Posts mit dem Label Neil Young werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Neil Young werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 5. Juli 2019

Neil Young and Promise of the Real, Berlin, 03.07.2019

0 Kommentare

Konzert: Neil Young and Promise of the Real
Ort: Berlin, Waldbühne
Datum: 03.07.2019
Dauer: 120 min.
Zuschauer: ca. 16.000


Ein Abend der Tradition war das Konzert von Neil Young auf der Waldbühne. Unzählige Male hat er hier schon Station gemacht, immer wieder in anderen Konstellationen. Alleine dieses Jahr ist dies für Neil schon die dritte Kurztour. Crazy Horse, Acoustic und jetzt begleiten ihn die jungen Spunde von Promise of the Real zum zweiten Mal in Berlin.

Eigentlich machen Open Airs ja erst im Dämmerlicht und bei Dunkelheit richtig Spaß. Die Anwohner der Waldbühne sehen das leider anders, daher gilt in der sonst so vogelfreien Stadt schon lange eine strikte Sperrstunde. 


Kein Wunder also, daß die Supportband Bear`s Den mehr als pünktlich um 18:30 Uhr bereits die Bühne betritt. Leider bleibt von deren, eigentlich tollen Folkrock, in der großen Arena nicht viel hängen. Zum einen, weil es Vorgruppen bei Neil Young Fans grundsätzlich sehr schwer haben, aber auch die Band spielt zu gefällig auf, um einen starken Eindruck zu hinterlassen. 

So ist auch nach 30 Minuten ohne Höhepunkte schon das Ende erreicht, lediglich "Agape" mit schönem Waldhorn klingt gefällig. Die neue CD von Bear`s Den ist in dieser Woche erschienen und klingt leider ähnlich belanglos. Schade, die Band hatte mit den ersten beiden CD`s ein hohes Level vorgelegt. 

Nach der Umbaupause schlurfen dann, fast unbemerkt vom red-und bierseligen Publikum, Neil und seine Band auf die Waldbühne. Überschneidungen in der Setlist gibt es bisher kaum, jeden Abend werden scheinbar wahllos die Songs und deren Reihenfolge verändert. "Country Home" eröffnet diesmal überraschenderweise, lange nicht gehört. Danach sofort heftiger Applaus für "Everybody knows this is nowhere" und "Mr. Soul". 


Kleinigkeiten lassen einen spüren, daß Neil sehr gute Laune zu haben scheint. Er grinst häufig über beide Backen, allerdings fast immer nu einer Seite, wenn seine  Bandkollegen ihn zu einem spontanen Jam oder Riff anregen.

Nach dem furiosen Start erkennt Neil dann wohl die sommerliche, entspannte Atmosphäre der Waldbühne und fährt das Tempo merklich zurück. Für die einen ein Segen, bekommt man nun tolle Versionen von "Words", "Winterlong" und akustische Klassiker geboten. Die Altrocker beginnen dagegen langsam, sich etwas zu langweilen. 


Aber an diesem Abend sollten alle noch zu ihrem Recht kommen. Für Hardcorefans gibt es nämlich ein besonderes Schmankerl. Zwei mit Promise of the Real noch nie live gespielte Stücke: "Over and Over" und das hier herausragende und selten vorgetragene "Danger Bird". Das alles passiert, bevor dann mit drei Feedbacknallern die letzten 45 Minuten eingetütet werden. 

Immer wieder ist es "Love and only Love", das Neil zu Höchstform zwingt. Fast 20 Minuten fliegen hier die Mantra artigen Solos und Lyrics durch die Luft, zerschneiden sie förmlich mit ihrer Spielfreude und Hingabe. Der Song, den alle kennen, "Rockin in a free World" kann dies aber noch toppen. 


Neil verlangt seiner Gitarre "Old Black" alles ab, befreit sie am Ende im Feedbackorkan von allen Saiten und spielt dann den alten Opa mit Hut und Flanellhemd, der er ja eigentlich ist. Er benutzt die Gitarre als Krückstock,  um über die Bühne zu humpeln und zieht Grimassen. Ein Riesenlacher, auch für die Band. 

Die Zugaben sind danach leider entbehrlich. Ein etwas zerschossenes "Roll another Number" und "Piece of Crap" gehören nun wirklich nicht zu meinen Favoriten. Es sei ihm verziehen. Die Waldbühne wurde 1936 erbaut, Neil ist Jahrgang 1945. Es sind die letzten ihrer Art. 


Donnerstag, 7. August 2014

Neil Young & Crazy Horse, Mainz, 28.07.2014

0 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Vorband: The Magic Numbers
Ort: Zollhafen-Nordmole, Mainz
Datum: 28.07.2014
Dauer: 120 Minuten Neil Young & Crazy Horse, 30 Min. The Magic Numbers
Zuschauer: über 10.000

Bericht von Matthias aus Oberhessen:


Ich konnte meine Ohrstöpsel nicht finden. Geht man zu einem Konzert von Neil Young und Crazy Horse, sind das denkbar schlechte Voraussetzungen, um am nächsten Tag ein Pfeifen auf den Ohren oder Schlimmeres zu vermeiden. Ich habe mich dann trotzdem hin getraut und wurde belohnt. Als ich das Gelände betrete, spielen The Magic Numbers gerade ihren ersten Song. Die Band besteht aus zwei Geschwisterpaaren aus Nord-London und ist stilistisch irgendwo zwischen New Wave a la Boomtown Rats und melodiösem Folkrock a la Travis angesiedelt. Neil Young sucht seine Support-Acts immer selbst aus, wie man weiß und auch hier hat er wieder einen guten Griff getan. Das Mainzer Publikum gibt der Band um Frontmann Romeo Stodart gerne eine Chance, die vier Engländer, deren Debutalbum immerhin zweifachen Platinstatus in Großbritannien erreichte, geben ihr Bestes und überzeugen auf der ganzen Linie. Nach drei Songs ist Schluss, fast möchte man sagen, leider, diese Musik könnte ich noch den ganzen Abend hören, aber man ist ja schließlich wegen diesem in Kalifornien lebenden, kanadischen Singer/Songwriter hier, den der Kritiker der FAZ, in einem Anfall von Originalität, einen „achtundsechzigjährigen Achtundsechziger“ nannte. 
Das Ende der Umbaupause kündigt sich dadurch an, dass die Holzstatue von Chief Crazy Horse, die sie auf allen ihren Konzerten begleitet, auf die Bühne gebracht wird. Kurz darauf stehen die vier älteren Herren, inklusive zweier jüngerer Backgroundsängerinnen, auf der Bühne. Der erste Song, passend zum Veranstaltungsort direkt am Rhein, ist natürlich „Down by the River“. Der Song aus Youngs zweitem Soloalbum von 1969, „Everybody knows this is nowhere“, seiner ersten Zusammenarbeit mit Crazy Horse, macht überdeutlich, was man von dieser Kombination zu erwarten hat; ausgedehnte Jams, minimalistische Gitarrensoli vom Meister selbst oder von Gitarrist Frank „Poncho“ Sampedro und diesen wiegenden Groove, den nur Drummer Ralph Molina, und hier Gastbassist Rick Rosas, so hinbekommen, das er auch nach zwanzig Minuten nicht langweilig wird. Tatsächlich dauert der Song dann 25 Minuten. Young, Poncho und Rick Rosas stecken die Köpfe zusammen, ein Solo folgt dem anderen, gelegentlich wendet sich Young zum Mikrofon, die musikalische Spannung entlädt sich in dem wunderschönen Refrain und dann heißt es wieder: Köpfe zusammenstecken. Bis dann nach 25 Minuten der Jam einfach abbricht, Crazy Horse waren nie sehr gut darin, einem Song zu einem richtigen Abschluß zu bringen, er hört gewöhnlich einfach auf. 
Danach folgt „Powderfinger“ vom legendären 79er Album „Rust never sleeps“, meiner erste Begegnung mit Crazy Horse und seitdem einer meiner Lieblingssongs. Die traurige Pioniersaga erzählt die Geschichte eines Überfalls auf eine Farm vom Fluß aus (wiederum sehr passend), erzählt in schleppenden Rhythmen und mit brachialen Gitarrensounds. Die kommen auch in Mainz angemessen heavy, aber nicht so laut, wie es mir Konzerterfahrungen mit Crazy Horse aus den neunziger Jahren nahegelegt hatten. Am Ende wird das hier doch kein Ohrstöpselkonzert. Der nächste Song, das unveröffentlichte „Standing in the light of Love“, bis zu dieser Tour nur einige Male vor dreizehn Jahren gespielt, ist eine Überraschung. Obwohl es wohl niemand kennt sogar ein echter Crowd-Pleaser, jedenfalls singen tausende Fans den Refrain auch nach dem Ende des Songs weiter, zur Freude Neil Youngs. 
„Days that used to be“ und „Love to burn“, vom Young & Crazy Horse Album „Ragged Glory“ sind angemessen nostalgisch, werden von den Fans bejubelt, die Band scheint hier aber den Faden zu verlieren, von der Brillanz im Zusammenspiel während der ersten beiden Songs ist wenig übrig geblieben. Die ausgezeichneten Backgroundsängerinnen, die einiges zum Gesamtsound beitragen und der den ganzen Abend in bestechender Form singende Frontmann, retten aber auch diesen Teil des Abends. Keineswegs untypisch für Konzerte Neil Youngs mit Crazy Horse, die Konzentration scheint oft in der Mitte nachzulassen. „Living with War“, Youngs Protestlied gegen den Irakkrieg, hier wohl gespielt als Kommentar zur angespannten Weltlage, wirkt aber angemessen wütend und kraftvoll. „Name of Love“, der einzige CSN&Y-Song an diesem Abend, aus ihrem unfassbar schlechten 89er Album „American Dream“, ist eine weitere überraschende Songwahl. Bei dieser Tour stehen eindeutig Hits und Raritäten auf dem Programm. Es folgen zwei Songs, von Neil Young solo interpretiert, die an diesem Abend gleichzeitig den Hit-Anteil vergrößern und eine Reminiszenz an Youngs Folk-Wurzeln darstellen. „Blowin in the wind“ ist sicher melodischer als das, was der Meister selbst in Mainz vor einigen Jahren intonierte und Neil Youngs größter Hit „Heart of Gold“ könnte so schön im Licht von tausend Smartphones erstrahlen, wäre es nicht noch hell. Mit „Barstool Blues“ meldet sich Crazy Horse kraftvoll zurück, alle sind wieder voll konzentriert bei der Sache. „Psychedelic Pill“, eine Rarität bei Crazy Horse Konzerten, ist deutlich kürzer als auf der gleichnamigen Platte, was dem Song aber gut bekommt. Dann stimmt Neil Young tatsächlich noch einen meiner Lieblingssogs an, „Cortez the Killer“, und was dann folgt, ist sicher die beste Version, die ich von dem Song kenne. Trotz der zehn Minuten Länge kein ausgedehnter Jam, stattdessen arbeiten Neil Young und Crazy Horse die ökologische Botschaft des Songs besonders heraus, wenn Young sehr betont singt „They build up with their bare hands, what we still can’t do today.“ Die Botschaft des Abends erklärt Neil Young dann beim nächsten Song, dem Klassiker „Rockin in the free world“. Es geht um nichts Geringeres als die Rettung der Erde. Die am Eingang verteilten „Earth“-T-Shirts sollen die Besucher tragen und so auf die vielfältigen und aktuellen Gefahren für Mutter Erde aufmerksam machen. Dieser Hippie-Aktivismus ist wohl etwas allgemein, nichtsdestotrotz richtig und notwendig. „We came here to play music for you. You get the T-Shirts for free. Fuck the system,“ lässt sich der Meister vernehmen. Tatsächlich habe ich ihn noch nie so aufgewühlt gesehen, meist wirkte er auf der Bühne eher schüchtern; auch in Mainz waren das seine ersten Worte an das Publikum, bis dahin hatte er nur einige Worte mit Crazy Horse gewechselt, der Statue, nicht der Band. In „Rockin in the free world“ gibt es dann eine Extrastrophe, die Fracking verdammt, wenn ich das richtig verstanden habe. Musikalisch im Original eher eine schnelle Grunge-Nummer, drosseln Crazy Horse das Tempo, obwohl sie ja als die Proto-Grunge-Band schlechthin gelten. Als einzige Zugabe gibt es nach fast zwei Stunden einen neuen Song „Who’s gonna stand up and save the Earth?“. Musikalisch erinnert die Nummer stark an Lenny Kravitz, der Agit Prop-Charme der Nummer vermag aber durchaus zu überzeugen. Fazit: Ein großartiges Konzert von vier Althippies, die noch viel zu sagen haben und das hoffentlich auch in Zukunft tun werden. 


Setlist The Magic Numbers, Mainz:

01: The Pulse 
02: I see you, you see me 
03: Love me like you 

Setlist Neil Young & Crazy Horse, Mainz:

01: Down by the River 
02: Powderfinger 
03: Standing in the light of Love 
04: Days that used to be 
05: Living with war 
06: Love to burn 
07: Name of Love 
08: Blowin in the wind (Bob Dylan-Cover)
09: Heart of Gold 
10: Barstool Blues 
11: Psychedelic Pill 
12: Cortez the Killer 
13: Rockin in the free world 

14: Who’s gonna stand up and save the earth (Z)


Dienstag, 29. Juli 2014

Neil Young & Crazy Horse, Mönchengladbach, 25.07.14

0 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse mit Support The Magic Numbers
Ort: Hockeypark – Mönchengladbach
Datum: 25. Juli 2014
Zuschauer: 7000




Bericht und alle Bilder von Dirk - vielen Dank!

Jeder kennt den schlauen Spruch: “Alle sagten, das geht nicht…und dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s einfach gemacht.“  So ähnlich muss es gewesen sein, als der Ex-Hockeyprofi M. Hilgers vor ein paar Jahren begann in meiner Heimatstadt größere Konzerte auszurichten. So etwas kann doch in Mönchengladbach nicht funktionieren hieß es von allen Seiten. Aber sind wir ehrlich, weder Düsseldorf noch Köln können mit variablen Open-Air Bühnen Punkten, der Tanzbrunnen und der Kunstrasen in Bonn stellen keine ernsthafte Konkurrenz dar.

Und so müssen eben auch Großstädter mittlerweile nach Mönchengladbach fahren um Ihre Lieblinge zu bestaunen. Der HockeyPark hat Vor-und Nachteile, jeder sollte sich selbst ein Bild machen. Bei einem tollen Sonnenuntergang und einem Künstler wie Neil Young bietet er aber einen annehmbaren Rahmen, zumal die Bühne immer an der Längsseite aufgebaut wird. Somit haben sowohl Steh-als auch Sitzplätze einen geraden Blick zur Bühne.


Kommen wir aber zu den Hauptakteuren des Abends. Freudig überrascht stellte ich  im Vorfeld fest, dass  The Magic Numbers als Vorgruppe angekündigt wurden. Deren tolle erste Platte datiert zwar nun auch schon aus 2005, aber die aus zwei Geschwisterpaaren bestehende Folk-Rockcombo konnte live noch immer überzeugen. Heute spielen Sie mit gewohnt strahlender Laune viele Stücke aus der noch nicht erschienenen neuen Platte Alias. Diese klingen alle ausgesprochenen toll, die Band lässt sich gehen und Sänger/Gitarrist Romeo Stodarts begeistert das Publikum mit Neil Young ähnlichen Soli. Dazu einige wenige alte Hits und fertig ist die perfekte Vorband. 


Gerade bei Neil Young habe ich des Öfteren schon böses Desinteresse für thematisch völlig deplatzierte Vorgruppen erlebt. In dieser Hinsicht ein mehr als gelungener Auftakt und ein neuer Titel auf meiner Amazon-Wunschliste für das neue Album.  Die Sonne versinkt langsam hinter der Bühne und taucht den Hockeypark mit seinen bunten Sitzen in tolle Regenbogenfarben. Die Bühne bietet außer dem unvermeidlichen Holzindianer und der „Hurricane-Orgel“ an Seilen unter dem Bühnendach keine Reizpunkte. Da bleibt gerade noch genug Zeit mit den umstehenden alte Konzerterfahrungen und Setlisten zu besprechen, bevor Neil Young mit seiner in Teilen neuen/alten Band auf die Bühne schluft (so sieht es wirklich aus...).



Den Bassisten wegen Schlaganfall ausgetauscht, zwei neue Damen als Background angeheuert, dazu die üblichen Crazy Horse Verdächtigen und fertig ist eine neue Band, und die klingt wie keine andere zuvor. Nicht so hart wie von Crazy Horse noch im  letzten Jahr gewohnt, nicht zu soft wie manchmal mit Booker T oder der „Allstar“-Band in den letzten Jahren. Ist der Beginn mit Love and only Love noch identisch, verläuft das Set in diesem Jahr trotzdem in der Folge ganz anders. Besonders die Backing Vocals verleihen vielen Songs einen ganz neuen, eher an Gospel erinnernden Touch.


Das soll natürlich nicht das Zusammenspiel der anderen, Schulter an Schulter schmälern, es entsteht nur eine neue, weitere Note im ewigen Fluss von Neils anscheinend unendlichen Möglichkeiten.  Gerade Living with War und Love to Burn werden so großartig veredelt. Im kurzen, akustischen Intermezzo gibt sich der Meister milde. Die Hits Heart of Gold und Dylans Blowin in the wind steigern die Stimmung nochmal und sind Youngs Zugeständnis  an die Zuschauer, die nicht jede Wendung seiner Karriere mitgemacht haben. Und auch der nachfolgende Doppelpack mit Cortez the killer und Rockin‘ in the free world kann voll überzeugen. Auch hier wird nicht ganz so rabiat zugelangt wie früher, aber die Versionen schwingen und brodeln, es ist eine Freude.


Nach knapp 2 Stunden ist Schluss, als Zugabe hält die Band nur noch einen neuen Song für würdig. Der würde im übrigen Set allerdings glatt durchfallen. Egal, so weiß zumindest jeder: das Ende ist erreicht. Ob und wann Neil Young mit jetzt 68 Jahren nochmal vorbeischaut, fast bekommt man ein wenig Angst es könnte bald das letzte Mal sein. Spielfreude und Wille zur Veränderung sind jedenfalls ungebrochen, und daher kann und wird er einfach weitermachen. Die Erde und die Liebe brauchen weiter seine Unterstützung.


Setlist:
01. Love and Only Love
02. Powderfinger
03. Standing in the Light of Love
04. Days That Used to Be 

05. Living With War
06. Love to Burn
07. Name of Love
08. Blowin' in the Wind
09. Heart of Gold
10. Barstool Blues
11. Psychedelic Pill
12. Cortez the Killer
13. Rockin' in the Free World 


14. Who's Gonna Stand Up and Save the Earth (Z)


Aus unserem Archiv:
Neil Young & Crazy Horse, Dresden, 26.07.14 
Neil Young & Crazy Horse, Stuttgart, 22.07.13
Neil Young & Crazy Horse, Köln, 12.07.13 

The Magic Numbers, Haldern, 03.08.07
The Magic Numbers, Paris, 08.07.07
The Magic Numbers, Köln, 26.02.07
The Magic Numbers, Paris, 02.02.07



Montag, 28. Juli 2014

Neil Young & Crazy Horse, Dresden, 26.07.14

0 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Ort: Elbufer in Dresden
Datum: 26. Juli 2014
Zuschauer: über 10.000
 


Bericht und alle Bilder von Michael - vielen Dank!

Neil hat seine Freude am Musizieren nie verloren und ist für mich einer der wenige alten Knaben/Säcke, die im Alter kreativ bleiben. Und ich will nicht über Für und Wider / Gut oder Schlecht seiner letzten Alben schreiben. Einigkeit sollte wohl aber drüber herrschen, dass Psychedelic Pill ein außerordentliches Album des damals 67-jährigen ist. Umso enttäuschter war ich nach dem Konzert, dass Neil außer dem Titelsong keinen weiteren dieses Albums gespielt hat.


Dabei entwickelte sich der Abend sehr vielversprechend: das Amphitheater am Elbufer füllte sich mehr als gut und bis lange nach Konzertbeginn. Ich war meinen Begleitern im Nachhinein dankbar, dass wir schon gut 2 Stunden vor Beginn auf dem Gelände waren und im oberen Bereich einen aussichtsreichen Platz an der Balustrade bekamen. Der Blick auf den Bereich vor der Bühne ließ ahnen, dass hier Unmengen an Tickets verkauft worden sind. Sicherheitsleute wollten die Treppen freihalten, waren aber chancenlos. Immerhin blieb alles friedlich und sächsisch gemütlich.




Passend zur Location begann Neil Young und Old Crazy Horse mit Down by the river in einer mehr als 20-minütigen Fassung und ich freute mich auf einen Improvisationsabend mit ausgedehnten Soli und Songs. Aber da hatte ich Neil zweifach falsch eingeschätzt. Zum ersten lebte er für diesen Abend seinen Drang aus, die Welt zu retten - mit Living with war, Blowin’ in the wind (spielt er immer), Standing in the light of love. Zum zweiten ist er ein cleverer Entertainer und weiß offensichtlich, weshalb die meisten Sachsen und Weitgereisten mit einem Altersdurchschnitt um die 50+ hier sind: sie wollen Heart of gold und andere Klassiker hören und bekommen auch einige geliefert. Dies waren die Momente, in denen ich durch glückselig schunkelnde Fans andere Wege ging.



Zurück mit den langen Stücken You got love to burn und Powderfinger zeigte Neil Young eindrucksvoll seine Gitarrenarbeit und das kongeniale Zusammenspiel mit Crazy Horse.  Und natürlich kam mit der Zugabe – einer einzigen – der nächste Bruch in den Abend: Keiner kannte Who’s gonna stand up and save the world – ein Werk mit viel Botschaft, platt und nix für mich. Aber am Ende war wohl für jeden der mehr als 11.000 im Publikum etwas dabei, was den Abend in Erinnerung bleiben lässt. Und so soll es ja schließlich auch sein.


Aus unserem Archiv:
Neil Young & Crazy Horse, Stuttgart, 22.07.13
Neil Young & Crazy Horse, Köln, 12.07.13  




Dienstag, 8. Oktober 2013

Neil Young & Crazy Horse, Stuttgart, 22.07.2013

0 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Vorband: Okta Logue
Ort: Hanns-Martin-Schleyer-Halle, Stuttgart
Datum: 22.07.2013
Dauer: Neil Young & Crazy Horse 144 Minuten / Okta Logue 46 Minuten
Zuschauer: über 10.000


"Dann kommt ein Schlagzeug rein und treibt den Beat bis hinter meine Ohren / Ein Bass umgarnt die Bassdrum eine Gitarre drängt nach vorn  / Und irgendwo im nirgendwo pfeift ein himmlisches Feedback" - Kid Kopphausen -

Besser als mit diesen Zeilen aus Kid Kopphausens „Das leichteste der Welt“ könnte man ein Neil Young-Konzert mit Crazy Horse nicht beschreiben, dachte ich, als ich in fast kindlicher Vorfreude, in nervöser Aufregung die unpersönliche Schleyer-Halle in Cannstatt betrete – nichts weniger als das Konzert des Jahres erwartend:
Dass ich erst jetzt, gut zweieinhalb Monate nach jener Vollmondnacht Ende Juli über Neil Youngs ohrenbetäubende Feedback-Orgie in Stuttgart berichte, spricht Bände über die innerliche Zerrissenheit, die auseinanderklaffende Vorstellung eines himmlischen Konzerts mit der Realität, die es mir nach dem Konzert schwer machten, die Erlebnisse in Worte zu fassen. 
Wenige Künstler haben meinen Musikgeschmack und – ich denke, es ist nicht vermessen, zu sagen – mich in ähnlichem Maße geprägt wie der Großmeister aus den Bergen Ontarios. Nach mehreren verpassten Tourneen, reagierte ich mit Herzklopfen auf die Ankündigung einer Europa-Tour mit Crazy Horse, jener Legende des brachialen, des genialistischen Dilettantismus, der auf die simple Formel Talbot, Molina, Poncho, Young herunter gebrochen werden kann. 
Konzertvideos jüngster Auftritte ließen meine Vorfreude gerechtfertigt erscheinen, die beiden Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr – das bizarre Covermeisterwerk „Americana“ und die auf über 87 Minuten gepresste Offenbarung psychedelischen Hard Rocks „Psychdelic Pill“ – können fraglos als große Alben gefeiert werden. 
Dass das Stuttgarter Konzert dennoch einen kontroversen Eindruck, gemischte Gefühle hinterlässt liegt an verschiedenen Faktoren. Erst im Nachhinein reiften die 144 Minuten zelebrierten Feedback-Gewitters zu einer herausragenden – wenn auch nicht vollends befriedigenden – Erinnerung heran. 

Wenig für den zunächst durchwachsenen Eindruck können hingegen Okta Logue aus Darmstadt, die für mich momentan die Speerspitze deutscher Rockmusik bilden: 46 Minuten Zeit und neun Songs zur Verfügung haben Benno Herz (Bass und Gesang), sein Bruder Robert (Schlagzeug), Nicolai Hildebrandt (Keyboards) und Philip Meloi (Gitarre), um das deutlich in die Jahre gekommene Publikum für sich zu gewinnen. 
Spielend gelingt es den jungen Hessen bei ihrem zweiten Auftritt als Young-Support unter Beweis zu stellen, wie großartige psychedelische und progressive Klänge in der Gegenwart gelebt werden können. Das getragene „You“, das fast acht minütige Schlussstück des aktuellen Albums „Tales Of Transit City“ hinterlässt die Zuschauer mit offenen Mündern. Selten habe ich erlebt, dass es einer deutschen – dem Publikum weitgehend unbekannten – Vorband gelingt, so hell zu scheinen. Von Nervosität ist wenig zu spüren, die Darmstädter wissen um ihre Klasse. Waren sie beim berauschenden Release-Konzert im Mai noch spürbar aufgeregt, glänzen Benno Herz und seine Mitstreiter in der Schleyer-Halle mit enormer Präsenz und Charisma. Als der Frontmann seinen Fender-Jazzbass sinken lässt, die Hand über das Auge hält in die Menschenmasse blickt, sieht man die Glückseligkeit einer jungen Band vor einer der größten Ikonen der Rockgeschichte spielen zu dürfen. Die Ankündigung nun mit „Bright Lights“ ein Stück des ersten Albums „Ballads Of A Burden“ zu spielen, sorgt für einen Raunen der über zehntausend Zuschauer: Kann es wirklich sein, dass diese Band aus Deutschland kommt? 
Es kann und rasch wird klar, dass Okta Logue zahllose Fans hinzugewinnen. Die aufregende Single überrascht das Publikum mit Pink-Floyd-Referenzen, einem atemberaubenden Gitarrensolo und in seiner graziösen Zeitlosigkeit. 
Der Applaus wird von Song zu Song lauter, die Begeisterung größer und nicht nur ich – als Fan der Band – bin glücklich, dass Okta Logue und nicht die Texmex-Heroen Los Lobos wie ursprünglich geplant vor einem stehen. 
Plötzlich sind die beklemmende Atmosphäre, die mangelnde Klimatisierung der Halle und der üble Geruch aus der vorderen Reihe Nebensache. Batik-Shirts tragende Mit-50er in Dreiviertelhosen und Neo-Hippies genießen den entspannten Auftritt der hessischen Band, deren neues Back-Drop sympathische Referenz an das Debütalbum Bruce Springsteens - „Greeting Form Asbury Park, N.J.“ – erweist, dessen „Darkness On The Edge Of Town“ zu den liebsten Album des Gitarristen Melois zählt. 
 Zu „Dream On“, das als nächste Single-Auskopplung geplant ist, stößt Benedikt Baum, der Bassist der befreundeten Band Bees Village, die auch als Support beim Release-Konzert in der Central-Station spielten, auf die Bühne und steuert souverän Bass-Linien bei, während Benno Herz zur Akustikgitarre greift. „Let Go“ glänzt als 60s infizierte Nummer zwischen Beat und Blues, bevor „Chase The Day“, mit dem Okta Logue für gewöhnlich die Konzerte ihrer Tour beenden, die große, beeindruckende Synthie und Gitarrensolo getragene Progressiv-Rock-Schiene mit hymnischen Refrain fährt, um von „Just To Hear You Sleep“, einer kurzen Nummer vom Debütalbum mit Jon Lord-Keyboards gefolgt zu werden. „Judith“ und „Shine Like Gold“, eines der ältesten Stücke, beenden das atemberaubende Set einer wundervollen Band. 
Wünschte ich mir beim Release-Konzert während des gelungenen „Southern Man“-Covers noch für die vier Jungs, dass sie irgendwann einmal die Chance erhalten sollten im Vorprogramm von Neil Young zu spielen, befinde ich mich nun in der Realität. 
Applaudiere, gönne dem Quartett die verdiente Anerkennung, den gelebten Rockstar-Traum. Gerade ist man auf der ersten US-Tour, der Traum geht weiter und die Karriere steht erst am Anfang.

Setlist Okta Logue, Stuttgart:

01: You
02: Bright Lights
03: Transit
04: Dream On (mit Benedikt Baum von Bees Village am Bass)
05: Let Go
06: Chase The Day
07: Just To Hear You Sleep
08: Judith
09: Shine Like Gold


Bericht über Neil Young & Crazy Horse folgt in Kürze!



Setlist Neil Young & Crazy Horse, Stuttgart:

01: Love And Only Love
02: Powderfinger
03: Psychedelic Pill
04: Walk Like A Giant
05: Hole In The Sky
06: Human Highway
07: Heart Of Gold
08: Blowin' In The Wind (Bob Dylan - Cover)
09: Singer Without A Song
10: Ramada Inn
11: Sedan Delivery
12: Surfer Joe & Moe The Sleaze
13: Mr. Soul (Buffalo Springfield - Song)

14: Like A Hurricane (Z)



Sonntag, 14. Juli 2013

Neil Young & Crazy Horse, Köln, 12.07.13

3 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Ort: Lanxess Arena, Köln
Datum: 12.07.2013
Zuschauer: 12.000


von Dirk aus Mönchengladbach


Neil Young und seine Fans mögen keine dunklen Mehrzweckhallen. Und so beginnt der Konzertbesuch erst mal gemütlich auf der Wiese vor der Lanxess Arena in der untergehenden Sonne. Soviel Hippie Klischee muss gerade mal sein. Die Wortfetzen, die man hier aufschnappt kommen oft von Musikliebhabern, und Sie erzählen von den letzten Konzerten. Und es klingt nach dem, was das Feuilleton schon länger berichtet. Musiker die jahrelang als ewig gestrige und altersmüde missachtet wurden, sind wieder hip. Sie spielen bessere und längere Konzerte als je zuvor, scheuen sich nicht Ihren Backkatalog neu zu interpretieren und bringen sogar noch ansehnliche Alben auf den Markt. 

Neil Young eilt leider weder der coole, kumpelhafte Ruf eines Springsteen, noch das Charisma eines Jaggers voraus, er war immer eher der verschwiegene Sturkopf mit der alten, schwarzen Gitarre. Und während Dylan immer von seiner Lyrik lebte, waren es bei Neil die Konzerte die begeisterten. 

Dass er heute wieder mit seinen alten Freunden von Crazy Horse auf der Bühne steht, verleiht dem fabelhaften Kapitel von Neil Young mit seinen 67 Jahren nochmal einen neuen Glanz. Jahrelang war er mit einer technisch unfassbar guten Band unterwegs, die alle Fassetten seines Werkes auszuloten wusste. Doch manchmal muss es eben Crazy Horse sein. Diese Legende von Krach, Freundschaft und purer Spielfreude. Hier zählt nur der Akkord der Sekunde..nicht das Lebenswerk. 

Sie beginnen mit Love and only Love, es hätte auch jedes andere Stück sein können und 20 Minuten verfliegen wie im Rausch. „It´s all one Song, they all sound the same“, tönte Young einst auf einem seiner Live-Alben, das ist natürlich Quatsch. Aber es zeigt den respektlosen Zugang zu seinem eigenen Werk. Weiter geht es mit einigen neuen Stücken, allesamt in wahnsinnigen Versionen. Umrahmt wird er von seinen drei Zuspielern, die wie immer aussehen, als kämen sie gerade aus einer Tankstelle im Death Valley. Körperkontakt, ein an sich schmiegen... die Töne aus den Instrumenten strömen lassen, all das kann man eigentlich nur hier erleben. Musik wird live erschaffen, und sogleich wieder zerstört. Dies aber alles zum Wohle der Melodie, nichts ist kakophonisch, selbst das lauteste Gitarrengewitter klingt noch wie eine Sonate.

Der akustische Teil bringt heute wenig neues, er dient mehr der Regeneration, auch wenn das Publikum Heart of Gold feiert, zurecht. 

Dann kommen die anderen Hits, und sogar die meistert er heute voller Freude. Ein großes Grinsen auf den Gesichtern aller Bandmitglieder, wann hat man den Meister so entspannt gesehen ? Mr. Soul glüht und Hey Hey, My My... macht den Abräumer. 

Natürlich fehlen wie immer einige der besten Songs, Cortez, Hurricane und Free World sind heute nicht dabei, beim nächsten Gig wird es wieder ganz anders sein. Dafür fällt der Zugabenteil überraschend aus. Kaum noch Lärm, dafür mehr Folkrock und weiterhin unglaubliche Spielfreude. Letztes Lied wird Everybody knows this is nowhere, es ist ein Traum. Man wünscht sich, jeder, der sich für Musik interessiert, würde diese Show sehen können, es sind zu wenige und leider oft immer die gleichen. 

Am Ende tobt die Halle und Neil verspricht wie immer, wieder zu kommen. Hoffen wir das beste... vielleicht dann aber lieber wieder an einem See mit Sonnenuntergang. Soviel Hippie Klischee sollte sein.

Setlist Neil Young & Crazy Horse, Lanxess Arena, Köln: 

01: Love and Only Love 
02:  Powderfinger 
03: Psychedelic Pill 
04: Walk Like a Giant 
05: Hole in the Sky 
06: Red Sun 
07: Heart of Gold 
08: Blowin' in the Wind 
09: Singer Without a Song 
10: Ramada Inn 
11: Cinnamon Girl 
12: Sedan Delivery 
13: Mr. Soul 
14: Hey Hey, My My (Into the Black) 

15: Surfer Joe and Moe the Sleaze (Z)
16: Roll Another Number (For the Road) (Z)
17: Everybody Knows This Is Nowhere (Z)

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates