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Donnerstag, 7. Juli 2011

Liza Manili, 06.07.11

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Konzert: Liza Manili

Ort: Panic Room, Paris
Datum: 06.07.2011
Zuschauer: viele für die winzige Location, etwa 60
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Schon fast unverschämt, wie hübsch, stilvoll, charmant und gertenschlank viele Pariserinnen sind. Da fragt man(n)/Frau sich, wie die das machen.

Sind die schon so auf die Welt gekommen, oder sind das alles Schauspielerinnen? Im Falle von Liza Manili kann man die zweite Alternative schon gleich mit ja beantworten. Sie ist in der Tat Schauspielerin bzw. "comedienne" wie man in Frankreich sagt. Trotzdem kannte ich sie bisher noch nicht. Nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, daß ich nie ins Kino gehe und im Fernsehen lediglich Tennis gucke.

Auf Schauspielerinnen aufmerksam werde ich in der Regel erst, wenn sie anfangen zu singen. In der Vergangenheit nahm ich somit zumindest Notiz von den Gesangesbemühungen von Charlotte Gainsbourg, Sandrine Kiberlain, Emanuelle Seignier, Julie Delphy, Claire Keim und kürzlich Melanie Laurent, ohne je einen Film von ihnen gesehen oder ihre CDs ernsthaft gehört zu haben (Ausnahme Charlotte Gainsbourg).

Heute nun also die Live-Kostprobe von Liza Manili. Hübsch, stilvoll, charmant und gertenschlank. Sagte ich nicht, daß ich den Eindruck habe, (fast) alle Pariserinnen seien so? Und natürlich sind sie nie overdressed, zu stark geschminkt oder aufgedonnert. Kein einziger stilistischer oder modischer Faux-Pas, da können sich die Russinnen, Amerikanerinnen, Engländerinnen, Deutschen eine Scheibe von abschneiden. Im Grunde genommen gibt es das nur in Frankreich bzw. nur in Paris. Diese lässige Eleganz, diese Natürlichkeit, dieser dezente Schick. Da wird nicht mit Designerklammotten geprotzt, werden keine falschen Nägel aufgeklebt, keine glitzernden Handtaschen getragen. Diese Art von Vulgarität überlässt man den anderen Nationen bzw. dem Süden Frankreichs, den die Pariser wegen seiner neureichen Protzigkeit verabscheuen. In der Seine-Metropole ist man nicht bling-bling, sondern hippie chic.

Umzingelt von diesen Hippieschicken, diesen Hipstern, Bobos, Film- und Kunstschaffenden, saß ich Bauernlümmel aus dem Westerwald also in einem kleinen Laden namens Panic Room und wartete auf den Beginn des Konzertes von Liza. Bei den Männern saß der gepflegte Dreitagebart wie er sollte, die Bräune war dezent (sich durchgrillen zu lassen ist ja sowas von vulgär!), die Klamotten auf lässige Art und Weise schick, die Bäuche flach und straff.

Gleich neben mir saß Soko, die Pariser Sängerin und Schauspielerin, die vor ein paar Jahren nach Los Angeles gezogen ist, weil sie findet, daß die Franzosen ein barbarisches Fleischfresservolk sind, in dem sie als Veganerin nicht in Ruhe leben kann. Nun mampft sie also in Kalifornien Avocados und glutenfreies Toast- Brot mit Gemüsesaft und spielt mal hier, mal da. Leben wie Gott in Fr.., äh, den USA! Liza Manili ist wohl eine gute Freundin von Soko, zumindest konnte man diesen Eindruck auf Grund der stürmischen Beifallbekundungen der Stephanie Sokolinski gewinnen.

Manili legte gegen 21 Uhr 15 los. An ihrer Seite spielte ein lockiger, dreitägebärtiger Gitarrist, der mich stark an Albert Hammond Jr. erinnerte. Sein Name: Séverin. Aber er war nicht nur zum Schönsein da, sondern wichtiger Part im musikalischen Gefüge. Seine wavige Gitarre sorgte zusammen mit dem französischen Gesang von Liza für einen frühen 80 er Jahre Retrosound, wie ihn auch die Band La Femme spielt. New Wave made in France ist also zur Zeit schwer angesagt und mir kann's nur recht sein, denn die Songs von Manili waren wirklich fetzig und ohrwurmig. Toll auch ihre Stimme, sinnlich, süßlich, anziehend. Lediglich das Auflegen der Schallplatten funktionierte nicht immer ganz so reibungslos, da gab es ab und zu Hänger und Fehlstarts.

Egal, die Stimmung war dennoch bestens und die Chansons perlten wirklich wie ein kühles Glas Champagner im Hochsommer. Chansons, die sicherlich zum Großteil auf dem ersten Album der gebürtigen Straßburgerin landen werden (Erscheinungsdatum Januar 2012). Unterhaltsam und kurzweilig war das Material auf alle Fälle und ganz zum Schluß präsentierten uns die beiden Musiker dann noch einen veritablen Hit. Le Petit Train ist so eingängig, ja fast kariös, daß man das Lied schon nach dem ersten Hördurchgang nicht mehr aus dem Ohr bekommt. "Le petit train, les aller-retours, le petit train les aller-retours, ladadidada", imparable (unwiderstehlich) wie man in Frankreich sagt!

Der kleine Panic Room tobte und so musste Liza die erste Zugabe ihees Lebens geben. Hierbei spielte ihr aber ihr Plattenspieler einen Streich, denn die Nadel blieb irgendwann in der Mitte des Stückes hängen und auch beim zweiten Versuch wiederholte sich dieses Malheur, so daß sie schmunzelnd abbrach.

Ob Liza auf Platte genauso anziehend wirkt wie live, bleibt abzuwarten, aber das Liverlebnis ist mir ja eh das liebste. Und wenn dann noch solch ein Schnuckelchen auf der Bühne steht....

Schon fast unverschämt!






Samstag, 11. September 2010

To Arms Etc., Paris, 10.09.09

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Konzert: To Arms Etc.

Ort: Le Panic Room, Paris
Datum: 10.09.09
Zuschauer: 5
Konzertdauer: 30-40 Minuten


To Arms Etc, eine super Band aus England, die vor lediglich 5 Leuten gespielt hat. Wie unglaublich schade!

Aber wie konnte so etwas passieren? Nun, an der Qualität der Musik schon einmal auf gar keinen Fall, denn die ist wirklich sehr hoch. To Arms ETc sind genau wie Gemma Ray und ein paar andere ausgezeichnete Künstler beim Label Bronzerat Records unter Vertrag und haben mit Corner Games (2009) ein Debüt vorgelegt, daß das rennomierte Musikmagazin Uncut mit 4 Sterne ausgezeichnet hat. Die verschwindend geringe Zuschauerresonanz lag vielmehr an einer Verkettung von unglücklichen Zuständen. Die Truppe wurde schon um 20 Uhr auf die Bühne gejagt, die Promo war dürftig bis inexistent und der Panic Room selbst unter Konzertfreaks nicht sehr bekannt. Dabei spielen hier durchaus immer mal wieder richtig gute Bands. Wohl oder übel musste das Quintett also vor leeren Rängen ihr abwechslunsgreiches Set votragen, das aus psychedelischen und leicht Progrock angehauchten Popperlen bestand. Ein toller Musikstil, der mich angenehm an die enorm kreativen Field Music erinnerte, ansonsten aber erfreulich eigen war. Schon bitter, daß ein Trendsetter- Magazin wie der NME schwache Band wiedie White Lies oder Glasvegas über den grünen Klee lobt und Gruppen mit Ideen wie eben To Arms etc. links liegen lässt.

Die fünf junge Musiker trugen das Ganze aber mit Fassung, bedankten sich bei den fünf Zuschauern fürs Kommen und spielten voll konzentriert drauf los, als sei nichts gewesen. Hinterher sagten sie zwar auch, daß dieses Konzert schon "strange" gewesen sei, ließen sich aber nicht unterkriegen und konnten bald schon wider lächeln.

Fotos bald!




Freitag, 23. Oktober 2009

Erica Buettner & My Broken Frame, Paris, 22.10.09

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Konzert: Erica Buettner & My Broken Frame

Ort: Panic Room, Paris
Datum: 22.10.2009, 21 Uhr
Zuschauer: 35-40
Konzertdauer: jeweils etwa 35 Minuten



Berichte demnächst.

Setlist Erica Buettner, Panic Room, Paris:

01: Parisian Clouds
02: No Land's Man
03: True Love And Water
04: Arctic Dogs
05: Our Most Fragile Things
06: When It Goes
07: San Andreas
08: Time Travelling



Mittwoch, 7. Oktober 2009

Yeti Lane, Paris, 06.10.09

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Konzert: Yeti Lane, halbakustisch

Ort: Panic Room, Paris
Datum: 06.10.09
Zuschauer: in der Sitze zwischen 40 und 50
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


Im Oberkampfviertel wird Paris zum Dorf. Zumindest was die Indieszene anbelangt. Man muss nur durch die Gegend zwischen Fille Du Calvaire und Saint Maur schlendern und schon trifft man ziemlich bald auf bekannte Geschichter des lokalen Musikmilieus. Nicht weiter verwunderlich, wenn man weiß, daß hier etliche Clubs beheimatet sind. Auf der Strecke (lose Aufzählung ohne geographische Rangfolge und Logik) befinden sich das Bataclan, das Nouveau Casino, die UFO Bar, die Alimentation Générale, das International und das Pop In. Und das Pop In war auch der Laden, in dem ich mich heute mit Musik berieseln lassen wollte. Vor der Eingangstüre war aber gegen 20 Uhr 30 noch nichts los, ganz im Gegensatz zum Panic Room, dem Schuppen, der bloß eine Tür weiter liegt. Die Menschenansammlung ließ mich neugierig werden. Würde hier heute etwas Besonderes stattfinden? Ich näherte mich und erkannte Remi Alexandre, den Gitarristen von Syd Matters. Dann sah ich auch die drei Burschen, die das Trio Yeti Lane bilden. Wie ich kurze Zeit später erfuhr, sollten sie heute im Panic Room auf dem Programm stehen. Das reizte mich, obwohl ich ja eigentlich zu Björn Kleinhenz ins Pop In wollte. Was also tun? Die Entscheidung wurde mir letztlich abgenommen, denn schon kurz nach neun bat man die Zuschauer, in den tunnelförmigen Keller hinabzusteigen, um das Konzert von Yeti Lane zu genießen. Ich wähnte mich als Glückspilz, denn ich glaubte in diesem Moment heute zwei Konzerte gratis spendiert zu bekommen. Yeti Lane im Panic Room und dann anschließend Björn Kleinhenz im Pop In. Aus Erfahrung weiß ich, daß die Gigs im Pop In selten vor 10 Uhr beginnen und es somit machbar war, beide zu sehen. Clubhopping nennt man das wohl neudeutsch, oder?

Ich sitze also kurz nach 21 Uhr auf einem Bänkchen im Panic Room und fühle mich trotz des Namens gar nicht so unwohl. Wie lange man es hier drin wohl aushalten könnte, wenn man die Tür zur Treppe aus Schutz vor Angreifern verriegelte? Dazu ist ein Panic Room doch da, um sich zu verschanzen. Oder nicht?

Aber da hier kein Hollywood Film nachgespielt wird, bleibt der Zugang nach oben und nach unten natürlich frei und es tröpfeln langsam aber sicher immer mehr Neugierige ein.

Vorne auf der kleinen Bühne sitzen vor einem Spiegel Ben Pleng und Loac. Zusammen mit dem Drummer Charlie bilden sie die Gruppe Yeti Lane. Charlie hat heute aber frei, da kein Schlagzeug vorgesehen ist und halbakustisch gespielt wird. Auch die Keyboards bleiben außen vor. Ich frage mich, ob es möglich ist, den hochkomplexen Sound der Truppe, der Einflüsse von Indierock, Postrock, Krautrock, Dreampop und Shoegaze vereint, lediglich mit zwei Gitarren und zwei Stimmen (Ben und Loac singen beide) hinzubekommen. Schon nach wenigen Minuten bekomme ich die Antwort auf dem Tablett serviert. Es ist möglich. Und wie! Es klingt in der abgespeckten Variante vielleicht sogar noch schöner, da die Melodien und Grundstukturen der Stücke besser zur Geltung kommen. Sogar der Opener Tiny Corrections, den ich auf dem Album am wenigsten mag, gefällt mir plötzlich. Noch stärker ist aber gleich anschließend Think It's Done von dem eine Musikzeitschrift behauptet, es klänge nach Elliott Smith. Und in der Tat: in der heutigen Konstellation kann ich wirklich gewisse Ähnlichkeiten mit meinem Lieblingssänger ausmachen. Toll! Glänzend ist auch das zunächst trüb dahinplätschernde Black Soul ("Every shade of blue suits you perfectly"). Ben und Loac verstehen es auf das Vorzüglichste Spannung aufzubauen, mit Stimmungen, Intensität und Tempo zu spielen und von ruhigen Fahrwassern auf stürmische See umzuschalten. Wunderschön auch die vielen tollen kleinen Melodien, die Loac aus seiner hübschen Gitarre rauskitzelt und das harmonische Zusammenspiel der beiden Stimmen. Es ist wahrlich eine Wonne den jungen Herren zuzuhören! Und als sie dann auch noch irgendwann ihren Sensationshit Lonesome Georg in einer neuen Version abfeuern, kennt meine Begeisterung keine Grenzen mehr. Am liebsten würde ich nach vorne stürmen und die Kerle umarmen, so unfassbar gut finde ich Lonesome Georg, die Geschichte über eine Schildkröte! Selbt der britische NME schwärmt davon in den höchsten Tönen und titelte unlängst: "Yeti Lane - Cult Parisian space cadets go hyper-drive."

Ach herrlich war's! Was für eine grandiose Band! Vergesst ab sofort Penny Lane und investiert euer Geld lieber in das Debütalbum von Yeti Lane anstatt es für die überteuerten Boxsets der Beatles zu vergeuden!

Und was war mit Björn Kleinhenz? Der kam nicht! Autopanne in Deutschland, sagte man mir. Untrügliches Zeichen dafür, daß das Konzert ausgefallen ist: zwei hübsche, blauäugige Schwedinnen betreten das Pop in und kommen ein paar Minuten später enttäuscht wieder rausmarschiert. Sie murmeln etwas in einer mir unverständlichen Sprache - wahrscheinlich "Mist, der Kleinhenz hat uns versetzt" - und ziehen unverrichteter Dinge ab...






 

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