Freitag, 29. Februar 2008

Queens Of The Stone Age, Paris, 29.02.08


Konzert: Queens Of The Stone Age

Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 29.02.2008
Zuschauer: gut gefüllt


"This security guard is fired!" - "Yes, this one, can you put the lights on him?"


Wer schon desöfteren Josh Homme und seine Queens Of The Stone Age gesehen hat, kennt solche Sprüche bereits. Irgendwann im Laufe seiner Shows geht irgendjemand Josh auf die Nerven, er zeigt auf ihn, oder bittet die Lichttechniker Spots auf ihn zu richten. Dann beleidigt er die entsprechende Person und überzieht sie mit üblen Schimpfwörtern und schon hat er die Lacher auf seiner Seite. Man muß sich nur die Live-CD "Over The Years And Through The Woods" von 2005 anhören. Bei diesem Mitschnitt aus London wird ein armes Geschöpf gar als "Cock-Smoker" bezeichnet. "This guy with the white shirt is an asshole; yes this one, and now everybody here knows that you are a fucking Cock-Smoker". Und beim Furia Sound Festival 2007 in Cergy bei Paris wurde ein Kerl, der in einem Tigerkostüm rumlief, von Josh auf die Bühne zitiert und anschließend verunglimpft.

Heute also nun ein Typ von der Security, der den Homme'schen Sprüchen ausgeliefert war. Angeblich war er viel zu grob mit Leuten in den ersten Reihen umgesprungen. Konnte ich von meiner Position aus nicht sehen, insofern schwer zu beurteilen, ob Josh Recht hatte. Erfahren habe ich allerdings von meiner besser platzierten Frau, daß der Security-Gorilla tatsächlich ausgetauscht wurde. Wie ein schlechter Linienrichter beim Tennis, großartig!

Dies alles ereignete sich gegen Ende des Konzertes. Vorangegangen war folgendes:

Die drei Schotten von Biffy Clyro schmetterten ihre Hits vom letzten Album "Puzzle", allen voran "Living Is A Problem Because Everything Dies" und kaum eine Sau interessierte sich dafür. Das Publikum im Zénith schien kollektiv Valium-Tabletten eingeworfen zu haben, anders ist nicht zu erklären, daß eine Vorgruppe, die hundert Prozent zum Hauptact des Abends passt, komplett an den bereits recht zahlreich anwesenden Besuchern vorbeiging. Sänger Simon Neil wirbelte zwar wie gewohnt mit nacktem und tätowiertem Oberkörper umher und die Johnston Brüder an Schlagzeug und Bass gaben auch ihr Bestes, aber der Funke wollte einfach nicht überspringen. Da halfen auch hohe Dezibel-Zahlen und ein hochdynamischmer und explosiver Sound nichts, die Stimmung blieb mau. Kaum jemand war also auch für die Vorgruppe gekommen, was mich wieder in meiner These bestätigt, daß man in der Regel erst zur Hauptgruppe erscheinen sollte. Denn entweder ist die Vorband schlecht und man verliert wertvolle Lebenszeit, oder aber man mag sie sehr, aber kaum jemand interessiert sich dafür und man ärgert sich, daß der ihr gebührende Respekt und Applaus nicht gezollt wurde. Nun gut, Applaus bekamen Biffy Clyro am Ende schon, aber dafür, daß hier eine der besten Rockbands Englands auftrat, war das doch eher ernüchternd. Zu den gespielten Stücken gehörten übrigens neben "Living Is A Problem Because Everything Dies", "Now I'm Everyone", "Love Has A Diameter", "Get Fucked Stud" und "Glitter And Trauma".

Schon in der darauffolgenden Umbaupause wurde das Publikum lebhafter. Vom Band liefen da gerade kurios zusammengewürfelte Lieder wie "I Feel Love" von Jimmy Somerville (bzw. Bronski Beat), ein Ramones-Schunkler und "Born To Be Wild" von Steppenwolf. Auf den Harley-Davidson Klassiker fuhren die Leute mehr ab als zuvor auf Biffy. Dann wurde am Bühnenbild gewerkelt und zum Vorschein kamen Objekte, die zunächst aussahen, als handele es sich um in schwarze Tücher gewickelte Sandsäcke zum Boxen. Als die "Hüllen" entfernt wurden, erkannte man aber schnell die bereits von der letztjährigen Tournee bekannten Gothik- Ketten-Lüster, die darufhin in die Höhe gefahren wurden.

Eine gute Viertelstunde später konnte es dann losgehen. Als erster kam Gitarrist Troy Van Leeuwen aus der Kabine gekrochen und bezog vorne links Stellung. Dann tröpfelten auch die anderen Queens ein, darunter selbstverständlich auch Josh, der sich als letzter die Gitarre umschnallte.

Der Auftakt des Sets gestaltete sich überraschenderweise recht zahm und auch etwas zäh. Weder "Turning On The Screw", noch "Hanging Tree" (hier fehlte die rauchige Stimme von Marl Lanegan) konnten das Konzert so richtig in Fahrt bringen. Auch "River In The Road" nicht. Nachdem aber Josh die ersten Sätze an das Pariser Publikum gerichtet hatte und die üblichen Allgemeinplätze bezüglich der Schönheit der Stadt und der Frauen fallen ließ, kam bei "Misfit Love" zum ersten Mal Stimmung auf. Vorne, wo ich stand, wurde es ziemlich wild, allerdings nicht aggressiv und bösartig. Mit "Do It Again" konnte die Intensität sehr gut gehalten werden und es war klar, daß die Aufwärmphase längst vorbei war. Nun ging es zur Sache! Die Gitarren bretterten erbarmungslos, der Bass polterte, daß der Boden bebte und das Schlagzeug knallte satt und trocken. Eine der besten Phasen des Konzertes wurde eingeläutet, wo hintereinander der "Feel Good Hit Of The Summer", "Go With The Flow" und eines der besten Lieder vom letzten Album "Era Vulgaris", nämlich "3's & 7's" (genial das quitschende Gitarrenriff, das sich durch das ganze Lied zieht) abgefeuert wurden. Ab dem Titelstück des letzten Werkes wurde es dann jedoch etwas mäßiger, ein kleiner Hänger war zu verzeichnen. Allerdings muß lobend hervorgehoben werden, das Lieder wie "Suture Up Your Future", oder "In The Fade" auf den Festivals 2007 nicht gespielt wurden, was wiederum beweist, daß Queens Of The Stone Age ständig ihre Setlisten abwandeln und neugestalten. Leider keine Selbstverständlichkeit im Musik-Business!

Ab "Burn The Witch" ging es aber wieder zur Sache, die Gitarren heulten, Josh wechselte munter von der tiefen Stimmlage zum Falsett und Troy Von Leeuwen bot einige typische Rockstarposen. "Make It With Chu" wurde als Lied bezeichnet, daß in keiner anderen Stadt der Welt besser passen würde ("you can figure out why"), plätscherte aber ein wenig dahin, bevor "Little Sister" einschlug wie eine Bombe. Kein Wunder, denn kaum ein Titel im Repertoire der Band ist so kompakt und auf den Punkt gespielt wie dieser Smasher vom "Lullabies-Album" und auch das geile Gitarrensolo wirkte keinesfalls deplatziert. Das abschließende "Sick Sick Sick" kam auch gut rüber, macht aber auf mich immer ein wenig en Eindruck, als ginge man mit der Brechstange vor. QOTSA haben schon filigranere und komplexere Lieder geschrieben.

Zu jenem Zeitpunkt war circa eine gute Stunde brachialer Rock geboten worden, aber es fehlten noch ein paar Hits. Trotzdem ließen sich die Machos schon einmal feiern und klatschten ihrerseits dem Publikum Beifall.

"This song is for you", oder sowas in der Art, raunzte Monsieur Homme, nachdem er auf die Bühne zurückkommend ein paar französische Brocken wie z.B. "magnifique" vom Stapel gelassen hatte. Der dem Publikum gewidmete Titel war der heißersehnte Klassiker "No One Knows", für den allein es sich schon gelohnt hätte, zum Konzert zu gehen. Zwar kommen die Tempowechsel immer ein wenig mit Ansage und sind für mich nach dem 5. Queens Of The Stone Age - Gig nicht wirklich überraschend, die pure Wucht, die regelmäßig dahintersteckt, ist jedoch auch für einen abgestumpften Typen wie mich nach wie vor atemberaubend.

Den finalen Adrenalin-Kick hatten sich die harten Kerle dann selbstverständlich für den Schluß aufgehoben. Bei "A SongFor The Dead" wurde alles mobilisiert was Krach macht, es wurde gebrettert was das Zeug hält und mit den Tempowechseln erwischten sie diejenigen, die zum ersten Mal bei QOSTA dabei waren, auf dem falschen Fuß. Ich kannte das Zuckerbrot und Peitsche-Spiel aber schon vom Rock- A- Field - Festival in Luxemburg, wo ebenfalls "A Song For The Dead" ein beinhartes Konzert bendete.

Fazit: Ein grundsoliger und gut geölter Gig. Die meisten Gimmicks - sowohl in musikalischer als auch in sprüchetechnischer Hinsicht - waren aber nicht wirklich neu. Und der Typ von der Security ist beim nächsten Mal bestimmt wieder dabei. Josh Homme ist Amerikaner, der kennt die französischen Gewerkschaften nicht. So leicht kann mir hier niemanden feuern...

Setlist Queens Of The Stone Age, le Zénith, Paris:

01: Turning On The Screw
02: Hanging Tree
03: River In The Road
04: Misfit Love
05: Do It Again
06: Feel Good Hit Of The Summer
07: Go With The Flow
08: 3's & 7's
09: Era Vulgaris
10: In The Fade
11: Suture Up The Future
12: Burn The Witch
13: Make It With Chu
14: Little Sister
15: Tangled Up In Plaid
16: Sick, Sick, Sick

17: No One Knows
18: Avon *
19: Song For The Dead

Konzertdauer: ca. 85 Minuten

* Vielen Dank an unseren Leser!



Noch viel mehr Fotos von den Queens Of The Stone Age hier



2 Kommentare :

Anonym hat gesagt…

18 = Avon (das erste Lied auf ihrem ersten Album, Queens of the Stone Age).

oliver r. hat gesagt…

Danke schön!

 

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