Donnerstag, 21. Februar 2008

Duke Spirit, Cut Off Your Hands, Paris, 20.02.08


Konzert: The Duke Spirit, Cut Off Your Hands

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 20.02.2008
Zuschauer: gut gefüllt



Zu dem heutigen Konzert im Nouveau Casino kam ich ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde, nämlich rein zufällig. Beim gestrigen Konzert der Yolks im Motel hat mir ein Freund netterweise einen Einladung für The Duke Spirit zugesteckt, über die er verfügte. Ich nahm dankend an, obwohl mich auch Pluramon feat. Julie Cruise (Twin Peaks) im Divan Du Monde sehr gereizt hätten. Pünktlich machte ich mich also auf den Weg ins trubelige Oberkampff-Viertel, um nichts zu verpassen. Nach meinen Informationen sollten nämlich The Duke Spirit schon vor Cut Off Your Hands antreten und die energiegeladene Band um "Rockröhre" Liela Moss wollte ich mir nicht entgehen lassen.


Im Eingangsbereich des Nouveau Casino angekommen, wartete schon eine lange Schlange junger Menschen auf Einlaß. Heute schienen anscheinend alle Gäste auf irgendeiner Liste zu stehen, so daß ich mich fragte, was dann noch für die Gruppen hängenbleibt. Aber ich hatte nicht viel Zeit zu grübeln und traf etliche Bekannte, die wie immer brav auf der Matte standen. Mit ihnen verplauderte ich die Zeit, bis ich an der Reihe war. Es ging dann doch recht schnell und Schwupps hatte ich auch schon gleich zwei Eintrittskarten in der Hand. Den überschüssigen Karton verteilte ich großzügig an den Fotographen der auf englische Bands spezialisierten Webseite TheSoundofviolence. Auch drinnen dann Fotografenprominenz: Rod Le-hibOO und Robert Gil scharrten schon mit den Hufen, in der Erwartung abknipswürdiger Bands. Die ersten die dann dran waren, Daddy Longlegs aus Frankreich, waren zwar recht fotogen, aber musikalisch nicht wirklich erste Sahne. Das düstere Set der Pariser ging irgendwie an mir vorbei, ohne daß ich besonders in Stimmung kam.

Mit Cut Off Your Hands aus London (bzw. eigentlich Auckland, Neuseeland) wurde es aber im Anschluß merklich besser und flotter. Schon beim zweiten Lied sprang der gutaussehende und hyperaktive blonde Sänger von der Bühne ins Publikum. Es handelte sich aber nicht um Crowdsurfing im eigentlichen Sinne (und war so auch nicht beabsichtigt), denn die vorderen Reihen waren alle zur Seite gesprungen und im mittleren Gang hatte sich eine Schneise gebildet, durch die der Sunny-Boy mitsamt seinem Tambourin hin-und her eilte. Die anwesenden Fotographen bemühten sich nach Kräften diese Szene festzuhalten, aber ich selbst hatte meine Kamera zu spät gezückt. Es war ohnehin schwer, den Frontmann im Bilde zu behalten, der auf etwas affektierte Art und Weise sich und seinen gutgebauten Körper produzierte. Die gespielte Musik war ebenfalls sehr schnell und kernig, der Ausdruck Powerpop, den die Wahl- Engländer (Neuseeländer) auf ihrer MySpace - Seite selbst benutzen, traf es schon sehr gut. Das hatte was von den Pigeon Detectives, war aber unkonventionneller und wilder. Bei punkerigen Stücken, bei denen auch hineingeschrien wurde, waren auch Formierungen wie The Automatic nicht sehr weit. Das Stück "Close Eyes" wiederum erinnerte mich an die Dänen von The Kissaway Trail. Insofern also nichts wiklich Neues, aber man muß auch fairerweise sagen, daß es heutzutage verdammt schwierig ist, etwas Originelles zu schaffen. Irgendwie war halt allles schon einmal da...

Junge Typen wie das Quartett Cut Off Your Hands scheren sich aber zu Recht wenig um die Musikgeschichte, sondern spielen stattdessen munter drauf los. Diese Strategie bringt ihnen schon einige Aufmerksamkeit in England und Tourneen mit Does It Offend You Yeah und auch in Paris schlugen sie sich ordentlich und erhielten Applaus. Zuvor hatten sie zehn - für das Genre Punk-Pop typisch kurze - Lieder aus der Hüfte geschossen und dabei einige Schweißperlen verloren.





Setlist Cut Off Your Hands, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Turn Cold
02: Expectations
03: When Last Time
04: You And I
05: The Witch
06: Oh Girl
07: It Doesn't Matter
08: On Blue
09: Still Fond
10: Closed Eyes

The Duke Spirit ließen dann zunächst eine Weile auf sich warten. Es war inzwischen schon circa. 22 Uhr 10 - spät für Pariser Verhältnisse - und noch immer wartete man vergeblich auf Musik. Die Engländer um die charismatische Frontlady Leila Moss hatte wohl Probleme bei der Anreise nach Paris gehabt. Eigentlich sollten sie sogar vor Cut Off Your Hands spielen. Das wäre allerdings aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt gewesen, denn die beste Band tritt nun einmal zum Schluß auf und das dies heute abend Duke Spirit waren, sollte schnell klarwerden...

Gewohnt explosiv (mit dem fetzigen "Send A Little Love Token" vom Neuling "Neptune") legte die blonde Bombe Leila los und prompt klickten sämtliche Kameras aller anwesenden Fotografen. Eine attraktive Frau an der Spitze zieht immer sämtliche Blicke auf sich, so ist das nun einmal und wird es immer sein. Sex, Drugs and Rock'nRoll, die immer gleiche Formel...

Drugs gab's keine, dafür aber den Rest und zwar in Form einer beckenkreisenden Leila und düster polternden Bässen und Gitarrenläufen.
Schon früh wurden 2 Lieder von der recht neuen EP "Ex Voto" gebracht, darunter das starke "Dog Roses", das man auch auf der MySpace Seite der fünfköpfigen Band anhören kann. Miss Moss spielte hierzu übrigens Mundharmonika und blies in exotisch aussehende Rohre. Das kam gut an und die Blondine war froh, daß die neuen Songs gefielen: "You liked the new ones?" - yes?- Oh, that's good".

Im Mittelteil dann auch Stücke vom Vorgänger "Cuts Across The Land"; "Lion Rip" rockte wie Hölle und vor allem die Freundin von Fotograf Robert Gil ging ab wie Schmidt's Katze. Genau wie ich steht auch sie auf diesen düsteren, schweren Wüstenrock im Stile der legendären Gun Club, die The Duke Spirit auch passenderweise zu ihren Top-Friends bei MySpace zählen. Insofern stilistisch nicht sehr englisch was die Briten boten, aber mich störte das nicht im Geringsten. Im Gegenteil! The Duke Spirit könnten also ohne weiteres auch bei einer der Dessert Sessions von Josh "Queens Of The Stone Age" Homme teilnehmen.

Besonders sinnlich und sexy war gegen Ende auch noch "Love Is An Unfamiliar Name", das noch einmal Leben in das oft etwas unterkühlte "Nouveau Casino" brachte. Leila fegte über die Bühne, stöhnte "ououh" und die Herren der Schöpfung ließen ihre Gitarren aufheulen, das es eine helle Freude war. Mit "Into The Fold" war dann leider Schluß, aber es gab mit dem Titeltrack des alten Albums "Cuts Across The Land" immerhin noch eine hochkarätige Zugabe.


Setlist The Duke Spirit, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Send A Little Love Token
02: Lassoo (Ex Voto EP)
03: Dog Roses (Ex Voto EP)
04: Sovereign
05: Step And The Walk
06: Lion Rip
07: This Ship Was Built To Last
08: Red Weather
09: Love Is An Unfamiliar Name
10: Into the Fold

11: Cuts Across The Land



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