Montag, 11. Februar 2008

The Von Bondies, Paris, 10.02.08


Konzert: The Von Bondies und Hopper
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 10.02.2008
Zuschauer: ausverkauft



"Do You like Rock Music" fragen British Sea Power leicht provokativ auf ihrem neuen Album.


Nun, ich habe heutzutage keine Probleme diese Frage mit einem deutlichen "ja" zu beantworten. Und dies obwohl der Begriff Rock in Deutschland enorm gelitten hat, gerade in den 80ern, weil es den fürchterlichen Ausdruck des Deutsch-Rock gab und man zwangsläufig an Schreckgestalten wie Bap, Herbert Grönemeyer, oder Marius Müller Westernhagen denken mußte. Grauenhaft! Hinzu kam, daß das Genre negativ besetzt war durch internationale Bands wie Deep Purple, oder Uriah Heep. Fies! Als 1971 geborener und in den 80 musiksozialisierter Mensch war für mich, als ich circa. 16 Jahre alt war, klar: Rock sucks! Joan Jett sang: "I Love Rock'n Roll" und ich dachte nur: "I hate this shit". "I Love Pop!"

All dies hat sich inzwischen geändert, heute kann man mich mit dem Ausdruck Pop jagen, ich verbinde damit Plastik-Künstler aus der Retorte wie Madonna, Kylie Minogue, oder meine damalige Lieblingsband Pet Shop Boys. Wenn schon Pop, dann charmant gemachter Indie-Pop im Stile von Belle & Sebastian, oder Loney, Dear. Aber da sage ich es schon selbst: Damit es Leuten, die Individualisten sein wollen, gefällt, muß das Wörtchen Indie hinzugesetzt werden. Ist beim Rock genauso. Magst Du Rock?, könnte man viele Leute fragen und sie würden wahrscheinlich antworten: Weiß nicht so recht, wenn Du Indie-Rock meinst, dann ja. Vielleicht haben genau deshalb die Engländer von British Sea Power diese Frage in den Raum gestellt, obwohl sie ihren eigenen Stil auf ihrer MySpace Seite den Genres Indie/Alternativ/Pop zuordnen. Also nix mit Rock bei BSP! Wer an diesem herrlich sonnigen Tag in Paris wirklich Rock haben wollte, mußte ins Nouveau Casino zu den Von Bondies und nicht zu den Engländern, die zur gleichen Zeit im Café de la danse spielten. Ich geb's ja gerne zu: ich hätte gerne auf beiden Hochzeiten getanzt, sogar noch auf einer dritten, denn die tollen Holländer Alamo Race Track waren in der Maroquinerie zu Gast. Aber man kann sich ja leider nicht dreiteilen! Eine Lösung habe ich dennoch gefunden : British Sea Power sehe ich mir dann einfach zusammen mit Christoph in Deutschland an. Am 19. Februar sind sie nämlich im genialen Cooky's In Frankfurt...

Der Rocker in mir trat also schließlich den Weg ins Nouveau Casino an und ich kam gerade noch rechtzeitig zum Auftritt der wilden Pariser Sheraff. Diese spielen ungestümen, geradlinigen Garagenrock im Stile der Hives. Natürlich singen die Franzosen auf englisch, alles andere wäre auch uncool. Und gemanagt werden sie amüsanterweise von einer französischen Freundin von mir. Da ich um das Organisationstalent von Marguerite weiß, mache ich mir um die richtige Vermarktung von Sheraff keine Sorgen. Schon im Vorfeld machte sie gleich mehrfach auf den Auftritt "ihrer" Band aufmerksam. Aber das war eigentlich nicht nötig, ich wäre ohnehin gekommen, die Songs die man bei MySpace hören kann, waren nämlich schon ein guter Appetizer. Natürlich durften die Lokalmatadoren heute nicht zu lange spielen, gaben aber dafür richtig Gas und zeigten, daß sie jede Menge Energie haben. Schön für die recht junge Band, daß schon zu früher Stunde etliche neugierige Zuschauer da waren, es gab in der Vergangenheit für Vorgruppen schon wesentlich schlechtere Bedingungen im Nouveau Casino. Oft spielten die lokalen Bands dann vor sehr wenigen Besuchern. Insgesamt war der bisher zweite Auftritt in dieser Location also eine runde Sache für Sheraff und ich drücke ihnen fest die Daumen, daß zahlreiche andere Konzerte für sie folgen werden...

Nicht viel später machte sich das gemischte Pariser Quartett Hopper fertig. Kennenglernt hatte ich die melancholischen Rocker Ende 2006 im Vorprogramm der Cold War Kids und der Two Gallants. Diese Namen machen schon deutlich, daß Hopper nicht sehr französisch daherkommen , sondern klanglich sehr nah an amerikanischen Gruppierungen orientiert sind. Kein Wunder allerdings, wenn man weiß, daß die Franzosen mit Bryan Hadlock einen äußerst bekannten US- Produzenten für ihr zweites Album "Deergirl" an den Reglern hatten. Der Mann hat unter anderem schon mit Größen wie Blonde Redhead, Gossip, The Black Heart Procession und The Octopus Project zusammengearbeitet. Beste Voraussetzungen also für ein erfolgreiches Album und die damit verbundene Tournee. Der Opener "Colours" stammte allerdings nicht von dem neuen Output, sondern vom Erstling "A Tea with D. "Colours" mochte ich mit seiner zarten Melancholie und dem fein herausgearbeiteten Gitarrenriff schon immer, zumal die integrierte Melodie nichts anderes als die Titelmelodie zur Kult- TV-Serie "die Zwei" (Tony Curtis, Roger Moore) von John Barry ist. Cool!

Danach mit "Rock'n Roll High" der Einstieg in das neue Album und sofort konnte Dorothée, eine der beiden Sängerinnen von Hopper, Kostproben ihrer unglaublich rauchigen Stimme geben. Wenn das Wort "Rock-Röhre" nicht durch eine Bonnie Tyler in Mißkredit gezogen worden wäre, würde ich es durchaus gebrauchen, um Dorothées Gesang zu charakterisieren. Aber auch Aurelia, die andere Frontlady, kann ganz schön rocken (ist ja auch das heutige Thema), bloß ist ihr Kehlchen etwas geölter, weniger krazig. Beweisen konnte sie das bei dem treibenden "Good Vibrations For Neighbourhood Militants". Die beiden Herren bei Hopper, Jean, der Schlagzeuger, und Romain, der Bassist, stehen bei solch geballter weiblicher Rock-Power logischerweise im Hintergrund, obwohl gerade der Drummer über ein sehr explosives Spiel verfügt. Daß die Pariser aber auch eine sanftere Seite haben, kam bei der Ballade "On The Road" gut zur Geltung. Ein schleppendes, getragenes Stück, dem ein wenig Wüstensand an den Stiefeln klebt. Höhepunkt war für mich aber das manisch-depressive "Since You've Slid Into Eternal Slumber", das von kurzen scharfen Gitarrenriffs getragen, zwischen Verzweiflung, Wut und Hoffnung hin-und hertänzelt. Es war das vorletzte Lied des Sets und wurde von Aurelia so angekündigt: "Ich sage im Gegensatz zu dem meisten anderen Bands immer das vorletzte Stück an, dann kann man sich besser darauf einstellen, daß es bald vorbei ist". Symphatisch! Und gut war's auch!

Setlist Hopper, Nouveau Casino, Paris:

01: Colours
02: Rock'n Roll High
03: Good Vibrations For Neighbourhood Militants
04: Rainy Days Smeel Like Glue
05: Hidden Pain Behind A Shield
06: On The Road
07: Since You've Slid Into Eternal Slumber
08: Tell Everybody

Und schließlich dann der Auftritt der Von Bondies. Die Band um den langmähnigen Sänger Jason Stollsteimer hat sich seit ein paar Jahren sehr rar gemacht. 2004 waren sie mit dem Album "Pawn Shoppe Heart" und der Single "C'mon C'mon" auf der Höhe ihres Erfolges; dies war in einer Zeit in der Garagenbands Hochkonjunktur hatten. The Von Bondies schwammen mit auf dieser Welle, genau wie die Datsuns, Vines, Hives und White Stripes dieser Welt. Dannach wurde es still um Jason und seine Gruppe, die sich auch personell, vor allem am Bass, oft veränderte. Das ganze Genre war eher auf dem absteigenden Ast, obwohl sich die Hives und die White Stripes natürlich glänzend gehalten haben und große Hallen füllen. Und Jack "The White Stripes White war es auch, der das Debütalbum "Lack Of Communication" im Jahre 2001 produzierte. Die Freundschaft hielt aber nicht sehr lange und gipfelte in einer wüsten Schlägerei zwischen Jason und Jack, bei dem der Von Bondies Frontmann den Kürzeren zog. Überraschend und zwar in zweierlei Hinsicht, denn einerseits schien mir Herr Stollsteimer nach dem Konzert sehr nett und zahm (er ließ sich am Merchandising Stand blicken und war bester Dinge) zu sein und andererseits kann ich kaum glauben, daß dem großgewachsenen Mann ein kleines Männchen wie Jack White die Fresse polieren kann. Sachen gibt's...

Zuvor hatten die Von Bondies ein erwartet knackig-fetziges Set geboten und dem Publikum kaum Zeit gelassen, Luft zu holen. Natürlich gab es so einiges vom "Pawn Shoppe Heart", selbstverständlich auch den Knüller "C'mon C'mon" und zwar gegen Mitte des Konzertes, aber auch neues Material vom bald erscheinenden Werk "Love, Hate And Then There's You". Ob ihnen noch einmal ein Single - Hit gelingen wird, vermag ich aber nicht zu beurteilen. Wie auch immer, Leute mit Vorliebe für straighten Garagen-Rock kamen auf ihre Kosten und wer auf Frauen, die Bass und Gitarre spielen ("Gilrs Who Play Guitars"), steht, war auch bedient. Mit der rothaarigen Leann Banks, die nicht den Bass zupfte, sondern auch ein Duo mit Jason intonierte und der blonden Gitarristin und Keyboarderin Alicia Gbur war für jeden Geschmack etwas dabei.

"Do you like Rock Music?" -"Yes, I do, but I still like Pop, too". Und Christoph wird sehr bald auf diesem Blog auch wieder die Pop- Fans beglücken, wenn er nämlich im Anschluß über die Stars schreiben wird.



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