Freitag, 5. September 2008

Friska Viljor, Köln, 04.09.08


Konzert: Friska Viljor
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 04.09.2008
Zuschauer: ca. 300
Dauer: 60 min


Für kühle Herbsttage und daruas resultierender schlechter Laune kennt die Nichtradio-Musikszene ein gutes Heilmittel: schwedischen Indie-Pop. Meine Gute-Laune-Dosis sollte an diesem Donnerstag Friska Viljor sein, diese fröhliche Band, die so herrliche Mitgröhl-Lalala-Lieder macht. Um hier keinen ironischen Unterton reindeutbar zu machen: ich mag diese Art von Musik, Kirmesmusik (bei uns kein Schimpfwort) und halte Friska Viljor für eine sehr sehens- und hörenswerte Band. Natürlich sind die Texte und Liedstrukturen für die intellektuelleren Indie-Hörer indiskutabel, überhaupt sollte ja Musik keinen Spaß machen, wenn man reif und cool ist... Sicherlich ein Ansatz, über den man nachdenken kann. Ich
stattdessen zog es vor, mir die lustigen Schweden anzusehen und jede Menge Spaß zu haben.

Die Vorgruppe Stompin' Souls hatte sicher auch irgendwo einen ironischen Unterton - und zwei Friska Viljors an Keyboard und Gitarre. Gut war die halbe Stunde allerdings in meinen Ohren überhaupt nicht. Ein riesiges Plakat mit Bandnamen bzw. Logo hinter der Bühne vermittelte den Eindruck, daß die schwedische Gruppe größer als eine durchschnittliche lokale Vorgruppe ist. Besser waren sie nicht. Der Sänger, der immer mehr Kleidung ablegte, fühlte sich zwar ganz offenkundig wie ein Rockstar, es blieb allerdings beim Versuch. Die Musik der fünf klang wie Mando Diao ohne die beiden ersten Platten und ohne die Melodien.

Mit einem "thank you boys and girls, you are animals" (aus dem Lexikon "Wie werde
ich Rockstar", Kapitel "Ansagen für weit Fortgeschrittene"), entließen uns Stompin' Dings nach sehr fairen 30 Minuten.

Irgendwo ist das aber auch immer wieder beruhigend, mal
eine schlechte Band aus Schweden oder Kanada zu erleben...

Wahnwitzig spät, kurz vor halb elf, begannen dann die Schweden, deretwegen wir da waren. "Wir" heißt in dem Fall etwa 300 Besucher - gar nicht schlecht. In Berlin allerdings war ein Konzert vor einigen Wochen ausverkauft, vermutlich trauten sich die ganz hippen Kölner nicht, ihren Kumpels zu erzählen, sie wären bei einer Spaßband gewesen.

Meine Bedenken waren andere. Ich kenne das zweite Album noch nicht, nicht einen Song. Daher hatte ich keine Ahnung, ob mich Friska Viljor ähnlich begeistern würden, wie an einem Sommertag beim Haldern-Festival. Es dauerte dann auch eine Weile, bis ich das überprüfen konnten, die ersten drei Lieder stammten alle vom
Debüt Bravo! Dabei gefiel mir Puppet cabaret erstaunlich gut, das tut es auf der Platte im Vergleich zu den anderen Liedern nicht so sehr. Die Version des Songs war aber auch herausragend. Mir kam es viel elektronischer, mit heftigem Beat - aber nicht billig - vor. Quasi der MGMT-Remix des Lieds. Was man aus einer Besetzung Schlagzeug, Mandoline, Gitarre, Bass und Keyboard alles rauszaubern kann!

Es lag aber sicher nicht am Tanzbeat, daß die Stimmung im Gebäude 9 so glänzend war. Um mich rum sang jeder mit, die Leute waren nicht zufällig da, sondern kannten die Schweden offenbar sehr gut. Auch On and on vom neuen Album war den Besuchern (außer mir) so vertraut, daß kein Bruch entstand, kein Wunder, denn dieser neue Titel ist genauso fröhlich-gut, wie das alte Material.

Der Kracher I gave my life, dieser wundervoll-melancholische, sich steigernde Lied
war ein erster richtiger Stimmungshöhepunkt. Das Lied könnte auch von einer Balkan-Pop Band stammen und ist für mich einer der besonderen Glücksgriffe auf Bravo!

Early morning im Anschluß hatten Friska vorher erst viermal gespielt. Ich kann die neuen Lieder nach einem Mal noch nicht gut auseinander halten - insgesamt hielt ich sie für leicht schwächer als die großen Knüller des Debüts, ändere die Meinung aber vermutlich nach einigem Hören.

Sehr gut und vertraut waren dann aber zwei der nächsten Lieder,
Four points und Oh oh, und jeder gröhlte und hüpfte mit und hatte ganz augenscheinlich Spaß! Unterbrochen wurden die Stücke durch das neue The cure, das mir als Knüller im Gedächtnis geblieben ist. Und nach Oh oh war Schluß. Ziemlich unverhofft - und nach vielleicht 40 Minuten.

Aber auch nur ganz kurz, denn ohne Shotgun sister würden Daniel und Joakim nicht in Kölner Kneipen umziehen. Erste Zugabe war aber etwas für mich Neues: Arpeggio. Beim
Friskashuffle danach waren wir Teil eines Wettbewerbs, bei dem es darum ging, lauter zu singen als die anderen Tourstädte. Bei zweiten Versuch waren wir dann auch lauter als München - was wohl gut war...

Es folgten Shotgun sister und Tell me. Jeder, der das erste Album kennt, kann sich vorstellen, wie großartig die Stimmung da war. Auch Stompin' Souls Sänger Thomas Carlsson (die Band bezeichnet sich als "Sweden's next rock sensation", das ist doch auch von Mando Diao geklaut?) tanzte in vorderster Reihe mit, er hat also doch guten Musikgeschmack.

Vorbei war es nach den Krachern noch nicht. Vermutlich wollten mich Friska Lügen strafen, weil ich prophezeit hatte, daß sie keine Stunde spielen würden. Mit Old man von der neuen Platte überschritten sie die Marke. Ich bin aber sehr sicher, daß alle gerne noch deutlich mehr mitgegröhlt und getanzt und gehüpft hätten. Ein großer Spaß!

Setlist Friska Viljor, Gebäude 9, Köln:

01: Gold
02: Puppet cabaret
03: Monday
04: On and on
05: I gave my life
06: Early morning
07: Four points
08: The cure
09: Oh oh

10: Arpeggio (Z)
11: Friskashuffle (Z)
12: Shotgun sister (Z)
13: Tell me (Z)
14: Old man (Z)

Links:

- Friska Viljor auf dem Haldern-Festival
- ein paar Fotos



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