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um
13:30
Konzert: Weezer
Ort: Köln, E-Werk
Datum: 16.10.2017
Dauer: 80min
Zuschauer: ca. 1.800 ausverkauft
Das Weezer innerhalb von zwei Jahren noch einmal in Europa touren würden, war wohl wirklich nicht zu erwarten. Über den enttäuschenden Auftritt 2016 in Amsterdam hatte ich damals berichtet (s. Archiv) und hätte auch keine weitere Energie in erneute Reisen investiert, wäre die Ankündigung für ein Konzert in Köln nicht zeitlich mit dem wachsenden Interesse meines Sohnes an Weezer kollidiert.
Da kann man als Vater natürlich nicht Nein sagen. Musikalische Früherziehung ist wichtig, bevor diese von Cloud-Rap hörenden Schulkollegen übernommen wird. Also auf zum ausverkauften E-Werk.
Wie fast immer stehen nur eine Handvoll Konzerte in Europa an. Die neue CD ist noch nicht erschienen und so war wieder die große, alte Ladung an Hits zu erwarten. In diesem Punkt sind Weezer ja echte Dienstleister. Sperrige B-Seiten oder andere Quertreiber und Stimmungskiller stehen bei Sänger Rivers Cuomo nicht hoch im Kurs.
Und so startet der Set nach der neuen (wirklich guten) Single "Mexican Fender" auch mit viel altbekanntem, das aber heute wenigstens mit der nötigen Begeisterung und Spielfreude präsentiert wird.
Keine Ahnung, was da letztes Jahr in Amsterdam los war, heute erlebt man Weezer, so wie es sich gehört. Voller Ironie, Harmoniegesängen und sägenden Rock-Gitarren die sich mit fröhlichen Surfsounds abwechseln.
Dazu ein Sänger, der wohl bei seiner erneuten QE2-Überfahrt noch eine Stunde "Deutsch mit Babelfish" konsumiert hat. Immer wieder versucht er sich in deutschen Ansagen, zur Freude des stimmgewaltigen und bestens aufgelegten Publikums.
Mitten im Set wird die Stimmung immer ausgelassener, ein mit Cuomo`s Namen bepflocktes Orginal-FCKöln-Trikot fliegt auf die Bühne und wird vom Sänger eher skeptisch betrachtet.
Dann folgen (für Weezer) obskure Coverversionen. "Hey Ya!" von OutKast kann Rivers in den hohen Passagen überhaupt nicht singen, warum er dann ausgerechnet diesen Song auswählt, bleibt sein Geheimnis.
Viel besser dagegen die akustische Version von "I took a pill in Ibiza", die nathlos in "Island in the sun" übergeht. Das passt. Als Zugabe dann leider nur noch ein langen "Say it ain`t so", aber eigentlich ist auch alles gesagt.
Rivers verabschiedet sich mit einem, vom Publikum nicht verstanden "oans zwoa g`suffa" und kündigt für bald neue Termine in Europa an. Ob damit eine Hallentour des neuen Albums oder endlich die Rückkehr zu den großen Festivalbühnen gemeint ist, bleibt unklar.
In dieser erstarkten Form wären Weezer, als selten gesehene Gäste, dort sicher ein heißer Kandidat für die zuständigen Booker.
um
18:24
Konzert: Weezer
Ort: Amsterdam - Heineken Music Hall
Datum: 08.04.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: ca.2500
Die Vorfreude war groß. Weezer auf "unserem" Kontinent. Das hat Seltenheitswert. Sänger Rivers Cuomo würde seine latente Flugangst in der Reihe seiner zahllosen Neurosen wohl eher in die hinteren Ränge verbannen, für Fans der Band in Europa war das Problem aber immer elementar.
Und so blieb mir 21 Jahre lang nur die schwache Erinnerung an einen kalten Abend in Köln 1995, wo Weezer damals als dritte Band weit nach Mitternacht im Luxor die Bühne betraten und nach ca. 35 Minuten wieder verschwanden.
Für die Band war die Konzentration auf die USA dem Erfolg nicht abträglich, im Gegenteil. Durch fast jährliche Tourneen und konstante Hits (trotz manch schwächerem Album) wurden bis heute dort allein mehr als 10 Millionen CD`s verkauft.
Es kann halt nicht jeder Quarterback oder Cheerleaderin werden. Die Musik von Weezer als Sammelbecken für alle vermeintlichen Nerds und Verlierer hatte immer wieder neuen Zulauf.
Rivers Markenzeichen war schon immer der "König der Nerds". Seit dem ersten (blauen) Album trat er mit Hornbrille und unmöglichen Klamotten auf, stilisierte seine Welt in den Videos der Band weiter und war trotzdem noch so clever dazu die zeitloseste Musik zu spielen die möglich war.
Eine Mischung aus Poser-Rock (Kiss) und den Melodien der Beach Boys als Teenie Pop zu verpacken hatte vor ihm noch keiner geschafft.
Da auch keine Band das Erbe wirklich antreten wollte, machten sie einfach immer weiter. Variiert wurde am Sound wenig und wenn, gingen die Verkaufszahlen meist schnell abwärts.
Jetzt also Amsterdam, immer eine Reise wert – vor allem im Frühjahr, und die Heineken Music Hall sprach auch nicht gegen einen Besuch. Hier finden nach den Konzerten immer noch nette After-Show Partys für alle statt. Das alles in einem museumsartigem Raum mit riesiger hoher Decke . Ein netter Zug im Vergleich zu manch deutscher Halle, wo man schon mit der Zugabe von der freundlichen Security aus dem Laden gedrängt wird.
Als Support wurden Dinosaur Pile-Up verpflichtet, vermutlich deshalb, weil sie selber Weezer als Vorbilder in Interviews nannten. Das reicht aber leider nicht, wenn das eigene Songmaterial mehr als mau ausfällt. Eine lasche Nirvana-Kopie die wenig zu bieten hat.
Danach wird fleißig umgebaut, das Weezer –W- glüht und unter dem Mikro werden Unmengen von riesigen Zetteln für Rivers festgeklebt. Die neuen Texte sitzen wohl noch nicht so richtig, oder einfach eine weitere Schrulligkeit des Meisters. Um mich herum tratscht halb Europa: Spanier, Italiener sind in Klassenstärke auszumachen, ich bin wohl nicht der einzige der auf Tour-Entzug der Band war.
Das Licht geht aus und die vier betreten die Bühne. Schnell wird klar, der Sound ist heute erschreckend schwach. Außerdem steht Brian Bell an der Gitarre konstant im Dunkeln, kann aber auch Absicht sein. Viel mehr passiert sowieso nicht. Rivers wirkt extrem fahrig. Andere Auftritte im Netz aus 2015 sehen da ganz anders aus, ich musste nach dem Konzert direkt mal nachsehen.
Trotz des besonderen Abends, die Band hat vorher nur 2 Konzerte in England gespielt, und einer tollen Setlist will einfach der Funke nicht überspringen. Es gibt viel aus dem "blauen" Album, die Befürchtung dies könnte ein Album-Release Konzert werden, bleibt aus. Doch sind gerade die neuen Stücke fast die Highlights des Abends.
Das neue "weisse" Album ist auch wirklich gelungen, im Vergleich zu manchem Vorgänger.
"Do you wanna get High" und "L.A. Girlz" sind jetzt nicht gerade originelle neue Songtitel, aber das hatten wir ja schon. Viel schlimmer ist, wie schlontzig mit dem alten Material umgegangen wird. Kraftlose Versionen gibt es da zu hören, aber am meisten liegt es an Rivers selber. Das sein Gitarrenspiel wie eine Mischung aus Autismus und Brian Wilson ausschaut ist Masche, die meiste Arbeit überlässt er sowieso dem "Schattenmann" Bell, aber die Gesten wirken müde.
Das ist besonders schade, da die Setlist wirklich kaum Wünsche offen lässt. "My name is Jonas" und "El Scorcho" schon früh im Set. Ein tolles "Cleopatra" von der vorletzten CD und "Undone" vor der Zugabe, "Beverly Hills" und natürlich "Buddy Holly" als Rausschmeißer.
Nach 75 Minuten ist Schluss und ich bin erstmal enttäuscht. Etwas mehr Schwung und Freude hätte ich mir außerhalb des üblichen US-Tourplans erhofft, aber vielleicht war ich da auch der Einzige.
Viele verließen die Halle mit glücklicheren Gesichtern als ich, vielleicht auch froh, die Band überhaupt noch einmal gesehen zu haben. Ob das für mich reicht, nochmal so eine Reise zu unternehmen kann ich noch nicht beantworten.