Posts mit dem Label Best Kept Secret Festival werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Best Kept Secret Festival werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 2. Juli 2019

Best Kept Secret Festival 2019, Tilburg, Tag 2, 01.06.2019,

0 Kommentare

Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 31.05.-02.06.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: unterschiedlich wg. Tageskarten



Der zweite Tag beginng mit einer schönen Tradition niederländischer Festival. Es gibt eine öffentliche Live-Session des Senders 3voor12. Ohne Gewinnspiel o.ä., jeder ist willkommen, nur frühzeitiges Erscheinen ist wichtig. Diesmal spielen am Samstag die Niederländer von Feng Suave auf.



Wer sie noch nicht kennt: eine fabulöse Liveband mit viel Improvisation und Können. Psy-Pop könnte es sein, schwer zu beschreiben, daher hier der Link zur Session. 

Feng Suave - Best Kept Secret - Session / 3voor12

Ich finde die Songs wirklich erfrischend und gelungen. Danach schnell weiter im Laufschritt, schließlich heisst die nächste Band ja Sports Team. Die Bandmitglieder sehen allerdings selber wenig sportlich aus, als sie auf die riesige Zeltbühne stolpern. 

Mit ihren komischen Klamotten, die fast an Verkleidungen erinnern, sehen sie schon sehr eigenartig aus. Doch schnell verfliegt dieser Effekt, denn was Sänger Alex Rice veranstaltet, ist noch viel irrer. Auch wenn das Ganze oft nach einer Pavement-Coverband klingt (dabei stammen Sports Team aus England), ist die Band neben den Fountains D.C und Black Midi wohl der beste Newcomer des bisherigen Jahres.



Witz und Ironie verbreiten sie jedenfalls reichlich. Alex Rice scheint seine Tabletten heute nicht genommen zu haben, keine Sekunde steht er still, die anderen Grinsen ebenfalls während des ganzen Auftritts um die Wette. Die Songtitel heißen "Ashton Kutcher oder "Winter Nets". Auch die besseren Zeiten von Weezer scheinen oft musikalisch durch, bitte unbedingt ansehen.

Sports Team spielt außer beim Reeperbahn-Festival in Hamburg nur noch beim wunderschönen, kleinen Misty Fields Festival in den Niederlanden (07.09.2019), kurz hinter der Grenze. 

Misty Fields Festival 2019

Am Nachmittag gibt es dann im kleineren Zelt einen Indiemix der weiblichen Art: Hintereinander spielen dort Lucy Dacus, Snail Mail und Alouis Harding auf.



Lucy Dacus kommt direkt aus dem Flieger, Instrumente gibt es auch keine, also erstmal ein ungeplanter, spontaner Acoustic-Gig. Als dann die Band und Gitarren 30 Minuten eintreffen war das Publikum um einen außergewöhnlichen Auftritt reicher. 

Über Snail Mail auf der Bühne wollen wir nichts Schlechtes mehr schreiben, also lassen wir das dann auch. Alouis Harding wirkt ja immer etwas neben der Spur, verhuscht und träumerisch, oft auch etwas unnahbar. Ihre sehr ruhigen Stücke können im proppevollen und heißen Zelt ihre Wirkung leider nicht voll entfalten.

Daher weiter zu Death Grips, die sich wie immer durch ihr Programm prügeln, als wären The Prodigy eine Schnulzenband gewesen. In seiner Konsequenz ein toller Auftritt, aber 60 Minuten werden da schon lang. 

Cigarettes after Sex wäre jetzt das komplette Kontrastprogramm, aber Essen muss der Mensch und Blogger ja auch mal. Besonders vor Kraftwerk kann eine warme Mahlzeit ja nicht schaden, Bassgewitter mit leerem Magen ist doppelt anstengend. 



Wie da die vier Keyboards in der Umbaupause verloren auf der Bühne stehen ist schon toll. Mehr Reduktion geht einfach nicht. Sobald es losgeht muss man den ewigen Retrocharme der 3-D Show schon mögen, ansonsten wirkt es im Vergleich zu heutigen Produktionen schon sehr antiquiert.



Zum Glück ist der Sound heute fantastisch, nicht zu laut, nicht zuviel Bass, dazu der Sonnenuntergang am See. Ein traumhaftes Bild. Besonders die jüngeren holländischen Besucher lauschen mit andächtigem Schweigen den "Robotern" auf der Bühne. Solche Legenden sieht man halt nicht alle Tage auf Festivals. 

Ein tolles (Kurz-)Wochenende geht zu Ende, den Sonntag habe ich mir dieses Jahr gespart. Bleibt abzuwarten wie sich die Festivallandschaft weiter entwickelt. Das BKS ist weiterhin jeden Besuch wert und wird sich jeder Veränderung stellen. 


Donnerstag, 27. Juni 2019

Best Kept Secret Festival, Tilburg, Tag 1, 31.05.2019

0 Kommentare

Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 31.05.-02.06.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: wg. Tageskarten unterschiedlich



Freitag: Wie viele andere Festivals in diesem Jahr hatte auch das Best Kept Secret keinen Freibrief für ein "Ausverkauft" Schild am Eingang. Die Zeiten des ewigen Wachstums, sowohl was die Festivals selber, als auch deren Anzahl angeht, scheint lange vorbei. 

Wem es nicht gelingt, innovative Headliner, besondere Orte oder eine Nische zu besetzen, wird es in Zukunft schwer haben. So bleiben die Einschnitte für das BKS dieses Jahr noch minimal, die Infrastruktur und der damit verbundene, reibungslose Ablauf am sonnigen See haben halt immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. 

Die Headliner des Jahres 2019 wurden mutig ausgewählt. Bon Iver, der seit 10 Jahren kein Festival in den Niederlanden gespielt hatte, Kraftwerk als Ikone immer willkommen, und Christine and the Queens als Act der Gegenwart und Zukunft. 



Zu Beginn tritt aber am Freitag die immer noch unglaublich jung wirkende Julien Baker auf die Zeltbühne "Two". Diesmal stimmig begleitet von einer Geigerin. Wie immer mit vielen getragenen Songs im Gepäck und einer fantastischen Gesangsleistung (Julien variiert ihre Stimmlautstärke, indem sie immer wieder am Mikro vor-und zurückweicht). Ein sehr schöner, da intensiver Start in den Tag.


John Grant wirkt danach zwar wesentlich spielfreudiger mit seiner großen Band, aber seit seinem tollen Album "Queen of Denmark" habe ich ihn leider etwas aus den Augen verloren, und ehrlich gesagt, gefallen mir die neuen, discoartigen Klänge live auch nicht besonders. 

Primal Scream machen auf der Hauptbühne am frühen Abend alles richtig. Schön laut ist es, und alle Hits fliegen über den Strand. Alleine der Start mit einem druckvollen "Movin on up" und später eine Endlosversion von "Rocks" und "Kill all hippies", so sollte eine Festivalshow aussehen. 



Dann einer meiner besonderen Lieblingsbands: Spiritualized. Was Spaceman und seine diversen Mitstreiter (incl. der obligatorischen Chordamen) auf die Bühne zaubern ist wie immer genial und schwankt zwischen überbordenden Melodien und völliger Zerstörung. 

Leider macht Spaceman heute mal wieder was er will und beginnt mit vier Hits, um danach sechs Songs des neuen Albums zu präsentieren. Dadurch verliert der Set seine Dynamik völlig und geht am, zum Teil jungen, unkundigen Publikum vorbei. So schön es für mich war, auf der Hauptbühne bei Sonnenlicht war dieser Auftritt deplatziert. 



Trotzdem, "Come Together", "Shine a light" und "Soul on fire" überhaupt noch einmal live zu hören, immer wieder ein Erlebnis. Auch wenn Spaceman seinen Stuhl nicht ein einziges Mal verlässt oder sich an das Publikum wendet. Das hatte schon Dylan-Format.



Genau das Gegenteil versuchte dann Bon Iver als Headliner. Es schien, als würde er jede musikalische Anstrengung mit dem Publikum teilen wollen. Alles wirkte so schwer und mühsam arrangiert. Der Eindruck: Hier wird Musik erarbeitet und nicht wie bei Spiritualized als Fingerübung, mit fast schlampiger Leichtigkeit zelebriert. Von Bon Ivers Auftritt bleibt emotional kaum etwas hängen, da er selbst keinerlei Spaß auf der Bühne zu haben scheint, obwohl er andauernd ins Publikum lächelt. 


Erst die Zugabe, wer hätte es anders erwartet: "Skinny Love" ist wirklich ein Ereignis. Wie dabei 25.000 Kehlen mitflüstern und er die Spannung über den Platz zieht, erst jetzt zeigt er endlich seine musikalische Klasse. Die Show bläst dabei alles noch viel größer auf, als es zu sein scheint. 

Sah aus wie Headliner, war aber keiner. Danach noch ein paar Minuten bei DJ Koze vorbeigeschaut. Alle tanzen und haben Spaß, so kann es halt auch funktionieren.


Montag, 10. Juli 2017

Radiohead, Best Kept Secret Festival 2017, Tilburg

2 Kommentare

Konzert: Radiohead
Ort: Ferienpark Beekse Bergen, Tilburg
Datum: 18.06.2017
Dauer: 130min
Zuschauer: 25.000 ausverkauft


Thom Yorke tanzt. Er windet sich in seiner Rumpelstilzchen-Art über die Bühne. Fast sieht es so aus, als würde er sich mit seinem Mikrofonkabel selber fesseln, so wild dreht er sich im Kreis, bis er sich plötzlich spontan das Haargummi vom Kopf reißt und nun endgültig wie ein wilder Indianer ausschaut. 

Selten waren die Erwartungen an ein Konzert höher. Radiohead spielten beim Best Kept Secret ihre erste Festivalshow in den Niederlanden seit 2001. Am Morgen wurde noch, nach Öffnung des Geländes, drei Stunden an der Bühne gefeilt. 

Unzählige, riesige Variospots und Leinwände wurden an die Bühnendecke montiert. Die Spielzeit im Programm war mit 150 Minuten nach hinten komplett offen, alles war vorbereitet. 

Aber bevor es auf der Hauptbühne losgeht war noch ein andere Höhepunkt zu bestaunen. Jonny Greenwood begleitete sein Projekt "Junun" aus indischen Musikern eine volle Stunde an der Gitarre. 


Und was war das bereits für ein Konzert. Die Musiker marschieren gleich zu Beginn durch das komplette Zelt, mit Pauken und Trompeten. Ein wahnsinniges Orchester bot sich da, gewandelt in traditionellen Gewändern, entfachten sie einen Rausch an Rhythmus und Leidenschaft.

Greenwoods Beiträge hielten sich, anders als bei Radiohead, dezent im Hintergrund. Viel toller war sein Lächeln auf der Bühne zu beobachten. Die meiste Zeit saß er, enspannt mit den Haaren wedelnd, auf einem der Teppiche am Boden und genoss das wilde Treiben auf der Bühne. 

Junun - Trailer Funkhaus Berlin 2016

Die letzte Umbaupause vor dem Headliner. Hier im Sand neben dem See lässt sie sich prima bei einem netten Plausch mit zwei extra angereisten Schotten verkürzen. Dann glüht die Leinwand vor, erlischt wieder und Radiohead betreten die Bühne, bewaffnet mit diversen Xylophon-Klöppeln.

Daydreaming eröffnet den Abend, und welche andere Band könnte ein so lang ersehntes Konzert mit einem so traumhaft ruhigen Stück beginnen ?


Es perlt aus den Boxen, ganz leise und soviel schöner als auf CD ist das Arrangement. Überhaupt wird es an diesem Abend eine Vielzahl von Songs geben, die so perfekt umgebaut wurden, wie man es von der Band bisher nicht kannte.

Alle Balladen wirken ruhiger und klingen runder und vollendeter als je zuvor. Natürlich haben Radiohead ihr Werk bei jeder Tour einer Bearbeitung unterzogen, aber irgendwas ist heute anders.

Natürlich gibt es den gewohnten Mix aus Songs die die Band spielen möchte und denen, die das Publikum am liebsten hört. Aber auf der Bühne ist eine Veränderung erkennbar. 

Yorke scheint auf dieser Tournee zum ersten Mal wirklich Spaß zu haben, hat sich mit alten Klassikern anscheinend versöhnt, singt sie nicht mehr abfällig oder extra schludrig, nur um sein Ego zu beruhigen.

Vielleicht waren es die Schicksalsschläge der letzten Jahre, seine Ex-Frau verstarb nach einer Krebserkrankung, oder auch die Mílde des Alters. Den Fans soll es egal sein, hier erlebt man Radiohead endlich wieder als traumhaftes Gesamtkunstwerk.


Jedes Detail sitzt und trotzdem ist die Band in der Lage die Setlist jeden Tag fast komplett umzubauen. Alles klingt wirklich live, nicht wie bei "Arcade Fire" am Abend zuvor, wo die Show wichtiger schien als der Song.

Dabei ist die Show auch hier bombastisch. Alles glüht und leuchtet im tollstem Ornat. Besonders eine Art Rostfarbe verwandelt die Bühne in eine Art Marslandschaft, die fantastisch aussieht. 

Was muss das für ein Gefühl auf der Bühne sein, wenn ein Festivalpublikum bei den leisesten Passagen und Songs ohne einen Zwischenruf lauscht. Die wohl höchste Anerkennung, die einem als Festivalband zuteilwerden kann. 

"Street Spirit" beendet den ersten Teil und neben mir liegen sich die zwei Schotten in den Armen, mit nassen Augen. Wer jetzt noch Zugaben benötigte wurde nicht enttäuscht. Das unzerstörbare "Paranoid Android" knallt aus den Boxen, Greenwood gibt den alten Derwisch und mit "There There" endet der Set, diesmal nicht mit einer Ballade.

Danach sinkt man benommen in den Sand. So etwas kommt so schnell nicht wieder. Wahrscheinlich in circa 20 Jahren, denn das war mein bestes Radiohead Konzert seit 1997 in der Bonner Biskuithalle. 


Samstag, 1. Juli 2017

Arcade Fire, Best Kept Secret Festival 2017, Tilburg

0 Kommentare

Konzert: Arcade Fire
Ort: Ferienpark Beekse Bergen, Tilburg
Datum: 17.06.2017
Dauer: 130min
Zuschauer: 25.000 ausverkauft
















Arcade Fire live, da gibt es schon viele Geschichten zu erzählen. Die Konzerte der ersten Tour (ich sah sie im Gebäude9 in Köln) sind legendär und werden immer wieder genannt, wenn es um herausragende Live-Konzerte geht. 

12 Jahre ist das jetzt schon her, und damals benötigte die Band gerade einmal eine handvoll Stücke um dem Saal einen völligen Knock-out zu verpassen.

Heute sind die Bedingungen anders. Durch die seltenen Tourneen ist die Erwartungshaltung stets hoch. Den ganzen Tag über hört man intensive Debatten auf dem Gelände, welcher der beiden Bands "Arcade Fire" oder "Radiohead", denn nun die bessere sei, und wer das bessere Konzert an diesem Wochenende abliefern könnte.

Ein Sieger nach Worten war da vorab nicht auszumachen, doch meine letzten "Arcade Fire" Konzerte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Besser als damals in Köln war es irgendwie nie geworden, rein musikalisch.

Schon damals war alles perfekt, die Band war bereit für die große Karriere. Die danach folgenden Alben waren gut und lieferten immer noch gerade so viele gute Songs, das die Anzahl der Fans trotzdem weiter stieg. 

Aber oft waren sie auch Showstopper des immer gleichen Gerüsts an alten Mitsinghymnen. Auch diesmal ist noch keine neue CD erschienen, ganze drei neue Songs wurden vorgestellt, alle im poppigen Dance angesiedelt.



Und bevor wir zu den positiven Dingen des Abends übergehen, hier der schlimmste "Fehler" des Konzerts. Der Drumsound klang bis ins hintere Drittel des Sets wie bei den "Flippers". Drummer "Jeremy Gara",  ein Meister seines Fachs, war eigentlich gar nicht spürbar, so flach und elektronisch klang sein Spiel durch den Mix der Boxen. Zufall war das sicher nicht. 

Mag das bei einem neuen Song wie "Everything now" noch passen, fehlte an allen anderen Stellen einfach die Kraft und Stärke des typischen "Arcade Fire" Sounds. 

Aber es gibt auch viel Gutes zu berichten. 

1.Die Band startet mit "Wake Up", da bleiben keine Fragen offen.
2.Die bei Radiohead ewige Frage:"Spielen die auch alle Hits ?" kann hier klar mit "ja" beantwortet werden. Alle relevanten Kracher sind dabei, Regine darf ihren Solopart vortragen und am Ende schwingt William Butler das "Trömmelche" beim Kletterkurs auf das Bühnengerüst.



Soweit also alles gut und wie immer. Wer diese Band noch nie live gesehen hat, kann mit den leisen Kritikpunkten nichts anfangen. Natürlich ist das eine großartige Headlinershow, mit allem was dazu gehört. Licht, Spielfreude und ein glänzend aufgelegter "Win Butler" können nicht vollends enttäuschen.

Trotzdem hat man einfach das Gefühl, es fehlt der Mut einfach mal etwas anderes zu probieren. Eine Band, die musikalisch so viel Talent zu bieten hat, sollte irgendwann einen Bruch, wagen um zu neuen Zielen zu gelangen.

"Arcade Fire" am Scheideweg: ewiger Headliner und Jukebox für die Massen, oder ein zweiter, schwierigerer Weg der evtl. mit einem neuen Meisterwerk belohnt wird.

Am Ende (Arcade Fire spielen an diesem Abend länger als bei ihrem eigenen Gig in Köln am Abend zuvor) kommt die Gänsehaut dann doch noch einmal für alle zurück. 

Butler erscheint zunächst alleine mit einer riesiger Gitarre auf der Bühne und beginnt mit einer fantastischen Version von "Intervention". Ein Song den keiner auf der Rechnung hatte (und die Band auch nicht auf der Setlist). Vielleicht ein neuer Anfang. 


Donnerstag, 29. Juni 2017

Best Kept Secret Festival, Tilburg, 16.-18.06.2017

0 Kommentare

Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 16.-18.06.2017
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: 25.000 ausverkauft



Das "Best Kept Secret Festival" stand in diesem Jahr ganz im Glanz der beiden Headliner "Arcade Fire" und "Radiohead". (ausführliche Berichte folgen).

Das übrige Programm wirkte dieses Jahr oftmals uninspiriert und ausgedünnt, wahrscheinlich auch den Gagenforderungen der Headliner geschuldet. Immerhin hat das "BKS" ja "nur" eine Kapazität von 25.000 Gästen, eine Zahl, die die beiden Band ja oft schon alleine bei Auftritten erreichen.

So gibt es also vom hellen Tag nicht viel neues zu berichten. Wiederholungstäter wie "Aurora", "Ry X" (diesmal immerhin mit Streichern), "James Blake", "Circa Waves", "Wild Beats" und "George Ezra" (schrecklich belanglos), konnten das wie immer sehr fachkundige BKS-Publikum selten erneut begeistern.

Natürlich gab es aber auch schon frühe Highlights zur Mittagszeit: "Tall Heights" spielten schönen Folk a la "Husky", "Kaleo" entfachte bei der Popfraktion eine Massenwanderung zur Hauptbühne und "Arab Strap" war für die meisten leider kein Begriff, konnte aber die eigenen Fans voll überzeugen.

Besonders gefielen aber als Doppelpack "Honeyblood" und die fabulöse "Mitski". Letztere mit herrlich mürrischem Gesichtsausdruck, immer mit dem Bühnensound hadernd, aber stimmlich und song"lich" eine absoulte Ausnahmeerscheinung. 



Am Ende trug sie zwei Songs ohne ihre tolle, kleine Band vor und beim Refrain von "My body`s made of crushed little stars" mit der Zeile  "Would you kill me, Jerusalem" war die knisternde Spannung spürbar...Gänsehaut. Mitski-Video

Freunde von "London Grammar" und besonders "Daughter" (davon soll es ja besonders viele geben) sollten dringend "Wildes" ein Chance geben. Die sehr junge Sängerin konnte aber in knapp 30min Spielzeit am Mittag noch nicht ihre ganze Klasse ausspielen. Wildes


 Zum Abend hin gab es dann auf der Suche nach den perfekten Plätzen für die Headliner (1.Wellenbrecher) leider einige Streichkandidaten: "Thursten Moore Group", "Cigarettes after Sex" und "Thomas Aizer" am Samstag, sowie "Soulwax" und "American Football" am Sonntag waren daher nicht möglich. 

Trotz Einschränkungen bei den Campingplätzen, das "BKS" hat seinen festen Platz im Kalender gefunden, und vor allem auch das dazu passende Publikum.
Nirgendwo nervte ständiges kommen und gehen bei den Konzerten, geredet wurde abseits der Bühnen. Im Wald mit den tollen, selbstgebauten Schaukeln, oder am Strand neben der Hauptbühne.
  
Durch die komfortablen Übernachtungsmöglichkeiten in dem riesigen Bungalowpark unter Bäumen am See, haben sich diverse Reisegruppen musikinteressierter Ü30er zusammengefunden, die jedes Jahr erneut anreisen.



Das großartige Angebot an diversen Foodtrucks, sowie der Mix aus Zeltbühnen und Open-Air Hauptbühne sind perfekt für chillige Momente im Sand oder intensive Konzerterlebnisse im Dunkeln der kleineren Bühnen. Die beiden großen Headliner in diesem Jahr zu buchen, war neudeutsch "alternativlos".

Dieses Renommee durfte man nicht verstreichen lassen.

Zumindest die Macher vom Pinkpop-Festival hat man damit so geärgert, dass die ihr Festival im nächsten Jahr zeitgleich mit dem BKS veranstalten wollten, um die neue Konkurrenz zu ärgern. 

Jetzt verschiebt sich 2018 das BKS halt eine Woche nach vorne, auf das "Primavera-Wochenende". Eine Band-Kooperation ist schon angekündigt. So schnell macht man aus der Not eine Tugend.  

Berichte zur "Radiohead" und "Arcade Fire" folgen bald.


Samstag, 16. Juli 2016

Best Kept Secret Festival, Tilburg, 17-19.06.2016

0 Kommentare

Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 17.-19.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca.25.000

Dieses Jahr konnten wir leider doch nicht so ausführlich wie geplant vom "Best Kept Secret" Festival in Tilburg berichten. Eine Grippe ist der Feind jedes Festivalbesuchers. Laute Musik, viele Menschen und kaltes Bier sind da einfach nicht hilfreich. 

J. Mascis hatte wohl den gleichen Virus und spielte seinen Set auf einem Stuhl. 

Daher diesmal als Gesamtbericht "nur" eine Fotosammlung. Auch dieses Festival wurde vom Regen nicht verschont, nur am letzten Tag zeigte sich etwas länger die Sonne. 

Das ist bei einem so nett gestalteten Gelände natürlich doppelt schade. Neu waren die überdachten "Longtable", die in der Mitte des Tisches einen mit Kohle gefüllten Grill enthielten und an denen (Mittags und Abends) zusammen gegessen werden konnte. Und das mitten auf dem Festivalgelände mit Wein, Fleisch, Kartoffel und Brot zu einem Fixpreis. 

Mit nun fast 25.000 Besuchern ist das Festival an seiner Kapazitätsgrenze angekommen. Bleibt abzuwarten ob es im nächsten Jahr Veränderung gibt.


Fotos:

Tag 1 mit DIIV, Minor Victories, Wolf Parade, Beck und Mount Kimbie (DJ)

Tag 2 mit Glass Animals, Air, Dinosaur Jr. und Editors

Tag 3 mit Half Moon Run, Band of Horses, Yeasayer Asgeir und Two Door Cinema Club

Fotos: Michael Graef















Sonntag, 19. Juni 2016

Wolf Parade, Hilvarenbeek, 17.06.16

0 Kommentare

Konzert: Wolf Parade
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ziemliches volles Zelt



London, Helsinki, Hilvarenbeek, Aarhus, Westmeath. Wer die beste aktive kanadische Band sehen wollte, musste reisen. Als ich Wolf Parades Schwester Band Sunset Rubdown (die zweitbeste nicht mehr aktive kanadische Band) zum ersten Mal gesehen habe, musste ich dafür nach Wetzlar fahren. Die anderen westeuropäischen Termine der damaligen Tour waren Haarlem, Vlissingen und Schorndorf. 


Es erfordert also ein gewisses Maß an Hingabe, Wolf Parade oder Sunset Rubdown live zu sehen. Nach zwei oder drei Liedern war die Mitte des Zuschauerraums ein Knäuel aus pogenden und mitsingenden Fans. Wolf Parade waren also offenbar für viele der Grund, in den Safari Park nach Hilvarenbeek zu fahren und eine der wenigen Chancen zu nutzen, die gerade aus einer fünfjährigen Pause zurückgekehrte Gruppe live zu sehen. 


Eigentlich muß ich nicht viel zu diesem Konzert sagen. Mit dem ersten Keyboard-Ton von Spencer Krug begann eine berauschend gute Musik-Stunde. So simpel der Rider der Kanadier sein mag (auf der Bühne standen nur einige Sixpacks Bierdosen), so komplex sind die Melodien der Stücke. Keyboarder Spencer (der das auch bei Sunset Rubdown macht) und Gitarrist Dan Boeckner teilen sich den Songwriter-Job und singen ihre jeweiligen Lieder. Dans Stimme ist toll und passt perfekt zur Sorte Musik, die Wolf Parade machen (was auch immer das für eine sein mag). Sein Kollege hat die schräge Stimme in der Band. Und schräg ist in diesem Fall wundervoll!


Viel verrückter als seine Stimme ist Spencers Keyboard-Spiel. Er liegt über seinen Instrumenten und balanciert mit seinem rechten Bein den Hocker nach hinten. Immer, bei jedem Lied. Einmal verlor er seinen Sitz, da fiel der hin, nach dem letzten Lied kickte er ihn absichtlich weg. 

Wolf Parade spielten Songs von den drei Platten Apologies to the Queen Mary, At Mount Zoomer und Expo 86, von der dritten EP (EP 3) und zwei von der neuen vierten EP (EP 4).... und jetzt ist mein Bericht wieder viel zu sachlich geworden. Das Konzert, jede einzelne Minute war atemberaubend! Es war wild, laut, schnell und intensiv. Obwohl in der Mitte wild getanzt wurde und dadurch große Lücken vor der Bühne waren, versuchten immer wieder Crowdsurfer ihr Glück - und landeten auf dem Boden, einer ziemlich laut. Er stand aber schnell wieder auf und sang weiter. Natürlich waren das alles keine Leute, die die Band interessant fanden und deshalb da waren. Das war der Wolf-Parade-Fanclub Europa-West.

Ich habe keine Ahnung, warum Wolf Parade so selten gebucht wird, warum niemand den Mut hatte, die Band auf eines der deutschen Festivals zu buchen. Oder eine Clubshow zu veranstalten.

Setlist Wolf Parade, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: You are a runner and I am my father's son (1)

02: Fancy claps (1)
03: Soldier's grin (2)
04: What did my lover say? (It always had to go this way) (3)
05: Shine a light EP1
06: C'est la vie way / Floating world EP 4
07: Cloud shadow on a mountain 3
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts 1
09: Language city 2
10: This heart's on fire 1
11: I'll believe in anything 1
12: Kissing the beehive 2

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Wolf Parade, Wien, 22.09.10
- Wolf Parade, Paris, 18.09.10
- Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10
- Wolf Parade, Köln, 03.12.08


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates