Montag, 10. Juli 2017

Slowdive, Mannheim, 18.06.17


Konzert: Slowdive
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 18.06.2017
Dauer: knapp 85 min
Zuschauer: volles Zelt



Als ich 2014 endlich Slowdive zum ersten Mal live sehen durfte, schloß sich eine wichtige Lücke meiner Musikgeschichte. Ich hatte die Engländer wie viele andere Lieblinge in den 90er Jahren verpasst. Slowdive waren ganz wundervoll bei ihrem Reunion-Konzert* im Village Underground. Und beim Primavera, beim Best Kept Secret, in Genf und noch zweimal in London. Obwohl die Konzerte immer besser wurden, war ich ziemlich sicher, daß nach diesem Jahr wieder Schluß sein würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß es eine neue Platte, neue Konzerte und größere Säle geben könnte. Mein nächstes Mal Slowdive fand gut zwei Jahre später statt, dabei spielte die Band drei neue Lieder, die Platte erschien wenige Wochen später. Als immer mehr Festivals bestätigt wurden und schließlich das Maifeld Derby Slowdive als Headliner aufbot, waren meine Theorien futsch. Gottseidank.



Nach der Veröffentlichung der Platte saßen wir mit ein paar Leuten bei einem Konzert der Bats im King Georg in Köln zusammen und unterhielten uns über Musik. Natürlich kamen wir auf Slowdive, das Gespräche mündete in der Diskussion, ob Slowdive (das Album) die zweit- oder die beste Platte der Band ist. 



Manchmal ist diese Musibranche also doch gerecht. Nach dem unschönen Ende der ersten Karriere (1995 schmissen Creation Records Slowdive eine Woche nach Erscheinen der dritten Platte raus, der musikalische Zeitgeist mochte gröbere Musik) sind Slowdive endlich nicht mehr nur Kritikerlieblinge auf Abruf! Sondern Festival-Headliner!

Der Maifeld-Sonntag war brillant besetzt. Vor Slowdive hatten u.a. schon Spoon, Amanda Palmer mit Edward Ka-Spel oder Thurston Moore gespielt. Eigentlich war bei dem Programm kein fieses Party-Publikum zu erwarten gewesen, was mir das Konzert am Ende sicher versaut hätte, befürchtet hatte ich es aber trotzdem. Rund um Mannheim ist viel Land. Neben mir stand zwar ein Typ, der eine beleuchtete Weihnachtsbaumbeleuchtung trug, es unterhielt sich aber niemand laut und betrunken, es nervte niemand, die Leute waren wegen Slowdive geblieben, ob als Fan oder neugierig.

Als wir mittags auf dem Parkplatz angekommen waren, lief gerade der Slowdive Soundcheck. Slomo spielten sie, das erste Lied der neuen Platte. Slomo erinnert mich an Kate Bush und ist erst auf den zweiten Blick eine Schönheit. In Den Haag hatten sie es nicht gespielt. Richtig viel Überraschungen stecken sonst nicht in den Setlisten der Band. Das mag man kritisieren, aber warum? Was sollte denn aus dem Set rausfliegen? Slowdive spielen ja nur Hits. Riesenhits. 

Und so war es dann auch, Slowdive, Avalyn, Catch the breeze, Crazy for you, Star roving, Machine gun, Souvlaki Space Station, When the sun hits, Sugar for the pill, Alison, No longer making time, She calls, Golden hair und 40 days. Auf was soll man da verzichten? Um Slomo oder beispielsweise Dagger oder das grandiose (und neue) Falling ashes aufzunehmen? Das geht nur, wenn die Band viel Zeit bekommt, beim Maifeld Derby waren es schon einmal festivaluntypische anderthalb Stunden (die sie leider nicht ganz nutzten). 

Als ich nach dem Konzert überlegte, was wohl die besten Lieder waren, kamen mit Avalyn, When the sun hits, Golden hair, vor allem aber No longer making time, Sugar for the pill und Star roving in den Sinn. Meist ist es ja so, daß neue Lieder lästige Pflicht sind, bei Slowdive sind sie Höhepunkte des Konzerts.


Vor allem bei Golden hair, dem Syd Barrett-Cover, bei dem Rachel Goswell am Anfang haucht, die anderen vier anschließend shoegazen bis zum Anschlag (manchmal geht die Sängerin dabei von der Bühne), war mir das Schlagzeug zu laut, ansonsten klangen Slowdive wie immer gut. Ihr Soundmann, der der gleiche wie damals ist, wenn ich richtig informiert bin, ist wohl einer der besten seiner Art.

Ich habe gar nicht so viel zu sagen, ich stand auch slowdiveüblich anderthalb Stunden mit offenem Mund vor der Bühne und dachte höchstens drüber nach, wann ich Rachel, Christian, Nick, Simon und Neil wiedersehe.

Dortmund...




Slomo spielten sie dann am Ende nicht mehr. Zeit wäre noch gewesen, es blieb aber bei der einen Zugabe 40 days. Aber natürlich wäre das Konzert auch überragend gewesen, hätten Slowdive nur 40 days gespielt.

Setlist Slowdive, Maifeld Derby, Mannheim:

01: Slowdive
02: Avalyn
03: Catch the breeze
04: Crazy for you
05: Star roving
06: Machine gun
07: Souvlaki Space Station
08: When the sun hits
09: Sugar for the pill
10: Alison
11: No longer making time
12: She calls
13: Golden hair (Syd Barrett Cover)

14: 40 days (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14 
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14


* am Abend vorher gab es ein kurzfristig angesetztes Konzert bei der Geburtstagsparty von Sonic Cathedral.



 

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