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Sonntag, 10. Oktober 2010

Someone Still Loves You Boris Yeltsin u.a., Paris, 08.10.10

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Konzert: Someone Still Loves You Boris Yeltsin (Horse Feathers, Oh No Ono)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 08.10.2010
Zuschauer: nichts sehr viele eigentlich
Konzertdauer: Horse Feathers 35 Minuten, Oh No Ono 40 Minuten, SSLYBY etwa eine Stunde


Es ist ein immer wieder vorkommenes Ärgernis, daß ruhige Folkacts bei Konzertabenden extrem früh angesetzt werden und nur kurz spielen dürfen. Vorrang haben grundsätzlich die Lärmmacher, egal ob sie musikalisch gut sind oder nicht. Die Veranstalter tragen hiermit dem Publikumsgeschmack Rechnung, denn die meisten Leute finden Folkbands und Singer/Songwriter langweilig. Ein gute Beispiel dafür, wie abgestumpft, überdreht und verdummt unsere Gesellschaft ist! Selbst studentisches Publikum ist nicht willens, eine Stunde lang stillzuhalten, zuzuhören und auch mal auf Texte zu achten. Es muss schon Bum-Tschak machen und der Beat entweder tanzbar, oder höllisch laut sein. Generation Lady Gaga! Bezeichnend, daß sogar der selbsternannte Plattenmeister Albert Koch Lobgesänge auf die wasserstoffblonde Heulboje anstimmt.

Auf den heutigen Abend bezogen: Das Konzert der vorzüglichen Horse Feathers habe ich verpasst. Entgegen üblicher Gewohnheiten wurde heute in der Flèche d'or bereits vor 21 Uhr angefangen. Horse Feathers, die mit Cello, Geige und Schlagzeug gekommen waren, hetzte man bereits um 20 Uhr 30 auf die Bühne und ließ sie gerade einmal 35 Minuten lang spielen. So etwas nennt man dann wohl Perlen vor die Säue geworfen! Sehr gerne hätte ich ihre warmen Folksongs und das Gillian Welch Cover Orphan Girl gehört, aber mir blieb nur ein Plausch mit den Musikern am Merchandising-Stand. Die Band selbst war natürlich auch enttäuscht, aber Degradierungen dieser Art sind viele Folkkünstler bereits gewohnt. Wenn ich bedenke, daß eine höchst mittelmäßige Band aus England (deren Namen ich schon wieder vergessen habe) heute einen prominenten Platz und mehr Spielzeit eingeräumt bekommen hatte, könnte ich mir glatt die Sackhaare einzeln ausreißen! Vor den belanglosen Briten waren die Dänen Oh No Ono an den Start gegangen und boten ein kurzweiliges Set psychedelisch angehauchter Rocksongs, vorgetragen von einem Sänger mit Pumuckl Frisur und Kastratenstimme. Wenn sie nicht relativ stark nach den verfluchten MGMT klängen, könnte ich mich glatt mit Oh No Ono anfreunden.

Setlist Oh No Ono, La Flèche d'or, Paris:

01: Sunshine
02: Helplessly Young
03: The Tea Party
04: Ba Ba Baba Ba Ba Well Anyway
05: Eleanor Speaks
06: Internet Warrior
07: Icicles
08: Am I Right?
09: The Wave Ballet
10: Keeping Warm In Cold Country
11: Practical Money Skills For Life
12: Miss Miss Moss
13: Fat Simon Says
14: Tomorrow Never Knows

Wenigstens die letzte Band des heutigen Abends entschädigte aber ein wenig für die erlittene Enttäuschung. Someone Still Loves You Boris Yeltsin spielten frisch und frei auf, gefielen mit kleinen sonnigen Gitarrenmelodien, catchy Refrains und indierockigen/popwerpoppigen Liedern im Stile der Posies und sorgten mit dieser Mixtur für gute Stimmung im Publikum. Besonders eine kleine amerikanische Delegation mt asiatischem Migrationshintergund (sagt man doch heutzutage so, oder?) ging zu jedem einzelnen Song ab wie ein Zäpfchen. Ich vermute stark, daß die Mädels und Jungs vorher in München beim Oktoberfest waren, denn sie ließen immer mal wieder aufgeschnappte Sprüche los wie: "Kein Alkohol ist auch keine Lösung" und das sexy Mädel der Truppe hatte eine echte Krachlederne an, zu der sie heiße schwarze Strümpfe trug.

Was mir sonst aufgefallen ist? Einer der beiden Sänger* von SSLYBY (der große) erinnerte mich optisch an Troy von Balthazar. Er hätte der jüngere Bruder sein können und auch die Art und Weise wie er eine Symbiose mit dem Mikro einging, ließ mich an den eleganten Hawaiianer denken...


Setlist Someone Still Loves You Bors Yeltsin
, Flèche d'or, Paris:

01: Banned (By The Man)
02: Everlyn
03: Gwyneth
04: Glue Girls
05: House Fire
06: Critical Drain
07: Made To Last
08: Dead Right
09: Back In The Saddle
10: Sink/Let It Sway
11: Modern Mystery
(12: Pangea) vorgesehen, aber nicht gespielt

Ausgewählte Konzerttermine von Someone Still Loves You Bors Yeltsin:

13.10.2010: Pretty Vacant, Düsseldorf
14.10.2010: Stuk, Leuven, Belgien
16.10.2010: Paradiso, Amsterdam
17.10.2010: Molotow, Hamburg
22.10.2010: Bang Bang Club, Berlin
23.10.2010: Hafen 2, Offenbach
24.10.2010: Jugendhaus West, Stuttgart

* richtig gelesen. SSLYBY haben zwei verschiedene Sänger, die jeweils eine Halbzeit lang (Fußballsprache) sangen.

Aus unserem Archiv:

SSLYBY, Wien, 03.10.2010
Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Köln, 01.10.08
Someone Still Loves You Boris Yeltsin, Köln, 21.05.07

Horse Feathers, Paris, 23.02.09
Oh No Ono, Paris, 25.02.2010






Freitag, 26. Februar 2010

The Drums & Slow Club &, Oh No Ono, Paris, 25.02.10

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Konzert: The Drums & Slow Club & Oh No Ono

Ort: La Maroquinerie
Datum: 25.02.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: The Drums etwa 50 Minuten, die anderen beiden zwischen 30 (Slow Club) und 40 Minuten (Oh No Ono)


Résumé en français ci-dessous



The Drums: g-r-a-u-e-n-h-a-f-t! Und ich dachte schon schlimmer als White Lies geht's nimmer. Eine nervige Poserband ( der mit einer fürchterlichen Stimme ausgestattete Sänger machte auf Ian Curtis, lächerlich!), ohne Ideen und Substanz. Nichts herauzuhören von den tollen, als Referenzen genannten Bands wie The Smiths, Orange Juice und Joy Division. Ägerlich, daß es möglich ist, mit diesem Käse sämtliche Konzerttermine auszuverkaufen! Am 27. Februar im Berliner Lido.

Oh No Ono: Diese Dänen waren gar nicht übel. Ihr psychedelischer angehauchter Pop bot viele Variationen und überraschende Wendungen. Der Gesang erinnerte an MGMT, aber das war zu verschmerzen, denn das Songmaterial war interessant und das Radiohead Cover Weired Fishes ganz vorzüglich. Demnächst ein paar Sätze mehr hierzu.

Slow Club: Das gemischte Duo aus England hatte durchaus Charme. Sie trommelte im Stehen, er spielte Gitarre. Gesungen haben sie beide. Ein nettes Pärchen (ob sie zusammen sind weiß ich nicht, ich rede von der Musik), das ein halbes Dutzend Lieder vortragen durfte. Ich muss mich mal näher mit ihnen beschäftigen, dann kann ich hier noch ein paar Zeilen hinzufügen. Bescheiden sind sie auch. Sängerin Rebecca meinte am Ende: "so wir überlassen die Bühne jetzt richtigen Bands." Mit Hinblick auf die Drums muß man sagen: wären Slow Club doch noch viel länger geblieben!

Ausgewählte Konzerttermine Oh No Ono (ohne Gewähr):

27.02.2010: D:Qliq, Luxemburg
22.05.2010: Prinzenbar, Hamburg
23.05.2010: Comet Club - KarreraKlub, Berlin
24.05.2010: Studio 672, Köln
25.05.2010: Nachtleben, Frankfurt
26.05.2010: 59:1, München

Konzerttermine Slow Club (ohne Gewähr):

26.02.2010: 4AD, Kiksmuide
27.02.2010: Nieuwe Anita, Amsterdam
01.03.2010: Hafenklang, Hamburg
02.03.2010: Spedition, Bremen
03.03.2010: Amp, Münster
04.03.2010: Steinbruch, Duisburg


Setlist Oh No Ono, La Maroquinerie, Paris:

The Wave Ballet
Am I Right?
Swim
The Tea Party
Internet Warrior
Weird Fishes (Radiohead Cover)
Miss Miss Moss


Anmerkung: am Anfang fehlen zwei Titel

Setlist The Drums, La Maroquinerie, Paris:

01: Tears
02: Best Friend
03: Submarine
04: Stupid
05: (Book Of Stories) * war vorgesehen, wurde aber nicht gespielt
06: Make You Mine
07: Skip In Town
08: Jerk
09: Moon
10: Surfing

11: Down By The Water
12: Forever

Pour nos lecteurs francais:

Classé grand espoir 2010 dans les Inrocks de décembre dernier, les New Yorkais de The Drums m'ont déçu sur toute la ligne. Évoquant des références formidables comme The Smiths, Joy Division et Orange Juice les quatre têtes à claques n'ont jamais egalé leurs idoles et ont fait preuve d'une banalité absurde. Leurs morceaux étaient explosifs et efficaces certes, mais sans aucune substance. Le jeu théâtral et prétentieux du chanteur blond m'a énervé dès la premiere note. J'ai eu l'impression qu'il voulait copier les mouvements et gestes robotiques de Curtis, c'était ridicule et même méchant quand on sait que Curtis souffrait d'épilepsie. Musicalement c'était plutôt proche de Echo & The Bunnymen ou des Chamelons Uk, mais sans originalité.
Je dois reconnaitre que la plupart du public (très jeune et féminin en majorité) a adoré et que les musiciens qui se donnaient des airs pendant tout le concert semblaient plutôt sympas et accessibles après celui-ci. Il parait que le créateur de mode et photographe Hedi Slimane soit fan. The Drums sont un phénomène de mode, la preuve!

Beaucoup plus innovateurs, variés et passionnants les danois de Oh No Ono ont donné un concert truffé de chansons pop psychédéliques avec des changements de rythme et de mélodies surprenants et intéressants. Leur propres morceaux ne sont pas mal du tout, mais ce qui m'a le plus impressioné, c'était la reprise formidable de Weird Fishes de Radiohead.

Slow Club enfin, qui ont ouvert le bal à 20 h étaient charmants, souriants et divertissants. Une blonde qui joue de la batterie debout comme jadis Molly Tucker et un mec barbu à la guitare, une formule réussie qui a déjà créé un certain buzz sur internet avec plus d'un million de consultations de profil. Ce n'est pas démérité puisqu'ils ont des morceaux accrocheurs et ludiques.







 

Konzerttagebuch © 2010

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