Konzerte: Haight-Ashbury Orte: La Fabrique des Balades Sonores & Le Café de la Danse Daten: 15. & 16.05.2012 Zuschauer: etwa 20 bei den Balades Sonores, etwa 250 im Café de la DanseKonzertdauer: jeweils um die 40 Minuten
Von Haight-Ashbury aus Glasgow hatte ich ja bereits Anfang des Jahres geschwärmt, nachdem ich das psychdelische Trio beim Mo'Fo' Festival gesehen hatte. Seitdem sind nun etwa 4 Monate ins Land gegangen und in der Zwischenzeit ist das neue Album Haight Asbury/Vol.2: The Ashburys in den Läden erschienen. Der Relase fand erst vor ein paar Tagen statt und die Band selbst hatte noch nicht einmal das Cover gesehen. Als ich ihnen beim Instore Gig in der Fabrique der Balades Sonores erzählte, daß man ihr Album nun ganz offiziell im Virgin Megastore an den Champs-Elysées finden kann,waren sie freudig erregt wie kleine Kinder und nahmen sich sofort vor, den Shop am nächsten Tag aufzusuchen, um sich die Sache mit eigenen Augen anzusehen.
In dem winzigen Laden der Balades Sonores spielten Kirsty, Scott und Jennifer auf engstem Raume einen halbakustischen Gig vor ungefähr 20 Leuten. Vorher hatte bereits der ziemlich durchgeknallte New Yorker Seath Faergolzia etwa eine halbe Stunde lang glänzend unterhalten (der Kerl sollte bei Monty Phyton anheuern!) und das Publikum mit seiner fetzigen Freakfolk-Musik warm gemacht.
Da standen wir nun also ganz dicht bei diesen zwei schottischen Mädels und dem auf der Bank sitzenden Burschen und soffen Bier aus der Flasche. Allein die bunt zusammengewürfelten Hippieklamotten der Girls waren das Kommen wert, die beiden sahen einfach total stark aus! Ein besonderes Auge hatte ich auf die blonde Kirsty geworfen, die hat einfach einen umwerfenden Schlagzimmerblick und ein entwaffnendes Lächeln. Ich glaube sie stand auch auf mich, sie guckte mich schon beim Konzert von Seath Faergolzia so verknallt an.
Ok, genug Blödsinn erzählt, kommen wir zum Showcase. Der war nämlich wirklich gelungen. In vier von sechs Fällen stammten die Songs vom neuen Album, das es zu promoten galt. Sehr auffällig darunter sofort die Single Sophomore (I'm gonna give you the kisss of live"), aber auch She Is So Groovy 86 ging sofort prima ins Ohr. Kirsty und Jennifer haben einfach so unglaublich süße Stimmen, das es schwer fällt, da zu widerstehen. Sie sangen gut gelaunt gemeinsam in das gleiche Mikro und verstärkten so das peacige Ambiente, das von ihrer Flower Power Retro-Musik ohnehin schon ausging. Scott, der schöne Gitarrist mit dem Waver Scheitel spielte hinten hierzu die tollsten psychedelischen Melodien, die man sich nur vorstellen konnte. Ich fragte mich wie er es anstellte, diesen indischen Hypnose- Touch im Gitarrensound hinzukriegen. War seine Elektrische vorpräpariert? Hatte George Harrison aus dem Grabe gutes Karma gesendet?
Fragen über Fragen. Unfraglich war aber Freeman Town vom Vorgänger-Album der größte Hit. Die Nummer mit dem Killer-Riff zu Beginn hat das Zeug zum modernen Klassiker: "Me and my girl ain't hangin around living out here in a freeman town, music all up and a merry go round living out here in a free man town", das bleibt einfach sofort hängen, bohrt sich unwiderstehlich seinen Weg in die Gehörgänge. Die Neo-Hippies im Laden hatten jedenfalls ihre helle Freude, grinsten über beide Ohren als dieser Song performt wurde.
Am nächsten Tag im wesentlich größeren Café de la Danse hatten Haight-Ashbury dann auch ein Schlagzeug dabei, daß Jenny (diesmal in ein schickes rotes Kleid gehüllt) im Stehen spielte. Der Sound war logischerweise satter und lauter, die Bedingungen professioneller, die Versionen näher an dem dran, was man auf den mitunter noisigen CDs hören kann. Schade, daß die Band nur gut 30 Minuten Spielzeit zur Verfügung gestellt bekam, ich hätte ihnen definitiv noch länger zuhören können.
Eine starke Gruppe mit vielen guten Songs! Verpasst ihre Konzerte in Deutschland nicht!
Setlist Haight-Ashbury, La Fabrique des Balades Sonores, Paris:
01: Little Birds 02: Sophomore 03: Everything Is Possible 04: Freeman Town 05: Moondogs 06: She Is So Groovy ' 86
Deutsche Konzerttermine von Haight-Ashbury:
22.05.2012: Roter Salon, Berlin 23.05.2012: Tower Musik Club, Bremen 24.05.2012: Merlin, Stuttgart 25.05.2012: Ostpol, Dresden 26.05.2012: Hafen 2, Offenbach 27.05.2012: Theatron Olympiapark, München
Konzert: Mo' Fo' Festival 2012 mit Tender Forever, Farewell Poetry, Haight Ashbury u.v.a. Ort: Saint Ouen bei Paris Datum: 29.01.12 Zuschauer: erfreulich viele Konzertdauer: von 17 Uhr 30 bis 23 Uhr
Letzter Tag des MO' Fo' Festivals in Saint Ouen bei Paris. Gestern hatten in meiner Abwesenheit die französischen Post Punker Frustration für Furore gesorgt und auch über die Schotten Country Teasers wurde viel Gutes berichtet.
Heute nun standen aber auch einige Leckerbissen auf der Speisekarte. Ich war in erster Linie für Tender Forever und Farewell Poetry gekommen, bekam mit den Schotten (Schottinnen) Haight Ashbury gegen 18 Uhr aber sofort eine mir bis dato unbekannte Gaumenfreude vorgesetzt. Kirsty Heather Ashbury, Jennifer Ashbury und Scott James Ashbury, so hießen die drei Sympathen, von denen ich allerdings nicht weiß, ob es sich um Brüder und Schwestern handelt. Ähnlich sahen sie sich nicht unbedingt. Hauptsängerin Kirsty stach mit ihren tollen langen blonden Haaren und ihrem güldnen Glitzerkleid ins Auge, Jennifer hatte schwarze Locken, einen Hauch Gothik und ein Blumenkleid und Scott eine Waverfrisur mit Strähne im Gesicht.
Die drei spielten eine faszinierende Mischung aus psychedelischem Hippie-Folk, Sxities Pop und schottischem Indierock à la Vaselines, die mir auf Anhieb gut ins Ohr ging. Mazzy Star meets Vivian Girls, so oder so ähnlich. Nun gut, der Bandname, eine Anspielung an die Hippie-Hochburg gleichen Namens in San Francisco, sagt ja schon einiges aus, aber eben nicht alles. Mit Fairport Convention und Konsorten hatte das klangtechnisch rein gar nichts zu tun, lediglich der Look war von dieser friedensbewegten und freie Liebe propagierenden Zeit inspiriert. Stattdessen gab es noisige Moment à la My Blody Valentine, aber auch die esoterisch-verhuschte Seite im Stile von Lush oder eben Mazzy Star war ausgeprägt. Trotz dieser zahlreichen möglichen Referenzen klang alles neu und aufegend, denn man kredenzte nicht den x-ten Aufguss, sondern mischte die Stile so kunterbunt, daß man ständig auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Herrlich auch der Kontrast zwischen der Lieblichkeit der Stimmen und der herben Schrammeligkeit der Gitarren.
Performt wurden Songs von Here In The Golden Rays (2011, am Merch für lediglich 5 Euro erhältlich!), aber auch von einem im Frühjahr 2012 erscheinenden Nachfolger. Ich denke die muss man beide haben. Sowohl live als auch auf Platte toll!
Der nächste Act, der mich auf dem Festival interessierte, wäre Matt Elliott gewesen, aber seine hochmelancholische Musik zog mich an diesem kalten Wintersonntag dermaßen in die Tiefe, daß ich schon alsbald den Saal verließ und mich im oberen Forum aufhielt, wo gut sortierte Indie-Händler CDs und Vinyl verkauften. Gute Musik zum falschen Zeitpunkt, so etws gibt's.
Die Musik der Französin Melanie Valera alias Tender Forever, die gegen 21 Uhr auflief, war da schon deutlich geeigneter. Zwar war das Ganze ebenfalls mit einer gehörigen Portion Melancholie versehen, aber dennoch erwies sich das Set als aufbauend, energiegeladen und abwechslunsgreich. Melanie hat einen ganz eigenen, sehr trockenen Humor, spielt immer mal wieder auf ihre eigen Homosexualität und die damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme an, wird dabei aber nie pädagogisch oder anklagend. Das Mädel hat wirklich Mut und viele Ideen und hat sich in den letzten 10 Jahren musikalisch ein ganz spezielles Universum geschaffen. Sie selbst bezeichnet sich als Autodidaktin und wer sie live erlebt, merkt schnell, daß diese Einschätzung wie die Faust afs Auge passt. Mit Hilfe ihres Laptops kreiert sie elektropoppige Klangwelten mir Catchyness-Faktor, aber ohne wirkliche Radiotauglichkeit. Dazu sind ihre Komposition zu bizarr, driften in zu viele verschiedene Richtungen ab und lassen sich nicht auf ein Format trimmen. Man muss schon (im positiven Sinne!) ähnlich bekloppte Künstler wie Coco Rosie, Tickley Feather oder Hesta Prynn nennen, um die Exzentrik zu erklären, würde dabei aber übersehen, daß der Sound trotz des burschikosen Charakters von Melanie auch und vor allem dem lieblichen Pop von Au Revoir Simone nicht unähnlich ist.
Tender Forver war auch heute in Paris wieder unterhaltsam wie immer. Ihr wilder Tanzstil ist eine Eigenkreation, obwohl sie sich so einiges vom Hip Hop Milieu abgeschaut hat. Dabei hatte sie eigentlich Rücken-und Nackenschmerzen, ließ sich aber einmal warm geworden, nichts davon anmerken. Wundervoll ihre Stimme. Sie hat einen Zartschmelz, der durchaus wohlig an Cat Power erinnerte, freilich mit französischem Akzent und dies obwohl Melanie seit Jahren in Portland, Oregan lebt.
Melanie verstand es immer wieder, die Leute nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihen zynisch-witzigen Ansagen und Erläuterungen zu erheitern. Die Franzosen müssten bei der Präsidentschaftswahl nur Marine Le Pen wählen, dann könnten sie was erleben, bekundete sie augenzwinkernd, sprach aber gleichzeitig die Hoffnung aus, daß der weniger schlimme Kandidat gewählt werden würde. Natürlich meinte sie damit nicht Amtsinhaber Sarko (dem sie sogar ein Lied widmete), sondern den Kerl mit dem Ländernahmen. Leute wie sie hätten es unter Nicholas schwer, der würde doch sicherlich nur Sexbomben goutieren, wozu sie sich definitiv nicht zählte.
Nun, ich weiß nicht, ob man dem Herrn Präsidenten Homophobie vorwerfen kann und sein gutes Verhälntis zu Angie zeigt ja, daß er sich auch mit Frauen versteht, die sich nicht gerade für den Playboy ausziehen könnten (obwohl, bei dem Dekolleté!). Aber sei's drum, hier in Saint Ouen hatte Melanie die Fans auf ihrer Seite und bewies bei zwei akustischen Gitarrenstücken auch, daß sie nicht unbedingt immer ihren effektvollen Disco Bollersound braucht, um stark rüberzukommen. Gerade diese beiden Balladen berührten mich außerordentlich und bewiesen die Wandlunsgfähigkeit der aus Bordeaux stammenden Dame.
Running Gag des abends war, daß Melanie anscheinend ständig aktuelle e-mails ihres Bruders erhalte, was für etliche Schmunzler sorgte. Noch amüsanter war aber ein projeziertes Video, bei dem 4 pubertierende amerikanische Mädels einen Wettbewerb im Haareschütteln veranstalteten und minutenlang wie wild ihre Mähne durch die Luft fliegen ließen. Da war Kondition gefragt und nach ein paar Minuten trennte sich die Spreu vom Weizen, ein paar der Mädels gaben erschöpft auf und schließlich konnte irgendwann eine rammdösige Siegerin gekürt werden. Ein Brüller!
Alles in allem ein tolles Konzert, musikalisch gut und auch sehr unterhaltsam.
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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