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Montag, 4. November 2019

Shakespeares Sister, Oxford, 01.11.19

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Konzert: Shakespears Sister
Ort: New Theatre, Oxford
Datum: 01.11.2019
Dauer: Shakespears Sister knapp 90 min, Dilena 30 min
Zuschauer: vielleicht 800 (halbvolles Theater)
 


Am Wochenende des Brexit nach England fahren zu wollen, war objektiv nicht unbedingt naheliegend. Aber was sollten wir denn tun? Adorable hatten den 2. November als Termin für ihr letztes Konzert* gewählt, als Theresa May noch Premierministerin war. Mit ihrem Nachfolger stieg die Möglichkeit eines ungeregelten EU-Austritts und damit unsere Sorge, wie wir am besten nach England und zurück kommen würden, ohne das Konzert zu verpassen. Wir wählten den Land- und Wasser-Weg, weil uns dann niemand Flüge streichen würde, sollte Tag X auf den 31.10. fallen. Die dadurch entstandene Flexibilität bescherte dem Konzertwochenende ein zweites Highlight: für den 31.10. kündigten auch Night Flowers ein Konzert* zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums an. Und weil zwischen den beiden Programmen ein freier Abend lag und man das als Konzerttourist eben so macht, recherchierten wir, ob am 1. November auch irgendetwas Spannendes spielen würde und fanden Shakespears Sister. Auch das war objektiv nicht unbedingt naheliegend, in diesem "Früher" mochte ich die Band aber, warum also nicht?!

Auf dem Ticket und der Website des New Theatre in Oxford stand als Zeit 19:00 Uhr und der Hinweis, daß es unter keinen Umständen einen späteren Einlass gebe. Am besten sei man 90 Minuten vorher da. Als wir im Osten Londons losfuhren sagte die Navi-Stimme eine Ankunft für kurz nach 17 Uhr voraus, genug Zeit für Essen und pünktliches Erscheinen. Zwei Stunden später standen wir im Westen Londons und hatten zehn Meilen geschafft. Die mittlerweile beiden Navis waren sich einig, daß es furchtbar knapp werden würde. "Die Jacke lasse ich im Auto, keine Zeit, die noch abzugeben!" Wir kamen nach 3 1/2 (statt nach 1 1/2) Stunden in Oxford an, rannten zum New Theatre, kamen um fünf vor sieben an und durften noch rein ins Gebäude. Allerdings nicht auf unsere Plätze, weil erst in ein paar Minuten Einlass sein würde. Jippie. 


Hungrig und neugierig guckten wir uns im Theater um. Das Gebäude ist einer dieser riesigen englischen Konzertsäle mit drei Etagen und kompletter Bestuhlung. In einer der Bars fanden wir den Zeitplan. Shakespears Sister sollten um 20:40 Uhr auftreten, davor Delena, eine ukrainische Sängerin, die mit zwei Begleitern das, was DSDS-Fans unter Popmusik verstehen, aufführte. Wir fühlten uns beim ESC-Vorentscheid in Kiew - inklusive Umhänge-Keyboard. Puh.

Als das überstanden war, kam ein älterer Mann mit einem dieser Klapp-Gestelle, auf die man in Hotels den Koffer legen kann, und baute in der ersten Reihe einen Eisstand auf. Irgendwie passte das sehr schlüssig ins Bild.

Um zehn vor neun dann endlich unser Ausflugsgrund. Erst erschienen die Begleitmusiker, eine Schlagzeugerin, die Original-Tourbassistin von damals, ein Keyboarder und ein Gitarrist (Marco Pirroni - Ex-Adam-Ant und Gitarrist beim ersten Live-Auftritt von Siouxsie and the Banshees mit Schlagzeuger Sid Vicious - wie wir später erfuhren. Danke, Katja!), dann Siobhan Fahey und Marcella Detroit. 

Die erste halbe Stunde bestand ausschließlich aus Liedern der ersten beiden Platten und der neuen Single Dangerous game. Außer Heroine erinnerte ich mich an nichts. Aber der Wiedererkennungseffekt war unbestreitbar da, Siobhans Leadgesang und die immer wieder eingesetzten hohen Gesänge von Marcella, die wie ein eigenes Instrument wirken. Die Stimmen der beiden Sängerinnen sind brillant gealtert (die beiden Künsterinnen auch), mich berührte die Musik aber nicht. Dabei war das Konzert nie langweilig. Als ich das erste Mal auf die Uhr guckte, war eine Stunde vorbei - im Auto und während des Vorprogramms hatte ich hunderte Male die Uhr kontrolliert. 

Nach acht Liedern ging hinter der Bühne eine Leinwand runter und ein Foto einer Wüstenlandschaft wurde hinter die Band projeziert. Damit wurden die restlichen vier neuen Lieder umrahmt. Die Stücke, die auf einer EP (Ride again) erschienen sind, waren alle qualitativ auf dem Niveau der Lieder davor, keines wirkte wie ein schwacher Aufguss. Aber auch die verfolgte ich eher als interessierter Beobachter, nicht als Fan.

Das dritte Drittel gehörte den Hits. Meistens sind meine Hits einer Band ganz andere als die offensichtlichen. Bei Shakespears Sister war das anders, Stay, Hello (Turn the radio on) und I don't care waren ganz deutlich die besten Lieder des Abends. Und bei denen stellte sich dieses Gefühl, ganz großen Pop live zu erleben, dann auch ein. 

Obwohl mit Wave- und Punk-Hintergrund störte uns die männliche Gitarre, die immer mal wieder ins Fies-Rockige ging. Das hätte es nicht gebraucht. Aber wir waren ja auch nicht die wirkliche Zielgruppe des Konzerts. 

Die beiden Musikerinnen wirkten erfrischend nervös, kein bißchen abgehoben, schienen echten Spaß zu haben, obwohl das Konzert schlecht besucht war und schon die dritte Reihe fast leer war (die wohl mehr als doppelt so teuer war wie die vierte Reihe).

Um zwanzig nach zehn endete das Konzert mit Hello. Und auch wenn sich das vielleicht anders liest, bereue ich überhaupt nicht, Shakespears Sister gesehen zu haben. Daß mich die Musik nicht touchiert, kann ich der Band wirklich nicht vorwerfen.

Setlist Shakespears Sister, New Theatre, Oxford:

01: Goodbye cruel world 
02: Heroine
03: Dangerous game
04: Dirty mind
05: My 16th apology
06: Heaven is in your arms
07: The trouble with Andre
08: Emotional thing
09: C U next Tuesday
10: Time to say goodbye
11: All the Queen's horses
12: When she finds you
13: Black sky
14: Stay
15: Are we in love yet
16: I don't care
17: You're history

18: Catwoman (Z)
19: Hello (Turn your radio on) (Z)



Sonntag, 10. April 2016

Its all about the music, Oxford, 07.04.16

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It's all about the music mit 
   Amanda Aalto (30 min)
   Sarah de Warren (30 min)
   Meridith Baker (35 min)
   Rodney quakes (60 min)
Ort: Jericho Tavern in Oxford
Datum: 7. April 2016
Zuschauer: knapp 20



Auf diesen Singer-Songwriter Abend hatte ich mich sehr gefreut. Der Pub lag nur einen Steinwurf von meinem Tagungsort entfernt und so war ich im Laufe der Tage schon mehrfach daran vorbeigekommen. Immer mit einem kleinen Zucken der Vorfreude. Auch hier war das Prinzip, dass eine Person hier regelmäßig eine Auftrittsmöglichkeit für Oxforder Musikerinnen und Musiker organisiert. Der Plan sah einigermaßen voll aus:
 doors 7pm
 amanda aalato 7.15
 david kay 7.45
 joseph mcorriston 8.15
 sarah de warren 8.45
 meredith baker 9.15
 rodney quakes 9.45

 

Als wäre es mein diesjähriger Oxford-Fluch, wurde aber auch hier aus dem Gefühl, einen fast schon heimatlich gewordenen Ort aufzusuchen, ein Suchen. Im Pub war keine Bühne und erst auf Nachfrage fand sich ein versteckter Zugang zum Obergeschoß. Der erste Eindruck war - scheiße, ist da hier kaaaaalt. Und leer. Und es ging auch nichts los. Auf meine Nachfrage erklärte mir der Organisator Mark Obrien, es hätten zwei Künstler abgesagt und damit wären sie nicht so unter Zeitdruck. 


Schließlich betrat aber 19:40 Amanda Aalto mit ihrem süßen nordischen Dialekt und einer Gitarre die Bühne. Außer ihr, mir, dem Kassierer, dem Organisator und einer Freundin war niemand da - immerhin kam später noch ein Fotograph. Leider war das für alle, die nicht da waren auch gut so, denn es war herzlich uninteressant und uninspiriert und als sie auch noch Nick Cave verhunzte, war ich ihr fast ein bisschen böse.

Setlist
01: A new religion
02: Gypsy caravan
03: White horse
04: Run away with a circus
05: You are the moon
06: Henry Lee (Nick Cave cover)
07: Man like you
 


In der Zwischenzeit waren Sarah und Meredith angekommen, die gerade u.a. in Deutschland zusammen auf Tour gewesen waren. Sie fanden sich wohl über den gleichen Exfreund und sind nun unzertrennliche Freundinnen. Sarah nutzte das Piano der Hauptband (die gerade noch Soundcheck gemacht hatte, als ich gekommen war) und spielte darauf sehr interessant und mit einer wunderbaren Stimme und Ausstrahlung. Immerhin waren inzwischen fünf weitere Zuschauer gekommen und vier Musiker der Hauptband. Das erste Stück war sehr melancholisch. Für mich stachen aus dem Set als absolut tolle Stücke hervor I dared und In your head. Dafür hatte es sich gelohnt dabei zu sein! Man kann sich ein eigenes Bild machen, wenn man sich das TED-Konzert ansieht.


Setlist
01: Overthink
02: Vertigo
03: Umbrella (Rihanna-cover)
04: I dared
05: Black and Gold (Sam Sparro-cover)
06: Tell what you wish
07: In your head
 


Ohne Pause übernahm anschließend Meredith Baker mit Gitarre die Bühne. Sie hatte eindeutig eine Tendenz zum Country in der Stimme und auch in ihren Songs. Sie kokettierte mit ihren Aufenthalten in Brasilien und in den Staaten. Leider wirkte sie auf mich so gar nicht authentisch. Die besten Teile waren die zwei Songs, die sie im Duo mit Sarah sang. Zwischendurch fand ich tatsächlich eine Spinne, die sich vor der Bühne abseilte, interessanter.


Setlist
01: Cruise control
02: Coisas inesperadas
03: ??
04: Maybe I won't come home tonight
05: Iginition
06: This is home
07: Semi-charmed life (Third eye cover)
08: Two out of seven 



Nach diesen drei Ein-Frauen-Acts, war nun Zeit für eine ganze Band, die in nur zehn Minuten das noch das fehlende Schlagzeug aufgebaut hatte und fast noch im aufbauen zu spielen begann. Die Musiker von Rodney Quakes waren eher mittleren Alters und spielten zwischen Folk-Traditionals und Bluegrass wenige eigene Stücke. Sofort war auch die Männerquote wieder geradegerückt, standen doch neben einer Frau am Piano (sitzend) nun vier Männer auf der Bühne. Im Zuschauerraum war es derweilen mit knapp 20 Leuten hübsch gefüllt. Und es war noch Platz für lustige Tanzeinlagen.


Neben Libby Sunderland am Piano war Chris Frewin die Hauptstimme und spielte dabei entweder Gitarre oder Geige. Außerdem waren Steve Cox and der Geige, Lee Humber an den Drums, Rob Charlton am Bass, Mandoline oder Gitarren mit von der Partie. Tatsächlich habe auch ich mich sehr amüsiert über einen Tänzer der selbstversunken total außer Takt fast die ganze Zeit durchgemacht hat. 


Auf der positiven Seite war die mitreißende Musik, allerdings war es doch eher laienhaft und mitunter im Gesang sehr daneben. Und ich war nun auch wirklich total durchgefroren und müde und bin deshalb ziemlich zerknittert nach Hause geschlichen.



Samstag, 9. April 2016

Sparky's Flying Circus, Oxford, 05.04.16

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Sparky's Flying Circus 
Ort: James Street Tavern in Oxford
Datum: 5. April 2016
Dauer: jedes Set 10-15 min
Zuschauer: zwischen 20 und 30



Für meine kurze Oxfordwoche hatte ich mir für die Abende wieder ein anregendes Programm zusammengesucht. Daß ich diesmal außerhalb des Lehrbetriebes in der schönen Studentenstadt war, zeigte sich im leider nicht ganz so reichhaltigen Programm. Insbesondere für den Dienstag fand sich nichts rechtes im Angebot (obwohl sogar eine Buchmesse stattfand). Da ich aber schon einmal einen netten Folkabend in der James Street Tavern erlebt hatte und am Vorabend (*) beim Blick auf den dort gerade ausklingenden Harfenworkshop etwas melancholisch geworden war, gab ich das erste Mal einem Open Mic Abend eine Chance. Unter dem Namen Sparky's Flying Circus gibt es Dienstags in der James Street Tavern und Donnerstag im Half Moon Veranstaltungen in denen Sparky dafür sorgt, dass alles rund läuft.
 


Kurzfristig hatten sich auch noch Bethany Weimers und Merlin Porter entschlossen, mich zu begleiten, was sich für mich als Glücksfall herausstellte, denn immer dann, wenn das Programm Längen hatte, hatten Merlin und ich Spaß daran, Figuren ausreißen und das Geschehen auf der Bühne nachzubilden. Merlin arbeitet häufig auf Konzerten und hält das Geschehen in witzigen Aquarellen fest. Insofern war es für ihn das, was er immer tut - nur ohne Stifte und Pinsel. Für mich war es ungewohnt aber sehr lustig.

Außerdem wurde ich so Zeugin, wie sich selbstverständlich vor Beginn des Programms (und auch Zwischendurch) immer alle Leute begrüßen mussten und ein wenig Smalltalk halten. Da ich meine Oxforder dabei hatte, wurde ich vorgestellt und in die Runde aufgenommen. Der erste Act des Abends war schließlich gegen 21:10 Uhr ein echter Knaller, nämlich eine Streetbrass Band namens Horns of plenty. An diesem Abend mit elf Bläsern und zwei Trommlern (sieben Saxophone in verschiedenen Größen, zwei Trompeten, eine Posaune und eine Ringeltuba, aber kein (!) Horn). Draußen sind sie auch schon mal mit bis zu 20 Leuten unterwegs und Sparky kritisierte harsch, dass wir hier mit halber Kraft abgespeist werden sollten...



Der Vorteil dieser Musik ist, das sie einfach so mitreißend ist. Selbst, wenn die Band etwas laienmäßig unperfekt blies und auch nicht das echte New Orleans Feeling aufkam (dazu waren sie dann doch zu englisch), es war ein totaler Spaß und es wurde zwischendurch ordentlich mitgeklatscht (und das war absolut ok). Merlin hatte beim Abgang einen gebastelten Trompeter für den Trompeter im Rollstuhl parat. Das gab zusätzlich lachende Gesichter.



Nach drei Songs war Schluß und es zeigte sich, dass dies der Rhythmus des Abends war. Zwei oder drei Songs für jede und jeden auf der langen Liste, die vor Sparky auf dem Tisch lag.
 


Der zweite im Programm wurde als Indiana Dave angesagt und outete sich als The greatful dead Fan. Er spielte zwei (ihrer?) Songs, von denen das zweite unendlich viele Strophen zu haben schien. Ich fand es furchtbar und langweilig. Dazu auch noch extrem laienhaft vorgetragen. Der Tiefpunkt des Programms. Immerhin konnten wir uns so ganz aufs Basteln konzentrieren.
 

Anschließend erhielt wieder ein Mann mit Gitarre die Bühne, der als Tony angekündigt wurde. Er spielte drei Bob Dylan Songs. Das aber so, dass man Freude hatte, ihm dabei zuzuhören. Er hatte eine gute Stimme und konnte wirklich gut Gitarre spielen. Eigentlich wollte ich dann im Anschluß den Heimweg antreten, denn für mich war es schon ein ziemlich langer Tag bis dahin gewesen und ich hatte keine Verschnaufpause gehabt.
 

Aber dann wurde eine spoken word performance angesagt, die ich dann doch gern noch erleben wollte. Und das war eine weise Entscheidung, denn es war für mich der Höhepunkt des Abends. Maisie Siret trug zwei Gedichte vor, die davon erzählten, wie sie den Spagat zwischen dem Leben als Studentin in Bath und dem nach Hause kommen nach Oxford aushalten lernen muss.
 


Auch in dem zweiten Gedicht Railway Man ging es um ihren Platz in der Welt. Wo sie oft mit Papier, Stift und Gedanken nur schwer greifbare Dinge schafft, erschien ihr das Leben mit Schweiß und dem direkt greifbaren Ergebnissen der Arbeiter an der Eisenbahn - auf die sie aus dem Zug regelmäßig schaut - beneidenswert.



(*) Auf dem Rückweg von einem Klavierkonzert

Aus unserem Archiv:
Bethany Weimers, Adorf, 11.01.14
Bethany Weimers, Karlsruhe, 09.01.14
Bethany Weimers, Karlsruhe, 08.01.14
Bethany Weimers, Stuttgart, 06.01.14
Bethany Weimers, Ettlingen, 05.01.14
Bethany Weimers, Oxford, 13.09.12 

Folk im Pub, Oxford, 10.09.12


Freitag, 8. April 2016

Tellison, Oxford, 06.04.16

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Konzert: Tellison, Muncie Girls und Beckoning fair ones
Ort:  Wheatsheaf in Oxford
Datum: 6. April 2016
Dauer: 60 min + 30 min + 25 min
Zuschauer: etwa 60


Click for English version below

Bei dienstlichen Terminen in Oxford, die alle paar Jahre mal wieder anstehen, ist der abendliche Konzertbesuch inzwischen zur schönen Tradition geworden. Diesmal war es ein bisschen schade, dass die zwei attraktivsten Angebote auf den gleichen Abend fielen. Aber da ich mir am ersten frühlingshaften Tag in Oxford gleich mal diverse riesige Blasen erwandert hatte bei einem etwas eiligen Spaziergang nach Binsey (zum Rabbit Hole aus Alice im Wunderland), war die Wahl dann doch überraschend einfach. Das Wheatsheaf lag nur 10 min zu Fuß von meinem Quartier, während ich zum anderen Gig etwa 25-30 min hätte einplanen müssen.


Wo der Pub liegt, hatte ich mir am ersten Abend auch schon einmal genau angesehen. Immerhin musste man eine ziemlich dunkle Gasse finden. Aber dann hingen an der Tür die richtigen Plakate und ich fühlte mich gut vorbereitet. Außerdem hattte ich am Mittwoch auch noch die Running order erfragen können.  Eine Anfangszeit von 20:00 Uhr ist ja nicht sehr aussagekräftig. Tatsächlich war es (lt. Auskunft) so gemeint: 8:00 Einlass, 8:30 Beckoning fair ones, 9:15 Muncie girls, 10:00 Tellison. 


Als ich zwanzig nach acht ankam, war der Pub gut gefüllt, aber ich konnte keine Bühne finden. Von wegen gut vorbereitet - mir wurde doch ein wenig panisch! Ein paar Leute, die ich für Raucher hielt, weil sie vor der Tür warteten, konnte ich aber fragen (drin war es etwas zu laut dafür) und sie halfen mir auch sofort auf die Sprünge: ja das wäre über dem Pub, aber der Einlass hatte noch nicht begonnen, weshalb sie hier in der Kälte ständen. Ich sag dazu mal nichts, zumal das eigentlich auch der einzige kleine Orga-Patzer war.


Beckoning fair ones starteten nämlich nur wenige Minuten später fast pünktlich. Sie waren zu viert auf der Bühne: der Sänger Niall spielte auch Gitarre, Lindsey hatte den Bass im Griff, Pete stand mit den Synths ganz zentral und so, dass er Niall sehen konnte und Sam schaffte sich über das Set ganz schön ordentlich an den Drums. Immerhin waren schon etwa 30 Leute für die erste Band des Abends gekommen, was vielleicht daran lag dass sie aus Oxford sind. Und mit den 30 Leuten wirkte es auch locker aber angenehm gefüllt.


Der Sound der Band war dunkel und kraftvoll. Immer wider spielten Synthies gegen die Gitarre an und der schottische (?) Sänger hatte eine sehr markante Stimme. Mein besonderse Entzücken galt der Frau am Bass, die cool und professionell ihren Part ablieferte. Aus der Setlist kannte ich vorher nur Elgin, weil das der einzige online verfügbare Song ist. Vielleicht lag es daran, dass dieser als besonders eingängig aus dem Set herausstand.


Setlist:
01: Red Cab
02: Mojito
03: Elgin
04: Justified Winner
05: Ex Machine
06: Billy



Mein Weg danach führte an den Merchstand, wo der Tellisonsänger saß und einen total vergnügten Eindruck machte. Es gab einen runden Kuchen mit dem Plattencover von The wages of fear (2011) als Icing. Und mir wurde prompt ein Stück angeboten. Das fühlte sich irgendwie sehr sympatisch an. Wer das Kunststück wohl liebevoll zubereitet hatte?


Wieder super im Zeitplan ging es nach zwar viele Dinge bewegenden aber in Summe sehr effektivem Umbau weiter mit den Muncie girls aus Exeter. Zu dritt auf der Bühne machen sie Punk - für meine Ohren leider etwas zu laut für den kleinen Schuppen, aber ansonsten ganz nach meinem Herzen. Im Vergleich zu dem dunklen Set dafür fiel es besonders auf, wie upbeat die Musik war, obwohl auch die Texte nicht mit Ärger und Problemen sparten. Die rockige Sängerin  Lande Hekt hatte eine Stimme ganz nach meinem Geschmack - und spielte den Bass, yeah! Ich musste sehr an She makes war denken, auch wenn die Musik gar nicht so ähnlich ist. Aber die Attitüde! Ganz nach meinem Gusto. Leider wurde sie mitunter überstimmt von den Gitarre und Drums mit Dean McMullen und Luke Ellis. 


Anscheinend war es ihr erstes Konzert in Oxford. Sie waren zuvor zehn Tage mit Tellison unterwegs gewesen, um ihr erstes Album unter die Leute zu bringen und die Chemie zwischen den Bands schien gut zu stimmen. Als ich mich mit Lande nach dem Konzert noch unterhielt, erzählte sie mir, dass sie das schon lange geplant hatten und es immer nicht klappen wollte. Und sie wären doppelt glücklich, dass es nun gepasst hatte und gleichzeitig ein wenig traurig, dass es schon wieder vorbei ist. In Deutschland sind sie viel unterwegs, weil ihr Label Uncle M in Münster das gut für sie macht. Und tatsächlich geht es schon bald wieder über den Kanal (Daten unten).

Setlist:
01: Respect
02: Gone with the wind
03: Everyday
04: Railroad
05: Balloon
06: Learn in school
07: Gas mark 4



Wieder gab es einen echt schnellen Umbau und vier Mann Tellison standen auf der Bühne. Henry Danowski, Stephen Davidson, Peter Phillips und Andrew Tickell - schon etwas gestandener im Alter als die zwei Supportbands. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug sind ja relativ standard. Die Musik war extrem tanzbar und dabei oft rhythmisch interessant. Ich erinnerte mich daran, was mir an Billy Talent mal so gefallen hat, nur dass hier auch noch intelligente Texte dazukamen. Das, was dann dem Abend das Sahnehäubchen aufsetzte, waren die eingängigen Refrains und der tighte Satzgesang (drei Stimmen), der mitunter hymnisch wirkte. Es wurde viel vom 2015er Album Hope Fading Nightly gespielt.

I was just a boy when I met you musste ich bei der dritten Wiederholung schon ungeübt mitgegrölen. In Rooky of the year wurde es dann auch nachdenklich und fast melancholisch. Wenngleich solche Zeilen wie: take comfort they wont make it too schon auch etwas schwarzhumorig rüberkommen (also grad recht für mich). Bei der Zeile There are more things in heaven schwiegen die Gitarren für inbrünstigen Gesang. Die Jungs hatten uns echt gekriegt und verstanden ihr Handwerk!



Gegen Ende des Sets gab es ein Lied über einen Zahnarzt (jedenfalls wurde es so angesagt und es ging im Text auch um Zähne) mit der Zeile My teeth are breaking but my heart is aching for you. Man kann das für Reim dich oder ich freß dich halten oder (innerlich grinsend) für genial. Viele im Publikum waren da textsicher dabei.


Ein bisschen plötzlich kam dann für mich das Ende, denn wenn man in Deutschland das letzte Lied ankündigt, heißt das ja nur - das letzte Lied vor den Zugaben. Und bei der Begeisterung musste es ja Zugaben geben! Aber es war mit dem letzten Ton 23 Uhr, die Band sagte tschüß, ging von der Bühne und das Publikum strömte hinaus fast wie bei einer Evakuierungsübung. Nun gut. Ich nahm mir noch zwei CDs zum unschlagbaren Preis mit nach Hause und behalte einen sehr besonderen irgendwie sehr englischen Abend im Gedächtnis.


Setlist:
01: Helix & Ferman
02: Edith
03: Boy
04: New York New York New York
05: Rookie of the Year
06: Horses
07: My Marengo
08: Say Silence
09: Freud links the teeth and the heart
10: Wrecker
11: Orion
12: Letter to the Team (after another imperfect season)
13: Tact is dead
14: Collarbone
15: Hanover start clapping
16: Tsundoku
17: Get on


Tourdaten Muncie Girls in Deutschland:
17.04. Underground, Köln
18.04. Kesselhaus, Schlachthof Wiesbaden
19.04. Unter Deck, München
20.04. Universum, Stuttgart
21.04. Schweinfurt
22.04. Uncle M Fest 2016, Berlin
23.04. Uncle M Fest 2016, Münster

14.05. Klownhouse Fest 2016, Kiel
15.05. Klownhouse Fest 2016, Kiel
19.05. Freizeitzentrum West (FZW), Dortmund, Germany

15.07. Lady Fest 2016, Mannheim
17.07. Bochum Total 2016 



English version:
It is nice to work in a profession where being guest at the university in Oxford is part of my dayjob. Moreover, it has become a tradition to fill my evenings in this town full of possibilities with as many gigs as possible. This time it was a pity though that the two to me most attractive line-ups fell on the same evening. But since - as a result of a  somewhat hasty walk to Binsey (egged on by the wonderful spring weather) - I had a fair amount of quite nasty blisters in the end my choice was surprisingly simple. The Wheatsheaf was just a 10 min walk from my quarters while for the other gig about 25-30 min of walking distance down Cowley road where just definitely too much that day.

On my first night in Oxford I already had done my research about the whereabouts of the Wheatsheaf. I had to find and follow a small and rather dark alley. But the poster on the door was right and so I felt well prepared. Also my question about the running order finally was answerd. The plan for the evening was: 8:00 doors, 8:30 Beckoning fair ones, 9:15 Muncie girls, 10:00 Tellison.

When I arrived at eight twenty, the pub was crowded, but I could not find any stage. My well-prepared-feeling evaporated with a puff and I was switching to a little panic! Fortunately I could turn to a couple of people who I took for smokers, because they were waiting at the door (it would have been a bit too loud to ask in the pub) and they could help me indeed: yes that gig would be above the pub, but doors were not open yet, which is why they stood here in the cold. So much about running orders for indie-music ... But I must say this was the only deviation from the plan.

Namely, Beckoning fair ones started their show a few minutes later, almost on time. They were four on stage: the singer Niall also played guitar, Lindsey handled the bass, Pete at the synths was centrally located and so that he could see Niall; Sam resided pretty neatly over drums. As many as 30 people were present for the first band of the night, perhaps because they were from Oxford. And with these the room felt pleasantly filled.

The band's sound was dark and powerful. Again and again synths played against the guitar and the Scottish (?) Singer had a very distinctive voice. My special delight was the woman with the bass who played her part really cool and professionally. From the setlist I only knew the song Elgin, because that is the only online available song. Perhaps it was because of this that it stood out as a particularly catchy one from the set.

After the first set a had a look at the merch where the Tellison singer sat and seemed to feel pretty happy. There was a round cake with the album cover of The wages of fear (2011) as icing of which I was offered a piece. This cake kind of felt very sympathetic. Who had it so lovingly prepared?

Again super on schedule - even if a lot of things had to be moved around - the evening continued with the Muncie girls from Exeter. The three on stage made punk - to my ears a bit too loud for the small venue, but otherwise all the way to my liking. Compared to the dark set before it felt particularly upbeat, although the texts were not sparing with anger and problems. The singer Lande Hekt had a rock voice very much to my liking - and played the bass, yeah! I had to think about She makes war, even if the music is not really similar. But the attitude! Truely to my taste. Unfortunately, her voice was sometimes drowned by the guitar and drums played by Dean McMullen and Luke Ellis.

Apparently it was their first concert in Oxford. The previous ten days they had been touring with Tellison to bring their first album to the people and the chemistry between the bands seemed too good to be true. When having a small chat after the concert Lande told me that they had been planning to tour together for a long time. And they were doubly happy that finally all had fitted and also a little sad that it's over already. In Germany, they travel a lot, because their label Uncle M in Münster makes them. And indeed they will soon be back (t)here (dates above).

Again there was a really fast conversion and the four Tellison men took the stage: Henry Danowski, Stephen Davidson, Peter Phillips and Andrew Tickell - already somewhat older than the two support bands. Two guitars, bass and drums are indeed a relatively standard set up. The music was extremely danceable while often rhythmically interesting. I remembered why some time ago I so liked Billy Talent, except that on top there were these very intelligent lyrics. The icing were the catchy choruses and tight vocal harmonies (three voices), which sometimes were almost anthemic. Many songs from the 2015er album Hope Fading Nightly were on the setlist.

I had to sing on top of my lungs "I was just a boy when I met you" (though unpracticed and not a boy) at the third repeat. Later Rooky of the year was thoughtful and almost melancholic. While such lines as: Take comfort they wont make it too come across as just the right amount of black humour for me. During There are more things in heaven the guitars were silent for fervent vocals. The boys had got us and understood their craft genuinely!

Towards the end of the set, there was a song about a dentist (at least it was announced as that and in the text there were teeth) with the line My teeth are breaking but my heart is aching for you. One can think that to be a bit awkward a rhyme (in German we say Rhyme or I'll eat you up) or think of it  (internally grinning) as being totally awesome. The audience went with it like a charme.

To me the end came a bit sudden, because if you announce the last song in Germany, that is indeed only the last song before the encores. And with this enthusiastic audience encores were a given! But with the last tone of the set it had turned 23:00, the band said goodbye, went off stage and the audience streamed out almost like during a fire drill. Well - so that was that. Fortunately I could take two CDs at an unbeatable price from the merch table as reminder to a wonderful evening.


Samstag, 8. März 2014

We are scientists, Oxford, 06.03.14

1 Kommentare

Konzert: We are scientists mit Supports:
      The Heartbreaks und Superfood
Ort: O2-academy in Oxford
Datum: 6. März 2014
Dauer: 25 min + 25 min + 90 min
Zuschauer: ausverkauft (etwa 600)


In Oxford war ich, um mich auf einer Tagung mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Für den Abend gab mir der Aufenthalt aber auch die Gelegenheit zu schauen, wie so ein "richtiger" Gig in Oxford funktioniert. Den Briten wird ja nachgesagt, dass sie zu ihrer englischen Gitarrenmusik ordentlich abgehen können. Ich schicke voraus, dass We are scientists nicht wirklich meine Lieblings-Musik machen - es ist ok, wenn man sich zum tanzen auf Konsensmusik einigen muss, aber mehr auch nicht. Irgendwie schwingt bei mir auch das Gefühl mit, dass sie ihre beste Zeit schon eine Weile hinter sich haben. Nun gibt es aber seit dem 3. März ein neues Album (Platten vor Gericht hat es schon gehört) und Oxford war die erste Station einer ausgedehnten Tour durch UK, Resteuropa und die Staaten zum neuen Album TV en Français. Da auch diverse Daten in Deutschland (siehe unten) anliegen, sehe ich den Bericht auch ein Stück als Service an unsere Leserschaft.


Als ich mich kurz vor der Abreise nach Oxford damit auseinandersetzte, wie der Abend in der O2-academy ablaufen würde, waren gerade zwei Supportbands bekannt gegeben worden. Beide aus Nordengland,  nämlich The Heartbreaks aus der Küstenstadt Morecambe in Lancashire und Superfood aus Birmingham. Besonders erstere machten auf mich einen interessanten Eindruck und der Ausflug in die Oxforder Clublandschaft wurde damit deutlich attraktiver.


Außerdem wurden für mehrere Stationen akustische Sets in örtlichen Plattenläden angekündigt. Ich bin ja ein großer Fan von akustischer Reduzierung auf das Wesentliche und hatte mir deshalb für den Abend 18 Uhr den Plattenladen ins Programm geschrieben. Als ich ankam, war es gefüllt, aber nicht übervoll und es ging auch ganz püntklich los. Die zwei Musiker Keith Murray und Chris Cain hatten offensichtlich viel  Spaß, aber ich muss sagen, dass wohl für diese Art Musik die akustische Variante nicht so gut geeignet ist. Ich fand, dass alle Songs irgendwie gleich und darüber hinaus belanglos klangen.


Schon 19:15 Uhr sollte es dann mit The Heartbreaks etwa 100 m die Straße hinunter in der O2-academy losgehen. Zu der Zeit war dort aber noch kaum jemand da, und das änderte sich auch nicht, bis es dann 10 min später tatsächlich losging. So spielte die meines Erachtens beste Band des Abends vor fast leerem Raum. 


Ich fand es sehr niedlich, dass neben mir ein (sehr) junger Mann schon bei der Musik vom Band die meisten Songs Wort für Wort mitsingen konnte (er tat das sehr dezent und in sich gekehrt) und dann auch bei We are scientists absolut textsicher war, aber nach dem Gig von The Heartbreaks zu mir schaute wie ich mir ein paar Sachen notierte und erst einmal fragen musste, was der Name der Band gewesen war. Aber ich glaube, sie hatten sich an dem Abend in ihm mindestens einen neuen Fan gemacht!


Die Jungs von The Heartbreaks sind wohl eigentlich zu viert: Sänger Matthew Whitehouse bindet einen großen Teil der Aufmerksamkeit,  Songwriter and Drummer Joseph Kondras war für mich versteckt,  Ryan Wallace an einer sehr auffälligen weißen Gitarre und am Bass Christopher Deakin. Sie hatten an dem Abend aber noch Verstärkung mit einer zusätzlichen akustischen Gitarre.  Die Musik ging ganz unmittelbar in die Beine und die Jungs spielten wirklich druckvoll und begeistert auf und das wurde vom Publikum auch honoriert. In der Musik und der Stimmfarbe des Sängers liegen gewisse nordenglische Referenzen offen, die zu Vergleichen mit großen Vorbildern alternativer Rockmusik einladen, aber sie wirkten dabei doch selbst ganz frisch und interessant. Der Sänger wusste zu posen und warf sich mit jugendlichem Ungestüm in diese Rolle.



Für mich war das deshalb eindeutig der beste Teil des Abends. Im Mai soll es ein zweites Album der Jungs geben. Mal sehen, wie das ankommt.

Setlist The Heartbreaks:
01: Remorseful
02: Delay, delay
03: No Pasaràn!
04: This is not entertainment
05: Absolved
06: Hey, hey Lover


Der Umbau zum zweiten Support wurde relativ fix und unprätentiös vollzogen, Teile des Schlagzeugs blieben stehen und so konnte es schon bald weitergehen. Der Saal war nun auch schon besser gefüllt. Optisch waren die Superfoods mit einer Person weniger auf der Bühne, einem Mädchen am Bass und einem sehr großen dunkelhäutigen Mann an der zweiten Gitarre eine ganz andere Truppe. Aber die Musik hatte doch gewisse Ähnlichkeiten.


Sie war rotzig und treibend. Sänger Dom Ganderton hatte eine typische no-nonsense Stimme, die sich irgendwie auch ständig über sich selbst lustig zu machen schien. Mitunter gab es auch künstlich verquere und quietschende Gitarren. Der Hühne an der zweiten Gitarre sang häufig in überraschend hoher Stimmlage dazu und die Bassistin war einfach nur ultracool.


Superfood hat gerade eine neue EP draußen und wird im Mai eine Headliner Tour in Großbritannien stemmen.

Setlist Superfood:
01: Bubbles
02: Melting
03: Right on satellite
04: It's good to see you
05: Parking lot
06: TV
07: Superfood


Für We are scientists wurde gründlich umgeräumt. Das Schlagzeug kam ganz nach hinten, so dass die beiden Protagonisten am Bühnenrand sehr viel Raum hatten für witzige Tanzeinlagen. Den nutzten sie in den folgenden 90 min auch ordentlich aus. Das Publikum brauchte keine weitere Ermutigung um sofort total abzugehen. Wobei sich doch deutlich zeigte, welche Songs vom neuen Album kamen. Dort war man noch nicht so textsicher und auch ein bisschen verhaltener. Ich wurde jedenfalls von wildfremden und sehr glücklichen Leuten in der zweiten Reihe umarmt und mitgenommen. Es war aber irgendwie sehr nett.


Es verwundert deshalb auch nicht, dass die Setlist überwiegend die alten Kracher enthielt auf die das Publikum wartete und die neuen (mit * gekennzeichneten) nur vorsichtig dazwischengestreut wurden. Nach jedem Song wurde das bunte Bühnenlicht durch zwei weiße Scheinwerfer auf die beiden Sänger ersetzt und sie lieferten sich mehr oder weniger lustige Wortgeplänkel. Am Schlagzeug hatten sie Keith Carne mitgebracht und nicht Andy Burrows - mit dem sie für das Album zusammengearbeitet haben.



Nach einiger Zeit habe ich mir dann die Sache lieber von einem Sofa ganz hinten angesehen. Dort wurde das Geschehen vorn auf der Bühne via großem Monitor gezeigt. Summa summarum hat mich das Konzert der Wissenschaftler auf der Bühne - trotz der enthusiastischen Fans - nicht wirklich aus den Puschen gehauen hat. Wer aber die alten Songs noch einmal live sehen will, wird wohl auf der Tour gut bedient werden.
 
Setlist We are Scientists:
01: Return the Favor *
02: After Hours
03: I Don't Bite
04: Nobody Move, Nobody Get Hurt
05: Dumb Luck *
06: Rules Don't Stop
07: It's a Hit
08: Sprinkles *
09: Textbook
10: What You Do Best *
11: Chick Lit
12: This Scene Is Dead
13: Nice Guys
14: Central AC
15: Make It Easy *
16: Dinosaurs

17: Can't Lose (Z)
18: Slow Down (Z) *
19: The Great Escape (Z)



Konzerte:

07.03.    Junction    Cambridge,           
08.03.    Stylus    Leeds,       
09.03.    Ritz    Manchester,       
11.03.    Academy    Newcastle Upon Tyne,       
12.03.    ABC    Glasgow,       
13.03.    Rock City    Nottingham,       
15.03.    Institute    Birmingham,       
16.03.    Waterfront    Norwich,       
17.03.    University    Southampton,       
19.03.    Academy    Bristol,       
20.03.    Shepherds Bush Empire    London
  
22.03.    Bitterzoet w/PAWS    Amsterdam,   
23.03.    Knust w/PAWS    Hamburg,       
24.03.    Lido w/PAWS    Berlin,       
26.03.    Flex w/ PAWS    Wien,      
27.03.    Ampere w/PAWS    München,       
28.03.    M4 Music Festival    Zürich,  
30.03.    Luxor w/PAWS    Köln,  
31.03.    La Maroquinerie w/PAWS    Paris,


Aus unserem Archiv:
We Are Scientists, Highfield, 15.08.08
We Are Scientists, Luxemburg, 21.06.08
We Are Scientists, Paris, 16.11.06
We Are Scientists, Köln, 14.11.06



Samstag, 15. September 2012

Oxjam, Oxford, 13.09.12

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Konzert: Bethany Weimers, Alphabet Backwards, Cat Matador, George Edward Chopping
Ort: Amphitheater Said Business School Oxford
Datum: 13. 9. 2012
Zuschauer: 150-200



Im Konzerttagebuch wird viel und manchmal exzessiv geschwitzt. Heute kommt endlich einmal ein Bericht wo stundenlang gefroren wird! Natürlich ganz stilvoll, denn

1) bei bester musikalischer Unterhaltung,
2) englisch (jedenfalls für mich sind die Briten die Experten, da sie auch im Winter Schuluniform mit Kniestrümpfen tragen...),
3) an einer tollen Location.


Und fast wäre mir dieses Kleinod entgangen! Ein Indiekonzert mit drei tollen Bands versteckte sich für den 13.9. hinter dem Pseudonym Oxjam. An anderer Stelle schon früher in der Kulturwoche Oxfords war dasselbe Wort Bezeichnung für eine Jazz-Session, so hatte ich für den Donnerstag zunächst darüber hinweggelesen. Nur, weil ich den Blues hatte - Rue Royale spielen in London - ich könnte hin und würde natürlich auch gern, aber es ist doch schon pervers, sich die halbe Nacht um die Ohren zu schlagen, nach London hin und wieder zurück zu fahren, nur um dann am nächsten Morgen früh zum Flughafen nach Heathrow aufzubrechen. Es müsste doch einen guten Grund geben, den Abend in Oxford zu verbringen!So ging ich allen Donnerstag-Gigs noch einmal einzeln nach, hörte dabei schließlich auch in die drei Bands hinein und kriegte den Mund nicht wieder zu: eine besser als die nächste! Ganz auf meiner Wellenlänge.


Der Hintergrund der Veranstaltung Oxjam ist es, Geld für die Organisation Oxfam einzunehmen. Es wird im Oktober eine Abend geben, wo in vielen Oxforder Venues Künstler für Oxfam auftreten (Oxford Takeover) und dieser September-Abend war ein Aufwärmevent dafür. Sicher haben sich die Organisatoren nicht vorgestellt, dass das Publikum und die Künstler dabein so frieren würden....


Der Ort ist mit der Satellitensicht von google gut zu sehen und eindrucksvoll: das Dach der Said Business School am Bahnhof von Oxford. Es ist ein richtiges kleines Amphitheater mit Blick auf einen grünen Hof. Und der Wetterbericht war auch günstig: Regenwahrscheinlichkeit 0% am Ende eines besonders schönen und recht warmen Sommertags.

Ich hatte ja in meinem letzten Bericht zwischen den Zeilen ein bisschen gespöttelt, dass in Oxford das Abendprogramm so früh beendet ist (obwohl ich das ja eigentlich für mich viel praktischer finde), aber die Indie-Leute sind dort auch nicht anders als anderswo: Beginn 19:30 Uhr war geplant und hätte Bethany Weimers einen eindrucksvollen Sonnuntergang als Bühne geboten.

Aber wie es auch in Deutschland geschehen wäre, wurde es natürlich 20:15 Uhr und es war längst dunkel und windig bevor George Chopping den Abend eröffnete.



Er ist Poet und führte mit seinen Gedichten und als Conferencier durch das Programm. Das habe ich nun wiederum in Deutschland noch nicht erlebt und es hat mich schwer begeistert und beeindruckt
(*). Poesie so selbstverständlich neben die Musik gestellt - und es wurde dabei viel gelacht, wenngleich auch manchmal britisch Schwarzhumorig, z.B. wenn in einem Gedicht geschildert wird, wie der Poet mit seiner Frau vom Boot auf dem sie leben den morgendlichen Rudersportfanatikern zuschaut. Deren Schicksal ist es schließlich, sich an einer über den Fluss gespannten Metallschnur sauber selbst zu enthaupten: "That will teach them to look forward - the next time".


Bethany Weimers hat kürzlich ihr Debüt Harpsicord Row veröffentlicht. Schon vor dem Konzert hatte ich mir die 7 Pfund zur Seite gelegt, um die CD nach Deutschland importieren zu können und die Künstlerin gebeten, nur ja ein paar Exemplare zum Konzert mitzubringen. Im Konzert präsentierte sie die Songs sehr überzeugend und reif. Mit den Ansagen erschlossen sich auch noch ein paar Bedeutungsräume, die die Musik allein nicht gehabt hätte. Freilich ist Frau mit Gitarre und Klavier nicht gerade selten in der heutigen Musikwelt. Aber Bethany Weimers hat darin einen prominenten Platz verdient. Die Musik geht mir nach und die Stimme folgt mir. Am stärksten vielleicht in Harpsichord Row, aber eigentlich durchgängig für das etwa 40 min Programm.


Setlist, Bethany Weimers, Oxford:

Protect
Desire
Harpsicord Row
Lucky day
William and his ghost
Silver moon
To the land

Nach einer kurzen Pause übernahm ein Mann mit Gitarre die Bühne, der Frontmann von Alphabet Backwards lieferte ein sympatisches Set ab, das auch Appetit auf das neue Album machte, das am 1. Oktober erscheinen wird. Trotzdem sah man, dass er eigentlich sonst eine Band hinter sich hat und heute vermisste. Insofern fiel es gegen die intensive Atmosphäre des Auftakts etwas ab. Vielleicht wäre es in der Situation des Abends besser gewesen, die Band aufspielen zu lassen und alle ordentlich zusammen abzutanzen!



Für die Headliner Cat Matador war es sicher ein Handycap, dass inzwischen sie selbst und alle Zuhörer total verfroren waren. Eigentlich ist die ruhige Musik der von Garda zu vergleichen. Sie ruht in sich, entfaltet doch aber so eine Energie der Stillen, die zusammenstehen. An diesem Abend war das ganz nett, hat aber nicht so gezündet, wie es vielleicht in einem anderen Zusammenhang funktioniert hätte. Es gab auch ein paar musikalische Patzer, die ich kalten Fingern und Stimmen zugute halte.

Summa summarum war ich mit meinem Abend auf dem Dach sehr zufrieden und glücklich und musste nun nicht mehr traurig sein, dass derweil Rue Royale ohne mich in London auftraten...
(*)Beweis: ich habe sogar das Audiobuch seines Poesiebandes geordert und freue mich schon total darauf!



 

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