarrist Paul Pötsch, Bassist Tammo Kasper und Schlagzeuger Maximilian Fenski. Die Vornamen der drei lassen schon auf ihr Alter schließen (post-Kevin), Trümmer sind sehr jung. Vielleicht spiegelt sich das ein wenig in ihren Texten wider, die enthielten mir zu viele Textbaustein-Floskeln, musikalisch merkte man der Band ihre Jugend zumindest nicht im negativen Sinne an, Trümmer klangen enorm gut - reif, als stünden sie bereits seit sehr vielen Jahren auf der Bühne. Auch wenn ich es nicht gewußt hätte, ich hätte die Musiker in Hamburg angesiedelt, auch wenn sie eine Ecke rockiger und schneller spielten als die bekannten Hamburger Schule Bands. Am meisten Spaß machte mir - gute Musik hin oder her - das Gesicht von Schlagzeuger Maximilian! Der Trommler bewegte seinen Mund so intensiv, als singe er mit. Machte er aber nicht, er bewegte den Mund anders als Paul. Entweder kostet Trommeln so viel mehr Luft, daß er sehr intensiv atmete, oder Maximilian sang irgendwelche anderen Lieder während des Schlagzeugens. Es sah jedenfalls herrlich aus!


Niedlich waren die winzigen Lautstärker, die Trümmer dabei hatten. Strenggenommen hatten die normale Größen, neben den imposanten Boxentürmen der Hauptgruppe wirkten die Trümmer-Verstärker aber wie Stecknadelköpfe auf einen Fußball! 


Nach 35 Minuten war Schluß, das Equipment von Dinosaur Jr. stand auch schon an seinem Platz, es dauerte also nicht sonderlich lange, bis der Soundmann die Regler ganz hochfahren konnte. Die wichtigste Vorbereitung bestand eigentlich daraus, aus vier hochkant untereinandergelegten DIN A4-Zettels J Mascis' Setlist zurecht zu puzzeln. Auf jedem Blatt standen vier Worte in Schriftgröße 150 Pkt*, zum Beispiel

WATCH
CRUMB
RUDE
THERE



Das war Js 1,20 m lange Setlist, offenbar der miesen Augen des Musikers geschuldet. Krach scheint also auch schlechtsichtig zu machen.

Es war mein erstes Mal Dinosaur Jr., obwohl ich die Band gerne mag. Sie zählt nicht zum engeren Kreis meiner Lieblingsbands, ich mag sie aber viel lieber als einige Kollegen, die ich häufig gesehen habe. Also sind die Amerikaner in den letzten Jahren auf meiner Todo-Liste immer weiter nach oben geklettert. Trotzdem hätte ich vielleicht bei Alternativen auch diese Gelegenheit versäumt, weil ich mir (unterbewußt) wahrscheinlich nicht vorstellen konnte, wie mir eine Band, die dermaßen brachial-laute Konzerte spielt, live Spaß machen kann, auch wenn ich sie auf Platte mag. Laut ist ja eigentlich immer gut, aber anstrengend laut kann viel Spaß nehmen.


Dinosaur Jr. spielen seit einigen Jahren wieder in der ursprünglichen Besetzung (J Mascis, Lou Barlow, Murph). Alle drei sind sehenswerte Erscheinungen. Murph, der Schlagzeuger, kam in T-Shirt und Badeshort auf die Bühne, deren zur Schleife gebundenes Zugband er erst einmal wieder öffnete, als er hinter seinem Instrument saß. Er ließ sie aber an, obwohl es kurz anders aussah. Mit seiner Glatze und den Strandklamotten könnte er auch bei Right Said Fred oder am Ballermann beschäftigt sein. Sobald es jeweils losging, drosch er so energisch und fachlich perfekt (soweit ich das beurteilen kann) auf seine Trommeln ein, daß der Malle-Look gar nicht weiter auffiel. Vor den Zugaben verschwand er noch einmal kurz hinter die Boxenwände (alleine deshalb sind die eine geniale Idee!), als seine beiden Kollegen schon wieder ein wenig losschrammelten, und holte sich etwas zu essen, das er dann energisch im Mund verarbeitete. Meine Lieblingsszene ansonsten war seine Suche nach immer mehr Drumsticks. Er suchte suchte sich irgendwann einen neuen Stoß Stöcke aus einem Depot hinter den Verstärkern, testete die kurz und verteilte sie. Das waren sicher zehn Paar Sticks. Sein Roadie brachte aber sofort noch einen ganzen Schwung Nachschub. Bei einer Omma hätte man gesagt "Nachkriegsgeneration hortet gerne", hier erschien es schwer erklärbar, weil Murph nicht so viele Sticks durchprügelte, aber warum auch nicht. Die stammen sicher aus klimaneutralem Anbau.


Lou Barlow sieht wie ein nach der Geburt getrennter Zwilling von Markus Acher (The Notwist) aus mit seinem wilden Lockenkopf und dem Vollbart. Der Notwist-Frontmann geht zwar live auch aus sich heraus, sein amerikanischer Zwilling sticht ihn aber locker aus. Bassisten sind durch ihr Instrument (glaube ich laienhaft) ja nicht unbedingt prädestiniert, wild über die Bühne zu hüpfen. Lou spielt zum einen den schnellsten Bass, den ich seit langem gesehen habe - seine linke Hand raste über die Saiten - er hüpfte auch so wild über die Bühne, daß meine Fotos von ihm alle wie langzeitbelichtete Autoscheinwerfer aussehen. Ein paar Lieder sang der Bassist alleine, ein paar gemeinsam mit seinem Frontmann. Für Ansagen war allerdings Lou Barlow alleine zuständig. "Habt ihr einen Kater?", weil wir so leise waren. "Seid ihr auch heute verkleidet rumgelaufen?" Irgendwann ließ er das, weil das Publikum kaum reagierte, etwas, das ich jetzt öfter beobachtet habe. Die Musiker müssen denken, daß wir sie nicht verstehen.


J Mascis ist das Gegenteil von Lou. Er bewegt sich wenig und behäbig, guckt meistens zwischen Zottelbart und fissiligem Haar nach unten. Die einzig schnellen Bewegungen machen seine Hände - und die sind sehr schnell! Js Gesang war zu hören, er war aber kaum zu verstehen, weil alles um ihn herum so unendlich viel lauter war. Dabei hatten die Roadies vorher die beiden mittleren Monitorboxen zum Publikum gedreht. "Das ist nur Js Stimme" hatten sie erklärt. Beim letzten Soundcheck war das Gesangsmikro darauf auch zu hören, während des Konzerts war der Nutzen aber eher homöopathisch.


J Mascis erinnerte mich an Christopher Lee (er sieht auch ungefähr gleichalt aus). Während des Konzerts aus unmittelbarer Nähe fiel mir aber ein, daß er einem anderen Star fast noch mehr gleicht: Adler Sam aus der Muppet Show! Wahnsinnig gut gefiel mir, daß J offenbar sehr modebewußt ist. Passend zu seinen Turnschuhen hatte er ein brombeerfarbenes Stromkabel in seiner Gitarre stecken - wundervoll! Meine Lieblings-J-Szene war vor dem Beginn eines Stücks, als Murph und Lou bereits loslegen wollten, J auch wie üblich schon ein paar Takte angeschlagen hatte, dann aber ohne irgendeinen Kommentar abbrach, zur Box ging, einen Schluck Wasser trank, zurückschluffte und wieder die ersten Takte des Stücks spielte!

Laut war alles! Besonders laut und schnell wurde es aber, als Lou ein Stück der Hardcore-Band Deep Wound ankündigte, in der er mit J gespielt hat. "Wir waren schnell, wir waren sogar sehr schnell!" - "Heute sind wir zu alt, wir spielen daher ein langsameres Stück", das so langsam war, wie der Abend ruhig.

Und wie war es jetzt musikalisch? Hmmm, keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Meine Ohrhörer steckten so tief drin (der Druck war trotzdem gut zu spüren), daß es musikalisch kein erstklassiges Vergnügen war. Ohne Ohrenschutz wäre es das auch nicht gewesen, das werden die vielen Zuseher ohne Stöpsel im Ohr heute und in den nächsten Tagen merken. Das Konzert war aber trotzdem jeden Cent wert, weil ich meistens geahnt habe, welches Lied gespeilt wurde.

Als ich nach dem Ende meine Stöpsel aus den Ohren genommen habe, beruhigt erfolglos aufs Summen wartete, lief von Band My Bloody Valentine...

Setlist Dinosaur Jr., Batschkapp, Frankfurt:

01: Thumb
02: Almost fare
03: The wagon
04: Don't pretend you didn't know
05: Watch the corners
06: Crumble
07: Rude
08: Out there
09: Feel the pain
10: Training ground (Deep Wound)
11: Budge
12: Start choppin'
13: Freak scene
14: Forget the swan

15: Just like heaven (The Cure Cover) (Z)
16: Sludgefeast (Z)


* (habe ich natürlich ausprobiert, sonst tauchen wir demnächst noch im Visier von Plagiatsjägern oder ähnlichem lichtscheuen Volk auf)



Montag, 24. Mai 2010

Dinosaur Jr. & Built To Spill, Paris, 23.05.10

2 Kommentare

Konzert: Dinosaur Jr. & Built To Spill

Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris,
Datum: 23.05.2010
Zuschauer: hmm? 1000 vielleicht
Konzertdauer: Built To Spill eine Stunde, Dinosaur Jr. 75-80 Minuten


Was für ein Line-Up! Built To Spill und Dinosaur Jr. im Doppelpack! Ähnlich spektakulär wie kürzlich Pavement & The National. Aber wo waren die Frauen?? 80 % des Publikums bestand aus bärtigen, mittelmäßig attraktiven Männer zwischen 30 und 40. Typen wie ich also. Wäre toll gewesen, wenn mehr Mädchen den Weg in die Machine du Moulin Rouge gefunden hätten, aber das war zu erwarten. Built To Spill & Dinosaur Jr. sind den Weibern zu hart und Doug und Joseph (J) nicht sexy genug. Wenn Peter, Luke oder Johnny (Borrell nicht Hallyday) spielen, stehen sie hingegen Schlange. Oberflächliche Weibsbilder! Keine Ahnung von guter Musik! Immer nur kommen, wenn Typen mit einem knackigen Hintern die Gitarren schwingen! Pfff! Dabei sind Douggie und J echte Guitar Heroes und zudem unfassbar lässig und nonchalant. Also ich steh' auf die Beiden! Und sie haben meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht, wenngleich man das ein oder andere Haar in der Suppe finden konnte. Built To Spill haben als Vorgruppe naturgemäß nicht lange genug gespielt und deshalb zahlreiche Lieblingslieder (I Woud Hurt A Fly, Liar, Car, Strange, etc...) ausgelassen, waren aber soundtechnisch gut abgemischt, während man bei Dinosaur Jr. vor lauter höllisch lärmenden Gitarren bisweilen die wunderbar brüchige Stimme von J Mascis nicht mehr raushören konnte. Bei Feel The Pain ging aber urplötzlich ganz heftig der Pogo im Publikum ab.

Achso, Murph saß heute nicht hinter der Schießbude bei den Dinosauriern, sondern ein Kerl namens Kyle. Er war aber nur Ersatz, Murph ist also nicht gefeuert worden, sondern lediglich früher in die USA zurückgeflogen. Lou Barlow zupfte wie gewohnt den Bass, hatte deutlich längere Locken als zuvor und auch ein paar Kilo zugelegt. J Mascis sah aus wie immer und seine dünnen weißen Haaren flogen ihm, vom Ventilator befächert, ständig in die Fresse. Weiß nicht, wie er so (Beweisfoto bei Robert Gil, klick!) überhaupt singen konnte.

Wer es ausführlicher wünscht:

Wenn sich Fans fragen, wer denn dieser Ben sei, dessen Namen man auf Doug Martsch's Gitarre lesen kann, dem sei veraten, daß es sich um den Sohn des Built To Spill Frontmannes handelt. Er ist inzwischen ein Teenager, konnte es als kleines Kind (also in den 90ern) aber nicht ertragen, wenn sein Dad ihn verließ, um auf Tour zu gehen. Gerüchteweise habe ich gehört, daß Ben krank sei. Ich glaube er leidet unter Autismus. Meine Bekannte Dorothé, die unter dem Projektnamen The Rodeo in Frankreich große Erfolge feiert, hatte mir einmal erzählt, daß sie Doug Martsch damals einen Brief geschrieben hatte, indem sie fragte, warum denn Built To Spill nie nach Europa auf Tour kämen. Martsch antwortete persönlich und ausführlich und erklärte, daß er seinen Sohn nicht lange alleine lassen könne. Diese Geschichte fand ich sehr rührend und verstärkte meine ohnehin schon vorhandene Sympathie für Doug noch einmal. Ein überaus talentierter Musiker, der nicht bereit ist, für den Erfolg alles zu opfern. Jemand, der bescheiden, menschlich und natürlich bleibt, kein Aufhebens um seine Person macht. Ein dufter Typ einfach. Mit Geld nicht zu bezahlen, wieviel Freude, Trost und Euphorie er mir mit seiner Musik bereitet hat. Perfect From Now On, Ancient Melodies Of The Future, You In Reverse, alles Alben, die bei mir rauf und runter liefen. "I listened the shit out of these records", so würde es wohl der Engländer sagen , wenn er beschreibt will, daß er wie ich die CDs unzählige Mals gehört hat. Insofern schon sehr seltsam, daß ich das neue Album There Is No Enemy noch nicht besaß, als ich mich zur Machine du Moulin Rouge begab, wo das Konzert von Built To Spill und Dinosaur Jr. stattfand. Es gibt einfach zu viele Veröffentlichungen jede Woche, da fällt es noch dem ehrgeizigsten Konzertbloger schwer, zu folgen. Außerdem habe ich bei Lieblingsbands immer Angst vor Enttäuschungen, wenn sie neue Alben veröffentlichen.

Um 20 Uhr 25 hatte ich den Eingang zur ehemaligen Locomotive erreicht. Die Location befindet sich in der von Touristen überlaufenen Mühle Le Moulin Rouge. Der Einlass verlief äußerst schleppend und noch schlimmer: Built To Spill hatten bereits angefangen! Im Flur in der Schlange stehend hörte ich von weitem In The Morning einen alten Klassiker von There Is Nothing Wrong With Love. Andere Fans, die mit mir anstanden, witzelten rum und riefen: "Diejenigen, die nur für Dinosaur Jr. gekommen sind, lassen bitte einmal die Fans von Built To Spill vor. Merci!" Ich fragte mich, ob das auf mich zutraf. War ich auch in erster Linie für Built To Spill gekommen? Jein! Wenn ich mich zwischen Built To Spill und Dinosaur Jr entscheiden müsste, würde ich vermutlich die Truppe um Doug Martsch bevorzugen, aber J Mascis und seine Bande mag ich auch sehr gern. Ich war für beide Acts gekommen.

Gegen 20 Uhr 35 war ich endlich nach vorne durchgedrungen und sah das Quintett Built To Spill gewohnt stoisch agierend. Allesamt Burschen, die sich nur auf ihren musikalischen Part konzentrieren und nichts so sehr hassen, wie Show oder Entertainment. "Just play your fucking riff, that's all", sagen sie sich vermutlich vorher. Entsprechend knapp sind dann auch jeweils die Statements von Doug. Mehr als ein knappes "thanks" entfährt ihm so gut wie nie. Lediglich einmal holte er etwas weiter aus und erklärte mit hämischem Unterton: "Thanks for standing there and watching us play", so als wolle er sagen: "Hey, cool von Euch, daß ihr nicht abhaut, sondern uns geduldig zuhört...

Ich persönlich kam mit Stop The Show so richtig in Fahrt. Ein alter Klassiker vom brillanten Album Perfect From Now On, der zunächst ein paar Minuten instrumental vor sich hin treibt, bevor Dog greinend ins Geschehen eingreift: "You don't tell me anything that's not a dream that's not a big lie"... Wie oft ich dieses Lied wohl auf meinem Ipod gehört habe? 50 mal? 100 mal? Nie zuvör gehört, hatte ich allerdings Hindsight vom neuen Longplayer. Ein Versäumnis, denn dieser Song ist richtig gut. Ziemlich lieblich, fast heiter, zumindest für Built To Spill Verhältnisse und schnell ins Ohr gehend. Das nachfolgende Wherever You Go kannte ich dan wieder, es stammt vom 2006 er Release You In Reverse, den Built To Spill wohl im Nachhinein ziemlich gerne mögen, denn auch der abschließende Song Conventional Wisdom mit seinen Endlos- Gitarrenschleifen am Ende stammte davon. Spannender für mich aber Nowhere Nothin' Fuckup, ein Uraltsong von Ultimate Alternative Wavers (1992), den ich vorher nicht kannte. Eine aggressive Nummer mit viel Biss und Power, die nicht zu Unrecht zur Setlist gehörte. "In America every puddle gasoline rainbow" hieß es da textlich am Ende, was immer damit auch gemeint ist...

Ausführlicher Bericht Dinosaur Jr. etwas später...


Setlist Built To Spill, La Machine Du Moulin Rouge, Paris:

01: Oh Yeah
02: In The Morning
03: Virgina Reel Around The Fountain (Halo Benders)
04: Distopian Dream Girl
05: Stop The Show
06: Hindsight
07: Wherever You Go
08: Nowhere Nothin' Fuckup (abgekürzt NNFU)
09: Coventional Wisdom

Setlist Dinosaur Jr., La Machine Du Moulin Rouge, Paris:

01: Thumb
02: Budge
03: No Bones
04: Imagination Blind
05: Repulsion
06: Pieces
07: Out There
08: Feel The Pain
09: Over It
10: Raisans
11: Freak Scene
12: Gargoyle

+ 2 Zugaben

Aus unserem Archiv:

Built To Spill, Paris, 03.11.08
Built To Spill, Paris, 30.05.07
Built To Spill, Köln, 18.05.07

Dinosaur Jr., München, 23.05.08
Dinosaur Jr., Paris, 24.08.07
Dinosaur Jr., Hohenfelden, 18.08.07



Montag, 26. Mai 2008

Dinosaur jr., München, 23.05.08

4 Kommentare

Konzert: Dinosaur jr.
Datum: 23.05.2008
Ort: Moffathalle, München
Zuschauer: ausverkauft


Wo passiert Bewegung? Es muss nicht immer die sichtbare Sequenz sein, die Wirkung hinterlässt. so steht man denn etwas ungläubig einem stoisch dreinblickenden Joseph Donald Mascis jr. gegenüber und fragt sich, wo all die emotionsgeschwängerten Töne herkommen. Es kann nicht mit rechten Dingen zugehen, sollte wirklich der unter J. Mascis bekannte Frontmann der berühmt berüchtigen Dinosaur jr. daran beteiligt sein. Denn mit völlig ausdrucksloser Miene vollführt er seine Gitarrenläufe und läßt das Gerät, das ihm lässig über die Schultern hängt, singen. Er ist der Zeremonienmeister einer alt gedienten und zugleich überaus agilen Dreimanngemeinschaft, die das zuhauf angegraute Publikum in zunächst zögerliche, später ausgereifte Ekstase zu versetzen weiß. Murph und Lou Barlow, zurückgekehrt in den Bannkreis des weißhaarig behangenen Chefs, beleben neben dem straffen Rhythmusgerüst auch die harmonische Komponente des musikalischen Konzepts dieser Band, die ihre Höhen und Tiefen nie zu verbergen wusste. Mit der Reunion in 2005 und dem aktuellen Album "Beyond" wird Mascis und co. kein Geldsegen behelligen, aber dafür bekommen sie eine mittelgroße Muffathalle an einem Freitag abend fast vollständig befüllt.

Und es werden keine Gefangenen gemacht. Mascis, eingehüllt in einen Halbkreis aus Marshallboxen, die ihm den Abend auf eine für jeden unkundigen unheimliche Weise versüssen, singt, als wäre seine Anwesenheit nicht gefragt, ein Pressen, ein Nuscheln, kaum hörbare unterschiede zwischen den einzelnen Worten, Sätzen, Liedern. und doch kennt die Crowd jeden Fetzen und singt, da die Band Stillstand übt gelassen mit. Wer bei dieser Veranstaltung kein Eingeweihter ist, wird sich nicht nur über die Gestalt Mascis' wundern, sondern über die Brachialgewalt einer Musik, die wie aus einem entfernten Jahrtausend, angestaubt und auf sympathische Art konventionell, herüberweht, nein -stürmt! Lou Barlow, der mit seinem immer noch auf Milchbubimodus eingestellten Gesicht, gegenüber seinem Paten geradezu euphorisch wirkt, wenn er mit offen kreisendem Arm seinen Bass bedient, als sei es ein weniger virtuos denn strafend zu handhabendes Instrument. Die Wucht dieses Geräts lenkt ab von Murphs dynamischen und punktgenauen Schlagzeugspiel. Ein Wunder, was der Kerl aus den kleinen, grünfunkelnden Drums herausholt. und doch bleiben beiden nur Sideparts an diesem und vermutlich allen anderen Abenden, die sie mit Mascis die Bühne teilen. Seine ausgewachsenen, schreienden, fein ausgearbeiteten Soli beherrschen die Szenerie und werden vom Publikum mit Oberkörperkreisen in den hinteren Reihen und wildem Moshpit in vorderster Front gefeiert. So stehen sich Kultfigur und Auditorium auf denkbar konträrste Weise gegenüber. Hier der Stoiker, dort die wilde Brandung. Und die Liebe ist dennoch gleichsam groß und wird von Seiten der Band mit Songs des aktuellen Albums, aber auch mit einigen Gassenhauern beantwortet, von Seiten der Fans mit Applaus, pfiffen und allerlei weiteren Bekundungen unumwundener Zuneigung und Dankbarkeit. Wer glaubt, dass ich übertreibe, suche bei nächster Gelegenheit ein Konzert von Dinosaur jr. auf! Dass an diesem Abend zwei Vorbands am Start waren, ist eine Marginalie dieses Berichts. Denn die Band aus Amherst strahlte und in ihrem Glanz versengt sich jeder noch so gut gemeinte Auftritt. Über Mondo Fumatore möchte ich den Mantel des Schweigens hängen, denn sie waren ausgesprochen schlecht, langweilig und neben memorablem Material mangelte es auch an Bühnenpräsenz und leider nicht an schlechten Witzen. Die waren vermutlich der Nervosität geschuldet. Eine deutliche Steigerung gegenüber den Deutschen waren Awesome Colour aus den Staaten, deren Mixtur aus Garage, Metal und psychedelischem Rock 'n Roll mehr als unterhaltsam war. Ihr letztes Album erschien auf Ecstatic Peace, allemal ein Grund aufmerksam zu bleiben, was das Treiben der drei Jungspunde (Dame an der Schießbude!) betrifft.

Einziger Minuspunkt des Abends, vernachlässigen wir das Treiben von Mondo Fumatore, war die fehlende zweite Zugabe des Hauptacts. Aber angesichts einer langen Tournee muss man verstehen, dass die alten Säcke Energien sparen müssen.

Setlist Dinosaur jr., München:

01: Been there all the times
02: Budge
03: Lou2 (?)
04: Crumble
05: Pick me up
06: Out there
07: This is all I came to do
08: Feel the pain
09: Raisans
10: Freakscene
11: Kracked
12: Sludgefeast

13: The wagon (Z)
14: Tarpit (Z)

von Eike vom klienicum

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dinosaur Jr., Paris, 24.08.07
- Dinosaur Jr., Hohenfelden, 18.08.07





Samstag, 25. August 2007

Dinosaur Jr., Paris, 24.08.07

0 Kommentare
Konzert: Dinosaur Jr.
Ort: Paris, Festival Rock en Seine
Datum. 24.08.2007
Zuschauer: bereits recht viele

In der Festivalsaison häufen sich ja die Déja-Vu Erlebnisse, was logischerweise damit zusammenhängt, daß Künstler, die gerade ein neues Album vermarkten, bei mehreren Events dieser Art auftreten. Im Falle von Donosaur Jr., die gerade ihr neues Baby "Beyond" verteidigen, störte mich das allerdings nicht die Bohne, denn von den alten Säcken kann ich im Moment gar nicht genug bekommen. Im Gegenteil, ich war höchst erfreut, J. Mascis, Lou Barlow und Murph das zweite Wochenende in Folge (nachdem sie mich letzten Samstag beim Highfield weggeblasen hatten) zu genießen.

Anderer Schauplatz also, aber immer noch die gleiche Energie, Leidenschaft und Klasse wie schon letzte Woche.

Dinosaur Jr. sollten die 2007 er Ausgabe von Rock en Seine für mich eröffnen. Alle Jahre wieder, schaffen es die Veranstalter des Pariser Festivals ein glänzendes Line-Up auf die Beine zu stellen, das neben jungen aufstrebenden Bands auch immer wieder alten Rock-Dinos ein Podium bietet. 2005 vertraten die Pixies die Gruppe der Oldies, während 2006 Morrissey in der Altersklasse 40+ antrat. Heuer waren also die drei ergrauten Herren (außer Lou Barlow) aus Massachussets an der Reihe.

Gerade ziemlich problemlos durch die Schlange am Eingang durchgekommen und ein paar Meter auf dem matschigen Gelände gegangen, sollte es dann auch auf der Scène de la Cascade auch schon losgehen. Auf Dizzee Rascal, der zur gleichen Zeit auf der Hauptbühne rappte, konnte ich getrost verzichten...

Zu meiner Überraschung starteten Dinosaur Jr. aber diesmal nicht mit "Almost Ready", sondern einem Stück, das ich aufgrund des höllischen Lärms nicht erkannte. Wortfetzen waren nicht zu verstehen und hinzu kam, daß ich noch nicht richtig bei der Sache war und erst in Konzertstimmung kommen mußte. Passenderweise forderte Lou Barlow, der von dem Trio immer am meisten redete, dann auch die Pariser auf, aufzuwachen: "Good morning, everybody, we are Dinosaur Jr., it's time to wake-up". (Anmerkung: es war bereits halb fünf nachmittags!)

Die fetzigen Gitarrensoli von Herrn Mascis, die messerscharfen Bassläufe von Barlow und das erneut unglaublich energiegeladene Schlagzeugspiel von Murph sorgten aber in der Folge schnell dafür, daß keine Zeit zum Schlafen blieb. Neue Hits wie "Been There All The Time" und "Back To Your Heart", begeisterten neben alten Perlen wie dem Cure-Cover "Just Like A Dream" und natürlich dem Knüller "Freak Scene" sowohl die alten (also Leute wie mich) als auch die neuen Fans der Indie-Rocker. Entsprechend stürmisch war der Applaus, den J. Mascis in seiner gewohnt coolen und stillen Art lediglich knapp mit "All right, thanks!", quittierte. Lou Barlow war hingegen abermals zu Scherzen aufgelegt. "I can't see you, I don't have my glasses on", ulkte er irgendwann, nachdem er einen Zuruf aus dem Publikum erhalten hatte.

Schade, daß die Zeit relativ kurz bemessen war, aber in vierzig Minuten schafften es Dinosaur Jr., das Publikum glänzend auf diesen ersten Festivaltag einzustimmen. Die alten Säcke haben gerockt wie Hölle! Bravo!!

Setlist Dinosaur Jr, Rock en Seine :

01: ?
02: Been There All The Time
03: Back To Your Heart
04: Just Like Heaven (The Cure-Cover)
05: Little Fury Things
06: Out There
07: This Is All I Came To Do
08: Feel The Pain
09: Freak Scene
10: Sludgefeast

Insgesamt 10 Lieder



Dienstag, 21. August 2007

Dinosaur Jr., Hohenfelden,18.08.07

1 Kommentare

Konzert: Dinosaur Jr.

Ort: Hohenfelden (Highfield Festival)
Datum: 18.08.2007
Zuschauer: volles Zelt


Eigentlich wäre ich schon im vergangenen Dezember in den Genuss eines Dinosaur Jr. Konzertes gekommen, als sie als Vorgruppe von Sonic Youth im riesigen Pariser Zénith auftraten, weil ich aber damals zu spät anrückte, war somit im intimeren knallroten Coca Cola Soundwave Tent zu Hohenfelde Premiere für mich.

Das lange Warten sollte sich als lohnend rausstellen, denn J. Mascis, Lou Barlow (Bass) und Murph (Drums) begeisterten mich mit dem Opener "Almost Ready" von dem neuen Opus "Beyond" von der ersten Minute an. Zwar ist die Zeit äußerlich nicht ganz spurlos an den drei Herren vorbeigegangen (Murph hat eine Glatze, J. Mascis einen kleinen Bauch und weiße Haare, Lou Barlow allerdings sieht prächtig aus), das Rocken haben die Typen aber keineswegs verlernt.

Herr Mascis verfügt nach wie vor über diese unglaublich rauchige und brüchige Stimme und auch seine Gitarrensoli haben nichts von ihrer Schlagkraft eingebüßt, Lou Barlow behandelt seinen Bass noch wie eh und je und Murph prügelt auf das Schlagzeug ein, daß so mancher Jungspund vor Neid erblassen könnte.

Die drei Indie-Rock-Dinos nahmen sich zwar etwas mehr Zeit zwischen den Liedern als Nachwuchsbands wie z.B. The Enemy, aber dafür ließen sie es um so doller krachen, wenn sie denn mal losgelegt hatten. Gespielt wurde ein bunter Mix aus alten Hits, wie z.B. das fabelhafte The Cure Cover "Just Like Heaven" und natürlich "Freak Scene" aber auch Neues, wie "Back To Your Heart" oder "This Is All I Came To Do".

Zumindest Lou Barlow schien glänzend gelaunt zu sein, er machte sich einen Spaß daraus, in der Pause zwischen zwei Songs "Coca Cola, drink Coca Cola", in Anspielung auf den Sponsor des Zeltes zu summen, was ihm scherzhaft gemeinte Buhrufe bei den Fans einbrachte...

An späterer Stelle ging Lou dann auch auf die Konkurrenz ein, die gerade zur gleichen Zeit auf der Hauptbühne spielte: "Dinosaur Jr. against Fall Out Boy, let the battle beginn..." Überflüssig zu erwähnen, wer für mich den Zweikampf gewann. Dinosaur Jr. natürlich und das lag nicht nur an der Tatsache, daß Fall Out Boy scheußlich, sondern die Veteranen aus Massachusetts nach wie vor glänzend sind!

Nach einer Stunde, die vollgepackt war mit packenden und mitreißenden Songs, bestand für mich kein Zweifel, daß diese Reunion in Originalbesetzung (zum ersten Mal seit 1988!) kein bloßer Marketing Gag war, sondern Dinosaur Jr. immer noch eine Daseinsberechtigung in der heutigen Musikszene haben.

Der Rock-Zirkus braucht Bands wie diese ganz einfach. Den alten Hasen (bzw. Dinos) macht nämlich niemand was vor...

Setlist Dinosaur Jr. Highfield:

01: Almost Ready
02: Just Like Heaven
03: Back To Your Heart
04: Been There All The Time
05: Little Fury Things
06: Out There (Where You Been)
07: This Is All I Came To Do
08: Feel The Pain
09: Gargoyle
10: The Wagon
11: Freak Scene
12: Kracked
13: Sludgefeast

14: Chunks?





 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates