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Montag, 31. August 2015

Deichkind, Mönchengladbach, 28.08.15

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Konzert: Deichkind
Ort: Mönchengladbach
Datum: 28.08.15
Dauer: 95 min
Zuschauer: 15.000



Die deutsche Musik, die einem heute aus dem Formatradio entgegenschallt, ist schon erstaunlich nichtssagend. Lauter unverbindliche Absichtserklärungen. Mal wird ein wenig geliebt, ein wenig gelitten, ein wenig entliebt, nur echte Emotionen findet man meist vergeblich. Die Rührseligkeit von "Sing meinen Song" aber ist das schlimmste, alle Künstler finden sich jetzt sogar Genre übergreifend toll, könnte ja sein, dass mal ein Remix ansteht. Bourani und Foster, Joris und Namika alle scheinen einer Generation anzugehören, die für und gegen nichts mehr kämpfen und rebellieren muss.

Vielleicht erklärt sich so ein Gegentrend der letzten Jahre. Bands die schon ewig im Geschäft sind, aber mit klaren Ansagen und auch politischen Texten antreten, erfahren ein Comeback oder ihre erste echte Erfolgswelle. So ist die Entwicklung von Deichkind in den letzten Jahren nicht verwunderlich. Diese Bands sich nie haben verbiegen lassen. Deichkind machen nichts anderes als zu Beginn ihrer Karriere, nur damals wollten es einfach sehr viel weniger Leute hören.

Der Hang zu Parolen, der satte Sound, die lustige Art die deutsche Sprache in Teile zu zerlegen und neu zu ordnen ist ihr Markenzeichen. Nie war ich echter Fan der Band, die letzten beiden CD`s jedoch verfehlten ihre Wirkung nicht.

Nach fast 20 Jahren als Bandkollektiv klangen die neuen Songs wie "Mehr als Lebensgefährlich" oder "Was habt Ihr..?", die es noch nicht einmal zu Singles geschafft haben, frisch wie nie. Alles passte und fügte sich zum vielleicht besten Album der Dreieckshüte.


Somit fiel die Entscheidung leicht, als die Konzertankündigung für meine Heimatstadt ausgerufen wurde. Lobenswerter Weise wurden vorab direkte "Front of Stage" Tickets ohne größeren Aufpreis angeboten. Ich konnte ich mir den Abend mit vier ! ! Supports besser enteilen (man könnte auch sagen "sparen") um Deichkind trotzdem aus der Nähe sehen zu können.

Durch das spontan tolle Wetter bildeten sich an der Abendkasse noch lange Schlangen und am Ende zählte man fast 15.000, meist bunt verkleidete Besucher. Nachdem "Zugezogen Maskulin" als letzte Vorgruppe überraschenderweise vom Publikum völlig ignoriert worden waren, und der unsichtbare VJ Wasted seinen Mix beendete, begann unter stimmungsvoller Vollmondbeleuchtung der wohl größte Kindergeburtstag Deutschlands.

Im ersten Teil des Sets fand sich fast die komplette neue Platte wieder, also auch alle Hits. Dazu noch "Leider geil.." und "Bück dich hoch" vom Vorgängeralbum. Ein mutiger Start, waren doch unter den Zuschauern sehr viele, die Deichkind erst vor kurzem kennengelernt haben dürften.

Wie immer präsentiert sich die Show als ein wilder Mix aus skurrilen Kostümen, wandernden Monolithen und grellen Farben. Das muss man mögen, ist aber ohne Zweifel wesentlich unterhaltsamer als ein USB-DJ a la Guetta. Einziger Kritikpunkt dürfte die fehlende Spontanität auf der Bühne sein. Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen, für beide Seiten.


Nach der kurzen Pause dann viele alte Kracher in neuem Gewand, hier wird endlich variiert. Diverse Songs werden mit neuen Samples versehen. Das funktioniert meistens gut ,nur die "Power of Love" Einlage wirkt fehl am Platz.

Wer immer noch nicht genug hatte, für den gibt es in der letzten halben Stunde gar kein Halten mehr. Jetzt zeigt sich, dass unbändige Party und politischer Anspruch kein Gegensatz sein müssen.

In den Texten sind die Botschaften zwar subtiler verborgen als bei anderen, aber z.B. das Thema Flüchtlinge hatten Deichkind schon auf der Liste als viele andere noch schliefen. Und so rollen sie das Fass rein, tragen dazu aber ihre Refugee-Welcome Anzüge. Auch wenn die Botschaft erst nach dem Kater ankommt, immer noch besser als gar keine eigene Meinung.

Der Rest ist dann aber nur noch Party, der Dreier "Limit"," Prost" und "Remmidemmi" bietet auf der Bühne ein komplettes Pop-Up Dada Spektakel incl. Daft Punk Pyramide, fliegenden Hüpfburgen, Schlauchbootfahrt und Burger-Kostümen.


Dann geht das Licht an und es ist klar, Deichkind funktionieren auch ohne Festival. Die Hit-dichte ist enorm, die Show extrem kurzweilig und das Publikum auch ohne 3-Tages rausch voll bei der Sache.
Wohin die Reise geht bleibt abzuwarten, viele würden sich die Band vielleicht wieder in einen kleineren, intimeren Rahmen zurücksehnen, wo der direkte Kontakt wieder mehr im Mittelpunkt steht. Für 2016 wird das aber erstmal nichts werden Die größten Hallen sind vorgebucht und alle freuen sich wieder auf "So`ne Musik".
  


Dienstag, 29. Juli 2014

Neil Young & Crazy Horse, Mönchengladbach, 25.07.14

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Konzert: Neil Young & Crazy Horse mit Support The Magic Numbers
Ort: Hockeypark – Mönchengladbach
Datum: 25. Juli 2014
Zuschauer: 7000




Bericht und alle Bilder von Dirk - vielen Dank!

Jeder kennt den schlauen Spruch: “Alle sagten, das geht nicht…und dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s einfach gemacht.“  So ähnlich muss es gewesen sein, als der Ex-Hockeyprofi M. Hilgers vor ein paar Jahren begann in meiner Heimatstadt größere Konzerte auszurichten. So etwas kann doch in Mönchengladbach nicht funktionieren hieß es von allen Seiten. Aber sind wir ehrlich, weder Düsseldorf noch Köln können mit variablen Open-Air Bühnen Punkten, der Tanzbrunnen und der Kunstrasen in Bonn stellen keine ernsthafte Konkurrenz dar.

Und so müssen eben auch Großstädter mittlerweile nach Mönchengladbach fahren um Ihre Lieblinge zu bestaunen. Der HockeyPark hat Vor-und Nachteile, jeder sollte sich selbst ein Bild machen. Bei einem tollen Sonnenuntergang und einem Künstler wie Neil Young bietet er aber einen annehmbaren Rahmen, zumal die Bühne immer an der Längsseite aufgebaut wird. Somit haben sowohl Steh-als auch Sitzplätze einen geraden Blick zur Bühne.


Kommen wir aber zu den Hauptakteuren des Abends. Freudig überrascht stellte ich  im Vorfeld fest, dass  The Magic Numbers als Vorgruppe angekündigt wurden. Deren tolle erste Platte datiert zwar nun auch schon aus 2005, aber die aus zwei Geschwisterpaaren bestehende Folk-Rockcombo konnte live noch immer überzeugen. Heute spielen Sie mit gewohnt strahlender Laune viele Stücke aus der noch nicht erschienenen neuen Platte Alias. Diese klingen alle ausgesprochenen toll, die Band lässt sich gehen und Sänger/Gitarrist Romeo Stodarts begeistert das Publikum mit Neil Young ähnlichen Soli. Dazu einige wenige alte Hits und fertig ist die perfekte Vorband. 


Gerade bei Neil Young habe ich des Öfteren schon böses Desinteresse für thematisch völlig deplatzierte Vorgruppen erlebt. In dieser Hinsicht ein mehr als gelungener Auftakt und ein neuer Titel auf meiner Amazon-Wunschliste für das neue Album.  Die Sonne versinkt langsam hinter der Bühne und taucht den Hockeypark mit seinen bunten Sitzen in tolle Regenbogenfarben. Die Bühne bietet außer dem unvermeidlichen Holzindianer und der „Hurricane-Orgel“ an Seilen unter dem Bühnendach keine Reizpunkte. Da bleibt gerade noch genug Zeit mit den umstehenden alte Konzerterfahrungen und Setlisten zu besprechen, bevor Neil Young mit seiner in Teilen neuen/alten Band auf die Bühne schluft (so sieht es wirklich aus...).



Den Bassisten wegen Schlaganfall ausgetauscht, zwei neue Damen als Background angeheuert, dazu die üblichen Crazy Horse Verdächtigen und fertig ist eine neue Band, und die klingt wie keine andere zuvor. Nicht so hart wie von Crazy Horse noch im  letzten Jahr gewohnt, nicht zu soft wie manchmal mit Booker T oder der „Allstar“-Band in den letzten Jahren. Ist der Beginn mit Love and only Love noch identisch, verläuft das Set in diesem Jahr trotzdem in der Folge ganz anders. Besonders die Backing Vocals verleihen vielen Songs einen ganz neuen, eher an Gospel erinnernden Touch.


Das soll natürlich nicht das Zusammenspiel der anderen, Schulter an Schulter schmälern, es entsteht nur eine neue, weitere Note im ewigen Fluss von Neils anscheinend unendlichen Möglichkeiten.  Gerade Living with War und Love to Burn werden so großartig veredelt. Im kurzen, akustischen Intermezzo gibt sich der Meister milde. Die Hits Heart of Gold und Dylans Blowin in the wind steigern die Stimmung nochmal und sind Youngs Zugeständnis  an die Zuschauer, die nicht jede Wendung seiner Karriere mitgemacht haben. Und auch der nachfolgende Doppelpack mit Cortez the killer und Rockin‘ in the free world kann voll überzeugen. Auch hier wird nicht ganz so rabiat zugelangt wie früher, aber die Versionen schwingen und brodeln, es ist eine Freude.


Nach knapp 2 Stunden ist Schluss, als Zugabe hält die Band nur noch einen neuen Song für würdig. Der würde im übrigen Set allerdings glatt durchfallen. Egal, so weiß zumindest jeder: das Ende ist erreicht. Ob und wann Neil Young mit jetzt 68 Jahren nochmal vorbeischaut, fast bekommt man ein wenig Angst es könnte bald das letzte Mal sein. Spielfreude und Wille zur Veränderung sind jedenfalls ungebrochen, und daher kann und wird er einfach weitermachen. Die Erde und die Liebe brauchen weiter seine Unterstützung.


Setlist:
01. Love and Only Love
02. Powderfinger
03. Standing in the Light of Love
04. Days That Used to Be 

05. Living With War
06. Love to Burn
07. Name of Love
08. Blowin' in the Wind
09. Heart of Gold
10. Barstool Blues
11. Psychedelic Pill
12. Cortez the Killer
13. Rockin' in the Free World 


14. Who's Gonna Stand Up and Save the Earth (Z)


Aus unserem Archiv:
Neil Young & Crazy Horse, Dresden, 26.07.14 
Neil Young & Crazy Horse, Stuttgart, 22.07.13
Neil Young & Crazy Horse, Köln, 12.07.13 

The Magic Numbers, Haldern, 03.08.07
The Magic Numbers, Paris, 08.07.07
The Magic Numbers, Köln, 26.02.07
The Magic Numbers, Paris, 02.02.07



 

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