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Freitag, 6. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 2

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Konzert: Moscow Metro, Solander, Charity Children, Spaceman Spiff, Get Well Soon, Lambert, Warpaint, Motorama, Hundreds
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 31.05.2014
Dauer: Moscow Metro ca. 40 Minuten, Solander ca. 45 Minuten, Charity Children ca. 45 Minuten, Spaceman Spiff ca. 50 Minuten, Get Well Soon ca. 65 Minuten, Lambert ca. 50 Minuten, Warpaint ca. 80 Minuten, Motorama ca. 60 Minuten, Hundreds ca. 50 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Was für ein Tag! Irgendwie hatten es die Maifeld Derby-Organisatoren versäumt, sich nach meinen persönlichen Präferenzen zu richten, als sie den konkreten Zeitplan des Drei-Tages-Festivals zusammenstellten. Schon bald wurde klar, dass der Samstag ein langer und harter Tag werden würde. Und dabei musste ich nicht einmal mit den jungen Leuten zelten, sondern mich nach der überstandenen Dauerbeschallung nur in das am Rande des Maimarkts gelegene Billighotel schleppen. Was schwierig genug war, aber genug gejammert. Die Veranstalter haben mich ja nicht gezwungen, neun Bands anzusehen! Aber da war ja noch mein Freund...



Los ging der Festivalsamstag für mich am Nachmittag mit Moscow Metro. Die junge irische Band trat im Palastzelt auf, was auch besser zu den schwarz gekleideten Musikern passte als der an diesem Tag gleißende Sonnenschein draußen. Einige der relativ zahlreichen Zuschauer waren sicher erschienen, weil die Musik der Band einen der Derby-Trailer musikalisch untermalt hatte. Die Band hat erst eine EP veröffentlicht, und so kannten wir die meisten der gespielten Songs noch nicht. Bezüglich des Gesangs wechselten sich der Gitarrist und der Bassist ab. Der Auftritt litt ein wenig darunter, dass die Gitarre irgendwann nicht mehr funktionierte und sich nur nach längeren Bemühungen wieder in Gang bringen ließ. „Where It All Ends“ wurde deshalb auch nur angespielt und dann schlussendlich zum nächsten Song übergegangen.



Die Band war sichtlich frustriert über die eigenen technischen Probleme, die das ohnehin kurze Set weiter zusammenschrumpfen ließen. Für einen ersten Eindruck vom Joy Division-Sound der Iren hat es bei mir dennoch gereicht.

Setliste:
Headlights
Future Fades
Cosmos
Where It All Ends (entfallen)
King Of The Knives
Spirit Of A City
Stranger In My Blood
Resurrect Yourself
Revelation Nightdrive


Nach diesen düsteren Klängen traten wir blinzelnd ins Sonnenlicht und wanderten herüber zum Parcours d’Amour, wo als nächstes die Band Solander - bei der es sich streng genommen um ein Soloprojekt mit Zusatzmusikern handelt - aufspielen sollte. Die Schweden spielten ein stimmungsvolles Set, das beim Publikum hervorragend ankam, nur nicht bei den Schwätzern vor uns… An und für sich herrschte im Parcours um mich herum stets gespannte Aufmerksamkeit, nur bei diesem Konzert hatte ich Pech mit der Nachbarschaft. Sänger Fredrik Karlsson bedauerte, dass die Band direkt nach ihrem Auftritt zu einem anderen Festival nach Esslingen weiter reisen musste, weil man gerne geblieben wäre, um sich Warpaint und The National anzusehen. So konnte er nur anbieten, uns quasi im Wegfahren noch CDs zu verkaufen.


Den Countrysong „Black Rug“ spielte er exklusiv für einen Freund, der diese Art Musik besonders mag. Ein toller Auftritt, der viele Zuschauer begeisterte, insbesondere der Harmoniegesang beim älteren Song „Flight“ wusste zu gefallen.

Setliste:
The Woods Are Gone  
Monday Afternoon
Flight
Black Rug
All Opportunities
Huckleberry Finn
Social Scene
Monochromatic Memories
Lighthouse


Nach Solander blieben wir einfach sitzen für das Berliner Duo Charity Children, bei dem es sich eigentlich um Straßenmusiker aus Neuseeland handelt. Für den Auftritt hatten die beiden Verstärkung von vier weiteren Musikern, das Paar stand vorne an einem Doppelmikro und sang sich gegenseitig an, wobei sie selbst auch verschiedene Instrumente, beispielsweise ein Miniakkordeon, ein Banjo und eine Mundharmonika bedienten.


Ich fand das Ganze zweifellos inbrünstig, aber so richtig mein Fall war es nicht. Im Publikum vor uns wurde immer wieder begeistert aufgesprungen und mitgetanzt, aber mir ging das gegenseitige Angesinge innerhalb kurzer Zeit auf die Nerven. Interessant war allerdings, dass die mit einer Art Samtzelt bekleidete Sängerin aussah, als sei sie Natalie Portmans Schwester.


Am Ende von Charity Childrens Set zeigte sich ein Trend des Festival-Samstags, denn hatte man am Vortag noch recht streng auf Einhaltung des Zeitplans bestanden, durfte nun so gut wie jede Band ein Extralied spielen – im Falle von Charity Children den neuen Song „Anthem For All The Dead Dogs“.

Setliste:
You Want Me
Butterflies
To See You Smile
Empty Vicious Nights
Till The Day I Die
Holy War
Killing Time
Elizabeth
Everything You Wanna Give
Whispering Still

Anthem For All The Dead Dogs


Wiederum blieben wir einfach sitzen, und als nächstes kam mit Spaceman Spiff ein einzelner junger Mann mit Gitarre auf die Bühne, der als erstes einen Tischtennisschläger an den Mikrophonständer klebte. Nach einigen seiner textlastigen, melancholischen Songs bekamen wir auch erklärt, was es mit der Dekoration auf sich hatte: Am Vorabend hatte Spaceman Spiff in Bremen gespielt, es war irgendein Missgeschick passiert und er hatte sich beklagt, dass er kein Tischtennisspieler sei, denn diese würden, wenn etwas schief ginge, immer irritiert ihren Schläger ansehen. Innerhalb von Sekunden sei daraufhin der Tischtennisschläger auf die Bühne geflogen, und er habe beschlossen, diesen zukünftig als Talisman einzusetzen.


Leider war ihm aber bereits zu Beginn der Geschichte beim Gestikulieren die Gitarre herunter gefallen, so dass sich der Tischtennisschläger bereits bei seinem ersten Einsatz als komplett nutzlos in seiner Rolle als Unglücksvermeider erwiesen hatte und in die Ecke gepfeffert wurde.

Spaceman Spiffs Musik erinnerte mich frappierend an Enno Bunger, was jetzt gar nicht negativ gemeint ist. Wo Enno kalauert und mit seinem Liebeskummer kokettiert, wirkt Spaceman Spiff aber authentisch-sympathisch ungeschickt. So erzählte er etwa, dass er normalerweise mit Band auf Tour sei, diese heute aber anderweitig beschäftigt sei, beziehungsweise in einem Fall auch gerade im Publikum sitze: „Es ist heutzutage so schwierig, gutes Personal zu finden!“ Außerdem konnte er seine Setliste nicht mehr lesen, nachdem er darauf getreten war, und überließ die weitere Songauswahl dann vertrauensvoll einem Publikumsmitglied.


Er wirkte auch ehrlich überrascht und gerührt über die große Aufmerksamkeit , die ihm und seiner Musik entgegen gebracht wurde – sogar seitens der Stage Crew, die nach einer Zugabe ("Straßen") noch auf einen weiteren, akustisch im Publikum dargebotenen Song ("Gedankenstriche") drängte. Dazu wurde Hannes nahezu von der Crew auf die Tribüne geschoben.

Setliste:
Milchglas
Hier und der Wahnsinn
Zeit zu bleiben
Oh Bartleby      
Der Tag, an dem ich nicht verrückt wurde
100.000 Kilometer
Han Solo
Egal
Mit Scherenhänden
Hamburg
Teesatz

Straßen

Gedankenstriche (akustisch)


Weiter ging es nun, nach kurzer Essenspause und einer noch kürzeren Stippvisite bei dem Musiker Sohn, für uns im Palastzelt, wo Get Well Soon ihren ersten Derby-Auftritt seit der Premiere des Festivals vor der Jahren absolvieren sollten, dieses Mal mit klassischem Orchester, bestehend aus 4 Streichern und 4 Bläsern.

Nachdem wir uns relativ früh eingefunden hatten, um Plätze vor der Bühne zu ergattern, konnten wir vorab noch den recht aufwändigen Soundcheck sämtlicher Instrumente beobachten. Konstantin Gropper, den man tagsüber bereits als Festivalgast hatte beobachten können, hatte sich in einem schwarzen Anzug geworfen, seine Schwester Verena trug ein kleines Schwarzes, die restliche Band erschien ebenfalls in schwarz und grau.


Als das Konzert dann begann, machten wir gleich mehrere positive Entdeckungen: Zum einen konnte man hier, anders als etwa bei Woodkid in Düsseldorf, den Effekt der Streicher und Bläser auf die Musik tatsächlich hören. Zum anderen hatte die Band sich – anders als bei der Derby-Premiere vor drei Jahren, für eine Festival-passende Auswahl ihrer schnelleren Songs entschieden. Und drittens war das Publikum um uns herum, wiederum anders als vor drei Jahren, aufmerksam und begeistert – damals hatten meine Begleiter und ich uns sehr über Schwätzer geärgert.

Nachdem jede Menge Streicher anwesend waren, verzichtete Verena bei diesem Auftritt auf ihre Geige, sie konnte sich auf ihren Gesang konzentrieren, sowie auf das gelegentliche Trommeln und Becken schlagen.


Gesprochen wurde bei diesem Auftritt nicht allzu viel. Einmal erwähnte Konstantin, er freue sich, dass es uns gefalle, wir hätten aber nicht wirklich eine Wahl, da durch den in der Nähe stattfindenden Marathon niemand das Gelände erreichen oder verlassen könne, wir säßen also alle in einem Boot. Ein andermal erklärte er, er freue sich, dass Bandmitglied Timo Kumpf das Festival ins Leben gerufen habe, und das auch noch in seiner Heimatstadt Mannheim und gab dem Publikum die Möglichkeit, dem Organisator zu applaudieren – die natürlich ausgiebig genutzt wurde.

Die Opulenz, die Get Well Soons Musik ohnehin auszeichnet, gewann durch die Anwesenheit der Zusatzmusiker nochmals dazu, insbesondere „Burial at sea“ klang in dieser Version ausgesprochen beeindruckend. Die regulären Get Well Soon-Musiker legten sich ebenfalls mächtig ins Zeug und die meisten Songs endeten in einem Instrumentefeuerwerk mit geradezu schreiendem Gesang.
Auch Get Well Soon durften nach diesem wirklich sehr beeindruckenden Set natürlich eine Zugabe spielen, bevor wir uns nach „We are Ghosts“ wieder zum Parcours d’Amour begaben.


Setliste:
?
Seneca's Silence
The Last Days Of Rome
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Roland, I Feel You
Werner Herzog Gets Shot
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
A Burial At Sea
Angry Young Man
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

We Are Ghosts


Dort saß bereits der skurrile Musiker Lambert am Klavier uns spielte mit einer Antilopenmaske seine selbst komponierten Klavierstücke, die irgendwo zwischen Klassik und Soundtrack lagen. Wie bereits Spaceman Spiff war auch dieser Musiker von der ihm im Parcours entgegen gebrachten Aufmerksamkeit beeindruckt und erzählte, er sei am Vorabend die Vorband für Bonaparte gewesen, deren Publikum auf Radau aus gewesen sei. Das Sprechen mit der Maske sowie das Lesen der Setliste fielen dem Künstler schwer, wobei diese Umständlichkeiten auch komödiantische Aspekte hatten.

Wenn Lambert mit seinem Antilopenkopf nickte, klackerten die Enden der Hörner teils rhythmisch zusammen, was das Publikum bei einem seiner Lieder als Aufforderung zum Mitklatschen annahm – laut dem Musiker eine Weltpremiere. Und auch er durfte selbstverständlich noch eine Zugabe geben. Bezüglich der Setliste kann ich nur berichten, dass einer seiner Songs „Slow slow“ hieß und von seinem alljährlichen Versuch, zu joggen, handelte.


Weiter ging es zurück ins Palastzelt zum Headliner Warpaint. Ich hatte das Damenquartett aus Los Angeles bereits vor einigen Jahren live gesehen und doof gefunden, nahm mir aber vor, den neuen Auftritt neutral anzugehen. Leider fand ich aber ein weiteres Mal keinerlei Zugang zu den Songs, konnte ihnen nicht folgen und verfiel schon bald in Langeweile. Übrigens schien auch das restliche Publikum nicht sonderlich begeistert zu sein.


Im starken Nebel, der die Bühne umwaberte, konnte ich die Musikerinnen kaum sehen und nur erkennen, dass Emily Kokals blaue Haare einen gewaltigen Ansatz aufwiesen und Jenny Lee Lindbergs Frisur pink war. Die schlechte Sicht verdarb mir dieses Mal sogar die Chance, über die Kleidung der Musikerinnen zu lästern. Schemenhaft konnte man im Hintergrund der Bühne das Cover des aktuellen Albums „Warpaint“ erkennen. Kurz nachdem Emily darum gebeten hatte, die an der Decke des Zelts befestigte Discokugel anzuschalten, sich über den Effekt gefreut und darum gebeten hatte, sie für den Rest des Sets anzulassen, beschlossen wir, das Konzert zu verlassen und brachen zum neuen Brückenaward-Zelt auf.

Setliste:
Intro
Keep It Healthy
Bees
Hi
Undertow
Feeling Alright
Biggy
Love Is to Die
No Way Out
Disco//Very
Drive
Ashes To Ashes (David Bowie cover)
Elephants

Diese Bühne hatte gegenüber früheren Jahren, in denen sie sich in einem schlichten Bierzelt befunden hatte, ein gewaltiges Upgrade erfahren und sah nun aus wie eine Miniaturversion des Palastzeltes. Für eine professionelle Lichtausstattung hatte das Budget dann aber doch nicht mehr gereicht, und so bot sich ein etwas kurioses Bild: Mehrere Overheadprojektoren warfen Bilder auf die Zeltdecke, auf die Bühne waren zwei Diaprojektoren gerichtet, vor denen der beschäftigte Lichtmann während des ganzen Konzertes (oder gar des gesamten Festivals?) mit der Hand bunt bemalte Drehscheiben bewegte.



Eigentlich waren wir aber nicht gekommen, um die Lichtausstattung zu bewundern, sondern um Motorama zu sehen. Die russische Band wird von allen Seiten hoch für ihre Liveauftritte gelobt, weshalb ich ziemlich gespannt war. Leider zog sich der Beginn des Auftritts aber ziemlich hin (wäre mir an dem Warpaint-Auftritt mehr gelegen, hätte es mich sicher geärgert, diesen umsonst früher verlassen zu haben), so dass ich letztlich nur ein paar Songs der Band hören konnte, bevor wieder der Aufbruch zum nächsten Konzert angesagt war, und auch keine Hinweise auf das anscheinend als exzentrisch bekannte Konzertverhalten des Sängers mitbekam.


Es war nämlich nun Zeit für das letzte Konzert des Abends, zur Abwechslung wieder im Palastzelt. Hundreds hatte ich beim ersten Maifeld Derby das erste Mal gesehen, und es ist eine der wenigen Bands, die mich ohne Vorkenntnisse ihrer Musik auf Anhieb mit einem Konzertauftritt schwer beeindruckt haben.


Meine letzte Begegnung mit der Band war erst einige Monate her, und das Setup der Bühne entsprach genau dem, was ich bereits in Köln gesehen hatte: Links ein Synthesizer“schrank“ für Philip, rechts Percussioninstrumente für den namentlich nicht bekannten Zusatzmusiker, als Dekoration aufrecht stehende Leuchtstoffröhren. Zuerst trat der Percussionist auf, dann kam Philip dazu, und erst nach einem Intro betrat auch Eva die Bühne. In Köln hatte sie ein schwarzes Kleid getragen, das beim Maifeld Derby war weiß, dazu hatte sie in der Garderobe offenbar den Glitzerlidschatten der Band Fenster vom Vortag vorgefunden.


Das Hundreds-Set dieses Abends enthielt im Gegensatz zum Kölner Konzert viele ältere Lieder, die tanzbarer als gewohnt umgesetzt waren. Obwohl der Abend mittlerweile weit fortgeschritten war, hatte sich das Zelt nochmals recht gut gefüllt, was Eva, ansonsten sehr wortkarg, erfreut anmerkte. Auch dieser Auftritt von Hundreds, mein insgesamt vierter, war wieder ein Vergnügen. Anschließend ging es nach schlappen acht Stunden Festival zurück ins Hotel.


Setliste:
Intro
Beehive
Rabbits On The Roof
Fighter
Aftermath
Happy Virus
Circus
Our Past
Let's Write The Streets
Grab The Sunset

Song For A Sailor

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Montag, 2. Juni 2014

Maifeld Festival 2014 in Mannheim, Tag 2

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Meine Konzerte: 
  L'Aupaire (40 min)
  Solander (45 min)
  Charity Children (45 min)
  Spaceman Spiff (60 min)
  Sohn (50 min)
  Get well soon mit großen Ensemble (65 min)

Ort: Maimarktgelände in Mannheim
Datum: 31. Mai 2014
Zuschauer: etwa 300 - über 2000


Am zweiten Maifeldtag hatte sich das Wetter endgültig entschieden, einen Vorgeschmack auf den Sommer zu geben. Auf meinem inneren Plan hatte ich nur drei feste Punkte: 15 Uhr Moscow Metro und 21 Uhr Get well soon im Palastzelt und 16 Uhr Solander im Parcours. Mit der Hoffnung, dass Get well Soon der Höhepunkt meines Maifeld Derbys werden wird.



Ansonsten war ich noch etwas unentschlossen, weil es so vielfältige Auswahl gab. Aber die Sonne war mit schuld daran, dass ich als erstes an diesem Tag meinen Plan über den Haufen warf. Von 14:40 Uhr bis 14:55 Uhr hatte ich vor dem noch geschlossenen Palastzelt gewartet und hatte schon das Gefühl einem Sonnenstich näher zu sein als einem langen Konzerttag gut tun kann. Außerdem tönte es auch von der benachbarten Fackelbühne laut herüber und ich fragte mich, ob ich dann vom Ofen in die Audiohölle kommen würde, sobald sich das Zelt öffnen würde. 


So gab ich klein bei und mein erster Programmpunkt war doch wieder im Parcour d'amour. Aber es fühlte sich gut an - auch wenn "alle anderen" - vor allem die, die sie letztlich in Stuttgart im Bunker gesehen hatten, natürlich mit Moscow Metro abfeierten und meiner Entscheidung etwas verständnislos gegenüber standen. L'Aupaire hatte ich in Mannheim schon im Vorprogramm von We invented Paris gesehen. Sie traten hier als Quartett auf und bestritten wohl ihr erstes Festival. Aber ich fand, dass es sehr gut funktionierte und das immerhin schon einige 100 Leute zählende Publikum gefiel ganz offensichtlich die eingängige Musik. Besonders im letzten Song Always travelling ging ordentlich die Post ab und ich denke, der eine oder andere hat die Einladung zu einem Wiedersehen auf der Tour im Herbst schon innerlich angenommen.


Noch während des Konzertes wurde der Parcour wieder vergrößert, denn für Solander füllte es sich auch im vergrößerten Sitzraum bis an den Rand. Während des Konzertes fielen mir die wichtigen sympatischen Kleinigkeiten auf, die ich im Bericht aus dem Café Nun vergessen hatte (weil ich nichts aufgeschrieben hatte). 


Frederik trug auch in Mannheim sein Shirt von DarkDarkDark (im Café Nun hatte er auch eifrig Reklame für die Musik meiner Helden gemacht). Der mehrstimmige Gesang war hervorragend - oft waren alle vier Musiker beteiligt und Frederik und Adam schauten sich öfter etwas selbstironisch dabei in die Augen, während sich ihre Stimmen mischten.


Das Publikum ging begeistert mit und die Band genoss das sichtlich, um sich anschließend ausgiebig mit Leuten zu unterhalten, dann Abschied zu nehmen und für den abendlichen Auftritt in Esslingen auf den Weg zu machen.

Setlist Solander:
1: The woods are gone
2: Monday afternoon
3: Flight
4: Black Rug
5: All opportunities
6: Huckleberry Finn
7: Social Scene
8: Monochromatic Memories
9: Lighthouse


Als nächstes kam eine bunte Truppe mit dem Namen Charity Children auf die Bühne. Das Kernduo stammt aus Neuseeland, aber die sechsköpfige Band in der jetzigen Form ist in Berlin zu Hause und aus aller Welt zusammengewürfelt. Ich fand die Art, dass sich die beiden Frontleute beim Singen in die Augen schauen konnten, sehr interessant. So werden die Liedtexte und das hin und hergehen der Emotionen ganz besonders lebendig. Es gab Cello, E-Bass, Drums und Akustikgitarre. Aber auch Knopfbandoneon und Ukulele.  Man findet einen sprechenden Konzertmitschnitt auf arte. Auch in Mannheim spürte man die Praxis als Straßenmusiker klar durchscheinen und das Publikum feierte sie ordentlich ab. Nicht wenige sprangen spätestens mit dem wohl gut bekannten Song Elizabeth auf und tanzten in den Reihen.


Da Käpt'n Peng krankheitsbedingt absagen musste, gab es auch ein bisschen mehr Luft im Ablauf als am Freitag und es war der Tag der unerwarteten zusätzlichen Lieder.



Von Spacemen Spiff habe ich nur die zweiten Konzerthälfte erlebt und war beeindruckt, wie ein Mann mit Gitarre so viele Menschen bei einer Freiluftveranstaltung zur Ruhe und Innigkeit bringen konnte. Der Parcour durfte hier noch einmal seine Stärke ausspielen.


Anschließend war Sohn mein "Friedensangebot" an das Palastzelt. Nicht die Musik, der ich entgegenfiebere aber es war ok - nur zwei betrunkene torkelten hinter mir in die Menge hinein mitten im Konzert, verhielten sich dann aber zum Glück unauffällig. Eigentlich habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wieso man diese Musik eigentlich live hört, weil man nichts sieht (also auch nicht in der ersten Reihe). Es passiert nichts, die beiden Begleitmusiker blieben komplett im Dunkel und auch Sohn bewegte sich nur sehr reduziert.


Aber es war eine interessante Erfahrung und ich hatte einen guten Platz für mein Finale des zweiten Tages mit Get well soon.


Ich wollte möglichst weit vorn stehen, um auch etwas sehen zu können. Das war mir tatsächlich gelungen und ich konnte zum Glück ganz unbedrängelt und ohne anderweitige Beeinträchtigungen das Konzert mit ganzem Herzen genießen. Mit den ersten Takten schon fühlte ich die Gänsehaut aufsteigen und verbrachte anschließend das Konzert sehr glücklich und zufrieden und etwas aus der Zeit gefallen. Die vertrauten Lieder haben ihren Zauber noch nicht eingebüsst, sondern wachsen eher noch, indem sie mir vertrauter werden.


Natürlich war es auch schön zu sehen, wie die Musiker sichtlich ihr Heimspiel im mehrfachen Sinn genossen und die Vorfreude auf den Konzerttermin bald im Tollhaus in Karlsruhe wächst nun Tag für Tag weiter.


Get well soon waren damit tatsächlich mein erhoffter Knaller des Festivals - ab da würde alles weitere für mich Zu- und Draufgabe sein.




Aus unserem Archiv: 
Maifeld Derby, Tag 1
Maifeld Derby, Tag 1 - U.
Maifeld Derby, Tag 2
Maifeld Derby, Tag 2 - U. 
Maifeld Derby, Tag 3
Maifeld Derby, Tag 3 - U.

L'Aupaire, Mannheim, 19.02.14
Solander, Karlsruhe, 24.05.14 
Spaceman Spiff, Stuttgart, 04.06.2013  
Get Well Soon, Reutlingen, 26.07.13
Get Well Soon, Neuhausen ob Eck, 21.06.13
Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13 (dort 29 weitere Berichte verlinkt)


Freitag, 30. Mai 2014

Solander, Karlsruhe, 24.05.14

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Konzert: Solander (support Albin und Adam Evald)
Ort: Café Nun in Karlsruhe
Datum: 24. Mai 2014
Dauer: 45 min Vorprogramm und 90 min Solander
Zuschauer: 70 - 80



Auf die Empfehlungen des Cafe Nuns kann ich mich ja stets verlassen. Ohnehin hatte ich die Schweden Solander schon sehr lange live sehen wollen. Hinzu kam, dass es eine Art Verabredung war mit Adam Evald, der als Drummer (und Support) von Big Fox im April hier Station gemacht hatte und uns damals schon versprach, mit Solander wieder zu kommen. Das Duo Fredrik Karlsson (Sänger) und Anja Linna (am Cello) wird nämlich auf der aktuellen Tour unterstützt von Albin Johansson an sehr vielen Keyboards und Adam Evald an den .... Drums. 

Foto (c) Albin Johansson
Schon im Februar 2014 hatte es eine zweiwöchige Deutschlandtour von Solander mit dem aktuellen Album Monochromatic memories gegeben. Nun standen im Mai zum Glück noch einmal elf deutsche bzw. schweizer Stationen auf dem Plan und Karlsruhe war die zweite davon.


Meine Erwartungen waren hoch gespannt und als Ausklang eines schönen Sommertags kam mir der kleine Ausflug in die Oststadt gerade recht.  Das Cafe Nun füllte sich nicht sofort mit Türöffnung bis an den Rand, aber zum Auftritt von Solander war es doch vom Höchststand nicht weit entfernt. Da gab es wohl noch einige, die so viel wie möglich Abendsonne mitnehmen wollten.


Der Abend begann mit zwei kurzen Sets der zwei Gastmusiker. Albin ließ an den rings um ihn verteilten Keyboards Pink-Floyd-Synthie-Zeiten wieder erwachen und Adam Evald holte drei von seinen (zumindest im Ton) romantischen Liedern hervor, nachdem er sich versichert hatte, dass im Publikum genug Menschen saßen, die nicht schon im April alles gehört hatten. So Überhaupt war vielleicht sein trockener Humor fast noch unterhaltsamer als die Musik...



Nach einer kurzen Pause war es dann 22 Uhr und das eigentliche Solanderset begann. Tatsächlich waren meine Erwartungen keineswegs zu hoch gespannt gewesen. Die Zwiesprache von Stimme und Cello war für mich immer wieder sehr spannend zu hören und wurde sehr gefühlvoll unterstützt durch einen Rhythmusrahmen, der sich nie in den Vordergrund schob und von den Melodien vom Keyboard. Das wirkte sehr organisch und rund und fand den Weg in mein Herz.


Das Gespräch mit dem Publikum führte zum großen Teil Fredrik und manchmal hatte es den Anschein, als lese er uns aus (s)einem Manifest vor (das stand auf dem Buch in dem anscheinend die Setlist oder zumindest Notizen dazu standen). Es schien ihnen ganz gut zu gefallen im Nun und mit dem Publikum des Abends. Sie betonten mehr als einmal, was für eine tolle Sache so ein Laden für die Leute in Karlsruhe sei. Was wir natürlich wissen und schätzen. 

Vielen Dank auch für diesen goldenen Abend mit den gar nicht so kühlen Schweden an das Team vom NUN.
 
Treffende, sprechende und warmherzige Bilder von Nicole Böttler


Tourdaten:

23.05. Köln
24.05. Cafe Nun Karlsruhe
25.05. Wärmehalle Süd Leipzig
26.05. Cafe Wagner Jena

27.05. Like waves Festival München
28.05. Oya Bar Kafé St. Gallen
29.05. KiFF Aarau
30.05. Way Back When Festival Dortmund
31.05. Kulturzentrum Dieselstrasse Esslingen

31.05. Maifeld Derby Mannheim
01.06. Pools Club Göttingen 


Aus unserem Archiv:
Big Fox im Adam Evald als Support, 4. April 2014

Meine Fotos des Abends mit Solander:
 

 

Konzerttagebuch © 2010

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