Sonntag, 4. September 2016

Wolf Alice, Frankfurt, 03.09.16


Konzert: Wolf Alice
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 03.09.2016
Dauer: Wolf Alice knapp 65 min, Gengahr 30 min
Zuschauer: nicht ausverkauft aber recht voll



Die meisten Bands mag ich auf der Bühne lieber als auf Platte. Das Liverelebnis, die Lautstärke aber auch die fehlende Glättung der Musik, bla bla bla. Wahrscheinlich ist aber bei keiner der Bands, die ich mag, der Unterschied zwischen Platten und live so groß wie bei Wolf Alice. Mir ist das schon einige Male passiert, daß ich Freunde für die englische Gruppe gewinnen wollte und dabei "live sind die aber wirklich großartig" benutzte. Zum ersten Mal hatte ich Wolf Alice 2013 beim End Of The Road Festival gesehen. Wir waren unvorbereitet zu diesem Auftritt gegangen, hatten an dem Nachmittag nichts Spannenderes und waren hin und weg! 


Danach war es schwierig, die Londoner wiederzusehen. Wolf Alice wurden so schnell bekannt, daß Auftritte wegen Amerika-Touren und Headline-Konzerten in der Heimat ("aus produktionstechnischen Gründen") verlegt wurden. Für mein zweites Mal Wolf Alice musste ich a) in die Stadthalle Offenbach b) zu Alt-J gehen, im Februar fand dann endlich das zweimal (?) verlegte Köln-Konzert statt, mein erstes nach der Veröffentlichung des Debüt-Albums.



In Offenbach spielten vor Wolf Alice und Alt-J als erste Band Gengahr aus London. Ich fand die Songs der Briten gut, mochte aber die künstlich hohe Stimme des Sängers überhaupt nicht. Manchmal sang er normal, dann war es sofort gut. Aber der Rest war nichts. Meine Vorfreude, Gengahr auch im Zoom als Support zu sehen, hielt sich also sehr in Grenzen. Zu recht. Der Gesang ist nicht zu ertragen. Weil Sänger, die extra hoch trällern, dafür auch den Kopf immer dramatisch schräg halten (müssen), klang es nicht nur doof, es sah auch so aus. Instrumental oder mit richtigem Gesang hätte ich den Auftritt gemocht, so war ich dankbar, daß er nach einer halben Stunde vorbei war.


Bester Moment des Konzerts: die Ansage von Sänger Felix Bushe, es sei gut, wieder in Frankfurt zu sein. Da waren sie aber bisher noch nicht. Der Veranstalter des Alt-J Konzerts hatte den Bands Offenbach als Frankfurt verkauft. Schräg war auch die Fake-Linkshänder-Gitarre des links stehenden Musikers (mit Wirbeln unten).

Fairerweise muß ich aber sagen, daß Gengahr sehr gut ankamen und ein paar (sicher viel schöner) mitsingende Hardcore-Fans die Londoner abfeierten.

Setlist Gengahr, Zoom, Frankfurt:

01: Heroine

02: ?
03: Bathed in light
04: Whole again (neu?)
05: Fill my gums with blood
06: Where wildness grows (neu)
07: She's a witch
08: Powder

Aber ich war ja nicht wegen der Vorgruppe da.



Wolf Alice begannen bereits um 21:15 Uhr. Das Zoom war recht gut gefüllt, es war aber sicher einiges entfernt von ausverkauft. Außerhalb von Großbritannien und den USA hat sich offenbar nicht rumgesprochen, wie großartig die Band ist.


Schon vor dem Beginn war mir etwas Bemerkenswertes aufgefallen: im Publikum unterhielten sich einige (sehr junge) Besucher darüber, wo sie Wolf Alice auf dieser Tour in Europa gesehen haben. Wolf Alice haben sich in kurzer Zeit eine Ultra-Szene erspielt, erstaunlich!

Das Konzert war im Grunde ein Zwilling des Auftritts von Köln im Februar. Die Setlist war mit einer Ausnahme komplett gleich. You're a germ hat ein paar Plätze gutgemacht und wurde gleich nach dem Startstück Your loves whore gespielt, der Rest war exakt gleich. Aber eben auch gleich gut!

Ein ganz typisches Wolf Alice Stück ist 90 mile beach, von der bis vor zwei Wochen extrem wertvollen Blush EP (da erschien das 10" Vinyl noch einmal in einer Sammler-Box, damit hören dann auch die "verkaufst Du mir die, meine Tochter ist riesiger Wolf Alice Fan"-mails auf). Das Lied fing langsam und fast etwas harmlos an, wurde aber im Verlauf besser und besser. Auch das schwächste Stück im Set (Swallowtail), das Schlagzeuger Joel singt, entdet in noisigem Durcheinander. Swallowtail rettet das nicht, auch hier nervt mich der kunstvoll und künstlich hohe Gesang (unnötig!). Aber bei den vielen guten Liedern sind die lauten Enden dann eben die Kirsche auf dem Eisbecher!



Wenn die Band laut wird, drehen die beiden Bühnennachbarn von Sängerin Ellie Rowsell besonders auf! Bassist Theo (mit rappelkurzen Haaren), der sein Wetlook-Shirt schnell gegen Wetlook-Oberkörper eingetauscht hatte, hat einen herrlich irren Blick, wenn er mitbrüllt und sich ins Publikum beugt. Bei The wonderwhy oder Fluffy fehlte nicht viel, daß er sich auf uns gestürzt hätte, schien es. 



Wolf Alice haben enorm viele Lieder, die live enorme Knüller sind. Bros, Fluffy, You're a germ, Moaning Lisa smile...

Mit Moaning Lisa smile endete der Hauptteil. Als die vier zurückkamen, zog sich Schlagzeuger Joel sein Hemd wieder an, daß er wohl backstage ausgezogen hatte. Da gibt es wohl auch keine Klimaanlage.




Die erste Zugabe war wieder Turn to dust, das erste Lied der Debüt-Platte, dem ich nichts abgewinnen kann. Es ist zu ruhig, als hätte die Band vergessen, den krachigen Teil ab der Mitte zuzufügen. Danach kamen die beiden fehlenden Riesenhits Blush und Giant peach


Ich bin Team Pop und kann mit zu rockigem Rock nichts anfangen. "Grunge" als Beschreibung einer Band, senkt mein Interesse gewöhnlich gleich enorm. Wolf Alice machen für meinen Geschmack aber fast alles exakt richtig. Ich will diese dämliche Floskeln wie "Energie" und "Intensität" vermeiden, weiß daher nicht genau, wie ich das Besondere an den Liveauftritten der Engländer beschreiben soll. Vielleicht tue ich mich auch deshalb so schwer damit, Leute zu überreden, Wolf Alice mal live zu sehen. Das Fanwerden erledigen die dann mit 60 min Konzert.

(Und nach den letzten Takten von Wolf Alice lief Divine Comedy!)

Setlist Wolf Alice, Zoom, Frankfurt:

01: Your loves whore
02: You're a germ
03: Freazy
04: Bros
05: Lisbon
06: 90 mile beach
07: Silk
08: The wonderwhy
09: Storms
10: Swallowtail
11: Fluffy
12: She
13: Moaning Lisa smile

14: Turn to dust (Z)
15: Blush (Z)
16: Giant peach (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Wolf Alice, Köln, 12.02.16
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13


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