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Donnerstag, 21. August 2025

Lowlands Festival - 14.08.-17.08.2025 - Biddinghuizen/NL

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Konzert: Lowlands Festival
Ort: Biddinghuizen/NL
Datum: 14.08.-17.08.2025
Dauer: 4 Tage
Zuschauer: 65.000 sold out



Die Ankunft am Campingplatz am Freitagmorgen beginnt mit der typisch entspannten Lowlands-Atmosphäre: Der Campingplatz im niederländischen Biddinghuizen ist bereits gut gefüllt, da die Anreise bereits am Donnerstag möglich ist. 

Nun heißt es Zeltleinen straffen, Heringe in den Boden schlagen und dann dieser weite Blick über die aufgehende Festivalstadt: bunte Zelte, erste Begegnungen, Musik weht einem entgegen und die Vorfreude greift wie ein freundlicher Pogo. Schon erste Blicke auf das Gelände verheißen ein abwechslungsreiches Wochenende: Kunstinstallationen auf grünen Wiesen, kreative Skulpturen – so wird der Festivalgeist greifbar. Man fühlt sich als Gast und nicht als Kunde.

Ein Beispiel sind die Übergänge vom Zelt-zum Festivalgelände. Keine Zäune oder schlecht gelaunten Secs erwarten einen hier. Den Besuchern wird vertraut und die belohnen sich selbst und den Veranstalter mit einem unglaublich relaxten Wochenende. 



Alles stimmt an diesem ersten Festivaltag. Das Wetter ist perfekt, blauer Himmel, warme Sonnenstrahlen und dazu gibt es ja auch noch Konzerte auf mehr als 10 Bühnen bis tief in die Nacht. Life as it should be.


Der energiegeladene Auftritt der Irischen Musikerin CMAT mit vollem Namen Ciara Mary-Alice Thompson, lädt mit den ersten Tönen zu einem Wochenende voller Entdeckungen und musikalischer Vielfalt ein. "The Guardian" schrieb über ihre Musik: „Ihre Lieder sind traurig und doch zugänglich, emotional gebildet und geschickt gestaltet, aber, was entscheidend ist, mit einem enormen Sinn für Humor."

Und genau dieser Humor und die Spielfreude der Band sind ein perfekter Auftakt für den ersten Tag. Weiter geht es zu einem kurzen Abstecher ins "Bravo" (eigentlich der Tanztempel der Nacht. Ein Zelt für ca. 10.000 Zuschauer) um bei Kingfishr feinsten Irischen Indie Folk zu hören, der einen an Mumford and Sons erinnern lässt. 

Das Programm beim Lowlands ist so vielfältig und auf dem eigentlichen Weg zur nächsten Location gibt es soviel zu entdecken, manchmal schafft man es nicht immer alle Konzerte komplett zu erleben. Auf dem Weg zum "Alpha" (der Main-Stage Dome) gibt es noch einen kurzen Moment im "India" Podium, dort stehen Deadletter auf der Bühne, die für ihren energiegeladenen Post-Punk-Sound bekannt sind, der Elemente von The Fall und LCD Soundsystem aufgreift. Dringend zu empfehlen. 


Zwei Bands die ich auf jeden Fall an diesem ersten Tag komplett sehen wollte, spielen im Alpha: London Grammar: kühl, makellos, unnahbar. Als Hannah Reid und ihre Band die Bühne betreten, ist alles perfekt, fast zu perfekt. Glasklare Stimme, makelloser Sound, jede Note sitzt wie aus dem Studio geschnitten. 

Doch zwischen Bühne und Publikum liegt eine unsichtbare Glasscheibe. Kaum ein Wort, kein Blick, kein Moment, der diese Barriere durchbricht. Viele lauschen gebannt, andere spüren eine kühle Distanz – schön anzuhören, aber schwer zu fühlen. Dazu passt die Sonnenbrille, die Hannah das gesamte Konzert nicht abnehmen wird, obwohl sie in unter einem riesigen Dach spielt. Ein Konzert wie ein poliertes Kunstwerk: man bewundert es, aber man berührt es nicht. 


Queens of the Stone Age dagegen: roh, direkt, ein verschwitzter Traum.  Als Josh Homme und seine Mitstreiter übernehmen gibt es keine Spur von Zurückhaltung. Jeder Riff ein Faustschlag, jede Ansage ein Augenzwinkern. Die Band verschmilzt mit der Menge, und als Josh Homme sich spontan direkt in die Zuschauer hineinwirft, lebt er und wir im Moment.

Wo London Grammar Abstand hielt, reißen Queens of the Stone Age die Festivalmauern ein. Zwei Extreme an einem Tag – und genau dafür liebt man Festivals: Man kann sich erst im kühlen Neonlicht verlieren und später in rotem Scheinwerferfeuer wiederfinden. 


Am zweiten Tag passiert, das was sich jeder Festival Liebhaber wünscht, die Erinnerung an die an dem Tag bis dahin gesehen Bands ist verschwimmt im Nachhinein, denn ein Abend mit FKA Twigs ist kein gewöhnliches Konzert. Es fühlte sich eher wie ein Theaterstück an, vielleicht sogar wie ein Ritual, in dem wir alle Zeugen wurden oder Komplizen. 

Von der ersten Minute an stand die Bühne nicht nur für Musik, sondern für ein Spiel aus Körper, Stimme und Emotionen. Die Show begann roh und brutal: Bewegungen, die an Kampf erinnerten, scharfe und brutal klare und laute Beats, die den Raum zerschnitten, und eine Intensität, die das Publikum in den Bann zwang. Fast animalisch, voller Kraft, fast gewalttätig in ihrer Direktheit. 


Doch diese Härte verwandelte sich mit fließender Eleganz. Zwischen schweißtreibender Ekstase (wirklich) und hochgradig sexuell aufgeladener Präsenz offenbarte FKA Twigs eine Sinnlichkeit, die nie platt, sondern immer kunstvoll inszeniert war. Tanz, Gesten und Blicke verwoben sich zu einer körperlichen Sprache, die so unmittelbar wirkte, wie ihre Songs. 

Dann folgten die Brüche. Plötzlich zerbrechlich, fast verletzlich, stand sie da und sang Balladen, die so hoch emotional waren, dass der ganze Saal in eine andere, fast intime Sphäre gezogen wurde. Jeder Ton wirkte wie ein Geständnis, jede Silbe wie ein offener Nerv. FKA Twigs erzählte an diesem Abend keine Geschichte im klassischen Sinn. Sie zeigte Zustände, Extreme, Übergänge – roh, brutal, sexuell aufgeladen, dann wieder sinnlich und verletzlich. Es war ein Fiebertraum, aus dem man am Ende aufwachte, ein wenig benommen, ein wenig verändert. 

Der dritte Tag begann noch im Halbschlaf: Black Country, New Road eröffneten mit zarten, verschlungenen Songs, die wie ein vorsichtiges Aufwachen wirkten. Fragil, manchmal brüchig, dann plötzlich kraftvoll – ihre Musik schuf sofort eine besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum. 


Es folgten die Fontaines DC. Ihr Auftritt war laut, treibend, kantig – aber vielleicht zu sehr auf Autopilot, nach einem vollen Jahr auf Tournee. Die Energie war da, die Songs rissen mit, aber es fehlte das Unberechenbare, das Überraschende. Man sah eine Band, die weiß, wie man ein Festivalpublikum bedient, aber die Leidenschaft schien ein Stück weit hinter der Routine zu verschwinden. 

Und doch: die Menge ließ sich mitreißen, tanzte, schrie. Die Energie stimmte, das Publikum ging mit, aber die Überraschung fehlte. Ein Sturm, der zündet, aber kaum nachhallt. Als die Sonne langsam tiefer sank, brachte MK.GEE eine andere Farbe ins Spiel. Sein Sound erinnerte an die elektronische Phase von  Bon Iver – dieses Schweben zwischen Intimität und elektronisch verzerrter Entrückung. 

Plötzlich war da Wärme, fast so, als würde jemand eine Decke um die erschöpften Körper legen. Seine Stimme klang verletzlich und nah, die Songs breiteten sich aus wie kleine Träume. Zwischen all der Lautstärke des Tages war das einer der Momente, in denen man wirklich stehen blieb, um zu lauschen. 
Sein Gesicht war zu fast keiner Sekunde erkennbar, Nebel und Stobolicht boten eine anstrengende und oft nicht passende Untermalung dieses musikalisch fantastischen Konzerts. 

Zum Abschluss verwandelte Jamie xx das Gelände in eine Tanzfläche. Mit dichten, hypnotischen Beats trug er die Menge durch den Abend, baute Spannung auf und löste sie immer wieder ein. Ein Finale, das weniger Konzert als kollektives Abschiednehmen war. Auf jedem anderen Festival wäre dieses DJ-Set herausragend. Hier tanzt man zu ähnlich guter Musik noch auf sieben weiteren Bühnen mit diversen Stilen durch die Nacht.


Am Morgen danach begann das eigentliche Erwachen. Das Festivalgelände lag stiller da, nur das Knistern von Müllsäcken und das Quietschen zusammenfallender Zeltstangen war zu hören. Mit jedem Handgriff beim Abbau, mit jeder zusammengerollten Isomatte verabschiedete man sich ein Stück mehr von den letzten Tagen.


Als der letzte Hering aus der Erde gezogen war, blieb ein Moment des Innehaltens: der Blick über den leeren Zeltplatz, über Spuren von Nächten voller Musik und Begegnungen. Müde, aber glücklich ging es zurück Richtung Alltag – mit der Gewissheit, dass die Vorfreude auf das nächste Jahr schon jetzt wieder wächst.


Mittwoch, 26. Juni 2013

Queens of the Stone Age, Southside Festival, Neuhausen ob Eck, 21.06.2013

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Konzert: Queens of the Stone Age
Ort: Southside Festival 2013, Neuhausen ob Eck, Green Stage
Datum: 21.06.2013
Dauer: 70min


Bilder aus dem unschlagbaren Archiv von Christoph

Nachdem ich 2010 beim Area 4 Festival während des Auftritts von Queens of the Stone Age von einem unverschämten, agressiven Typen und seinen Ellenbogen blaue Flecken und beinahe einen Rippenbruch zugefügt bekommen hätte, entschied ich mich dieses Mal einfach im im zweiten Wellenbrecher zu bleiben. Dafür, dass sie mindestens einen minderbemittelten Fan haben, können QOTSA nichts, doch leider gibt es dadurch dieses Mal keine wirklich brauchbaren Bilder.

Bereits damals regelrecht überrollt von dem gewaltigen Auftritt, den die Band um Legende Josh Homme hingelegt hatte, hatte ich mich sehr über die Bestätigung der QOTSA als einer der Headliner beim diesjährigen Southside Festival gefreut. Zugegebenermaßen beeindruckte mich die erste Singleauskopplung My God Is The Sun aus dem Ende Mai erschienenen „...Like Clockwork“ zunächst nicht über die Maßen, dennoch ist das Album insgesamt ungewohnt vielseitig und für meine Begriffe sehr gut gelungen.


 
Imposanter Beginn des ersten Headliner-Sets des Southside 2013: in ohrenbetäubender Lautstärke zerbersten virtuelle Glasscheiben auf den Leinwänden. Mehrfaches gespanntes Zusammenzucken. Und dann betreten sie die Bühne. Josh Homme selbstverständlich zuletzt seine Position ganz vorne am Bühnenrand beziehend und los geht es mit einem Klassiker des 2000er Albums „R“: Feel Good Hit Of The Summer. Man kann es gar nicht anders beschreiben als imposant. Einfach imposant. QOTSA verkörpern musikalisch genau das, was Josh Homme in Person darstellt. Fast schon beängstigende Coolness. Musik, die so bad-ass ist, dass es schon fast lächerlich ist. Krachende und trotzdem elaborierte Gitarrenriffs, ein alles überlagernder Sound, der einem keine Wahl lässt, als mit dem Kopf zu wackeln und sich dem Druck zu ergeben. Kurz gesagt: geil. Seit Tagen geht mir vor allem das „C-C-C-C-C-Cocaaaaaaaaaaine“ nicht mehr aus dem Kopf. Und die bretternden Gitarren. Wahnsinn. So abrupt wie das Set beginnt endet der erste Song auf den Punkt. Erstaunen all around. Vermutlich ging es den meisten ähnlich wie mir und sie waren von der schieren Mächtigkeit des Sounds der QOTSA fasziniert und gebannt.


Das Josh Homme kein Mann des unnötigen Geplauders ist, rechne ich ihm hoch an, denn so sind doch für mich immer noch die besten Musiker die, die ihre Musik für sich sprechen lassen. Noch berauscht vom Opener des Sets gaben die Queens dem Publikum nicht auch nur die leiseste Chance des Entkommens, da sie direkt einen weiteren ihrer bekanntestens Songs nachlegten: No One Knows. Und auch wenn ich mir selbst auf die Finger hauen möchte, während ich diesen Satz schreibe und meine eigene Wortwahl monieren möchte: das war einfach fett. Abartig genial. Keine Widerrede gestattet. QOTSA haben dem Publikum sofort gezeigt, was sie drauf haben und in den ersten 10 Minuten mehr als gerechtfertigt, warum sie eine der massivsten Rockbands der Gegenwart sind.



Nachdem das Publikum bereits mit zwei Klassikern platt gewalzt worden war und sich in einem Zustand der mittelprächtigen Ekstase befand, Zeit für neues Material mit My God Is The Sun. Wiederum mächtig und live gewaltiger, als man auf dem Album erahnen kann. Ein Kurzes „Vielen Dank“ von Josh Homme höchstpersönlich. Und schon rollt das markante Riff von Burn The Witch ganz langsam, ganz cool und ganz bestimmt auf uns zu. Keine Chance, die Show schlecht zu finden. Da da da da, da da da da.
 

Interessant zu beobachten: immer wieder frenetischer Zwischenapplaus. Und auch sehr häufig vermeintlicher Abschlussapplaus, der dann peinlich berührt verstummt oder eher im Dröhnen der Queens untergeht, die noch eins drauflegen. Das muss schon manchmal frustrierend sein, Josh Homme zu sein, der wohl immer wieder feststellen muss, dass sein elaboriertes Gitarrenspiel von den meisten Menschen doch nur bedingt gewürdigt werden kann, weil man einfach vor lauter Staunen nicht mehr weiß, ob da noch mehr kommt, oder ob es das war. Wieder ein kurzer Dank und dann Sick, Sick, Sick. Wieder die Feststellung, es gibt kein Entkommen. Begeisterte Schreie um mich herum, Pogo, Ekstase. So muss das sein. Bevor First It Giveth das Gelände erfüllt, bittet Josh Homme darum, die Scheinwerfer einen Moment lang auf die Menschenmenge zu richten, um sich den Moment einprägen zu können. Dieser alte Softie. Spaß beiseite – ich habe selten einen Frontmann gesehen, der mit so wenigen Worten, so viel zum Ausdruck bringen konnte und das Publikum so perfekt im Griff hatte.


Es folgte ein Stück des neuen Albums namens The Vampyre Of Time And Memory. Josh Homme am Piano, fast schon mit sanfter Stimme, gefühlvollem Vortrag. Wenn nicht in all dem überwältigenden Gitarrenkrach der beeindruckenste, da unerwarteste Moment. Natürlich muss danach wieder ein Hit kommen, der richtig knallt: Little Sister. Erneuter Wow-Moment. Das muss man auch einfach einmal live erlebt haben. Nicht minder großartig I Sat By The Ocean, ein weiteres neues Stück. Mir fällt tatsächlich nicht ein einziges Stück ein, ob neu oder alt, dass mich nicht begeistert hätte.

In den Zugaben noch einmal die volle Breitseite mit Go With The Flow und Song For The Dead. Wiederum kollektives Kopfnicken. Alle vollkommen umgehauen. Das ist der Queens of the Stone Age-Effekt. Fantastischer Auftritt einer durchweg beeindruckenden Band um einen außergewöhnlichen Frontmann. Sollte man mal gesehen haben.

Einziger Kritikpunkt, dass man vielleicht bei angekündigten 90 Minuten nicht nur 70 Minuten spielen sollte – allerdings wüsste ich nicht, was bei dieser perfekten Setlist noch kommen sollte.


Eine Bildergalerie des Auftritts findet sich z.B. hier:

http://www.dasding.de/#!http://www.dasding.de/southside/Bandfotos-vom-Southside-2013/-/id=106962/vv=content/nid=106962/did=711456/78jmny/index.html

Im Herbst in Deutschland auf Tour:

04/11 Stuttgart – Schleyerhalle
05/11 München – Zenith
08/11 Düsseldorf – Mitsubishi Electric Hall
28/11 Hamburg – O2 World

Setlist Queens of the Stone Age, Southside Festival 2013:

01 Feel Good Hit Of The Summer
02 You Think I Ain't Worth A Dollar But I Feel Like A Millionaire
03 No One Knows
04 My God Is The Sun
05 Burn The Witch
06 Sick, Sick, Sick
07 First It Giveth
08 The Vampyre Of Time And Memory
09 Little Sister
10 Monsters In The Parasol
11 I Sat By The Ocean
12 Make It Wit Chu
13 I Appear Missing

14 Go With The Flow (Z)
15 Song For The Dead (Z)  


Freitag, 3. September 2010

Black Rebel Motorcycle Club & Queens Of The Stone Age, Rock en Seine, 27 & 28.08.10

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Konzerte: Black Rebel Motorcycle Club & Queens Of The Stone Age

Ort: Scène de la Cascade und Grande Scéne

Datum: 27.08 & 28.08.2010
Zuschauer: jeweils zigtausende
Konzertdauer: jeweils rund eine Stunde


Weil es thematisch gut passt, möchte ich die Berichterstattung über das Festival Rock en Seine mit einer Gegenüberstellung der beiden Stonerbands abschließen.

Black Rebel Motorcycle Club spielten bereits am Freitag und zwar auf der zweitgrößten Bühne, der Scène de la Cascade. Ihr energiegeladener Auftritt wurde zu recht von der Musikpresse als äußerst gelungen bezeichnet. Von Beginn an herschte eine pechschwarze Atmosphäre, die sowohl durch die düstere Lightshow, als auch durch den Look und die Musik der Band aus San Franciso (nun Los Angeles) unterstrichen wurde. Die gothisch angehauchte Inszenierung gehört zum Markenzeichen der Band, aber in diesen Tagen war die Tristesse nicht nur Pose, denn erst kürzlich war Michael Been (von The Call), der Vater des Sängers und Gitarristen Robert Levon Been (oder auch Robert Turner) gestorben. Robert verlor über diesen Umstand aber kein Wort, sondern konzentrierte sich auf seinen Part. Fast gruselig wirkte er mit seinem schwarzen Kapuzenmantel, den er passend zum regnerischen Wetter trug. Erst später fiel die Kapuze und man sah endlich sein feines Gesicht und sein lockiges Haupthaar. Mit seiner krächzigen Reibeisenstimme und seinem sägenden Spiel hatte er die Fans mächtig aufgemischt. Die Stimmung konnte man nicht anders als explosiv nennen. Hinten sorgte die coole Drummerin Leah Shapiro für den richtigen Bumms, während auf der rechten Seite (vom Publikum aus gesehen) Peter Hayes agierte. Das Trio haute einen beinharten Song nach dem anderen raus und die Mischung aus wildem Garagenrock mit bluesigen Elementen kam unglaublich gut an. Was gespielt wurde schien fast egal zu sein, die Meute war auf Extase aus. Mir persönlich imponierte das Ende mit dem Doppelschlag aus Weapon Of Choice und Whatever Happened To my Rock'n Roll am meisten. Robert Turner war in dieser heißen Szene zusammen mit seiner Elektrischen queer durchs Publikum marschiert und sorgte für ein Blitzgewitter der Kompaktkameras. Er schien das Bad in der Menge sichtlich zu genießen und ich denke, umjubelte Konzerte zu geben ist für ihn die beste Medizin, um über den Tod seines Vaters hinwegzukommen.

Der Auftritt von BRMC bei Rock en Seine: Ein Hammer!

Weniger begeisternd gestaltete sich die Show der Queens Of The Stone Age auf der Hauptbühne am Samstag. Josh Homme und seine Mannen rockten zwar gewohnt beinhart ab, aber der Show wohnte etwas Routiniertes, Einstudiertes inne. Wenig Platz für Improvisation, stattdessen ein punktgenaues Runterschrammeln der Klassiker wie Little Sister, Burn The Witch oder No One Knows. Wo waren die neuen Lieder? Warum traten QOTSA überhaupt auf? Keiner weiß es. Ich hatte mir vorher mindestens drei neue Stücke erhofft, wurde aber durch die ziemlich langweilige Setlist enttäuscht. Josh hatte in einer Szene dem Publikum erklärt, daß es an ihm und seiner Band läge, ob die Zuschauer einen für immer bleibenden Eindruck von der Show davontrügen. Davon konnte leider keine Rede sein. Vor ein paar Jahren hatten mir die Queens Of The Stone Age an gleicher Stelle deutlich besser gefallen, heute das war nur Dienst nach Vorschrift. Toll sind sie natürlich immer noch. Ein neues Album bitte!

Setlist Black Rebel Motorcycle Club, Festival Rock en Seine 2010:

01: Beat The Devil's Tattoo
02: Love Burns
03: Mama Taught Me Better
04: Stop
05: Bad Blood
06: Ain't No Easy Way
07: Conscience Killer
08: Berlin
09: Weapon Of Choice
10: Whatever Happened To My Rock'n Roll
11: Spread Your Love


Setlist Queens Of The Stone Age, Rock en Seine 2010:

01: Feel Good Hit Of The Summer
02: The Lost Art Of Keeping A Secret
03: 3's & 7's
04: Sick, Sick, Sick
05: Misfit Love
06: Monsters In The Parasol
07: Burn The Witch
08: Long Slow Goodbye
09: Little Sister
10: I Thin I Lost My Headache
11: Go With The Flow
12: No One Knows
13: A Song For The Dead



Freitag, 29. Februar 2008

Queens Of The Stone Age, Paris, 29.02.08

2 Kommentare

Konzert: Queens Of The Stone Age

Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 29.02.2008
Zuschauer: gut gefüllt


"This security guard is fired!" - "Yes, this one, can you put the lights on him?"


Wer schon desöfteren Josh Homme und seine Queens Of The Stone Age gesehen hat, kennt solche Sprüche bereits. Irgendwann im Laufe seiner Shows geht irgendjemand Josh auf die Nerven, er zeigt auf ihn, oder bittet die Lichttechniker Spots auf ihn zu richten. Dann beleidigt er die entsprechende Person und überzieht sie mit üblen Schimpfwörtern und schon hat er die Lacher auf seiner Seite. Man muß sich nur die Live-CD "Over The Years And Through The Woods" von 2005 anhören. Bei diesem Mitschnitt aus London wird ein armes Geschöpf gar als "Cock-Smoker" bezeichnet. "This guy with the white shirt is an asshole; yes this one, and now everybody here knows that you are a fucking Cock-Smoker". Und beim Furia Sound Festival 2007 in Cergy bei Paris wurde ein Kerl, der in einem Tigerkostüm rumlief, von Josh auf die Bühne zitiert und anschließend verunglimpft.

Heute also nun ein Typ von der Security, der den Homme'schen Sprüchen ausgeliefert war. Angeblich war er viel zu grob mit Leuten in den ersten Reihen umgesprungen. Konnte ich von meiner Position aus nicht sehen, insofern schwer zu beurteilen, ob Josh Recht hatte. Erfahren habe ich allerdings von meiner besser platzierten Frau, daß der Security-Gorilla tatsächlich ausgetauscht wurde. Wie ein schlechter Linienrichter beim Tennis, großartig!

Dies alles ereignete sich gegen Ende des Konzertes. Vorangegangen war folgendes:

Die drei Schotten von Biffy Clyro schmetterten ihre Hits vom letzten Album "Puzzle", allen voran "Living Is A Problem Because Everything Dies" und kaum eine Sau interessierte sich dafür. Das Publikum im Zénith schien kollektiv Valium-Tabletten eingeworfen zu haben, anders ist nicht zu erklären, daß eine Vorgruppe, die hundert Prozent zum Hauptact des Abends passt, komplett an den bereits recht zahlreich anwesenden Besuchern vorbeiging. Sänger Simon Neil wirbelte zwar wie gewohnt mit nacktem und tätowiertem Oberkörper umher und die Johnston Brüder an Schlagzeug und Bass gaben auch ihr Bestes, aber der Funke wollte einfach nicht überspringen. Da halfen auch hohe Dezibel-Zahlen und ein hochdynamischmer und explosiver Sound nichts, die Stimmung blieb mau. Kaum jemand war also auch für die Vorgruppe gekommen, was mich wieder in meiner These bestätigt, daß man in der Regel erst zur Hauptgruppe erscheinen sollte. Denn entweder ist die Vorband schlecht und man verliert wertvolle Lebenszeit, oder aber man mag sie sehr, aber kaum jemand interessiert sich dafür und man ärgert sich, daß der ihr gebührende Respekt und Applaus nicht gezollt wurde. Nun gut, Applaus bekamen Biffy Clyro am Ende schon, aber dafür, daß hier eine der besten Rockbands Englands auftrat, war das doch eher ernüchternd. Zu den gespielten Stücken gehörten übrigens neben "Living Is A Problem Because Everything Dies", "Now I'm Everyone", "Love Has A Diameter", "Get Fucked Stud" und "Glitter And Trauma".

Schon in der darauffolgenden Umbaupause wurde das Publikum lebhafter. Vom Band liefen da gerade kurios zusammengewürfelte Lieder wie "I Feel Love" von Jimmy Somerville (bzw. Bronski Beat), ein Ramones-Schunkler und "Born To Be Wild" von Steppenwolf. Auf den Harley-Davidson Klassiker fuhren die Leute mehr ab als zuvor auf Biffy. Dann wurde am Bühnenbild gewerkelt und zum Vorschein kamen Objekte, die zunächst aussahen, als handele es sich um in schwarze Tücher gewickelte Sandsäcke zum Boxen. Als die "Hüllen" entfernt wurden, erkannte man aber schnell die bereits von der letztjährigen Tournee bekannten Gothik- Ketten-Lüster, die darufhin in die Höhe gefahren wurden.

Eine gute Viertelstunde später konnte es dann losgehen. Als erster kam Gitarrist Troy Van Leeuwen aus der Kabine gekrochen und bezog vorne links Stellung. Dann tröpfelten auch die anderen Queens ein, darunter selbstverständlich auch Josh, der sich als letzter die Gitarre umschnallte.

Der Auftakt des Sets gestaltete sich überraschenderweise recht zahm und auch etwas zäh. Weder "Turning On The Screw", noch "Hanging Tree" (hier fehlte die rauchige Stimme von Marl Lanegan) konnten das Konzert so richtig in Fahrt bringen. Auch "River In The Road" nicht. Nachdem aber Josh die ersten Sätze an das Pariser Publikum gerichtet hatte und die üblichen Allgemeinplätze bezüglich der Schönheit der Stadt und der Frauen fallen ließ, kam bei "Misfit Love" zum ersten Mal Stimmung auf. Vorne, wo ich stand, wurde es ziemlich wild, allerdings nicht aggressiv und bösartig. Mit "Do It Again" konnte die Intensität sehr gut gehalten werden und es war klar, daß die Aufwärmphase längst vorbei war. Nun ging es zur Sache! Die Gitarren bretterten erbarmungslos, der Bass polterte, daß der Boden bebte und das Schlagzeug knallte satt und trocken. Eine der besten Phasen des Konzertes wurde eingeläutet, wo hintereinander der "Feel Good Hit Of The Summer", "Go With The Flow" und eines der besten Lieder vom letzten Album "Era Vulgaris", nämlich "3's & 7's" (genial das quitschende Gitarrenriff, das sich durch das ganze Lied zieht) abgefeuert wurden. Ab dem Titelstück des letzten Werkes wurde es dann jedoch etwas mäßiger, ein kleiner Hänger war zu verzeichnen. Allerdings muß lobend hervorgehoben werden, das Lieder wie "Suture Up Your Future", oder "In The Fade" auf den Festivals 2007 nicht gespielt wurden, was wiederum beweist, daß Queens Of The Stone Age ständig ihre Setlisten abwandeln und neugestalten. Leider keine Selbstverständlichkeit im Musik-Business!

Ab "Burn The Witch" ging es aber wieder zur Sache, die Gitarren heulten, Josh wechselte munter von der tiefen Stimmlage zum Falsett und Troy Von Leeuwen bot einige typische Rockstarposen. "Make It With Chu" wurde als Lied bezeichnet, daß in keiner anderen Stadt der Welt besser passen würde ("you can figure out why"), plätscherte aber ein wenig dahin, bevor "Little Sister" einschlug wie eine Bombe. Kein Wunder, denn kaum ein Titel im Repertoire der Band ist so kompakt und auf den Punkt gespielt wie dieser Smasher vom "Lullabies-Album" und auch das geile Gitarrensolo wirkte keinesfalls deplatziert. Das abschließende "Sick Sick Sick" kam auch gut rüber, macht aber auf mich immer ein wenig en Eindruck, als ginge man mit der Brechstange vor. QOTSA haben schon filigranere und komplexere Lieder geschrieben.

Zu jenem Zeitpunkt war circa eine gute Stunde brachialer Rock geboten worden, aber es fehlten noch ein paar Hits. Trotzdem ließen sich die Machos schon einmal feiern und klatschten ihrerseits dem Publikum Beifall.

"This song is for you", oder sowas in der Art, raunzte Monsieur Homme, nachdem er auf die Bühne zurückkommend ein paar französische Brocken wie z.B. "magnifique" vom Stapel gelassen hatte. Der dem Publikum gewidmete Titel war der heißersehnte Klassiker "No One Knows", für den allein es sich schon gelohnt hätte, zum Konzert zu gehen. Zwar kommen die Tempowechsel immer ein wenig mit Ansage und sind für mich nach dem 5. Queens Of The Stone Age - Gig nicht wirklich überraschend, die pure Wucht, die regelmäßig dahintersteckt, ist jedoch auch für einen abgestumpften Typen wie mich nach wie vor atemberaubend.

Den finalen Adrenalin-Kick hatten sich die harten Kerle dann selbstverständlich für den Schluß aufgehoben. Bei "A SongFor The Dead" wurde alles mobilisiert was Krach macht, es wurde gebrettert was das Zeug hält und mit den Tempowechseln erwischten sie diejenigen, die zum ersten Mal bei QOSTA dabei waren, auf dem falschen Fuß. Ich kannte das Zuckerbrot und Peitsche-Spiel aber schon vom Rock- A- Field - Festival in Luxemburg, wo ebenfalls "A Song For The Dead" ein beinhartes Konzert bendete.

Fazit: Ein grundsoliger und gut geölter Gig. Die meisten Gimmicks - sowohl in musikalischer als auch in sprüchetechnischer Hinsicht - waren aber nicht wirklich neu. Und der Typ von der Security ist beim nächsten Mal bestimmt wieder dabei. Josh Homme ist Amerikaner, der kennt die französischen Gewerkschaften nicht. So leicht kann mir hier niemanden feuern...

Setlist Queens Of The Stone Age, le Zénith, Paris:

01: Turning On The Screw
02: Hanging Tree
03: River In The Road
04: Misfit Love
05: Do It Again
06: Feel Good Hit Of The Summer
07: Go With The Flow
08: 3's & 7's
09: Era Vulgaris
10: In The Fade
11: Suture Up The Future
12: Burn The Witch
13: Make It With Chu
14: Little Sister
15: Tangled Up In Plaid
16: Sick, Sick, Sick

17: No One Knows
18: Avon *
19: Song For The Dead

Konzertdauer: ca. 85 Minuten

* Vielen Dank an unseren Leser!



Noch viel mehr Fotos von den Queens Of The Stone Age hier



Montag, 2. Juli 2007

Queens of the Stone Age, Cergy-Pointoise, 01.07.07

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Konzert: Queens Of The Stone Age
Datum: 01.07.2007
Ort: Cergy-Pointoise bei Paris, im Rahmen des Furia Sound Festivals
Zuschauer: ein paar Tausend


Schon wieder ein Sonntag, schon wieder diese seltsamen Sado-Maso Lüster, schon wieder ein Festival und schon wieder die Queens Of The Stone Age auf der Hauptbühne. Ist das jetzt ein klassisches Déjà-vu Erlebnis? Dieses Phänomen soll es ja wirklich geben und die Leute, die davon betroffen sind, leiden anscheinend sehr darunter, alles ist langweilig für sie, weil sie glauben, die gleichen Dinge bereits vorher einmal erlebt zu haben... Aber ich kann beruhigt sein, mit mir ist soweit alles o.k., Josh Homme hat heute im Gegensatz zum letzten Sonntag in Luxemburg ein schwarzes Hemd an und kein rot-weiß kariertes und außerdem bin ich in Cergy-Pointoise bei Paris und nicht wieder im Großherzogtum! Auch das Set der Queens Of The Stone Age beginnt heute anders als vor sieben Tagen, denn anstatt "Sick, Sick, Sick" bekomme ich heute zunächst "Regular John" um die Ohren gehauen. Sehr löblich, daß die Setlisten bei den amerikanischen Stoner-Rockern immer abgewandelt werden, gerade bei englischen Bands wird oft exakt das gleiche Programm runtergenudelt. Erstaunlich: von den ersten vier Liedern ist mit dem hervorragenden 3's And 7's gerade einmal ein neues Stück von dem aktuellen Album "Era Vulgaris" dabei. Das an dritter Stelle gebrachte "Avon" vom 1. Album von QOTSA kündigt Josh an mit: "This is a song from my first Record, it's dance music." Mein erstes Album? Sieht sich Herr Homme nicht als Teil einer Band, sondern als Solokünstler? Oder liegt es einfach an der Tatsache, daß Troy Van Leeuwen (Gitarre) und Joey Castillo (Drums) erst später dazugestoßen sind und bei Erscheinen des ersten Albums noch nicht zur Formation gehörten? Wie auch immer, Josh hat auf jeden Fall eindeutig klar gemacht, daß er der Boss ist, aber wer sollte das auch bestreiten...

"Misfit Love" wird kurze Zeit später passend zum Titel als Lovesong angekündigt, aber in liebliche Stimmung kommt man bei diesem depressiven Schocker mit dem überlangen Gitarrenintro nicht so wirklich. Josh hat sowieso mehr Lust sich zu streiten, zumindest lässt er kurz nachdem "Misfit Love" verklungen ist, wieder den harten Macho raushängen: "Hey you, Tom the Tiger, come on stage, you fucking asshole! You look like my Ex-Girlfriend, Tiger!" Herr Homme hat in der Menge einen Typen in Tigerkostüm ausfindig gemacht und will, daß das falsche Raubtier auf die Bühne kommt. "Ich halluziniere doch nicht, oder? Ich meine, das ist doch ein Tiger, oder etwa nicht", fragt sich der rothaarige Sänger zum Scherz. Kurze Zeit später ist der Tiger auf der Bühne und darf sich zur Belohnung etwas beleidigen lassen: "asshole, fucker, etc." bekommt der Arme zu hören. Standardvokabular bei Josh. Ist wahrscheinlich ein Kompliment aus seinem Munde, wahrscheinlich nennt er auch seine Freunde so. Einige Lieder später bittet er auch Mitarbeiter des Geländes auf die Bühne und macht sich über ihre fluoreszierenden Jacken lustig: "You brightly coloured assholes, you fucker, don't touch me fucker, you fucking assholes...", die ganze Palette an "Komplimenten" bekommen die Herren zu hören. Aber der macht ja nix, der will nur spielen! Und zwar gute Songs spielen, zum Glück.

Besonders gut kommen "Burn The Witch", "Little Sister" und "Battery Acid", das - obwohl neu - schon wie ein Klassiker im Programm der Band wirkt. Alte Klassiker, die nach wie vor ziehen sind dann "Feelgood Hit Of The Summer", welches immer wieder unterbrochen wird, nur um im Anschluß daran um so brutaler zu lärmen und "The Lost Art Of Keeping A Secret". Den größten Abräumer haben sich die Königinnen aber für den Schluß aufgehoben: "No One Knows" hat noch bisher jeden Festivalbesucher aus der Reserve gelockt und tut es auch heute wieder. Die Ordner schwitzen und fertigen die Crowdsurfer ab. Sie müssen dieses Lied hassen, das bringt ihnen die meiste Arbeit, wahrscheinlich hätten sie lieber Singer/Songwriter auf der Bühne, das wäre dann entspannter für sie. Die Zuschauer sind aber gekommen, um sich musikalisch mal richtig den Arsch versohlen zu lassen. Und wer spielt bitte schön besseren "Kick-Ass Rock" als die Queens Of The Stone Age?

Setlist Queens Of The Stone Age Furia Sound Festival:

01: Regular John
02: 3's And 7's
03: Avon
04: Do It Again
05: ?
06: Misfit Love
07: Into The Hollow
08: Burn The Witch
09: Make It With Chu
10: Little Sister
11: Battery Acid
12: Feelgood HIt Of The Summer
13: The Lost Art Of Keeping A Secret
14: No One Knows

von Oliver



Mittwoch, 27. Juni 2007

Queens of the Stone Age, Luxemburg, 24.06.07

6 Kommentare

Konzert: Queens of the Stone Age
Ort: Bettembourg bei Luxemburg (Rock A Field Festival)
Datum: 24.06.2007
Zuschauer: 5.000 bis 7.000 geschätzt


"It's beautiful out here" raunzt Queens Of The Stone Age Frontmann Josh Homme in sein Mikro als die fünfköpfige Band auf der Bühne Stellung bezieht. QOTSA sind die vorletzte Band des Tages beim gelungenen Festival Rock A Field in Bettembourg bei Luxemburg. Das in einem herrlichen Waldstück gelegene Gelände ist in der Tat sehr schön, aber wenn der rothaarige Sänger der Stoner-Band auf die Idylle einer Landschaft hinweist, ist man immer etwas verwundert und erwartet, daß jetzt noch ein Halbsatz mit dem Wort "Fuck" oder ähnlich Vulgäres hinterherkommt. Ist aber heute nicht der Fall und das, obwohl das neue Album der kalifornischen Band "Era Vulgaris" heißt...

Von diesem stammt auch gleich der fulminante Opener "Sick, Sick, Sick" und der zwischenzeitlich ruhige Wald (zwischen den jeweiligen Auftritten gab es jeweils recht lange Umbaupausen) erbebt, als die donnernden Gitarren aufheulen. QOSTA sind halt eben nichts für Leute, die es leise und sanft mögen. In den ersten Reihen geht sofort mächtig die Post ab, die bulligen Ordner haben gut zu tun. Ich schaue auf die Bühne und frage mich, was das denn für seltsame Lüster sind, die Josh und seinen Mitstreitern über den Köpfen baumeln. Die Aufhängungen der seltsamen Teile sehen aus, als hätten Spinnen hier ihr Netz ausgeworfen. Das Ganze hat einen leicht gothischen Charakter. Die Bühnendeko von Arcade Fire zu "Neon Bible" gefiel mir im Vergleich hierzu doch um einiges besser. Aber sei's drum, originell ist das ja schon...

Und wen interessiert eigentlich das Aussehen der Bühne, wenn er zugedröhnt ist? -Niemanden! Mit was man sich so zudröhnen kann, wird einem wunderbar im nachfolgenden "Feelgood Hit Of The Summer" aufgezählt: Heroin, Ecstasy, Kokain... Kein Zweifel, wer diesen Cocktail eingeworfen hat, wird sich sehr gut fühlen, zumindest für einige Zeit, bevor er dann mit dem Kater seines Lebens aufwacht! Ein probates Mittel gegen einen dicken Kopf scheint mir, "No One Knows" zu sein. Zumindest gegen Durchhänger bei Festivals wirkt dieser Klassiker aus dem Repertoire der harten Rocker aus der Wüste immer noch Wunder. Dieses Gitarrenriff zu Beginn, nach wie vor genial und dann das mehrfache Lospeitschen der Musik nach geschickt gesetzten Atempausen, wow! So geht Rock n' Roll! Sex, Drugs and Rock n' Roll!

Drugs und Rock n' Roll hatten wir schon, fehlt nur noch der Sex... Den bekommen wir zumindest verbal bei "Lost Art Of Keeping A Secret" vom glänzenden Album "Rated R". "The next song is about "fu..ing", kündigt Josh diesen Titel an und macht
dabei ein vulgäres Handzeichen, was den Ordner vor mir zum Schmunzeln bringt. Also doch Era Vulgaris, geht doch! Später kommt ein ähnlicher Spruch, der in diese Richtung geht: "This is my future ex wife" behauptet Josh und zeigt mit seinem tätowierten Finger auf eine Frau im Publikum. Dann geht es weiter mit einer Mischung aus neuen und alten Songs, wobei "Burn The Witch" und "Little Sister" von "Lullabies To Paralyze" und "Into The Hollow" und "Battery Acid" vom neuen Album besonders hervorstechen. Manchmal hat man den Eindruck, den Stücken sei neuerdings etwas Techno-Punk beigemischt worden, was aber durchaus bereichernd rüberkommt. Nach dem gewohnt fabelhaften "In My Head" ist aber auch leider schon wieder das Ende nahe, mit "A Song For The Dead" folgt nur noch ein Lied. Dieses hat es aber in sich! Zunächst erklingen lediglich mystische Geräusche, bevor die Gitarren alleine losdonnern und schließlich von dem monströsen schnellen und harten Schlagzeug von Joey Castillo eingeholt werden. Ein fulminanter Höllenritt ist das, man könnte meinen, vom Himmel hagele es Pflastersteine. Natürlich wird dieser Knüller immer wieder unterbrochen, nur um im Anschluß daran doppelt so hart loszudonnern. Die QOSTA wissen halt eben, wie man die Leute zum Kochen bringt. Alte Bühnenfüchse sind das, richtige Rampensäue! Dafür lieb' ich sie, ihre Konzerte sind nie langweilig, immer wird einem mächtig eingeschenkt. Das heutige machte da keine Ausnahme.

Die Era Vulgaris ist somit angebrochen und sie wird mindestens noch diesen Festival-Sommer überdauern, da kann man sich sicher sein...

Setlist Queens of the Stone Age Luxemburg, Rock-a-field

01: Sick, Sick, Sick
02: Feelgood Hit Of The Summer
03: No One Knows
04: Do It Again
05: 3's And 7's
06: Lost Art Of Keeping A Secret
07: Misfit Love
08: Burn The Witch
09: Into The Hollow
10: Little Sister
11: Battery Acid
12: Turnin' On The Screw
13: In My Head
14: A Song For The Dead

Queens Of The Stone Age auf Tour:

28.06.07 Köln (E-Werk)
29.06.07 Werchter Festival, Belgien
03.07.07 Amsterdam (Paradiso)
04.07.07 Berlin (Columbiahalle)
06.07.07 Roskilde-Festival, Dänemark

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von Oliver


 

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