Posts mit dem Label The Elwins werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label The Elwins werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 3

0 Kommentare

Konzert: Girls in Hawaii, The Elwins, Temples, St. Vincent, The National
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 01.06.2014
Dauer: Girls in Hawaii ca. 55 Minuten, The Elwins ca. 45 Minuten, Temples ca. 55 Minuten, St. Vincent ca. 60 Minuten, The National ca. 110 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich




Am letzten Tag des Maifeld Derbys war ich noch ziemlich geschafft vorm Band-Marathon des Vortags und auch schon ein bisschen Festival-müde. Gut, dass am Sonntag nicht mehr allzu viele Bands in mein persönliches Pflichtprogramm fielen. Stattdessen verbrachte ich ein wenig Zeit beim Steckenpferdwettbewerb, der an sich durchaus unterhaltsam war, mich aber doch nicht genug fesselte, um auch noch die Siegerehrung anzusehen.



Der Festival-Tag begann deshalb erst am frühen Nachmittag mit Girls in Hawaii - einer, man würde es angesichts des Namens nicht unbedingt vermuten, männlichen Band aus Belgien. Das Sextett besteht bereits seit 2001 und musste vor vier Jahren den Unfalltod seines Schlagzeugers (der gleichzeitig der Bruder von Sänger Antoine Wielemans war) verarbeiten.



Die Belgier, bei denen sich Lionel Vancauwenberghe und Antoine Wielemans den Gesang teilen, wobei Letzterer gelegentlich in einen alten Telefonhörer singt, eröffneten ihr Set mit "Sun Of The Suns" und "Not Dead" und ließen nichts unversucht, um das Publikum bereits am frühen Nachmittag zu begeistern: Der Keyboarder François Gustin stieg auf Boxentürme und animierte zum Mitklatschen und wurde bei seinen Kletterpartien nur noch von Antoine Wielemans' Ausflügen übertrumpft. Emotionaler Höhepunkt war aufgrund der Bandgeschichte der ruhigste Titel des zu kurzen Sets, "Misses".



Anschließend verfolgte ich, in Hörweite der Hauptbühne im strahlenden Sonnenschein sitzend, mit einem Auge und Ohr die The Elwins. Die kanadische Band überraschte mit ihrer Entscheidung, ein Beyoncé-Lied namens "Countdown" zu covern und hierfür mit dem Publikum einen (deutschsprachigen) Countdown einzuüben. Außerdem hatte ihr Bassist möglicherweise den auffälligsten Schnurrbart des Festivals (trotz starker Konkurrenz in Form eines Rah Rah-Mitglieds). Amüsant und zum guten Wetter passend war das Set allemal, aber ich muss zugeben, den Kanadiern sonst nicht die Aufmerksamkeit entgegen gebracht habe, die sie vielleicht verdient gehabt hätten.



Direkt nach dem Auftritt der Elwins und der Ehrung für den außergewöhnlichsten Bart konnte auch der Festivalpreis für die spektakulärste Frisur - trotz des noch folgenden Auftritts von St. Vincent - vergeben werden. Im Palastzelt traten Temples auf, und auch wenn in der Band noch drei weitere Preisanwärter gesichtet werden konnten, ging dieser doch klar an deren Sänger James Edward Bagshaw.



Optisch und musikalisch nahm uns das Quartett aus dem englischen Kettering mit auf einen unterhaltsamen und kurzweiligen Trip in die sechziger/siebziger Jahre und die Hochphase des Psychedelic / Glam Rock. Aus ihrem Debütalbum "Sun Structures" präsentierten sie 8 der 12 Songs, die noch um die ungewöhnliche, weil Keyboard-lastige B-Seite "Ankh" ergänzt wurde. Beim ausufernden und rockigen "Sand Dance" konnte man in etwa nachvollziehen, wie es früher wohl auf einem Konzert von Led Zeppelin gewesen ist. Für den Schluss hoben sich die Briten ihre beiden besten Songs auf: "Mesmerise", das durch das Anfügen eines langen instrumentalen Ausklangs bestimmt auf doppelte Spiellänge gezogen wurde, und "Shelter Song".

Setliste:

Colours To Life
Sun Structures
A Question Isn't Answered
Ankh
Move With The Season
Keep In The Dark
Sand Dance
Mesmerise
Shelter Song
St. Vincent

Bekanntlich braucht ja jedes Festival seinen Regenschauer. Der des diesjährigen Maifeld Derbys fand direkt nach dem Temples-Auftritt statt und führte dazu, dass wir lieber eine Pause am überdachten Fressstand einlegten, als das Set von Hozier zu besuchen.



Bei St. Vincent hatte ich im Vorfeld den Verdacht gehabt, dass ihr Auftritt mir auf die Nerven gehen würde - möglicherweise hatte ich das Album einmal gehört und mir außer meinem Urteil sonst nichts davon gemerkt. Dennoch, wir wollten bei The National eine gute Sicht haben, und der wahrscheinlichste Weg dorthin war es, bereits bei St. Vincent vorne zu sein (und den Auftritt von Wye Oak auszulassen). Die Solokünstlerin war übrigens nicht nur beim Maifeld Derby der "Support" für The National, sondern ist auch sonst aktuell mit diesen auf Tour.



Annie Clark hatte im Hintergrund einen Keyboarder und einen Schlagzeuger dabei, vorne auf der Bühne leistete ihr eine weitere Keyboarderin / Gitarristin Gesellschaft. Der Auftritt der Musikerin war sehr künstlerisch durchgeplant. Sie selbst trug ein avantgardistisches Kostüm und machte beinahe ausschließlich roboterartige Bewegungen. Die Mitmusikerin gesellte sich zeitweise zu ihr und nahm an der Choreographie teil - so wurde symmetrisch auf der Bühne umher getrippelt oder auch einmal nach Art von ZZ Top synchron Gitarre gespielt. Das Set hatte auch eine Art "Handlung", so erklomm Annie zu "Cheerleader" ein sehr hohes Podest im Hintergrund der Bühne, sang von dieser erhobenen Position aus und kauerte schließlich, bevor sie am Ende von "Prince Johnny" scheinbar sterbend zusammenbrach und anschließend theatralisch Stufe um Stufe herunter rutschte.



Der Auftritt war auf seine Art also durchaus unterhaltsam und allemal interessanter als der von Warpaint, allerdings finde ich St. Vincents Elektromusik mit häufigem Gitarrengeschrammel in höheren Dosen schnell kopfschmerzauslösend.



Setliste:

Rattlesnake
Birth in Reverse
Regret
Cruel
Digital Witness
Every Tear Disappears
Surgeon
Cheerleader
Prince Johnny
Year of the Tiger
Marrow
Huey Newton
Bring Me Your Loves



Hinterher stellte sich heraus, dass für gute Plätze im The National-Publikum ein Besuch bei der Vorband nicht zwingend notwendig gewesen wäre - bis auf die ersten drei Reihen leerte sich das Zelt in der Pause vor dem Festival-Headliner fast komplett. Aber natürlich füllte es sich genauso schnell auch wieder, so dass man nicht bereuen musste, früh dort gewesen zu sein. Schließlich war dieser Bandname für ein Festival dieser Größe ein ungewöhnlich bekannter. Im Programmheft wurde erklärt, dass die Buchung von The National nur durch eine glückliche Terminlage möglich gewesen war (sprich: die Band war in Deutschland und hatte keinen anderen Termin). Man darf gespannt sein, wie die Festivalmacher diesen Headliner nächstes Jahr toppen wollen. Finanziell dürfte sich der Glücksfall in jedem Fall gelohnt haben: Die Tagestickets für den Sonntag waren zumindest ausverkauft.



The National hatte ich erst im letzten November live gesehen und ihr Konzert für durchaus gut befunden. Würde dieser Auftritt ohne neueres Material einfach dasselbe bieten, nur eben im Zelt? Wiederum war man zu siebt erschienen, zusätzlich zu den regulären Bandmitgliedern hatte man wieder zwei Trompeter dabei.

Nach dem ersten Lied "Don't Swallow the Cap" gab es eine kurze Pause, in der Matt Berninger erklärte, Bryan Devendorf könne nichts mehr hören, was entweder  an einem Aneurysma  liegen könne, oder es seien einfach die Batterien leer. Bryce Dessner entgegnete sofort, dass Matts Witze immer schlechter würden und dass Aneurysmen nicht witzig seien. Uns im Publikum war neu, dass Matt überhaupt Witze macht, es folgten sogar noch weitere - die Bryce allerdings auch nicht lustiger fand.



Weiter ging es mit einem Mix aus neuen und alten Songs, der dem in Düsseldorf ähnelte, auch optisch, denn erneut wurden auf der LED-Wand im Hintergrund passende Bilder zu einigen Songs gezeigt, etwa Regen bei "England" oder blutkörperartige Gebilde bei "Bloodbuzz Ohio". Es gab jedoch auch Unterschiede, denn wir bekamen an diesem Abend unter anderem auch "Hard To Find", "Ada" und "Abel" zu hören.

Matt Berninger war in Hochform, trank großzügig Weißwein, zunächst aus dem Becher, später direkt aus der Flasche, die er im Zugabenteil dramatisch auf einer Monitorbox zerschmetterte, und konnte der auf Facebook zirkulierten Materialzerstörungsliste der Band schon kurz nach Konzertbeginn einen Mikrophonständer hinzufügen, worauf er gleich einen neuen bekam und zunächst grinsend verhinderte, dass der überflüssige von einem Roadie wieder weggenommen wurde. Einer in Reserve ist eben immer gut...



Das Set von The National machte dem Publikum großen Spaß, bei beinahe jedem Song, der angespielt wurde, erklangen laute Jubelrufe. Mir war in der Vergangenheit nicht aufgefallen, dass die Band bei praktisch allen Textpassagen mitsingt - vielleicht hat sie es auch früher nicht getan. Selbst die Bläser sangen manchmal mit. Bei "Pink Rabbits" trat der Posaunist nach vorne an den Bühnenrand und damit ins Rampenlicht. Bryce Dessner hantierte bei "I Need My Girl" mit zwei Gitarren gleichzeitig, während er bei "Slow Show" die Gitarrensaiten mit einem Geigenbogen bearbeitete.

Herr Berninger hat in der Vergangenheit bereits zu Bühnenklettereien geneigt und enttäuschte auch an diesem Abend nicht: Erst sprang er in den Bereich zwischen Bühne und Publikum, später, als wir bereits im Zugabenteil waren, umrundete er in zwei Etappen quasi das Publikum - da wir vorne standen, konnte man nur an der Richtung, in die die Mikrophonschnur zeigte und an den besorgten Blicken der Security erkennen, wo er gerade singend unterwegs war - bis er, unglaubliche Freude und Bewegung im Publikum hervorrufend, direkt bei uns wieder auftauchte.



Matt Berningers emotionale Ausbrüche, beispielsweise bei "Squalor Victoria", waren wieder einmal prächtig, sein Spruch, als bei der Wiederkehr der Band für den Zugabenteil zunächst die Devendorf-Brüder fehlten, "We have lost the Devendorf brothers. Bryan and Scott, call your mother!" gefiel Bryce wiederum nicht. "You don't hear people laughing because you're wearing your earplugs!" war Matts Entgegnung.

Nach drei tollen Zugaben ("Ada", "Mr. November" und "Terrible Love") gab die Band als letztes Lied noch eine akustische Version von "Vanderlyle Crybaby Geeks" zum besten, wofür alle nach vorne an den Bühnenrand kamen und das Publikum in den Gesang mit einstimmte - wieder ein schöner und irgendwie persönlich wirkender Moment, der das Festival perfekt abschloss.



Setliste:

Don't Swallow the Cap
I Should Live in Salt
Mistaken for Strangers
Sorrow
Bloodbuzz Ohio
Sea of Love
Hard to Find
Afraid of Everyone
Conversation 16
Squalor Victoria
I Need My Girl
This Is the Last Time
Abel
Slow Show
Pink Rabbits
England
Graceless
About Today
Fake Empire

Ada
Mr. November
Terrible Love
Vanderlyle Crybaby Geeks 



Letztes Jahr hatte ich ein bisschen gezweifelt, ob das Maifeld Derby ein dauerhafter Eintrag in meinem Kalender bleibt, ließ mich dann letztlich doch wieder hinreißen, die spottbilligen Frühbucher-Scheuklappentickets zu kaufen und wurde nicht enttäuscht. Dieses Jahr gab es geradezu irritierend wenig zu meckern. Selbst die Leergutrückgabe nach dem The National-Set sowie der Rücktausch unserer letzten Getränkemarke waren rasend schnell erledigt.

Einzige Verbesserungsvorschläge, die mir für kommendes Jahr einfallen: Den Parcours d'Amour auch am Festivalsonntag öffnen. Er ist atmosphärisch einfach am schönsten und beinahe die einzige Möglichkeit, auf dem Festivalgelände ohne Wiese halbwegs bequem zu sitzen. Und natürlich der Streichelzoo.

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht, der auch den Temples-Bericht verfasst hat.



Dienstag, 3. Juni 2014

Maifeld Festival 2014 in Mannheim, Tag 3

0 Kommentare
Meine Konzerte: 
  Keston Cobblers Club (50 min)
  Spring Offensive (50 min)
  The Elwins (40 min)
  Hozier (50 min)

Ort: Maimarktgelände in Mannheim
Datum: 1. Juni 2014
Zuschauer: etwa 200 - über 1000
 

Ich hatte im Bericht zum zweiten Konzerttag in Mannheim das Konzert von Get well soon für mich zum Höhepunkt des Festivals erklärt gehabt und den Sonntag zur Zugabe erklärt. Trotzdem schaffte es auch der dritte Tag des Festivals mich noch einmal richtig auf Touren zu bringen. Wie im letzten Jahr, wo Útidur den dritten Tag mit einer Tanzorgie einläuten durften und mir vielleicht den schönsten Slot 2013 schenkten, waren es diesmal der Keston Cobblers Club, der beschwingt eine heitere Note für den Sonntag setzte.


Ein Mädel an der Tuba, ab und zu Trompete dazu Drums, Akkordeon und Gitarren - das ganze auch noch barfuss - hatte es eine Energie und Fröhlichkeit, die wohl auch die Wolken von der Sonne weggeschoben hätten, wären denn da welche gewesen. Nicht einmal der Sicherheitsmann konnte ganz still bleiben und musste den Takt mit klopfen. 


Für unser Wohnzimmerkonzert am Freitag, 13. Juni kann ich nun mit bestem Gewissen eine Abend mit Tanz und gute Laune versprechen und hoffe natürlich auf ähnlich gutes Wetter wie in Mannheim (sonst müssen wir die Probe auf die Wolkenschieberfähigkeiten machen...)


Spring Offensive waren der nächste Act auf der Freilichtbühne - das Zelt ließ ich bewusst links liegen, auch wenn es für Sonnenbrandprävention vielleicht die klügere Variante gewesen wäre. Die fünf Männer spielten Britpop in seiner souveränen Art und Weise, der gut in den Sommertag passte, mir dann in den formelhaften Posen aber doch etwas fremd blieb. Ich bin nicht cool, will nicht cool sein und bin froh, dass ich mich nicht in zu kurze Jacken packen muss, um in zu sein.


The Elwins aus Canada waren irgendwie lustig drauf, aber leider eindeutig zu laut und schmissen sich ran, indem sie mit uns einen deutschen Countdown übten. Irgendjemand muss ihnen mal verraten, dass sich das total komisch anfühlt als deutscher.


Ich wartete ja seit den Cobblers innerlich auf Hozier, und wandelte vor seinem Set noch einmal Abschied nehmend über das Gelände. Blieb kurz beim Dressurreiten der Steckenpferde stehen und fand die Idee und die Umsetzung tatsächlich viel witziger, als es sich im Programm gelesen hatte. Später traf ich noch auf eine total glückliche Siegerin mit Pokal und Schärpe.



Im Abschied nehmen ließ ich noch einmal innerlich Revue passieren, was schön war und was mir bleiben wird von den Tagen. In jedem Fall viele nette Gespräche mit Freunden, Bekannten und unbekannten. Das Maifeld ist ja ein Magnet für nette Leute und Musik begeisterte. 


Ich stellte fest, wie schön es ist, "alle" mal persönlich zu treffen, die man sonst nur so in der Ferne ihre Konzertkreise ziehen sieht. Musikalisch hatte es sich in jedem Fall auch gelohnt, nur die komische Geldumtauscherei nervte auch noch am dritten Tag... Vielleicht bin ich da aber auch nur ein bisschen komisch drauf.


Noch im innerlich einschwenkend auf Hozier fing es auf einmal an zu tröpfeln und dann immer doller zu regnen. Irgendwie ja ganz willkommen zur Abkühlung, aber auch etwas unpassend, weil man doch entschieden nass wurde, wenn man vor der Bühne stand. So weiß ich also immer noch nicht, wie Hozier aussieht (beim Soundcheck hatte ich nur die Mitmusiker gesehen), aber seine Stimme klang genauso toll, rund und einfach nur wahnsinnig gut! Vielen Dank für drei tolle Tage in Mannheim.





Aus unserem Archiv: 
Maifeld Derby, Tag 1
Maifeld Derby, Tag 1 - U.
Maifeld Derby, Tag 2
Maifeld Derby, Tag 2 - U. 
Maifeld Derby, Tag 3
Maifeld Derby, Tag 3 - U.

The Elwins, Paris, 10.09.13 :


Donnerstag, 26. September 2013

Motorama, Köln, 25.09.13

1 Kommentare

Konzert: Motorama
Ort: Blue Shell,Köln
Datum: 25.09.2013
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ca. 150



Um kurz vor elf war Vladimir Parshin außer Atem und hatte nur noch ein Glas in seinem Brillengestell, und das war beschlagen. Das knapp einstündige Konzert hatte den Motorama-Frontmann gezeichnet - und mich erneut überzeugt, eine der spannendsten und besten Bands der letzten Jahre gesehen zu haben.

Motorama stammen aus Rostow am Don im tiefsten Russland, einem Land, aus dem nicht viele Indiebands den Weg nach Westeuropa finden. Stimmt mein Bild vom musikalischen Russland, sind Indiebands dort noch exotischer als bei uns. Also wären Motorama schon einmal per se erwähnenswert. Aber das reicht natürlich nicht, um uns hier nachhaltig zu beeindrucken. Diesen Part übernimmt die phänomenal gute Musik der Russen! Die beiden Alben Alps und Calendar und die beiden EPs Horse (2008) und Bear (2009) enthalten eine Unmenge an Ohrwürmern und Hits, melodieverliebte Lieder, die süchtig machen. Hätte ich nicht gewußt, woher sie kommen, hätte ich Motorama dem Hören nach nach Skandinavien (wegen Bands wie Tiger Lou oder Mary Onettes) oder nach England verortet. 


Motorama begannen ihr Konzert um kurz vor zehn mit Lantern von der Bear-EP. Das Stück ist das einzige Lied, bei dem ich den zielzitierten (und schon lästigen) Ian Curtis-Vergleich des Sängers nachvollziehen kann. Lantern hört sich wirklich ein wenig an, als sei es ein (sehr gut gemachtes) Joy Division Cover. Ab da brauchte man schon viel (nein, richtiger: wenig) Phantasie, um immer wieder die Engländer als Referenz anzuführen. Motorama sind melodiöser und viel weniger melancholisch und wütend als Joy Division (die ich hier schon wieder viel zu oft erwähnt habe).


Motorama sind ein Quintett. Neben Vladimir gehören seine Frau am Bass, ein zweiter Gitarrist, ein Keyboarder und ein Schlagzeuger zur Band. Das ist für die kleine Bühne des Blue Shell schon eine große Mannschaft. Ich wusste von meinem ersten Konzert in Wiesbaden aber, daß Vlad nicht lange an seinem Platz stehen bleiben würde. Am Anfang stand er noch brav vorne in der Mitte mit Blick nach rechts zu seiner Frau. Beim zweiten Lied White light (von Calendar) nahm er das Mikro vom Ständer und hängte stattdessen seine Gitarre oben an das Gestell - ein erster Ausblick auf die Ausbrüche, die noch kommen sollten.


Zunächst folgten aber noch ruhigere Lieder, allesamt Hits. To the south, Eyes, Far away in the city, Stücke, in die ich mich unsterblich verliebt habe. Bei Scars flog die Brille runter und die Gitarre auf den Boden. Der Sänger wurde extrovertierter. Der erste richtige Ausbruch kam in der Mitte von Alps. Irgendwann schrie es aus Vlad raus, das Stück wurde lauter und lauter. Bei During the years danach sprang der Musiker mit dem kahlrasierten Kopf in die Menge. Irgendwann flog das Brillenglas raus - jemand wies Vladimir darauf hin, er konnte es retten. Weiter ging es einäugig und außer Atem. Und laut und wild und großartig. Nach Anchor, bei dem der Frontmann seine Gitarre mit den Saiten zur Brust umhatte, war Schluß. Viel zu früh für meinen Geschmack. Es reichte aber ein Blick ins Gesicht des erschöpft schräg am Verstärker (mit Delphin-Foto geschmückt!) lehnenden Sängers: der war platt! Restlos!


Trotzdem gab es eine Zugabe, das unverschämt ohrwurmige Warm eyelids, zu dem Vlad eine Blechtröte in Form eines Tiger- oder Bärenkopfes ...trötete. Das klingt komisch, machte aber wie alles* an diesem Abend enorm viel Sinn! Gottseidank wurde dieses fabelhafte Konzert mit vielen Zuschauern belohnt. Wer 2.800 km von der Heimat entfernt so grandios aufspielt, verdient ein großes, glückliches Publikum. Und der kommt hoffentlich bald zurück, so ganz uneigennützig bemerkt.


Sicheres Jahres-Top-5-Konzert!


Setlist Motorama, Blue Shell, Köln:

01: Lantern
02: White light
03: To the south
04: Letter home
05: Eyes
06: Young river
07: Scars
08: Rose in the vase
09: Far away in the city
10: Winter at night
11: Empty bed
12: Alps
13: During the years
14: Anchor

15: Warm eyelids 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 

Tourdaten Motorama:

26.09.13: Münster, Gleis 22
27.09.13: Hamburg, Knust (Reeperbahn Festival)
28.09.13: Berlin, Astra (Berlin Independent Night)
29.09.13: Leipzig, Kafic
30.09.13: Jena, Café Wagner
01.10.13: Würzburg, Cairo
02.10.13: Swamp, Freiburg




* das "alles" bezieht sich auf das Hauptprogramm. Die Elwins aus Kanada als Vorgruppe überzeugten mich mit ihrem Highschool-Rock nicht, das Konzert langweilte mich. Man muß ihnen aber zugute halten, daß sie für ordentlich Stimmung gesorgt haben (Job erfüllt). Außerdem hatte der rechte Gitarrist der höflichen Kanadier eine dieser Schnurrbart-Brille-lustige-Nase-Kombinationen an, die es früher in jedem gutsortierten Scherzartikelladen zu kaufen gab!


Mittwoch, 11. September 2013

The Elwins, Paris, 10.09.13

0 Kommentare

Konzert: The Elwins
Ort: L'International, Paris
Datum: 10.09.2013
Zuschauer: etwa 30-40
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


The Elwins aus Kanada spielten heute abend im Pariser International frisch und unbeschwert auf und erinnerten dabei stilistisch an Bands wie die Shins, die Strokes oder die New Pornographers, ohne ganz an die Klasse und Hitlastigkeit der vorgenannten Gruppen heranzureichen. Die Elwins sind sicherlich keine neue Sensation, aber eine kleine nette Indiekapelle, die Spaß macht. Ich empfehle deshalb ihre Konzerte in Deutschland. Falls ich die Zeit finde, werde ich auch gerne noch ein paar mehr Worte über ihr Pariser Konzert verlieren, das im Übrigen deutlich rockiger ausfiel, als man es von den poppigen Studioversionen erwarten konnte. Warum allerdings ein Beyoncé Cover gespielt werden musste, weiß ich auch nicht.





Konzerttermine:

11.09.2013: Schorndorf, Manufaktur
12.09.2013: Hannover, Glocksee
13.09.2013: Erfurt, Franz Mehlhose
14.09.2013: Freiburg, Swamp
15.09.2013: Offenbach, Hafen 2
17.09.2013: Zürich, Rote Fabrik
18.09.2013: Nürnberg, Muzclub
19.09.2013: Luzern, Schüür
20.09.2013: München, Atomic Café
21.09.2013: Aflenz (Österrecih), Sublime
23.09.2013: Wien, Rhiz
24.09.2013: Innsbruck, PMK
25.09.2013: Köln, Blue Shell
26.092013: Dresden, Bärenzwinger
27.09.2013: Berlin, Magnet
28.09.2013: Hamburg, Reeperbahnfestival
29.09.2013: Oberhausen, Druckluft





 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates