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Montag, 24. Mai 2010

Dinosaur Jr. & Built To Spill, Paris, 23.05.10

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Konzert: Dinosaur Jr. & Built To Spill

Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris,
Datum: 23.05.2010
Zuschauer: hmm? 1000 vielleicht
Konzertdauer: Built To Spill eine Stunde, Dinosaur Jr. 75-80 Minuten


Was für ein Line-Up! Built To Spill und Dinosaur Jr. im Doppelpack! Ähnlich spektakulär wie kürzlich Pavement & The National. Aber wo waren die Frauen?? 80 % des Publikums bestand aus bärtigen, mittelmäßig attraktiven Männer zwischen 30 und 40. Typen wie ich also. Wäre toll gewesen, wenn mehr Mädchen den Weg in die Machine du Moulin Rouge gefunden hätten, aber das war zu erwarten. Built To Spill & Dinosaur Jr. sind den Weibern zu hart und Doug und Joseph (J) nicht sexy genug. Wenn Peter, Luke oder Johnny (Borrell nicht Hallyday) spielen, stehen sie hingegen Schlange. Oberflächliche Weibsbilder! Keine Ahnung von guter Musik! Immer nur kommen, wenn Typen mit einem knackigen Hintern die Gitarren schwingen! Pfff! Dabei sind Douggie und J echte Guitar Heroes und zudem unfassbar lässig und nonchalant. Also ich steh' auf die Beiden! Und sie haben meine hohen Erwartungen auch nicht enttäuscht, wenngleich man das ein oder andere Haar in der Suppe finden konnte. Built To Spill haben als Vorgruppe naturgemäß nicht lange genug gespielt und deshalb zahlreiche Lieblingslieder (I Woud Hurt A Fly, Liar, Car, Strange, etc...) ausgelassen, waren aber soundtechnisch gut abgemischt, während man bei Dinosaur Jr. vor lauter höllisch lärmenden Gitarren bisweilen die wunderbar brüchige Stimme von J Mascis nicht mehr raushören konnte. Bei Feel The Pain ging aber urplötzlich ganz heftig der Pogo im Publikum ab.

Achso, Murph saß heute nicht hinter der Schießbude bei den Dinosauriern, sondern ein Kerl namens Kyle. Er war aber nur Ersatz, Murph ist also nicht gefeuert worden, sondern lediglich früher in die USA zurückgeflogen. Lou Barlow zupfte wie gewohnt den Bass, hatte deutlich längere Locken als zuvor und auch ein paar Kilo zugelegt. J Mascis sah aus wie immer und seine dünnen weißen Haaren flogen ihm, vom Ventilator befächert, ständig in die Fresse. Weiß nicht, wie er so (Beweisfoto bei Robert Gil, klick!) überhaupt singen konnte.

Wer es ausführlicher wünscht:

Wenn sich Fans fragen, wer denn dieser Ben sei, dessen Namen man auf Doug Martsch's Gitarre lesen kann, dem sei veraten, daß es sich um den Sohn des Built To Spill Frontmannes handelt. Er ist inzwischen ein Teenager, konnte es als kleines Kind (also in den 90ern) aber nicht ertragen, wenn sein Dad ihn verließ, um auf Tour zu gehen. Gerüchteweise habe ich gehört, daß Ben krank sei. Ich glaube er leidet unter Autismus. Meine Bekannte Dorothé, die unter dem Projektnamen The Rodeo in Frankreich große Erfolge feiert, hatte mir einmal erzählt, daß sie Doug Martsch damals einen Brief geschrieben hatte, indem sie fragte, warum denn Built To Spill nie nach Europa auf Tour kämen. Martsch antwortete persönlich und ausführlich und erklärte, daß er seinen Sohn nicht lange alleine lassen könne. Diese Geschichte fand ich sehr rührend und verstärkte meine ohnehin schon vorhandene Sympathie für Doug noch einmal. Ein überaus talentierter Musiker, der nicht bereit ist, für den Erfolg alles zu opfern. Jemand, der bescheiden, menschlich und natürlich bleibt, kein Aufhebens um seine Person macht. Ein dufter Typ einfach. Mit Geld nicht zu bezahlen, wieviel Freude, Trost und Euphorie er mir mit seiner Musik bereitet hat. Perfect From Now On, Ancient Melodies Of The Future, You In Reverse, alles Alben, die bei mir rauf und runter liefen. "I listened the shit out of these records", so würde es wohl der Engländer sagen , wenn er beschreibt will, daß er wie ich die CDs unzählige Mals gehört hat. Insofern schon sehr seltsam, daß ich das neue Album There Is No Enemy noch nicht besaß, als ich mich zur Machine du Moulin Rouge begab, wo das Konzert von Built To Spill und Dinosaur Jr. stattfand. Es gibt einfach zu viele Veröffentlichungen jede Woche, da fällt es noch dem ehrgeizigsten Konzertbloger schwer, zu folgen. Außerdem habe ich bei Lieblingsbands immer Angst vor Enttäuschungen, wenn sie neue Alben veröffentlichen.

Um 20 Uhr 25 hatte ich den Eingang zur ehemaligen Locomotive erreicht. Die Location befindet sich in der von Touristen überlaufenen Mühle Le Moulin Rouge. Der Einlass verlief äußerst schleppend und noch schlimmer: Built To Spill hatten bereits angefangen! Im Flur in der Schlange stehend hörte ich von weitem In The Morning einen alten Klassiker von There Is Nothing Wrong With Love. Andere Fans, die mit mir anstanden, witzelten rum und riefen: "Diejenigen, die nur für Dinosaur Jr. gekommen sind, lassen bitte einmal die Fans von Built To Spill vor. Merci!" Ich fragte mich, ob das auf mich zutraf. War ich auch in erster Linie für Built To Spill gekommen? Jein! Wenn ich mich zwischen Built To Spill und Dinosaur Jr entscheiden müsste, würde ich vermutlich die Truppe um Doug Martsch bevorzugen, aber J Mascis und seine Bande mag ich auch sehr gern. Ich war für beide Acts gekommen.

Gegen 20 Uhr 35 war ich endlich nach vorne durchgedrungen und sah das Quintett Built To Spill gewohnt stoisch agierend. Allesamt Burschen, die sich nur auf ihren musikalischen Part konzentrieren und nichts so sehr hassen, wie Show oder Entertainment. "Just play your fucking riff, that's all", sagen sie sich vermutlich vorher. Entsprechend knapp sind dann auch jeweils die Statements von Doug. Mehr als ein knappes "thanks" entfährt ihm so gut wie nie. Lediglich einmal holte er etwas weiter aus und erklärte mit hämischem Unterton: "Thanks for standing there and watching us play", so als wolle er sagen: "Hey, cool von Euch, daß ihr nicht abhaut, sondern uns geduldig zuhört...

Ich persönlich kam mit Stop The Show so richtig in Fahrt. Ein alter Klassiker vom brillanten Album Perfect From Now On, der zunächst ein paar Minuten instrumental vor sich hin treibt, bevor Dog greinend ins Geschehen eingreift: "You don't tell me anything that's not a dream that's not a big lie"... Wie oft ich dieses Lied wohl auf meinem Ipod gehört habe? 50 mal? 100 mal? Nie zuvör gehört, hatte ich allerdings Hindsight vom neuen Longplayer. Ein Versäumnis, denn dieser Song ist richtig gut. Ziemlich lieblich, fast heiter, zumindest für Built To Spill Verhältnisse und schnell ins Ohr gehend. Das nachfolgende Wherever You Go kannte ich dan wieder, es stammt vom 2006 er Release You In Reverse, den Built To Spill wohl im Nachhinein ziemlich gerne mögen, denn auch der abschließende Song Conventional Wisdom mit seinen Endlos- Gitarrenschleifen am Ende stammte davon. Spannender für mich aber Nowhere Nothin' Fuckup, ein Uraltsong von Ultimate Alternative Wavers (1992), den ich vorher nicht kannte. Eine aggressive Nummer mit viel Biss und Power, die nicht zu Unrecht zur Setlist gehörte. "In America every puddle gasoline rainbow" hieß es da textlich am Ende, was immer damit auch gemeint ist...

Ausführlicher Bericht Dinosaur Jr. etwas später...


Setlist Built To Spill, La Machine Du Moulin Rouge, Paris:

01: Oh Yeah
02: In The Morning
03: Virgina Reel Around The Fountain (Halo Benders)
04: Distopian Dream Girl
05: Stop The Show
06: Hindsight
07: Wherever You Go
08: Nowhere Nothin' Fuckup (abgekürzt NNFU)
09: Coventional Wisdom

Setlist Dinosaur Jr., La Machine Du Moulin Rouge, Paris:

01: Thumb
02: Budge
03: No Bones
04: Imagination Blind
05: Repulsion
06: Pieces
07: Out There
08: Feel The Pain
09: Over It
10: Raisans
11: Freak Scene
12: Gargoyle

+ 2 Zugaben

Aus unserem Archiv:

Built To Spill, Paris, 03.11.08
Built To Spill, Paris, 30.05.07
Built To Spill, Köln, 18.05.07

Dinosaur Jr., München, 23.05.08
Dinosaur Jr., Paris, 24.08.07
Dinosaur Jr., Hohenfelden, 18.08.07



Dienstag, 4. November 2008

Built To Spill, Paris, 03.11.08

4 Kommentare

Konzert: Built To Spill

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 03.11.2008
Zuschauer: gute Raumauslastung, vermutlich ausverkauft
Konzertdauer: gut 90 Minuten



Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß dieser schrammelige Indie-Rock mit den endlos langen Gitarrenschlaufen, den Built To Spill da spielen, einen genau so langen Bart hat, wie der kauzige Frontmann Doug Martsch. Will heißen: Der Stil der bärtigen Amis scheint mir gnadenlos out zu sein! Wenn es so etwas wie den Sound der 90er gab, dann klang er so wie die Mucke, die uns gestern abend in der Pariser Maroquinerie aufgetischt wurde!

Heute ist doch Math-Rock angesagt, desweiteren New Rave, Freak Folk, oder dieser afrikanisch angehauchte Indie-Pop wie ihn Vampire Weekend spielen. Oder etwa doch nicht?

Eins ist von vornherein klar: An Moden oder Trends haben sich Doug Martsch und seine Kumpels nie orientiert. Weder musikalisch, noch sonst in irgendeiner Hinsicht. Man muß sich nur einmal diese schwarzen Quadratlatschen von Douggie-Baby angucken! Solche Treter trug damals mein Physiklehrer. Wizigerweise hatte mein Pauker auch den gleichen Bart wie der Built To Spill - Chef, da scheint es Parallelen zu geben...

Ich habe mich immer gefragt, in welcher Welt solche Kauze wie Doug Martsch leben. Irgendwie schaffen sie es, allen idiotischen Trends zu trotzen und sich einen feuchten Kericht darum zu scheren, was die anderen von ihnen halten.

Allerdings irritiert, ja nervt mich diese Je - m'en- Foutisme- Attitüde (zu deutsch: Mir-Ist-alles-scheißegal-Haltung!) am Anfang des Konzerts sehr. Schon klar, was die damit ausdrücken wollen, sie wollen klarmachen, daß sie sich für nichts und niemanden verbiegen werden und auch kein Zahnpasta-Lächeln aufsetzen, um zugänglicher zu wirken. Stattdessen leiern sie ihr Programm runter und atmen nach jedem Lied erst einmal in Ruhe durch. Dann werden Zigarettchen geraucht, Gitarren gestimmt und man überlegt kurz, welches Lied denn eigentlich dran ist. Eine Setlist haben Built To Spill nicht. Aber wozu auch? Sie haben anscheinend kurzfristig entschieden, ihr altes Album Perfect From Now On komplett zu spielen. Ein Klassiker, der von Kritikern höchstes Lob erfahren hatte.

Vor ein paar Jahren lief dieses Meisterwerk des modernen Gitarrenrocks bei mir rauf und runter und allzu gerne hätte ich Built To Spill in dieser Zeit einmal live gesehen. Stattdessen kamen sie erst im Mai 2007 nach Paris und spielten neben Liedern von ihrem zu jenem Zeitpunkt aktuellen Album You In Reverse auch drei Stücke von Camper Van Beethoven. Songs von Perfect Form Now On? Fehlanzeige!

Heute schreiben wir November 2008 und das Klassikeralbum hatte ich schon lange nicht mehr gehört. 2008 wahrscheinlich kein einziges Mal. Und was pasiert? Logisch, jetzt wird es entmottet und dem Pariser Publikum serviert! Ein auffallend gemischt-geschlechtliches Publikum im Übrigen, in dem man neben den üblichen männlichen Vollbartträgern auch so manche junge Frau sah. Wer hätte das vorher gedacht? Vielleicht ist die sexuelle Anziehungskraft von Kuschelbärchen Doug Martsch ja doch größer als man vermuten könnte!

Anti-Star Doug tut allerdings nicht viel dafür, Wirkung auf das andere Geschlecht zu entfalten, wie immer trägt er Labber - T-Shirt und eine unförmige Hose, da hat sich nichts geändert seit dem letzten Mal.

Allerdings wirkt er heute besessener, engagierter als noch vor 17 Monaten. Sobald er ein Lied begonnen hat, taucht er ab in eine Art Parallelzustand, schließt die Augen und wackelt mit seinem halbkahlen Köpfchen, so daß die Backen hin und herfliegen. An seinem Einsatz während der Songs ist also nichts auszusetzen, störender wirkt, daß er in den immer recht langen Pausen, keinen Ton sagt, sondern nur wortlos die Klampfe stimmt. Nach dem dritten Stück Stop The Show dauert die Pause treffenderweise besonders lange. Grund dafür ist eine während des Liedes gerissene Saite. Mister Martsch geht zu einem Kästchen, wühlt darin herum und holt eine Ersatzsaite raus, die er seelenruhig befestigt. Sein links von ihm stehender Gitarrist versucht währenddessen das Publikum zu unterhalten. Er beginnt von den anstehenden Präsidentschaftswahlen zu labern, seit Wochen ein beliebtes Thema bei amerikanischen Bands. Auf seinem Arbeitsgerät ist recht deutlich abzulesen, auf wessen Seite der Kerl steht, es ist geziert mit Spontisprüchen, "No Corporate" liest man da, "Muerte", aber witzigerweise auch "Keine Sau".

"Tell me about the Dow Jones" wirft ein Zuschauer ein und der Gitarrist winkt ab und sagt, daß er davon keine Ahnung habe. Bevor er aber seine poltischen Ansichten und seine Sicht der Dinge in Worte fassen kann, unterbricht ihn der Chef abrupt. Seine Saite ist nämlich endlich repariert und er will nicht labern, sondern Musik spielen. Er fängt einfach an zu singen und loszurocken, so als wolle er ausdrücken: "Halt jetzt mal die Fresse, jetzt wird weitergemacht!"

Ich lache mich innerlich kaputt und vergesse ein wenig meinen Zorn darüber, daß das Konzert nicht richtig in die Gänge kommt. Die ganzen Pausen, das Rumgerauche, all dies zerstört den Fluß. Hinzu kommt, daß gerade der Drummer, aber auch der Bassist, saumäßig gelangweilt und müde wirken. Am liebsten würde ich ihnen zurufen: "Ey, ihr Bastarde, arbeitet gefälligst! Ich habe 22 Euro für Euch hingeblättert, ich will etwas mehr Einsatz für mein Geld! Überhaupt scheint mir das ein wichtiger Punkt zu sein: Die Typen da vorne sollten sich im Klaren darüber sein, daß sie den Fans etwas bieten müssen und zwar etwas, daß über den Genuß des Livehörens eines Lieblingsalbums hinausgeht. Circa ab Out Of Site kommt die schwerfällige und hüftsteife Kapelle dann wirklich mehr in Schwung, das Konzert scheint endlich richtig losgegangen zu sein. Zum Glück! Wie kann man denn auch eine solche Perle wie I Would Hurt A Fly so lustlos runterspulen? Wie oft habe ich diesen Knüller damals gehört? 30 mal, 50 mal? 100 mal? Bis irgendwann jedes Gitarrenriff geläufig war. "I listend the shit out of this song," sagen die Engländer zu diesem Phänomen und es war wirklich so, ich war einmal süchtig danach. "I can't get that sound you make out of my head I can't even figure out what's making it", der Text traf es ganz genau.

Seltsam, daß mich das heutzutage so relativ kalt läßt. Aber wie gesagt, ab der Mitte des Konzertes wurde die zähe, depressive Gitarrensuppe flüssiger, die alten Herren waren endlich auf Betriebstemperaturen gekommen. Und im Zugabenteil drehten sie noch einmal richtig auf. Der alte Klassiker In The Morning hat nach wie vor Biss und eine tolle Melodie, Some war auch nicht von schlechten Eltern und Car ist sowieso einer der besten Songs der vergangenen 20 Jahre. "I wanna see movies out of my dreams", heißt es da, ein spitzenmäßiger Text zu einem famosen Lied. Besser geht es fast gar nicht, Built To Spill, eine der genialsten Bands der Musikgeschichte, hier beweisen sie es! Überraschender ist allerdings der Abschluß. Die Lyrics kommen mir unglaublich bekannt vor, aber ich komme erst einen Moment später darauf, was da gespielt wird. Paper Planes ist das, ursprünglich ein Hip Hop - Song von M.I.A. aus dem Jahr 2007. In der Version von Built To Spill wird eine Noisekeule daraus, die einem mindestens zwanzig Minuten lang brachial auf den Kopf einschlägt. Die Gitarrensoli wollen einfach kein Ende nehmen und ein paar Musiker der Band haben sich schon verpisst und ihre Instrumente an Mitglieder der Vorgruppe Disco Doom (die nicht schlecht waren) und einem unbekannten Typen (den Tourmanager?) weitergericht. Doug kriegt das gar nicht mit, er spielt sich in einen wahren Rausch und guckt ganz verträumt. Wie bekifft hebt er am Ende die Gitarre in die Luft und trägt das Teil auf seiner breiten Schulter in die Kabine. Kurz vorher guckt er aber zum ersten Mal halbwegs direkt ins Publikum und ruft seinen Fans zu: "Thanks for coming down, thank you so much!" Dieser schüchtern platzierte Satz wirkt so aufrichtig, wie man das ansonsten nie von anderen Musikern zu hören bekommt. Ich glaube er hatte richtig Spaß, er hat nur eben eine etwas eigenwillige Art dies zu zeigen!

Für diesen Abgang hätte ich Douggie-Baby knuddeln können, das war so unglaublich liebenswürdig! Der Stil von Built To Spill mag out sein, aber das ist mir jetzt scheißegal! Doug soll seinen Bart behalten und möglichst oft wiederkommen. Seine Band ist nämlich Built To Last und eben nicht Built To Spill!

P.S.: Douggie- Bärchen: Oliver Peel loves you!

Setlist Built To Spill, La Maroquinerie, Paris:

01: Randy Described Eternity
02: I Would Hurt A Fly
03: Stop The Show
04: Made-Up Dreams
05: Velvet Waltz
06: Out Of Site
07: Kicked It In The Sun
08: About Someone Else

09: In The Morning
10: Some
11: Car
12: Paper Planes (M.I.A Cover)


Links:

- mehr Fotos von Sexsymbol Doug Martsch und Built To Spill hier
- Video: Stop The Show live, brauchbare Qualität
- Kicked It In The Sun live @ The Cat's Cradle
- I Would Hurt A Fly, Doug Martsch solo, akustisch, herzerwärmend!
- Car, Videoclip
- Car + Paper Planes live in Verona, beschissene Aufnahmequalität, aber man bekommt eine Idee von dem gecoverten Lied.




Donnerstag, 31. Mai 2007

Built to Spill, Paris, 30.05.07

6 Kommentare
Konzert: Built To Spill
Datum: 30.05.2007
Ort: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: ausverkauft


Kommen Frauen eigentlich nur zu Rock-Konzerten, wenn schlanke Musiker mit Waschbrettbauch und knackigen Hinterteilen auf der Bühne stehen? Geht es ihnen also gar nicht vornehmlich um die Musik, sondern um einen attrakiven Anblick? Fast könnte man diesen Eindruch gewinnen, denn wie schon bei Slint war der Frauenanteil wieder äußerst gering, er lag bei vielleicht 15 %. Wenn britische Nachwuchsrocker, Mando Diao, oder die Killers auf dem Programm stehen, sieht das trotz schlechterer Musik ganz anders aus, da geben sich die hübschen Mädchen die Klinke in die Hand...

Ach, die Weiber mit ihrer Po-Fixiertheit! Achten nur auf Äußerlichkeiten, von wirklich guter Musik verstehen se nix! (he,he, he, jetzt krieg ich bestimmt Ärger...). Na gut, Doug Martsch und seine Bandmitglieder von Built To Spill sind nicht wirklich was für's Auge, mit ihren Vollbärten, dem teilweise lichten Haar und den nicht sehr schlanken Bäuchen, das geb' ich ja zu. Zudem tragen sie wirklich häßliche, labrige T-Shirts, die jeweils nicht mehr als eine ihrer CDs gekostet haben dürften... Aber man kommt doch schließlich wegen der Musik zu einem Konzert, oder? ;-) Ich jedenfalls, zumindest zum überwiegenden Teil. Gegen den Anblick einiger flotter Bienen im Publikum, so mit Skinny-Jeans, Ballerinas, oder trendigen roten Lackschuhen hätte ich allerdings nichts gehabt, stattdessen war ich umgeben von Typen mit Vollbärten, Brillen und der falschen Jeans...

Schon verblüffend, daß das Publikum immer den Bands ähnlich sieht, bei den Babyshambles laufen sie alle mit diesem Clochard-Hütchen rum, sind die Bandmitglieder hingegen bärtig, sind es die Fans zumeist auch. Bartträger machen aber interessanterweise immer irgendwie die beste Musik, das war schon bei Arab Strap so, setzt sich fort mit Bonnie "Prince" Billy und Built To Spill machen auch keine Ausnahme von der Regel.

Vor den Amerikanern durfte aber noch kurz das Pariser Blues-Rock Trio von Sentenza Bühnenluft schnuppern, sie vertraten die nicht erschienenen Camper Van Beethoven. Und das sehr würdig, ihre Lieder im Stile von Neil Young, Led Zep, oder den White Stripes und den Kings of Leon, gefielen mir richtig gut.

Den anschließenden Umbau besorgten dann die Musiker von Built To Spill, inklusive Frontmann Doug Martsch, ganz alleine, wie das auch Christoph schon von dem Kölner Konzert berichtet hatte. Irgendwann ging das Licht aus und es konnte sofort losgehen, schließlich stand die Band ja schon auf der Bühne. So etwas hatte ich zuvor auch noch nicht gesehen!

Eine weitere Parallele zu Köln: Opener war auch hier das fabelhafte "Liar" von dem letzten Album "You In Reverse". Schon jetzt scheint mir der Song das Zeug zum Klassiker zu haben. Die Stimme von Doug klang klar und prägnant, genau wie auf den Alben, der Sound war allerdings etwas zu dumpf. Zudem gab es des öfteren Rückkoppelungen, die nicht nur mir Schmerzen in den Ohren bereiteten. Dabei waren die Lauscherchen ohnehin schon genug strapaziert, denn es war wirklich höllisch laut! Das Taubheitsgefühl in den Ohren werde ich wohl frühestens in zwei Tagen verlieren...

Zurück zum Set: mit Lied zwei, "In The Morning", endeten die Ähnlichkeiten zu dem Kölner Gig vorläufig, denn an dritter Stelle kam in Paris "Time Trap". Den Titel von "Keep It Like A Secret" mochte ich schon immer, ich war erfreut, ihn endlich auch mal live zu hören. Typischerweise hörte man hier, wie so oft bei Built To Spill, erst einmal zwei Minuten lang nur melodische Gitarren, bevor Douggie zu seinem Einsatz kam. Mit drei Gitarren errichteten die Musiker hierbei wahre Soundwände, die die Maroquinerie zum Beben brachte. Ich mußte mich ein wenig von den Boxen wegbewegen, um das Aushalten zu können, nicht weil es schlecht war, sondern weil einfach mein persönlicher Dezibelpegel überschritten wurde. Mit "Strange" von "Ancient Melodies Of The Future" wurde wunderbar an das vorige Lied angeknüpft, auch dieses Stück ist nämlich einer meiner Favoriten aus dem umfangreichen Repertoire der Band. Meine Augen waren hierbei auf den Drummer gerichtet, der scheinbar aus der Hüfte auf sein Arbeitsgerät einprügelte. Peng! Paff! Peng, erklang es hart und trocken, ohne daß der Bursche jedoch eine Miene verzog. Kalt wie eine Hundeschnauze saß er da, ohne jede Mimik. Das fand ich herrlich, ich liebe nämlich stoische Schlagzeuger, die ohne groß Aufhebens zu machen, mächtig Gas geben. Das hatte mich auch schon damals bei einem Konzert der Kings of Leon fasziniert, die haben einen ähnlich coolen Burschen hinter der Schießbude, ganz im Gegensatz zu den Killers, bei dem der Drummer immer seltsame Grimassen schneidet.

"Going Against Your Mind" sorgte dann für die bisher beste Stimmung im Saale, manche Herren in den ersten Reihen tanzten gar wild umher. Soviel Euphorie schien auch Doug anzustecken, denn entgegen seiner Gewohnheiten bedankte er sich äußerst redseelig mit "Thank you very much". Christoph hatte ja schon berichtet, wie das sonst von Statten geht: ein knappes "Thanks" ist das höchste der Gefühle. Um die nächsten Lieder anzukündigen, mußte der bärtige Sänger aber gezwungenermaßen weiter aushohlen. "Auf den Postern, die da im Flur rumhängen, waren ja eigentlich Camper Van Beethoven angekündigt, aber irgendwie haben die es nicht ganz nach Paris geschafft. Um etwas für Ausgleich zu sorgen, spielen wir jetzt einfach drei Lieder der Camper, von denen wir zwei gut und ein drittes relativ gut kennen." Und so hielten sie es auch in der Folge, wir kamen in den Genuß von drei Cover-Versionen der College-Rock Kollegen. Leider kannte ich die Titel nicht, ein Stück stammte allerdings ganz sicher vom Album "New Roman Times". Danach wollten die Leute aber dringend wieder Original Built To Spill Material haben und das bekamen sie natürlich auch. Hervorzuheben waren hierbei die Ballade "Car" und das flotte "Conventional Wisdom", welches auch das offizielle Set beendete. Die folgende Zugabe war dann typisch für amerikanischen Indie-Rock. "The Plan" beeinhaltete zahlreiche Gitarrensoli, Tempowechsel und ähnliche Dinge. Das Stück wurde über geschlagene 25 Minuten ausgedehnt und war deshalb selbst für mich, der gegen lange Instrumentalpassagen eigentlich nichts einzuwänden hat, etwas zu langatmig. Insgesamt war es ein solides und gutes Konzert, wenngleich die erwartete Euphorie bei mir ausblieb. Vielleicht liegt es daran, daß mich im Moment experimentelle Band wie !!! oder Battles etwas mehr inspirieren...

Auszug aus der Setlist Built To Spill Paris:

- Liar
- In The Morning
- Time Trap
- Strange
- Goin' Against Your Mind
- 3 Lieder von Camper Van Beethoven
- Car
- Conventional Wisdom

- The Plan (Z)

von Oliver

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Samstag, 19. Mai 2007

Built to Spill, Köln, 18.05.07

2 Kommentare
Konzert: Built to Spill
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 18.05.2007
Zuschauer: ausverkauft

Irgendetwas scheint derjenige, der im Gebäude 9 für das Buchen der Bands zuständig ist, besser zu machen als seine anderen Kölner Kollegen. Oder liegt die Dichte exzellenter Bands, die in dem Hinterhofclub auftreten, an der genau richtigen Größe des Raumes für das typische Indiekonzert? Dagegen spricht, daß meine letzten Konzerte im Gebäude 9 bei weitem nicht ausverkauft waren - trotz fantastischer Konzerte von Malcolm Middleton, den Noisettes oder Polarkreis 18.

Das war diesmal anders. Ich kann mich nicht erinnern, vor dem Gebäude 9 irgendwann gefragt worden zu sein, ob ich eine Karte zuviel hätte. Das Konzert war also restlos ausverkauft. Das Publikum, das dann auf Bierbänken vor dem Laden wartete, war sympathisch Ü30.

Der Bühnenaufbau deutete nicht darauf hin, daß es eine Vorgruppe geben sollte. Und so trat dann auch um halb neun schon Built to Spill um Sänger und Songwriter Doug Martsch auf die kleine Bühne. Der Saal war mittlerweile proppenvoll und sehr enthusiastisch. Doug Martsch - für die, die wie ich Built to Spill noch nie vorher live gesehen hatten (was nicht schwer ist, weil die Band sehr lange nicht in Deutschland gespielt hat und sich gerne rar macht) - Doug Martsch also sieht schon anders aus, als man nach dem Hören seiner Platten vermuten würde. Da ist schon ziemlich viel Waldschratiges an ihm - und wenig klassisches Rock-Star-Aussehen. Er trug ein T-Shirt mit einem gezeichneter Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar. Mir fällt beim besten Willen nicht ein, für was das sinnbildlich stehen könnte, ich fand es aber ein wenig exzentrisch.

Neben Doug standen vier weitere Musiker auf der Bühne, Schlagzeuger und Bassist und zwei weitere Gitarristen. Die Musiker haben während des ganzen Konzerts ihre Instrumente nicht gewechselt. Es standen also keine eindruckvollen Gitarrenbatterien im Hintergrund, es erschien alles ziemlich pragmatisch. So war dann auch der Beginn. Das Hintergrundgedudel lief noch, als der Schlagzeuger das erste Lied anzählte. Da aber auch immer wieder eines der Bandmitglieder sein Instrument stimmte, schien der Hintergrundgedudel-Mann nicht mitbekommen zu haben, daß es jetzt wirklich losgehen sollte. Erst als Doug dann ein paar kurze Worte ins Mikro sprach, ging die Musik aus. Die drei Worte am Anfang waren auch das längste für einige Zeit, das der Sänger sprach. Nach den Liedern (und dem lang anhaltenden und begeisternden Applaus) sagte er nämlich immer nur extrem schüchtern "thanks", als wäre es ihm selbst unangenehm, daß seine Musik das Publikum so sehr begeisterte.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich nur die beiden letzten CDs der Band kenne. Von der aktuellen, im letzten Jahr erschienenen "You in reverse" stammte auch gleich das erste Lied, das wundervolle "Liar". Danach spielten Built to Spill Lieder von jeder der sechs Platten, mehrheitlich aus der früheren Bandphase. Ob man nun amerikanischen Indierock mag oder nicht, die Titel von Doug Martsch und Band faszinieren sich auch den (US-) Indie-Muffel, wenn er sich damit nur einmal beschäftigt. Die Melodien, die zwar sehr gitarrenlastig sind, wirken aber (obwohl es schon sehr laut war) überhaupt nicht krachig. Innerhalb der teilweise sehr langen Lieder wechseln regelmäßig Tempo und Melodie. Und dazu kommt Dougs phänomenal sanfte Stimme, die dann eben unfassbar schöne Lieder erzeugt (wie eben "Liar" oder auch "Strange" und und und).

Und nach jedem Lied und jedem begeisterten Applaus und jedem dahingehasteten "Thanks" stimmte jeder sein Instrument und irgendwann (ich hatte den Eindruck, daß der Schlagzeuger den Zeitpunkt am wenigsten kannte) ging dann das nächste wundervolle Lied los. Der Schlagzeuger übrigens wirkte zumindest am Anfang herrlich gelangweilt. Bei den ersten beiden Lieder habe ich staunend beobachtet, wie stoisch und träge er spielte. Das paßte aber gut zu seinem introvertierten Sänger. Daß einer der anderen Gitarristen (mit Wuschelbart und Wuschelhaaren) am Anfang ein paarmal herzhaft gähnte war auch spektakulär, heißt aber nicht, daß das Konzert zu irgendeinem Zeitpunkt langweilig gewesen wäre.

Eines der letzten Lieder sagte Doug dann aber wirklich an "Tonight is a very special night for us as a band", ohne dann weiterzureden. Nicht nur ich war neugierig, im Publikum brüllte dann jemand "Why?" als offenbar nichts mehr kommen sollte. Doug antwortete darauf mit "It's not important". Bei Eddie Argos hätte das ironisch gewirkt, hier gar nicht. Herrlich!

Mit "Carry the zero" von "Keep it like a secret" (das paßte ja) endete das reguläre Programm nach anderthalb Stunden (6 Minuten pro Lied, wow!). Nach kurzer Pause kam die Band dann aber zu einer einzigen Zugabe zurück, zu "The Plan", ebenfalls von "Keep it like a secret". Das Stück dauerte aber gute 25 Minuten. In den letzten fünf Minuten der Zugabe begann der Schlagzeuger schon, die Gitarrensoli (das ist jetzt der falsche Begriff - eigentlich wollte ich sagen, daß mehrere Gitarren instrumental spielten und der Schlagzeuger eben nicht mehr gebraucht wurde) zu nutzen, um sein Schlagzeug gemütlich abzubauen! Das habe ich noch nie erlebt. Aber es war eben naheliegend. Der Chef spielt noch eine Weile, also kann ich ja schon mal meinen Kram aufräumen, damit die nachher nicht auf mich warten müssen. Ich bin wahnsinnig froh, die seltene Gelegenheit, die Band zu sehen, genutzt zu haben, denn ich hätte ein wirklich wundervolles Konzert verpaßt.

Setlist Built to Spill Köln:

01: Liar
02: In the morning
03: Get a life
04: Kicked it in the sun
05: Stab
06: Else
07: Goin' against your mind
08: Car
09: Strange
10: Conventional wisdom
11: Reasons
12: You were right
13: Stop the show
14: Made up dreams
15: Carry the zero

16: The plan (Z)

Mehr Fotos zum Konzert gibt es hier.

Termine Built to Spill:

26.05.07: Schorndorf Manufaktur
27.05.07: Frankfurt Mousonturm
28.05.07: Winterthur Salzhaus
29.05.07: Fribourg Fri-Son
30.05.07: Paris Maroquinerie




 

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