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Sonntag, 22. April 2018

Line Bøgh, Adorf, 20.04.18

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Konzert: Line Bøgh
Ort: Scala Adorf
Datum: 20.04.2018
Dauer: 80 min
Zuschauer: 19

Line Bøgh und Christian Gundtoft kommen aus Dänemark nach Adorf, sie sind gerade im Rahmen einer Deutschlandtournee in der Gegend. Beide leben in einem Vorort von Kopenhagen in einer alten Fabrik. Dort arbeiten sie mit anderen Künstlern, haben ein Studio für ihre Musik und die Entwicklung der Visuals und ein Atelier/Galerie für Christians Kunst. Das klingt nach einem kreativen Platz zum Entwickeln neuer Ideen, den wir uns unbedingt einmal anschauen werden.


Wir erwarten einen audiovisuellen Abend. Der Soundcheck ist einer der kürzeren in diesem Hause, das Anbringen einer großen Leinwand und der Aufbau des Beamers beanspruchen eher etwas mehr Zeit. Christian erzählt, dass sich bisher in jeder Location eine Möglichkeit für die Leinwand fand. Das Set ist in jedem Falle wohnzimmertauglich. Bei uns waren beispielsweise die Galerieleisten hilfreich. Dann wurden der Beamer eingeschaltet und auf dem Fussboden verschiedene Positionen des Keyboards mit Klebeband für das Konzert markiert. Weiter habe ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts gezeigt bekommen, was irgendwelche Schlüsse auf die Bilder das Abends zuließ.


Kurz vor halb Neun haben wir die Jalousien heruntergelassen und uns in die Dunkelheit begeben. Neben den Instrumenten wie Keyboard, Omnichord kamen nun Beamer, iPad und Apple Pencil zum Einsatz.


Line stand wörtlich im Fokus. Sie wurde meist angestrahlt vom Licht des Beamers. Ihre Musik wird im Internet als ArtPop bezeichnet. Ich erlebe sie als elfenhafte Lieder um Liebe, das Leben und Einsamkeit - gespielt mal mit Keyboard, mal mit Omnichord. Line hat sie sparsam arrangiert, hier steht bei der Musik immer auch der Gesang und damit der Text der Lieder im Mittelpunkt.



Ummalt wird Line von Christian. Während des Konzertes arbeitet er auf dem iPad mit ProCreate und erschafft spontane Szenen um Line herum. Er malt und löscht und malt neu, manches fügt er zu vorbereiteten Szenen hinzu. Manchmal spielt Line, nur das Mikrofon in der Hand, mit dem Licht und ein Spot verfolgt sie auf ihren Wegen vor der Leinwand. Immer untermalt Christian die Lieder von Line sehr gefühlvoll und oft nahegehend. Der eine oder andere Seufzer aus dem Publikum war bei den melancholischen Stellen ebenso zu hören wie die Ahs und Ohs bei besonders beeindruckenden Stellen.


Diese Art der Präsentation von Live-Musik hatte niemand im Publikum je gesehen - so zauberhaft und professionell und immer passend zu den Liedern. Für einen kurzen Bühnenumbau wurde ein Film eingespielt, ein Video zu einem ihrer Lieder „I know a Place“, in dem man Line und ihr von Christian gezeichnetes alter ego beobachtet. Danach spielt sie das Lied noch einmal live in einer Solofassung mit Omnichord.


Im Gegensatz zu Konzepten, bei den Filme oder Bilder eingeblendet werden, entsteht hier fast alles live und zeigt damit auch die große Kunstfertigkeit von Christian Gundtoft und die perfekte Symbiose von Musik und Malerei, wenn Christian die gesamte Leinwand von außen nach innen ganz langsam schwärzt und genau zum Ende des Songs auch das letzte Fleckchen Helligkeit verschwindet. Das sind die Momente an diesem Abend, wo es dann immer einen Wimpernschlag länger dauert, bis man sich endlich entschließt zu klatschen. Wir sehen die Skyline einer Großstadt an der Leinwand, einen Sternenhimmel der allmählich von großen Bäumen zugewachsen wird, die Geschichte zweier Liebender oder auch einmal lesen wir die Story von 2 Menschen, die es nie schaffen, sich zu begegnen obwohl sie immer auf der Suche sind („Give Sophie a Shot“).


Da Line in ihren Konzerten nicht gern über ihr eigenes Merch-Angebot spricht, haben die beiden auch dafür einen kurzen und sehr humorvollen Werbefilm gedreht.


Die meisten Songs des Abends stammen vom 2017er Album „Like Fire Like Fire“ und einige weitere vom 2013er Album „SOMETHING ELSE AND SOMETHING ELSE AND SOMETHING ELSE AGAIN“. Das Cover von „Like Fire Like Fire“ hat wiederum Christian Gundtoft gestaltet. Christian ist selbst bildender Künstler und malt neben dem iPad auf Papier und Leinwand. Zu Hause in Dänemark hat er großformatige Arbeiten hängen und ausgestellt. Auf der Tour hat er kleinere Papierarbeiten dabei. 

Line und Christian spielen 2 Sets und eine Zugabe und werden zu Recht für diesen einzigartigen Auftritt gefeiert - bis spät in die Nacht! 

Dienstag, 30. Januar 2018

Moonmind, Adorf, 26.01.18

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Konzert: Moonmind
Ort: Scala Adorf
Datum: 26.01.2018
Dauer: 75 min
Zuschauer: 30


Wir haben Susann Grossmann in den letzten Jahren bei mehreren Gelegenheiten erleben dürfen und zuletzt beim Parksommer Chemnitz vereinbart, dass sie auch mal in der Scala spielen möge. Im letzten Herbst wurde dann ihr Projekt Moonmind öffentlich, eine EP und ein Video (https://vimeo.com/249919438 ) dazu entstanden. Und nun fand das Konzert zum EP-Release in Adorf statt und markierte zugleich den Start der Releasetour. 


Mit 30 Gästen war die Scala richtig gut gefüllt und gab den perfekten Rahmen dazu. Susann hatte Hendrik Sieber mitgebracht, der sie am Bass und an Keyboards und Sounds begleitete. Sie starteten ihr Konzert mit Songs von Susanns Solo-Alben der vergangenen Jahre und brachten dann ihre neuen Songs vom gemeinsamen Projekt Moonmind. Susann spielte so auch einige Lieder am frisch gestimmten Klavier, Hendrik sorgte am Bass und an den Tasten für eine dezente Begleitung und trug damit wesentlich zur Farbigkeit der Musik bei. Ein paar Tastentupfer hier, ein paar Basslinien da und manchmal auch mit der Stimme als Harmonie – all das machte die Musik von Susann noch spannender, als sie mit ihren Melodien und Texten ohnehin schon ist und fesselte das Publikum. 


So wurden beide nach dem Konzert auch für Zugaben auf die Bühne zurückgerufen und spielten das letzte Lied ganz ohne Strom und Verstärkung, was noch einmal eine ganz andere Facette zur Wirkung brachte: Susann und Moonmind haben in ihrer puren akustischen Präsenz ein Fundament, auf dem sie ihr musikalisches Haus bauen, welches schon für sich allein Menschen begeistert. 


Der Abend war für mich textlich intensiv, musikalisch sehr abwechslungsreich und spannend und in der Atmosphäre der Scala wieder einmal ein Hochgenuss. 

moonmind-band.de





Sonntag, 19. November 2017

Hello Piedpiper, Scala Adorf,17.11.17

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Konzert: Hello Piedpiper
Ort: Scala Adorf
Datum: 17.11.2017
Dauer: 150 min
Zuschauer: 39



Der 17.11.2017 sah das 50. Konzert in der Reihe Scala Wohnzimmerkonzerte. Dabei haben wir mit 39 Gästen den Besucherrekord mindestens eingestellt. Und auch zum 50. haben wir wieder neue Gäste begrüßen dürfen. Schön dass Ihr immer noch und immer wieder zu uns kommt, denn nur Euch – unserem Publikum – ist es zu verdanken, dass wir dieses und weitere Konzerte veranstalten und Künstlerinnen und Künstler einladen können.



Frida Lou eröffnete den Abend. Nach ihrer Herbsttour spielte sie nun wieder einmal zu Hause. Nach mehreren Konzerten im herbstlichen Sachsen war dies eine Rückkehr zu den Anfängen ihrer Auftritte. Inzwischen merkt man ihre die Souveränität auf Bühne an ,die durch die Konzerte gewachsen ist. Ebenso ist es mit den Songs, die sich über die Zeit entwickelten und ihre Form und Ausdrucksweise immer mal wieder veränderten. Und fast ist es schon eine Tradition, dass Frida Lou in den Scala Konzerte immer wieder neue Lieder vorstellt wie auch an diesem Abend.



Jonas Zorn ist Bandmember von Hello Piedpiper und leitete mit einem Set langsam über zur Band des Abends. Er ist Solist an Gitarre und Gesang mit eigenen Liedern und Album „Correlates of Heart“. Sein filigranes Gitarrenspiel und eine sehr schöne Stimme zog uns in seinen Bann genauso wie seine Geschichten, die er vor und mit seinen Liedern erzählte. Bemerkenswert finde ich seine Erdverbundenheit, ausgedrückt in den Liedern über die Städte, in denen er aufwuchs und zeitweilig lebte, auch in dem Lied über seine Kindheit und die Erinnerungen an seinen Vater.



Nach kurzer Pause für Sauerstoff und Getränkenachschub waren Hello Piedpiper auf der Bühne für den Hauptteil des Abends.


Fabio war vor 4 Jahren mit seinem Album „Birdsongs = Warsongs“ solo auf Tour und bei uns zu Gast. In der Zwischenzeit haben wir ihn mehrfach gesehen und gehört und die Entwicklung zum neuen Album „Raucous Tide“ verfolgt. Unser heimlicher Wunsch, dass er dieses mit Band aufnehmen möge, ging in Erfüllung. Und dass er nun mit Band auf Tour ist und das Album vorstellt, empfinde ich als großes Glück für uns, denn es ist selten in diesen Zeiten, da eine Tour mit Band auch immer wieder ein finanzielles Wagnis für die Künstler ist. Hello Piedpiper spielten das gesamte Album im Verlaufe des Abends durchsetzt mit bekannten Liedern von Fabios Soloalbum. Es war ein musikalischer Leckerbissen. Songs, die die Strukturen von Strophe und Refrain so geschickt verstecken, dass sie kaum auffallen. Harmoniebrüche und unerhörte Wendungen. Lieder die einladen zum Augenschließen und uns mit auf Reisen nahmen. Kapitän Fabio brachte uns mit seiner Crew wohlbehalten über die rauen Gezeiten bringen. Wir fanden ein musikalisches Juwel, das durch die große Besetzung so richtig zum Leuchten gebracht wurde.



Es war ein würdiger Abend für das Jubiläum.




Aus unserem Archiv:
Hello Piedpiper, Dresden, 30.09.16
Hello Piedpiper, Pforzheim, 05.02.16
Hello Piedpiper, Karlsruhe, 26.10.14
Hello Piedpiper, Dresden, 06.09.14
Hello Piedpiper, Reutlingen, 22.04.14
Hello Piedpiper, Gießen, 21.04.14
Hello Piedpiper, Sindelfingen, 14.09.13
Hello Piedpiper, Karlsruhe, 07.06.13
Hello Piedpiper, Köln, 22.10.12 


Frida Lou, Adorf, 22.10.16 


Montag, 15. Mai 2017

Apples in Space, 13.05.17, Adorf

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Konzert: Apples in Space
Ort: Scala Adorf
Datum: 13.05.2017
Dauer: 100 min
Zuschauer: 25

Eine Art Heimspiel



Im September 2015 waren APPLES IN SPACE mit ihrem Debütalbum bereits in Bandbesetzung bei uns zu Gast und haben uns einen umjubelten Abend beschert. Damals haben wir sie entdeckt auf Tour mit Element of Crime und seitdem ins Herz geschlossen. Inzwischen sind füllen sie Clubs in ganz Deutschland. Daher war ich sehr stolz, dass die Berliner mit ihrem neuen Album im Gepäck extra für das Scala-Konzert nach Adorf gekommen waren. Und es sollte ein weiterer umjubelter Abend vor vollem Hause werden. In Windeseile waren das Auto entladen, die Bühne aufgebaut und der Soundcheck absolviert. Es blieb noch etwas Zeit für Kaffee und Kuchen, dann füllte sich die Scala bereits und wieder mussten die Bierbänke zusätzlich aus dem Keller geholt werden.


Wie schon vor wenigen Wochen in Leipzig begann die Band ihren Abend mit Songs vom ersten Album mit Ophelia als Opener. Ich hatte noch die Setlist von Leipzig und gab sie Phil als Gedankenstütze, die dann um 1-2 Lieder ergänzt zu einem der längsten Sets der Apples wurde.


Es folgten I was the moon, The old man and the countryVespa bevor eingeleitet von Shame die neuen Songs an die Reihe kamen. Wieder ergab sich diese Reihenfolge als sehr spannungsreich für diejenigen, die die Alben kennen, da sich so die Erwartung auf die neuen Lieder steigerte. Gleichzeitig wachsen die älteren Songs am Spiel der Band und so klingt das ganze Set am Ende wie aus einem Guss. Frische und abwechslungsreiche Arrangements sorgten ebenso wie die Dramaturgie des Abends für anhaltende Spannung im Publikum. Das ist einfach ganz großes Kino, wie Jonathan nach dem ersten Drittel zu The house is empty now vom Schlagzeug zu den Tasten wechselt und Phil und Julie dann ein akustisches Set abliefern, um dann mit Upon this wave den Abend in kompletter Band souverän und ansteckend nach Hause zu spielen. Was zurückblieb waren Begeisterung und verzückte Blicke, was begann war eine lange Nacht an den Lagerfeuern der Seelen.


Als Phil, Julie, Janusz und Jonathan am Sonntag nach Hause fuhren, war es fast ein bisschen, als wenn die eigenen Kinder das Haus verlassen. Das Schöne an dieser Idee ist, dass sie ganz sicher mal wiederkommen.


Aus unserem Archiv:

Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013




Montag, 17. April 2017

Binoculers, Adorf, 14.04.17

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Konzert: Binoculers
Ort: Scala Adorf
Datum: 14.04.2017
Dauer: 70 min
Zuschauer: 21


Musik direkt ins Herz



Am Nachmittag hielt ein Caddy voller Technik vor unserem Haus. Nadja und Daniel stiegen aus und bei Kaffee und Kuchen haben wir uns begrüßt und gleich ausgiebig unterhalten. Die Binoculers waren zum Abschlusswochenende ihrer Tournee nach Adorf gekommen. Für einen Karfreitag ist ein privates Wohnzimmer natürlich der beste Spielort. Am Abend waren dann 21 Besucher zu Gast in der Scala, als das Konzert pünktlich um 20:15 Uhr begann.
 


Mit den Songs erreichten uns die Strahlen der „Sun Sounds“ – des aktuellen Albums – sowie die Wellen der teilweise schattigen Songs des Vorgängerwerkes „Adapted To Both Shade And Sun“. Nadja und Daniel spielten zwei halbstündige Sets mit mehrheitlich neuen Liedern. Die kamen sehr stark in der Umsetzung für ein Livekonzert rüber, das Schlagzeug brachte den Drive in unser Wohnzimmer. Samples und Keyboardsounds haben die Lieder perfekt untermalt. „Quiet Sea“ spielte Nadja am Klavier des Hauses als DIE spezielle Nummer des Abends, begleitet von Daniel am Schlagzeug in der Ferne.
 

Insgesamt war es ein eher ruhiges Konzert, das für mich durch die verschiedenen Arrangements und Effekte bis hin zur Instrumentierung, z.B. die Melodica zur Zugabe interessant wurde. Die Musik umstrich die Seele wie eine milde Frühlingsbrise.
 

Das imposanteste Foto des Wochenendes entstand beim Einladen der Technik am nächsten Morgen. Als alle Technik bereitlag, erinnerte mich das Motiv an das Cover von Pink Floyds Ummagumma-Live-Album. Immerhin sind Binoculers damit unabhängig von den Gegebenheiten der Gastgeber. Wir begleiteten Nadja und Daniel noch nach Chemnitz in den Plattenladen unseres Vertrauens und verabschiedeten uns nach einem Cappuccino mit der Aussicht auf ein Folgekonzert in der Region.


Aus unserem Archiv:
Binoculers, Karlsruhe, 06.07.15
Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12

Montag, 13. März 2017

Le-Thanh Ho, Adorf, 11.03.17

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Konzert: Le-Thanh Ho
Ort: Scala Adorf
Datum: 11.03.2017
Dauer: 90 min
Zuschauer: 18


Tourabschluss mit Hindernissen


Zum Abschluss ihrer kurzen Aufwärm-Solotour kam Le-Thanh Ho in die Scala und bescherte uns einen stillen aber intensiven Abend. Die Texte und Bilder ihrer Lieder hallen noch nach und das pure Konzerterlebnis ist eine ganz besondere Erfahrung im Vergleich zu ihrem in Kürze erscheinenden neuen Album "Staub". Es sollte ein sehr reduzierter musikalischer Abend werden.



Dabei hatte die neue Gitarre von Thanh an diesem Abend ihren ganz eigenen Kopf und war auf der tiefen E-Saite ziemlich bockig. Die Gitarre, ein Geschenk aus Köln, verstimmte sehr schnell, teilweise mitten im Lied und brachte Le-Thanh fast um den Verstand. Sie jedoch hat alle Schwierigkeiten gemeistert, großen Respekt dafür! Sie erzählte uns Geschichten hinter den Liedern, hinter dem neuen Album und brachte ihrem Biest viel Geduld entgegen. Dann musste die Gitarre doch für einige Lieder an der Seite stehen, Thanh sang mal a-capella und später spielte sie mit der Gitarre des Hauses. Dieser letzte Trick half etwas, denn nach der Pause war Thanhs Gitarre weniger stur.



So wurde es ein sehr leiser Abend, das Zuhören war ein Lauschen auf die zartesten Töne und ich versuchte mir irgendwie vorzustellen, wie die Album-Versionen wohl klingen mögen.

Für die Zugaben setzte sich Thanh ans Klavier. Sie erzählte uns, dass sie die meisten Songs des Albums am Klavier schrieb und sie dann auf Gitarre umgesetzt hat.



Das Album „Staub“ wurde mit Unterstützung von Soundtüftlern aus Berliner Club-Szene aufgenommen. Zu Le-Thanhs Liedern haben die Gäste ihren ganz eigenen Sound beigetragen. Im Studio wurden alle Titel solange live und am Stück und ohne spätere Korrekturen mit den Gästen eingespielt, bis der magische Take im Kasten war. Die fantastische Produktion besorgte Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten. Thanh hatte uns schon vorgewarnt, dass das Album sehr wild und experimentell geworden sei. Ich finde „Staub“ einen mutigen Schritt heraus aus der Songwriter-Zone. Andererseits klingen die Titel so aufregend anders und frisch, dass Le-Thanh Ho mit diesem Werk wieder viele Hörer einfangen und begeistern wird.



So war das 44. Scalakonzert mit Le-Thanh Ho ein eindrucksvoller Kontrast zu ihrem neuen Album und macht Appetit auf mehr – vor allem auch auf Konzerte mit ihrer Band.

Le-Thanhs Webseite

Aus unserem Archiv:
Le-Thanh Ho, Karlsruhe, 11.02.16
Le-Thanh Ho, Karlsruhe, 28.01.15





Dienstag, 14. Februar 2017

Lisa Morgenstern, Adorf, 11.02.17

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Konzert: Lisa Morgenstern
Ort: Scala Adorf
Datum: 11. Februar 2017
Dauer: 90 min
Zuschauer: 25


Vor zwei Jahren hatte sich mir mein Lieblingskonzert schon im Februar präsentiert. Wir waren dafür drei Stunden nach Paris gefahren und hatten uns einiges erhofft. Und alles wurde erfüllt und übererfüllt. Auf der noch längeren Fahrt an den Rand des Erzgebirges zum Wohnzimmerkonzert mit Lisa Morgenstern fragte ich mich leise, ob es auch 2017 so kommen könnte... Während des Crowdfundings für ihre neues Album Chameleon war ich selbst immer wieder um die Option Wohnzimmerkonzert geschlichen und hatte mich letztlich nicht getraut.  Aber bei Michael und Katrin dabei sein zu dürfen, war deshalb ein Muss und nicht mit dem Schicksal verhandelbar, obwohl ich drei Wochen lang und noch auf der Fahrt abwechselnd krank und nur halb gesund gewesen war.


Wie würde es nun also kommen? 

Die erste Überraschung war ein liebenswürdiger Begleiter: Miguel Murrieta Vásquez, der - so entschied sich das im Laufe des Soundchecks - schließlich am Abend auch mit Hand anlegte. Als Vorteil des Konzertortes erwies sich, dass ich schon über den Nachmittag leise tastend in das abendliche Konzerterlebnis hineinschreiten durfte, während meiner Spannung auf die neue Musik schon ein paar Krümchen vorgeworfen wurden. 

Aber schließlich war es soweit - das Wohnzimmer hatte sich mit neugierigen Menschen gefüllt - alle wurden begrüßt und mit einem fast fröhlichen Klavierintro ins Konzert hereingeholt. Auch für den zweiten Song  ging es zunächst am Markenzeicheninstrument Klavier weiter. Tupfend und tänzerisch - dabei aber doch leicht melancholisch. Danach öffnete sich der Horizont - wie wenn im Kino der Vorhang noch einmal weiter aufgezogen wird. Dabei waren Miguels Hände und Finger an den Rädchen und Schiebern hilfreich am Werk. Lisa rief in den höchsten Tönen sehnsuchtsvoll in die Weite - schließlich geerdet durch einen einsetzenden pulsierenden beat. Das war ganz und gar Otherworldly - ein Song aus Anderland - Gänsehaut pur. 


Mit Answers schloß sich eine Klavierballade an - neu aber doch auch irgendwie vertraut. Hier durften sich Stimmen beimischen bis ein ganzer Chor aus dem Off seinen tröstenden Kommentar beisteuerte - eine fast optimistische Prise beimischend. Bis hierher hatten wir ausschließlich neues Material gehört und es wurde Zeit für einen Liebling vom ersten Album: Das dramatische Kannibalische Gourmet. Herrlich! Ähnlich dramatisch, wenn auch ohne Gesang war Colours of pomegranates von dem sie direkt zum Titeltrack Chameleon überging. Wieder so ein Song in Cinemascope-Format: Broadwaymusical-Anklänge - aber dann doch ein wenig schräge Einschübe, die im Musical nicht so einfach zu verkaufen wären; träumerische Einsprengsel. Dann mehr und mehr Zumischung von anderen Klängen - ein auströpfelnder Schluß und ich fühlte mich ein wenig atemlos, aber glücklich. Die Zeit war unbemerkt verronnen und es war fast schon Zeit für die Pause. Zuvor gab es aber noch das vertrautes My room - Lisas Liebeslied an ihr Klavier. You saved me ... Hachmusik und leise verdrückte Tränen für mich.


Nach der Pause wurde auch ein vertrautes Lied an den Anfang gesetzt - eines der schönen Mondlieder: Celene - sehr poetisch. Auch eine schöne Aufwärmübung für den nächsten Breitformat-Knaller vom neuen Album:  My boat - übers nicht zurückschauen sondern vorwärts gehen. Hier diente eine elektronisch blubbernde melodiöser Basslinie als Futter für mein Kopfkino - eine Mischung von Rufen in höchsten Tönen und brummenden Antworten.
 


Noch toller - und für mich vom noch ungehörten Material der Oberknaller - war On the top of a tree. In Gedanken stand ich selbst sehnsuchtsvoll schauend weit oben, vom Wind gewiegt und doch zugleich auch herausgefordert. Halt und Ziel suchend zugleich. Das klang wieder sehr fremdweltlich fast als könnte Lisa mit ihrer Stimme Wände zu Parallelwelten aufschneiden um zumindest Signale aus dieser Weite zu empfangen. 


Als nächstes passte es irgendwie gut, das herausforderndste Stück gemeinsam anzugehen. Das Stück, wo mir schon in den ersten beiden Akkorden die Tränen in die Augen stiegen.
 


Lieber Tod - ein Lied das Lisa auf Konzerten nicht weglassen kann, aber zwischendurch auch nicht üben, weil es die Seele so arg malträtiert. Ihre Stimme brach zu Beginn fast - ähnlich wie mein Herz. Im Publikum ging es allen so - egal ob das Lied ihnen schon ein vertrauter Freund war oder sie ihm gerade zum ersten Mal begegneten. Mit aufgewühltem Herzen musste Lisa auch einmal abbrechen und mit einer speziellen Adorf-Version ihren und unseren Frieden mit dem Tod und dem zurückbleiben zu schließen versuchen. 


Fast erholsam war anschließend der gedankliche Weg in die Wüste mit dem Song Levitation - mir bekannt als Kostehäppchen für das neue Album. Auch hier steht ein blubbernd elektronischer Einstieg am Anfang einer per aspera ad astra Geschichte, die sich Zeit nehmen darf und mit einem vagen Versprechen schließt, dass alles gut ausgehen wird.
 
(c) Michael Reich
Als Finale wurden wir mit einem rein instrumentalen dramatischen Stück mit einem positiven Grundton wieder in die uns vertraute Welt entlassen. Es durfte Mate, Wein oder Bier getrunken werden und lange Gespräche geführt bevor die Kabel wieder aufgerollt, aufgetürmt und weggepackt werden würden. 


Was soll ich sagen? Das war in der Tat ein ganz und gar besonderer Konzertabend. Ein definitives Lieblingskonzert des laufenden Jahres. Ein großes Dankeschön an die Gastgeber und die beiden Musiker!!
 


Setlist:
01: Codex 

02: Atlas
03: Waltz of a loner
04: Answers
05: Kannibalisches Gourmet
06: Colours of pomegranates
07: Chameleon
08: My room

09: Celene
10: My boat
11: On the top of a tree
12: Lieber Tod
13: Levitation
14: Spiral tongue


Aus unserem Archiv:
Lisa Morgenstern, Freiberg, 29.10.14
Lisa Morgenstern, Berlin, 14.09.14

Lisa Morgenstern, Berlin, 02.04.15



Dienstag, 25. Oktober 2016

Frida Lou, Adorf, 22.10.16

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Konzert: Frida Lou
Ort: Scala Adorf
Datum: 22.10.2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: 36

Ein Abend voller Überraschungen


Frida Lou ist seit 3-4 Jahren mit dem Schreiben eigener Lieder beschäftigt. Ihr erster Auftritt als Opener beim Wohnzimmer Open Air 2014 liegt schon zweieinhalb Jahre zurück. Zwischenzeitliche Reisen, Ausbildung und damit verbundene verschiedenste Einflüsse ließen den künstlerischen Output kontinuierlich ansteigen. All dies kulminierte im September 2016 in der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Struggle“. Vorausgegangen waren Wochen und Monate des Einspielens und Einsingens. Am Ende repräsentieren 5 Songs mit Gitarre und Gesang sowie mit „Odio“ als Abschluss der EP ein perkussives Lied die EP.



Die Überraschungen begannen mit dem Soundcheck, als auf einmal ein Freund der Künstlerin klingelte und nicht nur ein Mikro vorbeibringen wollte (wie ursprünglich angekündigt) sondern damit begann, ein Schlagzeug aufzubauen. Die ersten Proben zum Einstellen der Pegel ließen Großes ahnen.



Kurz nach 20 Uhr war die Scala fast überfüllt, immerhin hatte noch fast jeder und jede einen Sitzplatz. Es begann ein aus 2 Teilen bestehendes 90-minütiges Set mit einigen Überraschungen in der Liedauswahl. Natürlich waren darin alle Titel der EP enthalten, ebenso aber auch 2 neue Songs sowie unveröffentlichte Lieder und zwei Medleys.



Johni am Schlagzeug war für Frida Lous Musik eine Bereicherung, so einfühlsam hatte er sich vorab in die Musik eingehört und eingespielt. Er erweiterte damit die Klangwelt der Songs von Frida Lou um einige Breiten- und Längengrade. Unterschiedliche Stimmungen erzeugten auch die verschiedenen Gitarren und die Loopstation sowie die Ukulele, die im Laufe des Abends zum Einsatz kamen. Natürlich war der Klassiker „Remember“ für den Scala-Chor dabei und ebenso die Medleys, die für die junge Generation gedacht waren. Nach der Pause gab es ein kurzes Ständchen zum 40. Jubiläumskonzert in der Scala, bevor es mit dem Titelsong der EP in die 2. Runde ging. Genauso kam auch „His Mind“ als der Tanztitel schlechthin, für ihn war nur der Raum an diesem Abend etwas zu begrenzt.



Und als nach 85 Minuten Schluss sein sollte, verabschiedete sich Frida Lou nach kurzer Aufforderung des Publikums mit den Zugaben und präsentierte die perfekte Zusammenfassung und Klammer des Abends. Mit „Wherever You Go“ spielte sie ihren ersten überhaupt geschriebenen Song und mit „The Ocean I“ ihren jüngsten, soeben geschriebenen, welcher die Gäste schon in Vorfreude auf ein folgendes Album in die Nacht entließ.

Webseiten
Fridalou
Fridalou auf Soundcloud



Setlist

01. Bury The Birds
02. His Mind
03. The Needle Song
04. Behind
05. Track Of Joy
06. Medley II
07. Remember
08. Happy 40
09. Struggle
10. Marietta
11. Out Of Reach
12. Medley I
13. Odio

14. Wherever You Go (Z)
15. The Ocean I (Z)




Sonntag, 25. September 2016

EGO,ME&YOU, Adorf, 24.09.16

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Konzert: EGO,ME&YOU
Ort: Scala Adorf
Datum: 24.09.2016
Dauer: 65 Min
Zuschauer: 20


Melancholische Lieder in gleißendem Moll


Auf Startnext habe ich EGO,ME&YOU im letzten Winter entdeckt und das Konzert als Dankeschön für die Unterstützung des Albumprojektes erworben. Schon recht frühzeitig haben wir den Termin für den 24. September vereinbart.


Zwischenzeitlich wurde das Album "What Lies Ahead" veröffentlicht und ich war sofort begeistert von der Musik und der Grundstimmung mit Gitarre, Keyboard und Cello. Die Vorfreude auf das Konzert seither war groß. Im Verlaufe des Sommers musste dann die Besetzung verändert werden, die Cellistin wird vorerst länger pausieren und Andre Hinkel von Metabolic ist kurzfristig eingestiegen. Er bringt mit seiner E-Gitarre anstelle des Cellos naturgemäß eine andere Stimmung in die Songs ein. Dies bedeutet eine Zäsur für das Projekt und zwingt zum Nachdenken über die Zukunft und damit möglicherweise über weitere musikalische Färbungen der Songs. Im Konzert passte das wunderbar - ich bin ja eh ein Fan davon, dass sich die Konzerterlebnisse von der Musik auf den Alben unterscheiden. Ich fand Andrés Spiel als eine mit Bedacht gewählte Ergänzung an diesem Abend. Einige der Lieder spielten Daniel Martin und Dominque Matthes als Duo und Andre Hinkel stieg später ein, andere spielten sie gänzlich zu dritt.


In der Musik schwingt eine Moll-Stimmung, die neben der mitschwebenden Melancholie ein Licht ausstrahlt, dass sie stets gute Laune und Freude beim Zuhören erzeugt. Die Lieder beginnen oft zunächst sparsam arrangiert, bauen sich über die ersten Strophen und Refrains zu verschiedenen Spannungsmomenten auf und türmen dann für kurze Abschnitte die Instrumente und Stimmen aufeinander, bis es wieder hinabgeht ins Tal, wo der Applaus und die Begeisterung des Publikums als Erfrischung warten. Für mich wirkten viele der Songs wie eine Bergwanderung der Gefühle.
 

Die größten Momente hat die Band, wenn Daniel und Dominique dazu noch zusammen singen und ihre Stimmen zu einem Gegen- und Miteinanderspiel anheben. Das geht einfach unter die Haut und mit jedem neuen Titel habe ich darauf gewartet, dass ich wieder solch eine Stelle erlebe. Nun sind EGO,ME&YOU clever genug, diese Momente durchaus sparsam einzubauen.
Zwischen den Songs hören wir viele Geschichten über das Entstehen der Lieder. Die besten Entwürfe kommen Daniel spät nachts, fallen am nächsten Tag aber auch schon mal durch bei der Band. "England" als Titel der Sehnsucht nach der Insel durchläuft gerade den aktuellen Entwicklungen folgend eine Transformation in Richtung "Melbourne". Und vieles mehr an solchen Geschichten rundet einen unterhaltsamen Abend ab.
 

Des Gastgebers Freude ist neben glücklichen Künstlern ein Publikum mit Freude in den Augen und Gesichtern. An diesem Abend äußerte sich dies auch darin, dass nach dem relativ kurzen Konzert alle noch lange blieben, CDs kauften, Selfies mit der Band schossen, schwatzten und der Freude freien Lauf ließen.
Dieser Abend reiht sich ein in die Reihe großer Scala-Konzerte und wird gleichzeitig als einer der besonderen in Erinnerung bleiben. 

Webseite: http://www.egomeandyou.de
 
Setlist
01. Set Sails
02. Images
03. England (Melbourne)
04. Gentle
05. Mountains
06. This Weather
07. Ghosts
08. Roots
09. Crack In The China
10. Oceans
11. Jerusalem

12. All Wash Out (Z)
13. One Day (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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