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Dienstag, 23. Juni 2015

Bob Dylan & His Band, Mainz, 20.06.2015

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Konzert: Bob Dylan & His Band
Ort: Zollhafen Nordmole, Mainz
Datum: 20.06.2015
Dauer: ca. 100 Minuten
Zuschauer: etwa 6000


Bericht von unserem Gastautor Matthias aus der Nähe von Frankfurt
   
Rainy Day Woman #12 & 35 oder doch Watching the River flow? Während des langen Wartens auf den Konzertbeginn konnte man sich als alter Dylan-Fan schon Gedanken machen, mit welchem, der Location direkt am Rhein oder lieber dem vorherrschenden Wetter, angepassten Song der Meister sein Konzert beginnen sollte. Es war dann natürlich weder noch. Things Have Changed, ein Song aus dem Soundtrack des Films Wonder Boys, für den Dylan im Jahr 2000 sowohl den Oscar wie den Golden Globe gewann, ist ein verspäteter Abgesang auf das Image des Protest-Barden, das Dylan noch nie leiden konnte, und auf seiner Never-Ending-Tour seit einigen Jahren einer der Standard-Opener: People are crazy and times are strange … I used to care but things have changed

She Belongs to Me aus dem Jahr 1965 ist einer dieser Anti-Love-Songs, von denen Dylanologen meinen, das der Meister sie erfunden hat. Der Titel ist ironisch, die Besitzverhältnisse scheinen eher umgekehrt, was das lyrische Ich gleichermaßen anwidert wie glücklich macht. Das musikalische Arrangement, das Dylans wie immer fantastische Band an diesem Abend spielt, scheint eher vom Glück beseelt. Beyond Here Lies Nothing von Dylans 2009er Album Together Through Life gibt dann die Richtung für den Konzertabend vor: Der Schwerpunkt liegt auf den Studioalben nach 1992. Als Veteran zahlreicher Konzerte mit His Bobness über die Jahre weiß ich natürlich, dass er sich nicht dazu herablässt, ein Greatest-Hits-Programm abzuliefern, das sollen die Stones machen. Der ganze Zweck der seit fast dreißig Jahren andauernden Never Ending Tour scheint es zu sein, die Erwartungen seines Publikums zu irritieren (enttäuschen wäre zu viel gesagt). Wohlige Protest-Romantik aus den Sechzigern? Da spielt er doch lieber Songs von ungeliebten Achtziger-Alben. Nachdem er nun Alben mit Weihnachtsliedern und Sinatra-Covern veröffentlicht hat, hat es sich aber wohl bis zum letzten Fan herumgesprochen, dass das Unerwartete bei dem Barden aus Hibbing die Norm ist; die er aber wiederum unterläuft, wenn er, wie 2011 in Mainz, doch ein Greatest-Hits-Konzert spielt. Sie haben ja auch einiges an großartigen Songs zu bieten, seine Alben der letzten 25 Jahre. Sieben Alben mit eigenen Songs, dazu einige Alben mit Coverversionen, inzwischen schon fast eine Dylan-Tradition. Die größte Aufmerksamkeit erhält Dylan aber heute nicht mehr für diese Platten, sondern für die Erstveröffentlichungen von Archivmaterial in seiner Bootleg-Series. 

Workingman Blues#2 von Dylans 2006er Album Modern Times erzählt von Würde und Ausbeutung des modernen Menschen, angelehnt an Chaplins gleichnamigen Filmklassiker und den römischen Dichter Ovid. Das alles kommt musikalisch sehr entspannt und fast swingend daher. Dylans Band läuft hier erstmals zu großer Form auf. Weiter mit Duquesne Whistle, einer ebenfalls sehr swingenden Rockabilly-Nummer von Tempest (2013), einem großartigen Album trotz des 13-minütigen Titanicsongs.  
Payment in Blood und Early Roman Kings vervollständigen die Trilogie aus Tempest an diesem Abend. Dazwischen erklingt mit Waiting For You ein Kuriosum, wenn auch nicht eine Rarität, da er den Song in den letzten zwei Jahren häufig gespielt hat. 2005 erstmals live gespielt, ist der Song bis heute unveröffentlicht. Die Steel-Guitars und die ganze Band schwelgen im Country-Wohlklang und Dylan setzt hier erstmals an diesem Abend seine Crooner-Stimme ein. Obwohl ich überhaupt kein Country-Fan bin, eine Musik, die man eigentlich nur in satirischer Form, etwa von Zappa (Truck Driver Divorce, Steel guitars weep all over it…), ertragen kann, wirkt sie von Dylan gespielt sehr authentisch. Schließlich hat er schon in den 60er Jahren mit Johnny Cash Platten gemacht. 

Full Moon and Empty Arms ist dann das von mir schon sehnlichst erwartete Sinatra-Cover aus seinem letzten Album Shadows in the Night. Für ein Rockkonzert wird an diesem Abend schon sehr viel geswingt, mit deutlicher Blues- und Countrynote. So lässt sich Dylans musikalische Richtung heute annähernd beschreiben. Den Folk-Barden und Folk-Rocker Dylan hatte der Song and Dance Man wohl zu Hause in Malibu gelassen. Seiner Liebe zu den Songs und Sounds der vierziger und fünfziger Jahre hat Dylan schon in seiner Radio-Show freien Lauf gelassen; Sinatra-Songs zu covern war aber schon ein gewagtes Projekt (was kommt als nächstes, Tom Waits sings ABBA?), dem Dylan stimmlich durchaus gewachsen ist, wenn seine Interpretationen auch Geschmackssache bleiben. Hatte er in den Neunziger Jahren noch seine Krächz-Phase, ein Werk wie seine Unplugged-CD legt davon ein grausames Zeugnis ab, gefolgt vom Sprechgesang etwa auf Time Out of Mind, singt der Meister seit einigen Jahren tatsächlich wieder, leiser und tiefer, aber in diesem unnachahmlich (ok, das stimmt nicht ganz) nasalen Tonfall. Der Song ist übrigens eine Livepremiere. Es folgt noch eine zweite Weltpremiere, Sad Songs and Waltzes, ein Willie-Nelson-Song, der tatsächlich im Walzertempo daherkommt und Bob über die Bühne tänzeln lässt. 

Wirklich Stimmung im Publikum kommt erst auf, als die ersten Klassiker aus den 60er und 70er Jahren gespielt werden, To Ramona und vor allem Tangled up in Blue. Der Song aus Dylans 75er Scheidungs-Album-Klassiker Blood on the Tracks ist eine surreale Ballade, eine amerikanische Odyssee mit Anklängen an Petrarca und die Bibel, ein typischer Dylan-Song eben. Letzes Mal in Mainz gab es den Song noch solo zur Gitarre. Die ikonische Verbindung Dylan-Acoustic Guitar soll es aber an diesem Abend nicht geben. Der Meister greift kein einziges Mal zur Gitarre, spielt dafür Harmonika (sehr gut) und Klavier (passabel). Mit Dylan am Klavier gelingt eine fantastische Version von Ballad of a Thin Man, diesem grandiosen satirischen Porträt eines Hipsters ca. 1965. Der eine Konzerthöhepunkt, der andere ist A Hard Rain's A-Gonna Fall, Dylans beklemmende Aufarbeitung der kubanischen Raketenkrise, als der junge Bob schon mal lyrisch die nukleare Apokalypse beschwor in einer Wortgewalt und Eindringlichkeit, die im Genre des populären Songs und nicht nur dort kaum einer je erreicht hat. Ja, das ist ein Plädoyer für die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an ihn. 

All Along the Watchtower, ein Song, dessen definitive Version gewiss nicht von Dylan selbst stammt: Danach stehen der Meister und seine Mannen noch etwas verloren im Scheinwerferlicht, wohl einen Moment unsicher, ob sie noch einen Song spielen sollen/können/dürfen(?), bevor sich Dylan grußlos wie immer, tatsächlich hat er das ganze Konzert über wieder kein einziges Wort an das Publikum gerichtet, von der Bühne verabschiedet. Hoffentlich nur bis zum nächsten Mal.


Setlist Bob Dylan & His Band, Mainz 2015:

01: Things Have Changed
02: She Belongs to Me
03: Beyond Here Lies Nothin'
04: Working Man's Blues #2
05: Duquesne Whistle
06: Waiting for You
07: Pay in Blood
08: Full Moon and Empty Arms (Frank-Sinatra-Cover) [Weltpremiere]
09: Tangled Up in Blue
10: To Ramona
11: Early Roman Kings
12: Sad Songs and Waltzes (Willie-Nelson-Cover) [Weltpremiere]
13: 'Til I Fell in Love With You
14: Tweedle Dee & Tweedle Dum
15: A Hard Rain's A-Gonna Fall
16: Ballad of a Thin Man

17: All Along the Watchtower (Z)


Freitag, 7. November 2014

Pillip Boa and the Voodooclub, Mainz, 06.11.14

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Konzert: Phillip Boa and the Voodooclub
Ort: KUZ, Mainz
Datum: 06.11.2014
Dauer: knapp 100 min
Zuschauer: ca. 300 (nicht ganz ausverkauft)



"Das ist eigentlich ein total schönes Lied, das haben wir nicht richtig gespielt, das müssen wir noch üben. Es war erst das zweite Mal." Früher klang Phillip Boa anders. Als ich ihn bei einem der Bizarre-Festivals auf der Loreley gesehen habe, trat er eine Palette Hansa-Pils Dosen ins Publikum und brüllte immer wieder "Phillip Boa ist ein Arschloch!" Damit sprach er uns allen aus der Seele - aber immerhin ein Arschloch, das damals die mit Abstand beste Musik in Deutschland machte. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre hatte ich Phillip Boa and the Voodooclub ein paar Mal gesehen. Lieder wie Container love, This is Michael, Diana und vor allem Annie flies a lovebomber waren auf jedem Mixtape und gehörten zu meiner musikalischen Prägung wie die Hits der Pixies und der Smiths

2011 stolperte ich über ein Boa-Konzert in Koblenz, bei dem der irgendwann (bevor es dazu Fernseh-Shows gab) nach Malta ausgewanderte Musiker seine beiden Alben Helios und Boaphenia komplett spielte. Der Abend war ein Wiedersehen nach gut 20 Jahren - und er machte Spaß. Trotzdem habe ich seitdem weder den Künstler noch seine Musik beachtet. Wie dumm.

Das Konzert im KUZ in Mainz war zwar wohl nicht ganz ausverkauft aber gut besucht (von Publikum im erwarteten Alter und der erwartet dunklen Kleidung). Wir hatten die Vorgruppe ausgelassen und standen um kurz vor neun im Saal, fast gleichzeitig mit der Band. Ich kenne leider die Namen der Musiker nicht, die Phillip Boa 2011 begleiteten. Die Konstellation - Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard* (und zweites Schlagzeug) plus Sänger und Sängerin - war aber wohl die gleiche wie vor dreieinhalb Jahren. Die Sängerin ist nach dem erneuten Ausstieg von Pia Lund eine neue. Sie heißt Pris, hat offenbar einen ausgezeichneten Filmgeschmack und eine hervorragend zu Boa und zu Boas Liedern passende Stimme. 

Im August ist Bleach house, das 18. (?) Album des Dortmunders erschienen. Ich habe es zwar gekauft, bisher aber nicht gehört. Das wird Philipp Boa verstehen. Denn vor einigen Wochen ist auch das dritte Album der wundervollen Vaselines erschienen, das ich seitdem ununterbrochen höre. In Koblenz hatte Boa zu meiner großen Überraschung Molly's lips von meinen heißgeliebten Vaselines gecovert, er mag die Band.

Außerdem höre ich neue Lieder oft live zum ersten Mal, denn so erkennt man am besten, ob eine Platte etwas taugt. Sie vorher zu hören, kann eigentlich nur eine spätere Enttäuschung bedeuten.

Das Konzert war als eine Mischung aus alten und neuen Liedern angekündigt worden. Und es wurde auch so umgesetzt. Es begann mit Kill the future vom neuen Album, bevor mein Liebling Annie flies a lovebomber folgte. Danach mit The one who howls at the moon wieder etwas Neues und Fine art in silver und I dedicate my soul to you alte Hits. Eigentlich ein enorm cleveres Konzept, den neuen Stücken Evergreens an die Seite zu stellen, allerdings wohl auch vollkommen unnötig. Bei allen neuen Titeln sangen viele der Zuschauer genauso euphorisch mit wie bei den alten. Die wenigsten hatten Phillip Boa wie ich aus den Augen verloren.

Natürlich sind Container love, Kill your ideals, Diana oder And the she kissed her riesige Knüller und natürlich gefallen mir - weil ich sie tausendfach gehört habe - die rumpligen alten Sachen besser als die popigen neuen. Aber die neuen Lieder waren trotzdem erstaunlich gut. "Total schön", Phillip Boa hatte recht. Das beste der neuen war Baby please go home. Aber auch das nach Weihnachten (nur die Melodie!) klingende Chronicles of the heartbroken war toll. Ich sollte mir in einer Vaselines-Pause dringend einmal Bleach house anhören, glaube ich.

Der Sänger war gut gelaunt, das Konzert lang. Nach sechs Zugaben und hundert Minuten endete der zweite Abend der Tour (nach Marburg am Mittwoch). Wenn Phillip Boa unter anderem Namen auftreten würde, würden vermutlich einige Musikmagazine seine originelle, aktuell klingende Musik in den höchsten Tönen loben. Bei jemandem, der seit Mitte der 80er Jahre Platten veröffentlicht, macht das leider niemand mehr. Dabei ist ganz objektiv jedes Boa-Konzert zigmal besser als der Großteil der Bands, die zur Zeit durchs Dorf getrieben werden. 

Setlist Phillip Boa and the Voodooclub, KUZ, Mainz:

01: Kill the future
02: Annie flies a lovebomber
03: The one who howls at the moon
04: Fine art in silver
05: I dedicate my soul to you
06: Überblendung
07: Deep in velvet
08: Til the day we are both forgotten
09: Bleach house
10: Love on sale
11: Icons of anarchy
12: This is Michael
13: Chronicles of the heartbroken
14: Atlantic Claire
15: Diana
16: Are you the one from heaven?
17: Container love

18: Baby please go home (Z)
19: Albert is a headbanger (Z)
20: When the Wall of Voodoo breaks (Z)
21: And then she kissed her (Z)

22: Standing blinded on the rooftops (Z)
23: Kill your ideals (Z)

Links:

- aus unserem Archiv: 
- Phillip Boa And The Voodooclub, Koblenz, 10.03.11
- Interview mit Phillip Boa, Koblenz, 10.03.11 

Tourdaten Phillip Boa and the Voodooclub:

07.11.14 Magdeburg
08.11.14 Dresden
13.11.14 Nürnberg
14.11.14 Karlsruhe
15.11.14 Köln
28.11.14 Bremen
29.11.14 Hamburg
04.12.14 Göttingen
05.12.14 Erfurt
06.12.14 Berlin
05.03.15 Weinheim
06.03.15 Aschaffenburg
07.03.15 München
14.03.15 Cottbus
08.05.15 Hameln
09.05.15 Kiel


* Oliver Klemm (Gitarre), Maik T (Bass), Moses Pellberg (Schlagzeug), Toett (Keyboard & Schlagzeug)



Donnerstag, 7. August 2014

Neil Young & Crazy Horse, Mainz, 28.07.2014

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Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Vorband: The Magic Numbers
Ort: Zollhafen-Nordmole, Mainz
Datum: 28.07.2014
Dauer: 120 Minuten Neil Young & Crazy Horse, 30 Min. The Magic Numbers
Zuschauer: über 10.000

Bericht von Matthias aus Oberhessen:


Ich konnte meine Ohrstöpsel nicht finden. Geht man zu einem Konzert von Neil Young und Crazy Horse, sind das denkbar schlechte Voraussetzungen, um am nächsten Tag ein Pfeifen auf den Ohren oder Schlimmeres zu vermeiden. Ich habe mich dann trotzdem hin getraut und wurde belohnt. Als ich das Gelände betrete, spielen The Magic Numbers gerade ihren ersten Song. Die Band besteht aus zwei Geschwisterpaaren aus Nord-London und ist stilistisch irgendwo zwischen New Wave a la Boomtown Rats und melodiösem Folkrock a la Travis angesiedelt. Neil Young sucht seine Support-Acts immer selbst aus, wie man weiß und auch hier hat er wieder einen guten Griff getan. Das Mainzer Publikum gibt der Band um Frontmann Romeo Stodart gerne eine Chance, die vier Engländer, deren Debutalbum immerhin zweifachen Platinstatus in Großbritannien erreichte, geben ihr Bestes und überzeugen auf der ganzen Linie. Nach drei Songs ist Schluss, fast möchte man sagen, leider, diese Musik könnte ich noch den ganzen Abend hören, aber man ist ja schließlich wegen diesem in Kalifornien lebenden, kanadischen Singer/Songwriter hier, den der Kritiker der FAZ, in einem Anfall von Originalität, einen „achtundsechzigjährigen Achtundsechziger“ nannte. 
Das Ende der Umbaupause kündigt sich dadurch an, dass die Holzstatue von Chief Crazy Horse, die sie auf allen ihren Konzerten begleitet, auf die Bühne gebracht wird. Kurz darauf stehen die vier älteren Herren, inklusive zweier jüngerer Backgroundsängerinnen, auf der Bühne. Der erste Song, passend zum Veranstaltungsort direkt am Rhein, ist natürlich „Down by the River“. Der Song aus Youngs zweitem Soloalbum von 1969, „Everybody knows this is nowhere“, seiner ersten Zusammenarbeit mit Crazy Horse, macht überdeutlich, was man von dieser Kombination zu erwarten hat; ausgedehnte Jams, minimalistische Gitarrensoli vom Meister selbst oder von Gitarrist Frank „Poncho“ Sampedro und diesen wiegenden Groove, den nur Drummer Ralph Molina, und hier Gastbassist Rick Rosas, so hinbekommen, das er auch nach zwanzig Minuten nicht langweilig wird. Tatsächlich dauert der Song dann 25 Minuten. Young, Poncho und Rick Rosas stecken die Köpfe zusammen, ein Solo folgt dem anderen, gelegentlich wendet sich Young zum Mikrofon, die musikalische Spannung entlädt sich in dem wunderschönen Refrain und dann heißt es wieder: Köpfe zusammenstecken. Bis dann nach 25 Minuten der Jam einfach abbricht, Crazy Horse waren nie sehr gut darin, einem Song zu einem richtigen Abschluß zu bringen, er hört gewöhnlich einfach auf. 
Danach folgt „Powderfinger“ vom legendären 79er Album „Rust never sleeps“, meiner erste Begegnung mit Crazy Horse und seitdem einer meiner Lieblingssongs. Die traurige Pioniersaga erzählt die Geschichte eines Überfalls auf eine Farm vom Fluß aus (wiederum sehr passend), erzählt in schleppenden Rhythmen und mit brachialen Gitarrensounds. Die kommen auch in Mainz angemessen heavy, aber nicht so laut, wie es mir Konzerterfahrungen mit Crazy Horse aus den neunziger Jahren nahegelegt hatten. Am Ende wird das hier doch kein Ohrstöpselkonzert. Der nächste Song, das unveröffentlichte „Standing in the light of Love“, bis zu dieser Tour nur einige Male vor dreizehn Jahren gespielt, ist eine Überraschung. Obwohl es wohl niemand kennt sogar ein echter Crowd-Pleaser, jedenfalls singen tausende Fans den Refrain auch nach dem Ende des Songs weiter, zur Freude Neil Youngs. 
„Days that used to be“ und „Love to burn“, vom Young & Crazy Horse Album „Ragged Glory“ sind angemessen nostalgisch, werden von den Fans bejubelt, die Band scheint hier aber den Faden zu verlieren, von der Brillanz im Zusammenspiel während der ersten beiden Songs ist wenig übrig geblieben. Die ausgezeichneten Backgroundsängerinnen, die einiges zum Gesamtsound beitragen und der den ganzen Abend in bestechender Form singende Frontmann, retten aber auch diesen Teil des Abends. Keineswegs untypisch für Konzerte Neil Youngs mit Crazy Horse, die Konzentration scheint oft in der Mitte nachzulassen. „Living with War“, Youngs Protestlied gegen den Irakkrieg, hier wohl gespielt als Kommentar zur angespannten Weltlage, wirkt aber angemessen wütend und kraftvoll. „Name of Love“, der einzige CSN&Y-Song an diesem Abend, aus ihrem unfassbar schlechten 89er Album „American Dream“, ist eine weitere überraschende Songwahl. Bei dieser Tour stehen eindeutig Hits und Raritäten auf dem Programm. Es folgen zwei Songs, von Neil Young solo interpretiert, die an diesem Abend gleichzeitig den Hit-Anteil vergrößern und eine Reminiszenz an Youngs Folk-Wurzeln darstellen. „Blowin in the wind“ ist sicher melodischer als das, was der Meister selbst in Mainz vor einigen Jahren intonierte und Neil Youngs größter Hit „Heart of Gold“ könnte so schön im Licht von tausend Smartphones erstrahlen, wäre es nicht noch hell. Mit „Barstool Blues“ meldet sich Crazy Horse kraftvoll zurück, alle sind wieder voll konzentriert bei der Sache. „Psychedelic Pill“, eine Rarität bei Crazy Horse Konzerten, ist deutlich kürzer als auf der gleichnamigen Platte, was dem Song aber gut bekommt. Dann stimmt Neil Young tatsächlich noch einen meiner Lieblingssogs an, „Cortez the Killer“, und was dann folgt, ist sicher die beste Version, die ich von dem Song kenne. Trotz der zehn Minuten Länge kein ausgedehnter Jam, stattdessen arbeiten Neil Young und Crazy Horse die ökologische Botschaft des Songs besonders heraus, wenn Young sehr betont singt „They build up with their bare hands, what we still can’t do today.“ Die Botschaft des Abends erklärt Neil Young dann beim nächsten Song, dem Klassiker „Rockin in the free world“. Es geht um nichts Geringeres als die Rettung der Erde. Die am Eingang verteilten „Earth“-T-Shirts sollen die Besucher tragen und so auf die vielfältigen und aktuellen Gefahren für Mutter Erde aufmerksam machen. Dieser Hippie-Aktivismus ist wohl etwas allgemein, nichtsdestotrotz richtig und notwendig. „We came here to play music for you. You get the T-Shirts for free. Fuck the system,“ lässt sich der Meister vernehmen. Tatsächlich habe ich ihn noch nie so aufgewühlt gesehen, meist wirkte er auf der Bühne eher schüchtern; auch in Mainz waren das seine ersten Worte an das Publikum, bis dahin hatte er nur einige Worte mit Crazy Horse gewechselt, der Statue, nicht der Band. In „Rockin in the free world“ gibt es dann eine Extrastrophe, die Fracking verdammt, wenn ich das richtig verstanden habe. Musikalisch im Original eher eine schnelle Grunge-Nummer, drosseln Crazy Horse das Tempo, obwohl sie ja als die Proto-Grunge-Band schlechthin gelten. Als einzige Zugabe gibt es nach fast zwei Stunden einen neuen Song „Who’s gonna stand up and save the Earth?“. Musikalisch erinnert die Nummer stark an Lenny Kravitz, der Agit Prop-Charme der Nummer vermag aber durchaus zu überzeugen. Fazit: Ein großartiges Konzert von vier Althippies, die noch viel zu sagen haben und das hoffentlich auch in Zukunft tun werden. 


Setlist The Magic Numbers, Mainz:

01: The Pulse 
02: I see you, you see me 
03: Love me like you 

Setlist Neil Young & Crazy Horse, Mainz:

01: Down by the River 
02: Powderfinger 
03: Standing in the light of Love 
04: Days that used to be 
05: Living with war 
06: Love to burn 
07: Name of Love 
08: Blowin in the wind (Bob Dylan-Cover)
09: Heart of Gold 
10: Barstool Blues 
11: Psychedelic Pill 
12: Cortez the Killer 
13: Rockin in the free world 

14: Who’s gonna stand up and save the earth (Z)


Sonntag, 28. April 2013

Plumes, Mainz, 26.04.13

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Konzert: Plumes & Modern Days
Ort: Haus Mainusch in Mainz
Datum: 26. April 2013
Zuschauer: 30-40
Dauer: je etwa 45 min


Tonight is an island we can rest on.


Was für ein intensiver Tag, der mit dem Abend im Haus Mainusch und speziell  im Plumes-Konzert auf wundersame Weise zu sich kam. Eine sehr kurze Nacht, denn nach dem Abend in Mannheim war  ich erst in den frühen Morgenstunden zurück. Früh ins Büro, denn Vormittags stand aushandeln und eintüten von ersten Neuordnungsschritten nach einem materiellen und menschlichen Wirbelsturm in der Arbeitsgruppe auf dem Programm. Am Nachmittag zwei Abschiede am Flughafen mit gespanntem Herzen, inklusive kurzem Familientreffen. Dazwischen sehr konzentriertes Büro halten am Fernbahnhof.

Die mit dem Tod tanzt

Der eigentlich unerhebliche Sprung von dort nach Mainz dann mit fast allem was die Informationspolitik auf Bahnhöfen der DB so liebenswert macht. Info beim losgehen zum Fernbahnhof Zug fällt aus - ok. die S-Bahn tut es auch und der S-Bahnhof liegt sowieso näher. Anzeigetafel am S-Bahnhof sagt aber Ersatzzug fährt! Mit einem kleinen Sprint schaffe ich den noch. Japsende knapp rechtzeitige Ankunft am Fernbahnhof - dort die Info Zug etwa 20 min zu spät. Rückweg zum S-Bahnhof (inkl. längerer Fahrtzeit und S-Bahn-Zugtakt) zahlt sich nicht aus. Bei den 20 min bleibt es freilich nicht. Schließlich fährt ein anderer (planmäßiger) Zug ein und was aus unserem Zug wird, ist keine Ansage wert.  

Am Ende bin ich statt 15 min schlappe 50 min unterwegs nach Mainz. Dass ich darüber fast ruhig bleibe, rechne ich mir als coolness an. Aber, so richtig voller Elan bin ich dann doch nicht mehr und lass mir statt eiligem Fußweg durch die unbekannte Stadt im strömenden Regen dann doch lieber von einem Taxi helfen (Taxi fahren ist für mich normalerweise nur echten Katastrophen vorbehalten). Damit bin ich nur wenige Minuten später als geplant am Haus Mainusch. Nach den vagen Informationen im Vorfeld sollte jetzt eigentlich seit einigen Minuten die Vorband spielen....


Das Haus Mainusch ist ein selbstverwaltetes Gemeinschaftshaus. Sehr unabhängig und alternativ. Hier wird jede_r respektiert, sogar Raucher... Ich hatte es mir etwas größer vorgestellt - auf der Suche nach der Bühne und bekannten Gesichtern bin ich schnell durch und habe keines von beidem gefunden. Das ist schließlich der Moment, wo sich doch Verzweiflung flüsternd einschleicht. 

Aber ein Gesicht erkenne ich auf einmal doch ... die Plumes Sängerin Veronica Charnley herself ... und an ihrem Tisch gibt es auch noch einen Sitzplatz. Was soll's ehe ich groß überlegen kann, stelle mich als Freundin von Oliver Peel vor und sofort entspinnen sich die nettesten Gespräche. 


Am Tisch ist noch eine deutsche Freundin aus gemeinsamen Zeiten in Kanada, die für den Abend auf ein Wiedersehen und -hören gekommen ist. Es geht um Fremdsprachen lernen und verlernen, Tourdönekes, Mutmaßungen über den weiteren Verlauf des Abends. Dann kommt Geof Holbrook (Ehemann und heute verantwortlich an den Tasten) hinzu. Stille Freude als ich erzähle, dass ich das Vorprojekt Flotilla kenne und die CD One Hundred words for water sehr mag (klienicum sei Dank!). Dann gesellt sich ein weiterer Kanadier zu uns, den es zur Zeit nach Deutschland verschlagen hat. Michael Taylor arbeitet am Staatstheater in Mainz als Sänger. Was für ein Energiebündel!

Bevor die Vorband deutlich nach 22 Uhr beginnt, finde ich auch die Bühne in einer Art großer Garage hinter dem Haus. Dort aber leider Ernüchterung: Hier wird (obwohl der Raum als Nichtraucher-Zone ausgewiesen wird) ausgerechnet von der Band selbst geraucht. Erst fängt einer neben mir an,  dann sind im nächsten Moment alle dabei  - die 4-5 unter den 30 anwesenden in den fensterlosen Raum reichen, dass es sehr stört. Ich spreche sie an: ich würde gern über ihren Auftritt schreiben und sei dafür extra aus Karlsruhe gekommen und Rauchen stört mich sehr. Die Reaktion ist Achselzucken (Körpersprache: was bist du denn für eine?) ... und so spare ich mir das Konzert.



Statt dessen finde ich am Tisch im Haus den Plumes Drummer  Todd Harrop und wir haben ein interessantes Gespräch über ein harmonisches System an dem er gerade arbeitet und für das er nach einem guten Modell sucht, das über das geordnete aufschreiben von Zahlen hinausgeht. Wir haben Spaß, den Zusammenhang von Mathematik und Musik zusammen zu ergründen und die Faszination an dem Gedankenspiel zu teilen, das bei ihm zu komponierter Musik und Experimenten damit führen wird.

Schließlich wird es nach 23 Uhr ernst. Die Plumes-Musiker machen die letzten Handgriffe, um Mikros, Gitarre und Keyboard an den Verstärker zu bringen und ein improvisiertes Drumset zu sortieren.


Veronica begrüßt das Publikum sehr herzlich und mit den ersten melodischen Phrasen - noch ohne Unterstützung der zwei Herren - hat sie sozusagen im Handstreich das Publikum: Der erste Applaus ist euphorisch. Beim zweiten Song (das erste Stück des aktuellen Albums mit englischen und französischen Textteilen - sehr faszinierend!) ist die Bude wieder ordentlich voll. Er hat alles, was die Musik von Plumes so faszinierend und interessant für mich macht: die Stimme von Veronica, die anscheinend schwerelos über die komplexen Melodiephrasen und Rhythmen schwebt und doch ganz festgezurrt im hier und jetzt ist. Es folgen danach mehrere ruhigere Songs mit sehr dezenter Schlagzeugunterstützung. Vor Kalimba mountain song erzählt sie uns, dass es kein Spaß ist, im eiskalten Winter von Montreal eingemummelt Treppen zu steigen. So wird das slow motion im Text fast körperlich erfahrbar. Bei Messy love gibt es spontane Lacher über die Textstelle, dass sie sich lieber auf Kiefernnadeln betten würde.



Das letzte Lied Away from home geht schließlich wirklich direkt ins Ohr und ist zugleich Ohrwurm und unbedingte Mitwippnummer trotz der vertrackten Taktwechsel und ungeraden Taktlängen. Ein rechter Rausschmeißer eigentlich. 


Freilich lässt sich das begeisterte Publikum nicht ohne Zugabe wegschicken. Auch hier gibt es eine Geschichte zum Lied. Unversehens war Veronica in die Situation geraten, dass nur Armlängen entfernt ein Polizist jemanden mit Pistole am Kopf befahl, die Hände hoch zu nehmen. Bei ihr wird aus der emotionalen Erschütterung ein Liebeslied. Eine rechte Hymne, die mich beschwingt in die Nacht gehen lässt. Der Fußweg ins Hotel ist mir danach egal, obwohl es immer noch dolle regnet.



Muss dann auch gar nicht sein. Nach kurzem ersten Wegstück kommt eine Busstation in mein Blickfeld - voller Konzertbesucher, die ich um Rat fragen kann und schon 2min später fährt mich ein für die Uhrzeit ziemlich voller Bus bis fast vor mein Hotel. 

Ein Abend mit mir bis dahin fremden Menschen so voller Freundlichkeit und anregender Gespräche und Impulse. Und die Musik so zauberhaft und dabei doch auch so irdisch. Ein wahrhaft würdiges Finale für meine drei Musik-abenteuerlichen Tage. Und ins Staatstheater muss ich schnellstmöglich auch...

(Die Überschrift ist aus Away from home by Plumes)



Setlist Plumes:
(1) Behold it
(2) Your train of thought, through tunnels
(3) Phonebooth
(4) Kalimba mountain song
(5) Messy love
(6) Woodstock
(7) Figure it out
(8) Sweet Georgia blue
(9) Beached dolphin
(10) Comfort in future loves
(11) Away from home

(Z) The Holdup 




Setlist Modern Days:
(1) Modern days
(2) Your ghost
(3) Too well
(4) Navigator
(5) Rosemary
(6) Metropolitain
(7) House of Leaves
(8) Beat the devil
(9) Weatherman


Aus Archiven:
Plumes auf Bandcamp
Tourempfehlung von Oliver
Tourempfehlung vom klienicum
das klienicum im April 2012




Donnerstag, 21. Juli 2011

The Indelicates, Mainz, 20.07.11

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Konzert: The Indelicates
*
Ort: Baron, Mainz
Datum: 20.07.2011
Zuschauer: rund 50
Dauer: 75 min


Schon vor drei Jahren hatte mir Indelicates Keyboarderin Julia davon erzählt, daß Sänger Simon ein Konzeptalbum über David Koresh, den ehemaligen Leiter der Davidianer-Sekte in Waco, Texas plane. Im Mai diesen Jahres nun ist David Koresh Superstar auf dem bandeigenen Label Corporate Records erschienen und wird dort auf "zahl, was du magst" Basis vertrieben. David Koresh Superstar ist ein Rockmusical,
wird immer wieder festgestellt. Ich hasse Musicals, Rockmusicals stellen da keine Ausnahme dar. Ob es daran liegt, daß ich weder David Koresh Superstar noch den Vorgänger Songs for swinging lovers als Teil dieser schrecklichen Gattung ansehe oder aber die Indelicates so sehr mag, daß ich auch Musicals von ihnen schätze, weiß ich nicht, es spielt aber auch keine Rolle.

Bei den Aufnahmen zu David Koresh spielte eine bunte Sammlung Musiker mit (ok, es ist ein Musical). Im Gegensatz zu den ersten beiden Alben singen nicht ausschließlich Julia und Simon die Stücke, es sind Gäste wie Jim Bob von Carter USM, der Singer/Songwriter Philip Jeays, Keith TOTP oder David Barnett von Luxembourg. Mein derzeitiges Lieblingsstück A single thrown grenade singt
Lily Rae, die im letzten Sommer zur Livebesetzung der Indelicates zählte.

In den letzten Wochen hatten die Indelicates die Lieder des Albums in England mit diesen Gastmusikern gespielt, zum Teil mit sehr großem Ensemble. Daß die kurze Deutschlandtour jetzt anders sein würde, war angekündigt.** Auch wenn ich zu gerne den ATF Chor erlebt hätte, war mir genauso lieb, die Indelicates alleine und akustisch zu sehen, denn so hatten sie den Mainzer Termin beworben.

Als wir am Baron auf dem Unigelände ankamen, lief in Hörweite das Endspiel um den Liga Pokal. Das Baron ist eine kleine Studentenkneipe mit ein paar Bistrotischen vor der Tür. Da standen einige Leute rum, die Band war trotzdem skeptisch, daß viele Zuschauer kämen. Viel Werbung dafür war offenbar nicht gemacht worden. Drinnen ist eine Bar mit einigen Tischen und ein Extraraum, in dem die Bühne und ein Mischpult aufgebaut waren. Von diesem Raum gingen zwei weitere Türen ab, eine Richtung Küche und eine in einen Indoor (?) Biergarten, aus der im Laufe des Konzertes immer wieder Leute kamen, was ein wenig merkwürdig war. Kurz nach halb zehn stiegen Julia und Simon auf die Bühne und begannen mit Remember The Alamo!, dem ersten Stück des Albums - und dem ersten von vieren, die heute gespielt wurden. Die Koresh-Lieder eignen sich nur zum Teil für ein Akustik-Konzert, da sie zum Teil sehr aufwendig orchestriert sind (mein Liebling ist die singende Säge bei mehreren Stücken). Die vier gespielten Sachen (I am Koresh und Alamo, die bereits vorher im Liverepertoire waren, mein Liebling A single thrown grenade und die tolle Ballad of the A.T.F. funktionieren aber auch in der abgespeckten Version mit Keyboard und (leiser) elektrischer Gitarre ausgezeichnet.

Der Rest war ein Best of, die Band hat schließlich enorm viele Hits im Katalog.* Einige meiner Lieblinge kamen (We love you, Tania, das Lied über die durchgeknallte Enkelin des Medienmoguls William R. Hearst***, Julia, we don't live in the '60s, We hate the kids, Waiting for Pete Doherty to die), andere nicht (Stars, Unity Mitford...), sprich, es war wie immer toll!

Es kamen aber auch wieder viele dieser kleinen Köstlichkeiten, die zu Konzerten der beiden dazugehören. Langsam glaube ich, daß die Saitenwechsel bei Simon Instrument des Spannungsaufbaus sind. Auch gestern riss wieder eine seiner Gitarrensaiten, die er auf dem Boden sitzend wechseln musste. Julia spielte währenddessen Flesh, wozu sie ihn und die Gitarre nicht brauchte. Ein anderes Mal mußte Simon auf den richtigen Moment warten, die Setlist lesen zu können, bei rotem Licht konnte er nämlich nichts erkennen. Bei der A.T.F.**** Ballade sangen die beiden irgendwann unterschiedliche Texte, ungeplant aber komisch.

Besonders toll waren aber die Phasen, besonders bei den Zugaben ("any requests?"), wenn die beiden sich unterhielten, wie die Lieder denn funktionierten. Einmal musste Simon Trockenübungen machen, die Zwischenzeit sollte Julia überbrücken: "talk to them!"

Die Zugaben funktionierten eben auf Zuruf. Danach diskutierten die beiden, ob sie den Wunsch spielen konnten. Für Julia... packte die Besungene die kleine Flöte, die dafür benötigt wird, aus irgendeiner Tasche, und das Lied konnte gespielt werden. Dabei schien Simon aber den Drang zu verspüren, schneller und schneller zu werden, das Stück wurde gegen Ende extrem flott. Die zweite Zugabe (
Somewhere that's green aus dem kleinen Horrorladen - wieder ein Musical, pah!), habe ich nicht ge- und erkannt und hinterher ergoogeln müssen, es war aber auch sehr schön.

Sehr schön trifft auch den Abend wieder ganz genau. Auch das xte Indelicates Konzert war wieder eine große Freude. Da werden noch einige folgen!


Setlist The Indelicates, Baron, Mainz:

01: Remember The Alamo!
02: New art for the people
03: Europe
04: We love you, Tania
05: I am Koresh
06: A single thrown grenade
07: Flesh
08: Ill
09: Ballad of the A.T.F.
10: Jerusalem
11: Savages
12: Our daughters will never be free
13: Be afraid of your parents

14: Julia, we don't live in the '60s (Z)
15: Somewhere that's green (Little shop of horrors Cover) (Z)
16: Waiting for Pete Doherty to die (Z)

17: We hate the kids (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Wiesbaden, 15.12.10
- The Indelicates, Köln, 02.12.10
- The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10
- The Indelicates, Köln, 09.06.10
- The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
- The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
- The Indelicates, Münster, 30.04.08
- The Indelicates, Köln, 24.04.08
- The Indelicates, Köln, 04.10.07
- The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07
- unser Interview mit den Indelicates

* für Ursula :-)

** eine weitere Besonderheit bei den Indelicates sind die Super Special Editions der Alben, bei denen ein Käufer das Album und ein Konzert erwirbt, das aufgezeichnet wird. Der Käufer erhält die Rechte an dem Livealbum, das bei Corporative Records vertrieben wird. Während ihrer Mini-Deutschland-Tour spielen die Indelicates jetzt zwei dieser Super Special Editions

*** wer einmal in seinem Anwesen Hearst Castle in Kalifornien war, weiß, daß Durchgeknalltsein vererblich ist

**** Alcohol, Tobacco, Firearms, eine US-Bundesbehörde, die das alles bekämpft



 

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