Donnerstag, 6. Januar 2011

My year in lists - Konzerte des Jahres 2010 (Dirk)

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Und hier die Konzerte des Jahres von Dirk von Platten vor Gericht (die Liste der Platten des Jahres dieser immer wieder sehr zu empfehlenden Seite findet man hier):


10: Ian Brown, 16.01.10, Alte Feuerwache Mannheim

Weil er noch lebt, weil er den fürchterlichen und erschreckenden Haldern Auftritt (2002) vergessen ließ und weil er „Fools Gold“ gespielt hat.

09: Laura Marling, 13.08.10, Haldern Festival (Spiegelzelt)

Weil Marcus Mumford, neben der Bühne stehend, das wundervolle „Hope in the air“ so leidenschaftlich mitsang.


08: CocoRosie, 27.07.10, Arena Wien

Weil Sierra diesen hellblau-gemusterten Catsuit trug.




07: Villagers, 14.08.10, Haldern Festival (Spiegelzelt)


Weil eine tolle Platte sehr emotional, intim und stimmungsvoll live umgesetzt wurde und ich es auch nicht besser ausdrücken könnte als Sänger Conor O’Brien am nächsten Tag selbst: "In a rare occurence, we're all in agreement that last night was one of our favourite shows ever. So thankyou for that Haldern people x".

06: Jónsi, 24.07.10, Arena Wien

Weil Jónsi tatsächlich auch solo (und aus Platzgründen auch ohne die ganz große Bühnenshow) furios war und beeindrucken konnte.



05: Hot Chip, 10.03.10, Live Music Hall Köln


Weil sie mich zum Tanzen brachten.

04: Sophia, 15.05.10, Yellowstage Frankfurt

Weil Herr Proper-Sheppard glänzend zu unterhalten wusste, sich seine Wut nicht auf uns richtete und er das Publikum zu Tränen rührte und weil ich für meine Freundin zum Helden des Abends wurde, nur weil ich dem weinenden Mädchen ein Taschentuch reichte.

03: The Divine Comedy, 26.10.10, Kulturkirche Köln

Weil Neil Hannon ein charmanter und witziger Entertainer ist, der nahezu jeden geheimen Liedwunsch erfüllte und weil er versprach wieder zu kommen.

02: The Magnetic Fields, 30.03.10, Mousonturm Frankfurt

Weil „Papa was a rodeo“ dann doch noch gespielt wurde, auch ohne „Mirror ball“ funktionierte und ein großartiges Konzert perfekt abrundete.

01: Arcade Fire, 29.11.10, Philipshalle Düsseldorf

Weil Christoph mich allen winterlichen Widerständen zum Trotz sicher nach Düsseldorf brachte, wo Arcade Fire bewiesen, dass sie zusammen mit Sigur Rós die beeindruckendste Live-Band der Welt sind. Und obwohl ich Thees Uhlman vor Ort nicht fragte, wer denn nun mit der Textzeile „als die kanadische Band ihre traurigen Lieder sang“ wirklich gemeint ist. Vermutlich denkt er (spätestens) nach diesem Abend an Arcade Fire (und nicht an The Weakerthans).



Mittwoch, 5. Januar 2011

My year in lists-Konzerte des Jahres 2010 (Claudia)

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So, meine Freundin Claudia wollte sich auch unbedingt an der Jahresbestenliste beteiligen und die aus Cottbus stammende Wahlpariserin und Pferdenärrin (darf ich dich so nennen, Claudia?) hat prompt und unaufgefordert geliefert. Bravo! Am besten gefällt mir ihr Platz 5, aber auch Platz vier und drei sind gut gewählt. Ab Platz sieben absteigend (Brandon Flowers in einer Bestenliste? Höchstwahrscheinlich ein Versehen) gibt es bei uns allerdings keine Gemeinsamkeiten mehr. Und wer ist noch einmal Paolo Nutini? Kennt man den nicht aus der Kaffewerbung (" Isch abe gar kein Auto")??


Meine Top Ten Konzerte 2010

Da auch ich ein regelmäßiger Konzertgänger bin obwohl ich bei weitem nicht an Oliver oder Patrice ran reiche, fällt mir die Auswahl nicht gerade leicht, aber ich versuche es trotzdem:

10. Heather Nova: Café de la Danse (30.10.10) Heather gehört schon seit Jahren zu meinen Favoriten und für ein Konzert von ihr würde ich zur Not auch zu Fuß von Versailles nach Paris laufen. Aber das Konzert im Café de la Danse ihrer letzten Akustik Tour schafft es trotzdem nur auf Platz 10, weil sie mir persönlich rockiger lieber ist.

9. Stereophonics: Olympia (04.02.10) Ein Konzert einer meinen Lieblingsbands in einer geschichtsträchtigen Konzerthalle. Leider fehlte das besondere Etwas, daher reichte es nur zu Platz 9.

8. Snow Patrol: Olympia (30.05.10) Snow Patrol mag ich seit ich sie 2005 im Stade de France im Vorprogramm von U2 gesehen habe. Sänger Gary Lightbody singt nicht nur gut, sondern ist auch sehr sympathisch und hat das weltbeste Lächeln.

7. Brandon Flowers: Cabaret Sauvage (29.09.10) Egal, was Oliver sagt, ich mag die Killers und Brandon Flowers. Und das Cabaret Sauvage ist unangefochten meine liebste Konzertlocation in Paris wegen des besonderen Ambientes.

6. Angus and Julia Stone: La Cigale (29.11.2010) Für mich DIE Musikentdeckung des Jahres (Julia Stone auf dem Foto).

5. The Mountains & The Trees: Oliver Peel Session #29 (01.10.10) Für mich in diesem Jahr die schönste Oliver Peel Session mit einem sehr sympathischen und talentierten Musiker. Sein tolles Album „I Made This For You“ und vor allem der Song „Up and down“ laufen seitdem bei mir im CD Spieler rauf und runter. Und jeder der schon einmal das große Glück hatte, bei Oliver im Wohnzimmer dabei sein zu dürfen, weiß wie toll jedes der sehr intimen Konzerte ist, daher darf die Oliver Peel Session auf keinen Fall in meiner Top Ten Liste fehlen.

4. The National: Olympia (23.11.10) Bei diesem Konzert sind Oliver und ich uns einig, es war schlicht ergreifend sensationell. Da blieben keine Wünsche offen und ich würde mich schwer tun, einzelne Höhepunkte hervorzuheben.

3. Interpol: Trabendo (17.09.10) Für dieses Konzert habe mich morgens vor der Arbeit eine halbe Stunde lang bei der FNAC angestellt um eine der heißbegehrten Karten zu ergatten und war unbeabsichtigt für politische Verwicklungen zwischen Oliver und Michael verantwortlich. Wann hat man schon mal die Chance, diese Band in einem kleinen Clubkonzert zu erleben? Das Konzert war dann auch tatsächlich grandios, Oliver und ich überboten uns gegenseitig mit Lobhymnen und feierten jeden einzelnen Song. Last but not least werde ich mich auch deshalb noch lange an dieses Konzert erinnern, weil ich mich mal wieder in die Aftershowparty gemogelt habe und dort Paul Banks und Helena Christensen getroffen habe.

2. Arcade Fire: Rock en Seine (29.08.10) Trotz oder vielleicht wegen der widrigen Wetterumstände wird mir dieses Konzert immer in Erinnerung bleiben. Außerdem war es das erste Mal, dass ich diese tolle Band live gesehen habe und von ihrer Bühnenpräsenz nahezu umgehauen wurde.

Selbst die immer stärker aufziehenden Gewitterwolken konnten meiner Euphorie nichts anhaben. Ich musste an die Szene aus dem Film Blues Brothers denken, wo die Band im einsetzenden Gewittersturm „Ghost riders in the sky“ spielt. Bewegendster Moment war die von der Band im strömenden Regen dargebotene akustische Version von „Wake up“ am Ende des Konzertes.

1. Paolo Nutini: Royal Albert Hall, London (08.04.10) Weil Paolo zu meinem Lieblingsmusikern gehört, die Royal Albert Hall eine ganz besondere Konzerthalle ist und ich mich das erste Mal in meinem Leben in eine Aftershowparty eingeschlichen und dort Paolo getroffen habe.



My year in lists: Konzerte des Jahres (Frank)

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Mein Konzertjahr 2010
(von Frank von Pretty-Paracetamol)

2010 war das Jahr der neuen Abgeklärtheit. Wenn ich jünger wäre, würde ich Coolness sagen, aber mit 40 ist es uncool „cool“ zu sagen. Zumindest gegenüber Jüngeren, die es uncool finden, wenn „Erwachsene“ plötzlich cool sagen. Las ich doch letztens im Kölner Stadtanzeiger eine lustige Leserbriefdebatte darüber, dass Heranwachsende ein Problem haben, sich
von ihren Eltern abzugrenzen, weil diese auch immer noch zu Konzerten gehen oder sich im Serien- und Musikgossip genauso gut auskennen wie die beste Schulfreundin oder der beste Schulfreund. Und ich stelle mir es in der Tat fürchterlich ernüchternd vor, wenn im elterlichen Wohnzimmer „My Chemical romance“ oder „Blink 182“ aus den Lautsprecherboxen dröhnt.

Aber zurück zum Thema: Die neue Abgeklärtheit bestand darin, auch mal nicht zu Konzerten zu fahren, obwohl ich Tickets in der Schublade hatte (Arcade Fire, Yann Tiersen, Filmschool, Built to spill), oder Shows bewusst sausen zu lassen (Pet Shop Boys, Pixies). Der Grund war immer das Kopfding Namens Vernunft. Vernunft ist manchmal störend, manchmal aber eben auch vernünftig. Also blieb ich daheim, oder ging eher nach Hause. Sei es wegen des Wetters (Schneechaos am Arcade Fire Montag und am Yann Tiersen Sonntag) oder wegen der Einsicht, den nächsten Tag lieber körperlich frischer anzugehen als halb verschlafen und abgewrackt durch die Gegend zu irren (Caribou in New York, Pixies, Pet Shop Boys in Barca).

Rückblickend und dies tippend kann ich allerdings nicht anders, als mit dem Kopf schütteln. Welche Hochkaräter mir 2010 durch die Lappen gegangen sind, macht mich gerade ziemlich sprachlos.

Aber es gab ja noch genug besuchte Konzerte. So knappe 60 waren es auch 2010 (womit die Vorjahresmarke nur knapp unterboten wurde) und jedes war auf seine Art schön und erlebnisreich.

Auch die vermeintlich vertanen Abende bei Ultravox in Berlin oder Arp in New York hatten ihre Schönheiten. (Zum Jamaica Konzert fällt mir jedoch keine ein! Das war dann wohl das schlechteste des Jahres) Der tolle Admiralspalast als Konzertort, ein Traum. Oder einfach mal nach der ersten von drei Bands den ausverkauften Konzertort zu verlassen und dem verdutzten Kartenabreißer die Handfläche für den Wiederkehrerstempel mit den Worten zu verweigern, man käme eh‘ nicht zurück. Randerscheinungen, die wohl nur ähnlich Konzertbekloppte nachvollziehen können.
Aber nun zu den wirklich guten, bewegenden Momenten meines Konzertjahres 2010. Es gab einige und die mir am bedeutendsten seien hier genannt:

Hat schon mal jemand Menschen vor Ergriffenheit bei einem Popkonzert weinen gesehen? Ich bis zum 14.04. des letzten Jahres nicht. An diesem Abend spielte die Band of Horses in der Kölner Kulturkirche. Es war ein Konzert, das ich so noch nicht erlebt hatte. Ein Abend voller großer Augenblicke und starker Emotionen. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Abend zurückdenke. Das war der Abend, an dem neben mir ein Mädchen verstohlen ein paar Tränen wegdrückte. Band of Horses spielten so ergreifend, so gefühlvoll, das nichts mehr ging. Dazu das Ambiente der wunderschönen Kulturkirche, alles passte zusammen. Ich habe immer noch ein zwei Bilder vor Augen, die, wenn sie in einem Hollywoodstreifen vorkämen, man gerne als unrealistisch abtun würde. Nach diesem Konzert war ich fix und fertig und völlig unansprechbar. Taumelnd vor emotionaler Aufgewühltheit verließ ich die Kulturkirche und hing diesem Abend noch Tage nach.

Platz 1, für das Konzert meines Lebens und folglich auch Konzert des Jahres: Band of Horses – Köln, Kulturkirche, 14.04.2010

Keine andere Band begleitete mich durch das Konzertjahr 2010 so beständig wie die amerikanischen Jungs von pavement. Fünfmal sah ich Konzerte ihrer Reuniontour. Das klingt viel, ist aber eigentlich viel zu wenig. Pavementkonzerte könnte ich jeden zweiten Tag besuchen. So wie im September im Central Park. Der Urlaubstrip, bereits ein Jahr zuvor im September 2009 eingetütet, hielt all das, was wir uns von ihm versprachen. Ein anderes Pavementkonzert ist jedoch mein Pavementkonzert des Jahres. Am 19.05. in Berlin. Nach über 10 Jahren des Wartens war die Vorfreude ganz besonders groß. Endlich war sie da, die Möglichkeit, meine allerliebste Lieblingsband aus den mittleren 90er Jahren wiederzusehen. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und da das tags zuvor geografisch näherliegende Brüsselkonzert nicht in meinen Terminkalender passte, war der Berlintrip obligatorisch. Stephen Malkmus und Co erfüllten natürlich all meine Hoffnungen, die ich in diesen Abend steckte. Gut gelaunte und in feinster Slackermanie rissen sie ihre 26 oder so Songs runter, als wären sie nie weggewesen. Da auch das Columbia, ähh die C-Halle, nicht so verkehrt ist, die Currywurst lecker schmeckte und auch sonst dieser Ausflug eine entspannte Angelegenheit war, ist dieser Abend ein weiterer Höhepunkt meines Konzertjahres 2010.

2. Platz: Pavement – Berlin, 19.05.2010

Festivals spielten 2010 wieder eine gute Rolle. Urlaubsplänen wurden auf das Primavera in Barcelona, auf den New York Trip (ich fasse die vier Konzerte dieser Septemberwoche mal als Festival zusammen) und den Rolling Stone Weekender abgestimmt.

Noch vor diesen tollen Konzertausflügen, die allesamt einzigartig und herzerfrischend waren, steht allerdings der Auftritt einer Band beim viel näher gelegenen, nahezu heimischen Juicy Beats Festival im Dortmunder Westfalenpark. Die Sterne, die ich seit Jahren nicht mehr auf meiner musikalischen Landkarte hatte, überzeugten mit ihrem knapp einstündigen Set aus Zeitreise und Disco. Diese Mischung aus alt und neu machte ihren Auftritt an diesem lauen Sommerabend so überragend. „Trrmmrr“, „Universal Tellerwäscher“, die Schönheit dieser alten Stücke war an diesem Abend unerreicht. Ach, manchmal sind Zeitreisenkonzerte was Tolles! Frag nach beim Wedding Present im Herbst im Kölner Gebäude 9.

3. Platz: die Sterne – Juicy Beats Festival Dortmund, 31.07.2010

Auf den nachfolgenden Plätzen sehe ich heute zwei Abende, die mich in ihrer Gesamtheit überzeugten haben.

Man mag über 1live Partys sagen was man will, auch sei die Frage sehr berechtigt gestellt, ob man als alter Sack dort ohne Ausrede a la „ich bin mit meinem Patenkind hier, es hat eine zwei in Deutsch geschrieben und das ist die Belohnung“ überhaupt auflaufen sollte. Aber das Doppel aus Delphic und Ellie Goulding durfte ich nicht links liegen lassen. Also auf zur Essener Großraumdisco und ab in das jugendliche Getümmel. Nun kann man Ellie Goulding für ein one-year-wonder halten (stimmt wahrscheinlich auch) und die Knaben von Delphic als live untauglich bezeichnen (hab ich hier irgendwo gelesen, ist aber gelogen), in der Kombination (oh nein, nicht minus und minus ergibt plus!) war der Abend als Gesamtpaket ein Höhepunkt des ersten Quartals 2010. Sanfter Discopop und lauter Manchestersound, mehr britischer Mainstream ging im letzten Jahr nicht. Delphic sind eine tolle Liveband, die ich in Essen gerne zum zweiten Mal binnen zwei Tagen sehen musste.

Ähnlich stimmig, aber musikalisch Welten entfernt war auf den Tag genau sieben Monate später das Konzert der drei Jungs und drei Mädchen von Sky Larkin und Best Coast im Kölner MTC. Ein warmer gitarrenlastiger Abend im bitterkalten Herbst.
Daher:

4. Platz: Ellie Goulding, Delphic – Essen, 07.05.2010
5. Platz: Sky Larkin, Best Coast – Köln, 07.12.2010

Und abschließend doch noch ein paar Worte zu den anderen beiden Festivals. Eigentlich bin ich kein Festivalgänger. Zu groß, zu voll, zu anstrengend, zu unübersichtlich, zu wenig musikkonzentriert. Das brauche ich nicht.

2010 habe ich allerdings zwei Festivals kennengelernt, die all dies nicht hatten oder aber in einem Maß darboten, mit dem ich sehr gut leben konnte.

Über den Rolling Stone Weekender schlechtes zu sagen ist nicht möglich. Das Indoorfestival in einer Ferienanlage an der Ostsee hat mich mehr als 100% überzeugt. Wohnen in Appartements, Musik im Minigolfgeräteschuppen und im Ferienanlagengemeinschaftssaal, das Meer vor der Tür und Festivalbesucher, die sich unaufgeregt und wie selbstverständlich den Konzerten widmen. Das dabei noch zwei wirkliche große Konzerthöhepunkte heraussprangen, ist schon fast eine Nebensache. Aber die Auftritte von Teenage Fanclub und The National (nie hörte ich eine bessere Mr. November Version!) waren groß. Aber es waren die kleinen Momente, die diese zwei Tage zu einem der schönsten Herbstausflüge ever machten: John Grant am ersten Abend, Airship am Samstagnachmittag, die Indiestreber und K‘s Choice am Abend, der Instant Kaffee am Morgen und das einfach nur am Meer sein in den ganzen zwei Tagen. Toll! Wahnsinnig erholsam, irre gut!

Ist der Rolling Stone Weekender eher überschaubar kuschelig, so kann ich dies über das Primavera Festival in Barcelona nicht sagen. Sechs Bühnen, Musik von 17 Uhr bis nachts um 4 Uhr sind fast schon eine Überdosis. Und eine Strapaze für die Nerven, wenn nicht, ja wenn nicht die gesamte Atmosphäre des Primaverageländes so entschleunigend gewesen wäre. Ticketumtausch ohne Stress, Anfahrt mit der U-Bahn problemlos, alles wunderbar. Bis auf ein paar nervende Deutsche, die sich natürlich wieder vordrängeln mussten (Klo- und Owen Pallett Schlange)und dabei keinen guten Eindruck hinterließen. Doch die waren Gott sei Dank in der Minderheit und sehr selten in unserem Blickfeld. Aber lobe ich das Primavera mal nicht zu dolle, sonst sehe ich dort in den nächsten Jahren mehr Mitbürger als ich verkraften kann.
In der Kurzzusammenfassung das, was vom Primavera hängenblieb:

- Tagsüber Kultur und abends Musik, ein Programm das uns spätestens am dritten Tag stark auf die Kondition schlug und zum vermehrten Sausenlassen der Nachtkonzerte führte.
- Eine einstündige Linienbusirrfahrt morgens um halb drei durch das nächtliche Barcelona mit 70 anderen Festivalbesuchern und einem überforderten Busfahrer.
- Ein Getränkepreis von einem Euro für eine Wasserflasche 0,5 l. Geht doch!
- Musikalisch ein nicht so gutes Pavementkonzert.
- Ein großes The xx Konzert (wobei uns das rhythmische Klatschen zu "Crystalized" und anderen sehr spanisch vorkam).
- Ein famoses Charlatanskonzert!
- Viel zu viele ungesehene Konzerte!

Was bleibt ist die Hoffnung auf ein genauso gutes Konzertjahr 2011! Obwohl, 2010 war schon ‘ne Runde Sache. Das wird schwer zu toppen! Probieren kann man es aber ....



Sonntag, 2. Januar 2011

My year in lists: Konzerte des Jahres (Julius)

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Wer sich vor den Bühnen dieser Welt herumtreibt, der bekommt einiges an verbrauchten Floskeln, schnell dahin gesagten Stehsätzen und bestenfalls halbernst gemeinten Wertschätzungsbekundungen an den Kopf geworfen. Ja - that's part of the game. Und zugegebenermaßen hört man ja doch ganz gern, dass man das beste Publikum so far gewesen sei... auch wenns nicht ganz glaubwürdig rüberkommt.

Die dann wirklich aufrichtig gemeinten Momente der Damen und Herren Musiker sind daher nicht ganz leicht zu erkennen, aber halt genau das, was Abende unvergesslich machen. Der wahrscheinlich schönste 2010: Kevin Drew mit Broken Social Scene und wunderbar glückselig stimmenden Weltumarmungen (für den Bildungsbürger: wahrhaft kathartisch). Ein Konzert, dass einen und eigentlich alle in absolutem Einklang mit sich selbst und der Welt hinterließ. Klingt spirituell angehaucht, war es auch.

Dass dieses nicht das einzige tolle Konzert 2010 war, dass es knapp auch nicht das subjektiv Beste war und dass 2011 an den hohen Vorgaben seines Vorgängers gemessen werden wird ist hier zu lesen. My year in lists - meine Konzerte des Jahres 2010*:

20. Bernhard Eder im Clash, Wien (14.12.2010):

Den Wiener Songwriter Bernhard Eder, der durch langjährige Aufenthalte in Berlin auch in Deutschland kein Unbekannter ist, habe ich letztes Jahr oft gesehen, einmal auch selbst veranstaltet.
Das unter seinen vielen guten Konzerte beste fand kurz vor Jahresende im Clash, einem Wohnzimmer als Lokal (oder umgekehrt?), statt.
Während draußen der Neuschnee in dicken Flocken herabfiel, spielte Bernhard Eder drinnen im Gemütlich-Warmen Unveröffentlichtes, selten Gespieltes und hübsche Cover-Versionen, die sich das Publikum wünschen durfte.
Der mit Abstand netteste Musiker, den ich kenne, ein sehr gutes Konzert, freier Eintritt obendrein - ein schönes Weihnachtsgeschenk!

19. The Antlers am Primavera Sound Festival, Barcelona (29.05.2010):

Im Sommer 2009 war ich zufällig auf das Debüt des Brooklyner Trios gestoßen. Und ich war verzaubert von diesem Gesang, dieser Zartheit, des Konzeptes hinter dem Album - vom gesamten, verschüchterten Zugang der New Yorker zur Popkultur. Die Bestätigung der Band fürs Primavera 09 war daher eine große Freude, schmerzhaft nur, dass Grizzly Bear parallel spielten...
Das Konzert war dann auch sehr gut, der Sound durch die Lage der Pitchfork Stage nicht ideal, aber akzeptabel, die Antlers hochkonzentriert, merkbar nervös und doch sehr stark. Besonders Bear und Sylvia gelangen ganz hervorragend.
Die Antlers am Primavera - ein sehr dichtes (etwas zu kurzes) Konzerterlebnis, kein einziges Mal durch Ansagen unterbrochen, welches mit enormem Applaus belohnt wurde. Meine vermutlich etwas zu hohen Erwartungen wurden zwar nicht ganz erfüllt, dennoch ein ganz tolles Konzert!
aus unserem Archiv: The Antlers am Primavera Sound Festival

18. Fuck Buttons am Donaufestival, Krems (29.04.2010):

Eigentlich war ich an diesem Tag ja in Krems, um Xiu Xiu und Deerhof gemeinsam das Joy Divison-Album Unknown Pleasures performen zu sehen (war leider eine etwas unmutige Darbietung) und ein bisschen auch wegen Panda Bear. Die Fuck Buttons hatte ich nicht auf der Rechnung gehabt. Da diese aber zwischen den beiden anderen Programmpunkten angesetzt waren, schauten wir uns die verrückten Typen halt aus Mangel an Alternativen an.
Mit Gleichgültigkeit war es aber schnell vorbei. Die Lautstärke (Resultat: Tinnitus deluxe) und Energie, mit der das Pudelmützenduo da auf der Bühne werkte, die komplett losgelöste Menge und die treibende Musik - der Auftritt traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Völlig baff und mehr und mehr in den Klangwellen versinkend erlebten wir einen Auftritt, der sich gewaschen hatte.
Mag vielleicht nicht wirklich "meine" Musik sein, die die Fuck Buttons produzieren, die Darbietung dieser verstörenden Kunst war jedenfalls eine überwältigende Machtdemonstration.

17. Owen Pallett am Primavera Sound Festival, Barcelona (28.05.2010):


Einer der Aspekte, die das Primavera zu dem außergewöhnlichen Festival machen, das es ist, ist die Anzahl interessanter, teilweise außerhalb des Festivalgeländes liegender Locations, die bespielt werden. Einer dieser Plätze ist das Edificio Fórum, ein mit interessanter Form und zeitgenössischer Architektur bestechender Veranstaltungsbau, der unter anderem ein riesiges Auditorium mit einzigartiger Akustik beherbergt.
In diesem hatte man Owen Pallett für eine recht frühe Nachmittagszeit angesetzt, er hatte also mit keinerlei Konkurrenz auf den anderen Bühnen zu kämpfen. Dementsprechend lange war die Schlange vor dem Gebäude. Unnötig auch, dass einem beim Eingang alles Essbare abgenommen wurde...

Der früher unter Final Fantasy bekannte Kanadier spielte sich dann durch ein Set seiner bekanntesten Songs und versetzte den gesamten riesigen Saal mit seinen über 3000 Zusehern in Begeisterung. Ein großartiger Künstler, ein großartiges Konzert, ein großartiger Rahmen dafür. Owen Pallett - ein Teufelsgeiger!
aus unserem Archiv: Owen Pallett am Primavera Sound Festival

16. Japandroids am Primavera Sound Festival, Barcelona (28.05.2010):

Den Auftritt der Japandroids hatten wir eigentlich abgeschrieben gehabt, die parallel spielenden Wilco waren uns wichtiger. Da die aber nicht ganz das hielten, was ihre Platten versprachen und neben uns lauter urnervige Typen den Auftritt störten, zog es uns von der Hauptbühne zur kleinen Pitchfork-Stage, wo die Japandroids gerade ihr Konzert begannen.
Die Kanadier (irgendwie lässt sich in dieser Liste ein Hang zur Ahornblatt-Nation erkennen) legten auch ohne Umschweife mit The Boys Are Leaving Town und Rockers East Vancouver los und in der Tonart ging es auch geradlinig weiter: Krach, Krach, Krach. Und ein bisschen Gesang. Kann man mögen oder nicht.
Für mich das Noise-Konzert des Jahres!

15. Beach House am Primavera Sound Festival, Barcelona (28.05.2010):

Und schon wieder Primavera. Diesmal keine Kanadier, sondern Amis von der Grenze zum nördlichen Nachbarn. Eigentlich ein Duo, das Strandhaus, spielt man live offenbar zu dritt. Auf einer der kleinen Nebenbühne inmitten der Dünen und direkt am Meer spielt die Band, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte. Ein wunderschöner Sonnenuntergang ließ ein Konzert, das in seiner träumerischen Art jegliche negativen Gedanken vertrieb (also quasi Karma Police spielte), zu ganz großem Kino werden.
Dieser Gesang aus einer anderen Welt, die getragenen, schwelgerischen Klänge und all dieser Federn/Watte/Kostüm-Zirkus: eine Band wie ein Kindergeburtstagsausflug in den Zirkus inklusive Zuckerwatte und Ponystreicheln. Und das meine ich als großes Lob!

14. Beirut am Rock En Seine, Paris (29.08.2010):

Man sagt diesem Zach Condon neben all seiner Hochbegabung ja auch einen etwas schwierigen Charakter nach. Im Naturschutzgebiet in der Île de France war davon nichts zu merken. Der Amerikaner und seine Band verstanden sich prächtig, das Publikum war ihm von vornherein wohlgesonnen, hat der kleine Lauser doch eine Zeit lang in Paris gelebt und manch einen seiner Songs nach französischen Städten benannt...
Und so regierten auf der Bühne Trompeten und Geigen, im Publikum Luftballons und Seifenblasen und über den Wipfel des Geländes
Domaine National de Saint Cloud erklang aus mehreren tausend Kehlen A Sunday Smile. War übrigens tatsächlich Sonntag. Das Wort zum Sonntag kam an diesem Tag allerdings von Arcade Fire. Mehr dazu auf Platz sieben!
aus unserem Archiv: Beirut am Rock En Seine 2010

13. Pavement am Primavera Sound Festival, Barcelona (27.05.2010):


2010 wird vielen in den 90ern mit Musik sozialisierten Menschen in dauerhafter Erinnerung bleiben. Pavement haben sich wiedervereinigt! Pavem.. wer?
Gut, ich habs eingesehen, dass ein Großteil meiner Generation diese Band nicht kennt. Auch wenn sie Ikonen sind, prägend für viele und vieles - was nicht tagtäglich aus dem Jugendradio dudelt, auf diversen Online-Plattformen präsent ist und auf den höchst zweifelhaften Musiksendern Mitteleuropas läuft, das ist uninteressant. Alt = uninteressant, diese bedauernswerte Tatsache traf leider auch auf die Massenansicht bezüglich Pavement zu.
Gut, ein Konzert mit reiferem Publikum ist auch eine feine Sache. Das Gastspiel in Wien war schon 1a, der Auftritt am Primavera (war übrigens das erste angekündigte Konzert nach der Reunion) übertraf dieses dann aber nochmal um Längen. Ein Stephen Malkmus wie er in seiner besten Zeit wohl nicht besser gelaunt war unterhielt, forderte heraus und beglückte die Riesenmasse (einziger Kritikpunkt am Konzert) vor der großen Bühne mit dem Besten aus dem Werkskatalog.
"Glance, don't stare"? Wohl eher nicht.
"Freeze, don't move"? Na genau umkehrt!
"Oh my god, oh my god, everybody's god, everybody's god..."? Ja genau, jetzt passt das: Pavement - everybody's god.

12. Yeasayer am Primavera Sound Festival, Barcelona (28.05.2010):


Auch eine andere Lieblingsband hatte sich nach Barcelona begeben: Die verrückte Truppe von und zu Yeasayer. Besonders diesen indisch-stämmigen Gitarristen Anand Wilder mit seiner Plastikgitarre hatte ich - seit ich Yeasayer vor ein paar Jahren zum ersten Mal gesehen habe - ins Herz geschlossen.
Damals war die Musik noch anders. Auch schon experimentell, aber mehr psychedelisch-gelassen. Heute sind Yeasayer energische Electro/Synth/Powerweltmusikanten mit großartigen Melodien im Rucksack.
Es war halb drei früh und ziemlich enttäuscht von den Pixies marschierten wir durch die Küstenvegetation zum anderen Ende des Geländes, zur Vice Stage. Der von Tribünen, Werbebannern und dem Meer begrenzte Platz war bestens gefüllt, mit jeder Minute des ausgiebigen Soundchecks stieg die Stimmung.
Das Konzert dann: ein Fest für Bein, Ohren, Augen. Für Vor-, Mittel-, Groß- und Nachhirn. Und vor allem: fürs Herz:
Yeasayer das ist Musik mit Anspruch und Musik mit Lebensfreude und Lässigkeit. Und all das wurde in dieser Nacht tadellos umgesetzt. Die Freuden, die das Nachtbussystem der Stadt Barcelona dann noch für uns bereithielt, waren nur mehr die Krönung.

11. Interpol im Gasometer, Wien (18.12.2010):

Interpol sind so cool, dass sie ihr viertes Album nach sich selbst benennen können. So cool, dass sie fast jeder mag. So cool, dass sie auch in eine Halle wie den Gasometer, der jedem akustischen Prinzip die Zunge herausstreckt, problemlos ausverkaufen können.
Fast zu cool, um sie zu mögen. Außer man mag die schon ewig und wartet noch länger auf ein Konzert in Wien. Im November war der Bann gebrochen, das erste Wien-Gastspiel fand statt.
Natürlich mit neuem Album. Gefällt mir zwar nicht so gut, wie Antics und das unübertroffene Turn On The Bright Lights, aber doch gewohnt hochwertiges Material.
Etwa ein Jahr zuvor hatte ich Paul Banks als Julian Plenti gesehen, das war eins der besten Konzerte 09. 2010 setzte der New Yorker abermals alles daran, in diese Liste zu gelangen. Gelang ihm auch ganz gut. Düsterer Nebel, spärliches Scheinwerferlicht und ein verhältnismäßig gar nicht so schlechter Sound zeichneten ein Gesamtbild, das Interpol würdig war. Und das Beste dann zum Schluss: The Lighthouse.

10. destroy, munich im B72, Wien (09.12.2010):

Das Musikerkollektiv hatte zur Album-Release-Party geladen und bei freiem Eintritt auch noch Kuchen für alle ausgelobt - keine Frage, dass das B72 voll wie ein Bauch nach den vergangenen Feiertagen war.
Das Debütalbum heißt denn auch passenderweise "Don't forget the birthday cake", ist ein wirklich starkes Stück Musik und verkauft sich zudem außerordentlich gut.
Weg wie warme Semmeln also - der Kuchen dagegen nicht ganz so. War einfach viel zu viel da, es hatten auch einige Gäste mit Liebe gebackene Eigenkreationen mitgebracht... in der Band-WG dürfte es die nächsten Tage wohl regelmäßig zu den Mahlzeiten kräftige Zuckerschocks gegeben haben!
Im B72 gab es statt Insulin und Glucagon jedenfalls eine euphorie-bedingte Dopamin-Vorherrschaft. Gabriel Nachbagauers Stimme, eine Hymne auf den In-den-Schlaf-wiegen-Wind. Die Instrumentierung, wie Wellen, die genau wissen, wie sie die Felsen umspülen müssen und wann sie auch mal laut auf den Kai schwappen dürfen. Und die Gastmusiker (u.a. Sweet Sweet Moon und Paperbird), die Familienzusammenführung des Jahres!
Eine Patchworkfamilie, die noch von sich reden machen wird. Selbst Nachbagauers Tante kennt die Band mittlerweile: "Die Musik ist furchtbar, aber ich bin stolz auf dich!" Sehen wir ein bisschen anders...

09. Get Well Soon in der Arena, Wien (23.11.2010):

Nachdem das deutsche Wunderkind Konstantin Gropper bereits im Jänner mit seiner Band beim (schweinekalten) FM4-Geburtstagsfest in der Open Air-Arena weilte, ging es im November heimeliger zu. In der großen (und fast vollen) Halle gab es angenehme Temperaturen und einen gut gelaunten Gropper.
Über die musikalische Qualität brauche ich ja fast kein Wort verlieren, wir haben ja bereits des Öfteren über die deutsche Band geschrieben.
Routine und perfektes Handwerk waren selten so ergreifend schön, Nüchternheit selten so begeisternd. Ich will nur hoffen, dass die Aussage Groppers, man werde jetzt längere Zeit nicht mehr die Gelegenheit haben, Get Well Soon zu sehen, des Wahrheitsgehalts entbehrt. Get back soon!
aus unserem Archiv: Get Well Soon in der Arena Wien

08. Shout Out Louds im WUK, Wien (22.10.2010):

Die Schwedenkombo war meine allererste Lieblingsband, quasi ein Lebensabschnittspartner, und Garant für tolle Konzerte. Jänner 2008 im WUK war so eines. Aber auch Oktober 2010.
Man kann vom neuen Album zwar behaupten, dass es "erwachsener" klinge, live ist davon noch immer noch nichts zu spüren. Die Shouties sind meine liebste Forever-Young-Band, daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Im WUK waren alle bester Laune, es war voll, heiß und gut.
Eine Freundin zitierte hernach die Band und sagte, das Konzert sei "like a punch in the face"gewesen, ein Schlag ins Gesicht also, so gut war es. Mag die Musik vielleicht nicht die anspruchsvollste unter der Sonne sein, mit guter Laune und unverbogener Ehrlichkeit kann man so einiges wett machen. Wien und das WUK wurden ihrem Ruf als Heimspiel der Shouties jedenfalls wieder gerecht, bleibt nur zu hoffen, dass bis zum nächsten regulären Konzert nicht wieder zwei Jahre vergehen...
your love is just...impossible...
aus unserem Archiv: Shout Out Louds im WUK Wien

07. Francis International Airport im Freiraum, St. Pölten (11.12.2010):


2010 war unter anderem auch das Jahr, in dem ich mit einem Freund angefangen habe, kleine Bands in die gottverlassene Stadt St. Pölten und unseren Klub Kling Klang zu buchen. Schöne Abende haben uns die Gäste beschert, der schönste fand im Dezember statt und nachdem bei unserer letzten Veranstaltung gerade mal 10 Leute den Weg zu uns fanden, waren wir überglücklich über die 200 Besucher.
War eben auch ein Heimspiel für die Band, die aus dem noch gottverlasseneren Traisental bei St. Pölten stammt. Und das kürzlich veröffentlichte zweite Album In The Woods trug mit hoher Medienpräsenz auch das Seine zum Andrang bei.
Und so erlebten wir in einem vollen Freiraum ein höchst intensives Konzert, hauptsächlich bestritten von neuem Song-Material, umrahmt von grandioser Lichttechnik und gekrönt von wunderschöner Zugabe.
Um aus dem aktuellen Album zu zitieren: "It's gonna be a great, great deal for all of us!" Und was für einer. Ein Glücksrausch der unvergesslichen Art.

06. Arcade Fire am Rock En Seine, Paris (29.08.2010):

Ich habe ein wenig überlegt, welches meiner beiden Arcade Fire-Konzerte dieses Jahr das bessere gewesen sei. Entschieden habe ich mich (trotz oder gerade wegen gewisser widriger Umstände) gegen das in München (was ist der Zenith bitte für eine furchtbare Halle?) und für das am Rock En Seine.
Um drei Uhr stellten wir uns an diesem Sonntag vor die große Bühne. Und sollten sie bis Mitternacht auch nicht mehr verlassen. Das war eine kleine körperliche Herausforderung, aber Blasen platzen zum Glück in der Regel nur in der Finanzbranche.
Und während wir so vor uns hin warteten, erlebten wir tolle Konzerte von The Temper Trap, von den Eels, von Beirut, eine abscheuliche Darbietung von den Ting Tings und einen Mann, der ungeniert vor uns in eine Flasche pinkelte. Hatte ich auch noch nicht gesehen, sowas, aber gut, ging immerhin um die erste Reihe...
Das Konzert begann dann programmatisch mit dem furiosen Ready To Start, mit No Cars Go, Neighbourhood #2 (Laika) und Ocean Of Noise (übrigens mit Beiruts Zach Condon als Trompeter) wurden absolute Lieblingssongs gespielt, man glaubte jetzt schon, das ganze Füllhorn der Emotionen erlebt zu haben. Weit gefehlt.
Denn während We Used To Wait begann es auf einmal heftig zu schütten (noch dazu recht schräg-frontal), innerhalb einer Minute war das Rock En Seine eher zum Rock In Seine geworden, das Publikum patschnass und auf der Bühne begannen sich Pfützen zu bilden (Kennt denn das ReS keinen Regen? Wofür gibts Bühnenkonstrukteure?). Es kam was kommen musste: Arcade Fire wurden gebeten, den Auftritt wegen Kurzschlussgefahr (oder so) abzubrechen, kommunizierten das auch dem Publikum und ernteten enttäuschte Pfiffe. Dabei tat es ihnen offensichtlich selbst irre Leid.
Hektisch wurden Planen über die Instrumente gelegt, die Band zog sich zurück. Die Stimmung im Publikum wurde noch intensiver, es wurde gepfiffen, nach er Band gerufen und auch geweint.
Ein Füllhorn der Emotionen - und immer noch nicht ganz leer: Nach 10 Minuten kam die Band zurück auf die Bühne und kündigte an, noch akustisch Wake Up zu spielen. Enttäuschung darüber, dass der Auftritt nicht fertig gespielt würde und Freude darüber, wenigstens noch irgendeinen halbwegs würdigen Abschluss zu bekommen hielten sich in etwa die Waage.
"Somethin' filled up/my heart with nothin'/someone told me not to cry", sangen die beiden Butlers, das gleiche gröhlten die Tausenden vor der Bühne mit.
Danach sprangen die mittlerweile auch völlig durchnässten Kanadier von der Bühne, klatschten mit dem Publikum ab und versicherten noch mal, wie leid es ihnen tue.
Ein Auftritt voll von Emotionen, eine Geschichte wie sie halt nur das Leben schreiben kann. Ein Auftritt, der einen irritiert, fassungslos und voll von Agressionen zurückließ. Und deshalb einer der Besten.
Eine etwas andere Sicht auf die Dinge hatte Oliver:
aus unserem Archiv: Arcade Fire am Rock En Seine 2010

05. Horse Feathers im rhiz, Wien (30.09.2010):

Woodpigeon und Horse Feathers an einem Abend? Ein Ohrenschmaus der Sonderklasse!
Die Erwartungshaltung vor dem Konzert war relativ einhellig geklärt. Und die Waldtaube Mark Hamilton überzeugte wieder mal restlos. Ohne Band diesmal, aber mit vielen netten Geschichten über seine Wiener Urverwandtschaft, die Prodezur seiner Namenswahl und die Simmeringer Hauptstraße.
Die Horse Feathers hernach machten es ein bisschen anders. Sie waren zu viert, sprachen aber wenig.
Am Ende hatten wir einen Abend mit zwei Bands verlebt, die beide Musik ähnlichen Einschlags machen, live aber jeweils einen anderen Zugang wählen.
Da Woodpigeon bzw. Hamilton, der zwischen den Songs die Melancholie ablegt und erheiternde Kommentare abliefert, da Horse Feathers, die ihre Auftritte so in sich geschlossen wie möglich gestalten wollen, die Kraft ihrer Songs alleine für sich sprechen lassen. Zwei Konzepte, zweimal tolles Konzert. Die Erwartungshaltung müsste ich wohl überarbeiten. Es war nicht halb so gut wie erwartet, sondern doppelt so gut. Zu gut,um wahr zu sein!

04. Soap&Skin in der Pfarrkirche, Gnas (2o.07.2010):

Anja Plaschg, die scheue Steirerin mit der Wahnsinnsstimme, hatte 2009 eine Raketenkarriere hingelegt. Auftritte in ganz Europa, die Entdeckung durch den Medienmainstream und tolle Verkaufszahlen von Lovetune for Vacuum stehen in ihrer Bilanz für 09.
Aber auch der Tod ihres Vaters.
Zum ersten Jahrestag seines Ablebens lud sie als Soap&Skin zu einem Konzert mit Ensemble in die Pfarrkirche ihres Heimatortes Gnas. Das einzige in Österreich 2010.
Der Anlass, diese Exklusivität, man durfte sich etwas ganz Besonderes erwarten. Und so machten wir uns mit zwei Autos auf den Weg in die Südsteiermark. Diese heißt nicht umsonst die "Toskana Österreichs", bei strahlendem Sonnenschein gurkten wir durch Weinhügel, Vulkanland und schnuckelige Dörfer.
Gnas hatte wohl noch nicht oft derart viele Autos gesehen (Ok, das Zeltfest der lokalen Feuerwehr ausgenommen) und wahrscheinlich ebenso selten eine volle Kirche.
Anja Plaschg schaffte es und sie schaffte es auch, ihren Auftritt trotz aller Trauer über die Bühne zu bringen. Dass es ein Abend mit durchgängiger Gänsehaut, betretenem Schweigen und nassen Augen wurde, verwundert nicht.
Eine Stunde voll irrer Momente, in denen man sich am liebsten zusammenkrümmen möchte, in denen man Angst um Anja Plaschg hatte, in denen die Welt einen auf sich alleine gestellt zurückließ.
Die am anderen Ende des Musikspektrums angesiedelten Tocotronic sangen mal Folgendes, wie die Seife auf die Haut passend:
"Ich habe Stimmen gehört/Ich hab ins Dunkel gesehen."
Was für eine Kunst!

03. múm am Donaufestival, Krems (06.05.2010)

Letztes Jahr sorgte Antony Hegarty mit Band am Avantgarde-Festival für das absolute Highlight, dieses Jahr war dies den Isländern múm vorbehalten.
Es war eins der Konzerte, von denen in der Liste schon ein paar zu finden sind: Eine Band, die in familiärer Art und Weise miteinander musiziert, viel viel Spaß hat und dabei enorme Zuneigung erntet.
"You are so beautiful to us", heißt es in einem neueren Song, dieses Kompliment können wir dankend zurückgeben. Cello, Geige, komische Blaskeyboards... danke! Diese verspielte Elektronik, kindlich-leichte Soundlandschaften, dieser süße Gesang... danke! Danke Donaufestival für den Islandschwerpunkt 2010!
"Don't be afraid, you have just your eyes closed." Aus Genuss nämlich!

02. Broken Social Scene in der Poolbar, Feldkirch (04.07.2010):

Ich hab zwar ganz zu Beginn schon die Essenz dieses Auftritts beschrieben, aber weils so schön war hier noch ein Versuch, diesem Abend gerecht zu werden:
Wenn Broken Social Scene auf der Bühne stehen, dann geht es um was. Die Kanadier stehen nicht für botschaftsarme Abende, sie tragen etwas hippie-artiges mit sich, wenn sie versuchen, ein Publikum nicht nur musikalisch überzeugen, sondern ihm auch was auf den Heimweg mitgeben wollen.
Frieden, Harmonie, Nächstenliebe, Selbstverwirklichung... alles ausgelutschte und oft missbrauchte Konzepte. Aber bei Broken Social Scene bekommt man das Gefühl, das alles könnte doch möglich sein.
Drei Auftritte der Torontoer stehen 2010 zu Buche, bestes Konzert in dieser Hinsicht war das am Poolbar Festival in Feldkirch. Zärtliche Gesten zwischen den Bandmitgliedern, kollektives Tanzen mit und im Publikum und überschwängliche Botschaften an die Besucher - das ist wahrer "Forgiveness rock"!
Und außerdem ist barfuß auf der Bühne stehen cool! Und dass ich einen Narren an dieser Lisa Lobsinger gefressen habe, steht sowieso hier:
aus unserem Archiv: Broken Social Scene beim Poolbar Festival

01. The National in der Arena, Wien (18.08.2010):

Es war eins der schwierigsten Unterfangen letztes Jahr, ein Konzert zum jenem des Jahres zu küren. Schlussendlich haben The National das Rennen gemacht.
Verdient hätten es sich alle 20 Konzerte in dieser Liste, was schlussendlich den Ausschlag für die Amerikaner gegeben hat, ist gar nicht so leicht zu erklären.
Denn schnell könnte man vom autistischen Gehabe Matt Berningers verschreckt werden, zu schnell von der erschreckend (aber wohverdient) steigenden Massentauglichkeit der Band.
Damit täte man The National aber arg unrecht. Was die nämlich Auftritt für Auftritt abliefern ist alles andere als Routine, es ist Herzblut, Können und volle Hingabe. Allein wie verzweifelt man ist, wenn equipmenttechnisch mal was nicht läuft! Aber auch welches Glück die Bandmitglieder zeigen, wenn sie sich in den Herzen des Publikums wähnen.
Wollten The National eine große Band sein, wären sie es schon längst. Die Arenen wären größer, die Einnahmen ebenso. Aber The National wären nicht mehr The National.
Um aus Anyone’s Ghost zu klauen: „I don’t want anybody else.“
Wir wollen The National wie sie sind. Authentisch und herzerwärmend. Und kathartisch.
aus unserem Archiv: The National in der Arena Wien


Vielen Dank 2010 für tolle Konzerte, die ganz große Kunst und Momente der Katharsis. Vielen Dank Christoph und Oliver für ein Jahr in Wort und Bild. Was würden wir, was würde ich nur ohne Konzerte wie die 20 obenstehenden machen?
2011, wir freuen uns auf dich!


* von denen ich leider viel zu viele nicht für das Konzerttagebuch verewigt habe (vor allem wenn man bedenkt, mit welchen Problemen andere Autoren vor und bei Konzertbesuchen zu kämpfen haben, Respekt Christina!). Wird geändert - versprochen! Neujahrsvorsatz No.1 here we go.....

Fotos:

Vielen, vielen lieben Dank für die Fotos an die Kollegen und Freunde Christoph, Oliver, Nina, Elisabeth, Patrick, Florian und Jiamin!

Konzert 17: Christoph
Konzert 16: Christoph (aufgenommen im Luxor Köln)
Konzert 14: Oliver
Konzert 13: Christoph (aufgenommen im Central Park New York)
Konzert 10: Nina
Konzert 09: Elisabeth
Konzert 08: Patrick
Konzert 06: Oliver
Konzert 03: Florian
Konzert 02: Christoph (aufgenommen im Mousonturm Frankfurt)
Konzert 01: Jiamin


My year in lists: Platten und Konzerte des Jahres (Philippe Didier)

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Platten des Jahres:

01: Sufjan Stevens - The Age of Adz
02: Sufjan Stevens - All Delighted People EP
03: Woodpigeon - Die Stadt Musikanten
04: Musee Mecanique - Hold this Ghost
05: Florent Marchet - Courchevel
06: Midlake - The Courage of Others
07: Get Well Soon - Vexation
08: Beach House - Teen Dream
09: The New Pornographers - Together
10: The National - High Violet

Konzerte des Jahres:

01: Musée Mécanique - Point Ephémère, 24.09.10
02: Get Well Soon - Cigale, 16.03.10
03: Fanfarlo - Maroquinerie, 21.01.10
04: Florent Marchet - Café de la Danse, 09.11.10
05: Midlake - Bataclan, 20.04.10
06: The New Pornographers - Maroquinerie, 26.05.10
07: The National - Olympia, 23.11.10
08: Arcade Fire - Casino de Paris, 05.07.10
09: Beach House - Cigale, 04.11.10
10: Let it Be Live - Salle Pleyel, 04.07.10



 

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