Konzert: Moddi mit Support Precious Few Ort: St. Peter Café in Frankfurt/Main Datum: 29. März 2017 Dauer: 30 min + 115 min Zuschauer: etwa 70
Da dies war ein Abend, den ich mit lieben Menschen teilen durfte, gab es anschließend Gelegenheit, das gerade erlebte zu besprechen. Mit noch ganz frisch leuchtenden Herzen waren wir uns einig, dass Moddi uns einen ganz besonderen Abend geschenkt hatten. Eine Performance, die mit scheinbar leichtfüßig gewählten, tief ehrlichen Worten und den Liedern - viele von ihnen aus dem Unsongs-Album - etwas in uns angerührt hatte, das uns so bald nicht loslassen würde. Ganz besonders schön war, dass dies nicht nur vom Publikum enthusiastisch gefeiert wurde, sondern bis auf die hintersten Plätze und bis an die Bar wirklich absolute Ruhe und Aufmerksamkeit herrschte. Kein Schwatzen, kein wispern, kein Flaschenkegeln - ich weiß nicht, ob das schon einmal erleben durfte.
Dass ich unbedingt dieses Konzert in Frankfurt sehen wollte, hing auch damit zusammen, dass sich Moddi in den letzten drei Jahren sehr auf das Projekt der verbotenen Lieder konzentriert hatte und in Deutschland nicht so viel (relativ gesehen) mit Konzerten unterwegs gesesen war. Die einzige Chance - in Darmstadt im Herbst 2016 - hatte ich dann krankheitsbedingt auch noch sausen lassen müssen. Nun sollte es aber wirklich klappen!!
Kurz zuvor wurde noch ein neuer Support angekündigt: Precious Few. Zum Glück hatte Christoph seine Erlebnisse mit dieser Band (je als Vorband) hier im Konzerttagebuch ordentlich dokumentiert und es gab eine Besprechung des Albums bei Platten vor Gericht so hatte ich immerhin eine Idee, was mich erwarten würde.
Genauer gesagt klang es eigentlich sogar richtig spannend. Vor allem die dunkle Stimme von Barbara Hoefgen und die oft etwas spröden Songs trafen bei mir auf offene Ohren. Eigentlich schade war dabei, dass mit meist akustischer Gitarrenbegleitung durch Chris Wiegelmann bei mir fast jedes Mal das Gefühl blieb: Das müsste man doch eigentlich ein wenig mehr aufpeppen und dann wäre es so RICHTIG gut.... Es gab eigentlich keine Clichés (auch wenn der erste Song so heißt...). Zwischendurch gefielen mir die dunklen - fast orientalischen - Liedphrasen und das direkt tanzbare Tales of the City besonders. Interessant war auch der Tempobruch in Precious life von besinnlich auf schnell.
Während der Umbaupause gab es Zeit für ein etwas unerwartetes Treffen mit einer Freundin kurz vorm Bühnenrand und ich blieb danach ganz nah am Geschehen sitzen als Pål Moddi Knutsen mit seiner Gitarre und Katrine Schiøtt mit dem Cello die Bühne betraten. Ich hatte ganz vergessen, wie gut Moddis Deutsch bei Konzerten ist. Seine landessprachliche Begrüßung saß und es ging sofort los mit zwei der Stücke vom neuen Album. Da ich es schon eine Weile mein Eigen nenne, waren mir auch die neuen Stücke schon recht vertraut. Einige sind ja sogar schon über lange Zeit "draußen" mit Videos aus dem Prozeß, in dem Moddi sich nicht nur die Lieder suchte und aneignete sondern sich auch mit fast jedem Künstler, jeder Künstlerin traf um die Geschichten hinter den Songs festzuhalten und der Welt zu zeigen.
Nach zwei neuen Songs gab es zunächst eine Zäsur und er ging zeitlich zurück zu dem wundervollen Lied, das ihm weltweit Freunde gemacht hatte: House by the Sea. Außerdem berichtete er davon, was in der Zwischezeit passiert war in einer eindrucksvoll pointiert und fesselnden Art und Weise. Dafür wechselte er dann aber lieber ins Englische. Ich wusste das ja eigentlich alles im Prinzip - trotzdem war keine der Zwischenansagen für mich langweilig oder langatmig. Es wurde tatsächlich viel gelacht. Aber es fühlte sich schon ein wenig beängstigend an, wie das Phänomen ungeliebter Wahrheiten sich um die Welt und durch die Zeitläufe spannt.
Für mich war es ganz besonders eindrucksvoll, Punk Prayer live zu hören und die drei neuen Songs Baby's Eyes, The Architekt und Squares. Baby's Eyes traf ganz besonders ins Schwarze, denn es bezieht sich auf das Austauschen der Augen gegen Knöpfe, um sich der Zuwendung der anderen Mutter zu versichern in Neil Gaimans Buch Coraline. Moddi berichtete, dass er eine Knopfphobie hat und keine Kleidung mit Knöpfen tragen kann. Insofern hat dieses Bild der Knopfaugen für ihn eine ganz besondere Bedrohung. Ich bin selbst ein großer Freund von Neil Gaimans Büchern und mit Coraline hatte diese Freundschaft vor vielen Jahren einmal begonnen. Irgendwie passte es auch ganz gut in den Abend, dass in diesem Buch ein Motto steht, das in etwa lautet: Märchen und Geschichten sind wichtig, weil sie zeigen, dass man Drachen besiegen kann.
Großes Highlight war etwas später auch Army dreamer und das Josephslied. Die Geschichte ist Teil des Alten Testaments und des Korans und damit eine Brücke zwischen den Religionen. Und es war ein Lied, dessen Geschichte ein gutes Ende fand. Ein besonderer Abend fand so einen mitreißenden und gleichzeitig innigen Schlußpunkt, aber wir wünschten uns natürlich noch eine Zugabe und erhielten das tändelnde En sang om fly zum Abschied.
Dies beendete einen Abend, der heißer Anwärter auf das beste Konzert des laufenden Jahres ist, obwohl im Programm des Abends mein so sehr geliebter Train song (am liebsten in seiner norwegischen Fassung) fehlte....
Setlist Moddi: 01: June Fourth 1989 (Text: Liu Xiaobo) 02: A Matter of Habit (Text: Alona Kimhi/Musik: Izhar Ashdot) 03: House by the Sea 04: Eli Geva (Text: Richard Burgess) 05: Punk Prayer (Pussy Riot) 06: Parrot, goat and rooster (Text: Mario Quintero Lara) 07: Baby’s Eyes 08: The Architect 09: The Squares 10: Open Letter (Lounes Matoub) 11: Army Dreamers (Kate Bush) 12: Strange Fruit (Lewis Allan) 13: Where is my Vietnam? (Viet Khang) 14: Oh my father I am Joseph (Text: Mahmoud Darwish) 15: En sang om fly (Z)
Tour Moddi: 28.03. Erlangen E-Werk Club 29.03. Frankfurt St. Peter Café 30.03. Köln Gebäude 9 02.04. Münster Pumpenhaus 05.05. Berlin xJazz Festival 28.06. München Ampere 29.06. Nürnberg St. Katharina Open Air
Tourdaten Precious Few: 29.03. Frankfurt St. Peter Café 30.03. Köln Gebäude 9 12.04. Köln Blue Shell (mit Desperate Journalist)
Konzert: Moddi Ort: RängTengTeng in Freiburg i.Br. Datum: 1. Mai 2014 Dauer: über 90 min Zuschauer: knapp 100
Schon sehr lange war der norwegische Musiker Moddi auf meinem musikalischen Radar. Die herben und expressiven Lieder mit dem mal jammernden und schreienden und mal jauchzenden Akkordeon hatten mich im Sturm erobert - aber die jeweils nur sehr kurzen Touren ließen zu große Bögen um Karlsruhe, als dass es mit einem kennenlernen bisher geklappt hätte. Letztes Jahr hätte ich sogar die Chance gehabt, ihn noch ganz kurzfristig in mein Wohnzimmer zu holen, musste ihn aber (sehr traurig) vorbeiziehen lassen.
Nun endlich würde es klappen! Oder doch nicht? Meine Freiburger Kollegen hatten mich vorgewarnt: Das RängTengTeng ist eine Raucherkneipe... the air is too heavy to breath... Als ich ankam, war ich deshalb sehr erleichtert zu sehen, dass Schilder aufgehängt worden waren, die darum baten, dass während des Konzerts bitte nicht geraucht werden soll und entlasteten mich von der Sorge, dass es nun mit dem live-Zusammentreffen doch wieder nichts würde (*).
Ein bisschen warten musste ich aber noch, bis gegen 21:30 Uhr Pål Moddi Knutsen und Katrine Schiøtt (Cello und Gesang) die Bühne betraten. Das Konzert war geprägt von einem super-expressiven Moddi auf der Bühne, der seine Stimme manchmal bis zur Grenze belastete, zwischendurch den Rhythmus so stampfte, dass er ganz aus der Puste kam und sehr ausführlichen Zwischenansagen, die alles waren, nur nicht oberflächlich oder gefällig (wenngleich sehr sympathisch).
Die Kellerkneipe hatte sich gut gefüllt und ich war sehr angenehm überrascht davon, wie aufmerksam das Publikum war. Es gab keine Schwätzer und fast keine Geräusche von der Bar. Statt dessen andächtige Stille während der Songs, enthusiastischen Applaus dazwischen und diverse Moddi-kundigen Rufe, als es um gewünschte Songs ging oder auch um Assoziationen zu Norwegen und den Norwegern.
Das war keine Laufkundschaft, die hier nur war, um den Feiertag fröhlich ausklingen zu lassen, sondern ein Publikum, das eine sehr aufgeschlossene und angenehme Atmosphäre schuf, in der sich auch beide Musiker offensichtlich sehr wohl gefühlt haben.
Moddis Bühnenpräsenz war manchmal schon fast etwas zappelig und in der ganzkörperlichen Hingabe erinnerte es mich manchmal an einen anderen norwegischen Musiker den ich sehr schätze und der auch seinen Körper im Konzert sehr speziell einzusetzen weiß: Einar Stray. Er wechselte mehrfach zwischen akustischer Gitarre und Akkordeon als Begleitinstrument und damit auch zwischen sitzen und stehen. Daneben war Katrine am Cello ein Ruhepol und ganz und gar geerdet. Auch ergänzten sich die beide Stimmen für meine Ohren ganz hervorragend und besonders wohlklingend.
Musikalisch waren die nachdenklichen Songs an diesem Abend deutlich in der Überzahl. Und auch bei den länger diskutierten Themen nahmen Krieg und Umweltzerstörung und die Verantwortung, die jeder einzelne dafür übernehmen kann und könnte einen großen Teil der Zeit ein. Persönliche Erlebnisse kürzlich in Israel und den besetzten Gebieten und während seiner Teenagerzeit in Norwegen bildeten den Hintergrund für grundlegende Überlegungen. Dabei wirkte Moddi jedoch stets optimistisch und vor Energie nur so sprühend. Bange machen galt also nicht! Auch nicht vor 2 m langen norwegischen Otto-Normalverbrauchern.
Ein weiteres Thema des Abends waren Sprachen. Moddi sprach über weite Strecken Deutsch, wechselte dann immer mal wieder ins wohl gewohntere Englisch und versuchte zu erklären, wieso manche Lieder einfach schwer in der Heimatsprache zu singen sind - und zwar nicht nur wegen gewisser Gewohnheiten der Pop-Industrie.
Wenn ich für mich besondere Lieder des Abends in Freiburg hervorheben soll, dann waren es Tog sang (bei dem wir uns die Sprache wünschen durften und das mir schon seit dem Cover durch Portishead ein Lieblingslied ist), House by the sea (ein vom Publikum gewünschtes Lied) und Rubbles (das Lied, mit dem ich ihn kennenlernte).
Leider musste ich 23 Uhr meinen Heimweg antreten, als noch das als letztes Lied angekündigte En sang om fly lief. Nach der Stimmung im Raum und auf der Bühne zu urteilen, gab es anschließend sicher noch Zugaben, die mir leider entgangen sind. Aber ich hatte noch 2 Stunden Heimweg vor mir und nur diese Mitfahrgelegenheit.
Moddi wird am 2. und 3. Mai noch zweimal an deutschen Bahnhöfen aussteigen. Geplant sind Reutlingen und Marburg. Im Sommer kann man ihn voraussichtlich auf einigen Festivals erleben. Dicke Empfehlung meinerseits!
Setlist: 01: Magpie eggs 02: Soon you will be somebody else 03: Poetry 04: Run to the water 05: Tog sang 06: Bridges and Balloons (Joanna Newsome cover) 07: Krokstav-emne (mit Akkordeon als Schlagzeug) 08: House by the sea 09: Eli Geva 10: The Architect 11: Rubbles 12: En sang om fly
+ evt. Zugaben
(*) mein Ausweichplan war, im Falle von zu viel Qualm, in das 10 min entfernte White Rabbit zu gehen und dort Diane Cluck zu sehen. Man kann ja nicht 150 km fahren und sich dann von Rauchern den Abend total verderben lassen...
Tourdaten: 02.05. Franz K. Reutlingen 03.05. KFZ, Marburg
November und Anfang Dezember sind in konzerttechnischer Hinsicht äußerst hektische Monate. Da bleibt es nicht aus, daß wir über das ein oder andere Konzert nicht in der gewohnten Ausführlichkeit berichten konnten. Ein paar Reviews sind wir sogar den Lesern ganz schuldig geblieben,weil einfach die Zeit zu knapp war. Sorry dafür. Aber das Unvollendete, Unperfekte gehört ja irgendwie zu Indiekultur dazu und deshalb hoffen wir, daß man uns das nicht allzu krumm nimmt.
Nachreichen möchte ich jedoch in Kurzform meine Eindrücke zum Norweger Moddi, der am 29.11.2010 das Vorprogramm von Angus & Julia Stone in der Cigale bestritt. Vor allem auch deshalb, weil Pâl Moddi Knutsen (so heißt der Kerl bürgerlich) Anfang nächsten Jahres auch (erneut) deutsche Städte mit seiner feinen Musik beglücken wird.
Was ist musikalisch zu erwarten? Nun, da wir es hier mit einem jungen Mann (23 Jahre) zu tun haben, der aus dem kalten und dunklen Norden Norwegens stammt, verwundert es nicht, daß seine Songs äußerst melancholisch und getragen sind. In der Cigale trug er die meisten Stückeam Akkordeon vor und wurde dabei auf wunderbare Weise von einer sehr hübsch lächelnden Cellistin, einem innovativ und meistens Schneebesen rührenden, ansonsten Bongo spielenden Drummer und einem wikingerhaften Bassisten begleidet. Ab und zu kam auch eine Violinistin zum Einsatz. Die jungen schönen Menschen betörten durch zarten, intimen Kammerpop, der so einschmeichelnd und tröstlich vorgetragen wurde, daß einem warm ums Herz wurde. Perfekt für den Herbst. Rotwein-oder Kaminfeuermusik, all dieses Standardsprüche konnte man auch hier wunderbar abladen. Sie passten einfach. Der lockenköpfige Blondschopf, der tatsächlich auch eine originalen Norwegerpullover trug, sang so wundervoll traurig, wie man das seit Damien Rice nicht mehr gehört hatte. Fans von Jonsi, Bright Eyes, Villagers, Chris Garneau und eben Damien Rice dürften voll auf ihre Kosten gekommen sein. Die gespielten Stücke kannte ich vorher nicht, aber sie verzauberten mich auf Anhieb. Sie hießen Magpie Eggs, Rubbles, oder wie auch immer und trugen die typisch skandinavische Schwermut in sich. Beim Pariser Publikum stießen sie nicht auf taube Ohren. Ich bin mir sicher, daß sie nächstes Jahr auf vielen Ipods und Plattenspielern laufen werden und wette darauf, daß die Deutschland Konzerte von Moddi 2011 viele Menschen entzücken werden. Tragt jetzt schon die Termine ein und besorgt euch früh genug Karten!
Konzerttermine Moddi: (ohne Gewähr):
26.02.2010: Knust, Hamburg 27.02.2010: Gebäude 9, Köln 01.03.2010: Panorama Bar, Frankfurt 02.03.2010: Manufaktur, Schorndorf 03.03.2010: Ampere, München 04.03.2010: Karlstorbahnhof, Heidelberg 06.03.2010: Skala, Leipzig 07.03.2010: Hau2, Berlin 09.03.2010: Gleis 22, Münster
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
Willst Du mitmachen? Oder hast Du Anregungen? Über Kommentare (auch kritische) freuen wir uns sehr.