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Montag, 27. Juni 2011

Die Fantastischen Vier, Luxemburg, 26.06.11

1 Kommentare

Konzert: Die Fantastischen Vier
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 26.06.2011
Zuschauer: ein paar Tausend
Dauer: gut 60 min


Daß ich die Fantastischen Vier nicht leiden kann, stimmt nicht, sie waren mir immer egal. Natürlich kenne ich ihre Hits. Auch jemand, der kaum (Hit-)Radio hört, bekommt die zwangsläufig mit. Aber häufiger habe ich Thomas D. und Smudo abseits der bzw. ihrer Musik erlebt.

Das Konzept des Rock A Field ist eigentlich ein sehr gutes: auf zwei Bühnen spielen abwechselnd Bands. Es findet also immer genau ein Konzert statt. Leider hat man dabei zwar nicht bedacht, daß nach Ende des letzten Taktes des einen Auftritts auch die Möglichkeit bestehen sollte, zum anderen Konzert zu kommen - aber das ist ein anderes Thema. Es bietet aber eben auch die Möglichkeiten, einmal "neue Bands" zu entdecken, zu denen man nicht ginge, spielten parallel die üblichen verdächtigen Indieacts.

So kam ich also zu den Fantastischen Vier.

Und, was soll ich sagen, das Konzert war hervorragend.

Ich bin auch nach der Stunde mit den Vier kein Fan, werde sicher nie Platten von ihnen kaufen oder hören, bin aber extrem begeistert, wie die Schwaben (und der Hesse), den Platz schnell und dauerhaft zum Feiern zu bringen. Natürlich haben Fanta 4 (jett fange ich schon so an) dies schon tausendfach gemacht, dem Konzert fehlte aber jede Abgezocktheit oder spürbare Professionalität (außer vielleicht den schneeweißen, nagelneuen Turnschuhe, die nahelegten, daß vor jedem Konzert aus einem Schuhtrailer jungfräuliche Paare gegriffen werden).

Das Konzert lief etwa so ab: vorne stehen die drei Rapper (oder MCs, ich habe keine Ahnung, die drei vorne halt) Thomas D., der Eifelkommunarde, Rennfahrer Smudo und Michi Beck. Hinter Mischpult oder Keyboard macht And. Y. (oder so) das Quartett komplett. Um die Fanta 4 herum dann noch die Begleitband, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussions, Keyboard. Die drei vorne hüpfen und tanzen und lassen bis auf Smudos Kopf nicht erkennen, daß die Herren Mitte 40 sind. Das hört sich ein wenig albern an, ist es aber nicht, es ist unterhaltsam.

Die Hälfte der Lieder kannte ich (Tag am Meer, Troy, MFG...), den Rest nicht, darum ging es aber auch nicht, die Musik war egal, nicht unangenehm aber egal. Die Stimmung war toll, ich wiederhole mich, aber das war die Quintessenz der Stunde.

Einmal wurde es sogar urkomisch: irgendwann gingen Smudo und Michi Beck von der Bühne, Thomas D. sollte alleine Krieger singen. Dazu bedurfte es einer albernen kleinen Vorbereitung. Der Sänger zog sein T-Shirt aus, damit die Schultertattoos besser zur Geltung kommen konnten, stellte sich mit dem Rücken zu uns auf und ließ die Schultern kreisen. Krieger halt, der sich auf den Feldzug vorbereitet. Eine harmlose aber eben auch alberne Selbstdarstellung. Dann vergaß er aber sehr schnell den Text, grinste, und rappte nach einer sehr langen Pause weiter. Smudo, der nur im Auto richtig schnell zu sein scheint, rannte auf die Bühne, um seinem Kollegen grinsend zu helfen, kam aber zu spät, da rappte es schon wieder. Ich bin sicher, die Band hatte Spaß an der Episode, das Publikum hatte!

Das war eine horizonterweiternde Stunde, yeah yeah yeah!

Setlist Die Fantastischen Vier, Rock A Field, Luxemburg:

01: Wie Gladiatoren
02: Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)
03: Ichisichisichisich
04: Danke
05: Smudo in Zukunft
06: Krieger
07: Was geht
08: Yeah yeah yeah
09: MFG
10: Tag am Meer
11: Ernten, was wir säen
12: Troy

- keine Links



Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11

6 Kommentare

Konzert: Arcade Fire
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 26.06.2011
Zuschauer: das Festival war nicht ausverkauft
Dauer: gut 70 min


Auf dieses Konzert habe ich mich seit Wochen gefreut, Arcade Fire! Im vergangenen Jahr (im November) hatten die Kanadier ein atemberaubendes Konzert in Düsseldorf hingelegt, das das beste 2010 sein sollte. Trotz Philipshalle und trotz schlimmer Verkehrsverhältnisse war das einer dieser Konzertabende, an die man sich noch in Jahren erinnern wird. So wie mein erstes Mal Arcade Fire, als noch ein blonder Owen Pallett Teil der Band war.

Heute bei Rock A Field hätte es auch wieder so sein sollen, das war der Plan. Als ich auf dem Festivalgelände auf einer Lichtung bei Roeser ankam, zwischen Luxemburg Stadt und der französischen Grenze gelegen, spielte gerade einer dieser beknackten Lärmbands, die jedes Jahr Teil des Lineups sind. Diesmal war es Bullet For My Valentine (wenn es nach mir ginge "Bullets For His Valentine's Valentine"), und die Band bestätigte alle Vorurteile, die ich ihr gegenüber pflege.

Es folgten Die Fantastischen Vier und die Wombats, bevor bereits um halb neun Arcade Fire anfangen sollten. Vergangene Woche war der längste Tag des Jahres, die Sonne schien also noch, als die Band auftrat. Den tiefere Bedeutung hinter dem Zeitplan hatte ich ohnehin nicht verstanden, daß hinter der mit Abstand bedeutendsten Band des Festivals noch Elbow, die Arctic Monkeys und Goose folgen sollten, war für Leute wie mich, die früh nach Hause fahren wollten, gut, aber doch etwas ungewöhnlich, wo Startzeiten doch vergleichbar mit der Buchstabengröße auf den Plakaten Indikator für die Relevanz der Gruppe sind. Sei's drum, so war das Licht für die Bilder wenigstens besser.

Bevor die kanadischen Grammy- und Britpop-Award Sieger erschienen, wurden sie von einer alten amerikanischen Werbetafel (digital) angekündigt: "Coming soon - Arcade Fire" Sehr hübsch!

Alles andere als hübsch war dann aber der Sound. Ready to start verpuffte regelrecht in dumpfem Bassgewummer. So etwas erlebt man speziell bei Festivals ja leider immer wieder, oft bekommt die Soundcrew das aber schnell in den Griff, aber nicht hier. Es blieb dumpf, sodaß wir unsere Plätze vorne schnell aufgaben, um es weiter hinten zu versuchen, aber auch von da klang es nicht viel besser. Schade, aber damit war das Konzert schon gelaufen; kein Vergleich zu dem Auftritt im November in der ungeliebten Düsseldorfer Halle, in der Arcade Fire fabelhaft klangen!

Die Setlist war eine verkürzte Festivalversion des Programms von Düsseldorf. Während ich auf Rococo zum Beispiel gut und gerne verzichten konnte, war das Wegfallen von Laïka schmerzhafter. Aber bei kürzerer Spielzeit, großer Hitdichte und der Tatsache, daß offenbar Lieder (ein Lied) wie Sprawl II, das zu den schwächsten der Band zählt, gesetzt sind, müssen eben auch zwangsläufig Riesenhits auf der Strecke bleiben.

Das punkigste Stück der Band, Month of May von der aktuellen, preisgekrönten
Platte, das live sonst abräumt, fiel auch dem Soundbrei zum Opfer, es klang nur nach Krach.

Daß Arcade Fire aber auch schlecht klingend spannend anzusehen sind, liegt an ihrer immer wieder wilden Bühnenshow. Auch wenn das Rumspringen, das wilde Trommelverprügeln, die Positionswechsel
tausendmal praktiziert sind, hat das immer wieder einen improvisierten Charakter. Da dauert es zwischen zwei Liedern auch schon einmal etwas länger, bis jeder am Platz ist. Von Abgehobenheit nach dem weltweiten Popularitätssprung durch den Grammy ist nichts zu spüren. Wenn Win Butler ("der mit der Nazifrisur", wie empörte Twitter-User nach der Grammy Show feststellten, als nicht Lady Gaga oder Justin Bieber den Preis gewannen, sondern diese Arcade Who aus Ca-na-da) erwähnte "we won a fucking Grammy earlier!" wirkte das nicht großkotzig, es war vielmehr so ein "ihr glaubt gar nicht, was passiert ist."

Kein Konzert des Jahres von der besten Band der Welt. Aber ein guter Anlaß, sie schnell wiederzusehen!


Setlist Arcade Fire, Rock A Field, Luxemburg:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: No cars go
04: Haïti
05: Intervention
06: The suburbs
07: Month of may
08: Neighborhood #1 (Tunnels)
09: Sprawl II (Mountains beyond mountains)
10: We used to wait
11: Neighborhood #3 (Power out)
12: Rebellion (Lies)
13: Wake up

Links:

- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07
- mehr Fotos





Mittwoch, 25. Juni 2008

UNKLE, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: UNKLE
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Dauer: 60 min


Den Abschluss des diesjährigen Rock a Field Festivals
übernahmen um kurz nach halb zwölf UNKLE. Eine aus einem DJ Projekt geborene Band (kann man mittlerweile doch sagen), wie wird das live sein. Wie werden die Gaststimmen, das gewisse etwas, was UNKLE Alben auszeichnet, ersetzt? Wie viel Leute wird es noch zum bleiben bewegen können?

Nun, nicht mehr allzu viele. The Verve war für viele das letzte Musikkapital von Rock a Field 2008. Nach der halbstündigen Umbaupause war es mehr als deutlich leerer geworden.

Rock a Field Luxemburg 21062008UNKLE ist hauptsächlich der DJ James Lavalle. Er gründete das Projekt Mitte der 90er Jahre. Erstes Aufhorchen erregt das erste Album „Psyence Fiction“, dass Lavalle zusammen mit DJ Shadow zusammenbastelt. Verschiedenste Gastmusiker und –sänger lassen es zu einem All-Star Elektrodance Album werden. 2007 erschien das bisher letzte Album „War Stories“, wiederum sind eine Vielzahl von Gastmusikern mit an Bord. So steuerten u. a. Ian Astbury und Josh Homme den Gesang bei.

Das Set besteht hauptsächlich aus Stücken des letzten Albums. „Chemistry“, „Hold my hand“ und „Restless“ dominieren die erste halbe Stunde. Der Sound ist laut, wuchtig und heftig. Die Gitarren ballern einem nur so um die Ohren. Keine Atempause. James Lavalle dreht den Plattenteller, drei Gitarristen, Schlagzeug und Keyboards und allerlei Elektrokram transportieren den UNKLE Sound hervorragend. Alles eine Spur härter als auf CD. Eine Rockshow vom feinsten. Den Gesang übernehmen andere, die Hommes und Astburys werden nicht vermisst. Dafür dominieren die Gitarren zu sehr. Mehr braucht es nicht.

Vielen ist das zu heftig. Während des Auftritts verlassen einige das Gelände. Mittlerweile ist es nach Mitternacht, und auch die ausdauerndsten werden langsam müde. Das Schicksal der letzten Band. Immer auch ein wenig der Rausschmeißer.

Auch wir machen uns auf den Weg durch den Wald zum Shuttlebus. Noch ein kurzer Stopp an der Tankstelle, Super für 1,32, und dann durch die dunkle, unheimliche Eifel nach Hause.

Es war ein guter Samstag! Es war ein gutes Festival!

von Frank von Pretty Paracetamol



Sonntag, 22. Juni 2008

Mando Diao, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: Mando Diao

Ort: Rock A Field Festival, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 55 Minuten


Mein erstes Festival in diesem Jahr gleicht einem Kulturschock. Noch gestern Nacht war ich auf Pariser Konzertpisten unterwegs und heute erreiche ich zusammen mit meiner Frau völlig übermüdet das Grossherzogtum. Lediglich gut zwei Stunden Zugfahrt trennen die französische Metropole und die Hautpstadt Luxemburgs, aber irgendwie ist hier alles ein wenig anders. Die Bahnhofsgegend ist hässlich, aber das ist fast überall so. Verwunderlicher ist die Tatsache, dass es hier weit und breit keine Starbucks-Filiale gibt und dass die einzige Bäckerei, die normalerweise Kaffee anbietet, sehr deutsch aussieht und Probleme mit ihrer Maschine hat, so dass ich auf den ersehnten Koffeinkick verzichten muss. Es geht also ohne Aufputschmittel Richtung Festivalgelände...

Der heranzitierte Taxifahrer hat von Rock-a-Field wohl schon mal am Rande gehört und weiss auch, dass es in Roeser liegt, viel mehr aber auch nicht. In dem kleinen Kaff angekommen, sucht er verzweifelt nach Schildern, die den Weg zum Festival weisen. Ob wir nicht wüssten, wo es langgehe. Ja aber woher denn? Ich war zwar letztes Jahr mit Christoph schon einmal bei dieser Veranstaltung, aber damals gelangten wir von der Autobahn kommend zu dem herrlichen Waldgrundstück, wo das Gelände liegt. Der Kutscher weiss sich aber glücklicherweise zu helfen. Als er einen Polizeiwagen sieht, der von einem Feldweg kommt, versperrt er ihm einfach dreist den Weg. So hat er genug Zeit zu fragen, wie man denn zu diesem komischen Festival gelangt.

Von nun an müssen wir latschen, mit dem Auto kommt man da nicht ran. Wir wandern über Felder Richtung Wald, so wie es uns der Taxifahrer weitergegeben hat. Als wir unter den schattenspendenden Bäumen entlangmarschieren, dröhnt uns schon laute Musik entgegen. Es klingt verflucht nach amerikanischem Stadionrock. Wer spielt da? Wir sollen es bald erfahren, es sind We Are Scientists. Von den Witzbolden war ich nie Fan, obwohl sie mir als Vorgruppe oder bei Festivals schon sage und schreibe 7 (!) mal untergejubelt wurden. Auf dem ersten Album waren zwei oder drei Hits, aber der Rest war eher mau.

Einen dieser Hits, "The Great Escape", bekommen wir auch noch live mit und da kommt sogar so etwas ähnliches wie Stimmung im Publikum auf. Das erste Lied, welches wir hörten, als wir auf der weiträumigen Wiese des Geländes angekommen waren, stellte aber einen Angriff auf den guten Geschmack dar. Laut Christophs Setlist hiess die Scheusslichkeit "Lethal Enforcer". Insofern können wir von Glück reden, dass wir das Konzert der Amis weitestgehend verpasst haben.

Nachdem die falschen Wissenschaftler mit ihrem Programm durch sind, mustere ich Festivalgelände und Publikum. Die Anlage ist schon herrlich, keine Frage! Viel satter grüner Wald aussenrum, sehr erholsam, vor allem wenn man wie ich gerade aus einer stressigen Metropole kommt. Die Mädchen sind allerdings bei weitem nicht so hübsch wie in Paris. Wenn man ehrlich ist, sind sie sogar überwiegend hässlich, dick und verpickelt!* Dazu noch diese fiesen Strähnchen in den Haaren, grauenvoll! Diese an einen Bobtail erinnernden Frisuren kenne ich aus Paris nicht! Ist das etwa in Luxemburg und den umliegenden deutschen Eifeldörfern angesagt?

Ausserdem sind die Mädels in den meisten Fällen verdammt jung, man fühlt sich wie auf einer grossen Abifete. Liegt wahrscheinlich am Line-Up. Mando Diao und die Kooks an einem Tag, da schlagen Girlieherzen höher! Ich persönlich war neben The Verve hauptsächlich wegen den Babyshambles hier. Die wurden vor ein paar Wochen gestrichen, allerdings nicht ersatzlos. Statt Pete sollten es dann sein alter Kumpel Carl und seine Dirty Pretty Things richten. Die wurden jedoch kurzfristig ebenfalls gestrichen! Diesmal ersatzlos, denn der arme Monsieur Barât liegt mit akuter Bauchspeicheldrüsen-Entzündung im Krankenhaus...

Dann also jetzt Mando Diao. Klingen ja auch irgendwie nach den Libertines, bloss nicht so gut. Und genau das ist das Problem! Musikalisch sind sie scheinbar nah dran an vielen Bands die ich mag (Oasis, The Jam, The Clash), erreichen aber niemals deren Klasse. Den Girlies im Publikum ist das egal, die freuen sich auch an Abziehbildern. Und dass Sänger Gustaf Noren auf recht alberne Weise Mick "Rolling Stones" Jagger hinsichtlich Mimik und Gestik imitiert, fällt ihnen wegen ihres jugendlichen Alters gar nicht auf. Mick Jagger, wer is'n das?

Aber die jungen Dinger mit ihren rot-schwarz gestreiften Mando Diao T-Shirts haben ja recht, zumindest was die Anhimmelung des blendenden Aussehens von Sänger Gustaf angeht. Dieser Gustaf Noren ist aber wirklich ein hübsches Kerlchen, gross, schlank, sexy, gut gekleidet und er hat auch nicht solch einen hässlichen Fischmund wie Old Mick. Was will Frau mehr? Mehr schöne Männer? Bitte sehr: auch der etwas kleinere und blondere Sänger Björn Dixgard ist ein Hingucker und der am linken Bühnenrand agierende Bassist ebenfalls! Alle drei würden sich bestens auf Postern in einem Teenager-Zimmer machen.

Schade, dass die Musik von Mando Diao da nicht so richtig mithalten kann. Es gibt immer mal wieder ein paar nett gemachte Melodien und Gitarrenriffs, aber insgesamt dominiert hier das Mittelmass und das unangenehme Gefühl, die gleichen Songs von anderen Bands schon einmal besser gehört zu haben. Vor allem nervt aber der kitschig-klebrige Zuckerguss, der fast über jedes Lied der Schweden drübergegossen wird. Dabei versuchen die Kerle auf der Bühne alles, um die harten Rocker heraushängen zu lassen. Beim Opener "One Blood" zum Beispiel, brüllen und keifen sie was das Zeug hält und posen wie Iggy Pop zu seinen Glanzzeiten. Auch die Sprüche sind markig und gewollt cool. Bevor Gustaf mit "Train on Fire" loslegt, will er dem Publikum zuvor nur ein Wort entgegenschreien: "Fire!!!" Schade nur, dass der Song dann nicht ganz so feurig rüberkommt, sondern irgendwann in eine Lalala- und Tralala-Passage übergeht. Gar nicht so übel sind allerdings die Trompeten und das Saxofon im Hintergrund, die neben diesem Lied auch zwei andere Stücke bereichern. Die neuen Liedern vom aktuellen Album "Never Seen The Light Of Day" ziehen aber nicht besonders gut beim Publikum, obwohl einem vor "Mexican Hardcore" der wahrhaftige Hardcore ("the true and real hardcore") versprochen wird.

Besser gehen alte Hits von "Hurricane Bar" wie z.B. "White Wall", "God Knows" und "All My Senses". Die hübschen blauen Augen der jungen Blondine mit dem schwarz-rot gestreiften Mando Diao T-Shirt neben mir bekommen einen besonderen Glanz, als diese Stücke ertönen. Hormongeschwängert guckt sie völlig entzückt ihren hochgewachsenen Freund an und will mit ihm tanzen, ganz nach dem Motto: "Schatzi, das ist unser Lied!" Dem armen Kerl ist aber nicht nach Rumgehopse zumute, er lässt seine Süsse auflaufen und lächelt etwas gequält. Vermutlich findet er Mando Diao auch eher Kacke und ist bestimmt auch ein wenig eifersüchtig auf die Prachtburschen da vorne auf der Bühne, aber er lässt sich nichts anmerken. Wenn Hasi das eben mag...

Von mögen kann bei mir keine Rede sein, auch wenn ich mich selbst dabei ertappe, bei ein paar Liedern die recht einfältigen Texte mitzusingen und beim abschliessenden "Long Before Rock 'N Roll" mitzuwippen. Der Titel stammt vom dritten Album "Ode To Ochrasy", welches in Frankreich noch nicht einmal offiziell erschienen ist! Angesichts eines recht scheusslichen Titels wie "TV & Me", der dort auch vertreten ist, allerdings auch kein Wunder! Ohnehin hätte das Werk eher den Titel "Ode To Mediocricy" verdient, denn das Wort Mittelmässigkeit beschreibt die Skandinavier doch recht passend.

Und nervige Sprüche haben sie drauf! Lieder werden abwechselnd dem langen schwedischen Winter (wo seltsamerweise "everything much easier" ist) und Gustafs Jugendidol Michael Jackson gewidmet und die beiden Schweden labern immer mal wieder von sich und ihrer Heimat ("you know we are from Sweden and there is not much sun").

Eine Sache ist allerdings wirklich recht komisch, vor allem weil es nicht vielen Leuten im Publikum aufgefallen ist. Der Trompeter und der Saxofonist werden nämlich scherzhaft als Al Green und James Brown vorgestellt und kaum einem Girlie fällt das auf. Artig klatschen sie in die Hände und denken sich wohl: ja, Al und James haben wirklich schön gespielt. Köstlich!

Ob Mando Diao auch ausserhalb des deutschsprachigen Raumes Headliner auf Festivals sein könnten? Ich habe meine Zweifel! Aber wenn alle Stricke reissen, können sie ja zurück in ihre Heimat Borlänge, oder auf einer Fete der Musikzeitschrift Visions spielen. Deren Redakteuere haben bei den Alben der Band immer feuchte Augen bekommen. Und neuerdings gibt es dort im Mittelteil ja auch Poster, dort würden sich die Kerle bestens machen!

À propos Visions, wie geht es eigentlich Carsten Schuhmacher noch so?


Setlist Mando Diao, Rock A Field Festival, Luxemburg:

00: Sphärisches Intro
01: One Blood
02: White Wall
03: Train On Fire
04: Mexican Hardcore
05: Dalarna
06: TV & Me
07: Good Morning, Herr Horst
08: All My Senses
09: Song For Aberdeen
10: If I Don't Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow
11: God Knows
12: Long Before Rock 'n Roll

Links:

- Mando Diao in Köln
- noch viel mehr Fotos von Mando Diao hier
- und weitere Fotos von Mando Diao in Luxemburg


* Natürlich gibt es auch in der Eifel viele hübsche Mädchen! Bitte nicht alles allzu ernst nehmen, was ich hier so schreibe. That's Entertainement (The Jam)!




The Verve, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: The Verve
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: weniger als bei Kooks & Mando Diao
Dauer: 80 min


Ist es noch zeitgemäß, The Verve zu mögen? Die Band, die in den 90er Jahren mit drei Alben für viele das wurde, was Sänger Richard Ashcroft vorausgesagt hatte, nämlich die größte Band der Welt? Nach ihrem zweiten Comeback in der zweiten Hälfte 2007 verkauften The Verve zwei kleinere aber triumphale Touren sofort aus, obwohl die Hallen riesig waren. Ich hatte das Glück, einen der Auftritte der zweiten Minitour im Dezember im gigantisch großen SECC in Glasgow zu erleben, nachdem ich vorher nur einmal Richard Ashcroft gesehen hatte. Ich hatte schon da nicht den Eindruck, bloß aus melancholischen Gründen so fasziniert zu sein. Aber wie soll man auch objektiv sein, wenn alte und immer noch allgegenwärtige musikalische Helden gerade zwei Stunden große Musik gespielt haben?

Vielleicht förderten ja ein langer und anstrengender Musiktag und das Fehlen der besonders hohen Comeback-Erwartungen ja meine Objektivität. Trotz meiner Müdigkeit und dem sehr guten Kooks Konzert vorher hatte ich auf jeden Fall unendlich große Lust auf mein Highlight des Tages.

Das ging einem sehr großen Teil des Publikums aber leider anders. Der Platz vor der Bühne hatte sich kräftig geleert im Vergleich zu den Kooks und Mando Diao vorher. Selbstverständlich sprechen diese beiden Bands mehr jüngere Zuschauer an, von denen viele bei Rock A Field waren. Die wegen Verve Angereisten waren sichtbar in der Unterzahl. Mir war es gleich - und, wichtiger, der Band schien es auch nichts auszumachen.

The Verve spielen seit ihrer zweiten Wiedervereinigung in Originalbesetzung, also neben Richard Ashcroft Gitarrist
Nick McCabe, Bassist Simon Jones und Schlagzeuger Peter Salisbury. Bis auf Nick McCabe kennen sich die Musiker aus ihrer Schulzeit in Wigan.

Schon der Opener "A new decade" von "A northern soul" zeigte die Richtung an. Große hymnische Lieder, mit vielen psychedelischen Elementen, ein charismatischer Sänger, der natürlich arrogant und selbstverliebt wirkt, auf eine ganz andere Weise aber als die Mando Diao Beaus, und der mit seiner Gestik und Mimik diese großen Songs untermalt und verstärkt. "We are The Verve and 'This is music'". Punkt.

Diese gequält klingende Stimme des Frontmanns, die langgezogenen Töne sind sicher die prägenden Elemente der Musik der nordenglischen Band. Man nimmt Richard Ashcroft jede Silbe ab, wenn er beispielsweise in "Life's an ocean" Sätze wie "I was
buying some feelings - From a vending machine - Say that I will see - Something more than I have - There's something inside of me - Crying out for something else". Seine Stimme untermalt jeden dieser Sätze, fabelhaft, wie damit nicht nur der Text runtergesungen sondern auch hervorgehoben wird.

Die erste Hälfte des Sets war der von Glasgow ähnlich. "A new decade" und "This is music" von "A northern soul", dann "Space & time" und das wundervolle "Sonnet" vom Meisterwerk "Urban hymns" und wieder ein Lied vom zweiten Album mit "Life's an ocean". Mir ist schon im Dezember aufgefallen, daß The Verve keine Songs vom ersten Album spielten. Auch in Luxemburg war das so, wieso auch immer.

Danach kamen neue Lieder, gleich zwei in Folge. "Rather be" zunächst, das gleich beim ersten Hören ein großer Knüller ist, das allerdings vom folgenden "
Sit and wonder" die Show gestohlen bekam. "Sit and wonder" hatte ich schon in Glasgow gehört, bei Rock A Field hatte ich aber deutlich mehr Muße, auf das neue Lied zu achten. Und es war traumhaft. Ein sehr psychedelisches Stück, das trotz Afrobeat und Elektro, New Rave oder New Wasauchimmer meine Ausgangsfrage aber sowas von eindeutig beantwortet: Ja, The Verve sind nicht altbacken. Es ist vollkommen zeitgemäß, die Engländer anzuhimmeln! Oh ja, das ist es!

Nach diesen beiden sehr vielversprechenden Appetitanregern zum neuen Album
folgten Stücke von "Urban hymns", erst "The rolling people", dann der Höhepunkt des Festivals, ach, des Konzertjahres, "The drugs don't work". "Now the drugs don't work - They just make you worse - But I know I'll see your face again". Eindrucksvoll schön, diese Hymne! Es waren zwar viel weniger Leute da, als diese Band verdient gehabt hätte, die sahen aber alle (naja, die, die ich sehen konnte) mächtig gerührt aus, lagen sich in den Armen und sangen mit. Das änderte sich bei "Lucky man" nicht. Auch das ist natürlich ein Riesenhit!

Den nächsten sagte Ashcroft herrlich an "Song's '
Bitter sweet symphony'". Das bekannteste Verve Lied führte zu einem plötzlichen Zulauf vieler Leute, die vorher im hinteren Teil des Geländes waren. "Bitter sweet symphony" kennt eben wirklich jeder, viele schienen aber zu denken "Ach von denen ist das", als sie nach vorne hetzten. Vielleicht hätten The Verve einfach damit starten sollen, sie hätten sicher deutlich mehr neue Fans gewonnen. Aber dafür benötigen die Vier nicht ihre alten Songs, daran habe ich keinerlei Zweifel. Denn auch die kommende Single "Love is noise", die am Montag im britischen Radio BBC One Premiere haben wird, ist fabelhaft!

Setlist The Verve, Rock A Field, Luxemburg:

01: A new decade
02: This is music
03: Space & time
04: Sonnet
05: Life's an ocean
06: Rather be (neu)
07: Sit and wonder (neu)
08: The rolling people
09: Drugs don't work
10: Lucky man
11: Bitter sweet symphony
12: Love is noise (neu)

Links:

- The Verve in Glasgow 2007
- mehr Fotos



The Kooks, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: The Kooks
Ort: Rock A Field
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: einige Tausend


Das war eine schöne Überraschung! Kurz vor Toresschluß präsentierten die Macher des Rock A Field Festivals mit den Kooks noch einen echten Knaller. Ich hatte die Brightoner zwar vier Tage vorher schon im Palladium in Köln erlebt, freute mich aber sehr auf einen Nachschlag.

Da Mando Diao und die Kooks zum großen Teil die gleiche Zielgruppe ansprechen, leerte sich der Platz vor der Bühne nicht sehr, als die schwedischen Mädchenlieblinge ihr Set beendet hatten. Ein weiterer großer Vorteil des gelungenen Rock A Field Festivals sind die kurzen Umbaupausen. Bands nervt das ungemein. Die
fehlende Möglichkeit eines ordentlichen Soundchecks wird immer als großes Manko von Festivals genannt. Neben frühen Auftritten bei Tageslicht...

Die kurzen Pausen waren für uns dagegen sehr angenehm. Kaum hatten sich Mando Diao zum letzten Mal im großen Applaus gesonnt, erschienen die nächsten Sunnyboys, deren schnodderige Art, die zerrockten Klamotten - und
vor allem deren Musik so viel echter cool wirkt, nicht aufgesetzt und vor dem Spiegel geübt.

Tageslicht gab es zu diesem Zeitpunkt noch reichlich. Das
lag aber nur am längsten Tag des Jahres, die Uhrzeit des Kooks-Spots war mit 20 Uhr sehr prominent. Auch die angesetzten 70 Minuten klangen gut. Dienstag hatten die jungen Briten mit Backstagezeit vor den Zugaben nur fünf Minuten länger gespielt.

Bei reichlich Sonne, angenehmer Wärme und großer Aufmerksamkeit fing es an wie im Palladium, mit "
Always where I need to be". Mir fehlten allerdings die Kreischereien. In Luxemburg war die Stimmung zwar kein bißchen schlechter als in Köln, dieses Hintergrundpfeifen war aber nicht da. Natürlich bestanden die ersten Reihen fast ausnahmslos aus Mädchen (und hochgestreckten Kameras). Und kaum hatten die Kooks begonnen, machten sich die ersten Crowdsurfer auf dem Weg nach vorne. Vor We Are Scientists hatte ich einen kurzen Plausch mit einem der Security Leute im Fotograben. Er bat, beim Knipsen nicht zu nah an die Gitter zu gehen, weil sie da Platz brauchten, um Leute rauszuziehen. Ich fragte ihn, ob er die Bands kenne und versprach ihm bei Mando Diao und den Kooks viel Spaß. Während der ersten drei Lieder der Band aus dem englischen Seebad sah ich, daß er und seine Kollegen den hatten... Manchmal waren drei oder vier Crowdsurfer gleichzeitig unterwegs!

Luke Pritchard, der Sänger der Kieecks, trug einen goldenen Ring, ein Band oder eine Kette in den Haaren und sah aus wie eine antike Zeichnung oder eine Jugendstil-Statue. Als nächstes fiel mir auf, daß da plötzlich ein ganz anderer Schlagzeuger saß. Huch, das war neu. Ich muß allerdings gestehen, daß ich von meinem Platz im Palladium nicht sehen konnte, wer da am Schlagzeug saß. Der neue (vermutlich kurzfristige) Trommler sah nicht sehr nach einem Rockstar aus. Sein Bart, die zeitlose Frisur und der Nadelstreifenanzug ließen ihn eher wie einen schottischen Bankangestellten
aussehen. Vielleicht ist er das, mir kam sein Gesicht aber irgendwie trotzdem bekannt vor, ich weiß nur partout nicht, woher.

Während ich darüber nachdachte, waren die Kooks schon beim zweiten Lied. Denn so gut die Songs auch sind, so schnell sind sie auch vorbei. Das liegt nicht nur an der
physischen Kürze sondern auch an der Kurzweiligkeit der Stücke. Auch wenn Oliver hinterher nicht ganz zu unrecht davon sprach, daß sich einiges schon sehr ähnlich anhört, nimmt mir das nicht den Spaß an Auftritten der Engländer. Und damit war ich wirklich nicht alleine. Neben mir tanzte einige Zeit ein Typ in einem (Achtung!) Slipknot T-Shirt vollkommen begeistert und ausgelassen! Wenn er das nächste Mal zu diesen maskierten Schreihälsen im Kooks Hemd geht, wird er sicher ganz schrecklich verprügelt, der arme...

Aber der Slipknot Mann konnte sich eben auch nicht den großartigen Liedern wie "Ooh la" oder "One last time" oder "Mr. Maker" entziehen. Die Qualität dieser
Ohrwürmer war aber sicher nicht alleine schuld daran, daß die Mädels vorne Abkühlung brauchten. Die Security setzte dazu großzügig Schläuche ein und bewässerte den Platz.

Ziemlich in der Mitte des Konzerts wurde es aus zwei Gründen gruselig. Da ist erst einmal dieser immer wieder
beängstigende Effekt, wenn Tausende Mädchen "do you wanna, do you wanna, do you wanna make love to me, I know you wanna make love to me" singen und dabei den gelockten Sänger anschmachten.

Beängstigender war aber diesmal die Musik. Denn Ersatztrommler Nicholas hat dieses Lied vollkommen versaut. So oft, wie er daneben lag, wie er irgendeinen Rhytmus, aber nicht den des Songs spielte, entbehrte nicht einer großen Komik. Das haben sie dann vorher offenbar nicht geübt.

Das war aber musikalisch auch der einzige Kritikpunkt. Der Rest hat wieder sehr viel
Spaß gemacht und war nicht die Spur langweilig. Gleich nach dem verpatzten "Do you wanna" kam eines der Highlights, "Naïve". Dazu stieg ein Greenpeace Heißluftballon mit dem Motto "Stop global warming" auf. Luke sah das und zitierte nuschelnd die zweite Hälfte des Aufdrucks "Save the climate" - "Yeah, do it!" Während die Kooks "Shine on" sangen, erwärmte Greenpeace mit riesiger Flamme den Ballon und rettete damit die Welt! Wie symbolhaft!

Viel zu früh kam dann der "Sofa song", das "traditionelle" Schlußlied. Wie, jetzt schon? Es war doch gerade mal eine Stunde vorbei. Satte zehn Minuten (oder vier Lieder) zu früh waren die Kooks durch. Wie schade! Denn auch in Luxemburg waren die Engländer wieder extrem unterhaltsam! Mir ist es doch völlig egal, ob Brockdorff Klang Labor die Kooks meinen, wenn sie singen: "wenn das wirklich Musik ist, ist es Mädchenmusik!"

Setlist The Kooks, Rock A Field, Luxemburg:

01: Always where I need to be
02: Matchbox
03: Eddie's gun
04: Ooh la
05: Sway
06: I want you back
07: One last time
08: She moves in her own way
09: Mr. Maker
10: Do you wanna
11: Naïve
12: Shine on
13: See the world
14: Seaside (Luke solo)
15: See the sun
16: Stormy weather
17: Sofa song

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Kooks, Palladium Köln, 17.06.08
- The Kooks, KulturKirche Köln, 12.04.08
- The Kooks, Olympia Paris, 02.07.07
- The Kooks, E-Werk Köln, 03.12.06
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Samstag, 21. Juni 2008

We Are Scientists, Rock A Field, 21.06.08

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Konzert: We Are Scientists
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 21.06.2008
Zuschauer: ein paar Tausend
Dauer: 55 min


Vor zwei Jahren waren We Are Scientists der Running Gag der Musikszene. Egal ob man wollte oder nicht, wenn man ab und zu Konzerte oder Festivals besuchte, kam man an den Kaliforniern nicht vorbei. Oliver hat die Band siebenmal gesehen, meist als Vorgruppe oder auf Festivals, auch ich komme auf drei oder vier We Are Scientists Auftritte. Spaß hatten mir diese Konzerte immer gemacht, zum einen, weil des 2005er Album der nerdigen Band ("With Love and Squalor") einige tolle Lieder wie "Cash cow", "Noboby move, nobody get hurt" oder "Lousy reputation" enthält, zum anderen, weil die Amerikaner auch abseits der Songs hoch unterhaltsam waren.

2008 erschien eine neue Platte, die ich mir kaufte und einmal hörte, kurz vor dem We Are Scientists Konzert im Kölner Gloria, für das ich eine Karte hatte. Zu dem Gig an Ostermontag schaffte ich es nicht, heftiges Schneechaos mit rutschenden Autos auf der A3 verhinderten, daß ich nach Köln kam. Ganz schlimm fand ich das nicht, denn "Brain Thrust Mastery" klang sehr langweilig und verschwand schnell aus meinem Bewußtsein.

Erst als das Line-Up von Rock A Field veröffentlicht wurde, tauchten die Wissenschaftler wieder in meinem Musikleben auf. Letztes Jahr hatte mir das
Festival in Luxemburg sehr viel Spaß gemacht, sodaß ein Blick auf das diesjährige Programm reichte, um zu entscheiden, auch dieses Jahr wieder nach Roeser zu fahren. Die Babyshambles, The Verve, The Cribs und später noch The Kooks klangen sehr verlockend. Die Babyshambles wurden dann durch Dirty Pretty Things ersetzt, die vor wenigen Tagen wegen einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung von Carl Barât absagen mußten. Trotzdem blieb ein interessantes Programm mit einigen echten Großkarätern für dieses Tagesfestival.

Das Rock A Field Gelände liegt nicht weit von der luxemburgisch-französischen Grenze entfernt auf einer großen Lichtung. Die Organisation ist überragend. Angefangen bei offiziellen digitalen Hinweisschildern über der Autobahn, bis zu abgesperrten, von Polizei bewachten Zufahrtsstraßen, professioneller kann man solch ein Festival nicht organisieren! Am meisten beeindruckte mich aber das Parken. Die Park and Ride Schilder führten mich auf ein Fabrikgelände, in dem die
Autos in leeren Hallen parkten! Großartig! Von da pendeln Busse zum zehn Minuten entfernten Wald bei Roeser. Ein viertelstündiger Fußmarsch führt dann zur Musik.

Als ich da um kurz vor vier ankam, spielte gerade Antiflag aus Pittsburgh, die die Rolle der lauten Billy Talent vom vergangenen Jahr übernahmen. Antiflag waren etwas leiser und besser als die Kanadier 2007, meine Musik ist das trotzdem nicht.

Die erste Band, die mich interessierte, war dann - Überraschung! - We Are Scientists.
Es hatten sich um fünf ziemlich viele Leute vor der Bühne versammelt. Von der ursprünglichen Besetzung der Scientists (die ich mal als Wir sind Helden Vorgruppe gesehen habe, an einem "Wir sind..."-Mottotag...) gibt es nur noch Sänger Keith Murray und Bassist Chris Cain. Der bärtige Drummer Michael Tapper hatte die Band im vergangenen November verlassen. Es erschien aber nicht nur ein Ersatzschlagzeuger, die Scientists haben zumindest live jetzt auch einen Keyboarder bzw. zweiten Gitarristen. Ob die beiden nun feste Bandmitglieder sind, weiß ich nicht, an mancher Stelle wird das behauptet, die offizielle Website spricht aber weiter nur von Cain und Murray als We Are Scientists.

Sehr solide fing es an, "
Nobody move, nobody get hurt" ist ohne Zweifel ein gutes und unterhaltsames Lied. Aber schon "Chick lit" vom neuen Album im Anschluß dämpfte meine ersten Eindrücke. Musikalisch alles andere als spannend, obwohl das Lied die zweite Singleauskopplung der CD ist. "Alles andere als spannend" könnte auch die Überschrift dieses Berichts sein (hätten wir so etwas), denn dieses Urteil gilt auch für die meisten der folgenden Stücke. Von den neuen Liedern, die ich eben kaum kenne, ist eigentlich nur eines haften geblieben, das mit einem Elektrobeat untermalt ist, der hip klingt und fast ein wenig an MGMT erinnert, "Impatience" heißt dieser Lichtblick.

Daß ich nicht ungeduldig wurde, lag an Liedern wie "Cash cow" oder "It's a hit", bei denen es schön war, sie wieder einmal zu hören, und, und das ist die eigentlich Stärke der Band, an den köstlichen Ansagen von Chris und
Keith. Ein wenig kann man das mit Tennis-Oldies wie Mansour Bahrami vergleichen, da geht es den Zuschauern ja auch nicht um die erspielten Punkte.

Da war erst einmal die Aufforderung, doch auf die
Schultern der Nachbarn zu steigen. Die Security-Leute vor der Bühne bekamen Alpträume. Aber wie sollten sie das verhindern, wenn die Band dazu aufruft? Wörtlich folgte das Publikum den Kaliforniern aber nicht, es sollte nämlich ein riesig hoher Turm gebaut werden.

Ihre Französisch Kenntnisse bewiesen sie mit dem Satz "Wußtet Ihr, daß Rob Schneider* immer noch Schauspieler ist?" "C'est incroyable!"

Sollten wir wegen ihres Auftritts erkranken, bezahlten sie unsere Arztrechnungen. Wir sollten uns melden. Später am Tag erschien Keith Murray mit seiner ergrauten Popper-Frisur auf dem Festivalplatz und wurde sofort von Leuten umringt. Ob die das Versprechen einforderten?

Eines der Lieder widmeten sie einem Mann mit gebrochenem Arm. "Wo ist das
passiert?" - "Ich bin vom Motorrad gefallen" - "If there is one single message from We Are Scientists: ' Bikes are not for humans!' Wenn Gott Motorräder gewollte hätte, hätte er welchen erschaffen. Das mussten aber die Menschen tun!"

Mein Liebling war aber ganz eindeutig die Aufforderung an alle, sich umzudrehen und den Benutzer des Bungee-Apparats, der hinten auf dem Platz installiert war, anzugucken. "Bitte seht Euch diesen Typen an, der ist so gut wie tot!"

Setlist We Are Scientists, Rock A Field, Luxemburg:

01: Nobody move, nobody get hurt
02: Chick lit
03: This scene is dead
04: Inaction
05: Impatience
06: Let's see it
07: Cash cow
08: After hours
09: That's what counts
10: It's a hit
11: Dinosaurs
12: Lethal enforcer
13: The great escape

Links:

- We Are Scientists in Paris am 16.11.06
- und in Köln am 14..11.06
- mehr Fotos


* ich verwechsele immer Rob Schneider und Roy Scheider. Da letztgenannter aber kein Schauspieler mehr ist, war es wohl Rob Schneider, den sie meinten.



 

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