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Sonntag, 1. November 2009

Mariee Sioux & Matt Bauer, Paris, 31.10.09

6 Kommentare

Konzert: Mariee Sioux & Matt Bauer & Declan de Barra

Ort: Café de la danse, Paris
Datum: 31.10.2009
Zuschauer: viele. So gut wie ausverkauft
Konzertdauer: insgesamt gut 3 Stunden



Mal eine Frage an unsere verehrten Leser. Was haltet ihr eigentlich von Halloween? Ist das totaler Käse, der seit ein paar Jahren von den USA nach Kontinental-Europa übergeschwappt ist, oder ist das ein ein ganz wunderbares Fest, bei dem man sich nach Lust und Laune schminken, gruselig anziehen und eine Kürbislaterne durch die Gegend tragen kann?

Was das mit dem Konzert zu tun hat? Nun, der Ire Declan De Barra, der heute im Café de la danse spielte, kommt aus dem Land, in dem Halloween seinen Ursprung hat. Irische und schottische Immigranten haben diesen Brauch erst in die Vereinigten Staaten gebracht, wahrscheinlich um die Kürbisindustrie anzukurbeln...

Auf jeden Fall war Halloween am 31. Oktober im Café de la danse ein großes Thema, welches die beteiligten Musiker gerne aufgriffen. Declan de Barra selbst hatte seinen Look nicht verändert, Mariee Sioux und vor allem Matt Bauer erschienen aber mit gruseligster Schminke und hätten damit glatt in einem Horror Film auftreten können!

Wie das Konzert war? Keine Ahnung, Halloween ist doch das Fest der Toten. Ich bin tot. Dies war mein letzter Konzertbericht. Goodbye...

Und dann bin ich doch von den Toten wiederauferstanden! Wunder geschehen...

Also mal von vorne. Der schaurig-schöne Abend des 31. Oktober begann bereits um 19 Uhr 30. Im Café de la danse heißt es früh sein, will man alle Acts komplett sehen. Ausnahmsweise habe selbst ich es geschafft, pünktlich auf der Matte zu stehen. Der hörsaalähnliche Raum mit der hohen Decke war schon sehr gut gefült, als ich eintrat. Das freute mich enorm, denn ich gönne Matt und Mariee wirklich so viel Zuhörer und Zuseher wie möglich. Nicht nur weil sie wunderbare und betörende Musik machen, sondern weil sie auch zu den liebenswürdigsten Musikern gehören, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Diese menschlichen Qualitäten sind auch dem Iren Declan de Barra nicht entgangen, der während seines Konzertes vom Charakter von Matt und Mariee in den höchsten Tönen schwärmte.

Aber auch Declan selbst ist ein besonderer Typ. Er ist ungemein kommunikativ, charismatisch und direkt. Jemand, der im Nu das Publikum auf seine Seite ziehen kann. Als ich ihn 2008 zum ersten Mal live gesehen hatte, war ihm das in musikalischer Hinsicht allerdings nicht gelungen. Ich empfand es als störend, daß er mit seiner Stimme immer Vollgas gibt und sich die Seele aus dem Leib schreit. Heute aber hat er mich gerade eben damit in seinen Bann gezogen! Mit unbeschreiblicher Kraft und Inbrunst schmetterte er Lieder wie das hervorragende Throw Your Arms Around Me und traf damit in mein Herz. Schon seltsam, daß mich das damals nicht berührt hatte, "Throw your arms around me, I'll be right here if you fall, Ill be right here if you need me", als er diese Zeilen sang, hatte das eine ungemein tröstliche Wirkung auf mich. Hinzu kam, daß seine französische Cellistin so unglaublich schön und einfühlsam spielte, daß ich dahinschmolz. Hach, war das schön! Und gegen Ende kamen mit Until The Morning Comes und Red Forests auch noch zwei weitere Schmuckstücke.

Ein prima Auftritt, gespickt mit witzigen Dialogen ("In Irland wird man an Halloween von den Damen geküsst. Vergesst das nicht, Ladies, ich warte hinterher am Merch auf Euch!" oder: "Ich bin zu dick für die engen Pariser Wohnungen, jedesmal stoße ich mich und habe überall blaue Flecke!") und wundervollen Songs.

Dann war Matt Bauer an der Reihe. Der Bursche hatte mich schon erschreckt, als er mit seiner Zombie-Schminke zum Soundcheck auf die Bühne kam. Wahnsinn, diese Adern auf der Glatze und dann auch noch die schwarzumrandeten Augen! Auf seine warme und reduziert instrumentierte Musik hatte das allerdings keine Auswirkungen. Wie gewohnt spielte er sehr zurückgenommen und unaufdringlich und brillierte durch seine virtuosen Künste am Banjo. Die meisten Stücke trug er jedoch auf der Gitarre vor, obwohl ich der Meiung bin, daß das Banjo seine Paradedisziplin ist und daß die Mehrzahl seiner Lieder auf diesem Instrument vorgetragen werden sollten. Aber wie auch immer, Matt's Songs sind auch auf der Gitarre schön. Zum ersten Mal überhaupt sah ich in live in Begleitung von Musikern. Er hatte einen schlanken, ebenfalls geschminkten E-Gitarristen dabei, der allerdings nur bedingt für Lautstärke sorgte. Zusätzlich gab es bei 2 bis drei Stücken einen französischen Violinisten, der das Konzert bereichterte. Am tollsten war es aber, als zum besten Song von Matt, dem brillianten Rose and Vine, Mariee Sioux mit hinzustieß. Ihr Backgroundgesang war so lieblich und harmonierte so perfekt mit der trockenen Rotweinstimme von Matt, daß sich mir die Nackenhaare aufstellten!

Mariee Sioux durften die Zuschauer also schon vor ihrem eigentlichen Auftritt genießen, aber ganz alleine und mit ihren eigenen Stücken ist das Ganze natürlich noch entzückender. Sie performte große Teile ihres zu recht hochgelobten Albums Faces In The Rocks, begeisterte mit interessanten Texten (in denen es immer wieder um Tiere ging: Rattlesnakes, Watersnaks, Grizzlybears, Hummingbirds, etc, eine naturverbundene Person, die Marie!) und kristallklarer Stimme und bot auch Neuheiten. Old Magic zeiget sie von ihrer sinnlichen und sirenenhaften Seite und offenbarte eine Stimme, die noch befreiter und schöner klang als zuvor. Die junge Frau hat an Selbstsicherheit und Bühnenpräsenz gewonnen, so viel ist klar. Schön, daß sie trotzdem ihre niedliche Schüchternheit beibehält, die sie so anziehend wirkt und Beschützerinstinkte bei Männern auslöst. Verblüffend auch ihr Gitarrenspiel. Ihre Spielhand bearbeitet die Klampfe wie eine Spinne, alle Finger sind permanent in Bewegung, es sieht fast so aus, als würde sie einen Hund streicheln. Da wäre man gerne Hund!

Die zweite Neuheit Swimming Through Stone ist in Paris enstanden. Sie habe immer solch seltsame Träume bei ihrer französischen Bookerin gehabt, was sie sich mit etlichen Veränderungen in ihrem Leben erklärte. Schön zu sehen, daß Träume nicht immer Schäume sein müssen und daraus wunderbare Lieder werden können!

Bewegendster Moment des Abends war aber das Vortragen von Homeopathic. Nachträglich hat sie diese Lied ihrer in diesem Jahr verstorbenen Freundin Ashley Taylor gewidmet, mit der sie gemeinsam bereits auf Tour war. Ich hatte einen Kloß im Hals und fragte mich, warum eine so junge Künstlerin wie Ashley Taylor so früh von uns gehen musste. Wenn ihr diesen herzzereißenden Clip, aufgenommen in einem Gitarrenladen in Rouen anschaut, wisst ihr warum es nicht nur in menschlicher, sondern auch in musikalischer Hinsicht sehr traurig ist, daß Ashley tot ist...

Video Old Magic live




Setlist Declan de Barra:

01: Swan
02: Throw Your Arms Around Me
03: Johanna
04: Curfew/Ghetto 101
05: Leaves In The Autumn
06: Until The Morning Comes
07: Breadcrumb Trail
08: Brightest Star
09: Welcome
10: On And On
11: Beautiful One
12: Apple Tree
13: Diamonds
14: You Will Overcome
15: Red Forests
16: Wind That Snakes The Barley



Setlist Matt Bauer:

01: Water Moccasin
02: Black Snake In The Carport
03: Shelterin Dark
04: You Were Saying Goodbye
05: As She came Out Of The Water
06: Morning Stars
07: The One You Love
08: Carve It Out
09: Don't Let Me Out
10: Florida Rain
11: Rose & Vine



Setlist Mariee Sioux:

01: Friendboats
02: Two Tongues
03: Old Magic
04: Wizard Flurry Home
05: Bundles
06: Swimming Trough Stone
07: Twin Song
08: Tule
09: Homeopathic

10: Flowers & Blood (Z)

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08

Matt Bauer, Paris, 18.04.09
Matt Bauer, Paris, 04.12.08


Declan De Barra, Paris, 09.03.08


- Voire les belles photos de Rod sur le hiboo.com. Mariee Sioux ici
Matt Bauer ici, et Declan de Barra ici
- Sur le hiboo il y a aussi une vidéo sublime de Declan de Barra chantant Throw Your Arms Around Me dans l'èglise de la Madeleine!
Impressionant!


Mittwoch, 3. Juni 2009

Alela Diane, Paris, 02.06.09

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Konzert: Alela Diane (Matt Bauer, Olle Nyman)

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 02.06.2009
Zuschauer: so gut wie ausverkauft
Konzertdauer: ca. 85 Minuten



Parallel zu dem immer größer werdenden Erfolg von Alela Diane kommen die ersten Kritiker und Lästerer aus ihren Löchern gekrochen. War noch im Jahre 2008 die Mehrheit der Folkmusikfans entzückt von der neuen "Queen" dieser Gattung, scheiden sich seit der Veröffentlichung des zweiten Albums To Be Still ein wenig die Geister an der jungen Frau aus Kalifornien. "Ihr Songwriting ist ziemlich flach", maulen die einen, das neue Material ist zu seicht und glatt ausgefallen"", krakelen die anderen und teilweise las man sogar etwas von einer schwachen Kopie von Joanna Newsom, ein Vergleich der fürchterlich hinkt, denn weder die Stimmen der beiden Folkeusen sind vergleichbar, noch spielt Alela Harfe.

Vielleicht nervt einige auch, daß Alela Diane gerade in Frankreich omnipräsent ist und einem aus Modezeitschriften wie der Vogue oder Biba entgegenlächelt. Aber gerade diese Vermarktung außerhalb klassischer Musikpostillen wie den Inrocks, Rock & Folk, oder dem neuen auf Country und Folk spezialisierten Magazin Eldorado, führte dazu, daß heute im Olympia auch junge, trendige Leute auf der Matte standen und nicht nur die üblichen Verdächtigen, bestehend aus altlinken Oberstudienräten mitsamt Gattin, gutmenschelnden Psychiatern und steifen Verwaltunsgrichtern.

Dabei war gerade für junge Leute am heutigen Tage in Paris Etliches geboten. Maximo Park schumpften im Trabendo rum, Snow Patrol versprühten ihre melancholische Seichtheit im Elysée Montmarte, Partrick Watson spielte zusammen mit Sherlock Holmes in der Maroquinerie und Morrissey sollte eigentlich das Grand Rex beehren , sagte aber ab. Die Parallelveranstaltung, die mich abgesehen von Alelas Konzert allerdings am meisten interessierte, war die Kombination aus dem aufstrebenden Franzosen François Virot (die französische Antwort auf Animal Collective, so liest man vielerorts*) und dem famosen Chad VanGaalen.

Viel los also in der Stadt der Liebe, in der zur Zeit auch die offenen französischen Tennismeisterschaften stattfinden. Und da Tennis neben der Musik meine größte Leidenschaft ist, saß ich heute bei brütender Hitze im Stadion in Roland Garros und sah die Matches zwichen Azarenka und Safina und Gonzales und Murray. Eher mäßiges Tennis wurde dort geboten und auf das abschließende Mixed verzichtete ich dann auch, weil ich unbedingt Matt Bauer im Olympia sehen wollte, der für das Vorprogramm von Alela Diane vorgesehen war. Ich hetzte von der Tennisanlage, stieg mit tausenden von schwitzenden Menschen in die überfüllte U-Bahn und hoffte pünktlich im mystischen Konzertsaal zu erscheinen. Aber ich hatte Pech: Obwohl ich schon kurz nach 20 Uhr eintraf, war der hochtalentierte Banjospieler und Sänger schon durch und ich mußte mich mit dem recht zähen Set des Schweden Olle Nyman begnügen. Der Song Don't Let Those Bastards war allerdings richtig gut.

Mit den Vorgruppen ist es ohnehin ein ziemlicher Fluch.Wenn mich mal eine interessiert, wird sie immer sehr früh angesetzt und falls ich es trotzdem zeitlich schaffe (wie neulich bei The Miserable Rich), dann werden diese Künstler entweder durch Abwesenheit eines Großteils des Publikums oder Ignoranz bestraft. Zum Konzert von Matt Bauer, den ich nicht nur wegen seiner natürlich- bescheidenen und hochsympatischen Art, sondern vor allem wegen seiner starken und berührenden Kompositionen verehre, hörte ich nämlich im Anschluß schon wieder nur desinteressierte bis ablehnende Kommentare. Dabei hätte es der glatzköpfige Bartträger sogar verdient, selbst das Hauptprogramm in einer Location wie dem Olympia zu bestreiten! Sein Songwriting ist vortrefflich, sein Banjospiel meisterlich und sein Gefühl atemberaubend!

Ich habe mir deshalb in den Kopf gesetzt, Matt für eine Oliver Peel Session zu gewinnen. Dort wird er auf ein aufmerksames und hochmotiviertes Publikum treffen, so wie er das verdient. Gegen das Konzept "Homeshow" scheint er ohnehin nichts zu haben, noch am Vortage ist er zusammen mit meinen Freunden von Arch Woodman in einem Appartement aufgetreten.

Soviel zum Warm-Up, kommen wir nun zum Star des Abends, Alela Diane. Die erschien mit flottem Kurzharschnitt und hübschem Kleid, zu dem sie wie gewohnt stilechte Cowboystiefel trug. Zunächst performte sie zusammen mit ihrem Dad, dem Gitarristen und Mandolinspieler Tom Menig, den Song Lady Divine und stellte das Christophsche Gesetz kräftig auf den Kopf. Sie fing nämlich mit dem letzten Lied ihres aktuellen Albums an! Ein wunderschöner Song im Übrigen, dieses Lady Divine, sehr lieblich und hoffnungspendend, mit einem herrlichen Pfeifsolo von Alela am Ende.

Dann stieß Matt Bauer mit hinzu und durch das tolle Pluckern des schönen Instruments wurde es gleich noch eine Ecke brillianter. Der Klassiker Tired Feet und das wundervolle Tatted Lace, eine der Perlen des neuen Albums wurden dargeboten und mir war schon zu diesem Zeitpunkt klar, daß ich am Ende ein positives Fazit ziehen würde. Ich wußte wieder, warum ich Alela so verehre! Ich mag ihre Ausstrahlung, ihre Natürlichkeit, ihr Lächeln und vor allem natürlich die feste, stolze und klare Stimme, die heute besonders gut zur Geltung kam. Ich glaube sogar stimmlich das beste Konzert der jungen Amerikanerin gehört zu haben. In diesem Bereich hat sie sich weiterhin verbessert und zeigt kaum Schwächen.

Vorne auf der Bühne gab es also nichts zu bemängeln, aber leider gab es Störfeuer in meinem direkten Umfeld. Zwei junge Mädels, beide höchstens 18 Kahre alt, plauderten unentwegt und nervten damit ungeheuerlich. Ich wollte ihnen sagen, daß sie doch nächstens lieber zu den Kooks gehen sollen, ließ das aber bleiben, weil ich insgeheim froh war, daß auch junges Publikum auf Alela Diane aufmerksam geworden ist und ihre Konzerte besucht. Folkkonzerte erinnern ja oft an Beerdigungen, da wird ernst und andächtig geschaut und keiner sagt einen Mucks. Insofern nicht schlecht, daß das althergebrachte Genre auch einmal ein wenig aufgelockert wird und der Muff von tausend Jahren unter den Talaren weggespült wird. Vor allem aber: der Stimmung tat das gemischte Publikum gut, es herrschte eine ausgelassene Atmosphäre, genau wie bei anderen Indiekonzerten auch und die Pariser Folkszene erfährt nicht nur durch die Künstlerin Alela, sondern auch durch ihr Publikum eine Frischzellenkur.

Die Bühne wurde unterdessen von immer mehr Musikern bevölkert. Matt Bauer war im Mittelteil nicht mehr dabei, dafür gab es aber Verstärkung durch den Schlagzeuger Benjamin Oak Goodman, den permanent posenden Bassisten Tom Bevitori (ob er wohl gerne Mitglied einer Heavy Metal Band wäre? und die stets schüchtern wirkende Alina Hardin. Die junge Sirene hat bereits eigene Lieder veröffentlicht, war aber heute wirklich nur für sehr leisen Backgroundgesang verantwortlich, den man auch auf dem Album hören kann, wenn man seine Öhrchen sehr gut spitzt. Trotz der Mehrzahl an aktiven Musikern, flachte die Stimmung im Publikum ganz leicht ab, weil mit The Alder Trees und To Be Still langsame Stücke kamen, die mehr oder weniger dahinplätscherten. Mit dem Neil Young Cover Heart Of Gold kam dann aber wieder Schwung in die Bude. Alela hatte eingangs erläutert, daß sie während des Primavera Festivals in Spanien die Gelegenheit gehabt hätten, den alten kanadischen Haudegen zu genießen und daß seine Stimme nach wie vor fantastisch sei. Er sei lediglich recht alt geworden, schloß Alela kess schmunzelnd. Das Cover selbst war gut, aber nicht überragend. Mehr Spaß hatte ich persönlich mit dem traumhaften Every Path auf dem Alelas Vater Tom auf das Wundervollste Mandoline spielte, desweiteren mit dem mir live breits gebotenen My Brambles und schließlich mit dem wohl schönsten Stück, The Ocean, das von Alelas Mutter handelte. Und Mutti war sogar extra aus den USA angereist und dabei zum allerersten Mal in ihrem Leben über den großen Teich gekommen! Sogar Großmutti und Tantchen waren anwesend und soviel familiäre Unterstützung ist natürlich rührend und verfehlte auch nicht die herzerweichende Wirkung bei mir. Zumal auch der Text über ihre Mom wirklich naheging : "In spirit she drifted to the oean, all those years of in her mind, the sunset by the sea is in her mind, the sunset by the sea was in her mind." Mit welcher Inbrunst Alea diesen Zeilen dang! Das wühlte auf und mit Oh! My Mama vorm ersten Album The Pirate's Gospel (nach einem vorzüglichen The Rifle) kam 10 Minuten später erneut die Mutter ins Spiel.

Take Us Back wurde schließlich zusammen mit dem Bassisten Tom am Mikro vorgetragen und die beiden tauschten verliebte Blicke aus, die kaum verhehlen konnten, daß die beiden ein Paar sind.

Tosender Applaus und ein Finale, daß sich sehen lassen konnte: Auf Age Old Blue folgte mit The Pirate's Gospel der Überhit des ersten Albums, der der Künstlerin möglicherweise zu den Ohren heraushängt, aber selbst das hüftsteife Publikum in den oberen Sitzreihen zum Tanzen und Mitklatschen verleitete. Das ausgelassene Treiben auf und vor der Bühne sorgte für einen wunderbaren Abschluß eines sehr schönen Konzertes, das mir allerdings nicht ganz die Glücksmomente des legendären Auftritts in der Cigale bescherte.

* Francois Virot spielt übrigens am 11. Juli beim Potsdamer Street Festival





Konzerttermine Alela Diane

3. Juni Mousonturm, Frankfurt
4. Juni München, Ampere

Setlist Alela Diane, Olympia, Paris:

01: Lady Divine
02: Tired Feet
03: Tatted Lace
04. Dry Grass & Shadows
05: White As Diamonds
06: The Alder Trees
07: To Be Still
08: Heart Of Gold (Neil Young Cover)
09: Every Path
10: My Brambles
11: The Ocean
12: The Rifle
13: Oh! My Mama
14: Take Us Back

15: Age Old Blue (Z)
16: The Pirate's Gospel (Z)

- Mehr Fotos von Alela Diane hier



Samstag, 18. April 2009

Matt Bauer & Troy von Balthazar, 17.04.09

6 Kommentare

Konzert: Matt Bauer & Troy von Balthazar (ben
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 17.04.2009
Zuschauer: fast ausverkauft




Die König der Folkmusik war persönlich da! Klar, ich rede natürlich von Alela Diane, die mit ihrem Vater Tom Menig das Konzert ihres ehemaligen Banjospielers Matt Bauer verfolgte und auch genau aufpasste, wie sich ihr Drummer Benjamin Oak Goodman und ihre Begleitsängerin Alina Hardin auf der Bühne machten. Ich war gerade in ein Gespräch am Merchandising Stand vertieft, als die natürliche Schönheit mit ihrem Daddy hereinschneite und Clemence von Zamora Productions, die das tolle Konzert organisiert hatte, per Küßchen begrüßte. Klar, daß da mein Herz höher schlug! Leider gab es aber keinen Gastauftritt von Alela, den ich mir so sehnlich gewünscht hätte, da ich ihre kürzlich stattgefunden drei Konzerte in Paris (Bataclan; Salle de Billards, Olympia, Secret Gig, nur per Gewinnspiel-Glück oder Listenplatz zu genießen; Canal+, Album de la Semaine) allesamt verpasst hatte. Die König schwieg also, aber die Prinzessin, in diesem Falle ihre gute Freundin Alina Hardin sang auf das Wundervollste! Den wunderschönen Titel Crying Wolf trug die hübsche Brünette mit ihren tollen Cowboyboots und der sirenenhaften Stimme ganz alleine vor, bei dem Rest der Songs sang sie gemeinsam mit Benjamin Oak Goodman. Ein hütchentragender Bursche, dessen bescheidene Art mir Respekt abverlangte! Er hatte Alela bei sämtlichen Konzerten tatkräftig unterstützt (Alina auch), erklärte dem Publikum aber lediglich, daß er in den letzten Tagen und Wochen mit "einer" (als sei es irgendeine!) Band auf Tour war und froh sei, hier mal seine Eigenkompositionen, darunter die hübsche Single Yes My Heart vorzutragen. Er erwähnte nicht, um welche Band es sich da handelte. Herrlich tiefgestapelt!

Eine Beschäftigung mit seinem Werk, das natürlich vornehmlich aus ruhigen und reduzierten Folksongs besteht, sei hiermit empfohlen!

Auch der darauffolgende Matt Bauer hat schon oft mit Alela Diane auf einer Konzertbühne gestanden, nun aber konzentriert er sich auf seine Solokarriere. Und ich drücke ihm beide Daumen, daß es denn auch etwas wird mit der Karriere, denn er hat es wirklich verdient! Seine Stimme ist wunderbar warm und rauchig und live fast noch schöner als auf seinen zwei bisherigen Alben und sein Banjospiel selbstverständlich vorzüglich. Aber auch Gitarre spielt er gefühlvoll und filigran, so daß es mir schwerfällt, mich festzlegen, an welchem Instrument er mir besser gefällt. Das hängt natürlich auch von den Songs ab, die allesamt sehr ruhig, traurig und getragen sind. Besonders hervorzuheben sind Don't Let Me Out , Rose And Vine und Florida Rain aber auch der Rest, in der Mehrheit vom vorzüglichen letzten Album The Island Moved In The Storm stammend, war hochkarätig. Lediglich die volle Konzentration ging aufgrund meiner Müdigkeit manchmal flöten. Aber wer sagt, diese Art von Musik sei langweilig, der ist wohl zu sehr von der hektischen, modernen Welt abgestumpft, wo alles immer schnell und laut zugeht. Matt Bauer lehrt uns mit seiner ruhigen Art zuzuhören, abzuschalten und uns zurückzulehnen. Allein schon seine Cowboyboots und seine Blue Jeans weisen den Kalifornier als Fan des ländlichen Amerika mit seinen unendlich weiten Landschaften aus, aber bei ihm ist das sicherlich nicht nur eine Attitüde. Und dies obwohl er heute selbst im hektischen New York lebt...

Matt Bauer, ein Mann, der in sich selbst ruht. Ein Leisetreter, ein Sympath. Und vor allem: ein ganz exzellenter Musiker!

Diese Songs gehörten zur Setlist von Matt Bauer im Nouveau Casino (ohne Rücksicht auf die Reihenfolge)

- As She Came Out Of The Water
- Water Moccasin
- Sheltering Dark
- Don't Let Me Out
- You Belong To Me
- Florida Rain
- Rose And Vine
- Carve It Out
- Blacksnake In the Carport
- Blacklight Horses

Als Letzter war der Amerikaner Troy Von Balthazar an der Reihe. Indiefans kennen ihn noch als Mitglied der Band Chokebore und mit der hatte Troy ausgerechnet im Nouveau Casino sein letztes Konzert gespielt. Als er dies erwähnte kamen Mitleidsbekundungen vom Publikum, aber er winkte sofort: "Oh, it's ok for me, no problem!"

Ein smarter Kerl, dieser Troy von Balthazar, gertenschlank, knackiger Po, markante Gesichtszüge, strahlend blaue Augen und ein diabolisches Lächeln. Die Frauen lieben ihn! Keine Wunder also, daß um mich rum viele Mädchen, in vielen Fällen Amerikanerinnen, standen, die schmachtend auf die Bühne starrten als der Ami loslegte. Er war ganz alleine mit seiner Elektrischen erschienen, auf der in der Mitte ein B (wie Balathazar? Hmm, was sonst!) eingraviert war. Schon bald gab er reichlich Kostproben seiner exzentrischen Mimik und Gestik. Wenn er singt, hat man manchmal das Gefühl, er sei gerade beim Vollzug des Liebesaktes. Wie er sich da so windert und dazu haucht und stöhnt, als käme er gleich.

Um sein Set abwechslunsgreicher zu gestalten, hatte er jede Menge Verstärker dabei und loopte und sampelte, was das Zeug hielt. Dennoch hätte es dem Konzert gut getan, wenn zumindest ein Drummer dabei gewesen wäre, da bei solchen One Man Shows oft irgendwann einen gewissse Monotonie aufkommt. Zum Glück hatte er aber einige wirklich gute Songs im Gepäck, die für Kurzweil sorgten. Dots and Hearts ganz am Anfang war zum Beispiel bereits ziemlich toll, wenngleich mir ein wenig die Frauenstimme (Adeline Fargier, eine Französin) fehlte, die auf der CD sinnlich mitzwitschert. Auch das nachfolgende I Block The Sunlight Out gehörte zu den Highlights. Ein pluckernder Elektrobeat leitete in diesen Schmachtfetzen ein, auf dem Troy mal wieder wie der traurigste Mensch der Welt singt. Ein tolles Stück, irgendwo zwischen Sparklehorse und Elliott Smith zu verorten, was ja wahrlich nicht die schlechtetsetn Referenzen sind. Einige Male wurde ich aber auch an John Lennon erinnert, ohne die peacige Note allerdings, die Zeiten haben sich eben geändert! Und jeder wird älter, auch Troy von Balthazar, obwohl ich ihm nicht abnehme, daß er 53 Jahre alt ist, wie er scherhaft behauptete, nachdem er nach einem Song gebten wurde, an dessen Lyrics er sich nicht mehr erinnern konnte. Stattdessen spielte und hauchte er sich durch Valentine, einem Lied mit starker Sogwirkung, bei dem er gekonnt Halleeffekte einsetzte und relativ abrupt abbrach, um Day Of Nothing hinterherzuschieben, das mich - nicht lachen! - ein wenig an die Melancholie und Sentimentälitat von Nothing Else Matters von Metallica erinnerte, aber auch erneut viel von der suizidalen Schwermut eines Elliott Smith hatte.

Der größte Kracher kam aber am Ende des regulären Sets, in dessen Verlauf Troy wie schon beim letzten Mal als ich ihn gesehen hatte, eine Bunny Maske aufgesetzt und damit für Schmunzler gesorgt hatte. Heroic Little Sisters hat eine unwiderstehliche Gitarrenmelodie (fast wie in der Frühphase von The Cure!) zu der man so richtig schön mitschmachten kann. Für mich ganz klar das beste Lied des Konzertes, das auch noch 3 Zugaben bereithielt.

Troy von Baltahzar kann ich letztlich jedem empfehlen. Ein exzentrischer Typ, aber auch ein großartiger Songwriter und Interpret. Hingehen, wenn er nach Deutschland kommt!

Konzerttermine Troy Von Balthazar:

14. Mai. 2009: Orangerie, Brüssel, Les Nuits Botaniques
04. Juni 2009: Lovelite, Berlin
06. Juni, Studio der Schaubühne, Berlin
03. Juli: Schokoladen, Berlin



Setlist Troy Von Baltahzar, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Rainbow
02: Dots and Hearts
03: I Block The Sunlight Out
04: Communicate
05: Took Some $$
06: Valentine
07: Days Of Nothing
08: My Diamond Brain
09: Right Woman
10. Bunny dance about being hurt
11: Heroic Little Sisters

12: Playground
13: Real Strong Love
14: Wings

Links:

Videos Troy von Balthazar: Heroic Little Sisters live @ Nouveau Casino, Paris, Valentine/Days Of Nothing




Freitag, 5. Dezember 2008

Matt Bauer, Frightened Rabbit, Departments Of Eagle, Paris, 04.12.2008

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Konzert: Matt Bauer, Frightened Rabbit, Departments Of Eagle

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 04.12.2008

Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Matt Bauer: 30 Minuten, Frightened Rabbit 40 Minuten, Departments Of Eagle 50 Minuten




Matt Bauer scheint Paris zu mögen. Seitdem ich den deutschstämmigen Mann mit der Glatze und dem Vollbart als Banjospieler bei dem wunderbaren Konzert von Alela Diane in der Pariser Cigale kennengelernt habe, lässt er sich immer mal wieder in der Stadt der Liebe blicken. Ob es an den hervorragenden französischen Weinen liegt, die seine Weggefährtin Mariee Sioux kürzlich in einem MySpace-Bulletin überschwenglich lobte? Oder den über 300 (wahrscheinlich vielmehr, man weiß die genaue Zahl nicht!) Rohmilchkäsen, die nur in sehr begrenztem Umfang in die USA importiert werden? Oder den schönen und stilvollen französischen Frauen? Alles nicht auszuschließen, wahrscheinlicher ist aber, daß es mit der Booking- Agentur Zamora Productions zusammenhängt, die nicht nur Matt Bauer, sondern auch Mariee Sioux und Hanne Hukkelberg betreut. In Zusammenabeit mit dem vorzüglichen Label Fargo hat es Zamora Productions verstanden, hervorragende amerikanische Folkkünstler zu promoten und Spielstätten für sie zu organisieren. Star bei Fargo ist ohne jeden Zweifel Alela Diane, aus deren Schatten Matt Bauer nun langsam treten will. Kurz nach seiner Show mit der immens erfolgreichen Kalifornierin trat er auch solo zum ersten Mal in Erscheinung und spielte am 20. Aril 2008 in der kleinen Belushi's Bar.

Nach Gigs in Kanada und den USA kam er im November nach Frankreich zurück, trat zusammen mit Mariee Sioux im nordfranzösischen Lille auf, begleitete erneut Alela Diane während ihres Gigs im Pariser Olympia beim Festival des Inrocks und gab noch am gleichen Abend zu vorgerückter Stunde ein Konzert im Pop In zusammen mit den wunderbaren Franzosen Rum Tum Tiddles.

Letzten Sonntag ging es für ihn im Lucernaire weiter und am 3. Dezember zeigte er sein Können im atmosphärischen Café Charbon, das gleich neben dem Nouveau Casino liegt. Heute schließlich der letzte Paris- Termin für den sympathischen Mann mit den stahlblauen Augen, leider aber nur im Vorprogramm und entsprechend kurz. 30 Minuten wurden ihm in der Maroquinerie eingeräumt und davon verpasste ich auch noch die Hälfte, weil mir mein Bus 96, der den steilen Berg die rue menilmontant hochtuckert, vor der Nase weggefahren war. Sehnsüchtig schaute ich dem davonbrausenden Bus hinterher und wußte, daß ich zu spät kommen würde. Mist!!

Aber auch so konnte ich mir ein gutes Bild von der schönen, leicht rauchigen Stimme und dem spärlichen, aber gekonnten Gitarrespiel von Matt Bauer machen. Sein Banjo, mit dem er die ersten Lieder bestritten hatte, war leider schon bei Seite geräumt und lehnte einsam an den Backsteinmauern der Maroquinerie. Eines der verpassten Stücke war Sea Lion Woman, ein Titel, den auch Feist und Alela Diane im Programm haben, der aber weder von der einen noch der anderen stammt, da es sich ganz einfach um ein traditionelles Lied, ein sogenanntes Traditional, handelt. Ein bluesiger Song, dieses Sea Lion Woman, den man auf dem Minialbum Wasps and White Roses finden kann, das in Amerika bereits 2006, in Europa aber erst 2008 in die Läden kam. Neben Sea Lion Woman spielte Matt auch noch ein weiteres Lied von Wasps and White Roses und zwar Carve It Out. Der ganze Rest war Material von dem Neuling The Island Moved In The Storm, auf dessen Cover Mister Bauer eine ertrunkene Frau aus dem Wasser trägt (ob sie noch lebt oder nicht, ist nicht überliefert).

Hat Matt also die Kraft, Leben zu retten? Hmm, wahrscheinlich nur in begrenztem Maße, er ist ja schließlich nicht Jesus, obwohl er mit seinem Rauschebart fast so aussieht. Allerdings kann er Trost spenden, mit seinen ruhigen und warmen Liedern, die trotz der melancholischen Atmosphäre nicht düster sind. Ich habe die Viertelstunde mit dem sanftmütigen Künstler jedenfalls sehr genossen und kann nur jedem seine zwei Alben und einen Konzertbesuch empfehlen, wenn er 2009 wieder nach Europa kommt. Nächstes Jahr dürfte er deutlich bekannter werden und aus dem Schatten von Alela Diane und Mariee Sioux zumindest ein wenig heraustreten, da bin ich ganz sicher, denn allein das abschließende Don't Let Me Out war so berührend, daß man schon ein Herz aus Stein haben muß, um sich nicht von solch profunder Schönheit erweichen zu lassen. Am besten man legt sich The Island Moved In The Strom unter den Weihnachtsbaum, die Songs empfehlen sich ganz besonders für die besinnlichen Tage und klingen allemal besser als O(h) Tannenbaum oder Oh Du Fröhliche!

Im Anschluß ging es mit den Schotten Frightened Rabbit stürmischer zu. Die bärtigen und zum Teil etwas kräftigeren Burschen, hätten eigentlich schon vor ein paar Wochen an gleicher Stelle auflaufen sollen, aber da fielen sie - als Headliner gebucht - aus mir nicht bekannten Gründen aus. Vor kurzem gab es dann eine neue Gelegenheit die Band unter die Lupe zu nehmen, als sie in Paris im Vorprogramm von Death Cab For Cutie auftraten, da war ich allerdings mit einer Oliver Peel Session bei mir zu Hause über beide Ohren beschäftigt!

Heute aber gab es kein Entrinnen für die verängstigten Hasen (Frightened Rabbit, übersetzt man das so?), die Tür war zu und die Karnickel wären schnell wieder eingefangen worden. Statt Hasen erblickte ich aber zu meiner Belustigung Nessie, das legendäre Ungeheuer aus dem Loch Ness, welches das T-Shirt des schlaksigen Keyboarders zierte. "Witzig, da war ich auch schon", dachte ich mir und war kurzfristig mit meinen Gedanken bei einer unserer beiden wunderbaren Schottland-Reisen. Die Weite und urwüchsige Schönheit dieses grünen Landes hatten es mir und meiner Frau außerordentlich angetan und auch an die offenen und gastfreundlichen Menschen hatten wir sehr gute Erinnerungen. Am tollsten war ein schottischer Herbergsvater, der sein kleines Häuschen als Bed & Breakfast vermietete und uns schon frohgelaunt mit einer Whiskey-Fahne begrüßte. Seine gute Stube war voller Nippes und kleinen Dekofigürchen - grauenvoll kitschig- aber er war so liebenswürdig und authentisch, das wir spontan entschieden, zu bleiben. Wir sollten es nicht bereuen. Er zauberte uns am nächsten morgen, das beste und ausgiebigste Frühstück, das wir je genießen durften. Zunächst legte er mit Porridge los, dann haute er unzählige Eier, Speck, Tomaten und Champignons in eine Pfanne und zum Schluß wollte er uns noch mit Pancakes beglücken (wir lehnten dankend ab, denn es wäre unhöflich gewesen, alles der Toilette zurückzugeben). In allen Details schilderte er uns dann, wo wir überall hin müssten, welche Sehenswürdigkeit es noch so gäbe und wo genau das beste schottische Wasser für den vorzüglichen Whiskey flösse. Das Ganze war unglaublich preiswert, - wir dürften nicht mehr als umgerechnet 20 Euro für Übernachtung und Frühstück bezahlt haben- und stand in krassem Gegensatz zu dem kühlen Empfang und den gepfefferten Preisen, die wir zuvor in London erlebt hatten.

Menschliche Wärme, ja das war es, was er uns bot, dieser hochsymphatische schottische Gastvater, dem seine Frau wahrscheinlich weggelaufen oder früh verstorben war. Konsequenterweise sangen Frightened Rabbit dann in ihrem Song The Twist dann auch von " I need human heat", als wäre dies ein Grundbedürfnis von Schotten. Aber wer braucht sie nicht, die menschliche Wärme in diesen anonymen (Highlight des Tages oft: eine neue Freundschaft bei MySpace, mit Leuten, die man nie in seinem Leben wirklich kennenlernen wird) und krisengeschüttelten Zeiten? Auch in ihrem abschließenden Hit Keep Yourself Warm ging es erneut um diese Wärme. "You won't find love in a hole , it takes more than fucking someone to keep yourself warm", sang Bandleader Scott Hutchison voller Inbrust und klang dabei am Anfang als er sein Falsett einsetzte, ein wenig wie Jónsi, der Sänger von Sigur Ros. Ansonsten aber waren vielmehr Ähnlichkeiten mit Okkervil River festzustellen, desweiteren auch mit Aracde Fire, My Latest Novel und den Decemberists. Im Grunde genommen klingen Frightened Rabbit nach amerikanischem Collegerock mit schottischem Akzent. Keine schlechte Mischung wie ich finde und die Kumpels der von mir ebenfalls geschätzten The Twilight Sad dürfen gerne wiederkommen und ihre melancholischen Geschichten, die irgendwo in der Weite der einsamen schottischen Landschaften entstanden sind, zum Besten geben.

Seit dabei, wenn die Jungs nach Deutschland kommen und wie heute euphorisiernde Songs wie The Modern Leper, I Feel Better oder Old Old Fashioned schmettern!

Auch Department Of Eagles, die Band aus Brooklyn, die heute den musikalischen Abend beschloß, kann ich empfehlen, obwohl ein paar meiner Freunde und Bekannten hinterher äußerten, sich gräßlich gelangweilt zu haben. Vielleicht muß man sich, wie ich, zuvor mit der Band Grizzly Bear beschäftigt haben, um die Musik der Department Of Eagles zu mögen. Zu Grizzly Bear besteht nämlich eine sehr enge Verbindung, denn Daniel Rossen, der Department Of Eagles zusammen mit Fred Nicolaus während seiner Studienzeit an der New York University gegründet hatte, schrieb Songs, sang und spielte Gitarre für Grizzly Bear während ihrer Tour für das famose Album Yellow House. Fred ging in der Zwischnezeit einem 9 to 5 Job nach, aber irgendwie fand man dank moderner Kommunikationstechniken die Zeit, Stücke für das zweite Album (das 2003 er Debüt hieß The Cold Nose) In Ear Park fertigzustellen. Gut so, denn die Lieder sind voller schöner Melodien und Chorgesänge und zu dem beatlesken No One Does it Like You sang auch Sigrid, ein Mädchen, das zum Blogotheque- Umfeld gehört, laut mit. Die Blogothèque? Was is'n das? Das sind die Typen, die aufstrebende Bands immer auf der Straße oder in Hinterhöfen abfilmen und logischerweise auch schon mit Department Of Eagle gearbeitet haben. Das Ergebnis dieser Session kann man hier sehen.

Die Blogothèque ist immer an sehr spannenden Bands dran, DOE bilden da keine Ausnahme! Wunderschön das gefühlvolle Zusammenspiel von elektrischer und akustischer Gitarre, die glänzenden Harmonien, die warme, zeitweise an Scott Matthew erinnernde Stimme von Daniel Rossen. Keine Frage, ich habe dieses Konzert genossen, obwohl Daniel immer wieder sich selbst kritisierte, sich oft als sehr unprofessionell bezeichnete und sich wunderte, daß das Publikum am Ende noch eine Zugabe wollte: "That's nice of you, after all what happened before!", murmelte er schmunzelnd. Dies schien mir auch kein "fishing for compliments" zu sein, ich glaube wirklich, daß er mit seiner Leistung -völlig zu Unrecht - nicht ganz zufrieden war.

Ich persönlich bleibe auf jeden Fall bei Department Of Eagles am Ball. Das Gleiche gilt für Matt Bauer und Frightened Rabbit. Ein gelungener Konzertabend!

Setlist Matt Bauer. La Maroquinerie, Paris:

01: Rose & Vine
02: Florida Rain
03: Sealion Woman
04: Blacksnake In The Carport
05: Carve It Out
06: As She Came Out Of The Water
07: Don't Let Me Out

Links:

- Das Klienicum war bei Matt Bauer auch schon wieder früh dran. Hier der Beweis!





 

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