Samstag, 22. April 2017

Apples in Space, Leipzig, 21.04.17


Konzert: Apples in Space
Ort: Moritzbastei Leipzig
Datum: 21.04.2017
Dauer: 90min
Zuschauer: ca. 50



Erfrischend und erwachsen


Apples in Space sind eine meiner Lieblingsbands seit ihrem Gastspiel 2015 in unserem Wohnzimmer. Es braucht zur Begründung keine Worte, das Erlebte ist ausschlaggebend. 3 Wochen vor dem nächsten Konzert in der Scala haben Katrin und ich die Chance für einen Überraschungsbesuch in Leipzig genutzt. Die Apples sitzen im Innenhof der Moritzbastei und spielen sich ein. Nach dem kalten Ostern ist es der erste milde Nachmittag. Die Begrüßung ist pure Freude übers Wiedersehen und Freude auf dieses und die nächsten Konzerte. Ich bin heute sehr neugierig auf die Titel des neuen Albums, neugierig auf die Art ihrer Präsentation, bisher kannten wir ja nur den halbakustischen Wohnzimmerauftritt. Und das neue Album zeigt noch so viel mehr musikalische Einflüsse der Kollegen Janusz und Jonathan auf die Songs.



Das Fazit gleich vorweg: Die Apples haben sowohl mit dem neuen Album als auch auf der Bühne eine erstaunliche Entwicklung zu einer großen Band hinter sich. Da sind die Dramaturgie der Setlist, die abwechslungsreich arrangierten Songs des Abends, die die verschiedenen Aufmerksamkeitsspannen des Publikums bedienen und die Spannung immer wieder ansteigen lassen. Schon der Einstieg ins Konzert ist unüblich. Die meisten Bands starten mit Titeln ihres aktuellen Albums und holen dann die Fans mit den bekannten älteren Stücken erst später ab. Die Apples gehen den Abend genau andersherum an und erobern den Saal zunächst gleich mit 3 Titeln des 1. Albums (Apples in Space), bevor sie auf fulminante Art Fahrt mit den ersten Titeln des aktuellen Albums (The Shame Song) aufnehmen.



So geht es temporeich und schweißtreibend zum Mittelteil, den Julie und Phil nach einer Unterstützung von Jonathan an den Tasten dann allein bestreiten und die akustischen Momente Gänsehaut erzeugen (Manor Hotel).



Phil und Julie stehen im Scheinwerferkegel allein mit ihren teilweise herzzerreißenden Songs Paper Town und Upon This Wave. Da werden große Gefühle in eruptive Musik gegossen und ganz leise dargeboten. Ich bin berührt von der bewundernswerten Souveränität, die die beiden mit ihrer hochdramatischen Songarchitektur hier ausspielen. Sie bannen das Publikum dabei mit großen Gesten wie den Ausflügen von Phil und seiner Gitarre vor die Bühne oder Julies schmachtende Blicke in Phils Richtung.



Wieder vereint auf der Bühne treibt die Band den Abend in Richtung Ziel. Bei der Tour de France würde man von einer Bergankunft sprechen – hier zogen die Apples mit den letzten Titeln noch das Tempo an und ließen das Publikum in Nachhall der letzten Songdonner allein zurück im Saal, so schnell verließen sie den Raum.


Sie ließen sich dann auch nicht lange bitten, um für 2 Zugaben wiederzukommen, erst Phil und Julie zu zweit und mit einer ganz ruhigen Fassung von Ophelias Song. Den Schlusspunkt setzte die Band mit Tin Can Odyssey unter den grandiosen Abend einer Band, der ich nur allergrößte Aufmerksamkeit wünsche.



Fazit, zweiter Teil: Alte und neue Songs klangen für uns wie aus einem Guss. Die szenischen Schmankerl waren geschickt gesetzt und zeugten von einem großem Einfühlungsvermögen der Band und ihrer Kenntnis über die Wirkung ihrer Musik. Wie Janusz bestätigte, sind diese Punkte auch Gegenstand längerer Diskussionen, sicher ein Ausdruck der Sorgfalt, die die Band diesbezüglich gegenüber ihrem Publikum umtreibt.
Nach einem Schwatz über die Mühen in den Ebenen des Musikbusiness in der nicht mehr ganz so milden Leipziger Frühlingsnacht, sind Katrin und ich mit einem leuchten im Herzen wieder heimgefahren. Zum Glück für uns sind es diesmal nur 3 Wochen bis zum nächsten Konzerterlebnis mit Apples in Space.


Setlist
01. I Was The Moon *
02. The Old Man & The Country *
03. Vespa *
04. Shame **
05. All My Things **
06. November **
07. The House Is Empty Now *
08. Manor Hotel **
09. The Never Read Letter *
10. Paper Town *
11. Upon This Wave **
12. Because The Nights Are Empty **
13. Technical Failure **
14. Farewell, Little World *
15. Behind Closed Doors **

16. Ophelias Song (Z) *
17. (A Tin Can) Odyssey (Z) **

* vom Album “Apples in Space” (2015)
** vom Album “The Shame Song“ (2016)


Aus unserem Archiv
Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013

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